{"id":34791,"date":"2016-08-29T10:16:10","date_gmt":"2016-08-29T08:16:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34791"},"modified":"2023-05-31T15:11:57","modified_gmt":"2023-05-31T13:11:57","slug":"der-terror-und-die-religion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34791","title":{"rendered":"Der Terror und die Religion"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160829-Werner-Ruf.jpg\" alt=\"Werner Ruf\" title=\"Werner Ruf\"><\/div><p>Geostrategische Erw&auml;gungen und die Kontrolle von &Ouml;l und Gas bestimmen seit dem 19. Jahrhundert die Interessen der gro&szlig;en M&auml;chte im Nahen Osten. Mit dem &raquo;arabischen Fr&uuml;hling&laquo; schienen sich die Hoffnungen der Menschen auf ein Leben in W&uuml;rde zu erf&uuml;llen. Doch der Sturz s&auml;kularer Diktatoren m&uuml;ndete in Staatszerfall, Aufstieg des politischen Islam und unverhohlene Hegemonialpolitik der Despotien am Golf, allen voran Saudi-Arabien. Ausgetragen werden die Konflikte mit Hilfe privater Gewaltakteure, unter denen der &raquo;Islamische Staat&laquo; sich dadurch auszeichnet, dass er sich von seinen Sponsoren weitgehend unabh&auml;ngig gemacht hat. Religion wird instrumentalisiert zur Errichtung neuer Ordnungen und Machtstrukturen, die ethno-religi&ouml;se S&auml;uberungen gigantischen Ausma&szlig;es zur Folge haben. &Uuml;ber die politische &Ouml;konomie von Terror und pervertierter Religion sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit dem Autor und Friedensforscher <strong>Werner Ruf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8643\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-34791-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160829_Terror_und_die_Religion_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160829_Terror_und_die_Religion_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160829_Terror_und_die_Religion_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160829_Terror_und_die_Religion_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=34791-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160829_Terror_und_die_Religion_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160829_Terror_und_die_Religion_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Ruf, in Ihrem aktuellen <a href=\"http:\/\/shop.papyrossa.de\/Ruf-Werner-Islamischer-Staat-Co\">Buch<\/a> untersuchen Sie die politische &Ouml;konomie von unter anderem dem sogenannten &bdquo;Islamischen Staat&ldquo;. <em>Was ist der &bdquo;Islamische Staat&ldquo; &uuml;berhaupt?<\/em><\/strong><\/p><p>Der &bdquo;Islamische Staat&ldquo; ist nur einer von gut einem Dutzend von Gewaltakteuren, die in Syrien ihr Unwesen treiben und sich dabei auf eine sektiererische Auslegung des Islam berufen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gewaltakteuren hat der IS es vermocht, im Irak und in Syrien staatliche Strukturen aufzubauen, ein Mindestma&szlig; an Sicherheit f&uuml;r die Menschen herzustellen, Grundbed&uuml;rfnisse wie die Wasser- und Energieversorgung einigerma&szlig;en zu sichern und so eine gewisse Akzeptanz zu erreichen. Religion &ndash; oder besser: Konfession &ndash; ist daf&uuml;r das Vehikel. Gnadenlos verfolgt werden &bdquo;Ungl&auml;ubige&ldquo;, als da sind: Christen, Zoroastrier, Jeziden, aber auch s&auml;kulare Muslime jedweder Richtung und vor allem Schiiten.