{"id":34675,"date":"2016-08-19T09:05:16","date_gmt":"2016-08-19T07:05:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34675"},"modified":"2023-05-31T15:21:07","modified_gmt":"2023-05-31T13:21:07","slug":"terror-und-technokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34675","title":{"rendered":"Terror und Technokratie"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160819_Burchardt.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Der Terrorist ist immer der andere. B&auml;rtig soll er sein und muslimischer Religion. Dar&uuml;ber, dass es vor allem Armut und Elend sind, die Menschen jeder Religion in die Verzweiflung treiben, wird weniger h&auml;ufig diskutiert. Aber hat der Terror eigentlich mit dem Neoliberalismus etwas gemein? Erkl&auml;rt er seine Sicht auf die Welt nicht ebenso als &bdquo;alternativlos&ldquo; wie andere? Und ist der Neoliberalismus nicht auch eine Art Religion, die irrational zu legitimieren versucht, was rational kaum begr&uuml;ndbar ist? Dass etwa Armut gut und sozialer Antrieb sei? Hier&uuml;ber und dazu, dass der Neoliberalismus ob des Terrors seine gr&ouml;&szlig;te Schw&auml;che immer deutlicher offenbart, gegen die es anzugehen gilt, sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit dem Publizisten und Philosophen <strong>Matthias Burchardt<\/strong> von der Universit&auml;t K&ouml;ln. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1334\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-34675-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160819_Terror_und_Technokratie_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160819_Terror_und_Technokratie_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160819_Terror_und_Technokratie_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160819_Terror_und_Technokratie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=34675-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160819_Terror_und_Technokratie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160819_Terror_und_Technokratie_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Burchardt, die letzten Wochen waren &uuml;berschattet von Attentaten und Amokl&auml;ufen. Der Terror ist allgegenw&auml;rtig, wie es scheint. Die Menschen leben in Angst. Was erleben wir hier?<\/strong><\/p><p>Die letzten Wochen waren tats&auml;chlich sehr von dem Thema &bdquo;Gewalt und Terror&ldquo; bestimmt. Erschreckenderweise habe ich mich sogar dabei ertappt, dass ich irritiert war, wenn ein Tag mal ohne Schreckensmeldungen verstrich. Scheinbar hatte sich schon ein perverser Gew&ouml;hnungseffekt eingestellt. <\/p><p>Wie sehr diese Taten und ihre oft distanzlose mediale Pr&auml;sentation das Denken und F&uuml;hlen der Menschen bestimmen, konnte ich bei einem Aufenthalt in Frankreich studieren. Insbesondere das Ph&auml;nomen des &bdquo;Mikroterrorismus&ldquo; vermittelt den Menschen einen Eindruck von allumfassender Bedrohung: unauff&auml;llige T&auml;ter mit unklaren Motiven morden abseits der Metropolen mit trivialen Waffen, Sicherheitsapparat und Politik stehen dem trotz permanentem Ausnahmezustand, Total&uuml;berwachung und eingeschr&auml;nkten B&uuml;rgerrechten scheinbar hilflos gegen&uuml;ber. <\/p><p>Ich habe mich daher gefragt, worin der Kern des &ndash; wenn Sie so wollen &ndash; &bdquo;allgemeinen Unsicherheitsgef&uuml;hls&ldquo; besteht, das die Menschen beschleicht und glaube, dass die Gr&uuml;nde wesentlich tiefer liegen, als uns Medien und Politik glauben machen wollen.