{"id":3493,"date":"2008-10-07T08:50:57","date_gmt":"2008-10-07T06:50:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3493"},"modified":"2015-11-09T14:59:23","modified_gmt":"2015-11-09T13:59:23","slug":"der-staudammwahn-der-tuerkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3493","title":{"rendered":"Der Staudammwahn der T\u00fcrkei"},"content":{"rendered":"<p>Das Ilisu-Staudammprojekt in der T&uuml;rkei steht weiter im Kreuzfeuer der Kritik. Die NachDenkSeiten haben &uuml;ber <a href=\"?p=3119\">die Hintergr&uuml;nde des Projektes<\/a> berichtet. Nun liegt ein weiterer Bericht der Expertenkommission vor, der den Status quo beschreibt und best&auml;tigt, dass die 153 Auflagen, an welche die Exportkredite gebunden sind, immer noch nicht erf&uuml;llt worden sind. Ungeachtet der Kritik plant die T&uuml;rkei  weitere Staudamm-Projekte und die Privatisierung von Fl&uuml;ssen, was zu heftigen Widerstand in der Bev&ouml;lkerung gef&uuml;hrt hat und noch f&uuml;hrt. Auch diese Projekte zeichnen sich aus durch unprofessionelles Vorgehen und nicht gekl&auml;rte Zust&auml;ndigkeiten. Die Exportkreditagenturen w&auml;ren gut beraten gewesen, wenn sie sich im Vorfeld &uuml;ber die Arbeitsweise der t&uuml;rkischen Beh&ouml;rden in Bezug auf die Staudammprojekte informiert h&auml;tten, vielleicht w&auml;re ihnen die Beteiligung zu riskant gewesen, denn bei genauer Betrachtung scheint die Vorgehensweise des Ilisu-Staudammprojektes keine bedauerliche Ausnahme zu sein.<br>\nVon Christine Wicht<br>\n<!--more--><\/p><p>Im Juni 2008 erkl&auml;rte die Bundesregierung, dass die Auflagen f&uuml;r den Bau des Ilisu-Staudamm in der T&uuml;rkei nicht verhandelbar seien. Nach Aussage einer Vertreterin des Bundesministeriums f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Juni 2008 vor dem Menschenrechtsausschuss m&uuml;ssten internationale Standards auf dem Gebiet der Umwelt, der Menschenrechte und des Denkmalschutzes eingehalten werden. Wenn die T&uuml;rkei ihre Zusagen nicht erf&uuml;llt, h&auml;tte dies ernsthafte Konsequenzen bis hin zum Ausstieg Deutschlands aus dem Projekt, so das BMZ. Der Ausschuss verlangte Auskunft &uuml;ber den Stand der Verhandlungen, nachdem eine internationale Expertenkommission festgestellt hatte, dass die T&uuml;rkei die Auflagen ignoriere. Am 27. Mai 2008 hat die Regierung in Ankara ein Investitionsprogramm mit einem Volumen von 12 Milliarden US-Dollar angek&uuml;ndigt, darin seien auch die Ausgaben f&uuml;r das Ilisu-Projekt enthalten.<\/p><p><strong>Parteien zeigen sich kritisch<\/strong><br>\nDie Tatsache, dass die T&uuml;rkei sich &uuml;ber die Vereinbarungen bislang hinwegsetze, machte Union und SPD &ldquo;nachdenklich&rdquo;. Die SPD fragte zudem nach dem Problem m&ouml;glicher regionaler Konflikte wegen Wasserknappheit. Alle Fraktionen erkundigten sich nach Fristen f&uuml;r die Einhaltung der Auflagen und dem m&ouml;glichen Ausstieg Deutschlands aus dem Projekt bei Nichterf&uuml;llung. Die T&uuml;rkei d&uuml;rfe sich nicht &ldquo;durchmogeln&rdquo;, so die FDP, die zudem nach den Auswirkungen des bisherigen Verhaltens der T&uuml;rkei auf den