{"id":34627,"date":"2016-08-16T08:43:49","date_gmt":"2016-08-16T06:43:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34627"},"modified":"2016-08-17T12:32:35","modified_gmt":"2016-08-17T10:32:35","slug":"ard-mittagsmagazin-macht-meinung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34627","title":{"rendered":"ARD \u2013 Mittagsmagazin macht Meinung"},"content":{"rendered":"<p>Es folgt eine Analyse der Meinungsmache beim Mittagsmagazin der ARD, beobachtet und beschrieben von <strong>Dr. Martin Beck<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4308\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-34627-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160817_ARD_Mittagsmagazin_macht_Meinung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160817_ARD_Mittagsmagazin_macht_Meinung_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160817_ARD_Mittagsmagazin_macht_Meinung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160817_ARD_Mittagsmagazin_macht_Meinung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=34627-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160817_ARD_Mittagsmagazin_macht_Meinung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160817_ARD_Mittagsmagazin_macht_Meinung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Wie Moderatoren das Fernsehpublikum beeinflussen<\/strong><\/p><p>Wieviel Manipulation steckt eigentlich in einer sich als &bdquo;Mittagsmagazin&ldquo; nahezu harmlos gebenden Sendung? Der Begriff &bdquo;Mittagsmagazin&ldquo; &ndash; mm &ndash; macht vieles m&ouml;glich und folglich enth&auml;lt dieses Sendungsformat nicht nur Berichte, Nachrichten und Interviews zur aktuellen Tagespolitik, Sportinformationen, B&ouml;rsenberichte oder Wettervorhersagen, sondern im weitesten Sinne auch &bdquo;Buntes&ldquo;, beispielsweise Am&uuml;santes &uuml;ber den Katzenstreit in der Downing Street oder Informationen zu Ern&auml;hrungsfragen.  Im Sinne einer klassischen Einteilung handelt es sich bei mm um eine Informationssendung mit unterhaltenden Einsprengseln. Den Leserinnen und Lesern der Nachdenkseiten muss nicht erkl&auml;rt werden, dass auch diese Sendung nicht &bdquo;nur&ldquo; informiert, sondern kr&auml;ftig an der medialen Meinungsbeeinflussung im Sinne des sogenannten Mainstreams mitwirkt. Verk&uuml;rzungen, Simplifizierungen, unbewiesene Behauptungen und Wiederholungen von Behauptungen finden sich in vielen Berichten, sie sollen hier aber nicht nachgewiesen werden. Vielmehr geht es hier darum aufzuzeigen, wie durch die Moderation einer Sendung der Prozess der Meinungsbildung beeinflusst und verst&auml;rkt werden kann.<\/p><p><strong>Der Moderator\/die Moderatorin als Vermittler von Glaubw&uuml;rdigkeit<\/strong><\/p><p>Wenn auch zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Produktion einer Sendung mitwirken, brauchen Sendungen wie das &bdquo;Mittagsmagazin&ldquo; ein &bdquo;Gesicht&ldquo;, einen Moderator oder eine Moderatorin. F&uuml;r &bdquo;mm&ldquo; ist meistens Hannelore Fischer im Einsatz, in der Woche vom 8. bis 12. August wurde sie von Stefan Scheider abgel&ouml;st. Es sind manchmal diese Wechsel, die durch eine kontrastive Wirkung auf manipulative Absichten aufmerksam werden lassen.