{"id":3460,"date":"2008-09-16T14:50:03","date_gmt":"2008-09-16T12:50:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3460"},"modified":"2015-11-15T10:34:14","modified_gmt":"2015-11-15T09:34:14","slug":"pp-und-andere-grausamkeinten-schauen-sie-ihren-kommunalpolitikerninnen-auf-die-finger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3460","title":{"rendered":"PPP und andere Grausamkeinten: Schauen Sie Ihren Kommunalpolitikern\/innen auf die Finger!"},"content":{"rendered":"<p>Martin Betzwieser berichtet &uuml;ber Erfahrungen mit &Ouml;PP\/PPP und empfiehlt, sich zu wehren. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--> <\/p><p>Seit einigen Jahren gilt es als modern, Bau- und Sanierungsma&szlig;nahmen &ouml;ffentlicher Geb&auml;ude nicht mehr in kommunaler Eigenverantwortung durchzuf&uuml;hren sondern im Rahmen von &Ouml;ffentlich-privaten Partnerschaften (&Ouml;PP) &ndash; oder knackiger ausgedr&uuml;ckt: Public Private Partnership (PPP). Die Kommune beauftragt einen Generalunternehmer mit dem Bau bzw. der Sanierung. Die Kommune pachtet das fertig gestellte Geb&auml;ude f&uuml;r viele Jahre vom Generalunternehmer, der den Bau &ndash; teilweise mit eigenem Personal &ndash; betreibt, unterh&auml;lt und dauerhaft in Stand h&auml;lt. Das sei alles wesentlich <a href=\"http:\/\/www.frankfurt-main.ihk.de\/starthilfe_foerderung\/foerderung\/branchen\/immobilien\/bauwirtschaft\/ppp\/index.html\">effektiver und kosteng&uuml;nstiger als Eigenbau [1]<\/a>.<\/p><p>In Frankfurt am Main war das erste gro&szlig;e PPP-Projekt das &bdquo;Bildungszentrum Ostend&ldquo;. Dass hier der Bau durch PPP billiger war als der Bau in Eigenverantwortung, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2\/Doc~E8506DFDA56F542AF8A083E29D4CCA3B7~ATpl~Ecommon~Scontent~Afor~Eprint.html\">bestreitet sogar das eigene st&auml;dtische Revisionsamt [2]<\/a>. <\/p><p>&Uuml;ber das Thema Privatisierung und PPP wurden schon viele Artikel und B&uuml;cher geschrieben, die ich nicht alle nacherz&auml;hlen will. In welchem Zustand sich das Bildungszentrum Ostend nach etwas mehr als zwei Jahren Betrieb befindet, wurde im Juli 2008 im <a href=\"http:\/\/frontal21.zdf.de\/ZDFde\/download\/0,6753,7005195,00.pdf\">ZDF-Politmagazin FRONTAL21 [3]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/content\/541428?inPopup=true\">gezeigt [4]<\/a>. <\/p><p>Trotz viel Kritik, zahlreicher Ungereimtheiten und Kontroversen sollten <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2\/Doc~E62CA91F25B744C4F8D733677EA3F7C46~ATpl~Ecommon~Scontent~Afor~Eprint.html\">vier Frankfurter Schulen in PPP saniert bzw. neu gebaut werden [5]<\/a>.  <\/p><p>Zuvor gab es bereits im April 2007 eine <a href=\"http:\/\/www.attac-ffm.de\/ag_Priv_Nein.htm#ppp_schulen\">Diskussions- und Informationsveranstaltung [6]<\/a> an einem der Tatorte, dem Bildungs- und Kulturzentrum (BiKuZ) in Frankfurt-H&ouml;chst, <a href=\"http:\/\/www.attac-ffm.de\/x_pdfs\/BiKuZ_H%F6chst_Version_2.pdf\">durchgef&uuml;hrt u.A. von Attac Frankfurt und der GEW [7]<\/a>. <\/p><p>Sowohl bei dieser Veranstaltung als auch bei einer <a href=\"http:\/\/www.region-frankfurt-rhein-main.dgb.de\/termine\/termindb\/termin_single?termid=114\">aktuellen