{"id":3489,"date":"2008-10-02T12:57:51","date_gmt":"2008-10-02T10:57:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3489"},"modified":"2015-11-09T15:07:40","modified_gmt":"2015-11-09T14:07:40","slug":"buchrezension-die-ausgeschlossenen-das-ende-vom-traum-einer-gerechten-gesellschaft-von-heinz-bude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3489","title":{"rendered":"Buchrezension: \u201eDie Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft\u201c von Heinz Bude"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Unsere Gesellschaft steht vor einer tiefen Spaltung. Dieses Buch macht deutlich, warum wir uns vom Traum einer gerechten Gesellschaft verabschieden m&uuml;ssen. Immer mehr Menschen sind von den Segnungen des Wohlstands ausgeschlossen und haben keine Hoffnung, dass sich daran etwas &auml;ndert. Lebensl&auml;ufe, die man f&uuml;r solide hielt, geraten ins Schlingern, weil Arbeitspl&auml;tze, die man sicher glaubte, wegbrechen. Ungelernte Aushilfskr&auml;fte kann es genauso treffen wie hochqualifizierte Wissenschaftler. Heinz Bude, einer der besten Kenner der deutschen Gesellschaft, entwirft zum ersten Mal ein umfassendes Bild jener zerkl&uuml;fteten Verh&auml;ltnisse, die in Zukunft immer st&auml;rker unsere Gesellschaft pr&auml;gen werden. Jetzt ist es Zeit, dar&uuml;ber zu diskutieren, wie wir k&uuml;nftig leben wollen.&ldquo;<br>\nSo preist der Klappentext das neue Buch des Professors f&uuml;r &bdquo;Makrosoziologie&ldquo; an der Universit&auml;t Kassel an.<br>\nDer Sozialwissenschaftler Christian Girschner hat f&uuml;r uns das Buch rezensiert.<br>\nSein Fazit: Das Buch &bdquo;Die Ausgeschlossenen&ldquo; ist eine ideologische Rechtfertigungsgrundlage f&uuml;r eine Politik der &bdquo;neuen Mitte&ldquo;, die nicht mehr &uuml;ber die ungleiche Verteilung des Reichtums sprechen will, weil man sich von jeden politischen Ansatz der Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums (einschlie&szlig;lich einer keynesianisch orientierten Wirtschafts- und Sozialpolitik) l&auml;ngst verabschiedet und diese durch eine sozial-politische Metaphorik der noch zu realisierenden &bdquo;Chancen- und Leistungsgerechtigkeit&ldquo; ersetzt hat.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Sozialwissenschaft der &bdquo;neuen Mitte&ldquo;: Neoliberaler Zeitgeist im Gewand der Soziologie.<br>\nAnmerkungen zu dem Buch &bdquo;Die Ausgeschlossenen&ldquo; von Heinz Bude<\/strong><\/p><p><em>Von Christian Girschner<\/em><\/p><p>&bdquo;Genieren wir uns nicht. Seien wir unmodern. Sprechen wir &uuml;ber Kapitalismus.&ldquo;<br>\nG&uuml;nther Anders [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><ol>\n<li>An den neoliberalen Zeitgeist in den Medien und in der Politik hat man sich inzwischen gew&ouml;hnt. Ebenso hat man sich damit abgefunden, dass die hiesige Wirtschaftswissenschaft weitgehend nur noch neoliberale Phrasen absondert. Ausnahmen davon best&auml;tigen die Regel. Es ist bekannt, dass an den so genannten Hartz-Arbeitsmarktreformen neoliberale Soziologen mitgewirkt haben. Trotzdem bin ich ver&auml;rgert, wenn sich nun eine neue soziologische Literaturgattung in der &Ouml;ffentlichkeit verbreitet, die vorgibt, einen kritischen Blick auf die sozialen Missst&auml;nde zu geben, aber stattdessen unter der Hand nur alt bekannte (neo)liberale Erkl&auml;rungsmodelle popularisiert. Diese unausgesprochene Mission scheint das inzwischen weit verbreitete und bekannte Buch &bdquo;Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft&ldquo; von Heinz Bude zu erf&uuml;llen [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. Dieser Umstand erkl&auml;rt vermutlich den Erfolg dieses Buches [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]. Denn mit diesem Buch kann die &gt;neue Mitte&lt; auch die letzten Reste eines schlechten Gewissens wegen \"Hartz IV\" und gegen&uuml;ber \"den da unten\" beruhigt entsorgen.<\/li>\n<li>Der Autor verk&uuml;ndet in seinem Buch, ein &bdquo;St&uuml;ck &ouml;ffentliche Soziologie&ldquo; &uuml;ber die &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; abzuhandeln. Es wendet sich &bdquo;an B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger&ldquo;, &bdquo;denen die &ouml;ffentlichen Angelegenheiten am Herzen liegen&ldquo; (ebd., 7). So will H. Bude diesen B&uuml;rgern die aktuellen Erkenntnisse der Soziologie nahe bringen, die eben die allgegenw&auml;rtig anzutreffende &bdquo;Begriffsblindheit und Erfahrungsleere auf unsere Gesellschaft hinter sich&ldquo; gelassen hat. Au&szlig;erdem h&auml;lt diese Soziologie &bdquo;Distanz zu den sozialwissenschaftlichen Forschungen im Dienste eines politischen Auftrages.&ldquo; Damit soll die &bdquo;Unvoreingenommenheit des soziologischen Blicks&ldquo; sichergestellt werden, die sich schlie&szlig;lich darin &auml;u&szlig;ert, keine Vorschl&auml;ge f&uuml;r das politische Handeln  zu entwickeln, &bdquo;wie man es besser machen kann, sondern stellt n&uuml;chtern dar, was Sache ist. Sie will die &Ouml;ffentlichkeit in erster Linie &uuml;ber die gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse aufkl&auml;ren&ldquo; (ebd. 8). &bdquo;Nur&ldquo;, so wird von Bude angef&uuml;gt, &bdquo;dann begreift man wirklich, dass das Ganze auch anders sein kann.&ldquo; (ebd.) Leider l&ouml;st der Autor dieses Versprechen nicht ein. Einerseits entpuppt sich die &gt;sachliche&lt; und &gt;wertneutrale&lt; Argumentation als nachtr&auml;gliche Rechtfertigung der rot-gr&uuml;nen Agenda 2010. Andererseits fehlt ihm f&uuml;r sein Diktum, &bdquo;das Ganze&ldquo; k&ouml;nne &bdquo;auch anders sein&ldquo;, ein Begriff des &gt;guten Lebens&lt;, was eine notwendige Voraussetzung f&uuml;r eine Kritik an den zu ver&auml;ndernden &bdquo;gesellschaftlichen Verh&auml;ltnissen&ldquo; ist.<\/li>\n<li>Auf der einen Seite werden in dem Buch vor allem mit Hilfe von Fallbeispielen der soziale Status, die Verhaltensweisen und die Zusammensetzung der &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; beschrieben. Dies erfolgt in der Regel als Momentaufnahme, die v&ouml;llig von historischen Entwicklungszusammenh&auml;ngen und politik-&ouml;konomischen Herrschafts- und Machtstrukturen abstrahiert. Sowieso ist es ein hervorstechendes Kennzeichen des Buches, dass &uuml;ber die kapitalistischen Herrschafts- und Machtverh&auml;ltnisse bzw. &ndash;zusammenh&auml;nge geschwiegen wird. Entsprechend verwendet Bude die Begriffe wie Herrschaft, Macht und Klassen erst gar nicht. Hinzu kommt, dass der Autor in der Behandlung seines ausgew&auml;hlten &bdquo;sozialen Objekts&ldquo; (ebd., 8) das Kunstst&uuml;ck schafft, auf politische, ideologische, soziale und &ouml;konomische Interessen und Konflikte mit keinem Wort einzugehen; sie werden schlichtweg unter den Teppich gekehrt.<br>\nAndererseits wird diese weitgehend beschreibende Seite in ein neoliberal-konservatives Korsett &uuml;ber die Herausbildung der &bdquo;Unterschicht&ldquo; geschn&uuml;rt. Der mit keinem Wort vom Autor legitimierte R&uuml;ckgriff auf die sattsam bekannte neoliberale Ideologie, die als solche auch nicht benannt wird, bedingt das Fehlen eines gesellschaftskritischen Zugriffs auf die kapitalistisch verfasste Gesellschaft und &Ouml;konomie. Es ist deshalb keineswegs &uuml;berraschend, dass Bude nicht die wegweisende Analyse von Bourdieu &uuml;ber den sich durchsetzenden Neoliberalismus und die daraus entspringenden sozialen Folgen [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] aufgreift und daran ankn&uuml;pft.