{"id":34805,"date":"2016-08-30T09:24:19","date_gmt":"2016-08-30T07:24:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34805"},"modified":"2019-05-22T12:19:17","modified_gmt":"2019-05-22T10:19:17","slug":"die-demokratie-des-george-soros","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34805","title":{"rendered":"Die Demokratie des George Soros"},"content":{"rendered":"<p>Der Multimilliard&auml;r George Soros ist ein ebenso schillerndes wie widerspr&uuml;chliches Ph&auml;nomen: zum einen der B&ouml;rsenspekulant, der sein Geld auch damit verdient, im gro&szlig;en Stil auf den Niedergang von W&auml;hrungen und Volkswirtschaften <a href=\"http:\/\/boerse.ard.de\/aktien\/soros-wettet-gegen-den-s-und-p-fuenfhundert100.html\">zu wetten<\/a>, zum anderen der freigiebige Spender, Intellektuelle und politische Aktivist, der nach eigenen Worten die Demokratie f&ouml;rdern und Menschen in aller Welt zu mehr Freiheit in einer &bdquo;offenen Gesellschaft&ldquo; verhelfen will. Nun sind tausende <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34637\">interne Dokumente<\/a> der von ihm gef&uuml;hrten politischen Stiftungen aufgetaucht, die zeigen, mit welchen Methoden er dabei vorgeht. Die Leitmedien schweigen bislang zu den Enth&uuml;llungen. Von <strong>Paul Schreyer<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34805#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nGeorge Soros wurde 1930 in Budapest geboren, verlie&szlig; das Land nach dem Zweiten Weltkrieg, um in England Philosophie zu studieren und machte anschlie&szlig;end in den USA im Finanzsektor Karriere, erst als Wertpapierh&auml;ndler, dann als Fondsmanager. Sein Vater, ein Schriftsteller, war im Ersten Weltkrieg in einem sibirischen Arbeitslager interniert gewesen, kehrte sp&auml;ter nach Ungarn zur&uuml;ck und emigrierte 1956, nachdem die Sowjetunion den ungarischen Volksaufstand gewaltsam niedergeschlagen hatte, in die USA. Es liegt nahe, das sp&auml;tere Engagement seines Sohnes f&uuml;r eine Befreiung Osteuropas von sowjetischer Vorherrschaft auch als Antwort auf diese famili&auml;re Vorgeschichte zu verstehen. Soros selbst <a href=\"http:\/\/edition.cnn.com\/2009\/WORLD\/europe\/07\/27\/aoc.soros.opensociety\/index.html\">beschrieb<\/a> den Beginn seines politischen Aktivismus und seine Ziele dabei so:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich gr&uuml;ndete meine erste Stiftung 1984 in Ungarn. Die Idee dahinter war einfach. Das von den herrschenden Kommunisten propagierte Staatsdogma war falsch und wir konnten diese L&uuml;ge enttarnen, indem wir eine Alternative anboten. Daher unterst&uuml;tzten wir jede kulturelle Initiative, die nicht das herrschende Dogma vertrat. Geleitet wurde ich durch das Konzept der &lsquo;offenen Gesellschaft&rsquo;, das ich vom Philosophen Karl Popper &uuml;bernahm. In meinen Augen war die offene Gesellschaft eine h&ouml;her entwickelte Form des sozialen Zusammenlebens, als die totalit&auml;ren geschlossenen Gesellschaften des Ostblocks. Letztere versuchten, zentralistische Pl&auml;ne umzusetzen; in einer offenen Gesellschaft konnte jeder Einzelne seinen eigenen Plan verfolgen. Die Umwandlung von einer geschlossenen zu einer offenen Gesellschaft erforderte Hilfe von au&szlig;en &ndash; und diese sollten meine Stiftungen gew&auml;hren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Soweit die Leitgedanken des Milliard&auml;rs zur Gr&uuml;ndung seiner ber&uuml;hmten &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.opensocietyfoundations.org\/about\">Open