{"id":3487,"date":"2008-10-01T17:22:27","date_gmt":"2008-10-01T15:22:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3487"},"modified":"2015-11-09T15:09:11","modified_gmt":"2015-11-09T14:09:11","slug":"nachtrag-zur-abgesprochenen-meinungsmache-sie-verfaengt-und-sie-verfaengt-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3487","title":{"rendered":"Nachtrag zur abgesprochenen Meinungsmache: Sie verf\u00e4ngt &#8230; und sie verf\u00e4ngt nicht."},"content":{"rendered":"<p>Auf den <a href=\"?p=3485\">Beitrag zur Sendung Maischberger<\/a> erreichten uns einige interessante Mails. Drei davon sind in den Anlagen wieder gegeben. In der ersten Mail wird beklagt, dass die beschriebene Propaganda verfange und dass viele Menschen sogar glauben w&uuml;rden, jene, die uns in das Malheur hinein gef&uuml;hrt h&auml;tten, f&uuml;hrten und auch wieder heraus. Da ist einiges dran. Da die Propaganda massiv und abgesprochen betrieben wird, wirkt sie in weiten Kreisen. Sie wirkt nicht nur bei Lesern der Bild-Zeitung zum Beispiel sondern besonders auch in Kreisen, die sich f&uuml;r gebildet halten und dies auf anderen Feldern als jenen der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik auch wirklich sind. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nIn den beiden anderen Mails B und C wird davon berichtet, in das unsere gemeinsamen Versuche zum Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit Wirkung zeigt. Ich sehe in beiden Beobachtungen keinen Widerspruch. Den kritischen Bericht in der Mail A m&ouml;chte ich zum Anlass daf&uuml;r nehmen zu empfehlen, <\/p><ul>\n<li>solche Sendungen wie Maischberger vom 30.9. zu nutzen, um die Methoden der Meinungsmache sichtbar zu machen: Wiederholung, gleiche falsche Botschaft aus verschiedenen Ecken, Haltet den Dieb;<\/li>\n<li>sichtbar zu machen, wie angeblich liberale bis kritische Bl&auml;tter und Medien in die Meinungsmache eingespannt sind beziehungsweise sich einsparen lassen. Ich denke dabei vor allem an die Zeit, an den Spiegel, den Stern, die FAZ und die verschiedenen Talkshows sowieso. Es ist wirklich wichtig, die Glaubw&uuml;rdigkeit, dieser Medien in Zweifel zu ziehen;<\/li>\n<li>es ist wichtig, kritisch zu bleiben und zu hinterfragen auch dann, wenn sozial engagiert und systemkritisch geredet wird. Wenn zum Beispiel Helmut Schmidt von &bdquo;Raubtierkapitalismus&ldquo; spricht, dann klingt das prima, aber es ist ohne Bedeutung f&uuml;r die Sache, die kritischen Spr&uuml;che erh&ouml;hen aber seine Glaubw&uuml;rdigkeit f&uuml;r die ansonsten &auml;u&szlig;erst problematischen Einlassungen. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r Heiner Gei&szlig;ler; er bringt es fertig, &uuml;ber den &bdquo;Kapitalismus&ldquo; und die &bdquo;reine Marktideologie&ldquo; her zu ziehen (Siehe Anlage D &ndash; Interview mit der HNA) und Argumente zu gebrauchen, wie wir sie sonst bei attac finden, um dann am Schluss die Bundeskanzlerin Merkel und ihr Management der Finanzkrise &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee zu loben. Kein Wort zur tiefen Verfilzung der Bundeskanzlerin mit der Finanzindustrie. &ndash; Es geht mir hier nicht um Gei&szlig;ler. Es geht darum, dass sich kritische Geister nicht leichtfertig still stellen lassen.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Anlagen<\/strong><\/p><p><strong>Mail A:<\/strong><\/p><blockquote><p>Ich stelle derzeit in meinem privaten Umfeld auch immer mehr fest, wie die Menschen, trotz Finanzkrise, nur &uuml;ber Lafontaine schimpfen. H&auml;ufig sind das Menschen, die eigentlich zum Nachdenken f&auml;hig sind. Da hei&szlig;t es, Lafontaine kennt keine Verantwortung, er ist faul, es ist ein Schluri, er ist Populist und Demagoge oder gar ein Kommunist. Auf die Nachfrage, bitte liefert dazu Fakten, kommt nichts. Wenn man Gl&uuml;ck hat, eine Antwort zu erhalten, geht sie ungef&auml;hr so: Wer so tut, als g&auml;be es f&uuml;r unsere Probleme eine L&ouml;sung, ist ein Demagoge und Populist.