<\/li>\n<li>Die von Bude &uuml;bernommene neoliberale Kritik an den sozialstaatlichen Sicherungssystemen findet sich bereits im fr&uuml;hkapitalistischen Liberalismus wieder [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] und erlebte in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihren argumentativen H&ouml;hepunkt gegen eine keynesianisch orientierte Wirtschafts- und Sozialpolitik: Danach sind die Bed&uuml;rftigen faul und arbeitsscheu, unselbst&auml;ndig, gierig und bilden eine Kultur der Abh&auml;ngigkeit heraus; kurzum, die staatliche Wohlt&auml;tigkeit ist selbst die Ursache f&uuml;r Armut und Bed&uuml;rftigkeit [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]. Bude gibt diese liberal-konservative Kritik als allgemeinverbindliche Einsicht der Soziologie aus, denn er &bdquo;stellt&ldquo;  ja nur &bdquo;n&uuml;chtern dar, was Sache ist&ldquo;, wenn er ausf&uuml;hrt:\n<p>&bdquo;Der von der Soziologie heute angebotene (&hellip;) Exklusionsbegriff belegt das Ende dieser gro&szlig;en Erz&auml;hlung einer schrittweisen Bew&auml;ltigung der sozialen Frage durch eine erweiterte Integration der Gesellschaft. Die Umstellung von Kategorien des Mangels und des Privilegs auf eine des Ausschlusses und des Makels hat mit einer Ern&uuml;chterung des Fortschrittsglaubens in unserer Gesellschaft zu tun. Die betrifft zuerst den Glauben an die Leistungen des Wohlfahrtsstaats. In allen L&auml;ndern des OECD-Raums, (&hellip;), hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass es nicht allein die von der Allgemeinheit in Form staatlicher Transfereinkommen bereitgestellten Mittel sind, die &uuml;ber die Art und Weise der gesellschaftlichen Teilhabe entscheiden. Im Gegenteil: Die &Uuml;berzeugung, soziale Benachteiligungen durch individuell zuerkannte und verabreichte Zahlungen auszugleichen, hat zur Z&uuml;chtung einer Kultur der Abh&auml;ngigkeit gef&uuml;hrt, die die Leute zu Klienten einer Anstalt anstatt zu Herren &uuml;ber ihr eigenes Leben gemacht hat. Die Finanzierungsprobleme des Wohlfahrtsstaates haben nur seine inneren Pathologien aufgedeckt, wonach man Defizite unter Beweis stellen muss, um Anrechte sicherzustellen und Leistungen zu begr&uuml;nden. Das urspr&uuml;ngliche Prinzip, Hilfe zur Selbsthilfe zu gew&auml;hren, hat sich in sein Gegenteil, n&auml;mlich in die Verfestigung von Wohlfahrtsabh&auml;ngigkeit, verwandelt. Man soll sich nichts vormachen: Wer von der Wohlfahrt lebt, schrieb schon Tocqueville 1835, ist ohne Furcht, aber auch ohne Hoffnung. Daran w&uuml;rde sich auch nichts &auml;ndern, wenn wieder mehr Geld f&uuml;r Arbeitslose, Arbeitsunf&auml;hige und Arme zur Verf&uuml;gung stehen w&uuml;rde.&ldquo; (ebd., 16f.; Herv. C.G.)<\/p>\n<p>Wesentlich scheint mir hier zu sein, dass Bude seine neoliberale Publikation mit einem Konstrukt beginnt: Vor einigen Jahrzehnten soll es eine &ldquo;gro&szlig;e Erz&auml;hlung&rdquo; und einen &bdquo;Fortschrittsglauben&ldquo; nicht nur in Deutschland gegeben haben, wonach eine &bdquo;Bew&auml;ltigung der sozialen Frage&ldquo; angestrebt wurde, dies wird im Untertitel des Buches als &bdquo;Traum einer gerechten Gesellschaft&ldquo; bezeichnet. Nur bleibt uns der Autor die Antwort darauf schuldig, wie denn dieser &bdquo;Traum&ldquo; konkret aussah und wer diesen durchsetzen wollte. Die Gesellschaft? Was oder wer soll das sein? So wird also ernsthaft behauptet, dass die Gesellschaft an sich (also irgendwie unabh&auml;ngig von allen Parteien, Interessengruppen, Unternehmerverb&auml;nden, politik-&ouml;konomischen Interessengegens&auml;tzen und Herrschafts- wie Machtstrukturen) diesen &bdquo;Traum&ldquo; bzw. die &ldquo;gro&szlig;e Erz&auml;hlung&rdquo; von einer &bdquo;gerechten Gesellschaft&ldquo; durchsetzen wollte. Diese fiktionale Unterstellung einer &uuml;ber alle sozialen, politischen, ideologischen und &ouml;konomischen Interessengegens&auml;tzen hinweg g&uuml;ltige Zielbestimmung der bundesdeutschen Gesellschaft wendet der Verfasser m.E. deswegen an, um anschlie&szlig;end umso eindruckvoller behaupten zu k&ouml;nnen, wie sehr sich doch die armselige soziale Realit&auml;t an diesem von ihm erdichteten wie diffus gehaltenen Ma&szlig;stab blamieren musste, damit das &bdquo;Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft&ldquo; und den neoliberalen &bdquo;Umbau&ldquo; des Sozialstaates zwangsl&auml;ufig und alternativlos einleitete. Dies erspart dem Autor die gewaltige Arbeit, die ideologischen, &ouml;konomischen und politischen Akteure dieses gesellschaftlichen Transformationsprozesses zu benennen und die damit verbundenen herrschaftlichen Hintergr&uuml;nde und Ziele aufzudecken.<\/p><\/li>\n<li>Damit der erfundene Traum von der gerechten Gesellschaft, die die Gesellschaft realisieren wollte, dann doch nicht v&ouml;llig inhaltsleer bleibt, fabuliert Bude sich z.B. folgendes zusammen: &bdquo;Sprichw&ouml;rtlich war es zu Beginn der sechziger Jahre das katholische M&auml;dchen aus einem Arbeiterhaushalt vom Lande, dessen krasse Unterprivilegierung den massiven Ausbau des Bildungswesens begr&uuml;ndete.&ldquo; (ebd., 15) Dass die einsetzende Bildungsreform ganz andere, n&auml;mlich &ouml;konomische Gr&uuml;nde hatte, wird mit keinem Wort erw&auml;hnt. Der Autor ist von der wirkungsm&auml;chtigen &bdquo;gro&szlig;en Erz&auml;hlung&ldquo; als Antriebsmotor f&uuml;r die damaligen Reformen so sehr &uuml;berzeugt, dass er nicht mehr zur Kenntnis nehmen will, dass die Hochschulzugangsbarrieren f&uuml;r die so genannten bildungsfernen Schichten reduziert wurden, weil die Unternehmen und der Staat dank des &gt;Wirtschaftswunders&lt; mehr hoch qualifizierte Arbeitskr&auml;fte ben&ouml;tigten, als die alte und kleine bildungsb&uuml;rgerliche Schicht daf&uuml;r aufbringen konnte. H&auml;tte es wirklich einen gesellschaftlich anerkannten und &uuml;bergreifenden Traum von einer gerechten Gesellschaft gegeben, wie Bude unterstellt, warum hat man dann nie das dreigliedrige Schulsystem und die Selektion an den Schulen abgeschafft, damit jeder bzw. jede einen guten Bildungsstand h&auml;tte erwerben k&ouml;nnen? Auch die in den siebziger Jahren und heute immer noch bei vielen Menschen hoch im Kurs stehende &bdquo;sozialdemokratische&ldquo; Forderung nach Chancengleichheit im Bildungswesen will die Selektion in den Schulen nicht abschaffen, sondern den zu lernenden Bildungsinhalt weiterhin nur als Mittel f&uuml;r die Selektion nutzen, nicht aber die Bildung jenseits aller &ouml;konomischen Berechnungen als Selbstzweck institutionalisieren. Selbst heutzutage geht die bildungsb&uuml;rgerliche Mitte in diesem Land immer noch gern auf die Barrikaden, wenn jemand das dreigliedrige Schulsystem abschaffen will, und dies war fr&uuml;her noch viel st&auml;rker ausgepr&auml;gt. Bude muss aber von solchen sozio&ouml;konomischen Interessen und Konflikten radikal abstrahieren, weil sich sonst seine Behauptung von der reformantreibenden \"gro&szlig;en Erz&auml;hlung\" in Luft aufl&ouml;sen w&uuml;rde.<\/li>\n<li>Wie oben schon zu ersehen war, wird einem bei Bude der sattsam bekannte neoliberale Wortschatz zur Denunziation des Sozialstaates um die Ohren gehauen, um uns so ein Zerrbild &uuml;ber die Funktions- und Arbeitsweise der bundesdeutschen Arbeitsvermittlung und sozialen Sicherung vor den &bdquo;Hartz-Reformen&ldquo; zu zeichnen. Damit reproduziert Bude ohne Ansatz eines kritischen Hinterfragens die neoliberale Staatspropaganda. Genauer gesagt, hier wird das vorgegebene neoliberale Sprachuniversum &bdquo;nachgeplappert&ldquo;, welches nichts anderes als Manipulation und Herrschaft beinhaltet, um die Mitglieder der Gesellschaft zu formieren und zu unterwerfen. Der Soziologe sitzt also einer falschen sprachlichen und praktischen Konkretheit der Machtelite auf, &bdquo;einer Konkretheit, die von den Bedingungen, die ihre Wirklichkeit ausmachen, isoliert ist.&ldquo; [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Die vom Verfasser verwendete Eingangsformulierung, er &bdquo;stellt n&uuml;chtern dar, was Sache ist&ldquo; und halte &bdquo;Distanz&ldquo; zu &bdquo;Forschungen im Dienste eines politischen Auftrages&ldquo;, entpuppt sich als Verschleierungsmethode f&uuml;r seine tats&auml;chlich erfolgte ideologische und herrschaftskonforme &bdquo;Indienstnahme (&hellip;) f&uuml;r au&szlig;erwissenschaftliche M&auml;chte&ldquo; [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>], genauer: Er beteiligt sich ungeniert an der von der Machtelite angeordneten Fabrikation von Konsens, um ihr neoliberales Herrschaftsprojekt reibungsloser durchzusetzen und abzusichern.\n<p>Folgerichtig wird wie in der neoliberalen Propaganda die Ursache f&uuml;r die strukturelle Arbeitslosigkeit nicht im Fehlen von Arbeitspl&auml;tzen gesehen, sondern (i) in einer ineffizienten staatlichen Arbeitsvermittlung, (ii) in der Existenz von sozialen Schutzrechten und (iii) den zu hohen Lohnersatzleistungen f&uuml;r die Erwerbslosen. In diesem Sinne wird auch der unter Kanzler G. Schr&ouml;der (SPD) eingef&uuml;hrte &bdquo;Wohlfahrtsstaat neuen Typs&ldquo; nicht kritisiert, sondern  legitimiert, wenn Bude erneut die neoliberalen Sprachh&uuml;lsen wiederholt: Der &bdquo;neue Wohlfahrtsstaat&ldquo; dulde bei den Erwerbslosen keine &bdquo;Passivit&auml;t&ldquo; und &bdquo;erlernte&ldquo; &bdquo;Hilflosigkeit&ldquo; mehr:<\/p>\n<p>&bdquo;Das ist der Wohlfahrtsstaat neuen Typs, der gesellschaftlich brachliegende Arbeitskraft nicht mehr nur verwalten und stillstellen, sondern f&uuml;r &ldquo;dynamische Arbeitsm&auml;rkte2 bef&auml;higen und aktivieren will. Also keine Fr&uuml;hverrentungsprogramme und Arbeitszeitverk&uuml;rzungsregelungen mehr, sondern &ldquo;lebenslanges Lernen&rdquo; bei verl&auml;ngerter Lebensarbeitszeit. &bdquo;Fordern und F&ouml;rdern&ldquo; lautet die Parole. Der &bdquo;aktivierende&ldquo; (&hellip;) Wohlfahrtsstaat soll die Leute nicht mehr vor der Anarchie der M&auml;rkte sch&uuml;tzen, sondern sie zum Mitgehen verleiten und auf den Wechsel einstellen. Nicht Politik gegen, sondern f&uuml;r M&auml;rkte ist das leitende Prinzip [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]. Daf&uuml;r dass das muffig riechende Arbeitsamt zu einem farbig gestalteten &bdquo;Jobcenter&ldquo; aufgepeppt werden. An die Stelle von Versorgung im Anstaltsstaat tritt das &bdquo;Assessment&ldquo; nach den Prinzipien der &ldquo;Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit&rdquo;.