<\/p><p>Informationssendungen verlangen, um als solche glaubhaft zu sein, von der Moderation einen entsprechenden sachlichen und neutralen Kommunikationsstil, der die Glaubw&uuml;rdigkeit einzelner Berichte, aber auch der ganzen Sendung insgesamt herstellt. <\/p><p>Stefan Scheider, der in der letzten Woche die Sendung moderierte, verf&uuml;gt &uuml;ber die sprecherischen und stimmlichen Grundlagen seines Rednerberufs in erheblichem Ma&szlig;e. Zum Sympathietr&auml;ger macht ihn sein eher tiefer Stimmklang, der Vertrauen erweckt. Seine stimmliche Variationsf&auml;higkeit gibt ihm zus&auml;tzliche M&ouml;glichkeiten der Betonung. So versteht er das zuh&ouml;rende Fernsehpublikum auch &uuml;ber l&auml;ngere und gegliederte Satzgebilde mitzunehmen und durch melodische Akzente Wichtiges zu betonen. Seine Aussprache ist deutlich. Mit Mimik und Gestik versteht er seine Worte zu unterstreichen. Somit w&auml;re eine gewisse personale Voraussetzung f&uuml;r eine Glaubw&uuml;rdigkeitswirkung gegeben.<\/p><p><strong>Der Moderator\/die Moderatorin als das allgemeine &bdquo;Wir&ldquo; &ndash; Die Vereinnahmung des Zuschauers<\/strong><\/p><p>Was den Sprachstil dieses Moderators ausmacht, das ist die offensichtlich gewollte Herstellung eines &bdquo;Gemeinschaftsgef&uuml;hls&ldquo;. Dieses &auml;u&szlig;ert sich sprachlich in einem geradezu inflation&auml;ren Gebrauch des Personalpronomens &bdquo;wir&ldquo; in seinen unterschiedlichen grammatischen Auspr&auml;gungen. <\/p><p>Hannelore Fischer gelang es &ndash; etwa am 29.7. &ndash; ganz unabh&auml;ngig von den Inhalten die Rolle der Moderation bescheiden zu halten. Sie begr&uuml;&szlig;te und verabschiedete das Zuschaupublikum, sie sprach das Publikum mit &bdquo;Sie&ldquo; an und wenn sie von &bdquo;wir&ldquo; sprach, dann war tats&auml;chlich meistens die Redaktion des &bdquo;mm&ldquo; gemeint.<\/p><p>Ganz anders Stefan Scheider. Nur einige Beispiele in der <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Mittagsmagazin\/Die-Sendung-vom-8-August-2016\/Das-Erste\/Video?bcastId=314636&amp;documentId=37012472\">Sendung vom 8. August<\/a>:<\/p><p>&bdquo;Also <strong>wir<\/strong> sehen&rsquo;s, der Fl&uuml;chtlingspakt, der wirkt&hellip;&ldquo;, &bdquo;<strong>Unser<\/strong> Nachbar &Ouml;sterreich f&auml;hrt schwere Gesch&uuml;tze auf&hellip;&ldquo;, &bdquo;Da h&ouml;ren <strong>wir<\/strong> gleich n&auml;her hin &hellip;&ldquo;, &bdquo;Dann w&auml;hlen <strong>wir<\/strong> Bundesb&uuml;rger einen neuen Bundestag&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; um die Gunst <strong>unserer<\/strong> Stimmen&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; <strong>unsere<\/strong> Steuerlast&ldquo;, &bdquo;Die Politik hat eine Sicherung eingebaut, damit <strong>wir<\/strong> Kreditnehmer <em>(deutet auf sich)<\/em> nicht pl&ouml;tzlich in Schulden aufwachen&hellip;&ldquo; <\/p><p>Wenige Beispiele <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Mittagsmagazin\/Die-Sendung-vom-9-August-2016\/Das-Erste\/Video?bcastId=314636&amp;documentId=37034868\">vom 9. August<\/a>:<\/p><p>&bdquo;Und das bewegt <strong>uns<\/strong> heute&hellip;&ldquo;, &bdquo;Also die Machtmenschen vers&ouml;hnen sich, sortieren <strong>wir<\/strong> das alles mit <strong>unserem<\/strong> Korrespondenten &hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; bekommen <strong>wir<\/strong> in Deutschland zu sp&uuml;ren&hellip;&ldquo;, &bdquo;Jetzt schauen <strong>wir<\/strong> in die T&uuml;rkei&hellip;&ldquo;, &bdquo;<strong>Wir<\/strong> treffen jetzt &hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; gleich pr&uuml;fen wir nach&hellip;&ldquo;, &bdquo;Die Bilder &uuml;berraschen <strong>uns<\/strong>, k&ouml;nnen <strong>wir<\/strong> diesen Bildern vertrauen?&ldquo;, &bdquo;M&uuml;ssen <strong>wir<\/strong> mit diesem Mann noch ernsthaft rechnen?