<\/p><p>&Uuml;ber die Gr&uuml;nde und Hintergr&uuml;nde des Terrorismus kann ich nur spekulieren: Auf jeden Fall m&uuml;sste man dazu die geostrategischen Interessen der Eliten, die Rolle des Westens sowie seine milit&auml;rische und &ouml;konomische Zerst&ouml;rungspraxis diskutieren. Man m&uuml;sste den Einfluss der Geheimdienste bei der Destabilisierung von Weltregionen untersuchen und auch die Funktion der Terrorangst f&uuml;r die Transformation der europ&auml;ischen L&auml;nder, in denen der Notstand offenbar zur Regel werden soll, unter die Lupe nehmen. Dazu gibt es berufenere Wissenschaftler; etwa <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24659\">Daniele Ganser<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34504\">Rainer Mausfeld<\/a>, um nur zwei zu nennen. <\/p><p>Mich interessiert das Thema vor allem insofern, als dass es eine ebenso interessante wie bedenkliche Zeitdiagnose erm&ouml;glicht: Noch erschreckender als die jeweiligen Ereignisse selbst ist meines Erachtens n&auml;mlich die Sprach- und Deutungslosigkeit der sonst so forschen Meinungsf&uuml;hrer im &ouml;ffentliche Raum. Stellt man die Ereignisse der letzten Wochen zusammen, treten doch erhebliche Erkl&auml;rungsl&uuml;cken und Deutungsunsicherheiten zutage, die nicht einmal durch Propagandameldungen verdaulich gemacht werden konnten: Amokl&auml;ufe, Rassismus in den USA, Brexit, Bankenkrise, Flucht, Krieg in EU-N&auml;he, Banken- und Finanzkrise, Putsch in der T&uuml;rkei. <\/p><p>Dies wird nun nach dem Motto &bdquo;Brot und Spiele&ldquo; zwar ein paar Tage lang durch die olympischen Gladiatoren &uuml;berspielt werden k&ouml;nnen, das politische Sinnvakuum wird danach aber nicht verschwunden sein. Was wir hier erleben, darf wohl mit Fug und Recht als Krise der politischen Narrative gewertet werden.<\/p><p><strong>Krise der politischen Narrative? Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Unter &bdquo;Narrativ&ldquo; verstehe ich eine interessengeleitete Erz&auml;hlung, die Ereignisse in eine Sinnklammer einbettet und dadurch das Denken, Handeln und Wahrnehmen von Gesellschaften lenkt. Narrative haben dabei weniger Wahrheitswert als vielmehr eine Steuerungsfunktion. Sie funktionieren, weil sie permanent wiederholt werden und virale Ausbreitung finden, ohne dass die Frage nach der Autorenschaft und den blinden Flecken gestellt w&uuml;rde. Die Verf&auml;nglichkeit der Narrative resultiert dabei aus dem legitimen Bed&uuml;rfnis der Menschen nach Sinnzusammenh&auml;ngen.<\/p><p><strong>Wir sprechen also &uuml;ber eine Krise der &bdquo;politischen Erz&auml;hlungen&ldquo;? Es gibt keine zusammenhaltstiftende soziale und ideologische Klammer mehr, die Sicherhalt bietet und Zusammenhalt organisiert, verstehe ich recht?<\/strong><\/p><p>Ja, und das ist auch kein Wunder, denn die allseits wuchernde Rationalit&auml;t des &ouml;konomisch-technokratischen Steuerns ist ja zutiefst nihilistisch und deshalb unf&auml;hig, eine Sinnfigur hervorzubringen. Dem Neoliberalismus und seiner <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30286\">Ideologie<\/a> geht es um die Atomisierung sozialer Zusammenh&auml;nge und des Kampfes Jeder gegen Jeden. Alles soll &bdquo;Markt&ldquo; werden, nichts mehr so bleiben, wie es einst war. <\/p><p>Um das zu erreichen, hat sich das neoliberale Regime lange Zeit auf <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/44\/44961\/1.html\">entstellende Art und Weise<\/a> religi&ouml;ser, humanistischer oder aufkl&auml;rerischer Sinn-Motive bedient, um seinem globalen Entwurzelungs- und Umverteilungsprojekt Legitimation zu verschaffen und seine zerst&ouml;rerischen Verwerfungen zu kaschieren: Die EU wurde als &bdquo;Friedens&ldquo;-Projekt deklariert, die Unterwerfung des Einzelnen unter Sachzw&auml;nge als &bdquo;Freiheit&ldquo; verkauft, die &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31933\">Menschenrechte<\/a>&ldquo; als Kriegsgrund prostituiert und die Folgen der Finanz- und Bankenkatastrophe in eine Staatsschuldenkrise umerz&auml;hlt und in Austerit&auml;tspolitik umgem&uuml;nzt, die damit begr&uuml;ndet wurde, &bdquo;wir&ldquo; h&auml;tten &bdquo;&uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse gelebt&ldquo;. Die Idee des &bdquo;Fortschritts&ldquo; flankiert selbst noch die Abwicklung der Sozialsysteme, denn schlie&szlig;lich m&uuml;sse man &bdquo;den G&uuml;rtel enger schnallen&ldquo;, damit alles &bdquo;besser&ldquo; werden k&ouml;nne. Den Griechen dagegen gehe es schlecht, weil sie &bdquo;faul&ldquo; seien und ihre &bdquo;Hausaufgaben&ldquo; nicht machten. <\/p><p>Die wachsende Skepsis gegen&uuml;ber den sogenannten Qualit&auml;tsmedien &ndash; Stichwort &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24698\">L&uuml;genpresse<\/a>&ldquo; &ndash; ist dabei ein guter Indikator f&uuml;r die Erosion der Narrative, aber mehr noch f&uuml;r den Zerfall der erz&auml;hlenden Instanzen. Offensichtlich haben die missbr&auml;uchlichen Verhei&szlig;ungen von Freiheit, Fortschritt, Frieden, Humanit&auml;t, Sicherheit etc. ihre Strahlkraft inzwischen g&auml;nzlich verloren: sie sind fadenscheinig geworden und die kalte Gewalt von Macht- und Profitinteressen l&auml;sst sich dahinter nicht mehr verbergen.