{"id":34952,"date":"2016-09-12T11:52:01","date_gmt":"2016-09-12T09:52:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34952"},"modified":"2023-05-31T15:05:51","modified_gmt":"2023-05-31T13:05:51","slug":"wider-die-alltaegliche-indoktrination","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34952","title":{"rendered":"Wider die allt\u00e4gliche Indoktrination"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160912_ChristianKreiss.jpg\" alt=\"Christian Krei&szlig;\" title=\"Christian Krei&szlig;\"><\/div><p>Von Beginn ihrer Arbeit an &uuml;ben die NachDenkSeiten Medienkritik und leisten Aufkl&auml;rung &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/buch\/252752\/meinungsmache\">Meinungsmache<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/buch\/186419\/die-reformluege\">Reforml&uuml;gen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/buch\/189510\/machtwahn\">den Machtwahn von Eliten und Politik<\/a>. Seit kurzem ver&ouml;ffentlichen sie auch eine regelm&auml;&szlig;ige <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=102\">Video-Serie<\/a> zu den Methoden der Manipulation. Eben solche kritisiert auch der Wissenschaftler <strong>Christian Krei&szlig;<\/strong> in seinem soeben erschienenen Buch &ndash; und wendet sich damit gegen die allt&auml;gliche Indoktrination und Manipulation unseres Geistes durch die Werbeindustrie. Er fordert, dieser mit gesellschaftlichen Ma&szlig;nahmen Beschr&auml;nkungen aufzuerlegen. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach mit ihm zu seiner These, nach der Werbung ausschlie&szlig;lich den Unternehmen und ihren Gewinnen n&uuml;tzt, f&uuml;r die Gesellschaft als solche und insbesondere ihre &bdquo;Schwachen&ldquo; jedoch nur von Schaden ist.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Krei&szlig;, soeben erschien Ihr neues Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.europa-verlag.com\/buecher\/werbung-nein-danke\/\">Werbung &ndash; nein danke<\/a>&ldquo;. Warum ein solches Buch? Was haben Sie gegen gewerbliche Information?<\/strong><\/p><p>Es geht im Folgenden ausschlie&szlig;lich um kommerzielle Werbung gewinnorientierter Unternehmen, also nur um Werbung zu Profitzwecken. Es geht nicht um Bekanntmachungen oder Werbung f&uuml;r kulturelle, politische, beh&ouml;rdliche oder &auml;hnliche Zwecke. Es geht nicht um Werbung f&uuml;r Non-Profit-Organisationen, NGOs oder andere Institutionen, die allgemeinmenschliche, gemeinn&uuml;tzige oder altruistische Ziele verfolgen.<\/p><p>Das vorangestellt m&ouml;chte ich Ihre Frage gern mit einem Gleichnis beantworten. Nehmen wir also beispielsweise einmal an, Robinson Crusoe w&uuml;rde mit vier weiteren Leidensgenossen auf eine einsame Insel verschlagen. Er selbst &uuml;bern&auml;hme dabei das Angeln, ein anderer das Herstellen von Kleidung und Schuhen, der Dritte bestellte die Felder und der Vierte sorgte f&uuml;r Hausbau, Haushalt und &auml;hnliches. Der F&uuml;nfte hingegen &uuml;bern&auml;hme die Aufgabe, f&uuml;r jeden der vier anderen bei den jeweils drei anderen Marketing und Werbung zu machen. Wieviel w&uuml;rde der F&uuml;nfte dabei zum Wohle aller beitragen? Nichts. Denn er produziert nur bunte Bilder und flotte Spr&uuml;che statt reale Sachen. Die anderen vier m&uuml;ssen ihn aber mit durchf&uuml;ttern, kleiden usf. Werbung vermindert also real unseren Lebensstandard. Sie verteuert die Produkte, weil ihre Kosten auf das Produkt aufgeschlagen werden.