{"id":3457,"date":"2008-09-16T08:52:03","date_gmt":"2008-09-16T06:52:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3457"},"modified":"2015-11-15T10:37:43","modified_gmt":"2015-11-15T09:37:43","slug":"die-unfaehigkeit-zu-makrooekonomischer-vernunft-ein-kern-unseres-problems","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3457","title":{"rendered":"Die Unf\u00e4higkeit zu makro\u00f6konomischer Vernunft &#8211; ein Kern unseres Problems"},"content":{"rendered":"<p>Gestern, an einem Montag gegen 16:30 Uhr besuchte ich einen Baumarkt. Verkaufsbereich leer, im Lagerbereich auch keine Kunden. Ich fragte den Lagerarbeiter, was los sei. Das sei einige Zeit schon so. Die Leute h&auml;tten offenbar kein Geld zum Bauen. &ndash; Zuhause im Laptop finde ich dann das Interview des SPD Haushaltsexperten Carsten Schneider (Anlage D) mit der saloppen Bemerkung, er sehe eine &bdquo;konjunkturelle Delle&ldquo; statt einer Krise. Der Mann kommt aus Th&uuml;ringen, einer Region, der es insgesamt sicher nicht besser geht als der S&uuml;dpfalz. Dieser wichtige Mann hat offenbar weder einen Sensor f&uuml;r die wirkliche Lage noch begreift er wirtschaftliche Zusammenh&auml;nge. Das verbindet ihn mit dem Bundesfinanzminister. Wo ihre Schw&auml;chen, ihre Fehleinsch&auml;tzungen und Manipulationsversuche liegen, soll anhand von vier Medienbeitr&auml;gen gezeigt werden. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Im Beitrag A wird beschrieben, dass Steinbr&uuml;ck nach Meinung eines Kieler Finanzexperten sein Etatziel verfehlen wird. &bdquo;Angesichts schwacher Konjunkturdaten wird es nicht m&ouml;glich sein, den Haushalt so zu konsolidieren &hellip;&ldquo;. Hier wird deutlich gesagt, dass der Konsolidierungserfolg vom Konjunkturablauf abh&auml;ngt, dass also die Spar-Absicht des Finanzministers nicht identisch ist mit dem Spar-Erfolg. Unsere Finanzpolitiker glauben jedoch immer noch, ihre Absichten w&uuml;rden reichen. (Der Kieler Finanzexperte glaubt es &uuml;brigens auch)<\/p><p>Das wird auch sichtbar am Widerstand des &bdquo;Haushaltsexperten&ldquo; Schneider gegen Konjunkturprogramme. Er hat nicht verstanden, dass der von ihm gew&uuml;nschte Konsolidierungserfolg auch weiter ausbleibt, wenn die Bundesregierung und die Europ&auml;ische Zentralbank die Konjunktur weiter in den Keller rasseln l&auml;sst. Und er hat eben noch nicht wahrgenommen, dass jede erfolgreiche Konsolidierung auch in anderen L&auml;ndern immer nur mit einem langanhaltenden konjunkturellen Aufschwung m&ouml;glich war. &ndash; Seine Antwort zum Thema Konjunkturprogramm sollten Sie lesen. Sie ist selten einf&auml;ltig. Darin wird sichtbar, dass der Abgeordnete die Wirkungszusammenh&auml;nge nicht zu analysieren vermag, also nicht sieht, dass ein konjunkturpolitischer Akt wiederum Folgen hat, die eine Berechnung, wie er sie anstellt, &uuml;ber den Haufen wirft. &ndash; Die belastende Crux unseres Landes wird auch an dieser Person sichtbar: wir haben es mit f&uuml;r die Gesamtwirtschaft zust&auml;ndigen Person zu tun, die nur einzelwirtschaftlich zu denken verm&ouml;gen.<\/p><p>Die Bundesregierung hat alle Warnungen vor einem Niedergang der Konjunktur, die schon im letzten Jahr an einem kr&auml;ftigen Minus bei den Einzelhandelsums&auml;tzen sichtbar geworden war, beiseite geschoben und nichts gegen den Niedergang unternommen. Diese Damen und Herren kennen offensichtlich nicht die in der &Ouml;konomie verbreitete und gefestigte Erkenntnis, dass man im konjunkturellen Ablauf als Wirtschafts- und Finanzpolitiker wie auch als Geldpolitiker nicht erst t&auml;tig werden darf, wenn die Situation eingetreten ist. Die banale Erkenntnis von der Notwendigkeit rechtzeitigen Handelns ist nicht mehr vorhanden.<\/p><p>Steinbr&uuml;ck versucht jetzt, den Bankrott seiner Sparpolitik auf die internationale Finanzkrise zu schieben. Und der Spiegel hilft kr&auml;ftig mit. (Siehe Anlage B) Diese Finanzkrise spielt sicher auch eine Rolle. Aber der gr&ouml;&szlig;ere Rest ist hausgemacht und diese hausgemachte konjunkturelle Schw&auml;che, der andauernde Niedergang der Masseneinkommen und des Konsums, war schon vor Beginn der Finanzkrise sichtbar. Siehe dazu auch ein Interview mit Axel Trost in Anlage C.<\/p><p>Interessant ist bei dem Ganzen noch folgende Beobachtung: Uns wurde doch immer wieder erz&auml;hlt, wir h&auml;tten kein Konjunkturproblem, sondern ein Strukturproblem und es bed&uuml;rfe der Strukturreformen, um zur wirtschaftlichen Belebung zur&uuml;ckzukommen, sozusagen auf Dauer. Entsprechend wurden und werden immer noch die kleinen konjunkturellen Erfolge des Jahres 2006 und 2007 als Erfolg der Reformpolitik gefeiert. Wenn es diesen von mir immer bestrittenen Wirkungszusammenhang zwischen Strukturreformen und wirtschaftlicher Entwicklung gibt, dann m&uuml;sste man logischerweise f&uuml;r den wirtschaftlichen Niedergang dieser neueren Zeit auch irgendwelche Strukturreformen verantwortlich machen.  <\/p><p><strong>Und nun zu den Anlagen: <\/strong><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Steinbr&uuml;ck verfehlt Etatziel<\/strong><br>\nEin Jahr vor der Bundestagswahl steht eines der wichtigsten strategischen Ziele der schwarz-roten Koalition vor dem Scheitern. Angesichts schwacher Konjunkturdaten wird es nicht m&ouml;glich sein, den Haushalt so zu konsolidieren, dass der Bund 2011 ohne neue Schulden auskommt. Dies ergibt sich aus Berechnungen des Kieler Instituts f&uuml;r Weltwirtschaft, dessen Expertise und Zielgenauigkeit bei der Sch&auml;tzung von Steuereinnahmen f&uuml;hrend sind.\n<p>&bdquo;Der Bund hat seine Ausgabendisziplin aufgegeben. Nun d&uuml;rfte er 2011 ein Loch von etwa drei Mrd. Euro im Haushalt haben&ldquo;, sagte der Kieler Finanzexperte Alfred Boss dem Handelsblatt. In dieser Woche werden die Haushaltspl&auml;ne des Bundes f&uuml;r das Wahljahr 2009 erstmals dem Parlament vorgelegt. Am Mittwoch steht die &bdquo;Generaldebatte&ldquo; an, der traditionelle Schlagabtausch zwischen Regierung und Opposition.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/steinbrueck-verfehlt-etatziel;2039895\">Handelsblatt<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><strong>LEHMAN-PLEITE<\/strong><br>\n<strong>US-Finanzkrise bedroht Steinbr&uuml;cks Haushalt<\/strong><br>\n<em>Von Stefan Schultz <\/em><br>\nDie Bankrotterkl&auml;rung der US-Bank Lehman hat ein weltweites B&ouml;rsenbeben ausgel&ouml;st. Auch deutsche Finanzinstitute werden durch die Krise bedroht, jetzt f&uuml;rchtet Finanzminister Steinbr&uuml;ck um den Bundeshaushalt.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,druck-578367,00.html\">Spiegel<\/a>\n<\/li>\n<li>Finanzpolitik der Regierung ist total falsch<br>\nKrise an der Wall Street schl&auml;gt auf Europa durch. Indizien f&uuml;r eine tiefe Rezession in Deutschland und in der Euro-Zone. Ein Gespr&auml;ch mit Axel Troost, finanzpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2008\/09-16\/051.php?print=1\">jungewelt<\/a>\n<\/li>\n<li><strong>SPD-Schneider<\/strong><br>\n<strong>&ldquo;Riesige neue Schulden&rdquo;<\/strong><br>\nCarsten Schneider, SPD-Haushaltsexperte, lehnt im FR-Interview Konjunkturprogramme rigoros ab.\n<p><em>Im Aufschwung sind die Defizite gesunken. Kann das auch im Abschwung gelingen?<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Nein. Wir k&ouml;nnen einem Abschwung nicht hinterher sparen. Das w&auml;re wirtschaftspolitisch unsinnig, weil wir eine konjunkturelle Abschw&auml;chung damit noch versch&auml;rfen w&uuml;rden. Wir sollten die automatischen Stabilisatoren wirken lassen, also geringere Steuereinnahmen und h&ouml;here Arbeitsmarktausgaben &uuml;ber Kredite finanzieren. Mehr aber auch nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Die Neuverschuldung k&ouml;nnte also h&ouml;her ausfallen als geplant?<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Ich sehe eher eine konjunkturelle Delle als eine Krise. Au&szlig;erdem ist die Wirtschaft Anfang des Jahres so stark gewachsen, dass wir die Haushaltsziele auch bei einem sehr schwachen Wachstum im Rest diesen Jahres und im kommenden Jahr erreichen k&ouml;nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Hat die Koalition vers&auml;umt, f&uuml;r schlechtere Zeiten vorzusorgen?<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Wie war die Lage nach der letzten Abschwungphase? Es gab ein Defizit von 60 bis 70 Milliarden Euro. Wir sind mit der Konsolidierung gut vorangekommen und haben das Defizit deutlich reduziert. Gleichzeitig haben wir die Investitionen gesteigert und damit dazu beigetragen, dass die deutsche Wirtschaft innerhalb von Europa heute noch relativ gut dasteht.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Dennoch: Der Ruf nach Konjunkturprogrammen wird lauter. Haben Sie etwas in der Schublade?<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Wer Konjunkturprogramme will, redet riesigen neuen Schulden das Wort. Nur um das Wachstum um einen Prozentpunkt zu steigern, m&uuml;ssten wir 24 Milliarden Euro in die Hand ausgeben. Eine solche Summe w&uuml;rde den Bundeshaushalt nicht nur in Konflikte mit der Verfassung bringen, sondern auch &uuml;ber Jahre so belasten, dass wir den schuldenfreien Haushalt 2011 nicht schaffen k&ouml;nnten. Dies aber bleibt unser zentrales Ziel.<br>\n(&hellip;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/1594100_Riesige-neue-Schulden.html\">FR<\/a><\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern, an einem Montag gegen 16:30 Uhr besuchte ich einen Baumarkt. Verkaufsbereich leer, im Lagerbereich auch keine Kunden. Ich fragte den Lagerarbeiter, was los sei. Das sei einige Zeit schon so. 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