{"id":34959,"date":"2016-09-12T17:05:38","date_gmt":"2016-09-12T15:05:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34959"},"modified":"2016-09-13T12:31:36","modified_gmt":"2016-09-13T10:31:36","slug":"fuer-wen-arbeitet-eigentlich-der-deutsche-aussenminister-fuer-sie-fuer-mich-fuer-deutschland-eine-anregung-zum-beobachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34959","title":{"rendered":"F\u00fcr wen arbeitet eigentlich der deutsche Au\u00dfenminister? F\u00fcr Sie, f\u00fcr mich, f\u00fcr Deutschland? Eine Anregung zum Beobachten."},"content":{"rendered":"<p>Letzthin sa&szlig; ich mit einigen Freunden zusammen, die &auml;hnlich kritisch sehen, was um uns herum abl&auml;uft. Aber ihr Vertrauen in Frank-Walter Steinmeier war beachtlich hoch. Anders als meines. Ich glaube nicht, dass der deutsche Au&szlig;enminister f&uuml;r uns arbeitet. Aber: bilden Sie sich selbst ein Urteil. Beobachten Sie Taten und Worte. Heute weise ich auf zwei Dokumente hin. Erstens auf einen Kommentar im Weser Kurier zu CETA. Auf ihn war <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34945#h02\">in den Hinweisen von heute<\/a> schon verlinkt worden. Zweitens auf einen Artikel des Au&szlig;enministers im IPG-Journal der Friedrich-Ebert-Stiftung. Im Anhang vollst&auml;ndig wiedergegeben und verlinkt. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9447\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-34959-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160913_Fuer_wen_arbeitet_Steinmeier_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160913_Fuer_wen_arbeitet_Steinmeier_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160913_Fuer_wen_arbeitet_Steinmeier_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160913_Fuer_wen_arbeitet_Steinmeier_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=34959-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160913_Fuer_wen_arbeitet_Steinmeier_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160913_Fuer_wen_arbeitet_Steinmeier_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dieser unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Diplomatische Lehren aus der Entspannungspolitik&ldquo; erschienene Artikel tut in der &Uuml;berschrift so, als ginge es um fortschrittliche und echt sozialdemokratische Erkenntnisse. Tats&auml;chlich bringt Steinmeier in diesem Text gleich eine ganze Reihe von Ansichten und Vorurteilen unter, die mit dem Grundgedanken der Entspannungspolitik nichts zu tun haben und &uuml;ber weite Strecken die j&uuml;ngere Geschichte verf&auml;lschen. Dazu ein paar Beispiele; ansonsten ist anzuraten, den Steinmeier-Text zu lesen, auch wenn Sie manches als Zumutung empfinden: <\/p><ol>\n<li>Immerhin stellt Steinmeier fest, Europas Sicherheit sei bedroht. &bdquo;Bereits vor dem Ukraine-Konflikt lie&szlig; sich eine lange f&uuml;r &uuml;berwunden gehaltene Blockkonfrontation neu ersp&uuml;ren&ldquo;, schreibt der Au&szlig;enminister. Was meint er damit? Es gehe nicht mehr um den Antagonismus zwischen Kommunismus und Kapitalismus, sondern um die Auseinandersetzung &uuml;ber die richtige gesellschaftliche Ordnung. Es gehe um Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte, um ein Ringen um geopolitische Einflusssph&auml;ren. &ndash;\n<p>Was meint Steinmeier damit? Die richtige Gesellschaftsordnung &ndash; das ist wohl die von ihm als Chef des Bundeskanzleramtes mitbewirkte Agenda 2010, mit dem Ergebnis eines umfangreichen Niedriglohn-Sektors und prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen. &ndash; Oder meint er die Freiheit zur Gewalt in amerikanischen St&auml;dten und den &bdquo;rechtsstaatlichen&ldquo; Einsatz von Drohnen?