<\/p><p>Da wirkt es dann nur hilflos und schrill, wenn etwa die Bundeskanzlerin unentwegt ihre NLP-Botschaft &bdquo;Wir schaffen das!&ldquo; absondert oder die innenpolitischen Hardliner reflexhaft nach <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34525\">mehr &Uuml;berwachung oder Bundeswehreins&auml;tzen im Inneren<\/a> rufen. Denn dadurch werden die Ereignisse weder verst&auml;ndlicher noch entsteht wirklich Vertrauen, dass die &ouml;ffentlichen Einrichtungen oder Amtstr&auml;ger der Lage gewachsen w&auml;ren. Die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34504\">Diffamierung<\/a> von Personen wie Sahra Wagenknecht, die den Finger in die Wunde legt, ist in diesem Zusammenhang ein Indikator f&uuml;r die Nervosit&auml;t der systemaffirmativen Kr&auml;fte, denen zunehmend die glaubw&uuml;rdigen Parolen ausgehen, um den immer weiteren Abbau von Sozialstaat, B&uuml;rgerrechten und Demokratie sinnvoll und notwendig erscheinen zu lassen.<\/p><p><strong>Damit ich das verstehe: Ihre Grundthese ist also, dass es inzwischen keine &bdquo;gro&szlig;en Erz&auml;hlungen&ldquo; mehr gibt und der neoliberalen Ideologie, nachdem sie all diese und ihre Sinnzusammenh&auml;nge erst entstellt und schlie&szlig;lich verschliffen hat, inzwischen selbst die Legitimation wegbricht, sie an Glaubw&uuml;rdigkeit verliert? In dem Sinne, dass man das Irrationale kaum mehr vern&uuml;nftig und rational zu begr&uuml;nden vermag &ndash; oder wie ist das gemeint?<\/strong><\/p><p>Weder gro&szlig;e noch kleine Erz&auml;hlungen, ja. Man k&ouml;nnte diesen Glaubw&uuml;rdigkeitsverlust des Neoliberalismus, der von der Assimilation kultureller Sinnfiguren f&ouml;rmlich lebt, aber selbst keinen Sinn hervorzubringen vermag, eigentlich gen&uuml;sslich verfolgen, wenn nicht bereits relevante Institutionen des &ouml;ffentlichen Lebens, die Aufkl&auml;rung oder gar einen Gegenentwurf leisten k&ouml;nnten, selbst kontaminiert, funktionalisiert und damit korrumpiert, weil bis zur Unkenntlichkeit entstellt, w&auml;ren. <\/p><p>Die funktionale Inklusion aller Lebensbereiche, mit anderen Worten der &ouml;konomische Totalitarismus, hat mittlerweile alle gesellschaftlichen Einrichtungen zersetzt und hinterl&auml;sst eine W&uuml;ste aus toxischen Spaltprodukten. Von welchem Ort, von welcher Institution k&ouml;nnten da noch heilsame Impulse ausgehen? <\/p><p>Die Wissenschaft beispielsweise hat sich im Zuge von &Ouml;konomisierung und Bologna l&auml;ngst von den Leitideen der Bildung und Wahrheitsfindung losgesagt, die Kirchen haben durch Unternehmensberatungen das &ouml;konomistische Regime importiert und konterkarieren die gelegentliche Kapitalismuskritik von den Kanzeln durch Ausbeutung der eigenen Angestellten und manageriales Steuern. Die Gewerkschaften sind l&auml;ngst hierarchische Apparate, die im Zweifel in ihrer Breite doch jeden Sozialabbau oder Krieg mitzutragen bereit sind und &ndash; wie etwa die IG Metall &ndash; dann eben eigene &bdquo;Privatrenten&ldquo; als L&ouml;sung der allumfassenden Misere an ihre Mitglieder offerieren, an der zunehmenden Kapitalisierung aller Lebensverh&auml;ltnisse also einfach partizipieren, anstatt diese entschieden zu bek&auml;mpfen. Kunst und Kultur mussten sich weitgehend dem Marktdruck der Kreativindustrie ergeben, und auch die Parteien haben sich in ihren Prozeduren und den Haltungen ihres Spitzenpersonals von ihren normativen Grundorientierungen l&auml;ngst zugunsten einer