{"id":3478,"date":"2008-09-26T16:58:28","date_gmt":"2008-09-26T14:58:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3478"},"modified":"2015-11-14T15:59:18","modified_gmt":"2015-11-14T14:59:18","slug":"deutschlands-massgebliche-politische-und-wirtschaftliche-eliten-sind-mit-der-finanzindustrie-verfilzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3478","title":{"rendered":"Deutschlands ma\u00dfgebliche politische und wirtschaftliche \u201eEliten\u201c sind mit der Finanzindustrie verfilzt"},"content":{"rendered":"<p>In einem Beitrag vom <a href=\"?p=3471\">23.9.<\/a> war schon daraufhingewiesen worden, wie eng unsre Bundeskanzlerin mit der Finanzkrise verbunden ist. Darauf bleibt zur&uuml;ck zu kommen, nachdem hierzulande immer so getan wird, als h&auml;tten unsere &bdquo;Eliten&ldquo; das Spiel der Finanzindustrie anders als die Regierung der USA und Gro&szlig;britanniens nicht mitgespielt. Jetzt wird der Eindruck erweckt, die &bdquo;postideologischen Sozial- und Christdemokraten&ldquo; Europas seien jetzt besonders gefordert und besonders geeignet, unsere Probleme zu l&ouml;sen. Siehe: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2008\/39\/finanzkrise-ideologie-europa?page=1\">&bdquo;Finanzkrise &ndash; Wenn Ideologien sterben&ldquo;<\/a> in der &bdquo;Zeit&ldquo;. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDer Autor der Zeit, Werner Perger, erwartet von unorthodoxen Reformpolitikern, u. a. von Angela Merkel eine Reform des Finanzsystems, eine globale Agenda 2008 der Weltfinanzordnung. Auf zwei Fehleinsch&auml;tzungen m&ouml;chte ich in diesem Kontext eingehen und dabei die Gedanken des Beitrags vom 23.9. verst&auml;rken und erweitern:<\/p><ol>\n<li><strong>Europas politische und &ouml;konomische Eliten sind mit dem Geschehen und den handelnden Gruppen und Interessen in der angels&auml;chsischen Welt eng verflochten.<\/strong> Sie sind von Ackermann &uuml;ber Steinbr&uuml;ck bis zu Angela Merkel und dem im Beitrag der Zeit besonders gew&uuml;rdigten Luxemburger Regierungschef Juncker und vor allem dem EU-Kommissionspr&auml;sidenten eng verflochten mit der Ideologie, die uns das Elend miteingebrockt hat und sie sind vor allem in ihren Interessen mit der Finanzindustrie engsten verflochten.<br>\nMan muss nur etwas aufmerksam beobachten und lesen k&ouml;nnen:<br>\nAm 2. Juli brachte sogar die Wirtschaftswoche unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Die Amerikanisierung der Finanzm&auml;rkte und ihre Folgen&ldquo; einen aufschlussreichen Artikel, in dem sie der Frage nachging, warum bei uns auch &ouml;ffentliche Unternehmen im wesentlichen &uuml;ber angels&auml;chsische Investmentfirmen privatisiert werden. Siehe Anlage A.\n<ul>\n<li>Angela Merkel kann gut mit Goldman-Deutschland-Chef Alex Dibelius.<\/li>\n<li>Angela Merkel und ihr Fraktionsvorsitzender Kauder, damals Generalsekret&auml;r der CDU, kamen in den Genuss der ehrenamtlichen Wahlkampfhilfe durch den f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Sektor und das Transportwesen Zust&auml;ndigen bei der Investmentbank Morgan Stanley, Dr. Dirk Nothei&szlig;.<\/li>\n<li>Steinbr&uuml;cks und seines Staatssekret&auml;rs Asmussen behende T&auml;tigkeit f&uuml;r das Verbriefungsgesch&auml;ft und zu Gunsten von Private Equity und Hedgefonds ist in den NachDenkSeiten mehrmals belegt.<\/li>\n<li>Die schon angesprochene T&auml;tigkeit des ehemaligen Kanzleramts-Staatsministers Hans Martin Bury und von J&uuml;rgen Schrempp f&uuml;r Lehman Brothers sind in Anlage B. und C. belegt. Wenn ein ehemaliger Kanzleramts-Staatsminister mit seinem Namen und als Vorstandsmitglied f&uuml;r ein solches Unternehmen eintritt, braucht man sich nicht zu wundern, dass deutsche Sparkassen das Geld ihrer Sparer bei &bdquo;Lehmann&ldquo; arbeiten lie&szlig;en.<\/li>\n<li>Wenn Lothar Sp&auml;th, Friedrich Merz und der ehemalige Bundesbankdirektor und Chef&ouml;konom der Europ&auml;ischen Zentralbank Issing und viele mehr f&uuml;r ausl&auml;ndische, angels&auml;chsische Investmentfirmen und Hedgefonds arbeiten, dann deutet das auf ein einflussreiches Geflecht hin.