<\/p><p><strong>Aber in der wirklichen Welt informiert uns Werbung doch und sorgt so daf&uuml;r, dass wir Kunden die f&uuml;r uns besten Produkte und Dienstleistungen bekommen. Sie wissen schon: Der Homo Oecomomicus und der umf&auml;nglich transparente Markt&hellip;<\/strong><\/p><p>Glauben Sie das im Ernst? Schauen Sie sich doch nur einmal eine typische Fernseh- oder Plakatwerbung an: &bdquo;Jetzt ein Pils!&ldquo; Was erfahren wir da &uuml;ber Preis, Alkohol-, Kaloriengehalt usw.? Nichts. Oder &bdquo;Freude am Fahren&ldquo;. Was lernen wir hier &uuml;ber Spritverbrauch, Beschleunigung, PS, Preis usf.?  Nichts. Oder &bdquo;Maybe never wrote a song&ldquo;. Auf dem Bild ist nicht mal eine Zigarette drauf. Keine Info, nirgends. Und das gilt f&uuml;r &uuml;ber 90 Prozent aller kommerziellen Werbung. <\/p><p>Studien, Lehrb&uuml;cher und Fachleute sind sich einig: Der Informationsgehalt von Werbung liegt praktisch bei Null. Stattdessen geht es um emotionale Botschaften, die nichts mit Information zu tun haben, sondern auf unsere Affekte abzielen und uns, wenn Sie so wollen, auf diesem Wege zum Kauf anregen und also zu manipulieren versuchen. <\/p><p>Ich wei&szlig; nicht, wie das M&auml;rchen in die Welt gekommen ist, Werbung w&uuml;rde informieren oder dies auch nur versuchen. Mit der Realit&auml;t hat es jedenfalls wenig gemein. <\/p><p><strong>Werbung &bdquo;manipuliert&ldquo;? Wodurch genau?<\/strong><\/p><p>Nun, eines der bekanntesten Beispiele d&uuml;rften ja die lila K&uuml;he sein: Bei einem Malwettbewerb in Bayern vor einigen Jahren malten 30 Prozent von 40.000 Kindern K&uuml;he lila aus, genau wie in der Reklame von Milka. Das zeugt von einer durchschlagend erfolgreichen Marketing-Kampagne. <\/p><p>Ein anderes Beispiel: Von einem Marketinginstitut wurde Frauen dasselbe Waschmittel in drei verschiedenen Verpackungen gegeben, gelb, blau und gelb mit blauen Tupfen. Die Frauen waren sich einig, dass das Waschmittel mit den Farbtupfen mit Abstand das Beste sei. Das spricht B&auml;nde. <\/p><p>Verhaltenswissenschaftliche Untersuchungen zeigen, wie leicht Menschen beeinflussbar sind. Ein Beispiel von Daniel Kahneman: In zwei Studentenzeitungen wurden &uuml;ber mehrere Wochen hinweg auf den Titelseiten wie in einer Anzeigenserie f&uuml;nf Fantasieworte mit unterschiedlicher H&auml;ufigkeit &ndash; zwischen einmal und f&uuml;nfundzwanzigmal &ndash; abgedruckt. Danach wurden die Studenten befragt, ob die Worte etwas Gutes oder Schlechtes bedeuteten. Die Ergebnisse waren spektakul&auml;r: Je h&auml;ufiger die Worte erschienen waren, desto positiver wurden sie von den Studenten beurteilt. In Folgestudien stellte sich heraus, dass das Erzeugen einer positiven Stimmung sogar besser funktioniert, wenn die Eindr&uuml;cke unbewusst aufgenommen werden. <\/p><p>Und genau diese Tricks werden selbstverst&auml;ndlich von der Werbeindustrie ausgenutzt: massenhafte Wiederholung, sch&ouml;ne Bilder, tiefe empathische Sprecherstimme, Wohlf&uuml;hlmusik im Hintergrund usw. Hier werden alle Register gezogen, um eine positive Stimmung zu erzeugen und den Absatz anzukurbeln. Mit Erfolg. Diese Tricks, die auch bei Propaganda angewendet werden, wirken. Wie gut das wirkt, hat ja schon Edward Barnays 1928 eindrucksvoll beschrieben.