angestrebten EU-Beitritt fragte. Auch die Umsiedlungen und die Informationspolitik der t&uuml;rkischen Regierung gegen&uuml;ber der betroffenen Bev&ouml;lkerung interessierten die Abgeordneten. Nach Auskunft des Ausw&auml;rtigen Amtes seien zwar erste Enteignungen in dem Gebiet bereits eingeleitet. Doch sei noch niemand umgesiedelt worden. Zeitungsberichte, wonach 55.000 Menschen umgesiedelt werden sollten, seien nicht pr&auml;zise. Diese Zahl umfasse alle Betroffenen, die etwa Grundst&uuml;cke auf dem Baugebiet besitzen. &ldquo;Physisch&rdquo; umgesiedelt werden sollten hingegen 11.000 Personen. Entgegen einigen Medienberichten habe der Bau am eigentlichen Staudamm noch nicht begonnen. Zurzeit w&uuml;rden lediglich Vorbereitungsarbeiten wie der Bau von Zufahrtsstra&szlig;en verrichtet. Zu den m&ouml;glichen Wasserkonflikten in der Region infolge des Staudammbaus sagte das Ausw&auml;rtige Amt, die T&uuml;rkei habe ihren Nachbarn entsprechende Wassergarantien zugesichert. Die internationale Beteiligung an dem Projekt bezeichnete die Bundesregierung als Durchbruch. Damit w&uuml;rden entsprechende Standards auch beim Bau weiterer Staud&auml;mme in der T&uuml;rkei eingef&uuml;hrt. &ldquo;Wenn wir dabei sind, ist es f&uuml;r die Betroffenen besser, als wenn wir nicht dabei w&auml;ren&rdquo;, so das Fazit des Ausw&auml;rtigen Amtes.<\/p><p><strong>Aktueller Stand der Dinge<\/strong><br>\nAm 2. September 2008 hat die Nichtregierungsorganisation &bdquo;Erkl&auml;rung von Bern&ldquo; (EvB) eine Presseerkl&auml;rung zum aktuellen Stand des Staudammprojektes abgegeben (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.db-si.ch\/p25014556.html\">db-si.ch<\/a>). Der zweite Expertenbericht zum Staudamm im S&uuml;dosten der T&uuml;rkei decke T&auml;uschungen auf und fordere als Konsequenz ein Baumoratorium. Nach Meinung der Experten f&uuml;hre ein Festhalten am Beginn des Baus des Wasserkraftwerks im  Oktober zur Verarmung und Vertreibung von etwa 65.000 Menschen, deshalb fordern die Autoren ein Baumoratorium von mindestens 3 Jahren.<\/p><p><strong>Kurzer R&uuml;ckblick<\/strong><br>\nIm Oktober 2006 hatten die Exportkreditagenturen (ECA) von Deutschland, &Ouml;sterreich und der Schweiz mit der T&uuml;rkei vertraglich festgelegt, dass die Deckung von europ&auml;ischen Lieferungen an das Ilisu-Kraftwerk von der Erf&uuml;llung von 153 Auflagen abh&auml;ngt, die das Projekt in Einklang mit internationalen Staudamm-Standards bringen. Ein Expertengremium wurde beauftragt, die Einhaltung dieser Auflagen der ECA zu &uuml;berpr&uuml;fen, bereits im Februar 2008 stellten diese Experten fest, dass nur wenige Auflagen erf&uuml;llt waren, worauf die Kreditagenturen mit Vertragsk&uuml;ndigung drohten.