technokratischen Governance-Rationalit&auml;t verabschiedet und sind ihren W&auml;hlern, die sie immer h&auml;ufiger zu belehren und erziehen denn ernstzunehmend suchen, l&auml;ngst soweit <a href=\"http:\/\/www.ipg-journal.de\/schwerpunkt-des-monats\/die-linke-global-wo-funktioniert-es\/artikel\/detail\/aber-wir-lieben-euch-doch-alle-1521\/\">entfremdet<\/a>, dass von hier mit Gegenwehr gegen die gesellschaftliche Transformation kaum mehr zu rechnen <a href=\"https:\/\/kenfm.de\/ist-die-linke-noch-zu-retten\/\">ist<\/a>. <\/p><p>Was etwa hat die SPD noch mit sozialer Gerechtigkeit zu tun, die CDU mit dem christlichen Menschenbild, die Gr&uuml;nen mit der Friedensbewegung, die FDP mit einem emanzipatorischen Konzept von Freiheit? Sind diese an sich diskussions- und sogar begr&uuml;&szlig;enswerten Konzepte wirklich noch handlungsleitende Orientierungen der Akteure oder l&auml;ngst schon nur noch reine Marketingk&ouml;der, um die Parteibasis und das Wahlvolk bei Laune zu halten, w&auml;hrend hinter den Kulissen eine ganz andere Agenda verfolgt wird? Die Frage ist nat&uuml;rlich rhetorisch gemeint.<\/p><p><strong>Und woran liegt das? Woher r&uuml;hrt das Problem?<\/strong><\/p><p>Die Krise der politischen Narrative ist in sich mehrdeutig: Einerseits stellt das Erzeugen von Unsicherheit in der Bev&ouml;lkerung selbst eine spezifische Art und Weise von Herrschaft dar. Andererseits k&ouml;nnte der Zerfall der Narrative auch als ein Offenbarungseid des neoliberalen Regimes gelesen werden, zumindest aber als dessen Unverm&ouml;gen, dauerhaft die Fiktionen und Sinnillusionen zur Verf&uuml;gung zu stellen, die er zu seiner eigenen Aufrechterhaltung ben&ouml;tigt. <\/p><p>Ich m&ouml;chte hier auf die philosophische Unterscheidung von Sinn und Funktion hinaus. Funktion f&auml;llt in den Bereich der instrumentellen Vernunft, also dem Kalk&uuml;l von Zweck und Mittel, dem es um Effektivit&auml;t und Effizienz geht, nicht aber um eine ethische Legitimation der Zwecke. Die Optimierung der Funktion ist demnach etwas anderes als die Pr&uuml;fung derselben auf Sinnhaftigkeit. <\/p><p>Beispielsweise verwenden wir viel Energie darauf, die Bologna-Studieng&auml;nge endlich zum Funktionieren zu bringen, anstatt, was seit Jahren &uuml;berf&auml;llig w&auml;re, dar&uuml;ber nachzudenken, inwiefern diese Konzeption <em>&uuml;berhaupt<\/em> einen Sinn hat oder nicht vielmehr die f&uuml;r Bildung und Emanzipation notwendigen Grundlagen per se zerst&ouml;rt.<\/p><p>Sie selbst haben in Ihren Interviews mehrfach die klugen Gedanken von David Harvey zu diesem Kontext <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33580\">zitiert<\/a>, der bereits vor vielen Jahren darauf insistierte, dass die Zunahme von Armut und Elend wom&ouml;glich eben <em>nicht<\/em> ungewollte Nebeneffekte einer ansonsten sinnvollen Entwicklung, sondern ganz im Gegenteil genau das Ziel der neoliberalen Transformation sind; zumindest, l&auml;sst man alle Ideologie und Propaganda einmal au&szlig;en vor. <\/p><p>Und in diesem Sinne gilt eben nicht minder, dass die Implementierung managerialer Steuerungsmodelle in die gesellschaftlichen Einrichtungen, also vom Bildungs- und Gesundheitswesen, &uuml;ber Medien, Kultureinrichtungen, Kirchen, Politik, Verb&auml;nde und Gewerkschaften, eine wesentliche Ursache daf&uuml;r sein d&uuml;rften, dass deren Unverm&ouml;gen, eine Spannung zum herrschenden Regime aufzubauen, inzwischen kaum mehr zu &uuml;bersehen ist. Ihre Widerstandf&auml;higkeit wurde durch langanhaltende und gr&uuml;ndliche Transformationsprozesse fast vollst&auml;ndig getilgt. <\/p><p>Das universell wuchernde Konzept der &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32087\">Governance<\/a>&ldquo; muss daher unbedingt genauer analysiert und politisch bek&auml;mpft werden, da es uns zu Insassen einer apolitischen, technokratisch-&ouml;konomistischen Untertanenfabrik macht.