{"id":34875,"date":"2016-09-06T08:43:46","date_gmt":"2016-09-06T06:43:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34875"},"modified":"2023-05-31T15:08:55","modified_gmt":"2023-05-31T13:08:55","slug":"das-ende-des-journalismus-wie-wir-ihn-kannten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34875","title":{"rendered":"Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160906_teusch.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Die etablierten Medien stecken in einer massiven Glaubw&uuml;rdigkeitskrise. Teile des Publikums proben den Aufstand, &ouml;ffentliche und ver&ouml;ffentlichte Meinung driften auseinander. Nicht nur hierzulande, auch in vielen anderen L&auml;ndern geraten die Leitmedien unter Beschuss. Stein des Ansto&szlig;es sind die Inhalte &ndash; Stichwort &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo;. Doch sind L&uuml;gen wirklich das Problem? Oder gibt es nicht viel mehr strukturelle Probleme, die mit den Eigentumsverh&auml;ltnissen der meisten Medien ebenso zu tun haben wie mit den von Albrecht M&uuml;ller in aktueller Video-Reihe geschilderten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=102\">Methoden der Manipulation<\/a>&ldquo;? Liegt es wirklich am einzelnen Journalisten, dass die Medien Unliebsames unterdr&uuml;cken und statt umfassender Information oftmals Desinformation liefern, die gleichwohl gewissen Kreisen in die H&auml;nde spielt? Zu diesen Fragen sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>Ulrich Teusch<\/strong>, Autor des soeben erschienenen Buches &bdquo;L&uuml;ckenpresse&ldquo;.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6324\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-34875-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160906_Das_Ende_des_Journalismus_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160906_Das_Ende_des_Journalismus_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160906_Das_Ende_des_Journalismus_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160906_Das_Ende_des_Journalismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=34875-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160906_Das_Ende_des_Journalismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160906_Das_Ende_des_Journalismus_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Teusch, in Ihrem aktuellen Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/lueckenpresse\/\">L&uuml;ckenpresse<\/a>&ldquo; &auml;u&szlig;ern Sie scharfe Medienkritik, wenden sich zugleich aber auch gegen den Vorwurf, wir h&auml;tten es bei unseren Medien mit einer Art &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo; zu tun&hellip;<\/strong><\/p><p>Ich kann verstehen, wenn Leute &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo; rufen. Ich &auml;rgere mich ja auch &uuml;ber Medien und habe viel zu kritisieren. Aber ich halte den Begriff auf analytischer Ebene f&uuml;r untauglich und irref&uuml;hrend, auf normativer Ebene f&uuml;r diffamierend und ehrenr&uuml;hrig. Auch ganz pers&ouml;nlich. Ich bin ja auch Journalist und nehme f&uuml;r mich in Anspruch, in meiner journalistischen Arbeit noch nie gelogen, also bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben. Und ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, f&uuml;r die das Gleiche gilt. Der Begriff &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo; unterstellt dem einzelnen Journalisten ein Fehlverhalten, und weil angeblich sehr viele Journalisten nicht ad&auml;quat arbeiten, entsteht daraus ein Massenph&auml;nomen, die &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo; eben. Das ist mir zu simpel. <\/p><p><strong>Aber der von Ihnen bevorzugte Begriff &bdquo;L&uuml;ckenpresse&ldquo; klingt ja ganz &auml;hnlich?