{"id":3479,"date":"2008-09-29T07:45:45","date_gmt":"2008-09-29T05:45:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3479"},"modified":"2015-11-09T15:19:41","modified_gmt":"2015-11-09T14:19:41","slug":"schwarzer-tag-fuer-die-schwarzen-in-bayern-spd-in-euphorie-trotz-schlechtestem-ergebnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3479","title":{"rendered":"Schwarzer Tag f\u00fcr die Schwarzen in Bayern \u2013 SPD in Euphorie trotz schlechtestem Ergebnis"},"content":{"rendered":"<p>Die CSU ist von 60,7 % und einer Zweidrittelmehrheit der Mandate wie noch keine andere Partei bei einer Wahl um &uuml;ber 17 % auf 43,5 % abgest&uuml;rzt und ben&ouml;tigt zum ersten Mal seit 46 Jahren einen Koalitionspartner. Die Unionsparteien haben damit die zehnte Landtagswahl hintereinander und &ndash; laut Tagesthemen &ndash;  in den letzten 10 Jahren insgesamt 53 % ihrer W&auml;hler verloren.  Die SPD hat nach ihrem letzten schlechten Wahlergebnis noch einmal 1 % verloren und landete als 18-Prozentpartei. Dennoch machte die Parteif&uuml;hrung in Euphorie. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nMinisterpr&auml;sident Beckstein, der CSU-Vorsitzende Huber und die Generalsekret&auml;rin Haderthauer sprachen dennoch von einem &bdquo;deutlichen&ldquo; W&auml;hlerauftrag zur Regierungsbildung. Dass die ehemalige &bdquo;Staatspartei&ldquo; bei 58 % Wahlbeteiligung gerade mal von einem Viertel der Wahlberechtigten Zustimmung erfuhr, ist nur ein Indiz unter vielen, dass die CSU offenbar die Stimmungslage der Bayern auch noch nach diesem epochalen Einbruch nicht wahrnehmen will oder kann. 180.000 Stimmen hat sie an die Nichtw&auml;hler verloren, genauso viel wie an die FDP.<br>\n230.000 ehemalige CSU-W&auml;hler gingen an die Freien W&auml;hler (FW).<\/p><p>CDU-Generalsekret&auml;r redete das Desaster der Schwesterpartei damit sch&ouml;n, dass ja die Stimmen im &bdquo;b&uuml;rgerlichen Lager&ldquo;, n&auml;mlich bei der FDP (mit 8,0 % d.h. ein Plus von 5,4 %) und bei den Freien W&auml;hlern (FW)  (mit 10,2 % d.h. ein Plus von 6,2 %) geblieben seien und rechnete eine Mehrheit f&uuml;r eine &bdquo;b&uuml;rgerliche Koalition&ldquo; im Bund vor &ndash; gerade so als k&ouml;nnte man die W&auml;hler der Parteien wie Schachfiguren hin und her schieben.<\/p><p>Die CSU hat bei den j&uuml;ngeren W&auml;hlern bis 35 Jahre ihre gr&ouml;&szlig;ten Verluste hinnehmen m&uuml;ssen, n&auml;mlich rund ein Viertel. Sie hat sich nur bei den Rentnern einigerma&szlig;en behaupten k&ouml;nnen. Auch Arbeiter sind ihr in Scharen davon gelaufen, allerdings sind sie nicht bei der SPD angekommen.<\/p><p> Bei der SPD, die mit 18,6 % (minus 1 %) ihr schlechtestes Ergebnis aller Landtagswahlen erzielt hat, wollte der Interimsvorsitzende und Kanzlerkandidat Steinmeier nicht &uuml;ber das eigene Ergebnis sondern &uuml;ber das &bdquo;Erdbeben&ldquo; in Bayern reden. Der designierte Parteivorsitzende, Franz M&uuml;ntefering, der sich im bayerischen Wahlkampf als der Retter der SPD feiern lie&szlig;, trat am Wahlabend gar nicht erst in Erscheinung. Jedenfalls scheint das neue F&uuml;hrungsduo entgegen aller Wahlkampfinszenierungen und vieler Mediendarstellunger den weiteren Niedergang der SPD nicht aufgehalten zu haben. Die SPD habe sich stabilisiert (Heil) und ohne die beiden w&auml;re das Ergebnis noch schlechter gewesen (Stiegler), lautete die besch&ouml;nigende Darstellung. Dass Die Linke aus dem Stand 4,3 % schaffte und zwar vor allem gespeist aus ehemaligen SPD-W&auml;hlern, wurde gar nicht erst zur Kenntnis genommen. <\/p><p>Die SPD-F&uuml;hrung verstieg sich vielmehr in die euphorische Sprachregelung, das Wahlergebnis in Bayern sei der &bdquo;Sargnagel&ldquo; (Nahles, Steinmeier) f&uuml;r Schwarz-Gelb im Bund. Daran mag so viel richtig sein, dass die CSU in Bayern fast immer zweistellig h&ouml;here Prozentanteile erzielt hat als ihre Schwesterpartei letztlich im Bund insgesamt erzielte und die CDU immer nur dann Mehrheiten erzielte, wenn die Bayern zu &uuml;ber f&uuml;nfzig Prozent f&uuml;r die Union stimmten. &Uuml;bertr&auml;gt man das gestrige bayerische Ergebnis auf die derzeitigen Umfragewerte der CDU von um die 37 %, dann &ndash; so rechnet man wohl in der SPD-F&uuml;hrung &ndash; d&uuml;rfte das