&ldquo;<\/p><p>Einige Beispiele <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Mittagsmagazin\/Die-Sendung-vom-10-August-2016\/Das-Erste\/Video?bcastId=314636&amp;documentId=37056104\">vom 10. August<\/a>:<\/p><p>&bdquo;Schauen <strong>wir<\/strong> doch in das Paket hinein&hellip;&ldquo;, &bdquo;<strong>Wir<\/strong> m&uuml;ssen erst mal schauen&hellip;&ldquo;, &bdquo;Seit Nizza wissen <strong>wir<\/strong> auch warum&hellip;&ldquo;, &bdquo;<strong>Wir<\/strong> m&uuml;ssen uns fragen&hellip;&ldquo;, &bdquo;Auf einmal stellen <strong>wir<\/strong> fest&hellip;&ldquo;, &bdquo;K&ouml;nnen <strong>wir<\/strong> dazu weitere Antworten finden&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; im R&uuml;ckspiegel <strong>unseres<\/strong> Autos&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; h&ouml;ren <strong>wir<\/strong> oft&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; sollten <strong>wir<\/strong> klar trennen &hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; blendet <strong>uns<\/strong> so sehr, dass <strong>wir<\/strong> die Fehler nicht mehr sehen&hellip;&ldquo;<\/p><p>Einige Beispiele <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Mittagsmagazin\/Die-Sendung-vom-11-August-2016\/Das-Erste\/Video?bcastId=314636&amp;documentId=37076654\">am 11. August<\/a>:<\/p><p>&bdquo;Das bewegt <strong>uns<\/strong> heute&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; Populisten, &hellip; sie benutzen <strong>unsere<\/strong> &Auml;ngste&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; f&uuml;r <strong>unsere<\/strong> Sicherheit&hellip;&ldquo;, &bdquo;Haben <strong>wir<\/strong> da zwei Pakete auf dem Tisch?&ldquo;, &bdquo;Und <strong>wir<\/strong> schauen nochmal auf den Wahlkalender&hellip;&ldquo;, &bdquo;Warum erlauben <strong>wir<\/strong> uns diesen zweifelhaften Populismus?&ldquo;, &bdquo;<strong>Wir<\/strong> reden gleich weiter &uuml;ber Europa&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; <strong>wir<\/strong> haben <strong>uns<\/strong> selbst &uuml;berzeugt&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; und dort bleiben <strong>wir<\/strong> dann auch&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; <strong>unser<\/strong> Parteien- und Politikforscher&hellip;&ldquo;, &bdquo;Haben <strong>wir<\/strong> denn alle genug telefoniert?&ldquo;, &ldquo;die meisten von <strong>uns<\/strong>, die banken ja inzwischen online&hellip;&ldquo;, &bdquo;Dieses Pfeifen im Ohr &ndash; es macht <strong>uns<\/strong> schier wahnsinnig&hellip;&ldquo;, &bdquo;Was macht denn <strong>unser<\/strong> Wetter&hellip;?&ldquo;.<\/p><p>Beispiele <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/Mittagsmagazin\/Die-Sendung-vom-12-August-2016\/Das-Erste\/Video?bcastId=314636&amp;documentId=37102702\">vom 12. August<\/a>:<\/p><p>&bdquo;&hellip; und das bewegt <strong>uns<\/strong> heute&hellip;&ldquo;, &bdquo;Da m&uuml;ssen <strong>wir<\/strong> sicher &hellip; abwarten&hellip;&ldquo;, &bdquo;Ja, diese Meldungen, die <strong>wir<\/strong> h&ouml;ren&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; jetzt gehen <strong>wir<\/strong> in den Lebensl&auml;ufen &hellip; weiter zur&uuml;ck&hellip;&ldquo;, &bdquo;<strong>Unsere<\/strong> Sinne, die tanzen &hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; <strong>wir<\/strong> bestellen und der Shop liefert&hellip;&ldquo;, &bdquo;&hellip; soweit <strong>wir<\/strong> das &uuml;berblicken k&ouml;nnen&hellip;&ldquo;.<\/p><p><strong>Wer ist denn nun das &bdquo;wir&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Jedenfalls nicht allein er und seine Redaktion. Lassen &bdquo;wir&ldquo; den Moderator selbst antworten mit einem Beispiel vom 12. August: &bdquo;Doch bei n&auml;heren Hinsehen entdecken <strong>wir<\/strong> auch Gewinner: <strong>Sie und mich!