<\/strong><\/p><p>Aber er ist sauber definiert und setzt die Akzente anders. Im Prinzip ist jedes Medium ein L&uuml;ckenmedium. Jedes Medium ist angesichts des gigantischen Nachrichtenangebots gezwungen, eine kleine, oft winzig kleine Auswahl zu treffen. <\/p><p>Die Frage ist, wie und nach welchen Kriterien diese Auswahl vorgenommen wird. Und da ist bei den ma&szlig;geblichen Medien, also den sogenannten Leit- und Qualit&auml;tsmedien, wie sie sich selbst nennen, bzw. im Mainstream, wie er immer &ouml;fter genannt wird, Folgendes zu beobachten: Erstens werden Nachrichten in ganz bestimmter Weise gewichtet. Zweitens werden Nachrichten gezielt unterdr&uuml;ckt. Drittens werden Nachrichten in tendenzi&ouml;ser Weise bewertet, das hei&szlig;t, es wird mit zweierlei Ma&szlig; gemessen, es gibt &bdquo;double standards&ldquo;. <\/p><p>Alle drei Aspekte h&auml;ngen eng zusammen und verst&auml;rken sich wechselseitig. Wenn sie auf bestimmten Themenfeldern lange genug und mit ausreichender Intensit&auml;t wirken, entstehen dominante Narrative, also gro&szlig;e journalistische Erz&auml;hlungen oder Deutungsmuster, in die dann alle neu einlaufenden Informationen eingeordnet werden k&ouml;nnen &ndash; oder eben auch nicht, so sie denn nicht ins Narrativ passen. <\/p><p>Manchmal w&auml;chst sich das zu Kampagnen aus oder auch zu regelrechter Propaganda. Mein entscheidender Punkt ist nun: Die beschriebenen Ph&auml;nomene kommen nicht zuf&auml;llig zustande, sondern sie sind strukturell verankert und interessengeleitet. Das ist auch der Grund f&uuml;r die wachsende Homogenisierung des Mainstreams. Die Nachrichtenauswahl und Kommentierung wird immer &auml;hnlicher und ist bei bestimmten wichtigen Themen kaum noch unterscheidbar.<\/p><p><strong>Aber es gibt doch im Mainstream immer&hellip; wieder &bdquo;Ausrei&szlig;er&ldquo;, also &uuml;berraschende, vom gro&szlig;en Trend abweichende Berichterstattung!<\/strong><\/p><p>Ja, das bestreite ich auch nicht. Das gibt es in Deutschland insbesondere im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ich treffe deshalb die Unterscheidung zwischen dem &bdquo;Mainstream <em>innerhalb<\/em> des Mainstreams&ldquo; und dem &bdquo;Mainstream <em>au&szlig;erhalb<\/em> des Mainstreams&ldquo;. Letzterer bietet immer wieder journalistische Perlen, aber er hat einen schweren Stand und befindet sich weit eher auf dem R&uuml;ckzug als auf dem Vormarsch. Tonangebend ist der &bdquo;Mainstream <em>innerhalb<\/em> des Mainstreams&ldquo;, also ein verflachter, plakativer, tendenzi&ouml;ser, oft staats- und wirtschaftsnaher Journalismus. Er ist das dominante Segment, und man kann nur hoffen, dass er das minorit&auml;re Segment nicht vollends erdr&uuml;ckt.<\/p><p><strong>Sind diese Probleme neu oder bestanden sie stets?<\/strong><\/p><p>Wie gesagt, jedes Medium ist L&uuml;ckenmedium, nolens volens. Und das war schon immer so. Aber wenn wir es historisch betrachten, hat das ganz unterschiedliche Auspr&auml;gungen angenommen. Wenn sich die SPD des Kaiserreichs auf die Mainstreammedien ihrer Zeit verlassen h&auml;tte, w&auml;re sie verloren gewesen. Also hat sie Gegen&ouml;ffentlichkeit geschaffen, eine Vielzahl von Zeitungen, Zeitschriften oder Verlagen gegr&uuml;ndet. Auch zwischen den 1960er und 1980er Jahren war vieles anders als heute. Die journalistische Bandbreite, die Diskursbreite war deutlich gr&ouml;&szlig;er. Das hat sich inzwischen dramatisch verengt.<\/p><p><strong>Wie kam es zu dieser &bdquo;Zuspitzung&ldquo; des Problems?