<br>\nDie T&uuml;rkei erstellte einen neuen Zeitplan. <\/p><p><strong>Aktueller Expertenbericht<\/strong><br>\nIn seinem zweiten Bericht weist das Team des Weltbankexperten Prof. Michael Cernea nach, dass es seither kaum Verbesserungen gab. Den Betroffenen drohe Verarmung, Verelendung und Isolation. Immer noch g&auml;be es kein alternatives Ackerland f&uuml;r die Menschen der 185 D&ouml;rfer, die umgesiedelt werden m&uuml;ssten, und auch mit den &uuml;berf&auml;lligen Existenzsicherungsma&szlig;nahmen sei noch nicht einmal begonnen worden. Diese m&uuml;ssten laut Weltbankstandards aber anlaufen, bevor mit dem Bau begonnen werde. Allein deren Planung dauere bei derartigen Dimensionen mindestens 3 bis 6 Jahre. Die Vorbereitungen sind laut Bericht von derart geringer Qualit&auml;t, dass, daran gemessen, selbst der &bdquo;Drei Schluchten Damm&ldquo; in China, bisher Sinnbild f&uuml;r Gr&ouml;&szlig;enwahn und R&uuml;cksichtslosigkeit, sorgf&auml;ltiger konzipiert gewesen sei.<\/p><p><strong>T&auml;uschungsversuche der Dammbaubeh&ouml;rde<\/strong><br>\nDes Weiteren deckten die Experten T&auml;uschungsversuche der Dammbaubeh&ouml;rde DSI auf. So seien beispielsweise wichtige Auflagen im neuen Zeitplan einfach unterschlagen worden. Andere Ma&szlig;nahmen seien als erf&uuml;llt gemeldet worden, die in Wahrheit jedoch nicht realisiert waren. Die Experten vermuten die Gr&uuml;nde in grundlegenden systemischen Problemen im t&uuml;rkischen Regierungssystem. Alle Warnungen ignorierend, habe die DSI im Januar dennoch mit dem Bau von Zufahrtsstra&szlig;en begonnen, mit milit&auml;rischen Sicherungen und der Erstellung von Unterk&uuml;nften f&uuml;r die Arbeiter. Zwei D&ouml;rfer seien bereits ohne ausreichende Entsch&auml;digung enteignet worden. <\/p><p>Nach Ansicht der &bdquo;Erkl&auml;rung von Bern&ldquo; (EvB), die vor Ort war, ignorieren die t&uuml;rkische Beh&ouml;rden nicht nur alle Ratschl&auml;ge zum Schutz von Menschen, Umwelt und Kultur, sondern w&uuml;rden dar&uuml;ber hinaus ihre europ&auml;ischen Partner vors&auml;tzlich t&auml;uschen, da f&uuml;r 65.000 Menschen bisher kein neues Acker- und Wohnland gefunden wurde und nur unzureichende Entsch&auml;digungen gezahlt w&uuml;rden, &bdquo;dies erf&uuml;lle den Tatbestand der Vertreibung&ldquo;, stellte die EvB-Expertin Christine Eberlein fest. Deshalb m&uuml;sse die Schweizer Regierung sofort die Ausstiegsklausel der Kreditgarantie aktivieren. <\/p><p>Wie sich Staud&auml;mme auf die Umwelt und die Belange der Bev&ouml;lkerung auswirken, haben bereits Maude Barlow und Tony Clarke in ihrem Buch &bdquo;Blaues Gold&ldquo; (Kunstmann-Verlag 2003, Seite 88) ausf&uuml;hrlich beschrieben: <\/p><blockquote><p>Die k&uuml;nstliche Bew&auml;sserung konnte weltweit nur deshalb so enorm zunehmen, weil immer mehr riesige Staud&auml;mme gebaut werden. Das Leid, das den betroffenen Menschen mit solchen Gro&szlig;projekten zugef&uuml;gt wird, ist ebenso gro&szlig; wie der Schaden f&uuml;r die Umwelt. Sch&auml;tzungsweise 60 bis 80 Millionen Menschen wurden weltweit in den vergangenen 60 Jahren wegen des Baus von Staud&auml;mmen umgesiedelt. Diese Heerscharen von &bdquo;Outstees&ldquo; (Beraubte, Vertriebene), wie man sie in Indien nennt, wurden ihrer sozialen Gemeinschaften, ihrer Lebensgrundlagen und ihrer angestammten Heimat beraubt, so dass sie nun kulturell, wirtschaftlich und emotional entwurzelt sind &ndash; eine Problematik, die dem International Rivers Network nur allzu vertraut ist. Dieser Organisation mit Sitz in den Vereinigten Staaten ist zu