<\/li>\n<li>Dieses Netz ist offenbar gut organisiert und gut geschmiert. Anders als mittelst&auml;ndische Unternehmen haben die gro&szlig;en Investmentfirmen &ndash; man muss inzwischen sagen: hatten &ndash; alle finanzielle Macht und auch die n&ouml;tige &Uuml;bung, um &uuml;ber Publicrelations Firmen in Berlin daf&uuml;r zu sorgen, dass die bei uns handelnden Personen mitmachten, wenn diese Spieler im Casino neues Spielgeld brauchten oder sonst Millionen und Milliarden an Verm&ouml;genstransfers verdienen wollten.<\/li>\n<li>Der Strom ist nicht versiegt: diese Berliner Politik macht zum Beispiel &uuml;berhaupt keine Anstalten, die Verscherbelung des 24,9% Anteil der Deutschen Bahn anders zu organisieren. F&uuml;r andere Privatisierungen gilt das auch. Es l&auml;uft einfach so weiter, obwohl ein Teil der vorgesehenen Privatisierungspartner in gro&szlig;en finanziellen Schwierigkeiten sind und andere absehbar in solche geraten werden. Das ist das schlagenste Argument gegen die Vorstellung, die deutsche Bundeskanzlerin sei eine eigenst&auml;ndig handelnde Pers&ouml;nlichkeit, der die Reform des Finanzsystems ein Anliegen w&auml;re. Sie ist wie eine Reihe anderer auch eingewoben im Geflecht der internationalen Finanzindustrie.<\/li>\n<li>Der Stopp der Privatisierung der Deutschen Bahn w&auml;re ein Beleg f&uuml;r die Eigenst&auml;ndigkeit. Aber es geschieht nichts. Siehe dazu auch eine neue Meldung aus der S&uuml;ddeutschen Zeitung: Anlage D.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Es ist jetzt &uuml;blich geworden, das Heil in einigen neuen Regeln f&uuml;r den Finanzsektor zu suchen. Meines Erachtens reicht dies nicht. Es muss grunds&auml;tzlich &uuml;berlegt werden, ob wir uns auch in Zukunft weiter einen weit &uuml;berdimensionierten Kapitalmarkt leisten wollen. Nach meiner Einsch&auml;tzung werden viel zu gro&szlig;e Kapazit&auml;ten auf den Kapitalm&auml;rkten verschleudert. Dort geht es im Kern darum, die Transformation zwischen Sparkapital und Investitionsbed&uuml;rfnissen zu leisten. Um dies zu leisten, muss man kein Casino betreiben. In einer <a href=\"?p=2517\">Rede vom 12.5.2007<\/a> habe ich versucht, zwischen Unternehmen die Werte sch&ouml;pfen und solchen, die mit Verm&ouml;genstransaktionen Geld verdienen, zu unterscheiden. Wir m&uuml;ssen die Tendenz, am Verm&ouml;genstransfer zu verdienen und deshalb zum Beispiel Unternehmen st&auml;ndig neu zusammenzuf&uuml;gen, auseinanderzunehmen und neu zu organisieren, brechen. Mergers und Acquisitions dienen in der zuletzt betriebenen Dimension nicht dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Sie werden gemacht, weil einzelne daran verdienen wollen. Zu diesem Zweck werden andere Kapitaleigner und vor allem die Arbeitnehmer ausgebeutet, erpresst, gepresst und auch betrogen.<br>\nWer wirklich reformieren will und dabei wieder Ruhe in die wirtschaftlichen Beziehungen bringen will, muss alle diese Casinoelemente abschneiden und auslaufen lassen. Dazu wird Angela Merkel aufgrund ihrer Verflechtung mit den Interessen am Verm&ouml;genstransfer nicht f&auml;hig und auch nicht willens sein.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Anlagen:<\/strong><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>B&ouml;rsen Die Amerikanisierung der Finanzm&auml;rkte und ihre Folgen<\/strong><br>\nMarktmacht, cleveres Marketing, R&uuml;ckendeckung durch Regulierer: Wie US-Finanzinstitutionen es schaffen, dass wir nach ihren Regeln spielen &ndash; und welche Folgen die Amerikanisierung der Finanzm&auml;rkte f&uuml;r Unternehmen und Anleger hat.\n<p>Da waren&rsquo;s pl&ouml;tzlich vier: Eigentlich sollten ja Morgan Stanley und die Deutsche Bank den f&uuml;r November geplanten B&ouml;rsengang der Deutschen Bahn organisieren. V&ouml;llig &uuml;berraschend benannte die Bahn aber von Anfang an vier Banken: UBS und Goldman Sachs rutschten als nahezu gleichberechtigte globale Koordinatoren mit ins Konsortium. &bdquo;Goldman wurde auf massiven Druck aus dem Kanzleramt mitreingenommen&ldquo;, sagt ein Frankfurter Investmentbanker. Angela Merkel kann gut mit Goldman-Deutschland-Chef Alex Dibelius. F&uuml;r den zahlt sich das aus: Jede der vier F&uuml;hrungsbanken d&uuml;rfte mindestens 15 Millionen Euro einnehmen.