<\/strong><\/p><p>Daf&uuml;r gibt es ja in der aktuellen medienkritischen Debatte viele unterschiedliche Erkl&auml;rungsversuche. Also zum Beispiel Stellenabbau, Beschleunigung der Arbeitsabl&auml;ufe, Abgehobenheit von Journalisten, Konformismus, Korrumpierbarkeit, vieles andere. All das spielt zweifellos eine Rolle, aber es kann das Problem in seiner Gesamtheit nicht erkl&auml;ren. <\/p><p>Aus meiner Sicht gibt es zwei wesentliche Faktoren: Zum einen die &bdquo;Gro&szlig;wetterlage&ldquo;. In den eben angesprochenen 60er und 70er Jahren waren die Rahmenbedingungen anders. Die Verh&auml;ltnisse waren relativ stabil, und das auf hohem Niveau. Man konnte sich Liberalit&auml;t und Offenheit leisten, auch und gerade in den Medien. Doch die Lage hat sich inzwischen grundlegend ver&auml;ndert. Gegenw&auml;rtig haben wir es mit einer Vielzahl von Krisen, Konflikten, Kriegen zu tun. Die gesellschaftlichen Fliehkr&auml;fte verst&auml;rken sich, die Polarisierung nimmt zu. In einer solchen Situation nimmt der Mainstream seine soziale Integrationsfunktion immer weniger wahr. Er positioniert sich aufseiten der etablierten Ordnung. Er l&auml;uft an der kurzen Leine, wird mehr denn je zum L&uuml;ckenmedium. Aus Mainstream- werden Establishment-Medien. <\/p><p>Eine empirische Studie der London School of Economics hat das jetzt am Beispiel der total einseitigen Berichterstattung &uuml;ber den neuen linken Labour-Chef Jeremy Corbyn, der praktisch den ganzen Mainstream gegen sich hat und eine Kampagne nach der anderen &uuml;ber sich ergehen lassen muss, <a href=\"http:\/\/www.lse.ac.uk\/media@lse\/research\/pdf\/JeremyCorbyn\/Cobyn-Report-FINAL.pdf\">eindrucksvoll belegt<\/a>. Die britischen Medien mutieren vom &bdquo;Wachhund&ldquo; zum &bdquo;Kampfhund&ldquo;, hei&szlig;t es in der Untersuchung pointiert. <\/p><p><strong>Und warum tun sie das?<\/strong><\/p><p>Um diese Frage machen viele Journalisten gern einen gro&szlig;en Bogen, denn dann m&uuml;ssten sie &uuml;ber Besitzverh&auml;ltnisse und Medienkontrolle reden. Um es mal ein bisschen klassenk&auml;mpferisch zu formulieren: Diese Medien geh&ouml;ren nat&uuml;rlich nicht &bdquo;uns&ldquo;, sondern &bdquo;denen&ldquo;. Und wenn es, wie gegenw&auml;rtig, politisch, sozial und &ouml;konomisch ans Eingemachte geht, machen sich die Besitz- und Kontrollstrukturen eben viel deutlicher bemerkbar als in ruhigen, stabilen Zeiten.<\/p><p><strong>Ist es das, was Sie eingangs mit &bdquo;Interessengeleitetheit&ldquo; meinten? Sprechen wir also auch von Journalisten, die der herrschenden Ideologie und den Verh&auml;ltnissen, den M&auml;chtigen sozusagen, dienen; &uuml;ber &hellip; &bdquo;Machtmedien&ldquo; vielleicht?<\/strong><\/p><p>Ja, so w&uuml;rde ich das sehen. Wobei man allerdings hinzuf&uuml;gen m&uuml;sste, dass viele Journalisten, insbesondere auf den mittleren und unteren Ebenen, das nicht mit vollem Bewusstsein und absichtsvoll betreiben. Sie sind Teil hierarchischer Strukturen, sie sind in diese Zusammenh&auml;nge verstrickt und in der Folge gleichsam betriebsblind. Damit sind sie aber keinesfalls exkulpiert. Im Gegenteil. <\/p><p>Wenn meine Analyse zutrifft, m&uuml;ssten sich Journalisten dringend die Frage vorlegen, ob wahrhaftiger, integrer Journalismus innerhalb solcher Strukturen &uuml;berhaupt m&ouml;glich ist, zumindest die Frage, warum sie mit den Strukturen nicht viel &ouml;fter in Konflikt geraten.<\/p><p><strong>Eines Ihrer Buchkapitel hei&szlig;t &bdquo;L&uuml;cken <em>und<\/em> L&uuml;gen&ldquo;. L&uuml;gen die Medien also doch?<\/strong><\/p><p>Objektiv und &bdquo;von au&szlig;en&ldquo; betrachtet laufen L&uuml;cken und L&uuml;gen am Ende &ndash; also in ihrer Funktion, ihrer Wirkung &ndash; auf das Gleiche hinaus. Verschwiegene Information, unten gehaltene Information, k&uuml;nstlich hochgespielte Information, dominante Narrative etc. Das alles verzerrt die Wirklichkeit, tr&auml;gt letztlich zu einem unwahren Bild bei. <\/p><p>Aber ich glaube nicht, dass es allzu viele Journalisten gibt, die absichtsvoll und bewusst die Unwahrheit sagen, also l&uuml;gen. Der eigentliche Grund f&uuml;r den unbefriedigenden Gesamtzustand sind nicht die einzelnen Journalisten. Der eigentliche Grund ist ein Mediensystem, das es dem einzelnen Journalisten immer schwerer macht, wahrhaftig und nach bestem Wissen und Gewissen zu berichten. <\/p><p>Die Ursache der Misere liegt nicht in massenhaften individuellen Verfehlungen oder Unzul&auml;nglichkeiten, die Ursache ist systemischer Natur.