<\/p><p><strong>Diesbez&uuml;glich schreibt ja etwa <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wendy_Brown_(Politikwissenschaftlerin)\">Wendy Brown<\/a> in &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/die_schleichende_revolution-wendy_brown_58681.html\">Die schleichende Revolution<\/a>&ldquo;: &bdquo;Mit einem Wort, die Governance verbreitet eine entpolitisierende Erkenntnistheorie, Ontologie und eine Gesamtheit von Praktiken. Da ihre Ausrichtung weich, inklusiv und technisch ist, verscharrt die Governance strittige Normen und strukturelle Schichtenbildungen (wie zum Beispiel Klassen) sowie die Normen und Ausschl&uuml;sse, die durch ihre Verfahren und Entscheidungen in Umlauf gesetzt werden. Sie integriert Subjekte in die Zwecke und Bahnen der Nationen, Betriebe, Universit&auml;ten oder anderer Gebilde, die sich ihrer bedienen. Im &ouml;ffentlichen Leben verdr&auml;ngt die Governance liberal-demokratische Anliegen mit Bezug auf Gerechtigkeit durch technische Problemformulierungen, Fragen nach dem, was recht ist, durch Fragen nach der Effizienz, selbst Fragen nach dem, was legal ist, durch solche nach der Effektivit&auml;t. Am Arbeitsplatz verdr&auml;ngt die Governance den horizontalen Zusammenhalt von Gewerkschaften und das Arbeiterbewu&szlig;tsein und die Politik des Kampfes durch hierarchisch organisierte &raquo;Teams&laquo;, die Kooperation mehrerer Parteien, individuelle Verantwortlichkeit und Antipolitik. Die Governance ist auch ein Schl&uuml;sselmechanismus f&uuml;r die Taktiken und Praktiken der &raquo;Responsibilisierung&laquo;, die das individuelle Handeln und die Selbst&auml;ndigkeit (unabh&auml;ngig von den Mitteln, der gesellschaftlichen Stellung oder den Risiken) zum Ort des &Uuml;berlebens und der Tugend machen und f&uuml;r die &Ouml;konomisierung von Bereichen und Verhaltensweisen durch Erfolgsmethoden und die Metriken des Vergleichs mit Bezugsnormen, denen wir uns nun zuwenden&ldquo;&hellip;<\/strong><\/p><p>Ja, das trifft es so ziemlich genau auf den Punkt. Und in diesem Zusammenhang ist es schon ausgesprochen naiv, wenn nicht dreist, dass sich etwa die Landesregierung NRW in ihrer <a href=\"https:\/\/www.landtag.nrw.de\/portal\/WWW\/dokumentenarchiv\/Dokument?Id=MMD16\/12436\">Antwort<\/a> auf die gro&szlig;e Anfrage der Piratenfraktion zum Einfluss der Bertelsmann Stiftung auf die Landespolitik darauf beruft, dass sie sich am Konzept der &bdquo;Good Governance&ldquo; orientiere. <\/p><p>Ein gr&ouml;&szlig;eres Eingest&auml;ndnis der Kapitulation der Politik vor dem neoliberalen Steuerungsregime, wie es nicht zuletzt von Bertelsmann propagiert wird, kann es kaum geben. <\/p><p><strong>Und wie ist nun in diesem Zusammenhang die Terrorlage zu deuten?<\/strong><\/p><p>Nun, der Terrorist ist zwar nicht minder nihilistisch als das Governance-Regime, gleichwohl jedoch auch Ausdruck des radikalen Bruchs mit ihm, und so bleiben die Gewaltakte f&uuml;r die Medien&ouml;ffentlichkeit schlicht unerkl&auml;rlich. Der kolportierte Ruf etwa, dass Gott gro&szlig; sei, erweist sich angesichts der verheerenden Taten als kategorischer Selbstwiderspruch. Dies wirkt ebenso wenig &uuml;berzeugend, wie wenn die Segnungen der Demokratie auf dem Wege von Fl&auml;chenbombardements verbreitet werden. <\/p><p>Die sinn-lose Tat trifft dabei auf eine hilf- und sprachlose Politik. Dem Selbstmordterroristen, wie er uns in den Medien <a href=\"https:\/\/medien-meinungen.de\/2016\/08\/wenn-man-amoklaeufer-zu-terroristen-macht\/\">manipulativ<\/a> pr&auml;sentiert wird, ist keine Rolle im zynischen Spiel der Governance zuzuweisen, er ist und bleibt unassimilierbar in das bestehende System, eine systemfremde Diskursfigur: <em>kein<\/em> Homo Oeconomicus und auch <em>kein<\/em> Stakeholder, er springt nicht auf Anreize von Nudging oder Gamification an, kennt keine Push- oder Pull-Faktoren, erliegt nicht den Verhei&szlig;ungen einer Win-Win-Situation, weigert sich, verantwortlich gemacht zu werden f&uuml;r das, was ihm m&ouml;glicherweise angetan wurde, entzieht sich der Inklusion in den &bdquo;Markt f&uuml;r alle&ldquo;, schl&auml;gt das Empowerment aus, &uuml;berspringt den Evaluationsbogen, schlie&szlig;t keine Zielvereinbarung ab und ist auch nicht in einem Best-Practice-Verfahren zu be- bzw. &uuml;berw&auml;ltigen usf.