&ldquo; (ebd., 27f.; Herv. C.G.)<\/p>\n<p>Aufgrund der nicht vom Autor eingestandenen Parteinahme f&uuml;r die Agenda 2010-Politik (ebd., 28) muss man sich dann auch nicht mehr &uuml;ber folgendes wundern: Die historisch einschneidenden sozialen und rechtlichen Verschlechterungen f&uuml;r die Erwerbslosen durch die Hartz-&bdquo;Reformen&ldquo; werden mit keinem Wort erw&auml;hnt, obwohl das Buch doch &uuml;ber die &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; handeln soll. Dem Autor sind daher die nachstehenden Stichw&ouml;rter &uuml;ber Hartz IV keine Zeile wert: Verm&ouml;gensenteignung, Entrechtung, Verfolgungsbetreuung und Schikane, Senkung der Arbeitslosenhilfe unter das sozial-kulturelle Existenzminimum, die Verdoppelung der Kinderarmut, das Hineinpr&uuml;geln in Mini- und Niedriglohnjobs, Ersetzung von Qualifizierungs- und Umschulungsma&szlig;nahmen durch Trainingsverpflichtungen und Ein-Euro-Jobs, grundgesetzwidrige &bdquo;Eingliederungsvertr&auml;ge&ldquo;, Zwangsumz&uuml;ge, Hausdurchsuchungen (Verzeihung: &bdquo;-besuche&ldquo;), Kontrollanrufe, Sanktionen bis hin zur v&ouml;lligen Streichung der Geldleistungen, den staatlich bzw. politisch angeordneten und von Medienkonzernen fortgesetzten Hetzkampagnen gegen Langzeiterwerbslose usw. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]. Entsprechend wird auch &uuml;ber die daraus entstehenden negativen psycho-sozialen Auswirkungen bei den Betroffenen geschwiegen, obwohl der Soziologe ansonsten detaillierte Fallbeispiele &uuml;ber das Verhalten und den Gem&uuml;tszustand der &bdquo;Unterschicht&ldquo; vorlegt. Aber all diese Dinge w&uuml;rden ja den makellosen Schein des &bdquo;neuen Wohlfahrtsstaats&ldquo; tr&uuml;ben, der ja angeblich die Menschen endlich wieder &bdquo;zu Herren &uuml;ber ihr Leben&ldquo; (ebd., 16) werden l&auml;sst, und damit nicht mehr in die gesch&ouml;nte Konstruktion des Soziologen passen. <\/p>\n<p>Denn die &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; leiden nach Bude nicht so sehr an Armut und einer neuen staatlichen Repressions-, Lohndr&uuml;ckungs-, &Uuml;berwachungs-, Rentensenkungs-, Kontroll- und Prekarisierungspolitik, sondern, wie es inzwischen die &ldquo;neue Mitte&rdquo; in den ihr h&ouml;rigen Medien t&auml;glich verbreitet, &bdquo;darunter, dass ihnen Zug&auml;nge verwehrt werden, dass sie Missachtung erfahren und dass sie vom Gef&uuml;hl der Unab&auml;nderlichkeit und Aussichtslosigkeit gel&auml;hmt sind. Die Soziologie hat daf&uuml;r einen neuen Begriff gepr&auml;gt: Es geht nicht allein um soziale Ungleichheit, auch nicht nur um materielle Armut, sondern um soziale Exklusion. Der Bezugspunkt dieses Begriffs ist die Art und Weise der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, nicht der Grad der Benachteiligung nach Ma&szlig;gabe allgemein gesch&auml;tzter G&uuml;ter wie Einkommen, Bildung und Prestige.&ldquo; (ebd., 13; Herv. C.G.) Es verwundert dann auch nicht mehr, wenn Bude auf dieser erfindungsreichen wie feinsinnigen Soziologenkategorie der &bdquo;sozialen Exklusion&ldquo;, die sicher unz&auml;hlige und karrieref&ouml;rdernde Forschungsprojekte und Buchver&ouml;ffentlichungen hervorbringen wird, anschlie&szlig;end gegen den relativen Armutsbegriff polemisiert. Danach ist es mit der Armut so eine Sache. Denn eine wirkliche Armut gibt es nicht oder kaum mehr, deswegen wird diese durch den soziologischen Neusprech der fehlenden &bdquo;Zugangschancen&ldquo; (bzw. Exklusion) ersetzt, die das &bdquo;Gef&uuml;hl der Unab&auml;nderlichkeit und Aussichtslosigkeit&ldquo; hervorbrachte [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Damit wird, um die sozio&ouml;konomische Bedeutung der stetig gr&ouml;&szlig;er werdenden Reichtumspolarisierung als belanglos hinzustellen, bewusst verh&uuml;llt, dass die &bdquo;Zugangs- und Teilhabem&ouml;glichkeiten&ldquo; der Menschen in einer &ouml;konomisierten b&uuml;rgerlichen Welt unmittelbar von der Verf&uuml;gung &uuml;ber Geld abh&auml;ngen [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]: &bdquo;Auch ist Armut ein relativer Begriff. Wenn man (&hellip;) arm diejenigen nennt, die weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verf&uuml;gung haben, w&auml;chst mit dem Reichtum der Reichen automatisch die Armut der Armen.&ldquo; (ebd., 14; Herv. C.G.) [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Als Soziologe sollte man wissen, dass auf diese plumpe Art und Weise, wie Bude hier behauptet, nicht das Durchschnittseinkommen errechnet wird, aber auf Tatsachen kommt es ihm offensichtlich nicht mehr an. Sp&auml;ter wird diese &bdquo;sachliche&ldquo; Argumentation noch erweitert, wenn es hei&szlig;t: &bdquo;Freilich bedeutet Einkommensarmut &ndash; immer bezogen auf die Entwicklung der durchschnittlichen Einkommen &ndash; nicht unbedingt Armut der Lebensverh&auml;ltnisse. So haben sich die Wohnverh&auml;ltnisse, was Gr&ouml;&szlig;e, Ausstattung und Zustand der Wohnungen anbelangt, kontinuierlich verbessert. (&hellip;). Paradox ausgedr&uuml;ckt: Die Armut w&auml;chst, aber den Leuten geht es besser.&ldquo; (ebd., 38; Herv. C. G:) Mit dieser Logik f&uuml;hrt man den relativen Armutsbegriff ad absurdum. Denn es ist v&ouml;llig klar und eine Binsenweisheit, dass sich in den letzten Jahrzehnten der Lebensstandard erh&ouml;ht hat [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>], aber darum geht es beim relativen Armutsbegriff nicht. Dar&uuml;ber hinaus muss der Soziologe bei seinen umfassenden Forschungen &uuml;ber die &gt;soziale Exklusion&lt; irgendwann die letzten empirischen Untersuchungen zur Entwicklung des Anstiegs der Armut in diesem Land verpasst haben, denn er schreibt: &bdquo;Nicht einmal die konjunkturell schwankende Arbeitslosenquote schl&auml;gt sich direkt in einem entsprechenden Verlauf der Armutsquote nieder.&ldquo; (ebd., 38; Herv. C. G.) Dies d&uuml;rfte allerdings seit der &bdquo;Hartz IV-Reform&ldquo; nicht mehr zutreffen, die die Kinderarmut &uuml;ber Nacht verdoppelte. Aber dar&uuml;ber, wie &uuml;ber die rasante Ausdehnung des Niedriglohnsektors in den letzten Jahren, verliert der Autor selbstredend kein Wort.<\/p><\/li>\n<li>Der Autor kommt infolge seiner falschen gesellschaftlichen &bdquo;Konkretheit&ldquo; (H. Marcuse) auch gar nicht auf den Gedanken, zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob sich nicht hinter dieser von ihm unhinterfragt &uuml;bernommenen Propaganda der Hartz-&bdquo;Reformen&ldquo; herrschaftliche Interessen der Macht- und Konzernelite verbergen, die nicht nur die Profitrate auf Kosten der Bed&uuml;rftigen und Lohnabh&auml;ngigen weiter erh&ouml;hen, sondern auch das politische Kr&auml;fteverh&auml;ltnis strukturell zu ihren Gunsten verschieben wollen, in dem insbesondere die Gewerkschaften entscheidend geschw&auml;cht werden. Insoweit ist das politische Ziel der neoliberalen Politik die bewusste Schaffung einer &bdquo;Unterschicht&ldquo;, genauer einer menschlichen Man&ouml;vriermasse (oder: &bdquo;industrielle Reservearmee&ldquo;, wie dies Marx auf den Punkt brachte), die den politischen Zweck hat, die allzu frechen Lohnabh&auml;ngigen und Gewerkschaften in ihre Schranken zu weisen, da sie den Herrschaftsanspruch und Handlungsfreiheit der Konzerne, Unternehmen und Verm&ouml;gensbesitzer beschr&auml;nken. Aber dies kann und will der Soziologe gar nicht denken. Denn er geht stillschweigend davon aus, dass alle Beteiligten ein gemeinsames Interesse besitzen, n&auml;mlich: die gesellschaftliche Integration der Menschen. Und dieses absurde wie frei erfundene Interesse &bdquo;der Gesellschaft&ldquo; unterstellt der Soziologe auch der rot-gr&uuml;nen Agenda 2010 und damit den &bdquo;Arbeitsmarktreformen&ldquo; namens Hartz I bis IV. In diesem Sinne bem&auml;ngelt der Verfasser daher nur eine zu niedrige Effizienz des &bdquo;neuen Typus&ldquo; von &bdquo;Wohlfahrtsstaat&ldquo;, weil dieser voraussichtlich nur unvollkommen funktionieren wird, da nicht alle Menschen mit den modernen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt mithalten k&ouml;nnen oder wollen: &bdquo;Das Programm der Aktivierung und Mobilisierung erzeugt unweigerlich eine Restkategorie von Menschen, die sich trotz aller Angebote und Anreize nicht aktivieren und mobilisieren lassen. (&hellip;) Weiterqualifikation oder Umschulung werden als sinnlos erachtet. Das sind die Ausgeschlossenen des neuen Wohlfahrtsstaats. Ohne schlechtes Gewissen kann am Ende gesagt werden: Wir haben doch alles probiert, aber die k&ouml;nnen und wollen einfach nicht.