<\/p><p>Letzteres hat seinen Ursprung in der Konfessionalisierung der Politik, die die USA nach dem Krieg von 2003 im Irak betrieben haben, wo nicht nur die Armee, sondern der gesamte &ouml;ffentliche Dienst einschlie&szlig;lich Erziehungs- und Gesundheitswesen von &bdquo;Sunniten&ldquo; ges&auml;ubert und durch &bdquo;Schiiten&ldquo; ersetzt wurden. Saddam Hussein stammte zwar aus eine sunnitischen Region, aber er war s&auml;kular, beispielswiese war der Dauer-Au&szlig;enminister des Irak, Tarek Azizi, Christ. <\/p><p>Die In-Besitznahme des Staates durch die Schiiten f&uuml;hrte zu einer abgrundtief korrupten Pfr&uuml;ndewirtschaft, zu systematischer Verfolgung und Diskriminierung der Sunniten. So ist es nicht verwunderlich, dass die F&uuml;hrungskader des IS vor allem hohe Offiziere aus Armee und Geheimdienst Saddam Husseins sind, Zyniker der Macht, die die Religion f&uuml;r ihre Zwecke des Einschlusses von &bdquo;Sunniten&ldquo; und des Ausschlusses von &bdquo;Schiiten&ldquo; benutzen und die Konfessionalisierung der Auseinandersetzungen instrumentalisieren.<\/p><p>&Auml;hnlich, doch mit gr&ouml;&szlig;erer Effizienz, hat der &bdquo;Islamische Staat&ldquo; eine kriminelle &Ouml;konomie aufgebaut. Er generiert seine Einnahmen durch das Abpressen von &bdquo;Steuern&ldquo;, die Nicht-Sunniten an Stra&szlig;ensperren, f&uuml;r H&auml;user, Gesch&auml;fte etc. bezahlen m&uuml;ssen. Eine wichtige Einnahmequelle sind Geiselnahmen, auch von Kindern, die bei Nichtbezahlung des geforderten L&ouml;segeldes ermordet werden &ndash; schlie&szlig;lich m&uuml;ssen die Forderungen glaubhaft sein. <\/p><p>Erhebliche Summen werden erreicht durch die Geiselnahme &ndash; und n&ouml;tigenfalls Ermordung &ndash; von Ausl&auml;ndern: Journalisten, Entwicklungshelfer etc., wie beispielweise des amerikanischen Journalisten James Fooley. Solche &bdquo;wertvollen&ldquo; Geiseln werden unter den Gewaltakteuren auch gehandelt oder sich wechselseitig abgejagt. Die Verbreitung von Angst und Schrecken durch bestialische Strafen und Hinrichtungen ist Grundlage der Herrschaft und der Finanzierung zugleich.<\/p><p>Eine weitere wichtige Einnahmequelle ist der Handel mit Antiquit&auml;ten, f&uuml;r die es im Westen offensichtlich einen riesigen Markt gibt. Hinzu kommt der Export von &Ouml;l aus irakischen und syrischen &Ouml;lfeldern, unter den Kunden an diesem Markt, den man offensichtlich nicht stilllegen will, sollen auch EU-Staaten sein. Die Einnahmen des IS wurden auf bis zu 4 Millionen Dollar pro Tag gesch&auml;tzt. Der IS ist also eine Terror-Organisation und zugleich ein globaler &ouml;konomischer Akteur.<\/p><p><strong><em>Was treibt die Menschen zum &bdquo;Islamischen Staat&ldquo;?<\/em><\/strong><\/p><p>Es gibt sicherlich fanatisierte Menschen, die sich diesem Gewaltakteur anschlie&szlig;en. Das allerdings gilt genauso f&uuml;r die vielen anderen Gewaltakteure wie &ndash; um nur wenige zu nennen &ndash; die Nusra-Front, einen Ableger von Al Qa&rsquo;eda, Jaisch al Islam oder Ahrar esh-Sham etc. <\/p><p>Tatsache ist aber auch, dass der IS wohl seinen K&auml;mpfern lange Zeit den besten Sold, nach Sch&auml;tzungen 400 bis 600 Dollar im Monat zahlen konnte. Die Attraktivit&auml;t besteht also nicht nur in fanatisiertem Glauben oder der M&ouml;glichkeit, Gewaltfantasien ausleben zu k&ouml;nnen, sondern auch in handfesten materiellen Interessen. Aus Tunesien und Libanon ist bekannt, dass den Freiwilligen, die sich einer dieser Banden anschlie&szlig;en, Handgelder bis zu 6.000 oder 8.000 Dollar bezahlt werden.<\/p><p><strong><em>Es ist also nicht so, dass der &bdquo;Islamische Staat&ldquo; aus einer Ansammlung &uuml;berzeugter Massenm&ouml;rder und Terroristen besteht?<\/em><\/strong><\/p><p>Keineswegs. Diese Terror-Organisation bietet &ndash; wie die anderen auch &ndash; materielles Auskommen, eine Lebensperspektive, Kameradschaft &ndash; und Macht. Aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang Untersuchungen des Verfassungsschutzes, denen zufolge 378 Personen aus Deutschland zu den djihadistischen Gewaltakteuren ausgereist sind. 54 davon sind deutschst&auml;mmige Konvertiten. Nur 26 Prozent hatten eine Schulausbildung abgeschlossen, nur 12 Prozent hatten einen Job, meist im Billiglohnsektor, ein Drittel war bereits im Bereich der Kleinkriminalit&auml;t &ndash; da geht es um Eigentumsdelikte, Drogenhandel, K&ouml;rperverletzung etc. &ndash; straff&auml;llig geworden.