{"id":34663,"date":"2016-08-18T08:44:27","date_gmt":"2016-08-18T06:44:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34663"},"modified":"2019-07-09T11:02:28","modified_gmt":"2019-07-09T09:02:28","slug":"vom-schicksal-der-verdammten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34663","title":{"rendered":"Vom Schicksal der Verdammten"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160818_flue_01.jpg\" title=\"\" alt=\"\"><\/div><p>Laut Europol gelten allein in Europa mindestens 10.000 minderj&auml;hrige Gefl&uuml;chtete als vermisst. Diese Sch&auml;tzung ist weiterhin sehr konservativ. Nach anf&auml;nglichen Randmeldungen liest und h&ouml;rt man mittlerweile jedoch nichts mehr davon. Sowohl die Medien als auch die Polit-Elite haben sich dazu entschlossen, dieses tiefgreifende Problem, welches die dunkelsten Seiten unserer Gesellschaft hervorbringt, zu verdr&auml;ngen. Dabei muss man sich der Frage stellen, was mit all diesen Kindern passiert ist &ndash; und welchen kriminellen Machenschaften sie wom&ouml;glich in die H&auml;nde geraten sind. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAnfang 2016 gab Europol bekannt, dass mindestens 10.000 gefl&uuml;chtete, unbegleitete Kinder in Europa verschollen seien. Der Beh&ouml;rde zufolge verlor man die Spur von Tausenden von Kindern, nachdem sie in einem europ&auml;ischen Staat registriert worden sind. Demnach verschwanden allein in Italien mindestens 5.000 Kinder, w&auml;hrend man in Schweden von 1.000 Vermissten sprach. Auch in Deutschland sprach das BKA von 5.000 vermissten Fl&uuml;chtlingskindern. Europol betonte in diesem Kontext, dass kriminelle Strukturen sich seit dem Beginn der sogenannten Fl&uuml;chtlingskrise zunehmend auf Menschen mit Fluchthintergrund fokussieren und f&uuml;gte hinzu, dass die Annahme berechtigt sei, dass weitaus mehr als 10.000 Kinder <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2016\/jan\/30\/fears-for-missing-child-refugees\">vermisst seien<\/a>.<\/p><p>Laut der Menschenrechtsorganisation &bdquo;Save the Children&ldquo; sollen sch&auml;tzungsweise 26.000 unbegleitete Kinder im vergangenen Jahr Europa erreicht haben. W&auml;hrenddessen geht Europol davon aus, dass rund 27 Prozent der Gefl&uuml;chteten, die 2015 nach Europa kamen, Minderj&auml;hrige gewesen sind. Dies w&uuml;rde einer Gesamtanzahl von 270.000 Kindern entsprechen. Laut der UN hat sich diese Zahl bereits erh&ouml;ht. Ihren <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/en\/news-room\/20160419STO23927\/meps-discuss-fate-of-10000-refugee-children-that-have-gone-missing\">Sch&auml;tzungen zufolge<\/a> sind seit 2016 35 Prozent der Gefl&uuml;chteten in Europa Kinder. <\/p><p><strong>&bdquo;Eine Schande&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der Frage, was mit all den verschwundenen Kindern geschehen ist, will sich in diesen Tagen kaum jemand stellen. Dabei sind die Einsch&auml;tzungen Europols eindeutig. Obwohl die Organisation einen sehr vorsichtigen Ton anschlug, stellte sie klar, dass wohl viele der Vermissten Opfer von sexuellem Missbrauch und Sklaverei geworden sind. Diese Annahme ist mehr als berechtigt. Die Ressource Mensch ist in diesem Zeitalter gefragter denn je, vor allem f&uuml;r kriminelle Organisationen. Opfer einer solchen Ausbeutung sind stets die Schw&auml;chsten der Gesellschaft &ndash; und niemand ist so schwach wie ein unbegleitetes, gefl&uuml;chtetes Kind, dessen Identit&auml;t &ndash; f&uuml;r die Kriminellen im besten Fall &ndash; unklar ist.