Society Foundations<\/a>&ldquo;, die eigenen Angaben zufolge mittlerweile in 41 L&auml;ndern mit insgesamt 1800 Mitarbeitern t&auml;tig sind. Ihr <a href=\"https:\/\/www.opensocietyfoundations.org\/sites\/default\/files\/open-society-foundations-2016-budget-overview-2016-01-21.pdf\">Jahresetat<\/a> f&uuml;r 2016 betr&auml;gt 930 Millionen Dollar. Damit geh&ouml;ren die Soros-Stiftungen zu den einflussreichsten politischen Organisationen der Welt &ndash; und sind doch letztlich nur einer einzigen Person und deren privaten Zielen verpflichtet. <\/p><p><strong>Zweifelhafte Quellen der &bdquo;Open Society&ldquo;<\/strong><\/p><p>Immer wieder wird Soros vorgeworfen, er handle im Sinne einer aggressiven US-Au&szlig;enpolitik und unterst&uuml;tze den Kampf der Amerikaner gegen missliebige Regierungen, wie etwa 2014 in der Ukraine. Tats&auml;chlich &uuml;berschneiden sich die Interessen der Weltmacht USA mit denen von Soros an vielen Stellen, wie eben in Osteuropa &ndash; und das schon seit Jahrzehnten.<\/p><p>Es ist seit langem bekannt, dass die CIA in ihrem Kampf gegen den Kommunismus im Kalten Krieg viele Intellektuelle f&ouml;rderte, vor allem mittels der von ihr verdeckt finanzierten Organisation &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kongress_f%C3%BCr_kulturelle_Freiheit\">Congress for Cultural Freedom<\/a>&ldquo;. Es ging darum, dem kommunistischen Block mit seinem popul&auml;ren Versprechen sozialer Gerechtigkeit und seinen antikapitalistischen Idealen etwas Geistiges entgegenzusetzen, das die Intellektuellen im Westen wie im Osten als attraktiv empfanden. Man w&auml;hlte die Idee der &bdquo;Freiheit&ldquo;, die sich gut dem dogmatisch klingenden Politjargon und der offensichtlichen Zensur im Osten gegen&uuml;berstellen lie&szlig;, und f&ouml;rderte &uuml;ber die Jahre eine Vielzahl von intellektuellen Zeitschriften, sowie K&uuml;nstlern und Publizisten, sofern diese nicht offen mit dem Kommunismus sympathisierten. Meist wussten die gef&ouml;rderten Intellektuellen und K&uuml;nstler selbst nicht, dass ihre Unterst&uuml;tzung auf einer Finanzierung der CIA beruhte, da das Geld diskret &uuml;ber zwischengeschaltete Stiftungen verteilt wurde. Wie der Historiker Anselm Doering-Manteuffel <a href=\"http:\/\/www.sehepunkte.de\/2003\/01\/1374.html\">schrieb<\/a>, diente der &bdquo;Congress for Cultural Freedom&ldquo; den USA nach 1945 &bdquo;als Waffe im Kampf gegen den Kommunismus und bald auch als ideelles Angebot an die Intellektuellen Westeuropas, ein gemeinwestliches kulturelles Bewusstsein zu entwickeln und die traditionelle Abgrenzung von europ&auml;ischer Hochkultur gegen die amerikanische Massenkultur zu &uuml;berwinden&ldquo;.<br>\nEine der wichtigsten Tochterorganisationen dieses CIA-Programms war die 1966 gegr&uuml;ndete &bdquo;Fondation pour une entraide intellectuelle europ&eacute;enne&ldquo; (&bdquo;Europ&auml;ische Stiftung f&uuml;r intellektuelle Zusammenarbeit&ldquo;), welche Dissidenten in Osteuropa unterst&uuml;tzte, sofern diese nicht emigrierten, sondern im Osten blieben und dort weiter kritisch wirkten. Ab 1978 <a href=\"https:\/\/www.opensocietyfoundations.org\/people\/annette-laborey\">beteiligte<\/a> sich George Soros an der Finanzierung dieser Stiftung. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion <a href=\"http:\/\/www.jstor.org\/stable\/41821373?seq=1#page_scan_tab_contents\">verschmolz<\/a> die Stiftung im Jahr 1991 vollst&auml;ndig mit der von Soros neu geschaffenen &bdquo;Open Society&ldquo;-Organisation. Der Finanzier baute seine Stiftung somit direkt auf einem osteurop&auml;ischen Netzwerk auf, das mit verdeckter CIA-Finanzierung &uuml;ber Jahrzehnte hinweg geschaffen worden war.<\/p><p>An dieser Stelle liegt einer der Widerspr&uuml;che von Soros&acute; Aktivismus: Einerseits propagiert er eine &bdquo;offene Gesellschaft&ldquo; ohne zentrale Planung einer m&auml;chtigen Elite. Andererseits plant er selbst gemeinsam mit einer m&auml;chtigen Elite. Er geht die Partnerschaft mit einer Weltmacht ein und baut auf die Mittel und Netzwerke von deren Geheimdienst auf. Diese Weltmacht und ihr Geheimdienst verfolgen mit ihrer F&ouml;rderung von ehemals sowjet- und nun russlandkritischen Intellektuellen vor allem macht- und geopolitische Ziele. Russland soll geschw&auml;cht werden und kein eigenst&auml;ndiger Machtfaktor in der Weltpolitik sein. Am Ende geht es um Vorherrschaft und Marktanteile, letztlich um den Profit f&uuml;r einige Wenige und nicht um die Selbstbestimmung von V&ouml;lkern. <\/p><p>Soros sieht das offenbar nicht, gibt sich an dieser Stelle naiv &ndash; oder ist es tats&auml;chlich. Betrachtet man seine Auftritte und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oVfp1XNLEXo\">&Auml;u&szlig;erungen<\/a>, k&ouml;nnte man Letzteres vermuten, doch ein Blick in die nun <a href=\"http:\/\/soros.dcleaks.com\/\">geleakten internen Dokumente<\/a> seiner Stiftungen zeigt, dass dieser erfolgreiche Gesch&auml;ftsmann ganz und gar nicht naiv ist, sondern sich mit politischen Tricks und Strategien gut auskennt.<\/p><p><strong>Die Soros-Leaks<\/strong><\/p><p>Unter den tausenden Papieren befindet sich auch ein <a href=\"http:\/\/soros.dcleaks.com\/download\/?f=\/Ukraine%20Working%20Group%202014\/gs%20ukraine%20visitmarch%202014notes.docx&amp;t=europe\">44-seitiges internes Protokoll<\/a> eines Ukraine-Besuches von George Soros im M&auml;rz 2014, also unmittelbar nach dem Putsch in Kiew. Das Dokument zeigt ihn als selbstbewussten Patriarchen, der erst den amerikanischen Botschafter in Kiew instruiert und dann reihenweise die Minister der &Uuml;bergangsregierung Jazenjuk zum Rapport antreten l&auml;sst.<\/p><p>Dem Stiftungs-Protokoll zufolge betont US-Botschafter Geoffrey Pyatt zu Beginn des Gespr&auml;ches mit dem Milliard&auml;r, wie wichtig es im Moment sei, die Sichtweise der neuen ukrainischen Regierung &bdquo;mit professionellen PR-Werkzeugen zu verbreiten&ldquo;. Soros pflichtet dem bei und verweist auf das &bdquo;Crisis Media Center&ldquo;, das seine Stiftung im Land schon aufgebaut habe und dass Ministerpr&auml;sident Jazenjuk nun auch st&auml;rker nutzen m&uuml;sse. <\/p><p>Der Botschafter teilt au&szlig;erdem mit, dass US-Au&szlig;enminister Kerry sehr interessiert daran sei, die Einsch&auml;tzung von Soros zur derzeitigen Situation zu erfahren. Sp&auml;ter im Gespr&auml;ch bittet der Diplomat ausdr&uuml;cklich um eine &bdquo;Kritik der US-Politik&ldquo; und fragt direkt, was die amerikanische Regierung aus Soros&acute; Sicht &bdquo;tun soll&ldquo;. Die Antwort des Finanziers: Obama sei &bdquo;zu weich gegen&uuml;ber Putin&ldquo;, es brauche &bdquo;kraftvolle, kluge Sanktionen&ldquo;. N&ouml;tig sei dabei eine &bdquo;Arbeitsteilung zwischen den USA und der EU&ldquo;, bei der die USA, so Soros, &bdquo;die Rolle des &lsquo;bad cop&rsquo; spielen&ldquo; und Sanktionen gegen&uuml;ber Russland verh&auml;ngen sollten, und zwar &bdquo;f&uuml;r 90 Tage, oder bis die russische Regierung die Ergebnisse der Wahlen anerkennt&ldquo;. <\/p><p>Nebenbei erf&auml;hrt man, dass der Milliard&auml;r offenbar auch einen hochrangigen Informanten im Ausw&auml;rtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages hat. Er sei &bdquo;noch immer beunruhigt&ldquo;, so Soros im M&auml;rz 2014, von Informationen, die er aus dem Ausschuss erhalten habe und denen zufolge Merkel einer m&ouml;glichen F&ouml;deralisierung der Ukraine, wie Putin sie anstrebe, wohlwollend gegen&uuml;berstehe.