<\/p><p>Das hei&szlig;t: Die Rekrutierung erfolgt am unteren Rand unserer Gesellschaft, unter den perspektivlosen Verlierern der neoliberalen Globalisierung. Und die gilt in Europa wie im Nahen Osten gleicherma&szlig;en wie in den insgesamt &uuml;ber 80 L&auml;ndern, aus denen K&auml;mpfer der Djihadisten stammen sollen.<\/p><p><strong><em>Es geht also&hellip;<\/em><\/strong><\/p><p>In Wahrheit <a href=\"https:\/\/le-bohemien.net\/2015\/03\/31\/islamischer-staat-es-geht-um-armut-nicht-um-religion\/\">um Armut, nicht um Religion<\/a>. Die Religion wird offensichtlich vor allem dazu benutzt, dem terroristischen Unternehmen etwas Missionarisches, ein Sendungsbewusstsein zu verleihen und die Gruppen zusammenzuschwei&szlig;en. <\/p><p>Dahinter steht eine &Ouml;konomie der Gewalt, des Terrors, die es den F&uuml;hrern erlaubt, betr&auml;chtliche Summen Geldes anzusammeln. Dies gilt vor allem durch die monet&auml;re Unterst&uuml;tzung, die die Banden in erster Linie aus den Golfstaaten erhalten. Deren Motive sind in erster Linie sehr irdischer Natur.<\/p><p><strong><em>Und was hat der sogenannte &bdquo;Sexuelle Djihad&ldquo; mit all dem zu tun?<\/em><\/strong><\/p><p>Dies ist ein besonders abartiger Aspekt dieses insgesamt abscheulichen Themas. Junge Frauen gehen freiwillig nach Syrien, um dort mit sexuellen Dienstleistungen die Moral der K&auml;mpfer zu st&auml;rken. Dass es sich bei diesem &raquo;sexuellen Djihad&laquo; nicht um ein Einzelph&auml;nomen handelt, zeigen die Zahlen, die der Verfassungsschutz f&uuml;r 2015 erhoben hat. <\/p><p>Danach waren 21 Prozent der aus Deutschland in den Djihad Ausgereisten Frauen, meist junge M&auml;dchen. Dass den jungen Frauen, romantische Eheschlie&szlig;ungen vorgegaukelt werden, ist oft Teil dieses Gesch&auml;fts. Frauen, die nach der selektiven Auslegung der Schriften durch die Djihadisten verheiratet werden, haben keinerlei sozialen und materiellen Schutz, der ihnen in den meisten islamischen L&auml;ndern, in denen eine Zivilehe existiert, zusteht. Mit einem dreimaligen &raquo;ich versto&szlig;e Dich&laquo; ist der Ehemann seine Frau los. Diese kann dann unter extrem schlechten und erniedrigenden Bedingungen versuchen, sich wieder zu verheiraten, da sie anders ihren Lebensunterhalt nicht sichern kann. Danach bleibt nur noch die Prostitution.<\/p><p>F&uuml;r die Frauen, die freiwillig in den &raquo;Djihad&laquo; ziehen, gelten auch nicht mehr die Mindestsicherungen, die es im traditionellen islamischen Milieu und Gewohnheitsrecht gab: Die Einwilligung der Eltern und die vorherige &ouml;ffentliche Bekanntgabe der beabsichtigten Eheschlie&szlig;ung. Diese Frauen verlieren genau den relativen Schutz, den sie in traditionellen Gesellschaften genie&szlig;en wie beispielsweise, dass eine &raquo;versto&szlig;ene&laquo; Frau wieder in ihre Herkunftsfamilie zur&uuml;ckkehren kann, dass ihre Mitgift wie etwa Schmuck als eine Art Lebensversicherung ihr Privateigentum bleibt.<\/p><p><strong><em>Um welche Interessen geht es im Hintergrund?<\/em><\/strong><\/p><p>Das ist wie immer des Pudels Kern &ndash; und die Interessen sind sehr vielf&auml;ltig, zum Teil widerspr&uuml;chlich. Da sind nat&uuml;rlich die USA, die letztendlich die Kontrolle &uuml;ber die strategisch und energiepolitisch so wichtige Region behalten wollen. Da ist Russland, dessen letzter und einziger Verb&uuml;ndeter im Nahen Osten das Assad-Regime in Syrien ist, vor allem aber: In Tartous unterh&auml;lt die russische Marine ihren einzigen St&uuml;tzpunkt au&szlig;erhalb des eigenen Territoriums. Da ist die T&uuml;rkei, die auf jeden Fall die Entstehung einer Form von kurdischer Staatlichkeit in Syrien verhindern will und wohl auch Gebietsanspr&uuml;che in einem zerst&ouml;rten Syrien verfolgt.