Veranstaltung [8]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.region-frankfurt-rhein-main.dgb.de\/termine\/Veranstaltung_8.9.08_Rekommunalisierung.pdf\">am 08.09.2008 [9]<\/a> im Frankfurter Gewerkschaftshaus war der <a href=\"http:\/\/www.frankfurt.de\/sixcms\/detail.php?id=715792&amp;_ffmpar%5B_id_inhalt%5D=719018\">Frankfurter Stadverordnete Michael zu L&ouml;wenstein (CDU) [10]<\/a> auf dem Podium vertreten. Michael zu L&ouml;wenstein ist ein &uuml;berzeugter Bef&uuml;rworter von Privatisierung und PPP und er war an der Entscheidung, die vier Schulen in PPP zu sanieren, beteiligt. Er hatte es auf beiden Veranstaltungen erwartungsgem&auml;&szlig; nicht leicht und unter diesem Aspekt sollte die Bereitschaft zur Teilnahme insgesamt als positiv bewertet werden. <\/p><p>Wenn es zu solchen Entscheidungen durch politische Mandatstr&auml;ger\/innen kommt, interessiert mich, wer davon profitiert, dass etwas gemacht oder nicht gemacht wird. Dann st&ouml;bere ich ein bischen im Internet herum und das tat ich auch nach der Veranstaltung im BiKuZ H&ouml;chst und fand das heraus:<\/p><p>Als es in der Stadtverordnetenversammlung um die Schul-PPP ging, war Michael Prinz zu L&ouml;wenstein Gesellschafter und Fachanwalt bei der bundesweit t&auml;tigen <a href=\"http:\/\/www.iqb2.de\/Action.lasso?-database=iqb_jxxcon&amp;-response=\/Juracon\/Unternehmensportrait_Juracon_Rahmen.lasso&amp;-layout=profileingabe_juracon&amp;-op=bw&amp;proj_ID=juc_fra_04_2007&amp;_sn=juc_fra_04_2007_4734&amp;-maxRecords=1&amp;-search\">Anwaltskanzlei Heuking K&uuml;hn L&uuml;er Wojtek [11]<\/a>. Inzwischen ist Michael zu L&ouml;wenstein <a href=\"http:\/\/www.openpr.de\/news\/156048\/direct-King-Spalding-eroeffnet-Buero-in-Frankfurt.html\">bei einem anderen Unternehmen t&auml;tig [12]<\/a>, aber zur Zeit der Schul-PPP war er bei <a href=\"http:\/\/www.iqb2.de\/Action.lasso?-database=iqb_jxxcon&amp;-response=\/Juracon\/Unternehmensportrait_Juracon_Rahmen.lasso&amp;-layout=profileingabe_juracon&amp;-op=bw&amp;proj_ID=juc_fra_04_2007&amp;_sn=juc_fra_04_2007_4734&amp;-maxRecords=1&amp;-search\">Heuking K&uuml;hn L&uuml;er Wojtek [11]<\/a>. Eine deren Spezialit&auml;ten &ndash; nicht die einzige Spezialit&auml;t, eine Spezialit&auml;t &ndash; ist ausgerechnet Privatisierung und PPP:<a href=\"http:\/\/www.heuking.de\/servlet\/PB\/menu\/1677587_l1\/index.html\"> &bdquo;Heuking K&uuml;hn L&uuml;er Wojtek konzipiert seinen Mandanten auf die jeweiligen Bed&uuml;rfnisse zugeschnittene PPP-Verfahren und -modelle. Dazu erstellen wir im Vorfeld eine Machbarkeitsstudie und einen Projektplan. Hierf&uuml;r entwerfen wir die f&uuml;r das Vergabeverfahren erforderlichen Unterlagen und gestalten und verhandeln alle notwendigen Vertr&auml;ge. Die Zusammenarbeit mit den beteiligten Kommunen und der Kommunalaufsicht ist f&uuml;r uns Routine und selbstverst&auml;ndlich.&ldquo; [13]<\/a><\/p><p>In einem Redebeitrag bei der aktuellen <a href=\"http:\/\/www.region-frankfurt-rhein-main.dgb.de\/termine\/Veranstaltung_8.9.08_Rekommunalisierung.pdf\">Veranstaltung am 08.09.2008 [9]<\/a> trage ich meine Rechercheergebnisse kurz vor und spreche Michael zu L&ouml;wenstein daraufhin an. Auf die Frage ob er der betreffende Michael Prinz zu L&ouml;wenstein sei (&bdquo;Bin ich da bei Ihnen richtig?