&ldquo; (ebd., 28; Herv. C.G.)\n<p>Nur in diesem eingeschr&auml;nkten Sinne macht Bude den &bdquo;neuen aktivierenden Wohlfahrtsstaat&ldquo; zu einer &bdquo;Ursache f&uuml;r sozialen Ausschluss&ldquo; (ebd., 27). Ansonsten behauptet der Autor entgegen allen empirischen Belegen &uuml;ber die Wirkungslosigkeit der von den Neoliberalen angepriesenen &gt;Hartz-Reformen&lt; trotzig ihren ausbleibenden Erfolg: Denn die Politik &bdquo;hat sich von der &Uuml;berzeugung verabschiedet, der Staat k&ouml;nne die Folgen wirtschaftlicher Ver&auml;nderungen mitgestalten &ndash; und tats&auml;chlich geht es auf dem Arbeitsmarkt bergauf&ldquo; (so hei&szlig;t es treffend auf dem Buchumschlag; Herv. C.G.). Schlie&szlig;lich kann die entscheidende Ursache f&uuml;r die hohe Arbeitslosigkeit nur an der angeblich sozialstaatlich erzeugten &gt;Passivit&auml;t&lt; und &bdquo;Kultur der Abh&auml;ngigkeit&ldquo; der Erwerbslosen liegen. Die Beseitigung dieses sozialstaatlichen &Uuml;bels garantiert in dieser neoliberalen Weltsicht automatisch den Erfolg.<\/p><\/li>\n<li>Es muss daher nicht &uuml;berraschen, wenn H. Bude auf der Grundlage seines Erkl&auml;rungsmodells die aus der neoliberal-konservativen Weltanschauung stammende Begrifflichkeit &bdquo;Unterschichtenfernsehen&ldquo; (ebd., 18 u. 124) unhinterfragt verwendet [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]. Dabei handelt es sich um einen neoliberalen Kampfbegriff, der vor allem dazu dient, die so genannten bildungsfernen Schichten, die meistens mit Hartz IV-Empf&auml;nger gleichgesetzt werden, f&uuml;r ihre soziale Lage allein verantwortlich zu machen. Als erster benutzte der neoliberal-konservative Geschichtsprofessor Paul Nolte den Begriff des &bdquo;Unterschichtenfernsehens&ldquo;,  um so bildlich der &gt;Unterschicht&lt; mangelnden sozialen Aufstiegs- und Bildungswillen zu bescheinigen, was das Resultat der gro&szlig;z&uuml;gigen sozialstaatlichen Unterst&uuml;tzung w&auml;re. Gleichzeitig wird damit die wachsende Reichtumspolarisierung legitimiert. Denn in dieser Weltsicht kommt Reichtum allein durch Leistung und Armut durch Leistungsverweigerung zustande. Folglich ersetzt so das Gerede vom individuellen Leistungs- und Aufstiegswillen die politische Frage nach der gerechten Reichtumsverteilung bzw. Reichtumsumverteilung. Auch bei Bude wird das neoliberal-konservative Bild einer klassenlosen &bdquo;Leistungsgesellschaft&ldquo; gezeichnet. Demzufolge kommt es vor allem auf die Fertigkeiten, Motivation, Selbstverwertung und Selbstoptimierung des einzelnen an, kurzum, jeder ist ein &bdquo;Selbstunternehmer&ldquo;: &bdquo;Insofern haben die Verfechter des homo oeconomicus schon Recht: Das Individuum ist nicht einfach Abbild der Gesellschaft, sondern immer auch Ausdruck seiner Strategien, Kalkulationen und Entscheidungen. Man muss zu dem werden, was man ist. Dabei h&auml;ngt viel davon ab, worauf man setzt, was man versteht und wie man sich gibt.&ldquo; (ebd., 30; Herv. C.G.) Kein Wunder, dass Bude den neuen Typus des Wohlfahrtsstaats der &bdquo;Leistungsgesellschaft&ldquo; begr&uuml;&szlig;t, weil dieser &bdquo;Eigenaktivit&auml;t pr&auml;miert und die Selbstverantwortung einfordert&ldquo; (ebd., 28; Herv. C.G.). \n\nIm &uuml;brigen scheint die eben zitierte Binsenweisheit des Autors, dass das &bdquo;Individuum (...) nicht einfach Abbild der Gesellschaft (ist)&ldquo;, offenbar nicht mehr zu gelten, wenn es um die &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; geht. Schlie&szlig;lich hat sich die \"Unterschicht\" im &bdquo;alten Sozialstaat&ldquo; eingerichtet, ist deshalb ohne &bdquo;Hoffnung&ldquo; und Antrieb, vor allem leiden die Ausgeschlossenen ohne Ausnahme an der &bdquo;sozialen Exklusion&ldquo;: &bdquo;Die Menschen, die man in Billigm&auml;rkten f&uuml;r Lebensmittel trifft, wirken abgek&auml;mpft vom t&auml;glichen Leben, ohne Kraft, sich umeinander zu k&uuml;mmern oder aufeinander zu achten, und lassen gleichwohl keine Anzeichen von Beschwerdef&uuml;hrung oder Aufbegehren erkennen. Die Jugendlichen h&auml;ngen herum und warten darauf, dass etwas passiert, (...) Es herrscht eine Atmosph&auml;re abgestumpfter Gleichf&ouml;rmigkeit. Hier leben Menschen, die sich daran gew&ouml;hnt haben, wenig zu besitzen, wenig zu tun und wenig zu erwarten.&ldquo; (ebd., 10) &bdquo;Der K&ouml;rper wird so zum Signal f&uuml;r den sozialen Ausschluss. Untergr&uuml;ndig entwickelt sich eine Physiognomie der sozialen Klassen, die von der k&ouml;rperlichen Erscheinungsweise auf Motivierbarkeit, Belastbarkeit und Brauchbarkeit schlie&szlig;t. Das dicke trotzige M&auml;dchen, der fette phlegmatische Junge gelten als Charaktere leib-expressiven Selbstausschlusses. Tr&auml;gheit, Schl&auml;frigkeit, Schwerf&auml;lligkeit werden zu k&ouml;rperlichen Metaphern des sozialen &Uuml;berschusses. (...) Der Mangel an Selbstbeherrschung, eine Spur der Verwahrlosung, (...), Zeichen dieser Art sind schnell gefunden. So wird am K&ouml;rper die variable Unterscheidung von Drinnen und Drau&szlig;en gemacht. (..). Ein festgestelltes Handikap ruft den sorgenden Sozialstaat auf den Plan, der in diesem Fall dem Bed&uuml;rftigen Beistand leistet.&ldquo; (ebd., 111f.) Die vom Autor bekannte abwertende Sichtweise auf die sozialstaatlichen &bdquo;F&ouml;rderma&szlig;nahmen, Sonderbehandlungen und Versehrtheitspr&auml;mien&ldquo; wird weiter ausgemalt und mit einem Schuss Zynismus gew&uuml;rzt, wenn er hinzuf&uuml;gt, dass es sich f&uuml;r einen &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; &bdquo;als eine f&uuml;rs &Uuml;berleben dienliche Cleverness (erweist), sich einen wie auch immer gearteten Behindertenstatus zuzulegen.&ldquo; (ebd., 112; Herv. C. G.) Es d&uuml;rfte kaum ein Zufall sein, dass hier alle Aspekte ausgeschlossen wurden, die in dieses grobe Raster &uuml;ber die &bdquo;Unterschicht&ldquo; und &bdquo;Erwerbslosen&ldquo; nicht passen: Sie sind hinterh&auml;ltig, faul, tr&auml;ge, heruntergekommen, gierig, unmotiviert, kr&auml;nklich, dick usw. Hier wird ein klischeehaftes Bild gezeichnet, wie man es aus der neoliberalen Aufbereitung f&uuml;r die Medien und Talkshows inzwischen hinreichend kennt und die nun Bude sprachlich elegant und passend zu seiner Darstellung &uuml;ber den &bdquo;alten Sozialstaat&ldquo; samt angeblicher &bdquo;Verfestigung von Wohlfahrtsabh&auml;ngigkeit&ldquo; komprimiert wiederholt. Diese eindimensionale wie selektive Beschreibung d&uuml;rfte nur einen Teil der sozialen Lebenssituation der &gt;Ausgeschlossenen&lt; gerecht werden [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]. Daf&uuml;r passt sie aber perfekt zur neoliberalen Untergrundmusik des Buches. Des Weiteren f&uuml;gt sich diese Klischeebeschreibung zu reibungslos in den oben vom Autor dargestellten Exklusionsbegriff ein: Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die  &bdquo;Unterschicht&ldquo; in die vom Soziologen vorgegebene Schablone namens soziale Exklusion mit Gewalt gepresst wurde, damit &gt;Empirie&lt; und &bdquo;Theorie&ldquo; nicht auseinanderfallen [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>].<\/li>\n<li>Sp&auml;ter relativiert Bude seine Behauptung &uuml;ber die stets gegebenen sozialen Aufstiegsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r jedermann. Denn er stellt pl&ouml;tzlich fest, dass laut PISA eine &bdquo;Fortschreibung der sozialen Vererbung durch Bildung&ldquo; bzw. durch das selektive Schulsystem existiert (ebd., 41ff.). Jedoch wird nun von Bude nicht die Selektion im Schulsystem an sich kritisiert, denn vielmehr hei&szlig;t es: &bdquo;Das Anst&ouml;&szlig;ige dieser Selektion besteht darin, dass sie sich in gewissem Umfang unabh&auml;ngig von der tats&auml;chlichen Schulleistung vollzieht. Daf&uuml;r ist ein Komplott aus Elternw&uuml;nschen und Lehrerinnenempfehlungen verantwortlich.