<\/strong>&ldquo;<\/p><p>Stefan Scheider verwischt Unterschiede, indem er mit &bdquo;wir&ldquo; vor allem sich selbst und das Fernsehpublikum meint. Es ist nicht eine einfache Distanzlosigkeit, es ist eine Zur&uuml;cknahme der Rolle des Moderators, der nun sich in die Rolle des Zuschauers begibt, als Gleicher unter Gleichen dem Schicksal ausgesetzt. Eigentlich ist es sogar eine Umdeutung der Moderatorenrolle in eine schauspielerische Zuschauerrolle: Der Moderator gibt sich auch ahnungslos und lernt im Laufe der Sendung von Bericht zu Bericht dazu. Zuschauer und Moderator &ndash; alle &ndash; verschmelzen zu einem Wir. &bdquo;Wir&ldquo; nehmen darum auch &bdquo;unserem&ldquo; Moderator, ist er doch <em>einer von uns<\/em>, alles ab. Irgendwie sind &bdquo;wir&ldquo; eine Familie. <\/p><p>Der Sprachgebrauch erinnert an das Arzt-Patient-Verh&auml;ltnis bei der morgendlichen Visite &bdquo;Wie geht es uns denn?&ldquo;. Eine Frage, die sich nur an den Patienten richtet und die vom Situationsm&auml;chtigen gestellt wird. Dr&uuml;ckt das Anredepronomen &bdquo;Sie&ldquo; in der Alltagskommunikation &bdquo;Wie geht es Ihnen?&ldquo; noch mit der Distanz auch Respekt aus, so wird mit dem &bdquo;uns&ldquo; in der Arztfrage das liegende Gegen&uuml;ber nicht nur allein vereinnahmt, sondern auf eine quasi kindliche Ebene gestellt.<br>\nSo geht es &bdquo;uns&ldquo; bei diesem Moderator auch. &bdquo;Wir&ldquo; sind eine Familie, allerdings in der Rolle unwissender Kinder. Das &bdquo;wir&ldquo; des Moderators in dieser Intensit&auml;t bedeutet nichts anderes als die Infantilisierung des Zuschaupublikums.<\/p><p><strong>Die Moderatorin\/der Moderator und die Deutungshoheit<\/strong><\/p><p>Darum ist es nicht verwunderlich, dass der Moderator &bdquo;uns&ldquo; ab und zu Anweisungen gibt, wie &bdquo;wir&ldquo; Berichte &ndash; emotional oder rational &ndash; einzuordnen haben. An den folgenden Stellen &uuml;bernimmt er die Deutungshoheit im Hinblick auf Berichte, die noch zu sehen sind oder &uuml;ber Ereignisse, die zur&uuml;ckliegen. <\/p><ul>\n<li>&bdquo;Unsere n&auml;chste Geschichte macht <em>uns starr vor Entsetzen<\/em>&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Jetzt haben wir Fl&uuml;chtlingsgeschichten geh&ouml;rt, aber die folgende <em>l&auml;sst uns staunen<\/em>&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;&hellip; heute <em>sch&uuml;tteln wir<\/em> den Kopf &hellip;&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;&hellip; wir m&uuml;ssen <em>uns fragen<\/em> &hellip;&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;&hellip; und wir reisen weiter und ganz Deutschland hat <em>ein L&auml;cheln auf den Lippen<\/em>&hellip;&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;&hellip; <em>blendet uns<\/em> so sehr, <em>dass wir die Fehler nicht mehr sehen<\/em>&hellip;&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;&hellip; <em>fr&uuml;her standen wir ziemlich ehrf&uuml;rchtig<\/em> vor diesen Glaspal&auml;sten&hellip;&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;&hellip; <em>gl&uuml;cklich macht uns<\/em> &hellip;&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;&hellip; ja das <em>tut schon in der Seele weh<\/em> &hellip;&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p>Der allumfassende Anspruch auf die Vermittlung von Wahrheit aber gipfelt in dem Satz: &bdquo;&hellip; <em>so sah die Welt am Donnerstag aus<\/em> &hellip;&ldquo;. So erreicht die Infantilisierung ihren H&ouml;hepunkt.