reale Ergebnis bei der kommenden Bundestagswahl noch schlechter aussehen als die derzeitigen Erhebungen ausweisen und dann w&uuml;rde es der Union zusammen mit der FDP nicht f&uuml;r eine Regierungsmehrheit reichen. Was man bei dieser Sch&ouml;nrechnerei au&szlig;er  Betracht l&auml;sst, das ist das schlechte Abschneiden der SPD selbst. Ein weiterer Stimmenverlust in Bayern l&auml;sst nun auch nicht gerade den Schluss zu, dass die SPD &uuml;ber die 30-Prozent-Marke hinauskommen d&uuml;rfte und jedenfalls Rot-Gr&uuml;n weit von einer Mehrheit entfernt w&auml;re. Und da ja eine Zusammenarbeit mit der Linken ausgeschlossen wird, bliebe nur die Fortsetzung einer ziemlich klein gewordenen Gro&szlig;en Koalition. (Selbst in Bayern sind die Anteile der beiden &bdquo;Volksparteien&ldquo; an den Landtagswahlen von &uuml;ber 90 % im Jahre 1982 auf etwas &uuml;ber 60 % bei dieser Wahl geschrumpft.)<\/p><p>Die von Steinmeier vorgegebene Sprachregelung, dass die Bayernwahl das Ende von Schwarz-Gelb im Bund sei, beweist eigentlich nur eines, n&auml;mlich dass &bdquo;seine&ldquo; SPD bei der Bundestagswahl nur ein Ziel vor Augen hat: die Fortsetzung der Gro&szlig;en Koalition mit der SPD als Juniorpartner. &bdquo;Seit zehn Jahren gibt es im Bund kein Schwarz-Gelb mehr und das wird so bleiben, das sage ich Euch&ldquo; erkl&auml;rte er vor den jubelnden Anh&auml;nger im Willy-Brandt-Haus.<\/p><p>Seine Hoffnung auf eine Verbesserung des Resultats f&uuml;r die SPD setzt er offenbar darauf, dass die &bdquo;Abtr&uuml;nnigen&ldquo; von der Union, statt bei FDP und Freien W&auml;hlern bei den Sozialdemokraten ankommen. Dass mit dieser Strategie der SPD auf dem linken W&auml;hlerspektrum erheblich mehr W&auml;hlerinnen und W&auml;hler davon laufen als CDU-Abtr&uuml;nnige ankommen, kommt in den politischen und strategischen &Uuml;berlegungen der jetzigen Parteif&uuml;hrung offenbar nicht mehr vor.<br>\nDas Kommunalwahlergebnis in Brandenburg ist jedoch ein deutliches Indiz daf&uuml;r, dass die SPD von den Verlusten der Union (minus 8 %) kaum profitieren kann. <\/p><p>In den Fernsehsendungen am Wahlabend war interessant zu beobachten, dass Beckstein als m&ouml;gliche Koalitionspartner die SPD immer zuerst genannt hat und dass sich Maget und der bayerische Ministerpr&auml;sident erkennbar &uuml;ber die Anbiederung von Martin Zeil von der FDP mokierten, war bemerkenswert. Zu einer gro&szlig;en Koalition wird es jedoch in Bayern vermutlich nicht kommen und es wird wahrscheinlich auf Schwarz-Gelb hinauslaufen. Die Verweigerung einer Koalition mit den Freien W&auml;hlern (FW) wird jedoch sicher nicht dazu beitragen, dass die CSU wieder mehr Bodenhaftung findet.<\/p><p>Verloren haben bei dieser Wahl einmal mehr die Demoskopen. Keines der Institute hatte auch nur ann&auml;hernd ein so schlechtes Ergebnis f&uuml;r die CSU ermittelt und auch f&uuml;r die SPD lagen die Prognosen deutlich h&ouml;her. Offenbar laufen den Volksparteien an der Wahlurne die W&auml;hler weg. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die CSU ist von 60,7 % und einer Zweidrittelmehrheit der Mandate wie noch keine andere Partei bei einer Wahl um &uuml;ber 17 % auf 43,5 % abgest&uuml;rzt und ben&ouml;tigt zum ersten Mal seit 46 Jahren einen Koalitionspartner. Die Unionsparteien haben damit die zehnte Landtagswahl hintereinander und &ndash; laut Tagesthemen &ndash; in den letzten 10 Jahren<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3479\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[192,191,190],"tags":[803,1637,1388,255,426],"class_list":["post-3479","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cducsu","category-spd","category-wahlen","tag-bayern","tag-beckstein-guenther","tag-freie-waehler","tag-wahlanalyse","tag-wahlbeteiligung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3479","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3479"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3479\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28572,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3479\/revisions\/28572"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3479"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3479"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}