verdanken, dass die Vereinten Nationen eine Kommission zur Untersuchung von Staudammprojekten eingesetzt hat. Laut Patrick McCully, einem Mitglied des Netzwerks, erhielten zwangsumgesiedelte Familien oftmals nur eine geringf&uuml;gige oder &uuml;berhaupt keine Entsch&auml;digung und Millionen ehemals unabh&auml;ngige Bauernfamilien endeten in den Slums am Rand der wuchernden Gro&szlig;st&auml;dte in der Dritten Welt. Und hierbei sind nicht einmal die Millionen  Menschen ber&uuml;cksichtigt, die weiterhin in der N&auml;he der Megastaud&auml;mme leben, aber ebenfalls eingeschr&auml;nkt sind.<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Wasserpolitik der T&uuml;rkei<\/strong><br>\nObwohl das Staudammprojekt nach wie vor in der Kritik steht und nicht vorankommt, plant die t&uuml;rkische Regierung f&uuml;r das Jahr 2009 die Privatisierung einiger Fl&uuml;sse des Landes. Bereits im August letzten Jahres berichtete die Turkish daily news, dass die t&uuml;rkische Regierung eine L&ouml;sung gegen die Wasserknappheit gefunden habe, indem Nutzungsrechte der Gew&auml;sser f&uuml;r 49 Jahre an internationale Konzerne verkauft werden (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.turkishdailynews.com.tr\/article.php?enewsid=79800\">Turkish Daily News<\/a>). Im letzten Jahr war der Verkauf von 12-13 Fl&uuml;ssen im Gespr&auml;ch, die dem Staat gesch&auml;tzte 3 Milliarden US-Dollar einbringen sollen. Die Regierung plante eine Ausschreibung und das Unternehmen, welches die Staud&auml;mme am g&uuml;nstigen und am schnellsten baut, sollte den Zuschlag erhalten. Der Plan hat jedoch die Frage aufgeworfen, ob es verfassungskonform ist, Allgemeingut zu ver&auml;u&szlig;ern. Die Privatisierung soll nicht nur Bau und Betrieb von Kraftwerken umfassen, die als &bdquo;Beitrag zum Klimaschutz&ldquo; propagiert werden, sondern auch die Kommerzialisierung von Wasserwerken beinhalten, womit die Trinkwasserversorgung in den H&auml;nden von privaten Investoren l&auml;ge. <\/p><p><strong>Ungekl&auml;rte Zust&auml;ndigkeiten und Verwirrung &uuml;ber Autorit&auml;ten<\/strong><br>\nTurkish daily news berichtete im August 2008, dass die Regierung seit 2007 laufend Konzessionen f&uuml;r Projekte an private Unternehmen vergebe, zu Begr&uuml;ndung wurde angegeben, dass damit die wachsenden Energiebed&uuml;rfnisse der T&uuml;rkei befriedigt werden sollten. Die Anwohner erfuhren von den Vorhaben erst als Vermessungen im geplanten Staudammgebiet vorgenommen wurden. Als Planierraupen anr&uuml;ckten und B&auml;ume niederwalzten, gingen die Bewohner zum B&uuml;ro des Gouverneurs und zur lokalen Wasserbeh&ouml;rde. Die Wasserbeh&ouml;rde argumentierte, dass sie lediglich die Machbarkeitsstudie genehmigt habe. Die zentrale Wasserbeh&ouml;rde, die den Vertrag geschlossen hat, sollte die Verantwortung &uuml;bernehmen. In der Verwirrung &uuml;ber Autorit&auml;ten und Zust&auml;ndigkeiten wusste weder das Ministerium noch die Energieregulierungsbeh&ouml;rde, EPDK, wo die Verantwortungen beginnen und wo sie enden. Tausende B&uuml;rger wehren sich mittlerweile gegen die Staud&auml;mme, da sie eine Zerst&ouml;rung