<\/p><p>Dadurch entlarvt er blutig &ndash; wenngleich wohl unbeabsichtigt &ndash; die Engstirnigkeit des Governance-Schematismus, dessen Opfer wir in den letzten Jahrzehnten geworden sind.<\/p><p><strong>Das war jetzt, nun, sagen wir, sehr philosophisch formuliert, daher frage ich zum besseren Verst&auml;ndnis noch einmal nach: Der Terrorist ist also derjenige, der uns die Unwirklichkeit des uns allen &uuml;bergest&uuml;lpten Diskurses gewaltt&auml;tig vor Augen f&uuml;hrt? Und zwar nicht etwa, indem er etwas Hilfreiches oder Sinnvolles &bdquo;gegen den Neoliberalismus&ldquo; unternimmt, sondern schlicht dadurch, dass er die Antwortlosigkeit einer sinnentleerten Politik, ja, wenn wir so wollen, die Nacktheit unseres Kaisers, offenbart? Aber verkl&auml;rt dieser Gedanke den Terroristen nicht zu einer Art Erl&ouml;serfigur? <\/strong><\/p><p>Mir geht es weniger um den Terroristen als um eine Betrachtung unserer eigenen Lebens- und Denkweise. Zweierlei ist diesbez&uuml;glich doch inzwischen evident: Erstens werden die Sorgen der Menschen vor m&ouml;glichen Untaten durch den berechtigten Eindruck des personellen und strukturellen Unverm&ouml;gens, nachvollziehbare Deutungen, sinnvolle Antworten oder wirkliche L&ouml;sungen zu finden, weiter verst&auml;rkt. Offenkundig hat sich der &Ouml;konomismus in der Governance selbst zu Tode gesiegt: Das manageriale Betriebssystem des &ouml;ffentlichen Lebens offeriert keine Verstehensgrundlage f&uuml;r dieses fremde Verhalten mehr, da es das Verstehen selbst als Kategorie nicht mehr kennt. <\/p><p>Das erkl&auml;rt auch, dass etwa &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26839\">Putin-Versteher<\/a>&ldquo; inzwischen zu einem Schimpfwort gemacht werden konnte. Verstehen aber ist die <em>Voraussetzung<\/em> f&uuml;r jeglichen humanen Umgang miteinander, mit Freund sowie Feind. Verstehen bedeutet dabei keineswegs billigen oder guthei&szlig;en, gleichwohl ein Sich-Einlassen auf den Anderen in seiner Andersartigkeit, auf seine Geschichte, seine Motive usf. Dadurch bek&auml;men die Taten einen Kontext und die Politik einen Handlungsspielraum; und zwar diesseits von &Uuml;berwachung, Abschreckung und Gegengewalt. Es ist doch bemerkenswert, dass alle T&auml;ter in aller Regel erschossen werden, wenn sie sich nicht ohnehin selbst t&ouml;ten. Ein rechtstaatlicher Prozess hingegen w&auml;re ein Ausgangspunkt f&uuml;r Verstehen sowie die notwendige &ouml;ffentliche Diskussion. <\/p><p>Nebenbei: Auch die Auseinandersetzung mit politischen Radikalisierungen darf auf das Verstehen nicht verzichten, wenn sie selbst nicht den Zug des Totalit&auml;ren annehmen will. Es ist insofern &uuml;beraus besorgniserregend, wenn die Parole ausgegeben wird, dass mit Vertretern bestimmter Einstellungen gar nicht mehr gesprochen werden darf, wie das politisch gerade hoch im Kurs zu stehen scheint.<\/p><p>Die Governance ist aber &ndash; und damit komme ich zu Punkt zwei &ndash; nicht nur verst&auml;ndnislos gegen&uuml;ber dem Gewaltakt des Terroristen, sondern <em>auch<\/em> gegen&uuml;ber den vitalen Bed&uuml;rfnissen einer humanen Gemeinschaft. Sie <em>versteht<\/em> weder das Politische, noch das Kulturelle oder das Religi&ouml;se. Governance <em>exekutiert<\/em>, ihre Agenten sind die Technokraten, wie es sie in jeder Partei, Universit&auml;t oder Kirche, in jedem Krankenhaus, Theater, in Wohlfahrtsverb&auml;nden, Gewerkschaften und Universit&auml;ten gibt. Dies ist geradezu die Voraussetzung f&uuml;r ihre universelle Expansion in alle Bereiche, dass es ihr gleichg&uuml;ltig ist, womit und mit wem sie es zu tun hat. <\/p><p>So wenig das Governance-Regime mangels Verstehen deshalb eine angemessene Antwort auf den Terror finden wird, so wenig wird es in der Lage sein, die Frage nach der Gerechtigkeit, nach Gl&uuml;ck, Gesundheit, Bildung, kultureller Relevanz und anderem zu beantworten. Diese notwendigen Antworten sind n&auml;mlich kein Aggregat von Kennziffern, sondern Sinn- und Lebensentw&uuml;rfe, also eben das, was dem Neoliberalismus, der nichts anderes als eine &bdquo;Klassenkampfideologie&ldquo; der Oberen gegen die Unteren darstellt, vollst&auml;ndig fehlt. <\/p><p><strong>Und wie kann und soll es in dieser Lage nun weitergehen, in der wir uns offenbar der Transformation unserer Gesellschaft in eine &bdquo;Sachzwangdiktatur&ldquo; Auge in Auge gegen&uuml;bersehen? Was w&auml;re ein humaner Weg aus der Sackgasse heraus?