<\/p><p>A propos Beeinflussungstricks: Praktisch alle unabh&auml;ngigen Studien zeigen, dass Werbeausgaben die Darstellung in den Medien verzerren, weil man &uuml;ber die Finanziers ungern Kritisches berichtet, sonst ziehen sie ihre Werbeausgaben zur&uuml;ck. Dazu gibt es Dutzende von Beispielen. Nach dem Motto &bdquo;Die Hand, die mich f&uuml;ttert, bei&szlig;e ich nicht&ldquo; oder &bdquo;Wess&lsquo; Brot ich ess&lsquo;, dess&lsquo; Lied ich sing&ldquo; wird die Presse umso unfreier, je mehr Werbegelder flie&szlig;en. Es ist ein M&auml;rchen, dass Werbung freie Presse erm&ouml;glicht. Das Gegenteil ist wahr. Kommerzielle Werbung beeintr&auml;chtigt unsere Pressefreiheit.<\/p><p><strong>Aber wenn Werbung so wenig informiert und zudem manipulativ ist, warum gibt es dann so viel davon?<\/strong><\/p><p>Das ist ganz einfach. Der Spruch &bdquo;Wer nicht wirbt, stirbt&ldquo; stimmt f&uuml;r viele Unternehmen. F&uuml;r einzelne Unternehmen ist es daher durchaus vern&uuml;nftig, Werbung zu schalten, kollektiv oder volkswirtschaftlich gesehen ist es dagegen Unsinn. <\/p><p>Ein Beispiel: Nehmen wir an, BMW und Mercedes haben 6 Milliarden Euro Gewinn pro Jahr und &uuml;berlegen, wie viel Marketing sie machen sollen. Falls beide die Werbung einstellen w&uuml;rden, h&auml;tte jeder 9 Milliarden Euro Gewinn, weil dann die hohen gewinnmindernden Werbeaufwendungen wegfallen. Wenn aber nur einer von beiden die Werbung einstellt, verliert er Marktanteile und der Gewinn bricht ein, w&auml;hrend der, der weiter wirbt, triumphiert und h&ouml;here Gewinne macht. <\/p><p>Kollektiv betrachtet w&auml;re es daher vern&uuml;nftig, Werbung einzustellen. Derjenige, der damit beginnt, wird f&uuml;r dieses vern&uuml;nftige Verhalten aber vom Markt bestraft. Die Wettbewerber sind daher gefangen in einer Situation, die beide zu unvern&uuml;nftigem Verhalten treibt. Die &Ouml;konomen sprechen in diesem Zusammenhang vom Gefangenendilemma. Alle solche kompetitive Werbung, bei der es nur um Marktanteile geht, ist also gesamtwirtschaftlich betrachtet kontraproduktiv.<\/p><p><strong>Ist das Ihre Privatmeinung oder sehen das andere &Ouml;konomen auch so?<\/strong><\/p><p>Das ist eine alte volkswirtschaftliche Erkenntnis. Einige sehr bekannte &Ouml;konomen haben schon vor Jahrzehnten darauf hingewiesen, dass kompetitive, also nur um Marktanteile k&auml;mpfende Werbung Unsinn ist, die man verbieten oder hoch besteuern sollte, insbesondere die beiden britischen Klassiker Marshall und Pigou. Reine Ressourcenverschwendung. <\/p><p>Da heute vermutlich 80 Prozent oder mehr aller Werbung kompetitive Werbung ist, k&ouml;nnten wir also diesen Unsinn problemlos einstellen. Da ginge es uns allen besser. Leider sind diese ausgezeichneten Einsichten ber&uuml;hmter &Ouml;konomen aber vollkommen in Vergessenheit geraten.<\/p><p><strong>Nun, gesetzt, dass sie gesamtwirtschaftlich nicht besonders sinnvoll ist, ist Werbung doch zumindest h&auml;ufig witzig, kreativ und unterhaltsam?<\/strong><\/p><p>Finden Sie? Werbeprofis sehen das anders. Der gr&ouml;&szlig;te Teil der Werbung besteht aus endlosen Wiederholungen. Und wie stark lacht man schon &uuml;ber einen Witz, wenn man ihn zum zwanzigsten Mal h&ouml;rt? Aber die Abgedroschenheit und Auswechselbarkeit der meisten Werbeclips ist nur die eine Seite. Ein gro&szlig;er Teil der Werbung ist au&szlig;erdem aktiv sch&auml;dlich f&uuml;r uns.<\/p><p><strong>Wie bitte?