<\/p><p>Und da sind die Golfstaaten, die &ndash; allen voran Saudi-Arabien &ndash; eines der letzten s&auml;kularen Regime in der Region beseitigen und sich als einzige Vormacht in der Region aufbauen wollen. Sie heizen die konfessionelle Dimension des Konflikts an, da sie den Iran als einzigen ernsthaften Gegner in der Region schw&auml;chen wollen. Der Sturz Assads w&uuml;rde die sogenannte &bdquo;schiitische Achse&ldquo; zerbrechen, die vom Iran &uuml;ber Syrien bis in den Libanon reicht. <\/p><p>Doch sind sich die Golfstaaten nicht einig, da die Saudis die salafistischen Gruppen unterst&uuml;tzen, Qatar dagegen die Muslimbr&uuml;der, zu denen auch das Erdogan-Regime zu z&auml;hlen ist. Beide finanzieren sich in Syrien bek&auml;mpfende unterschiedliche Gewaltakteure.<\/p><p>Zudem versucht Qatar seit rund zehn Jahren, eine Gaspipeline zu bauen, die &uuml;ber Syrien Anschluss an die gro&szlig;en Ost-West-Pipelines in Richtung Europa bekommen soll, die durch die T&uuml;rkei verlaufen. Israel sieht die Auseinandersetzungen wohl mit Wohlgefallen, zumindest insofern sie die Schw&auml;chung des Iran zum Ziele haben. Folgerichtig gibt es wohl israelische Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die al-Qa&rsquo;eda nahestehende Terrororganisation Nusra-Front. Weiter verkompliziert wird die Situation durch die Entdeckung riesiger Erdgas-Felder, die sich im K&uuml;stenbereich vom Gaza-Streifen entlang der israelischen, libanesischen und syrischen K&uuml;sten bis vor die T&uuml;rkei ziehen.<\/p><p>Jeder dieser Akteure verfolgt eigene Interessen, die denen der anderen widersprechen. Die Finanzierung und Unterst&uuml;tzung der Gewaltakteure in Syrien ist Kern des Problems. Dies erkl&auml;rt, weshalb die Friedensbem&uuml;hungen der UN, die sogenannten Genfer Initiativen, insgesamt erfolglos geblieben sind: Gerade scheitert der dritte Versuch, alle Akteure zu einem Kompromiss zu bringen. <\/p><p><strong><em>Welche Verantwortung tr&auml;gt der Westen f&uuml;r all das?<\/em><\/strong><\/p><p>Der Westen &ndash; allen voran die USA &ndash; hat in Syrien die fatale Politik des regime-changes fortgesetzt, mit der er schon das Chaos im Irak und in Libyen, das &uuml;brigens zur neuen Bastion des IS zu werden scheint, verursacht hat. Die simple Forderung &bdquo;Assad muss weg&ldquo; enth&auml;lt keinerlei politische Perspektive f&uuml;r das, was danach kommen soll. Es gibt eine Reihe von teils gerade erst bekannt gewordenen Planungs&uuml;berlegungen aus dem Pentagon und Empfehlungen des Council on Foreign Relations, wonach al Qa&rsquo;eda und ihr nahestehende Milizen als wichtige und n&uuml;tzliche Partner im Konflikt angesehen werden. <\/p><p>Angedacht wird in diesen &Uuml;berlegungen auch die Errichtung eines salafistischen F&uuml;rstentums &ndash; also eines m&ouml;glichen Kalifats -, das die sunnitischen Teile des Irak und Syriens umfassen soll, weil dies den Vorstellungen der Verb&uuml;ndeten vom Golf entspreche. Eine solche &bdquo;L&ouml;sung&ldquo; auf konfessioneller Basis h&auml;tte die Vertreibung von Millionen Menschen christlicher und anderer Konfessionen zur Folge, da sie von ethno-religi&ouml;sen S&auml;uberungen unermesslichen Ausma&szlig;es begleitet w&uuml;rden: Die bisherigen Fluchtbewegungen w&auml;ren nur ein Vorbote dessen, was durch ein solches Vorhaben ausgel&ouml;st w&uuml;rde. <\/p><p><strong><em>Zusammenfassend: Ohne westliche Unterst&uuml;tzung also kein &bdquo;Islamischer Staat&ldquo;?