&ldquo; (ebd., 42) Nun sind vor allem die Eltern der so genannten bildungsfernen Schichten schuld daran, dass ihre Kinder nicht einen h&ouml;heren Bildungsabschluss erhalten, weil sie es einfach nicht wollen. Schlussendlich lehnt der Soziologe die Forderungen nach Abschaffung der schulischen Selektion ab und entdeckt dabei die oben noch bei den bildungsfernen Zuschauern des &bdquo;Unterschichtenfernsehens&ldquo; kritisierte Subjektivit&auml;t als nun zu sch&uuml;tzendes Gut vor zu viel Bildungsreformeifer: &bdquo;Wenn Bildung vornehmlich als Hebel zur L&ouml;sung sozialer Konflikte und nicht mehr als Ausdruck einer vielstimmigen und vielgestaltigen Gesellschaft voller Missstimmung, Unbehangen und Abgrenzungen verstanden wird, dann hat eine technokratische &uuml;ber die liberale Gesellschaftsauffassung gesiegt. Es geht um den Wahn einer schulischen und erzieherischen Abschaffung von sozialem Ausschluss. Die Widerst&auml;ndigkeit der Betroffenen, ihre Eigenst&auml;ndigkeit als Subjekte und ihr Anspruch auf Subjektivit&auml;t kommt in diesem Denken nicht mehr vor.&ldquo; (ebd., 105)\n<p>An anderer  Stelle wird indes vom Soziologen einger&auml;umt, dass angesichts der heutigen &ouml;konomischen Dynamik ein Leistungs- und Behauptungswille nicht mehr vor dem sozialen Abstieg in die &bdquo;Unterschicht&ldquo; sch&uuml;tzt: &bdquo;die soziale Stufenleiter ist &uuml;berhaupt glitschiger geworden. Der Absturz scheint von &uuml;berall m&ouml;glich.&ldquo; (ebd., 33) Als Ursache f&uuml;r einen schnellen sozialen Absturz erw&auml;hnt Bude Hartz IV nicht, was aufgrund seiner Haltung zum &bdquo;neuen Wohlfahrtsstaat&ldquo; nicht verwundert.<br>\nMan m&ouml;chte dem Autor au&szlig;erdem zurufen, dass er doch auch mal einen Blick in die kritische Machteliten-Forschung werfen sollte [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]. Denn dort wird entgegen dem vom Autor verbreiteten liberal-konservativen Mythos &uuml;ber den individuellen &bdquo;Leistungs- und Aufstiegswillen&ldquo; und der vielzitierten &bdquo;Chancengleichheit&ldquo; belegt, wie wenig sich an den alt hergebrachten Mechanismen zur Reproduktion der kapitalistischen Klassen- bzw. Elitenstruktur ver&auml;ndert hat [<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]. Derzeit wird dank der neoliberalen Politik der &bdquo;Elitenf&ouml;rderung&ldquo; und der Prekarisierung diese Struktur der &bdquo;liberalen&ldquo; und &bdquo;offenen Gesellschaft&ldquo; (ebd., 19) nicht nur auf allen Ebenen restauriert, sondern versch&auml;rft.<\/p><\/li>\n<li>Was schreibt der Autor &uuml;ber die Rolle der kapitalistischen &Ouml;konomie, die zur Herausbildung einer &bdquo;Unterschicht&ldquo; gef&uuml;hrt hat? Er weist in seinen mageren Ausf&uuml;hrungen darauf hin, dass einerseits die heutige &Ouml;konomie eine unaufhaltsame Modernisierungsmaschine ist, die notwendigerweise massenhaft menschlichen Ausschuss produziert. Andererseits behauptet er, dass auch kein h&ouml;heres &ouml;konomisches Wachstum, was sowieso nicht mehr zu erwarten w&auml;re, die Arbeitslosigkeit beseitigen wird. Damit &uuml;bernimmt Bude die aus der Wirtschaftswissenschaft bekannte Bestimmung der kapitalistischen &Ouml;konomie als einen rein stofflich-technischen Entwicklungsprozess, der sich als vorgesellschaftliche und best&auml;ndig ausdifferenzierende Arbeitsteilung darstellt. Entsprechend herrschafts- und politikfrei wird die Entwicklung der kapitalistischen &Ouml;konomie bestimmt, womit unter der Hand eine keynesianisch ausgerichtete Politik entsorgt wird; sie wird daher auch nicht an einer Stelle des Buches erw&auml;hnt. Schlie&szlig;lich w&uuml;rde dann sein Argumentationsgeb&auml;ude wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen, wenn er eingestehen m&uuml;sste, dass es wirtschaftspolitische Alternativen [<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>] zu dem von ihm verabsolutierten &ouml;konomischen bzw. neoliberalen Status quo geben w&uuml;rde:<br>\n&bdquo;Aber auch der Glaube ans Wirtschaftswachstum als Allheilmittel f&uuml;r die Ausgeschlossenen hat sich verloren. Selbst wenn wir in Deutschland wieder Wachstumsraten wie in der &bdquo;goldenen&ldquo; Nachkriegszeit von f&uuml;nf und mehr Prozent erreichen w&uuml;rden, was nicht zu erwarten ist, w&uuml;rde die soziale Spaltung zwischen den Einbezogenen und den Entkoppelten nicht verschwinden. Im Gegenteil: Mit der Entfesselung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Produktivkr&auml;fte blieb immer ein Teil auf der Strecke, der aus Gr&uuml;nden mangelnder Kompetenz und unzureichender Motivation nicht mitk&auml;me. Gerade ein rapider sozialer Wandel bringt eine Gruppe von &Uuml;berfl&uuml;ssigen und Entbehrlichen hervor, die sich mehr oder minder zuf&auml;llig am falschen Ort befinden, wo die alten Industrien niederbrechen (&hellip;). Die Wirkungen des Wirtschaftswachstums auf die Besch&auml;ftigungsentwicklung gestalten sich eben nicht linear, sondern sind durch eine bestimmte soziale Selektivit&auml;t vermittelt, welche die einen gewinnen und andere verlieren l&auml;sst.&ldquo; (ebd., 17; Herv. C.G.)\t\n<p>Man kann machen, was man will, es ist halt so, lautet der auf einem soziologischen Objektivismus der &Ouml;konomie aufgebaute Fatalismus von Bude, wenn er ausf&uuml;hrt:<\/p>\n<p>&bdquo;Die Gruppe der Ausgeschlossenen w&auml;chst im Gefolge einer funktionalen Arbeitsteilung, die die wissensbasierte und dienstleistungsorientierte Facharbeit zum Normalmodell einer industriellen Hochproduktivit&auml;ts&ouml;konomie werden l&auml;sst. (&hellip;) Projektf&ouml;rmige Aufgabenbew&auml;ltigung, flexible Spezialisierung und eigenverantwortliche Qualit&auml;tskontrolle lauten die Stichworte des neuen Arbeitsregimes. Selbst die Lagerarbeit ist keine einfache T&auml;tigkeit mehr, (&hellip;), sondern verlangt aufgrund der informationellen Darstellung der betrieblichen Abl&auml;ufe gewisse systemanalytische Kompetenzen. (&hellip;) Auf der einen Seite w&auml;chst die Nachfrage f&uuml;r motivierte, qualifizierte und inspirierte Arbeitskr&auml;fte und auf der anderen Seite versch&auml;rft sich die Bereitschaft zum Ausschlu&szlig; einer unmotivierten, ungelernten und unwissenden Bev&ouml;lkerung. (&hellip;) Es ist also weniger die Deindustrialisierung als die Hyperindustrialisierung, die in Deutschland eine Population von Ausgeschlossenen hervorbringt.&ldquo; (ebd., 22f.; Herv. C.G.)<\/p>\n<p>Die kapitalistische &Ouml;konomie gilt hier als eine autistische Sph&auml;re der technologischen Entwicklung und deswegen als unentrinnbare Schicksals- und Naturgewalt f&uuml;r die Menschen und Politik, weshalb sich jegliche Differenzierungen hinsichtlich politik-&ouml;konomischer Steuerungs- und Beherrschungs- bzw. Unterwerfungsstrategien und &ndash;absichten er&uuml;brigen. Es ist daher beeindruckend, wie es der Soziologe schafft, mit keinem Wort auf die zahlreich praktizierten Methoden der neoliberalen Wirtschaftspolitik einzugehen, die in diesem Land die soziale und &ouml;konomische Lage der meisten Lohnabh&auml;ngigen prekarisiert und eine stetig gr&ouml;&szlig;er werdende Anzahl von Menschen in die Armut und Arbeitslosigkeit getrieben hat: Neben dem Verzicht auf eine antizyklische Konjunkturpolitik geh&ouml;rt dazu die Ausdehnung der Leiharbeit und befristeter Arbeitsvertr&auml;ge, Mini-Jobs, Absenkung\/Abschaffung des K&uuml;ndigungsschutzes, Demontage von Schutzrechten, Abschaffung von Kriterien f&uuml;r zumutbare Arbeit f&uuml;r Erwerbslose, Senkung von Lohnersatzleistungen, Erh&ouml;hung der Arbeitszeit, Lohnsenkungen, Niedrigl&ouml;hne, Scheinselbst&auml;ndige, Privatisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen, Zulassung von Hedge Fonds, Unternehmenssteuersenkungen, Demontage der staatlichen Kranken- und Rentenversicherungen usw. F&uuml;r all das soll offensichtlich f&uuml;r Bude nur die &ldquo;industrielle Hochproduktivit&auml;ts&ouml;konomie&rdquo; verantwortlich sein.