<\/strong><\/p><p>Ja, sch&auml;dlich. Das pr&auml;gnanteste Beispiel: Tabakwerbung wendet sich ganz &uuml;berwiegend an Jugendliche, weswegen wohl auch weit &uuml;ber 90 Prozent aller Raucher bereits als Teenager zu rauchen beginnen. Die Tabakindustrie bricht systematisch und st&auml;ndig ihre Selbstverpflichtungserkl&auml;rung, sich nicht an Jugendliche zu wenden. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r Alkohol. <\/p><p>Und da m&uuml;ssen wir uns als Gesellschaft dann schon die Frage stellen: Wollen wir wirklich unsere Jugend dazu auffordern, mehr zu rauchen und zu trinken? Macht das Sinn? L&ouml;st das Probleme? Hilft es wem &ndash; au&szlig;er nat&uuml;rlich den Industriegewinnen? <\/p><p>Oder denken Sie etwa an die Lebensmittelwerbung f&uuml;r Kinder. Da wird praktisch ausschlie&szlig;lich Ungesundes beworben: Cola, Eis, Schokolade, Gummib&auml;rchen, Pommes usw. Wollen wir das wirklich? Wollen wir unseren Kindern st&auml;ndig pr&auml;chtige Bilder von ungesunden Lebensmitteln vor die Nase halten? <\/p><p>Und auch Kosmetikwerbung l&uuml;gt systematisch: Praktisch alle in der Kosmetikwerbung verwendeten Bilder sind digital &uuml;berarbeitet, also gesch&ouml;nt, oder besser gesagt: gef&auml;lscht. <\/p><p>Vielleicht am Schlimmsten ist aber wohl die <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/46\/46165\/1.html\">Werbung f&uuml;r Medikamente<\/a>. Praktisch alle unabh&auml;ngigen Fachleute sind sich einig, dass Pharmawerbung zu einer gezielten Verwirrung und Untergrabung der evidenzbasierten Medizin f&uuml;hrt, sodass man Medikamentenwerbung einfach verbieten sollte. <\/p><p>Kurz: Die allermeiste Werbung f&uuml;hrt Verbraucher gezielt in die Irre.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/2Z0yHWLA9EU?rel=0&amp;controls=0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center\"><strong>Top Zehn: Die zehn gr&ouml;&szlig;ten Werbel&uuml;gen<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Das ist harter Tobak. Gibt es handfeste Belege hierf&uuml;r?<\/strong><\/p><p>Meterweise. Nehmen wir nur den Marlboro-Mann, der &uuml;ber vierzig Jahre f&uuml;r Philip Morris ritt: Was hat Rauchen mit Reiten in der Wildnis zu tun? Gar nichts. Das ist ein vollkommen willk&uuml;rlicher Zusammenhang, der da schlau hergestellt wird. Fachleute sprechen da vom &bdquo;fundamentalen Attributionsirrtum&ldquo; der Werbung. Auf dem beruht der Gro&szlig;teil der Werbung. <\/p><p>Irgendwelche sch&ouml;nen Dinge werden mit irgendwelchen beworbenen Gegenst&auml;nden zusammengespannt, obwohl sie nichts miteinander zu tun haben. Was haben etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, unsere Fu&szlig;ball-Nationalelf mit Nutella oder Thomas Gottschalk mit Haribo-Gummib&auml;rchen zu tun? Wer Geld hat, kauft sich einfach Prominente f&uuml;r seine Produkte. Das ist Irref&uuml;hrung &ndash; und zwar ganz gezielt.<\/p><p>Au&szlig;erdem ist Werbung per se einseitig. Sie spricht ausschlie&szlig;lich von der Sonnenseite der Produkte, von den Vorz&uuml;gen und verschweigt systematisch die Schattenseiten und Nachteile. Ihr Grundprinzip sind dabei Viertel- oder Zehntelwahrheiten. Auch wenn das keine L&uuml;gen sind, f&uuml;hrt das systematische Unterdr&uuml;cken bestimmter Eigenschaften gleichwohl strukturell in die Irre. Und auch das ist gewollt. <\/p><p>Wie sagte schon vor Jahrzehnten einmal eine f&uuml;hrende Marketingfrau so sch&ouml;n? Sie sagte, dass die Suche nach ehrlicher und aufrichtiger Werbung so etwas w&auml;re wie die Suche nach einer Kontaktlinse im Swimmingpool.