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie die Problematik bitte anhand von konkreten Beispielen skizzieren? Wie entsteht aus etwas Realem eine schlie&szlig;lich l&uuml;ckenhafte und ggf. manipulative Meldung, die die urspr&uuml;ngliche Realit&auml;t verzerrt wiedergibt?<\/strong><\/p><p>Ach Gott, wo soll man da anfangen, wo aufh&ouml;ren? Nehmen Sie den Krieg im Jemen. Wenn Sie da eine Stra&szlig;enumfrage machen w&uuml;rden, was k&auml;me dabei heraus? So gut wie nichts. Was kein Wunder ist angesichts des Blackouts in der Berichterstattung. Oder der Krieg in Syrien, ein Konflikt von unglaublicher Komplexit&auml;t. Wann wurde er je im deutschen Mainstream angemessen dargestellt? Wann haben amerikanische Medienrezipienten zum letzten Mal Bilder von den Folgen eines Drohnenangriffs gesehen? Was wissen deutsche Mainstreamkonsumenten &uuml;ber die Schrecken des Kriegs im Donbass? Oder &uuml;ber den Coup d&rsquo;&Eacute;tat in Brasilien? Oder nehmen Sie das Messen mit zweierlei Ma&szlig;: &Uuml;ber einen &bdquo;Amnesty&ldquo;-Bericht, der als n&uuml;tzlich gilt, wird breit berichtet; wenn er Unangenehmes enth&auml;lt, f&auml;llt er unter den Tisch. Das furchtbare Massaker im Gewerkschaftshaus von Odessa h&auml;tte Stoff f&uuml;r mehrere ARD-Brennpunkte und ZDF-Spezials geboten. Stattdessen wurde es mehr oder weniger unter den Teppich gekehrt, weil es nicht ins Narrativ passte. <\/p><p>Im Buch befasse ich mich n&auml;her mit einem &bdquo;Tagesschau&ldquo;-Beitrag von Ina Ruck &uuml;ber Polizeigewalt in den USA &ndash; 1.000 Todesopfer allein 2015. Frau Ruck f&uuml;hrt das auf zu viele Schusswaffen und unzureichendes Konfliktmanagement zur&uuml;ck. Was w&auml;ren ihr, der ehemaligen Moskau-Korrespondentin, wohl f&uuml;r unangenehme Fragen eingefallen, wenn die russische Polizei im letzten Jahr 1.000 Menschen erschossen h&auml;tte? Oder das Thema Sprachregelungen: Im Mainstream herrscht Konsens dar&uuml;ber, dass Russland die Krim &bdquo;annektiert&ldquo; hat. Wollte ein Nachrichtenjournalist einen neutralen Begriff verwenden, zum Beispiel &bdquo;Anschluss&ldquo; der Krim an Russland, k&auml;me das einer kleinen Mutprobe gleich. Aber man darf nat&uuml;rlich weiterhin ungestraft vom &bdquo;Anschluss&ldquo; &Ouml;sterreichs an Dritte Reich sprechen&hellip;<\/p><p><strong>Sie schreiben auch, &bdquo;der ganze Rest&ldquo; sei &bdquo;Werbung&ldquo;&hellip; Wie meinen Sie das? Neben der parteinehmenden Einseitigkeit gibt es einzig noch marktkonforme Indoktrination?<\/strong><\/p><p>Es gibt im englischen Sprachraum ein Bonmot &ndash; &uuml;bersetzt: &bdquo;Nachrichten sind Dinge, von denen jemand nicht m&ouml;chte, dass sie gedruckt werden. Alles andere ist Werbung.&ldquo; Man kann sich die Nachrichten ja mal unter diesem Gesichtspunkt anschauen. Warum wird selbstverst&auml;ndlich dar&uuml;ber berichtet, wenn die Bundesregierung neue Kita-Pl&auml;tze schafft? Und warum f&auml;llt so manche brisante Wikileaks-Enth&uuml;llung durchs Raster? <\/p><p>Es gibt Personen, Institutionen und Organisationen, die ein <em>Interesse<\/em> daran haben, dass wir bestimmte Sachen erfahren &ndash; und andere nicht. Oft ist das, was wir erfahren, einfach Werbung, PR, Propaganda. Echte Nachrichten haben es hingegen schwer.<\/p><p><strong>Nun eskaliert die Lage zwischen Medienschaffenden und kritischen Nutzern aktuell zunehmend. Gerade die Alphajournalisten wollen von Kritik nichts h&ouml;ren und diskreditieren diese oft als tumb oder sogar Verschw&ouml;rungstheorie. Handelt es sich hier um Borniertheit &ndash; oder wo ist das Problem?