<\/em><\/strong><\/p><p>Die Anf&auml;nge dieses terroristischen Gewaltakteurs reichen zur&uuml;ck in den Irak, wo nach der US-Invasion und dem Sturz Saddam Husseins ehemalige F&uuml;hrungskader und djihadistische Afghanistan-K&auml;mpfer im US-Folterlager Camp Bucca zusammentrafen. Glaubt man den oben erw&auml;hnten US-Dokumenten, erschien der IS der Obama-Administration als n&uuml;tzliches Werkzeug zum Sturz Assads. Nachdem der IS als Feind erkannt oder definiert wurde, scheinen jetzt ernsthafte &Uuml;berlegungen im Gange, die mit der Nusra-Front verb&uuml;ndete Terror-Miliz Ahrar esh-Sham als verb&uuml;ndete US-Truppe aufzubauen. <\/p><p>Hinter vielen djihadistischen Gruppen steht nach wie vor Saudi-Arabien, dessen wahhabitischer Staats-Islam Grundlage der religi&ouml;sen Interpretation der Djihadisten ist. Die von Saudi-Arabien patronierte &bdquo;Rebellen-Koalition&ldquo; von drei&szlig;ig Gewaltakteuren, die an den Genfer Verhandlungen teilnehmen sollen, sind hauptverantwortlich f&uuml;r den Stillstand der Verhandlungen in Genf. Aber der Westen l&auml;sst Saudi-Arabien gew&auml;hren.<\/p><p>Die USA haben auch in der T&uuml;rkei, in Jordanien und in Saudi-Arabien &bdquo;gem&auml;&szlig;igte&ldquo; islamistische Gruppen ausgebildet, die die Freie Syrische Armee, einen Zusammenschluss aus Deserteuren der Armee Assads und djihadistischer Gruppen, unterst&uuml;tzen sollten. Nachdem mehrere ausgebildete Gruppen samt ihren Waffen zu IS &amp; Co. &uuml;bergelaufen sind, wurde das Programm im letzten Jahr wohl weitgehend eingestellt. Waffenlieferungen, vor allem &uuml;ber die T&uuml;rkei, liefen aber seit 2011. Ohne diese Unterst&uuml;tzung w&auml;re der IS wohl nicht geworden, was er ist. Auch die Vermarktung von &Ouml;l und Antiquit&auml;ten lief wohl lange Zeit reibungslos.<\/p><p><strong><em>Wenn Sie das Wechselspiel zwischen globalisiertem Terror, Religion und Profit in einem Satz zusammenfassen, dann lautet der?<\/em><\/strong><\/p><p>Religion ist das Vehikel, Terror die Praxis, Profit ist das Ziel. <\/p><p><strong><em>Wie begegnen wir diesem Ph&auml;nomen am besten? Immer mehr Bomben und Krieg oder&hellip;?<\/em><\/strong><\/p><p>Sicherlich nicht! <\/p><p>Wenn ernsthaft Frieden gewollt w&auml;re, m&uuml;ssten die Waffenexporte in die Region sofort und vollkommen eingestellt werden, denn die Waffen sind auch wichtige Handelsg&uuml;ter &ndash; wie sonst konnten die an kurdische Peschmerga im Nordirak gelieferten deutschen Milan-Raketen in die H&auml;nde des IS gelangen?<\/p><p>Es m&uuml;sste endlich Artikel 2.7 der UN-Charta respektiert werden, der jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes verbietet.<\/p><p>Es m&uuml;ssten private milit&auml;rische Unternehmen, die vor allem im Irak f&uuml;r Kriegsverbrechen verantwortlich sind, weltweit verboten werden und die Welt m&uuml;sste Abschied nehmen von der neoliberalen Ordnung, die weltweit Elend und Perspektivlosigkeit produziert und Gewaltakteuren wie dem IS die soziale Basis f&uuml;r ihre Rekrutierung liefert.<\/p><p><strong><em>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/em><\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Werner Ruf<\/strong>&nbsp;ist emeritierter Professor mit den Arbeitsschwerpunkten Internationale und intergesellschaftliche Beziehungen und Au&szlig;enpolitik.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\"><strong>eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/strong><\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/ee761e81ceab446ca731c1b8726ad10d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160829-Werner-Ruf.jpg\" alt=\"Werner Ruf\" title=\"Werner Ruf\"\/><\/div>\n<p>Geostrategische Erw&auml;gungen und die Kontrolle von &Ouml;l und Gas bestimmen seit dem 19. Jahrhundert die Interessen der gro&szlig;en M&auml;chte im Nahen Osten. Mit dem &raquo;arabischen Fr&uuml;hling&laquo; schienen sich die Hoffnungen der Menschen auf ein Leben in W&uuml;rde zu erf&uuml;llen. 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