<\/p>\n<p>Zwei US-Banken, ein schweizerisches und nur ein deutsches Institut dominieren den milliardenschweren B&ouml;rsengang eines Staatsunternehmens &ndash; und alle tun dies im Wesentlichen von London aus. Nichts illustriert besser, welchen Einfluss angels&auml;chsische Institute mittlerweile auf dem heimischen Finanzmarkt gewonnen haben. Warum sind Goldman Sachs &amp; Co. derart dominant? Und welche Folgen hat die Amerikanisierung des Finanzmarktes f&uuml;r Unternehmen und Anleger?<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/finanzen\/die-amerikanisierung-der-finanzmaerkte-und-ihre-folgen-298658\/print\/\">www.wiwo.de<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>Mitglied des Vorstand der Lehman Brothers AG<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bury.de\/_pdf\/CV_HMB_DE_2008.pdf\">www.bury.de [PDF &ndash; 32 KB]<\/a><\/li>\n<li>19.10.2006<br>\n<strong>LEHMAN BROTHERS<br>\nNeuer Job f&uuml;r Schrempp<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/koepfe\/personalien\/0,2828,443293,00.html\">www.manager-magazin.de<\/a>  \n<p>Bis Ende vergangenen Jahres war J&uuml;rgen Schrempp Chef bei DaimlerChrysler, nun hat er eine neue Aufgabe: die US-Investmentbank Lehman Brothers verpflichtet den 62-J&auml;hrigen als Berater.<br>\nHamburg &ndash; J&uuml;rgen Schrempp hat einen neuen Job. Der langj&auml;hrige Vorstandschef des Automobilkonzerns DaimlerChrysler arbeitet k&uuml;nftig als Seniorberater f&uuml;r die US-Investmentbank Lehman Brothers . Dies berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe, die am Freitag (20. Oktober) erscheint.<br>\nSchrempp soll den Bankern bei der Begleitung gro&szlig;er Fusionen und &Uuml;bernahmen vor allem in Europa zur Seite stehen. Er hatte den Vorstandsvorsitz bei DaimlerChrysler zum Jahresende 2005 niedergelegt.<\/p><\/li>\n<li>Ausz&uuml;ge:<br>\n<strong>De Zoch k&uuml;tt<\/strong><br>\nDer Countdown l&auml;uft: Ende Oktober bringt Konzernchef Hartmut Mehdorn die Deutsche Bahn an die B&ouml;rse &ndash; und wird vermutlich deutlich weniger einnehmen als bislang geplant.<br>\nEinem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge k&ouml;nnte die Finanzkrise den Erl&ouml;s auf eine Summe unter f&uuml;nf Milliarden Euro dr&uuml;cken. Die zw&ouml;lf Banken, die den Teilb&ouml;rsengang von DB ML begleiten, wollen dem Bericht zufolge am Wochenende ihre Analysen vorlegen. Nach Informationen des Blattes werden die zum Verkauf stehenden 24,9 Prozent zumeist in einer Spanne von 4,7 bis 5,3 Milliarden Euro taxiert.<br>\nInsgesamt w&auml;re Europas gr&ouml;&szlig;ter Bahn- und Logistikkonzern demnach rund 20 Milliarden Euro wert. Der Jahresumsatz der entsprechenden Bahnt&ouml;chter bewegt sich derzeit um die 30 Milliarden. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte einst von einem Emissionserl&ouml;s von bis zu acht Milliarden Euro gesprochen.<br>\n&ldquo;Als problematisch kann sich aber der Discount erweisen&rdquo;, zitierte das Blatt einen Analysten. Dieser Abschlag f&uuml;r Gro&szlig;investoren betr&auml;gt in stabilen Kapitalmarkt-Zeiten f&uuml;nf bis zehn Prozent. Angesichts der Risiken auf den M&auml;rkten drohe der Bahn aber ein Abschlag von zehn bis 20 Prozent.<br>\nDas w&uuml;rde Einnahmen in H&ouml;he von vier bis 4,5 Milliarden Euro bedeuten.<br>\n&hellip;bislang (wurde keine) &nbsp;Untergrenze festgelegt, bei der die Teilprivatisierung gestoppt wird. Der Eigent&uuml;mer, die Bundesregierung, f&uuml;rchtet aber bei zu geringen Emissionserl&ouml;sen eine heftige &ouml;ffentliche Diskussion. Als Beispiel f&uuml;r einen ungl&uuml;cklichen B&ouml;rsengang wurde in j&uuml;ngster Zeit in diesem Zusammenhang Air Berlin genannt, bei dem die anf&auml;ngliche Bewertung zu einer Verschiebung gef&uuml;hrt hatte.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/911\/311831\/text\/print.html%20\">SZ<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Beitrag vom <a href=\"?p=3471\">23.9.<\/a> war schon daraufhingewiesen worden, wie eng unsre Bundeskanzlerin mit der Finanzkrise verbunden ist. 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