&ldquo;), best&auml;tigt er mit Kopfnicken. Ob man so etwas nicht als Interessenkollision betrachten k&ouml;nne, frage ich und vermeide ausdr&uuml;cklich das b&ouml;se K-Wort. Als die Beteiligten auf dem Podium etwas sp&auml;ter zu den gesammelten Fragen und Redebeitr&auml;gen Stellung nehmen, antwortet Michael zu L&ouml;wenstein, es sei doch nichts Schlimmes und Verwerfliches daran, es solle doch eher als positiv aufgenommen werden, wenn sich Menschen mit solchen Fachkenntnissen in der Stadtverordnetenversammlung engagierten. Die Kanzlei Heuking &amp; Co. arbeite seit Jahren erfolgreich, intensiv und vertrauensvoll in der PPP-Beratung verschiedener Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Das Publikum bleibt skeptisch und reagiert mit Raunen und Gel&auml;chter.<\/p><p>Wie erfolgreich, intensiv und vertrauensvoll die Zusammenarbeit von Heuking K&uuml;hn L&uuml;er Wojtek mit nordrhein-westf&auml;lischen Kommunen war, beschreibt der Autor <a href=\"http:\/\/www.werner-ruegemer.de\/\">Werner R&uuml;gemer [14]<\/a><a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsverbrechen.de\/index2.html\"> (Vorsitzender von Business Crime Control e.V. [15]<\/a>,<a href=\"http:\/\/www.attac-netzwerk.de\/das-netzwerk\/wissenschaftlicher-beirat\/mitglieder\/\"> Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac [16]<\/a>) in seinem <a href=\"http:\/\/www.dampfboot-verlag.de\/buecher\/630-3.html\">Standardwerk [17]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/index.php?id=archivseite&amp;dig=2007\/02\/03\/a0023&amp;type=98\">&bdquo;Privatisierung in Deutschland &ndash; Eine Bilanz&ldquo; [18]<\/a>. <\/p><p><em>Mit freundlicher Genehmigung des Autors zitiere ich ein entsprechendes Kapitel zur Arbeit der Anwaltskanzlei in M&uuml;lheim an der Ruhr (S. 95 &ndash; 98):<\/em><\/p><p>Seit 1912 geh&ouml;rten die Rheinischen Wasserwerke (RWW) den St&auml;dten M&uuml;lheim, Bottrop und Gladbeck. Es ist das viertgr&ouml;&szlig;te Wasserunternehmen in Deutschland. Als CDU und Gr&uuml;ne 1999 in M&uuml;lheim die erste schwarz-gr&uuml;ne Koalition in einer deutschen Gro&szlig;stadt bildeten, lautete ihr wichtigster Programmpunkt: Privatisierung. Auch in den anderen St&auml;dten wurde beschlossen, 60 Prozent der RWW zu verkaufen, eine Sperrminorit&auml;t von 25 % sollte bei den Kommunen bleiben. Mit dem Verkaufserl&ouml;s wollten sie die Haushalte sanieren. Damals galt in Berlin, in Baden-W&uuml;rttemberg und in der ganzen Republik das Glaubensbekenntnis: &bdquo;Ein kommunales Unternehmen kann nur mit einem starken strategischen Partner &uuml;berleben.&rdquo;<\/p><p>Ohne Ausschreibung wurde mit RWE Aqua verhandelt. Nachtr&auml;glich machte die Gelsenwasser AG ein Angebot, das etwa 40 Millionen Euro h&ouml;her lag. Trotzdem bevorzugte der M&uuml;lheimer Oberb&uuml;rgermeister Dr. Jens Baganz, der als Verhandlungsf&uuml;hrer agierte, das niedrigere RWE-Angebot. Au&szlig;erdem ging er ohne Ratsbeschluss auf den Vorschlag von RWE ein, statt 60 Prozent 80 zu verkaufen, sodass die St&auml;dte ihre Sperrminorit&auml;t verloren. Im April 2002 wurde der Vertrag unterzeichnet, nat&uuml;rlich in der Schweiz.