<\/strong><\/p><p>Ich halte die aktuelle Situation f&uuml;r zweideutig: Das propagierte Programm ist entzaubert, die Narrative verfangen nicht mehr, das Bed&uuml;rfnis der Menschen nach Verstehen und Sinnantworten tritt deutlich hervor. <\/p><p>Entweder folgt nun auf die Phase des Regierens &uuml;ber weiche Steuerung die l&auml;ngst vorbereitete offene Repression und also der Weg in eine immer totalit&auml;rere Regierungsform, wie etwa Rainer Mausfeld dies <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/36435-interview-mit-rainer-mausfeld-neoliberale\/\">bef&uuml;rchtet<\/a>, oder aber die Leitideen der Moderne von Gerechtigkeit, Aufkl&auml;rung, Solidarit&auml;t, Emanzipation, Humanismus werden endlich wieder zum Ma&szlig;stab des Politischen erhoben, in einer Situation, in der die Chance auf Gegenwehr nunmehr sehr g&uuml;nstig ist. <\/p><p>Dieser Fall kann aber nur dann eintreten, wenn <em>wir<\/em> f&uuml;r ihn eintreten. Wir allesamt. Wider die Prinzipien der kalten instrumentellen Vernunft, der verlogenen Governance &ndash; und f&uuml;r das Wiedererstarken der humanistischen Idee von einer humaneren Welt. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Matthias Burchardt<\/strong> ist Akademischer Rat am Institut f&uuml;r Bildungsphilosophie an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln und stellvertretender Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der <a href=\"http:\/\/bildung-wissen.eu\/\">Gesellschaft f&uuml;r Bildung und Wissen e.V.<\/a> Er ist entschiedener Kritiker der Bildungsreformen im Namen von PISA und Bologna. Zuletzt erschien von ihm der Aufsatz &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.ak-gemeindepaedagogik.de\/files\/downloads\/symposium-2015\/Kritische%20Wuerdigung%20von%20Bildungsreform%20G8-Artikel.pdf\">G8 als Baustein eines Reformputsches gegen die humanistische Bildungskultur<\/a>&ldquo; im Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchhandel.de\/buch\/weniger-ist-weniger-9783862691067\">weniger ist weniger: G8 und die Kollateralsch&auml;den<\/a>&ldquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Zitat zum Text:<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die liberalistische Rationalisierung der Wirtschaftsf&uuml;hrung (wie &uuml;berhaupt der gesellschaftlichen Ordnung) ist wesentlich eine private: sie ist gebunden an die rationale Praxis des einzelnen Wirtschaftssubjekts bzw. einer Vielheit einzelner Wirtschaftssubjekte. Zwar soll sich am Ende die Rationalit&auml;t der liberalistischen Praxis im Ganzen und am Ganzen erweisen, aber dieses Ganze selbst bleibt der Rationalisierung entzogen. Der Einklang von Allgemein- und Privatinteresse soll sich im ungest&ouml;rten Ablauf der privaten Praxis von selbst ergeben; er wird prinzipiell nicht in die Kritik genommen, er geh&ouml;rt prinzipiell nicht mehr zum rationalen Entwurf der Praxis.<br>\nDurch diese Privatisierung der Ratio wird der vernunftgem&auml;&szlig;e Aufbau der Gesellschaft um sein zielgebendes Ende gebracht (wie beim Irrationalismus durch die Funktionalisierung der Ratio um seinen richtunggebenden Anfang). Gerade die rationale Bestimmung und Bedingung jener &sbquo;Allgemeinheit&lsquo;, bei der schlie&szlig;lich das &sbquo;Gl&uuml;ck&lsquo; des Einzelnen aufgehoben sein soll, fehlt. Insofern (und nur insofern) wirft man dem Liberalismus mit Recht vor, da&szlig; seine Rede von der Allgemeinheit, der Menschheit usw. in puren Abstraktionen stecken bleibt. Struktur und Ordnung des Ganzen bleiben letztlich irrationalen Kr&auml;ften &uuml;berlassen: einer zuf&auml;lligen &sbquo;Harmonie&lsquo;, einem &sbquo;nat&uuml;rlichen