<\/p><\/li>\n<li>Rekapitulieren wir zum Schluss das d&uuml;rftige Erkl&auml;rungsmodell &uuml;ber die Ursachen der Entstehung der &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; von Bude zum besseren Verst&auml;ndnis:<br>\nDie kapitalistische &Ouml;konomie wird zu einer vorgesellschaftlichen und vorpolitischen Sph&auml;re erkl&auml;rt, die eine andauernde Modernisierung der Arbeitsteilung aus sich selbst hervorbringt. Die sozialen Folgen, die diese Arbeitsteilung hervorruft, wollte man angeblich fr&uuml;her &bdquo;durch eine erweiterte Integration der Gesellschaft&ldquo; auffangen, d.h. durch den Ausbau des &bdquo;Wohlfahrtsstaates&ldquo;. Damals herrschte zudem der &uuml;ber alle Klassen, Interessengruppen, Unternehmen und Parteien geteilte &bdquo;Traum einer gerechten Gesellschaft&ldquo;, der der Motor f&uuml;r soziale Reformen des &bdquo;Wohlfahrtsstaates&ldquo; war. Dieser &bdquo;Traum&ldquo; erwies sich jedoch als tr&uuml;gerisch, da dies zu einer &bdquo;Z&uuml;chtung einer Kultur der Abh&auml;ngigkeit&ldquo; bei den undankbaren &ldquo;Klienten&rdquo; f&uuml;hrte und zudem wachsende &bdquo;Finanzierungsprobleme&ldquo; verursachte. Damit wurde das &bdquo;Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft&ldquo; offenbar. Infolgedessen war der Weg hin zu einem &bdquo;aktivierenden und fordernden&ldquo; Wohlfahrtsstaat unausweichlich, um die Selbstverantwortlichkeit und Selbstaktivierung bei den Erwerbslosen bzw. der &bdquo;Unterschicht&ldquo; und den Lohnabh&auml;ngigen wieder herzustellen, um sie so aus der Falle der &bdquo;Kultur der Abh&auml;ngigkeit&ldquo; hinauszuf&uuml;hren und damit in die Gesellschaft zu integrieren. Allerdings bedingt die inzwischen eingetretene &bdquo;Hyperindustrialisierung&ldquo; ein bestimmtes Ma&szlig; an struktureller Arbeitslosigkeit, sozialer Unsicherheit und den dauerhaften Ausschluss von Menschen (wegen mangelnder Kompetenz, Motivation und Selbstbeherrschung), die nur der eingef&uuml;hrte &bdquo;aktivierende Wohlfahrtsstaat&ldquo; zu minimieren wei&szlig;. \n<p>Mit diesem Erkl&auml;rungsmodell teilt H. Bude die neoliberale Weltanschauung und Programmatik &uuml;ber die &Ouml;konomie und Gesellschaft. Jedoch unterscheidet er sich in einem Punkt wesentlich von den neoliberalen &Ouml;konomen. W&auml;hrend letztere in dem Wirken des freien Marktes und dem Abbau sozialstaatlicher Sicherungssysteme eine neue Phase der Freiheit, Wohlstandes und Vollbesch&auml;ftigung erblicken, sieht dagegen Bude angesichts der technologischen Modernisierungssch&uuml;be der politisch nicht zu steuernden &Ouml;konomie ein nicht zu behebendes Problem der sozialen Integration: Denn diese hyperindustrialisierte &Ouml;konomie muss notwendigerweise &bdquo;Ausgeschlossene&ldquo; hervorbringen, die nicht mehr &ldquo;gebraucht&rdquo; werden.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Fazit:<\/strong><\/p><p>In seinem Vorwort zu seinem Buch wollte der Autor den Leser aus der &bdquo;Begriffsblindheit und Erfahrungsleere im Blick auf unsere Gesellschaft&ldquo; hinausf&uuml;hren und betonte seine &bdquo;Unvoreingenommenheit des soziologischen Blicks&ldquo;, um zu zeigen, &bdquo;was Sache ist&ldquo;. Aus der hier aufgezeigten &ldquo;Theorie-Konstruktion&rdquo; des Autors geht dagegen hervor, dass diese unter einer kategorialen Bewusstlosigkeit &uuml;ber die besondere soziale Qualit&auml;t der kapitalistischen &Ouml;konomie und Gesellschaft leidet. Dies hat zur Folge, dass er weder die besondere Verschr&auml;nkung von Politik und &Ouml;konomie noch die daraus folgenden Antriebskr&auml;fte der kapitalistischen &Ouml;konomie und Gesellschaft bestimmen und in seiner Argumentation ber&uuml;cksichtigen kann. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn er von allen Klassen-, Herrschafts- und Machtverh&auml;ltnissen, einschlie&szlig;lich der daraus entspringenden Konflikte und Interessengegens&auml;tze, radikal abstrahiert und sie nicht zur Kenntnis nimmt. Mit diesem von allen konkret-historischen und politik-&ouml;konomischen Bez&uuml;gen befreiten Korsett kann man zwar der &Ouml;ffentlichkeit die neoliberalen &ldquo;Hartz-Reformen&rdquo; des Sozialstaates und das Abfinden mit der Existenz einer dauerhaft existierenden &bdquo;Unterschicht&ldquo; schmackhaft machen, aber zur Erkl&auml;rung der gesellschaftlichen Antriebskr&auml;fte, die zur Verarmung wie Prekarisierung immer gr&ouml;&szlig;erer Teile der Gesellschaft f&uuml;hren, taugt diese auf einer frei erfundenen soziologischen Integrationsphantasie beruhende Konstruktion nicht. Aber als ideologische Rechtfertigungsgrundlage f&uuml;r eine Politik der &ldquo;neuen Mitte&rdquo;, die nicht mehr &uuml;ber die ungleiche Verteilung des Reichtums sprechen will, weil man sich von jeden politischen Ansatz der Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums (einschlie&szlig;lich einer keynesianisch orientierten Wirtschafts- und Sozialpolitik) l&auml;ngst verabschiedet und diese durch eine sozial-politische Metaphorik der noch zu realisierenden &ldquo;Chancen- und Leistungsgerechtigkeit&rdquo; ersetzt hat, dient dieses Buch allemal.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] G, Anders 1964: Die Toten. Rede &uuml;ber die drei Weltkriege, in: Ders.1995: Hiroschima ist &uuml;berall, M&uuml;nchen, S. 369<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Das Buch ist 2008 im Hanser Verlag erschienen. &Uuml;ber den Autor erf&auml;hrt man dort, dass dieser Mitarbeiter am Hamburger Institut f&uuml;r Sozialforschung war und seit 2000 Professor f&uuml;r Makrosoziologie in Kassel ist.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Dieses Buch scheint weitgehend auf positive Resonanz bei den Rezensenten gesto&szlig;en zu sein: &bdquo;Bude hat den pr&auml;zisen soziologischen Blick auf die Gesellschaft, und das unterscheidet seinen Text von vielen anderen, hebt ihn wohltuend ab. Er balanciert die genaue Beobachtung mit der analytischen Distanz, und so gelingen ihm in den einzelnen Kapiteln immer wieder Vignetten von gesellschaftstheoretischer Brillanz. Die Menschen auf dem Land in den neuen Bundesl&auml;ndern, die diversen Varianten von Alleinerziehenden, die Jugendlichen, die &uuml;ber 50-J&auml;hrigen und alle nicht unk&uuml;ndbar Besch&auml;ftigten werden uns als derzeit oder zuk&uuml;nftig irgendwie ausgeschlossen vorgestellt. Das Rundumhafte dieses Schlages gewinnt seinen Charme durch die Liebe zum Detail. Man liest gespannt und wartet, ob die eigene soziale Gattung nicht auch noch in diesem Zoo der Prek&auml;ren auftaucht.&ldquo; ( R. Kreissl, in: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/lesart\/760921\/\">www.dradio.de<\/a>) Dagegen merkt G. Gillen immerhin noch kritisch an: &bdquo;Heinz Bude zeichnet genau das erschreckende Bild einer zerfallenden Gesellschaft und tr&auml;gt damit wesentlich zur Aufkl&auml;rung &uuml;ber die Verh&auml;ltnisse bei, in denen wir leben. Das macht sein Buch f&uuml;r die, die hinschauen wollen, &auml;u&szlig;erst empfehlenswert. Doch scheint der Fatalismus, den er den Ausgeschlossenen attestiert, auch ihn infiziert zu haben. Bude erz&auml;hlt den Weg in die gesellschaftliche Agonie als Trag&ouml;die, aus der es keinen Ausweg gibt. Er bleibt in der Beschreibung der strukturellen Entwicklungen stecken. Doch diese Strukturen und die daraus resultierenden und zutreffend beschriebenen Verwerfungen verdanken wir der neuen totalit&auml;ren Ideologie des Neoliberalismus, die Solidarit&auml;t und Gemeinsinn diskreditiert.  &ldquo; (G. Gillen in: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/politischeliteratur\/762871\/\">www.dradio.de<\/a>)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] P. Bourdieu 2004: Gegenfeuer, Konstanz<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Vgl. C. Girschner 2008: Hartz IV-&Ouml;konomie: David Ricardo und die Wiederkehr fr&uuml;hkapitalistischer Herrschaftsmethoden des Liberalismus, in: <a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\">www.trend.infopartisan.net<\/a>, M&auml;rz-Ausgabe<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Der Sozialstaat wird, wie dies schon der &Ouml;konom David Ricardo vor bald zweihundert Jahren machte, zur Ursache der Arbeitslosigkeit und Verarmung erkl&auml;rt, soweit ist die Arbeitslosigkeit nicht mehr eine Folge der politik-&ouml;konomischen (Krisen-)Entwicklung. Auf dieser Ursache-Folge-Verkehrung beruht dann die weitere Argumentation der neoliberal-konservativen Ideologie.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] H. Marcuse 1985: Der eindimensionale Mensch, Darmstadt, S. 125<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Vgl. W. Hofmann 1971: Universit&auml;t, Ideologie, Gesellschaft; Frankfurt\/M., S.69f. Genauer formuliert: &bdquo;Das Bedenkliche ist, dass die Statistiken, Messungen und Feldstudien der empirischen Soziologie und politischen Wissenschaft nicht rational genug sind. Sie werden in dem Ma&szlig;e zu etwas Mystifizierendem, wie sie von dem wahrhaft konkreten Zusammenhang isoliert werden, der die Tatsachen schafft und ihre Funktion determiniert. Dieser Zusammenhang ist gr&ouml;&szlig;er und ein anderer als der der untersuchten Fabriken und Werkst&auml;tten, der behandelten Klein- und Gro&szlig;st&auml;dte, der Gebiete und Gruppen, &uuml;ber deren &ouml;ffentliche Meinung befunden und deren &Uuml;berlebenschancen berechnet wird. Und er ist auch wirklicher in dem Sinne, dass er die untersuchten, zurechtgestutzten und berechneten Tatsachen hervorbringt und determiniert. Dieser wirkliche Zusammenhang, in dem die besonderen Gegenst&auml;nde zu ihrer wirklichen Bedeutung gelangen, ist bestimmbar nur innerhalb einer Theorie der Gesellschaft.