{"id":34588,"date":"2016-08-12T14:29:51","date_gmt":"2016-08-12T12:29:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34588"},"modified":"2016-08-15T09:27:38","modified_gmt":"2016-08-15T07:27:38","slug":"edelfedern-aus-stahl-deutschlands-journalistenbrigade-ist-stramm-auf-konfrontation-gebuerstet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34588","title":{"rendered":"Edelfedern aus Stahl \u2013 Deutschlands Journalistenbrigade ist stramm auf Konfrontation geb\u00fcrstet"},"content":{"rendered":"<p>Was genau in den letzten Tagen auf der Krim <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/49\/49112\/1.html\">geschehen ist<\/a>, werden wir aller Voraussicht nach wohl nie erfahren. Russland beschuldigt die Ukraine, die Ukraine kontert, Aussage steht gegen Aussage. Doch anstatt die Ruhe zu bewahren und zumindest zu versuchen, Fakten m&ouml;glichst objektiv zu ordnen und Spekulationen seri&ouml;s zu bewerten, stricken die klassischen Medien lieber Verschw&ouml;rungstheorien und blenden alles aus, was nicht ihrem Weltbild entspricht. &bdquo;Der Russe l&uuml;gt sowieso&ldquo;, so das Mantra. Das ist mehr als ein &Auml;rgernis. Vor allem dann, wenn die Edelfedern ihr Stahlgewitter herbeisehnen und wie Richard Herzinger <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/article157605794\/Der-Westen-muss-Putin-jetzt-endlich-stoppen.html\">in der WELT<\/a> f&uuml;r milit&auml;rische Aggressionen trommeln. Vielleicht sollten Historiker einmal genau untersuchen, welche Rolle Journalisten bei der Entfesselung von Kriegen spielen? Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9091\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-34588-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160812_Edelfedern_aus_Stahl_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160812_Edelfedern_aus_Stahl_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160812_Edelfedern_aus_Stahl_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160812_Edelfedern_aus_Stahl_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=34588-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160812_Edelfedern_aus_Stahl_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160812_Edelfedern_aus_Stahl_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Was ist passiert? Die russische Version<\/strong><\/p><p>Wie fast immer, wenn es um Konflikte in der ukrainisch-russischen Grenzregion geht, gibt es nichts, das einigerma&szlig;en objektiv abgesichert, verifizier- oder falsifizierbar ist. Nach offizieller <a href=\"http:\/\/www.fsb.ru\/fsb\/press\/message\/single.htm%21id%3D10437869%40fsbMessage.html\">russischer Sprachregelung<\/a> hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB in der Nacht vom 6. auf den 7. August einen Hinweis auf eine m&ouml;gliche Infiltration von Saboteuren von See aus im Grenzgebiet der Krim erhalten. Am Einsatzort stie&szlig; man dann auf eine Gruppe Bewaffneter, die nach einem Gefecht fl&uuml;chteten. Bei diesem Gefecht kamen ein FSB-Mitarbeiter und zwei Angreifer ums Leben. Daraufhin <a href=\"http:\/\/tass.ru\/politika\/3526609\">schloss<\/a> man die Grenz&uuml;berg&auml;nge auf der Krim und l&ouml;ste &ndash; unterst&uuml;tzt durch die Armee &ndash; eine Gro&szlig;fahndung aus. In der Nacht zum 8. August <a href=\"http:\/\/www.vesti.ru\/doc.html?id=2786316&amp;cid=8\">wehrten<\/a> russische Milit&auml;reinheiten einen weiteren Infiltrationsversuch ab, wobei ein russischer Fallschirmj&auml;ger ums Leben kam. Unter den Gefangenen befand sich &ndash; russischen Quellen zufolge &ndash; auch der ukrainische Milit&auml;rgeheimdienstmitarbeiter Ewgenij Panow, der daraufhin verh&ouml;rt wurde. Im Rahmen der Ermittlungen gegen Panow und die weiteren Saboteure wurden russischen Angaben zufolge rund 20kg Sprengstoff <a href=\"http:\/\/www.liveleak.com\/view?i=771_1470850755\">festgesetzt<\/a>. Den Aussagen der Gefangenen zufolge, sollten mit dem Sprengstoff Anschl&auml;ge auf Infrastruktur- und Tourismus-Einrichtungen auf der Krim ausge&uuml;bt werden. <\/p><p><strong>Was ist passiert? Die ukrainische Version<\/strong><\/p><p>Die Ukraine streitet dies ab, <a href=\"http:\/\/uacrisis.org\/de\/45943-deutsch-was-auf-der-krim-vor-sich-geht\">pr&auml;sentiert<\/a> Panow als &bdquo;Opfer einer Entf&uuml;hrung&ldquo; und bel&auml;sst es ansonsten dabei, erst gar keine Fakten zu pr&auml;sentieren. Lieber pr&auml;sentiert man Verschw&ouml;rungstheorien, nach denen die vermeintlichen Anschl&auml;ge ein modernes &bdquo;Sender Gleiwitz&ldquo; seien &ndash; die fabrizierte Begr&uuml;ndung f&uuml;r eine geplante Gro&szlig;offensive. Daher &bdquo;reagierte&ldquo; man offizieller Sprachregelung nach, indem man zus&auml;tzliche ukrainische Truppen an die Grenze verlegte und die Streitkr&auml;fte in Alarmbereitschaft versetzte. <\/p><p>F&uuml;r die deutschen Medien ist die Sache klar. SPIEGEL-Online-Korrespondent Benjamin Bidder fasst die