<\/p><p>Danach wurde weiter privatisiert: Das st&auml;dtische Energieunternehmen (medl, M&uuml;lheimer EnergiedienstleistungsGmbH) verkaufte 49 Prozent an Rhenag, eine RWE-Tochter; die st&auml;dtische Abfallgesellschaft (MEG, M&uuml;lheimer Entsorgungs GmbH) verkaufte 49 Prozent an Trienekens, eine RWE-Tochter usw., jeweils ohne Ausschreibung. Inzwischen sind nur die st&auml;dtischen Altenheime noch nicht privatisiert.<\/p><p>So geriet die &bdquo;gr&uuml;ne Stadt&rdquo; des Ruhrgebiets unter die Kontrolle von RWE. Das merkte in der &Ouml;ffentlichkeit kaum jemand. Das h&auml;tte sich kaum ge&auml;ndert, wenn den Akteuren nicht etwas Ungeplantes passiert w&auml;re: Ende 2002 trat die so erfolgreich scheinende Symbolfigur zur&uuml;ck. Der junge, dynamische usw. Oberb&uuml;rgermeister erkl&auml;rte, kurz nachdem er schon seine Kandidatur f&uuml;r die n&auml;chste Wahl angek&uuml;ndigt hatte, seinen R&uuml;cktritt. Der Grund hatte mit den Privatisierungen scheinbar nichts zu tun: Er habe, so Baganz, ein au&szlig;ereheliches Verh&auml;ltnis mit der Rechtsanw&auml;ltin Dr. Ute Jasper, die f&uuml;r die Stadt arbeite.<\/p><p>In Wirklichkeit agierte die Anw&auml;ltin als Beraterin f&uuml;r alle Privatisierungen. Das wusste die &Ouml;ffentlichkeit aber kaum, denn die Beraterin war nie offiziell beauftragt worden. Im Beratungszeitraum wurde sie vom Oberb&uuml;rgermeister geschw&auml;ngert. Der Skandal war gro&szlig;, vor allem wegen der au&szlig;erehelichen Beziehung, denn Baganz war nicht nur als christlicher Politiker, sondern auch als vorbildlicher Familienvater aufgetreten, und er war Mitglied im Presbyterium seiner Kirchengemeinde. Die kleine Zwei-Mann-Ratsfraktion MBI (M&uuml;lheimer B&uuml;rgerinitiativen), die schon bei allen Privatisierungen nachgehakt hatte, stellte im Stadtrat den Antrag, die T&auml;tigkeit der Beraterin zu untersuchen. Noch nie hatte der Stadtrat einem MBI-Antrag zugestimmt. Doch in der aufgew&uuml;hlten Skandalsituation ging es nicht anders, der Stadtrat stimmte zu, und zwar einstimmig.<\/p><p>So stellte das st&auml;dtische Rechnungspr&uuml;fungsamt fest, dass Dr. Jasper f&uuml;r alle Privatisierungen die Gutachten und Empfehlungen ausgearbeitet hatte, insgesamt 12. Diese Auftr&auml;ge hatte sie ohne Ausschreibung erhalten. Sie bzw. ihre Kanzlei habe die Stellung eines &bdquo;Hoflieferanten&rdquo; innegehabt. Sie hatte in anderthalb Jahren 2.200 Stunden mit einem Gesamthonorar von 1,4 Millionen Euro abgerechnet. Es fehlten Einzelnachweise. F&uuml;r das Jahr 2001 hatte sie 1.175 Stunden abgerechnet &ndash; der Spitzenwert der flei&szlig;igsten Anw&auml;lte betr&auml;gt 2.400 Jahresstunden (f&uuml;r alle Mandate zusammen). Das erstaunte umso mehr, als sie gleichzeitig nicht nur mehrere andere St&auml;dte wie Essen und Oberhausen, sondern auch Landesregierungen (NRW: Ivletrorapid, Hamburg: Kliniken) beriet. Au&szlig;erdem war sie als vielgefragte Referentin t&auml;tig und ver&ouml;ffentlichte zahlreiche Fachaufs&auml;tze. Die website ihrer Kanzlei verzeichnet f&uuml;r den fraglichen Zeitraum 46 Ver&ouml;ffentlichungen und Vortr&auml;ge)&rdquo;<\/p><p>Sie hatte auch das Gutachten f&uuml;r den Verkauf der RWW verfasst. Dabei &bdquo;verga&szlig;&rdquo; sie gro&szlig;e Grundst&uuml;cke. Ebenfalls stellte sich heraus, dass das Honorar f&uuml;r die Beraterin beim Verkauf der Wasserwerke von RWE bezahlt wurde. Das Honorar f&uuml;r die Beratung bei der Privatisierung der Abfallwirtschaft &uuml;bernahm der K&auml;ufer Trienekens\/ RWE. In beiden F&auml;llen war die Stadt M&uuml;lheim der Auftraggeber der Beratung.