<\/p><p>Seit Beginn der sogenannten Fl&uuml;chtlingskrise hat sich eine neue, kriminelle Infrastruktur gebildet, die von den Migrationsbewegungen profitiert. Es sind aber nicht nur die gegenw&auml;rtigen politischen Umst&auml;nde, von denen die Kriminellen profitieren. Es ist auch der Zeitgeist. Hilde Vautmans, EU-Parlamentsabgeordnete in der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten in Europa brachte das wie folgt <a href=\"http:\/\/www.mintpressnews.com\/10000-migrant-children-europe-missing-exploited-criminal-gangs\/215826\/\">auf den Punkt<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Diese b&uuml;rokratische Gleichg&uuml;ltigkeit kann nicht unsere moralischen Standards bestimmen. Wenn ein Hund verloren geht, verbreiten die Menschen dringliche Nachrichten auf ihren Facebook-Seiten. Doch wenn wir der gr&ouml;&szlig;ten Anzahl von vertriebenen Kindern seit dem Zweiten Weltkrieg begegnen, gehen wir in einer Unzahl von [b&uuml;rokratischen] Institutionen unter. Das ist eine Schande.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Organhandel und Kinderprostitution<\/strong><\/p><p>Eine Schande ist die gegenw&auml;rtige Gleichg&uuml;ltigkeit tats&auml;chlich. Vor allem, wenn man in Betracht zieht, in was f&uuml;r kriminelle Strukturen die vermissten Kinder mittlerweile geraten sein k&ouml;nnten. Signifikant ist in diesem Kontext vor allem der Menschenhandel. Beobachtern zufolge agieren klassische Schleppergruppierungen immer mehr als kriminelle Netzwerke, die gezielt Jagd auf Menschen machen, um diese auf den Markt zu bringen. Der sexuelle Missbrauch sowie die Prostitution von Minderj&auml;hrigen spielt in diesem Kontext eine besondere Rolle. Die wenigen, aktuellen Daten, die es diesbez&uuml;glich gibt, sind mehr als besorgniserregend.<\/p><p>So kamen etwa italienische Sozialarbeiter zum Schluss, dass sowohl m&auml;nnliche als auch weibliche Minderj&auml;hrige aus Nigeria, die das europ&auml;ische Festland &uuml;ber das Mittelmeer erreicht haben, Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. &Auml;hnliches ist laut UNICEF auch im franz&ouml;sischen Calais der Fall.  Sex, sprich, der Akt der Vergewaltigung, hat sich auf den Fluchtrouten mittlerweile als eine Art W&auml;hrung entwickelt. Wer die Menschenschmuggler nicht mit Geld bezahlen kann, muss dies eben anders tun. In derartigen Momenten sind Menschen, vor allem Kinder, am einfachsten zu treffen. Minderj&auml;hrige Gefl&uuml;chtete sind ihrem Umfeld vollkommen ausgesetzt und haben oftmals keine andere Wahl, als ihren K&ouml;rper <a href=\"http:\/\/www.alternet.org\/world\/horrifying-unicef-report-refugee-children\">zu verkaufen<\/a>.<\/p><p>Doch es sind auch andere Gesch&auml;fte, die in diesen Tagen boomen. Derart ungesch&uuml;tzte Menschen wie vermisste Kinder auf der Flucht stellen die beste Grundlage f&uuml;r den Organhandel auf dem Schwarzmarkt dar. In Italien wurde etwa vor wenigen Monaten bekannt, dass Menschen, die sich die Flucht mittels Schlepper nicht leisten konnten, ihre Organe verkauft haben. Konkret ging es in den Berichten um einen &auml;gyptischen Verbrecherring. Bereits 38 Personen, haupts&auml;chlich aus Eritrea und &Auml;thiopien stammend, wurden von den italienischen Beh&ouml;rden diesbez&uuml;glich <a href=\"http:\/\/www.thedailybeast.com\/articles\/2016\/07\/06\/italy-s-gruesome-migrant-organ-transplant-murders.html\">verhaftet<\/a>.<\/p><p>Bei dem Kronzeugen, der die schmutzigen Gesch&auml;fte aufdeckte, handelt es sich um einen ehemaligen eritreischen Menschenschmuggler, der mittlerweile im italienischen Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurde. Im Laufe seiner Aussagen betonte der Mann, dass jene, die ihre Organe verkaufen, im Nachhinein zur&uuml;ck nach &Auml;gypten gebracht oder in Italien get&ouml;tet werden. Viele Leichen werden anschlie&szlig;end ins Meer geworfen. Au&szlig;erdem f&uuml;gte er hinzu, dass es sich bei den meisten Kunden um reiche Russen und Europ&auml;er handelt.<\/p><p>&Auml;hnliche Szenarien lassen sich auch in anderen Fluchtzentren finden. Vor Kurzem wurde etwa bekannt, dass sich in t&uuml;rkischen Fl&uuml;chtlingslagern Organhandel und Kinderprostitution massiv verbreitet haben. Als Beispiel hierf&uuml;r l&auml;sst sich etwa das Lager in Nizip im S&uuml;dosten des Landes nennen, welches von der Regierung in Ankara immer wieder als &bdquo;Vorzeigemodell&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.sott.net\/article\/319157-Turkish-refugee-camps-Centers-for-pedophilia-and-organ-trafficking\">gepriesen wurde<\/a>.