<\/p><p>Was die ukrainische Innenpolitik angeht, regt Soros eine Justizreform &bdquo;im Saakaschwili-Stil&ldquo; an. &bdquo;Schlechte Richter&ldquo;, so der Milliard&auml;r, sollen ausgesondert und entlassen werden. Gegen&uuml;ber dem Justizminister Pawel Petrenko wiederholt er in einem separaten Gespr&auml;ch, dass es n&ouml;tig sei, &bdquo;die Mehrheit der Richter zu ersetzen&ldquo;, um einen &bdquo;echten Regimewechsel&ldquo; abzusichern. Er selbst k&ouml;nne au&szlig;erdem &bdquo;Experten&ldquo; aus seiner Stiftung schicken, die beim Schreiben neuer Gesetze helfen. Der Justizminister reagiert dem Protokoll zufolge &bdquo;sehr empf&auml;nglich&ldquo; auf diese Idee. <\/p><p><strong>Demokratie &bdquo;von oben&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Lekt&uuml;re dieses Protokolls vom M&auml;rz 2014 macht vor allem eines deutlich: Soros betrachtet die Ukraine &auml;hnlich wie ein Gro&szlig;grundbesitzer sein neu erworbenes Land.  Zwar m&ouml;chte er dort, ganz modern und liberal, &bdquo;Demokratie spielen&ldquo; lassen &ndash; allerdings eben unter Aufsicht. Diese Rolle erm&ouml;glichen ihm zum einen sein immenses Verm&ouml;gen (laut <a href=\"http:\/\/www.forbes.com\/profile\/george-soros\/\">Forbes Magazine<\/a> geh&ouml;rt er zu den 25 reichsten Menschen der Welt), und zum anderen sein &uuml;ber Jahrzehnte hinweg aufgebautes Netzwerk im Land. <\/p><p>Man gewinnt dabei den Eindruck, dass Soros einer grotesken Selbstt&auml;uschung erliegt, wenn er glaubt, dass allein mit gen&uuml;gend Geld, Mitarbeitern und Planungsaufwand eine Demokratie &bdquo;von oben&ldquo; verankert werden k&ouml;nne. Um so fragw&uuml;rdiger erscheint das Vorhaben, wenn die neue &bdquo;Offenheit&ldquo; der Gesellschaft sich darin ersch&ouml;pft, das Land vom einem Machtzentrum (Russland) zu l&ouml;sen und einem anderen (EU \/ NATO \/ USA) anzun&auml;hern, sich ansonsten aber kaum etwas &auml;ndert, insbesondere an den wirtschaftlichen Spielregeln. Bei solch einer Strategie kann eigentlich nur ein ge&auml;ndertes Patronage-System entstehen, ein Tausch der Herrscher &ndash; aber keine sich selbst organisierende Gesellschaft. <\/p><p>Vielleicht ist das am Ende die bittere Ironie in Soros&acute; Lebenswerk: mit gro&szlig;er M&uuml;he etwas aufzubauen, das er urspr&uuml;nglich hatte bek&auml;mpfen wollen &ndash; n&auml;mlich die Herrschaft durch eine zentrale Macht, die verdeckt agiert und niemandem Rechenschaft schuldig ist. Daneben f&auml;llt auf, dass Soros&acute; Rhetorik von den &bdquo;geschlossenen unfreien Gesellschaften&ldquo; sich stets nur gegen die zentrale und autorit&auml;re Machtaus&uuml;bung von Staaten richtet, aber nicht gegen die ganz &auml;hnlich zentrale und autorit&auml;re Machtaus&uuml;bung von Unternehmen oder Superreichen. Mehr noch: Der Finanzier versucht den unm&ouml;glichen Spagat, einerseits als Gro&szlig;spekulant in turbokapitalistischer Manier Milliarden zu verdienen, und andererseits als Sozialreformer und moderner liberaler Philosoph die Welt zu retten. Menschlich