<\/p><p>Nach dem R&uuml;cktritt des Oberb&uuml;rgermeisters w&auml;re eine Korrektur des RWW-Verkaufs m&ouml;glich gewesen. Aber nichts geschah. Der Antrag der MBI, Schadenersatzanspr&uuml;che gegen Baganz und Jasper geltend zu machen, wurde abgelehnt. Auch der Regierungspr&auml;sident hatte nichts zu beanstanden. Das Rechnungspr&uuml;fiingsamt hatte der Staatsanwaltschaft empfohlen, gegen den Oberb&uuml;rgermeister wegen des Verdachts auf Vorteilsnahme, Untreue und Verletzung der Vergabeordnung zu ermitteln. Nach f&uuml;nf Monaten stellte die Staatsanwaltschaft fest, es habe sich kein Anfangsverdacht ergeben. Das Innenministerium verzichtete auf disziplinarische Ma&szlig;nahmen gegen den Oberb&uuml;rgermeister. Die Europ&auml;ische Kommission, von MBI angerufen, erkl&auml;rte, dass sie in einem m&ouml;glicherweise zu niedrigen Kaufpreis f&uuml;r die RWW keine ungerechtfertigte Subvention erkennen k&ouml;nne, das Gutachten daf&uuml;r sei ja professionell erstellt worden.<\/p><p>Jasper ist nicht nur Mitarbeiterin, sondern Partnerin &ndash; also Mitinhaberin &ndash; der Kanzlei Heuking K&uuml;hn Liier Wojtek &amp; Partner. Das ist die gr&ouml;&szlig;te Kanzlei in NRW. Jasper ist die Staranw&auml;ltin in Sachen Privatisierung. Die Rechtskundige &uuml;bertrat Vorschriften, die sie selbst am besten kennt, z.B. dass Auftr&auml;ge der &ouml;ffentlichen Hand &uuml;ber 200.000 Euro &ouml;ffentlich ausgeschrieben werden m&uuml;ssen; oder dass bei pers&ouml;nlicher Befangenheit das Mandat abgegeben werden muss. Sie forderte und bekam ihre Auftr&auml;ge sozusagen &bdquo;im Schlaf&rdquo; bzw. davor oder danach und ohne Ausschreibung. Auch von ihrer &bdquo;renommierten&rdquo; Kanzlei, die mit vielen Kommunen und Ministerien in Deutschland gesch&auml;ftlich verbunden ist, kam keine Kritik. &bdquo;Wir stehen voll hinter Frau Dr. Jasper. Sie hat die Mandate absolut korrekt betreut,&rdquo; beteuerte Senior-Partner Wolfgang K&uuml;hn.<br>\nDie Starberaterin nutzte den Privatisierungsrahmen nicht nur im privatistischen Eigeninteresse. Auch die private Seite, hier RWE, wurde bevorteilt. Jasper dehnte den Privatisierungsrahmen auch juristisch so weit wie m&ouml;glich aus. Sie vertritt das &bdquo;In-House&rdquo;-Konstrukt: Wenn eine Kommune mit einem Privaten ein gemeinsames Unternehmen gr&uuml;ndet und die Kommune die Mehrheit hat, muss dieses Unternehmen Auftr&auml;ge &ouml;ffentlich nicht ausschreiben. So wurde auch in M&uuml;lheim und anderswo verfahren. Der Europ&auml;ische Gerichtshof hat Privatisierungsvertr&auml;ge nach diesem Muster inzwischen f&uuml;r ung&uuml;ltig erkl&auml;rt. <\/p><p>Auch der Oberb&uuml;rgermeister kam gl&auml;nzend aus der Sache. Wozu ist ein wegen Unregelm&auml;&szlig;igkeiten zum R&uuml;cktritt gezwungener Oberb&uuml;rgermeister in Deutschland pr&auml;destiniert? Nat&uuml;rlich zum Berater. Baganz gr&uuml;ndete die Beratungsfirma &bdquo;econopolis GmbH&rdquo; und beriet St&auml;dte. Dann wurde er Partner bei goetzpartners Management Consultants. Drei Jahre reichen f&uuml;r politische Vergessensarbeit. 