Gemengelage mit dem Satz &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/krim-ukraine-und-russland-angst-vor-einem-neuen-krieg-a-1107270.html\">Beweise f&uuml;r Russlands Behauptungen gibt es nicht<\/a>&ldquo; zusammen. Das ist freilich korrekt. Aber wie sollte denn bitte ein &bdquo;Beweis&ldquo; aussehen? Der FSB und russische Medien zeichnen eine ziemlich l&uuml;ckenlose und stringente Kette, pr&auml;sentieren Bilder vom beschlagnahmten Sprengstoff und Videos mit den Aussagen des festgenommen Ukrainers Panow. Na klar, das kann alles ebenfalls gestellt und fabriziert sein. Aber auf welchen &bdquo;Beweis&ldquo; trifft dies nicht zu? Immerhin pr&auml;sentiert Russland Belege. Die Ukraine braucht dies offenbar nicht zu tun, ihre Erkl&auml;rungen werden &ndash; egal wie wirr sie sein m&ouml;gen &ndash; zumindest von Deutschlands Medien ohnehin nicht ernsthaft auf Plausibilit&auml;t gepr&uuml;ft. Wenn Aussage gegen Aussage steht, glauben deutsche Journalisten ohnehin nicht der russischen Seite &ndash; da kann kommen, was will. Anstatt die russischen Vorw&uuml;rfe zumindest zur Kenntnis zu nehmen, werden sie stattdessen reflexhaft als &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/ukraine-konflikt-aussage-gegen-aussage-1.3117673\">Kriegsrhetorik<\/a>&ldquo; abgetan. Und da wundern sich die klassischen Medien ernsthaft, dass sie rapide an Deutungshoheit verlieren? <\/p><p><strong>Herzinger bl&auml;st zum Sturmangriff<\/strong><\/p><p>Ginge es nur um einseitige oder unausgewogene Berichterstattung &ndash; Schwamm dr&uuml;ber, daran haben wir uns ja leider schon gew&ouml;hnt. Die Vorf&auml;lle auf der Krim werden jedoch von vereinzelten kalten Kriegern der Journalistenbrigade auch skurril umgedeutet, um Kriegspropaganda zu betreiben. Anders ist Richard Herzingers bellizistischer Aufruf &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/article157605794\/Der-Westen-muss-Putin-jetzt-endlich-stoppen.html\">Der Westen muss Putin jetzt endlich stoppen<\/a>&ldquo; in der WELT kaum zu deuten. In diesem Aufsatz betreibt Herzinger Propaganda im schlimmsten Sinne des Begriffs. Die russischen Vorw&uuml;rfe sind f&uuml;r ihn schlicht &bdquo;Schauerpropaganda&ldquo;, ein &bdquo;fabriziertes Komplott&ldquo; um &bdquo;eine gro&szlig; angelegte Invasion der Ukraine vorzubereiten&ldquo;. Hat Herzinger Beweise oder zumindest Belege, um diese skurrile Verd&auml;chtigung zu untermauern? Aber nicht doch. <\/p><p>Wer erfolgreich hetzen will, der sollte ichs gar nicht erst mit Fakten oder gar dem gro&szlig;en Wort &bdquo;Wahrheit&ldquo; abgeben. Putin wolle den Westen wie 2008 &bdquo;&uuml;berrumpeln&ldquo;, so Herzinger. &bdquo;Georgien lie&szlig; er 2008 im August angreifen, als die westlichen politischen Entscheidungstr&auml;ger am Strand oder in den Bergen vor sich hin d&ouml;sten&ldquo;. Selbst ein kalter Krieger wie Herzinger sollte eigentlich wissen, dass 2008 nicht Putin Georgien, sondern umgekehrt Georgien die Entit&auml;t S&uuml;dossetien und damit de facto Russland <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaukasuskrieg_2008\">angegriffen hat<\/a>. Was Herzinger hier betreibt, nennt sich Geschichtsrevisionismus. Aber wer wei&szlig;, vielleicht h&auml;lt Herzinger auch das Unternehmen Barbarossa f&uuml;r eine gerechtfertigte Vorw&auml;rtsverteidigung gegen den aggressiven Russen? <\/p><p>Herzinger ist keinesfalls ein Solit&auml;r. &bdquo;Journalisten&ldquo; wie er haben die Welt schon &ouml;fters in Ungl&uuml;ck getrieben. Waren es nicht franz&ouml;sische Journalisten, die 1870 auf die &bdquo;Emser Depesche&ldquo; mit Schaum vorm Mund reagierten und die franz&ouml;sische Regierung in einen Krieg mit Deutschland trieben? Waren es nicht vor allem die Edelfedern, die vor 1914 die V&ouml;lker der Welt in einen besoffen-aggressiven Nationalismus trieben, der dann in den Ersten Weltkrieg und Jahre sp&auml;ter in den Zweiten Weltkrieg m&uuml;ndete? Und waren es nicht Medien die unsere Politik aufforderten, 1999 das Kosovo und Serbien zu bombardieren, um ein &bdquo;zweites Auschwitz&ldquo; zu verhindern? Und wer hat 2003 die &bdquo;fabrizierten L&uuml;gen&ldquo; der angloamerikanischen Geheimdienste ungepr&uuml;ft weiterverbreitet, um den &Uuml;berfall des Irak vorzubereiten? Nicht nur Gener&auml;le und Pr&auml;sidenten, auch Journalisten haben Blut an ihren H&auml;nden. Hoffen wir, dass die Geschichte Herzinger nicht mit dem Stahlgewitter belohnt, dass er sich so sehr herbeiw&uuml;nscht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/b08a67391b664cbcb480e244964609d5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was genau in den letzten Tagen auf der Krim <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/49\/49112\/1.html\">geschehen ist<\/a>, werden wir aller Voraussicht nach wohl nie erfahren. Russland beschuldigt die Ukraine, die Ukraine kontert, Aussage steht gegen Aussage. 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