gesehen erscheint das fast tragisch. Politisch ist es verheerend, so wie eigentlich immer, wenn ein Gesch&auml;ftsmann kraft seiner &uuml;ber Verm&ouml;gensgewinne angeh&auml;uften Macht glaubt, weiser zu sein als andere und aus seinem Geld und seiner &bdquo;Weisheit&ldquo; dann politische Anspr&uuml;che zur F&uuml;hrung der Gesellschaft ableitet. Im Stalinismus diente eine vermeintlich &uuml;berlegene Ideologie als Rechtfertigung f&uuml;r die autorit&auml;re Herrschaft Einzelner, im Kapitalismus braucht es im Grunde &uuml;berhaupt keine Rechtfertigung, es reicht der pure Verm&ouml;gensbesitz.<\/p><p><strong>Das Ausblenden der Armut<\/strong><\/p><p>Die noblen Worte von der &bdquo;offenen Gesellschaft&ldquo; und der &bdquo;Freiheit&ldquo; des Westens stellten einige osteurop&auml;ische Intellektuelle schon Anfang der 1990er Jahre in Frage. So berichtet die ZEIT-Herausgeberin Marion Gr&auml;fin D&ouml;nhoff (1909-2002) in einem <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1991\/42\/unter-dem-schock-der-freiheit\/komplettansicht\">Artikel<\/a> aus dem Jahr 1991 von ihrem Besuch eines Seminars der schon genannten &bdquo;Europ&auml;ischen Stiftung f&uuml;r intellektuelle Zusammenarbeit&ldquo; (deren CIA-Finanzierung die Gr&auml;fin dabei nicht erw&auml;hnt). Dort traf sie unter anderem den ungarischen Philosophen Elemer Hankiss (1928-2015), der selbst von der Stiftung gef&ouml;rdert wurde und der nun, 1991, sagte:<\/p><p>&bdquo;In der kommunistischen &Auml;ra wurde Freiheit zu einem allumfassenden Begriff, der s&auml;mtliche anderen Werte gleich mitliefert: Gl&uuml;ck, Zufriedenheit, soziale Gerechtigkeit, Liebe, Loyalit&auml;t &hellip; Wir lebten in der Illusion, dass alle Probleme gel&ouml;st w&auml;ren, sobald wir eines Tages die kommunistische Diktatur los sein w&uuml;rden. Und als dann die Freiheit kam und viele Probleme blieben, f&uuml;hlten wir uns get&auml;uscht und waren verwirrt. Wir konnten es nicht fassen, dass man in einer freien Gesellschaft hungern und frieren, dass man krank und sogar ungl&uuml;cklich sein kann.&ldquo;<\/p><p>W&auml;hrend im Osten viele Menschen diesen Unterschied zwischen Illusion (oder Propaganda) und Realit&auml;t rasch begriffen, scheint die T&auml;uschung in K&ouml;pfen wie dem von George Soros fortzuleben. Allerdings nicht nur bei ihm; auch kein einziger Vertreter der sogenannten &bdquo;Zivilgesellschaft&ldquo;, die Soros laut dem geleakten Protokoll traf, wies im direkten Gespr&auml;ch mit dem G&ouml;nner auf das weitaus dr&auml;ngendste Problem des Landes hin &ndash; n&auml;mlich die riesige Armut dort. Stattdessen wiederholten die Ukrainer, die in den Soros-Stiftungen und anderen NGOs vor Ort arbeiteten, bei ihren Reformvorschl&auml;gen vor allem Begriffe wie &bdquo;Transparenz&ldquo;, &bdquo;Korruptionsbek&auml;mpfung&ldquo;, &bdquo;Professionalit&auml;t&ldquo;, &bdquo;zivilgesellschaftliche Partizipation&ldquo; und &auml;hnliches. <\/p><p>Ohne Frage sind dies wichtige Ziele. Doch ohne eine konkrete materielle Basis, also gen&uuml;gend Arbeitspl&auml;tze und ausreichende L&ouml;hne, haben sie f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung nur vergleichsweise geringen Wert und sind im Alltag auch kaum durchsetzbar. Die Korruption im Staatsapparat etwa l&auml;sst sich nicht nachhaltig bek&auml;mpfen, solange Armut herrscht, da die bestochenen Beamten dann auf das illegale &bdquo;Zubrot&ldquo; oftmals real angewiesen sind. <\/p><p>Viele Maidan-Revolution&auml;re, die oft aus der d&uuml;nnen