2005 wurde Baganz vorn NRW-Ministerpr&auml;sidenten R&uuml;ttgers zum Staatssekret&auml;r im Wirtschaftsministerium berufen, Verantwortungsbereich: Kommunen.<\/p><p>Die von Baganz\/Jasper zugunsten von RWE durchgef&uuml;hrten Privatisierungen wurden nicht &uuml;berpr&uuml;ft, geschweige denn korrigiert. Auch die benachteiligten Firmen trugen nichts zur Korrektur bei. Die Gelsenwasser AG wollte sich ihren &bdquo;guten Ruf&rsquo; auf dem Markt nicht durch das &bdquo;Anschw&auml;rzen&rdquo; eines Konkurrenten verderben. Das Abfallunternehmen Rethmann (heute Remondis) klagte zwar ge&shy;gen seine Benachteiligung bei der MEG-Privatisierung, will aber &ouml;ffentlich nichts sagen.<\/p><p>Wie in Berlin wurden die Wasserpreise zwei Jahre lang nicht erh&ouml;ht, aber dann explodierten sie. Ebenso die Preise und Geb&uuml;hren f&uuml;r Abwasser, Abfall, Strom und Gas. Das gro&szlig;e Versprechen, die st&auml;dtischen Finanzen zu sanieren, hat sich nicht erf&uuml;llt. Die Neu Verschuldung M&uuml;lheims stieg von 23 Millionen Euro (1999) auf 100 Millionen (2005), die Gesamtverschuldung von 400 auf 700 Millionen; darin sind die Schulden der privatisierten Unternehmen noch nicht enthalten. Die Einmaleffekte aus den Verk&auml;ufen sind verpufft. Mehrere Dutzend Besch&auml;ftigte in den privatisierten Unternehmen sind &bdquo;freigesetzt&rdquo;. Die beiden Haupt-&bdquo;Verantwortlichen&rdquo; gelten offensichtlich gerade deshalb in ihrem Milieu als erfolgreich und steigen weiter auf.<\/p><p>Die SPD, die nach dem Abtritt von Baganz die Oberb&uuml;rgermeisterin stellt, f&uuml;hrt den Kurs fort. Sie will mit CDU und FDP auch den Rest privatisieren, also die Altenheime. Wie ihr Vorg&auml;nger wurde die SPD-Frau, deren Frau-Sein an der Sache sowenig &auml;ndert wie bei der Beraterin, in einen RWE-Aufsichtsrat berufen; das Mandat ist mit 99.000 Euro pro Jahr dotiert. Daran und dass ihr die Tantieme pers&ouml;nlich zusteht, h&auml;lt die SPD-Frau so selbstverst&auml;ndlich fest wie der CDU-Mann. M&ouml;glicherweise ist das eine (Teil)Erkl&auml;rung f&uuml;r die verbissene, geschlechts&uuml;bergreifende Privatisierungs-Liebe.<\/p><p>Zum Schluss: Nein, es ist nicht meine Absicht, mich zu profilieren. Nein, ich bin kein verhinderter Enth&uuml;llungsjournalist. Es ist als Anregung gedacht. Recherchieren Sie, fragen Sie nach, schauen Sie hin, schauen Sie Ihren Kommunalpolitikern\/innen auf dei Finger.<\/p><p>Und ganz zum Schluss gibt es noch zwei Zeitungsartikel &uuml;ber die Veranstaltung in der <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt_und_hessen\/nachrichten\/frankfurt\/?em_cnt=1591872&amp;em_loc=1706\">Frankfurter Rundschau [19]<\/a> und in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2008\/09-16\/057.php?print=1\">Jungen Welt [20]<\/a>.