<\/p>\n<p>Die Menschen glauben, wer uns in das Malheur hineingef&uuml;hrt hat, f&uuml;hrt uns da auch wieder raus. Die Nachsicht mit Schr&ouml;der, Clement, M&uuml;ntefering, Fischer, Merkel und Co. ist unglaublich. Mich w&uuml;rde interessieren, woher kommt diese Gleichg&uuml;ltigkeit, dieser unersch&uuml;tterliche Glaube, unsere Elite wird es schon richten?<\/p>\n<p>Bei Ihrem Aufruf, im eigenen Umfeld aufkl&auml;rerisch t&auml;tig zu sein, sehe ich mit der Zeit ein Problem. Da man als Einzelk&auml;mpfer agiert, wird man schnell als Sektierer wahrgenommen, auch wenn man sich bem&uuml;ht, mit Fakten untermauert, zu argumentieren. Wenn man Gl&uuml;ck hat, wird man als Hofnarr akzeptiert.<\/p>\n<p>Werte, die in unserer Gesellschaft, sei es im Elternhaus, der Kirche, den Schulen und Vereinen, so gerne als furchtbar wichtig dargestellt werden, sind in der realen Welt keinen Pfifferling wert. So auch bei Wahlen. Es z&auml;hlt nur eines, die Hoffnung bei den Gewinnern zu sein. Moral, Ethik oder humanistische Werte bringen keine Prozente.<\/p>\n<p>Ich frage mich immer wieder als einer, der nach dem Krieg geboren wurde: Wie haben denkende Menschen Anfang der drei&szlig;iger Jahre die politischen Verh&auml;ltnisse privat verarbeitet. Mir jedenfalls versaut das Verhalten unserer Gesellschaft (Kirche, Medien, Parteien, Wirtschaft usw.) immer &ouml;fter die Lebensfreude.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nH.-J. M.<\/p><\/blockquote><p><strong>Mail B:<\/strong><\/p><blockquote><p>Als ehemaliger Lehrer, der politisch und vereinsm&auml;&szlig;ig sehr lange t&auml;tig war und in einem Heimatkundekreis immer noch aktiv bin, komme ich viel mit Leuten ins Gespr&auml;ch. Glauben Sie mir, diese Herren Vogel (bis) und andere &ndash; v. Dohnanyi und leider auch H. Schmidt &ndash; haben kaum noch Glaubw&uuml;rdigkeit und machen sich nur noch l&auml;cherlicher mit ihrem Populismus Vorwurf gegen Oskar und die Linke. Wie Sie sagen, ist das schade bei H-J. Vogel und auch bei H. Schmidt. Ich habe Schmidt bei Kerner (oder war es der andere?) erlebt: schon peinlich, wie er ausgetretene Pfade bedient (&Uuml;beralterung). Das Wort Journal kommt bekanntlich von lateinisch diurnalia, das waren t&auml;gliche Berichte, die C&auml;sar nach Rom schickte, quasi als BILD Berichter &uuml;ber seine Verbrechen in Gallien, um die Stimmung zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Es tut mir leid, aber Schmidt hat mehr als Allt&auml;glichkeiten nicht mehr zu bieten.<br>\nNochmals: machen Sie sich wenig Sorgen, dass die Leute die diurnalia dieser Gernegro&szlig;en allzu ernst nehmen. <\/p>\n<p>PS. Am vergangenen Freitag bei einem Kollegiumsausflug wurde ich von mehrmals auf Ihre Nds hingewiesen; da k&ouml;nnte ich noch was lernen. Toll!<\/p>\n<p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nJ. M.<\/p><\/blockquote><p><strong>Mail C:<\/strong><\/p><blockquote><p>Vielen Dank f&uuml;r aufschlussreichen Erl&auml;uterungen insbesondere zu den &Auml;u&szlig;erungen von Herrn Henkel. Als interessierter Nutzer der Nachdenkseiten waren mir die meisten Sachverhalte gottlob bereits bekannt.<br>\n&nbsp;<br>\nIch habe die Sendung ebenfalls mit Interesse verfolgt und fand es &auml;u&szlig;erst befremdlich, wie sich die Herren H.J. Vogel und Henkel mit Ihren &Auml;u&szlig;erungen &uuml;ber Oskar Lafontaine immer weiter in dummbl&ouml;de Argumentationen verstiegen haben.<br>\n&nbsp;<br>\nNicht nur, dass immer wieder der geradezu abstruse Vorwurf des Populismus zum x-ten Mal vorgetragen wurde. Wenn man es nur oft genug wiederholt, dann glaubt es auch der letzte Hinterw&auml;ldler.<br>\n&nbsp;<br>\nNein, besonders abartig erschien mir die &uuml;bereinstimmende Meinung der genannten Herren, dass es von Oskar Lafontaine zwei Ausgaben gibt: N&auml;mlich &bdquo;Lafontaine 1&ldquo; und &bdquo;Lafontaine 2&ldquo; (Zitat H.J. Vogel). Lafontaine 1 wurde dabei gleich gesetzt mit Oskar Lafontaine vor dem gegen ihn ver&uuml;bten Attentat und Lafontaine 2 wurde gleich gesetzt mit Oskar Lafontaine nach dem Attentat.