oberen Mittelschicht Kiews stammen, scheinen &auml;hnlich abgekoppelt zu sein von den grundlegenden Sorgen der Bev&ouml;lkerung, wie auch viele Politiker und Journalisten aus der Mittelschicht hier in Deutschland. Sie verengen ihren Blick auf eine w&uuml;nschenswerte politische Freiheit und wichtige Standards, untersch&auml;tzen dabei aber den Wert von ausreichender sozialer Sicherheit f&uuml;r alle (nicht blo&szlig; f&uuml;r die Mittelschicht), ohne die eine Gesellschaft insgesamt weder stabil, noch demokratisch sein kann &ndash; und am Ende auch nicht frei.<\/p><p><strong>Partner des IWF<\/strong><\/p><p>F&uuml;r das Soros-Programm hat soziale Sicherheit keine hohe Priorit&auml;t. Das Freiheitsversprechen wird konterkariert durch die Partnerschaft mit dem IWF, der im Gegenzug f&uuml;r Kredite bekanntlich die immer gleichen Forderungen erhebt und auch durchsetzt: Deregulierung, Privatisierung und Sozialabbau. Wie sehr die Soros-Stiftung sich in der Ukraine als Partner des IWF sieht, macht eine weitere Passage aus dem geleakten Protokoll deutlich. Yarema Bachynsky, ein geb&uuml;rtiger New Yorker und Vorstandsmitglied von Soros&acute; ukrainischer Stiftung, diskutiert dort mit dem Milliard&auml;r, wie man Petro Poroschenko einzusch&auml;tzen habe, der damals, im M&auml;rz 2014, noch kein Pr&auml;sident war, aber schon als aussichtsreicher Kandidat f&uuml;r den Posten galt. Bachynsky betont gegen&uuml;ber Soros, er habe von Poroschenko noch nichts vernommen, was den Prinzipien der Stiftung entgegenlaufe. Er glaube, dass im Falle einer Poroschenko-Pr&auml;sidentschaft &bdquo;keine Widerspr&uuml;che&ldquo; zu dem, &bdquo;was IWF oder OSF in der Ukraine tun&ldquo; zu erwarten seien (OSF ist die Abk&uuml;rzung f&uuml;r Soros&acute; &bdquo;Open Society Foundation&ldquo;). Man m&uuml;sse daher, so Bachynsky, nun rasch die Aufmerksamkeit Poroschenkos erlangen, um nach seiner m&ouml;glichen Wahl eine &bdquo;so enge Verbindung zu ihm&ldquo; zu haben, dass sichergestellt sei, dass der Pr&auml;sident sich dann &bdquo;den Pl&auml;nen von OSF oder IWF nicht widersetzt&ldquo;. In einem anderen Gespr&auml;ch mit Vertrauten merkt Soros zwar an, man solle die ukrainische Regierung bei Verhandlungen mit dem IWF dahingehend beraten, dass soziale K&uuml;rzungen nicht als Kreditbedingungen akzeptiert werden sollten, doch grunds&auml;tzlich erscheint der IWF in den Gespr&auml;chen als enger Partner.<\/p><p><strong>Maidan ohne Soros nicht erfolgreich?<\/strong><\/p><p>Welchen Anteil hatte Soros nun am Umsturz 2014? Beim Treffen mit dem Vorstand der Stiftung &auml;u&szlig;erte sich dazu <a href=\"http:\/\/www.aspenideas.org\/speaker\/viktoria-siumar\">Victoria Siumar<\/a>, die viele Jahre f&uuml;r den von der US-Regierung finanzierten Auslandssender Voice of America arbeitete und dann f&uuml;r den von Soros finanzierten Radiosender &bdquo;Hromadske&ldquo;, der die Maidanbewegung direkt unterst&uuml;tzte. Siumar sa&szlig; 2014 im Vorstand der ukrainischen Soros-Stiftung und stieg nach dem Putsch in den &bdquo;Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat&ldquo; unter Ministerpr&auml;sident Jazenjuk auf. In dem nun <a href=\"http:\/\/soros.dcleaks.com\/download\/?f=\/Ukraine%20Working%20Group%202014\/gs%20ukraine%20visitmarch%202014notes.docx&amp;t=europe\">geleakten Protokoll<\/a> ist nachzulesen, wie sie Ihrem G&ouml;nner im pers&ouml;nlichen Gespr&auml;ch im M&auml;rz 2014 dankt &bdquo;f&uuml;r alles&ldquo;, was er &bdquo;f&uuml;r die Ukraine getan&ldquo; habe, da ohne seine Anstrengungen &bdquo;die Revolution wohl nicht erfolgreich gewesen w&auml;re&ldquo;. Die Partner der Soros-Stiftungen, so Siumar, seien &bdquo;der Hauptmotor und die Grundlage der Maidan-Bewegung&ldquo; gewesen. Der Milliard&auml;r &auml;u&szlig;ert sich daraufhin zustimmend: Es sei &bdquo;einzigartig&ldquo;, was seine Stiftung &bdquo;in j&uuml;ngster Zeit erreicht&ldquo; habe.