<\/p><p><strong>Viertelwahrheiten und Einseitigkeit sind aber keine L&uuml;gen.<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich, da haben Sie recht. Es gibt zwar auch einige Werbeaussagen, die schlichtweg L&uuml;gen sind, zum Beispiel in Chatforen, wo Konzerne L&uuml;gen verbreiten bzw. verbreiten lassen, die sie erfundenen Anwendern in den Mund legen. Aber das ist die Ausnahme, denn L&uuml;gen ist meistens gef&auml;hrlich; wird man erwischt, ist der &Auml;rger wom&ouml;glich gro&szlig;. <\/p><p>Allerdings schreckt selbst der deutsche Werbeverband <a href=\"http:\/\/www.zaw.de\/\">ZAW<\/a> meiner Meinung nach nicht davor zur&uuml;ck, wissenschaftliche Ergebnisse zu f&auml;lschen und dadurch L&uuml;gen zu verbreiten. <\/p><p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p><p>Der ZAW schreibt auf seiner Homepage, dass in der kanadischen Region Quebec, in der Lebensmittelwerbung f&uuml;r Kinder seit 25 Jahren verboten ist, der Anteil &uuml;bergewichtiger Kinder genauso hoch ist wie in anderen Teilen Kanadas, in denen Werbung erlaubt ist, und will damit beweisen, dass Werbeverbote nichts bringen. Dazu zitiert der ZAW einen wissenschaftlichen Aufsatz aus der Zeitschrift Obesity Research. Die Aussagen des ZAW finden sich allerdings nirgendwo in der angef&uuml;hrten wissenschaftlichen Quelle. Die Zahlen in dem Aufsatz zeigen sogar genau das Gegenteil der vom ZAW behaupteten Aussagen: Seit Einf&uuml;hrung des Werbeverbotes sind die Zuwachsraten von &uuml;bergewichtigen Kindern in Quebec viel niedriger als in den Provinzen, wo Kinderwerbung erlaubt ist. Meiner Meinung nach l&uuml;gt bzw. f&auml;lscht der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft e.V. an dieser Stelle. Das habe ich in meinem Buch detailliert herausgearbeitet.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/LL5aiYnnOYI\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center\"><strong>Foodwatch: 6 bittere Fakten &uuml;ber Cola und Co.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Aber Werbung schafft und sichert doch Arbeitspl&auml;tze &hellip; oder nicht? <\/strong><\/p><p>Das mag schon sein. Arbeit ist aber kein Selbstzweck, sondern soll einen gesellschaftlichen Wert erzeugen. L&ouml;cher ausheben und wieder zusch&uuml;tten schafft auch Arbeitspl&auml;tze. Nur was f&uuml;r welche? Und mit welchem Nutzen f&uuml;r die Gesamtgesellschaft?<\/p><p>Das Gleiche gilt f&uuml;r Arbeitspl&auml;tze in der Werbebranche. Welchen gesellschaftlichen Wert schafft Werbung? Bunte Bilder und flotte Spr&uuml;che, die die Leute bel&auml;stigen und systematisch desorientieren, ja, irref&uuml;hren, statt G&uuml;ter und Dienstleistungen, die man genie&szlig;en kann. <\/p><p>Wir besch&auml;ftigen in Deutschland etwa eine Million Menschen f&uuml;r Werbezwecke. Au&szlig;er Bel&auml;stigung produzieren die aber nichts, was irgendwer wirklich brauchen kann. Stellten wir diese unn&ouml;tige Arbeit ein, k&ouml;nnte jeder von uns knapp eine Woche l&auml;nger bezahlten Urlaub machen, ohne irgendeinen Verlust.<\/p><p><strong>Gibt es jenseits Ihres pers&ouml;nlichen Engagements denn noch weitere &bdquo;Gegenwehr&ldquo; gegen die Werbeindustrie?<\/strong><\/p><p>Oh, es gibt massenweise Abwehr gegen die Werbeflutbel&auml;stigung. Au&szlig;er den Millionen segensreichen Aufklebern &bdquo;Werbung, nein danke!