<br>\n&nbsp;<br>\nDemzufolge w&auml;re Lafontaine nach dem Attentat nicht mehr derselbe gewesen und m&ouml;glicherweise darin die Ursache daf&uuml;r gewesen, dass er einfach so sein Amt als Parteivorsitzender und als Bundesfinanzminister hingeschmissen habe. Die Aussagen von Herrn Henkel kamen bei mir so an als ob Oskar Lafontaine seit dem Attentat und speziell seit er Vorsitzender der Linken ist einen an der Waffel h&auml;tte und nicht mehr zurechnungsf&auml;hig sei.<br>\n&nbsp;<br>\nVogelwild im wahrsten Sinne des Wortes war auch, dass Hans-Jochen Vogel zun&auml;chst den Namen seines ehemaligen Parteifreundes Lafontaine nicht einmal aussprechen wollte. Er fabulierte von einer Person von vorher und einer Person von jetzt.<br>\n&nbsp;<br>\nDa scheinen einige Leute &ndash; ganz besonders unter dem Eindruck der Wahl in Bayern und den daraus resultierenden Konsequenzen f&uuml;r die bevorstehende Bundestagswahl &ndash; gewaltige Angst vor &bdquo;Lafontaine 2&ldquo; zu haben.<br>\n&nbsp;<br>\nWer so verbohrt ist, s&auml;mtliche Tatsachen medienwirksam verdreht, &uuml;ber einen Gerhard Schr&ouml;der Lobeshymnen anstimmt und behauptet, Frau Merkel und Herr Steinbr&uuml;ck w&uuml;rden alles richtig machen, dem sei diese Angst auch von Herzen verg&ouml;nnt.<br>\n&nbsp;<br>\n&Uuml;brigens: Ich habe das Ende der Sendung schlie&szlig;lich nicht mehr mit anschauen k&ouml;nnen, weil ich mich so h&auml;tte aufregen m&uuml;ssen, dass mich das glatt um den Schlaf h&auml;tte bringen k&ouml;nnen.<br>\n&nbsp;<br>\nViele Gr&uuml;&szlig;e aus Oberbayern und machen Sie weiter so.&nbsp;Sie haben mit den&nbsp;Nachdenkseiten dazu beigetragen, dass es&nbsp;Gegenmeinungen zur &ldquo;herrschenden&rdquo; Ideologie gibt und wie wir in Bayern gesehen haben, wirken diese Gegenmeinungen auch.<\/p>\n<p>C. B.<\/p><\/blockquote><p><strong>Anlage D:<\/strong><\/p><p>Interview HNA mit Heiner Gei&szlig;ler vom 27.9.2008<br>\n<strong>&bdquo;US-Regierung ist abh&auml;ngig vom Kapital&ldquo;<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.hna.de\/\/wirtschaftstart\/00_20080927115047_quotUS_Regierung_abhaengig_vom_Kapitalquot.html\">HNA online<\/a><\/p><p>Auszug: <\/p><p><em>Gei&szlig;ler: &bdquo;&hellip; Die CDU muss also realisieren, was im letzten Grundsatzprogramm beschlossen wurde, n&auml;mlich die Humanisierung des Globalisierungsprozesses jetzt in die Tat umzusetzen. Den Menschen m&uuml;ssen Perspektiven gegeben werden, weil sie Angst um ihr Geld haben und verzweifeln.<\/em><\/p><p>HNA: Ist in der CDU, die zugleich die Regierung mittr&auml;gt, das Bewusstsein f&uuml;r die notwendigen Reformen vorhanden?<\/p><p>Gei&szlig;ler: Ich bin optimistisch, dass die Kanzlerin mit ihrem naturwissenschaftlichen Sachverstand die Zusammenh&auml;nge erkennt. &hellip;&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den <a href=\"?p=3485\">Beitrag zur Sendung Maischberger<\/a> erreichten uns einige interessante Mails. Drei davon sind in den Anlagen wieder gegeben. In der ersten Mail wird beklagt, dass die beschriebene Propaganda verfange und dass viele Menschen sogar glauben w&uuml;rden, jene, die uns in das Malheur hinein gef&uuml;hrt h&auml;tten, f&uuml;hrten und auch wieder heraus. Da ist einiges<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3487\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,41,11],"tags":[1538],"class_list":["post-3487","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-maischberger-sandra"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3487","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3487"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3487\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28560,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3487\/revisions\/28560"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3487"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3487"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}