<\/p><p>Dabei ist das Soros-Netzwerk nur eines von vielen. &Auml;hnlich finanzstark und gut vernetzt waren und sind in der Ukraine etwa die halbstaatliche US-Stiftung &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.ned.org\/region\/central-and-eastern-europe\/\">National Endowment for Democracy<\/a>&ldquo;, oder die &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.eurasia.org\/\">Eurasia Foundation<\/a>&ldquo;, deren Hauptsponsor ebenfalls die US-Regierung ist. Gemeinsam haben sich diese Stiftungen in nahezu allen Strukturen des politischen Lebens der Ukraine mittlerweile so fest etabliert, dass es schwer f&auml;llt, noch von einer authentisch &bdquo;ukrainischen&ldquo; Politik oder B&uuml;rgerbewegung zu sprechen. Nat&uuml;rlich gibt es auch in Kiew vom Ausland unabh&auml;ngige Akteure, doch in einer so armen Region haben Sponsoren mit nahezu endlosen Geldmitteln besonders leichtes Spiel, sich durchzusetzen und Menschen vor Ort dauerhaft an sich zu binden. Ob man eine solche Entwicklung als &bdquo;demokratischen Fortschritt&ldquo; bezeichnen kann, bleibt mehr als fraglich.<\/p><p><strong>Die Medien schweigen<\/strong><\/p><p>In deutschen, aber auch in amerikanischen Leitmedien sucht man Berichte &uuml;ber die Soros-Leaks bislang vergebens. Die in diesem Sommer erstmals in Erscheinung getretene Whistleblower-Plattform &bdquo;<a href=\"http:\/\/dcleaks.com\/\">DC Leaks<\/a>&ldquo; hat die Dokumente am 13. August ver&ouml;ffentlicht, ohne dass die zahlreichen investigativen Kollegen von Spiegel, S&uuml;ddeutscher Zeitung und Co. davon Notiz genommen h&auml;tten &ndash; ein weiteres Beispiel f&uuml;r die Existenz einer &bdquo;<a href=\"https:\/\/kress.de\/news\/detail\/beitrag\/135760-ard-mann-ulrich-teusch-medien-werden-glaubwuerdigkeit-nicht-zurueckgewinnen.html\">L&uuml;ckenpresse<\/a>&ldquo;. Lediglich die deutschen Ableger russischer Staatsmedien wie RT oder Sputnik brachten <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/international\/40000-soros-hack-tausende-dateien-open\/\">Berichte<\/a>.<br>\n&Uuml;ber die Organisation &bdquo;DC Leaks&ldquo; ist derweil wenig bekannt. Vor den Soros-Leaks hatte das Portal unter anderem Emails von Ex-Nato-Oberbefehlshaber Breedlove <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2016\/07\/01\/nato-general-emails\/\">&ouml;ffentlich gemacht<\/a>, die zeigten, wie der General hinter den Kulissen versuchte, Druck auf US-Pr&auml;sident Obama auszu&uuml;ben, damit die Situation in der Ukraine st&auml;rker eskalierte. Auch zu dieser Enth&uuml;llung hatten die Medien nahezu vollst&auml;ndig geschwiegen, in den USA, wie in Deutschland. Von den gro&szlig;en Leitmedien brachte lediglich der Spiegel einen <a href=\"https:\/\/magazin.spiegel.de\/SP\/2016\/30\/145947650\/?utm_source=spon&amp;utm_campaign=centerpage\">Artikel<\/a>, in seiner Printausgabe.