Gleichgewicht&lsquo;. Die Tragf&auml;higkeit des liberalistischen Rationalismus h&ouml;rt daher sofort auf, wenn mit der Versch&auml;rfung der gesellschaftlichen Gegens&auml;tze und der &ouml;konomischen Krisen die allgemeine &sbquo;Harmonie&lsquo; immer unwahrscheinlicher wird; an diesem Punkt mu&szlig; auch die liberalistische Tradition zu irrationalen Rechtfertigungen greifen. Die rationale Kritik gibt sich selbst auf; sie ist allzu leicht bereit, &sbquo;nat&uuml;rliche&lsquo; Vorrechte und Begnadungen anzuerkennen. Der charismatisch-autorit&auml;re F&uuml;hrergedanke ist schon pr&auml;formiert in der liberalistischen Feier des genialen Wirtschaftsf&uuml;hrers, des &sbquo;geborenen&lsquo; Chefs. (&hellip;)<br>\nDie rohe Skizze der liberalistischen Gesellschaftstheorie hat gezeigt, wie viele Elemente der totalit&auml;ren Staatsauffassung in ihr schon angelegt sind. Von der &ouml;konomischen Struktur aus enth&uuml;llt sich eine fast l&uuml;ckenlose Kontinuit&auml;t in der Entwicklung der theoretischen Interpretation der Gesellschaft. Die &ouml;konomischen Grundlagen dieser Entwicklung von der liberalistischen zur totalit&auml;ren Theorie m&uuml;ssen hier vorausgesetzt werden: sie liegen im Wesentlichen alle auf der Linie der Wandlung der kapitalistischen Gesellschaft von dem auf der freien Konkurrenz der selbst&auml;ndigen Einzelunternehmer aufgebauten Handels- und Industriekapitalismus zum modernen Monopolkapitalismus, in dem die ver&auml;nderten Produktionsverh&auml;ltnisse (und besonders die gro&szlig;en &sbquo;Einheiten&lsquo; der Kartelle, Trusts etc.) eine alle Machtmittel mobilisierende Staatsgewalt fordern. (&hellip;)<br>\nDie Wendung vom liberalistischen zum total-autorit&auml;ren Staate vollzieht sich auf dem Boden derselben Gesellschaftsordnung. Im Hinblick auf diese Einheit der &ouml;konomischen Basis l&auml;&szlig;t sich sagen: es ist der Liberalismus selbst, der den total-autorit&auml;ren Staat aus sich &sbquo;erzeugt&lsquo;: als seine eigene Vollendung auf einer fortgeschrittenen Stufe der Entwicklung. Der total-autorit&auml;re Staat bringt die dem monopolistischen Stadium des Kapitalismus entsprechende Organisation und Theorie der Gesellschaft.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Herbert Marcuse: Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalit&auml;ren Staatsauffassung, in: Wolfgang Abendroth (Hrsg.): Faschismus und Kapitalismus. Theorien &uuml;ber die sozialen Urspr&uuml;nge und die Funktion des Faschismus, Europ&auml;ische Verlagsanstalt, 1967, Seiten 39 &ndash; 74<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/0c782b7182d143a7a1e3ce7b8f25e951\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160819_Burchardt.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Der Terrorist ist immer der andere. B&auml;rtig soll er sein und muslimischer Religion. Dar&uuml;ber, dass es vor allem Armut und Elend sind, die Menschen jeder Religion in die Verzweiflung treiben, wird weniger h&auml;ufig diskutiert. Aber hat der Terror eigentlich mit dem Neoliberalismus etwas gemein?<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34675\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,209,205,11,166],"tags":[1276,373,320,1759,866,1185,1554],"class_list":["post-34675","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-strategien-der-meinungsmache","category-terrorismus","tag-attentat","tag-oekonomisierung","tag-bolognaprozess","tag-entsolidarisierung","tag-konkurrenzdenken","tag-marktkonforme-demokratie","tag-orwell-2-0"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34675","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34675"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34675\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98613,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34675\/revisions\/98613"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34675"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34675"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34675"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}