<\/p><p><strong>Der Moderator und die redaktionelle Familie <\/strong><\/p><p>Wenn Zuschaupublikum und Moderator zum Wir werden, dann herrscht in der journalistischen Familie das &bdquo;Du&ldquo; vor. Egal wer zugeschaltet wird, Scheider spricht Korrespondenten und andere Sprecher mit dem Vornamen an. Auch das signalisiert eine quasi famili&auml;re Zusammengeh&ouml;rigkeit. Nur einer macht zun&auml;chst das Spiel nicht mit. Es lohnt sich, diese Stelle in der Sendung vom 8. August n&auml;her zu betrachten:<\/p><p>Es geht um das Verh&auml;ltnis zur T&uuml;rkei. Der Moderator:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die europ&auml;ische Familie tut sich schwer mit dem Alleinherrscher &hellip; . Vor allem &Ouml;sterreich will die T&uuml;r zum EU &ndash; Haus nicht offen halten, f&uuml;r die T&uuml;rkei &hellip; . Unser Nachbar &Ouml;sterreich f&auml;hrt schwere Gesch&uuml;tze auf&hellip;  Unser Korrespondent Thomas Baumann hat die Pressekonferenz beobachtet&hellip; . Wie reagiert denn Deutschland darauf? Guten Tag im Hauptstadt-Studio, Thomas.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Korrespondent Thomas Baumann:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Na ja, Herr Scheider, die Bundesregierung reagiert wohl gelassen&hellip; . Bei den Parteien gibt es unterschiedliche Meinungsbildungen&hellip;&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Interessant ist dieser Ausschnitt, weil hier im Sprachgebrauch deutlich die simplifizierende Denkweise zu Tage tritt. Die EU wird zur Familie, die in einem Haus wohnt. Und Deutschland reagiert? Wer aber ist Deutschland, dass es einheitlich reagiert? Offensichtlich wird hier insgeheim das Bild der Familie weiter transportiert. Deutschland &ndash; also wir? Thomas Baumann l&auml;sst den Moderatoren zweifach ins Leere laufen: Erstens weist er die anbiedernde Ansprache zur&uuml;ck, indem er den Moderator mit &bdquo;Herr Scheider&ldquo; anspricht. Zweitens weist er das alles vereinheitlichende Bild &bdquo;Deutschland reagiert&ldquo; zur&uuml;ck, indem er den wirklichen Akteur benennt: die Bundesregierung. Und schwerwiegender noch. Er st&ouml;rt mit dem Hinweis auf die unterschiedliche Meinungsbildung in den Parteien den Versuch der Harmonisierung.<\/p><p><strong>Der Moderator und der Autorit&auml;tsbeweis<\/strong><\/p><p>Eine weitere Auff&auml;lligkeit ist der Autorit&auml;tsbeweis, mit dem der Moderator die Wahrheit der in den Berichten gezeigten Inhalte untermauern will. Die von ihm als Experten und Fachleute benannten Korrespondenten und Interviewpartner liefern endg&uuml;ltige Beweise, die &bdquo;uns&ldquo; abschlie&szlig;end &uuml;berzeugen sollen. <\/p><p>So hei&szlig;t es am 8. August: &bdquo;Ziehen wir unseren Fachmann zu <em>Rate<\/em>&hellip;&ldquo;<\/p><p>Zweifel an den Experten kommen nie auf. Sie helfen bei der Deutung der Welt mit und so verwundert es ebenfalls nicht, wenn der Moderator beispielhaft schlie&szlig;t: &bdquo;Danke f&uuml;r die Orientierung&ldquo; (12. August). <\/p><p>Genau das scheint der Sinn der Sendung zu sein, &bdquo;uns&ldquo; zu orientieren.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Martin Beck<\/strong> arbeitete vor seiner T&auml;tigkeit im Schuldienst wissenschaftlich im Bereich rhetorischer Kommunikation und war lange Jahre Lehrbeauftragter f&uuml;r Sprecherziehung an der Uni Landau.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es folgt eine Analyse der Meinungsmache beim Mittagsmagazin der ARD, beobachtet und beschrieben von <strong>Dr. Martin Beck<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,41,11],"tags":[1546],"class_list":["post-34627","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-ard"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34627"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34627\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34656,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34627\/revisions\/34656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}