ihres Lebensraums bef&uuml;rchten. Dar&uuml;ber hinaus engagieren sich Gewerkschaften, Berufsverb&auml;nde, linke Parteien, das Sozialforum T&uuml;rkei und NGOs wie &bdquo;su politic&ldquo; gegen die Wasserprivatisierung. Das Ausma&szlig; der Schlamperei wurde offenkundig, nachdem bekannt wurde, dass das Ministerium vergessen hatte, Durchf&uuml;hrungskontrollen vorzusehen. <\/p><p>Als das Ministerium begonnen hatte, den Hinweisen aus der Bev&ouml;lkerung nachzugehen, stellte sich heraus, dass die privaten Betreiber mit der Ausf&uuml;hrung von 726 der insgesamt 1127 Projekte bereits begonnen hatten, was bedeutet, dass es f&uuml;r Proteste in diesen F&auml;llen bereits zu sp&auml;t war. Selbst das von der UNESCO gesch&uuml;tzte Biosp&auml;hrenreservat Macahel wurde zur Vermarktung freigegeben, ebenfalls das gesch&uuml;tzte Paparttal, obwohl das Wasser in trockenen Sommer nur f&uuml;r einen Teil der dort ans&auml;ssigen Menschen reicht. Die betroffenen B&uuml;rger der Regionen haben bereits Klage eingereicht und weisen in Protestversammlungen darauf hin, dass die T&auml;ler durch die Staud&auml;mme ausgetrocknet werden.<\/p><p>Nichtsdestotrotz halten die Beh&ouml;rden an ihrer &Uuml;berzeugung fest, dass kleine D&auml;mme der Natur nicht schaden. In den Machbarkeitsstudien wurde festgestellt, dass dem Lebensraum nach dem Staudammprojekt gen&uuml;gend Wasser bliebe,  um zu &uuml;berleben, aber es wurde nicht festgestellt, wie viel Wasser &uuml;berhaupt vorhanden ist. Wissenschaftler, die von der Widerstandsbewegung mit der Pr&uuml;fung der Sachlage beauftragt wurden, kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass die Kraftwerke das nat&uuml;rliche Gleichgewicht st&ouml;ren werden. Ein Beamter, der seinen Namen nicht nennen wollte, &auml;u&szlig;erte die Bef&uuml;rchtung, dass diese Projekte Wasserkriege verursachen k&ouml;nnen. Wenn Flussl&auml;ufe trocken fallen, weil die Kraftwerksbetreiber das Wasser bereits an der Quelle auffangen und der Natur und den Anwohnern komplett entziehen. Die Betreiber werben mit Arbeitspl&auml;tzen, was jedoch nur f&uuml;r die Bauzeit gilt, nach der Fertigstellung der Staud&auml;mme haben die Menschen weder Arbeit noch Wasser.  (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.turkishdailynews.com.tr\/article.php?enewsid=112961\">Turkish Daily News<\/a>). <\/p><p>Des Weiteren planen international agierende Investoren bis zum Jahr 2011, im Rahmen des GAP-Projekts (G&uuml;neydo&#287;u Anadolu Projesi in S&uuml;dostanatolien), zudem auch der Ilisu-Staudamm geh&ouml;rt, weitere D&auml;mme und Wasserkraftwerke in den Provinzen Siirt (Ostanatolien) und Bitlis (Anatolien) zu realisieren. Jedes der geplanten Kraftwerke umfasst ein Investitionsvolumen von  400 Millionen US Dollar. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.turkishdailynews.com.tr\/article.php?enewsid=105158\">Turkish Daily News<\/a>). <\/p><p><strong>Parallelen zum Blaumilchkanal<\/strong><br>\nIn Ephraim Kishon&rsquo;s Satire &bdquo;Blaumilchkanal&ldquo;, steht Kasimir Blaumilch, im Mittelpunkt der Geschichte. Blaumilch, ein aus der Psychiatrie geflohener Geisteskranker, rei&szlig;t mit einem Presslufthammer die wichtigste Hauptverkehrsstra&szlig;e in Tel Aviv auf. Die Anwohner beschweren sich bei der Beh&ouml;rde &uuml;ber den ununterbrochenen L&auml;rm, die in infolgedessen eine umfangreiche, jedoch ergebnislose Ursachenforschung in die Wege leitet. Die Beteiligten der Stadtverwaltung und des Bauministeriums schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Letztendlich landet die Angelegenheit vor dem Gericht, das die Peinlichkeit so schnell wie m&ouml;glich beenden will und einen Bautrupp zur Baustelle abkommandiert. W&auml;hrend der gerichtlichen Auseinandersetzung erreicht Blaumilch mit seinem Presslufthammer jedoch das Meer und die Wassermassen str&ouml;men in die Stadt. Um noch einen eleganten Ausweg aus der Misere zu finden, er&ouml;ffnet der B&uuml;rgermeister den neuen Innenstadtkanal und preist Tel Aviv als &ldquo;Venedig des Nahen Ostens&rdquo;, damit ist f&uuml;r alle eine akzeptable L&ouml;sung gefunden. Benzion Ziegler durchschaut als einziger den absurden Hintergrund der Bauarbeiten, weil aber die B&uuml;rger der Stadt vor Begeisterung &uuml;ber den Kanal blind sind, glaubt ihm niemand und er wird in die Psychiatrie eingeliefert. Blaumilch hingegen verschwindet unerkannt. Die Geschichte vom Blaumilchkanal erinnert an die beschriebenen Staudammprojekte, Beamte haben keine Ahnung, B&uuml;rger werden nicht informiert und beschweren sich, Zust&auml;ndigkeiten sind nicht gekl&auml;rt und die Beh&ouml;rden schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. <\/p><p>Die Forderung der EvB an die beteiligten Unternehmen und Institutionen, Gro&szlig;staud&auml;mme nur dann zu bauen, wenn sie das Wohlergehen der betroffenen Menschen nachhaltig verbessern und R&uuml;cksicht auf die Erhaltung der biologischen und kulturellen Vielfalt genommen wird, kn&uuml;pft an die Empfehlungen der Weltstaudammkommission an, die einen konstruktiven und innovativen Weg zur Entscheidungsfindung auf Basis der f&uuml;nf folgenden Grundwerte entwickelt hat: Effizienz, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, partizipative Entscheidungsfindung und Rechenschaftspflicht. Diesen Empfehlungen ist nichts hinzuzuf&uuml;gen, es bleibt nun die Frage offen, welche unabh&auml;ngige Institution die Empfehlungen weltweit zu zwingenden Auflagen erkl&auml;ren und deren Einhaltung &uuml;berpr&uuml;fen und kontrollieren soll. Und vor allem bleibt die Frage, wer die Kreditgeber dazu zwingen kann, bei Nichteinhaltung ihre Kredite zu sperren.<\/p><p>Den Geld scheint das einzige Druckmittel zu sein, auf das die t&uuml;rkischen Beh&ouml;rden reagieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ilisu-Staudammprojekt in der T&uuml;rkei steht weiter im Kreuzfeuer der Kritik. Die NachDenkSeiten haben &uuml;ber <a href=\"?p=3119\">die Hintergr&uuml;nde des Projektes<\/a> berichtet. Nun liegt ein weiterer Bericht der Expertenkommission vor, der den Status quo beschreibt und best&auml;tigt, dass die 153 Auflagen, an welche die Exportkredite gebunden sind, immer noch nicht erf&uuml;llt worden sind. 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