&ldquo; H. Marcuse 1985, a.a.O., S. 204f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Eine &bdquo;Politik gegen (&hellip;) M&auml;rkte&ldquo; ist und war auch der Sozialstaat vor den Hartz-&gt;Reformen&lt; nicht, wie dies hier Bude behauptet, ganz im Gegenteil: Nur f&uuml;r Neoliberale ist das so, da sie mit ihrer Verabsolutierung des betriebswirtschaftlichen Interesses makro&ouml;konomische und damit langfristige Zusammenh&auml;nge nicht mehr kennen und in ihrer &ouml;konomischen Welt nicht mehr ber&uuml;cksichtigen k&ouml;nnen bzw. wollen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Statt der von Bude angef&uuml;hrten &gt;Eigenverantwortung&lt; der Erwerbslosen hat die Hartz IV-&gt;Reform&lt; vielmehr eine neue &bdquo;Kultur der Abh&auml;ngigkeit&ldquo; vom sogenannten &gt;Fallmanager&lt; &gt;gez&uuml;chtet&lt;. Vgl. Agenturschluss (Hg) 2006: Schwarzbuch Hartz IV, Berlin; G. Gillen 2004: Hartz IV, Reinbek; C. Girschner 2007: <a href=\"?p=2574\">Zur politischen &Ouml;konomie der &bdquo;Ein-Euro-Jobs&ldquo;: ideologische und herrschaftliche Hintergr&uuml;nde<\/a>, in: www.nachdenkseiten.de, (21.08.2007)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Die politische Abwertung des Begriffs der relativen Armut und die damit verkn&uuml;pfte Frage nach der Reichtumsverteilung dokumentierte bereits der zweite Armuts- und Reichtumsbericht (2005) der &gt;rot-gr&uuml;nen&lt; Regierung. Dieser kann als wichtiger ideologischer Stichwortgeber bzw. Sprachh&uuml;lsenfabrikant f&uuml;r die &gt;neue Mitte&lt; angesehen werden, dem der Soziologe Bude bedingungslos folgt, denn: &bdquo;Im zweiten Bericht ver&auml;nderte sich die Tonlage. Auch nach vier Jahren Rot-Gr&uuml;n waren die Reichen reicher und die Armen &auml;rmer geworden. Die Armutsquote stieg von 12,1 auf 13,5 Prozent der Bev&ouml;lkerung. VerliererInnen waren vor allem Kinder, Jugendliche und Frauen. Beinahe jeder f&uuml;nfte Jugendliche im Alter von 16 bis 24 Jahren gilt heute als arm (1998: 14,9 Prozent). Die Kinderarmut stieg von 13,8 auf 15 Prozent, die der Frauen von 13,3 auf 14,4 Prozent. (...) Unter den Arbeitslosen stieg die Armutsquote von 33,1 auf 40,9 Prozent. Der Armuts- und Reichtumsbericht benutzt &uuml;brigens den Begriff Armutsrisiko. Noch so eine Verschleierung: Ein Armutsrisiko von 40,9 Prozent, das klingt halt weniger dramatisch als 40,9 Prozent Arme. (...) Diese best&uuml;rzende Bilanz konnte Rot-Gr&uuml;n keiner Vorg&auml;ngerregierung in die Schuhe schieben. Deswegen ist der zweite Armuts- und Reichtumsbericht sichtbar bem&uuml;ht, die zunehmende Armut zu relativieren und kleinzureden. Er l&auml;utet zugleich einen Wechsel im sozial-staatlichen Leitbild ein. (...) Das neue Konzept r&uuml;ckte sogenannte Verwirklichungschancen in den Mittelpunkt: &gt;Armut ist dann gleichbedeutend mit einem Mangel an Verwirklichungschancen, (&hellip;)&lt;, hei&szlig;t es im zweiten Bericht. Diese Chancen verortet der Bericht in politischer Beteiligung und Mitbestimmung, im Zugang zu Arbeitsmarkt, Bildung und Gesundheitswesen, im Wohnen, in der Infrastruktur f&uuml;r Kinderbetreuung und in sozialer Sicherheit. Materielle Umverteilung und eine Politik der Statussicherung seien bei dem Versuch, Teilhabe und Verwirklichungschancen bereitzustellen, zunehmend an ihre Grenzen gesto&szlig;en, hei&szlig;t es.(...) Wenn arme Menschen nur noch individuell dazu bef&auml;higt werden sollen, Chancen zu ergreifen und Herausforderungen zu bew&auml;ltigen, werden die gegenseitige Bedingtheit von Armut und Reichtum und die gesellschaftlichen Ursachen (...) ausgeblendet. (...) Man kann es drehen und wenden, wie man will: Lebenschancen h&auml;ngen am Geld. Deswegen m&uuml;ssen Armut und Reichtum auch weiterhin im Zusammenhang gesehen werden. Im ersten Armuts- und Reichtumsbericht war das noch der Fall. (...) Im zweiten Bericht wird mit der Betonung der Verwirklichungschancen subtil eine Art Schuldprinzip eingef&uuml;hrt. Der Staat k&ouml;nne Chancen er&ouml;ffnen. &gt;Aber jede und jeder Einzelne entscheidet dar&uuml;ber, ob sie oder er die Chancen nutzt.&lt; Wer das nicht tut, hat eben Pech gehabt. Und von der Kritik, gebotene Chancen nicht zu nutzen, bis zum Vorwurf des &gt;Sozialschmarotzers&lt; ist es dann nicht mehr weit.&ldquo; (D. Beck\/H. Meine 2007: Armut im &Uuml;berfluss, G&ouml;ttingen, S. 171ff.)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Es geht bei Bude nicht mehr um Armut in ihren vielschichtigen Facetten und um die Verteilung des realen Reichtums in der Gesellschaft, sondern um &bdquo;soziale Exklusion&ldquo; bzw. gesellschaftliche Integration. Und diese hat vor allem viel mit &bdquo;Gef&uuml;hl&ldquo; und &bdquo;Chancen&ldquo; zu tun, ist im Gegensatz zur harten Faktenlage der Reichtumsverteilung also sehr beliebig anwendbar und interpretierbar. Die Kategorie der sozialen Exklusion (bzw. fehlende Integration) ist allerdings hinsichtlich der sozialen Qualit&auml;t wie des gesellschaftlichen Inhalts v&ouml;llig unbestimmt und reduziert sich auf den inhaltsleeren Selbstzweck, dass die Menschen an sich in die Gesellschaft (welche?) integriert (wozu?) sein m&uuml;ssen. Wenn dies nicht hinreichend gelingt, dann liegt f&uuml;r die Soziologie ein gesellschaftlich zu behebender Sozialdefekt vor, an dem die Betroffenen &gt;leiden m&uuml;ssen&lt;, w&auml;hrend die Gesellschaft dadurch ihre Ordnung und damit Funktionsweise verlieren k&ouml;nnte. Zudem besitzt der Exklusionsbegriff den unschlagbaren Vorteil, n&auml;mlich ganz und gar kompatibel mit der Sozial- und Bildungspolitik der &gt;neuen Mitte&lt; (genauer: &gt;Verteilungsgerechtigkeit&lt; wurde hier als sozialpolitisches Ziel durch Schaffung von &gt;Chancengerechtigkeit&lt; und &gt;Zugangschancen&lt; ersetzt) zu sein: &bdquo;Soziale Exklusion dagegen ist weder auf gesellschaftliche Benachteiligung zu reduzieren noch durch relative Armut zu erfassen. Sie betrifft vielmehr die <strong>Frage nach dem verweigerten oder zugestandenen Platz im Gesamtgef&uuml;ge der Gesellschaft. Sie entscheidet dar&uuml;ber, ob Menschen das Gef&uuml;hl haben, dass ihnen Chancen offen stehen und dass ihnen ihre Leistung eine h&ouml;rbare Stimme verleiht, oder ob sie glauben m&uuml;ssen, nirgendwo hinzugeh&ouml;ren, und dass ihnen ihre Anstrengung und M&uuml;he niemand abnimmt.<\/strong>&ldquo; (Bude a.a.O., S.14; Herv. C.G.) Ich sehe schon, irgendwann wird diese Art von Soziologie den Deutschen Bank-Chef J. Ackermann, sollte er mal als Manager abges&auml;gt werden, unter der Kategorie der sozialen Exklusion f&uuml;hren, da er das &bdquo;Gef&uuml;hl&ldquo; entwickeln k&ouml;nnte, dass ihm keine &bdquo;Chancen offen stehen&ldquo; und &bdquo;nirgendwo&ldquo; mehr hinzugeh&ouml;rt. So absurd ist der Gedanke nicht: Es sind in der Regel die &bdquo;Reichen und Superreichen&ldquo; (F. Lundberg), die sich von der Gesellschaft mit Hilfe von Villen, privaten Sicherheitsdiensten, Luxusjachten, Mauern, Privatjets etc. von der Gesellschaft abschotten. Diese wollen als &gt;Ausgeschlossene&lt; eben nicht, dass im Gegensatz zur &gt;Unterschicht&lt; die Struktur ihres Privatlebens und Lebensstils bekannt, geschweige untersucht und damit m&ouml;glicherweise publiziert bzw. kritisiert wird. Die Soziologie hat diesen herrschaftlichen Wunsch stets respektiert, weil ja in ihrer eindimensionalen Weltsicht nicht die Reichen\/Machtelite die &gt;soziale Integration&lt; st&ouml;ren und gef&auml;hrden, sondern die Unterworfenen, Bed&uuml;rftigen und Verlierer der kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft, die gegen&uuml;ber dem Staat alles offen legen m&uuml;ssen, damit den Soziologen einen vollst&auml;ndigen empirischen Zugriff auf ihre Lebenssituation erm&ouml;glichen. Sollte sich dagegen doch einmal ein Soziologe bei den Reichen und Superreichen verirren, kann er sicher davon ausgehen, dass diese ihre Wachhunde auf ihn hetzen werden. Sowieso bleibt deshalb der Reichtum der Reichen ein wenig erforschtes Gebiet: &bdquo;Die offensichtlichen Defizite der amtlichen Statistik hinsichtlich der Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung sind bekannt und unstrittig. Seit Jahren wird von interessierten Sozialwissenschaftlern die Verbesserung der Datenbasis verlangt, (...). Bislang ist der Gesetzgeber dem nicht nachgekommen. Zu vermuten ist, dass die Bundestagsmehrheiten sich scheuen, die wirklichen Reichen zu verpflichten, ihren Reichtum offenzulegen. (...) Mit diesen Missstand haben sich, so scheint es, auch die Sozialwissenschaften abgefunden. Zwar wird stets auf L&uuml;cken und Unsicherheiten der statistischen Daten verwiesen, aber dabei bleibt es auch. Es fehlt an Versuchen, Umfang und Struktur der nicht erfassten und verschwiegenen hohen Einkommen und gro&szlig;en Verm&ouml;gen ann&auml;hernd zu bestimmen, sei es auch mit unkonventionellen und indirekten Methoden. (...) Offenbar ist diese &gt;Elite&lt; sich ihrer F&auml;higkeit bewusst, der Politik wirksame Schranken zu setzen. Und das wissen auch die Politiker. Nichts anderes meint der Begriff herrschende Klasse.