&ldquo; oder den Millionen Adblockern im Internet gibt es inzwischen auch zahllose politische Gegenma&szlig;nahmen. <\/p><p>Angefangen mit den sehr sinnvollen, international weit verbreiteten Tabak- und Alkoholwerbeverboten gibt es etwa in Skandinavien wunderbare Kinderwerbeverbote sowie starke Fernsehwerbeverbote in Deutschland sowie in vielen anderen L&auml;ndern. Die brasilianische Metropole Sao Paulo hat seit 2007 ein sehr strenges Werbeplakatverbot. Die Paulistas sind bis heute dar&uuml;ber sehr gl&uuml;cklich. <\/p><p>Und &uuml;ber 1.500 St&auml;dte weltweit haben bereits Werbeeinschr&auml;nkungen verf&uuml;gt. In den USA gibt es in vier Bundesstaaten strenge Au&szlig;enwerbeverbote, was in der Bev&ouml;lkerung gro&szlig;artig ankommt. In etwa einem Dutzend L&auml;nder gibt es zudem Werbeabgaben, also eine Verteuerung von Werbung, nachahmenswerter Vorreiter auf Landesebene ist da &Ouml;sterreich, bei den St&auml;dten Toronto. Vorbilder gibt es also genug, wir m&uuml;ssen sie nur aufgreifen. <\/p><p><strong>Was schlagen Sie konkret vor?<\/strong><\/p><p>Eine Werbeabgabe von anfangs 10 Prozent, die man &uuml;ber die Jahre dann schrittweise erh&ouml;ht. Dadurch wird Werbung verteuert und daher verringert. <\/p><p>Dazu sollten wir die steuerliche Abzugsf&auml;higkeit des Werbeaufwandes abschaffen, also die heutige steuerliche Subventionierung von Werbung abbauen. <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus w&auml;re ein Kinderwerbeverbot nach skandinavischem Vorbild ein Segen f&uuml;r unsere Kinder. <\/p><p>&Uuml;brigens bef&uuml;rworten in Deutschland mehr als 25 Prozent der Bev&ouml;lkerung ein totales Werbeverbot. Das ist beachtlich: dass sich der gesunde Menschenverstand trotz dauernder gegenteiliger Beschallung so wenig unterkriegen l&auml;sst. Kurz: Je weniger Werbung, umso besser. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Dr. Christian Krei&szlig;<\/strong>, Jahrgang 1962, studierte Volkswirtschaftslehre in M&uuml;nchen. Nach neun Jahren Berufst&auml;tigkeit als Banker in verschiedenen Gesch&auml;ftsbanken, davon sieben Jahre im Investmentbanking, unterrichtet er seit 2002 als Professor an der Hochschule Aalen Finanzierung und Wirtschaftspolitik. Von ihm erschienen die viel beachteten B&uuml;cher &bdquo;Geplanter Verschlei&szlig; Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt &ndash; und wie wir uns dagegen wehren k&ouml;nnen.&ldquo; (2014) und &bdquo;Gekaufte Forschung&ldquo; (2015). Er setzt sich seit Jahren f&uuml;r eine gerechtere Wirtschaft und Gesellschaft ein und fordert kritisches und aufgekl&auml;rtes Verbraucherverhalten. Mehr dazu unter: <a href=\"http:\/\/menschengerechtewirtschaft.de\">menschengerechtewirtschaft.de<\/a>.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/cb3bb7a990a844b993da9fe3c3f66e0d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160912_ChristianKreiss.jpg\" alt=\"Christian Krei&szlig;\" title=\"Christian Krei&szlig;\"\/><\/div>\n<p>Von Beginn ihrer Arbeit an &uuml;ben die NachDenkSeiten Medienkritik und leisten Aufkl&auml;rung &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/buch\/252752\/meinungsmache\">Meinungsmache<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/buch\/186419\/die-reformluege\">Reforml&uuml;gen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/buch\/189510\/machtwahn\">den Machtwahn von Eliten und Politik<\/a>. 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