<\/p><p>&bdquo;DC Leaks&ldquo; scheint sich bislang auf Material zu Russlands Gegnern zu konzentrieren, was den Verdacht nahelegt, dass der russische Geheimdienst dahinter stecken k&ouml;nnte. Auch ein <a href=\"http:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2016-08-11\/russian-hackers-of-dnc-said-to-scoop-up-secrets-from-nato-soros\">Bloomberg-Bericht<\/a> deutet das an. Sollte die Vermutung zutreffen, w&uuml;rde das gleichwohl nichts an der Brisanz der Leaks &auml;ndern &ndash; schlie&szlig;lich haben weder General Breedlove, noch aktuell die Soros-Stiftungen den Vorwurf erhoben, das ver&ouml;ffentlichte Material sei gef&auml;lscht. Selbst wenn ein Geheimdienst f&uuml;r die Leaks verantwortlich sein sollte, w&auml;re das keine Rechtfertigung f&uuml;r die Leitmedien, nicht dar&uuml;ber zu berichten. Die ver&ouml;ffentlichten Informationen sind offenbar zutreffend und authentisch.<\/p><p><em>Anmerkung: Die Webseite <a href=\"http:\/\/soros.dcleaks.com\/\">soros.dcleaks.com<\/a> mit den geleakten Soros-Dokumenten war einige Tagen nicht mehr aufrufbar und wir k&ouml;nnen nicht sagen, ob und wie lange die Seite nach der Ver&ouml;ffentlichung dieses Textes online bleibt. Somit f&uuml;hrt u.U. auch der Link zu dem in diesem Artikel mehrfach zitierten 44-seitigen Protokoll des Soros-Besuchs in der Ukraine vom M&auml;rz 2014 ins Leere. Die NachDenkSeiten haben das Dokument rechtzeitig gesichert und stellen es ihren Lesern unter <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/160830_Ukraine-Working-Group-2014_gs-ukraine-visitmarch-2014notes.pdf\">diesem alternativen Link <\/a>zur Verf&uuml;gung.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Paul Schreyer<\/strong> ist freier Journalist, Autor, Mitarbeiter und regelm&auml;&szlig;iger Autor der NachDenkSeiten. Sein Buch &bdquo;Wir sind die Guten &ndash; Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren&ldquo; (mit Mathias Br&ouml;ckers) wurde ein Spiegel-Bestseller.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Multimilliard&auml;r George Soros ist ein ebenso schillerndes wie widerspr&uuml;chliches Ph&auml;nomen: zum einen der B&ouml;rsenspekulant, der sein Geld auch damit verdient, im gro&szlig;en Stil auf den Niedergang von W&auml;hrungen und Volkswirtschaften <a href=\"http:\/\/boerse.ard.de\/aktien\/soros-wettet-gegen-den-s-und-p-fuenfhundert100.html\">zu wetten<\/a>, zum anderen der freigiebige Spender, Intellektuelle und politische Aktivist, der nach eigenen Worten die Demokratie f&ouml;rdern und Menschen in aller Welt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34805\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,126,129,11],"tags":[881,284,441,901,1426,589,1919,911,1315,663,1418,259,1419,1625,260,1087,1019],"class_list":["post-34805","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-erosion-der-demokratie","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-strategien-der-meinungsmache","tag-armut","tag-deregulierung","tag-freiheit","tag-geheimdienste","tag-hegemonie","tag-iwf","tag-lueckenpresse","tag-maidan","tag-poroschenko-petro","tag-putsch","tag-regime-change","tag-russland","tag-soros-george","tag-stiftungen","tag-ukraine","tag-whistleblower","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34805","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34805"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34805\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51941,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34805\/revisions\/51941"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34805"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34805"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34805"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}