<\/p><\/li>\n<li>Schon im n&auml;chsten Absatz l&auml;sst uns Steinmeier wissen, wer die Grundprinzipien der europ&auml;ischen Friedensordnung infrage gestellt hat: die Russen mit der v&ouml;lkerrechtswidrigen Annexion der Krim! Da gab es in der Welt des deutschen Au&szlig;enministers vorher keinen v&ouml;lkerrechtswidrigen Jugoslawien Krieg und es gab nicht den mit 5 Milliarden $ subventionierten Regimewechsel in der Ukraine. Und dann tut Steinmeier auch noch so, als gingen hybride Formen der Konfrontation vor allem auf die Russen zur&uuml;ck.\n<p>Wie es heute &uuml;blich ist, l&auml;sst Steinmeier einfach weg, was vor der Annexion der Krim geschah.<\/p><\/li>\n<li>Er erkl&auml;rt auch nicht, wer der Antreiber des &bdquo;Ringens um geopolitische Einflusssph&auml;ren&ldquo; war und ist: Die USA und der Westen und die NATO kommen als Verursacher der neuen Bedrohung von Europas Sicherheit in seinem f&uuml;nfseitigen Text nicht vor.<\/li>\n<li>Mit Recht beklagt Steinmeier, der Frieden in Europa, das Erbe der Entspannungspolitik stehe jetzt auf dem Spiel. Aber er schreibt nicht, wer es zur Disposition gestellt hat. Er schreibt, zwischen Russland und dem Westen seien tiefe Gr&auml;ben aufgebrochen, aber er schreibt nicht, wer diese Gr&auml;ben gegraben hat.\n<p>Steinmeier war Chef des Bundeskanzleramtes bei Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der, als die deutsche Bundesregierung sich von der US-Seite zur Beteiligung am Jugoslawien Krieg hat &uuml;berreden lassen. Steinmeier hatte dieses Amt, als der fr&uuml;here parlamentarische Staatssekret&auml;r Willy Wimmer(CDU) seinen alarmierenden Bericht &uuml;ber die expansiven, imperialistischen Pl&auml;ne f&uuml;hrender US-Stellen an den deutschen Bundeskanzler Schr&ouml;der geschrieben hatte. Siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34938\">hier im Anhang<\/a>.<\/p><\/li>\n<li>Wirklich dreist ist, wie Steinmeier die Doppelstrategie von Abschreckung und Entspannung neu einf&uuml;hrt. Das war das Konzept der sechziger Jahre: milit&auml;risch ger&uuml;stet zu sein und gleichzeitig mit Vertr&auml;gen die Entspannung und Vers&ouml;hnung zwischen Ost und West voranzutreiben. 1990 war dann vorgesehen, dass es keine neue Konfrontation und deshalb auch keine neue Abschreckung geben sollte. Jetzt f&uuml;hrt Steinmeier die Abschreckung als selbstverst&auml;ndlich ein, freundlicherweise verziert mit der Erg&auml;nzung, dass es auch Entspannung geben soll. Aber er nimmt die neue Konfrontation f&uuml;r bare M&uuml;nze, statt daf&uuml;r zu pl&auml;dieren, dass wir auf der Basis der Verabredungen von 1990 mit Russland die Arbeit an der Organisation der gemeinsamen Sicherheit wieder aufnehmen.\n<p>Bitte begreifen Sie, was mit der Einf&uuml;hrung des Begriffes &bdquo;Abschreckung&ldquo; in die Au&szlig;enpolitik und Sicherheitspolitik jetzt bewirkt wird: Nachr&uuml;stung, Aufr&uuml;stung! Steinmeier betreibt das Gesch&auml;ft der europ&auml;ischen und US-amerikanischen R&uuml;stungswirtschaft. Und er verziert das auf angenehme Weise dann mit einem friedenspolitischen Votum: Entspannung. Wie 1967 schon einmal begonnen.<\/p><\/li>\n<li>Steinmeier schiebt den Russen auch in die Schuhe, dass sie am Zerfallen der R&uuml;stungskontrolle und der Abr&uuml;stung schuld seien. Der KSE-Vertrag werde seit Jahren von Russland nicht mehr umgesetzt. Das kann ja sein. Aber wann f&auml;ngt es an? Wer hat die Russen eingemauert? Sie sich selbst oder die NATO? &bdquo;&Uuml;ber Jahrzehnte m&uuml;hsam aufgebautes Vertrauen ist dahin&ldquo;, schreibt Steinmeier. Wer hat es zerst&ouml;rt? Steinmeier insinuiert, das seien die Russen gewesen.<\/li>\n<li>Die Russen sind auch schuld an der &bdquo;erodierenden Weltordnung&ldquo;. Russland habe grundlegende Friedensprinzipien gebrochen &ndash; territoriale Unversehrtheit, freie B&uuml;ndniswahl, Akzeptanz des V&ouml;lkerrechts! Diese Prinzipien &bdquo;sind f&uuml;r uns nicht verhandelbar&ldquo;, meint der deutsche Au&szlig;enminister. Und wie sieht die Realit&auml;t aus? Wir haben diese Prinzipien in Jugoslawien, im Irak, in Libyen, in Syrien, in Pal&auml;stina mit F&uuml;&szlig;en getreten! &Uuml;berall. Wir sind die Guten. <\/li>\n<li>&bdquo;Unsere Welt ist gef&auml;hrlicher geworden: islamistischer Terrorismus, erbitterte Konflikte im mittleren Osten, zerfallende staatliche Ordnungen, die Fl&uuml;chtlingskrise gef&auml;hrden uns alle.