<\/strong><\/p><p>Die Alphajournalisten sind nicht mein Problem und auch nicht meine Zielgruppe. Ich glaube nicht, dass man die mit guten Argumenten erreichen kann. Meine Bef&uuml;rchtung ist, dass der Mainstream innerhalb des Mainstreams weitgehend kritik- und beratungsresistent ist, also so weitermachen wird wie bisher, eher noch die Gangart versch&auml;rfen wird. <\/p><p>Eigentlich m&uuml;sste er sich auf breiter Front &ouml;ffnen, aber das wird er nicht tun, weil er es &ndash; aus den eben geschilderten Gr&uuml;nden &ndash; nicht tun darf. Das kann nat&uuml;rlich nicht gutgehen. Und das hei&szlig;t: Der Mainstream wird weiter erodieren; er wird sich zwar noch Mainstream nennen oder so genannt werden, aber es nicht mehr sein. &Auml;hnlich wie die Volksparteien, die sich noch so nennen, aber es nicht mehr sind.<\/p><p><strong>Was k&ouml;nnen die Mediennutzer denn tun, um die Medien wieder, ja, seri&ouml;ser zu machen?<\/strong><\/p><p>Es gibt ja neben dem dominanten Mainstream auch noch den von mir so genannten &bdquo;Mainstream <em>au&szlig;erhalb<\/em> des Mainstreams&ldquo;, der hierzulande insbesondere im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk beachtliche Refugien hat. Die gilt es unbedingt zu verteidigen! Daneben gibt es die wachsende Zahl internetbasierter Alternativmedien &ndash; bestes Beispiel vielleicht die NachDenkSeiten selbst. In Deutschland ist das diesbez&uuml;gliche Engagement noch relativ unterentwickelt, aber im englischsprachigen Raum, insbesondere in den USA, ist die Zahl solcher Alternativmedien kaum noch &uuml;berschaubar und bereits eine echte Macht. Dieser Trend wird sich mit ziemlicher Sicherheit fortsetzen. <\/p><p>Diese Medien liefern jede Menge Informationen und Meinungen, die man in der &bdquo;New York Times&ldquo; oder der &bdquo;Washington Post&ldquo; vergeblich sucht. Betrachtet man also nicht nur den Mainstream, sondern das in st&uuml;rmischer Entwicklung befindliche Mediensystem in seiner Gesamtheit, kann man sich eigentlich nicht beklagen. Historisch gesehen, gab es wahrscheinlich noch nie so umfassende Informations- und Recherchem&ouml;glichkeiten wie heute. Sie setzen allerdings den &bdquo;aktiven Nutzer&ldquo; voraus, also Menschen mit ausreichender Kompetenz und Zeit, um sich das alles zu erschlie&szlig;en.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Ulrich Teusch<\/strong>, Prof. Dr., lebt als freier Publizist in Ederm&uuml;nde bei Kassel. Er schreibt Sachb&uuml;cher und ist H&ouml;rfunkautor. F&uuml;r sein SWR-Feature &ldquo;Nicht schwindelfrei &ndash; &Uuml;ber L&uuml;gen in der Politik&rdquo; erhielt er 2013 den Roman-Herzog-Medienpreis. Im Dezember 2015 lief dann sein viel beachtetes Feature im SWR mit dem Titel &ldquo;Vertrauen ist gut &hellip; Die Medien und ihre Kritiker&rdquo;. B&uuml;cher zuletzt: &ldquo;Die Katastrophengesellschaft: Warum wir aus Schaden nicht klug werden&rdquo; und &ldquo;Jenny Marx: die rote Baronesse&rdquo;.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterschauen:<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/lzyzv3naqKk\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center;\"><strong>Medienkritiker Walter van Rossum: Warum keiner mehr dem Mainstream-Journalismus glaubt<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/yPajyccVagI\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center;\"><strong>Medienkritiker Walter van Rossum: &ldquo;Daf&uuml;r braucht man keinen F&uuml;hrerbefehl&rdquo;<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/8b4bf5641e724a3f8b00205fc4750c73\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160906_teusch.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Die etablierten Medien stecken in einer massiven Glaubw&uuml;rdigkeitskrise. Teile des Publikums proben den Aufstand, &ouml;ffentliche und ver&ouml;ffentlichte Meinung driften auseinander. Nicht nur hierzulande, auch in vielen anderen L&auml;ndern geraten die Leitmedien unter Beschuss. Stein des Ansto&szlig;es sind die Inhalte &ndash; Stichwort &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo;. 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