&ldquo; (J. Bergmann 2004: Reichen werden reicher, in: Leviathan 2, S.192 u. 199) <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Bude argumentiert hier auf einer Weise, wie ich dies bislang nur vom ehemaligen BDI-Chef Olaf Henkel geh&ouml;rt hatte: &gt;Armut gibt es nicht&lt;, allerh&ouml;chstens als statistisches Kunstprodukt. &Uuml;brigens kann der Autor auf dieser Grundlage nicht mehr erkl&auml;ren, wie es kommt, dass die Armutsgrenze im 2. Armuts- und Reichtumsbericht noch bei 938 Euro lag, dagegen fiel diese im 3. Armuts- und Reichtumsbegriff um 157 Euro auf 781 Euro, obwohl gleichzeitig die &bdquo;Reichen reicher&ldquo; geworden waren (vgl. J. Bischoff 2008: Soziale Spaltung, in: Sozialismus Nr. 6).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] &bdquo;Die Besonderheit&ldquo;, dies wusste durchaus ein Soziologe fr&uuml;her mitzuteilen, &bdquo;der sozialstrukturellen Entwicklung in der Bundesrepublik ist der &gt;Fahrstuhleffekt&lt;: die &gt;Klassengesellschaft&lt; wird insgesamt eine Etage h&ouml;her gefahren. Es gibt &ndash; bei allen sich neu einpendelnden oder durchgehaltenen Ungleichheiten &ndash; ein kollektives Mehr an Einkommen, Bindung, Mobilit&auml;t, Recht, Wissenschaft, Massenkonsum.&ldquo; (U. Beck 1986: Risikogesellschaft, Frankfurt\/M., S. 122)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Diese denunziatorische Begrifflichkeit wird nicht mehr einmal in Anf&uuml;hrungszeichen gesetzt (und nicht in Beziehung mit der Einf&uuml;hrung des Privatfernsehens gebracht). Man kann davon ausgehen, dass es sich hierbei um eine absch&auml;tzige Distanzierungsmethode der &gt;neue Mitte&lt; handelt, die auch Bude erw&auml;hnt, aber leider nicht auf seine eigene Argumentation anwendet: &bdquo;Die Mitte ist von der Angst besessen, dass man sich &uuml;berall anstecken k&ouml;nnte. Es handelt sich um eine Krankheit, die ebenso als Teil der inneren Natur angesehen werden muss wie die Gesundheit.&ldquo; (ebd., 117) Denn, hier l&auml;sst sich der Autor zu einer Erkenntnis &uuml;ber die kapitalistische &Ouml;konomie hinrei&szlig;en, die er sonst wie der Teufel das Weihwasser meidet, die &bdquo;Renditeerwartungen des Kapitals lassen keinen Bereich aus und deshalb bieten weder Leistung noch Loyalit&auml;t Schutz. Im Zweifelsfall triumphieren K&auml;uflichkeit, Servilit&auml;t und Prostitution &uuml;ber Einsatz, Dienst und Stolz. Der Hauptsatz der Statuspanik lautet: In Zeiten des Turbokapitalismus kann es jeden treffen.&ldquo; (ebd., 117f.). Nebenbei frage ich mich, wie denn das &gt;Mittel- und Oberschichtenfernsehen&lt; aussieht: Solch &gt;niveausetzenden&lt; Sendungen wie Sabine Christiansen bzw. Anne Will oder Tagesschau? (vgl. W. van Rossum 2007: Die Tagesshow. Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht, Reinbek b. Hamburg; Ders. 2004: Meine Sonntage mit &gt;Sabine Christiansen&lt;. Wie das Palaver uns regiert, Reinbek. b. Hamburg)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Vgl. F. Schultheis\/K. Schulz (Hg) 2005: Gesellschaft mit begrenzter Haftung, Konstanz; G. Goettle 2000: Die &Auml;rmsten. Wahre Geschichten aus dem arbeitslosen Leben, Frankfurt\/M. Dem fr&uuml;heren neoliberalen &bdquo;Bild von der &gt;saturierten Mitte&lt; wird oft das Bild eines ebenso undifferenzierten, fl&auml;chendeckenden Trends zur Herausbildung einer &gt;neuen Unterklasse&lt; entgegengehalten, in der sich Tendenzen der Dequalifizierung, Verarmung, Anomie, Flexibilisierung am Arbeitsplatz, Fremdbestimmung und Aufl&ouml;sung sozialer Beziehungen zu einem Bild verdichten, das den Verelendungsszenarios des fr&uuml;hen 19. Jahrhunderts nahe kommt. Die Menschen erscheinen dann, wie im neoliberalen Szenario, als passiv leidende Agenten, denen nichts anderes &uuml;brig bleibt, als den neuen Anforderungen zu gen&uuml;gen (...)&ldquo;. Dieses neoliberale Szenario vergisst, &bdquo;dass die gro&szlig;e Mehrheit der Arbeitnehmer seit langem nicht mehr aus ohnm&auml;chtigen, gering qualifizierten, nur materiell interessierten und demoralisierten Proletariern besteht, sondern aus differenzierten, gut qualifizierten Milieus, die ihre Rechte kennen &ndash; und verteidigen.&ldquo; (M. Vester 2005: Der Wohlfahrtsstaat in der Krise. Die Politik der Zumutungen und der Eigensinn der Alltagsmenschen, in: F. Schultheis\/K.Schulz: Gesellschaft mit begrenzter Haftung, Konstanz, S.26ff.).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Entsprechend fehlt bei Bude z.B. jeder Hinweis nicht nur auf Demonstrationen und Proteste gegen Hartz IV durch die &gt;Ausgeschlossenen&lt;, sondern auch auf die Klagewelle gegen die Hartz IV-Beh&ouml;rden bzw. gegen Teile von Hartz IV, die Weigerung Ein-Euro-Jobs oder Niedriglohnjobs anzunehmen, den individuellen Gewalt- oder Wutausbr&uuml;chen gegen&uuml;ber Beh&ouml;rdenmitarbeitern, die unendlichen Versuche der Erwerbslosen beh&ouml;rdlich verwehrte Qualifizierungs- und Umschulungsma&szlig;nahmen zu bekommen usw. All dies und vieles andere passt nicht in die von Bude vorgegebene Schablone der tr&auml;gen, abh&auml;ngigen, passiven, verwahrlosten &gt;Ausgeschlossenen&lt;. Es ist ja gerade dieses nicht von der Machtelite erwartete Verhalten der &gt;Ausgeschlossenen&lt;, das die Politik und Medien sprichw&ouml;rtlich auf die Palme bringen. Entsprechend wird gehandelt: Hetzkampagnen gegen Erwerbslose, manipulierende und verdummende Fernsehsondersendungen und Zeitungsberichte bzw. Kommentare zu Anti-Hartz-Demonstrationen, Gesetze und Ausf&uuml;hrungsbestimmungen zu Hartz IV werden inzwischen monatlich versch&auml;rft, den Zugang zu Gerichten und die Inanspruchnahme der Prozesskostenhilfeunterst&uuml;tzung soll bzw. wurde schon eingeschr&auml;nkt usw. So sieht eben der von Bude begr&uuml;&szlig;te &gt;neue Wohlfahrtsstaat&lt; aus.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Vgl.: M. Hartmann 2002: Der Mythos von den Leistungseliten, Frankfurt\/M.; Ders. 2007: Eliten und Macht in Europa, Frankfurt\/M.; H.J. Krysmanski 2004: Hirten &amp; W&ouml;lfe, M&uuml;nster; Ders. 2007: Wem geh&ouml;rt die Europ&auml;ische Union, in: S. Wagenknecht (Hg): Armut und Reichtum heute, Berlin; Ders. 2007: Die Reichen von Heiligendamm, in: <a href=\"http:\/\/www.hjkrysmanski.de\">www.hjkrysmanski.de<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] All das unterstreicht die Richtigkeit jenes Res&uuml;mees, das Bottomore bereits vor fast vier Jahrzehnten gezogen hat, &gt;dass es der Oberklasse &hellip; gelungen ist, die Angriffe auf ihre wirtschaftlichen Interessen recht erfolgreich abzuwehren und sich in unserem Jahrhundert in dem Sinn als herrschende Klasse zu behaupten, dass sie die Macht besitzt, ihre Interessen zu verteidigen.&lt; Er f&uuml;gt dann noch die Bemerkung hinzu: &gt;Was sich in den demokratischen L&auml;ndern bis heute allem Anschein nach vollzogen hat, ist weniger eine Machtminderung der Oberklasse als eine Milderung des Radikalismus der Arbeiterklasse.&lt; (...). Mit dem st&auml;ndigen Verweis auf das Prinzip der &gt;Leistungsgerechtigkeit&lt; werden nicht nur die entscheidenden Karrierevorteile, die B&uuml;rgerkinder aufgrund ihrer Herkunft besitzen, vollkommen ignoriert, sondern es wird zugleich versucht, die daraus resultierenden, immer krasser werdenden Unterschiede in Macht und Einkommen &ouml;ffentlichkeitswirksam zu legitimieren. Es geht also im Kern um nichts anderes als das, was Bottomore die Verteidigung der Interessen der &gt;Oberklasse&lt; nennt.&ldquo; (M. Hartmann 2004, a.a.O, S. 180f.)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Dies muss sich nicht auf eine alternative Wirtschaftspolitik beschr&auml;nken, sondern beinhaltet auch die M&ouml;glichkeit f&uuml;r eine alternative Wirtschaftsordnung, was heutzutage viel zu selten diskutiert wird, dazu: H. Conert 1999: Alternative Wirtschaftspolitik &ndash; alternative Wirtschaft, in: Sozialismus, Nr. 9; vgl. M Szameitat 2008: Kapitalismus, Krise &amp; Keynes, in: Lunapark 21, Nr. 2, S. 37ff.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Unsere Gesellschaft steht vor einer tiefen Spaltung. Dieses Buch macht deutlich, warum wir uns vom Traum einer gerechten Gesellschaft verabschieden m&uuml;ssen. Immer mehr Menschen sind von den Segnungen des Wohlstands ausgeschlossen und haben keine Hoffnung, dass sich daran etwas &auml;ndert. 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