<\/p><ol>\n<li><a href=\"http:\/\/www.frankfurt-main.ihk.de\/starthilfe_foerderung\/foerderung\/branchen\/immobilien\/bauwirtschaft\/ppp\/index.html\">IHK Frankfurt am Main<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2\/Doc~E8506DFDA56F542AF8A083E29D4CCA3B7~ATpl~Ecommon~Scontent~Afor~Eprint.html\">Frankfurter Allgemeine vom 12.05.2007<\/a>\n<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/frontal21.zdf.de\/ZDFde\/download\/0,6753,7005195,00.pdf\">ZDF Frontal21 vom 15.07.2008 (Text)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/content\/541428?inPopup=true\">ZDF Frontal21 vom 15.07.2008 (Video)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2\/Doc~E62CA91F25B744C4F8D733677EA3F7C46~ATpl~Ecommon~Scontent~Afor~Eprint.html\">Frankfurter Allgemeine vom 20.07.2007<\/a>\n<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.attac-ffm.de\/ag_Priv_Nein.htm#ppp_schulen\">Attac Frankfurt 04\/2007<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.attac-ffm.de\/x_pdfs\/BiKuZ_H%F6chst_Version_2.pdf\">Veranstaltungshinweis 04\/2007<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.region-frankfurt-rhein-main.dgb.de\/termine\/termindb\/termin_single?termid=114\">Veranstaltungshinweis 08.09.2008<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.region-frankfurt-rhein-main.dgb.de\/termine\/Veranstaltung_8.9.08_Rekommunalisierung.pdf\">Veranstaltungsplakat 08.09.2008<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.frankfurt.de\/sixcms\/detail.php?id=715792&amp;_ffmpar%5B_id_inhalt%5D=719018\">Michael zu L&ouml;wenstein<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.iqb2.de\/Action.lasso?-database=iqb_jxxcon&amp;-response=\/Juracon\/Unternehmensportrait_Juracon_Rahmen.lasso&amp;-layout=profileingabe_juracon&amp;-op=bw&amp;proj_ID=juc_fra_04_2007&amp;_sn=juc_fra_04_2007_4734&amp;-maxRecords=1&amp;-search\">Juricon Kanzleiarchiv &uuml;ber Anwaltskanzlei Heukung K&uuml;hn L&uuml;er Wojtek<\/a>\n<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.openpr.de\/news\/156048\/direct-King-Spalding-eroeffnet-Buero-in-Frankfurt.html\">openPR Pressearchiv<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.heuking.de\/servlet\/PB\/menu\/1677587_l1\/index.html\">Aufgabenspektrum Heukung K&uuml;hn L&uuml;er Wojtek<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.werner-ruegemer.de\/\">Werner R&uuml;gemer<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsverbrechen.de\/index2.html\">Business Crime Control e.V.<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.attac-netzwerk.de\/das-netzwerk\/wissenschaftlicher-beirat\/mitglieder\/\">Attac: wissenschaftlicher Beirat<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.dampfboot-verlag.de\/buecher\/630-3.html\">Dampfboot-Verlag: Privatisierung in Deutschland &ndash; Eine Bilanz<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/index.php?id=archivseite&amp;dig=2007\/02\/03\/a0023&amp;type=98\">TAZ vom 03.02.2007: Buchbesprechung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/frankfurt_und_hessen\/nachrichten\/frankfurt\/?em_cnt=1591872&amp;em_loc=1706\">Frankfurter Rundschau vom 09.09.2008<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2008\/09-16\/057.php?print=1\">Junge Welt vom 16.09.2008<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martin Betzwieser berichtet &uuml;ber Erfahrungen mit &Ouml;PP\/PPP und empfiehlt, sich zu wehren. 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