<\/p><p><strong>Kriminelle Strukturen dank EU-Politik<\/strong><\/p><p>All die beschriebenen Szenarien sind real. Sie spielen sich de facto vor unserer Haust&uuml;r ab und machen nur einen Bruchteil jenes Allt&auml;glichem aus, welches kaum wahrgenommen wird. Die Frage, die man sich nun ebenfalls stellen muss, ist folgende: Wer ist verantwortlich f&uuml;r die gegenw&auml;rtige Situation und all die mit ihr verbundenen Verbrechen? Nat&uuml;rlich kann man es sich einfach machen und das Ganze vollkommen herunterbrechen, indem man auf die genannten kriminellen Netzwerke hinweist. Dass es diese gibt und dass sie absolut skrupellos handeln, steht au&szlig;er Frage.<\/p><p>Doch es gibt immer Ursache und Wirkung. Wie kam es &uuml;berhaupt dazu, dass sich derartige Strukturen ausbreiten konnten? Und warum befinden sich derma&szlig;en viele Kinder vollkommen auf sich gestellt auf der Flucht? Es sind die westlichen Regierungen, die f&uuml;r die meisten Kriege und Konflikte im Nahen Osten sowie in weiten Teilen Afrikas ma&szlig;geblich mitverantwortlich sind. Genau in diesem Augenblick wird etwa der Jemen weiterhin von Saudi-Arabien bombardiert. Die n&auml;chste Fl&uuml;chtlingswelle aus diesem Land, in dem in den letzten Monaten Tausende von Menschen den Tod fanden, steht bereits an. Doch anstatt dem Morden ein Ende zu setzen, beliefert man die M&ouml;rder, sprich, die saudische Armee, weiterhin mit Waffen. Hier spielt vor allem die deutsche Bundesregierung eine destruktive Schl&uuml;sselrolle, die sie permanent beiseitedr&auml;ngt.<\/p><p>Man darf sich deshalb nicht wundern, wenn auch bald jemenitische Kinder ihre K&ouml;rper und Organe verkaufen, weil sie sich eine bessere Zukunft in der europ&auml;ischen Festung erhoffen. Ja, Europa ist weiterhin eine Festung. Eine Festung, die anderswo z&uuml;ndelt, den Opfern des Fl&auml;chenbrandes jedoch die Bewegungsfreiheit &ndash; eine der grundlegendsten Freiheiten eines jeden Menschen &ndash; verweigert. Erst durch diese Politik konnten sich Schleppernetzwerke etablieren. Und genau deshalb ist es auch so kurzsichtig, immer den Schleppern, den Menschenh&auml;ndlern und all den anderen kriminellen Netzwerken die Schuld in die Schuhe zu schieben. Denn egal, wie sehr man diese auch an den Pranger stellt: Letztendlich sind sie nur das Symptom eines Systems, welches sich auf die Leichen der Verdammten errichtet hat &ndash; und daran weiterhin nichts &auml;ndern will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160818_flue_01.jpg\" title=\"\" alt=\"\"\/><\/div>\n<p>Laut Europol gelten allein in Europa mindestens 10.000 minderj&auml;hrige Gefl&uuml;chtete als vermisst. Diese Sch&auml;tzung ist weiterhin sehr konservativ. Nach anf&auml;nglichen Randmeldungen liest und h&ouml;rt man mittlerweile jedoch nichts mehr davon. Sowohl die Medien als auch die Polit-Elite haben sich dazu entschlossen, dieses tiefgreifende Problem,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34663\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[165,161],"tags":[1055,1573,1760,1957,305,1958,1054,545,1122],"class_list":["post-34663","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-wertedebatte","tag-fluechtlinge","tag-jemen","tag-kriminalitaet","tag-menschenhandel","tag-menschenrechte","tag-organhandel","tag-saudi-arabien","tag-sexueller-missbrauch","tag-waffenexporte"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34663"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34663\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53229,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34663\/revisions\/53229"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}