&ldquo; &ndash; Das ist alles vom Himmel gefallen, wir der Westen, haben damit nichts zu tun. Diesen Eindruck bekommt man, wenn man Steinmeiers Text liest.<\/li>\n<\/ol><p>Wenn die USA oder die NATO einen Handelsvertreter zum Verkauf solcher Ammenm&auml;rchen bezahlen m&uuml;ssten, w&uuml;rde das sehr teuer werden. Steinmeier macht es umsonst. Leider auch auf unsere Kosten.<\/p><p><strong>Hier folgt der Text von Au&szlig;enminister Steinmeier:<\/strong><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.ipg-journal.de\/schwerpunkt-des-monats\/wozu-diplomatie\/artikel\/detail\/diplomatische-lehren-aus-der-entspannungspolitik-1599\/\">Diplomatische Lehren aus der Entspannungspolitik<\/a><\/p><p>Das Angebot zur Kooperation muss ebenso konkret sein wie Abschreckung.<\/p><p>Von <a href=\"http:\/\/www.ipg-journal.de\/ipg\/autorinnen-und-autoren\/autor\/ipg-author\/detail\/Author\/frank-walter-steinmeier\/\">Frank-Walter Steinmeier<\/a> | 01.09.2016 <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160912-Steinmeier.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>AllianceR&uuml;stungskontrolle: &bdquo;Bew&auml;hrtes Mittel f&uuml;r Transparenz, Risikovermeidung und Vertrauensbildung.&ldquo;<\/p><p>Europas Sicherheit ist bedroht. So wenig wir uns das noch vor wenigen Jahren vorstellen mochten, so sehr steht die Sorge um Europas Sicherheit heute ganz oben auf unserer politischen Agenda. <\/p><p>Bereits vor dem Ukraine-Konflikt lie&szlig; sich eine lange f&uuml;r &uuml;berwunden gehaltene Blockkonfrontation neu ersp&uuml;ren. Nicht mehr als Antagonismus zwischen Kommunismus und Kapitalismus, sondern als Auseinandersetzung&nbsp; &uuml;ber die richtige gesellschaftliche Ordnung &ndash; &uuml;ber Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte &ndash; und als Ringen um geopolitische Einflusssph&auml;ren. <\/p><p>Mit der v&ouml;lkerrechtswidrigen Annexion der Krim hat Russland die Grundprinzipien der europ&auml;ischen Friedensarchitektur in Frage gestellt. Die Konfliktstrukturen haben sich dramatisch ver&auml;ndert: Hybride Formen der Konfrontation und nichtstaatliche Akteure gewinnen an Bedeutung. Neue Technologien bergen auch neue Gefahren: offensive Cyberf&auml;higkeiten, bewaffnete Drohnen, Robotik, elektronische Kampfmittel, Laser- und Abstandswaffen. Neue Einsatzszenarien &ndash; kleinere Einheiten, h&ouml;here Schlagkraft, schnellere Verlegbarkeit &ndash; werden von den geltenden Transparenz- und Kontrollregimen nicht erfasst. Es droht eine neuartige, gef&auml;hrliche R&uuml;stungsspirale.<\/p><p><strong>Frieden in Europa, das Erbe der Entspannungspolitik &ndash; wir hatten das in den vergangenen zwei Jahrzehnten f&uuml;r selbstverst&auml;ndlich gehalten. Jetzt steht alles wieder auf dem Spiel.<\/strong><\/p><p>Die Konfliktmuster sind andere, doch eine Erinnerung bleibt wach: Mitten in den k&auml;ltesten Tagen des Kalten Krieges wagte Willy Brandt gegen viel Widerstand die ersten Schritte der Entspannungspolitik. &Uuml;ber alles Trennende hinweg suchte er nach Gemeinsamem &ndash; und fand es in den Ostvertr&auml;gen und den Grunds&auml;tzen der Schlussakte von Helsinki. Frieden in Europa, das Erbe der Entspannungspolitik &ndash; wir hatten das in den vergangenen zwei Jahrzehnten f&uuml;r selbstverst&auml;ndlich gehalten. Jetzt steht alles wieder auf dem Spiel. Tiefe Gr&auml;ben sind zwischen Russland und dem Westen aufgebrochen, und ich f&uuml;rchte, wir k&ouml;nnen sie auch mit gr&ouml;&szlig;ten Anstrengungen so schnell nicht wieder schlie&szlig;en. Gewiss ist nur: Ohne solche Anstrengungen wird der Frieden in Europa und dar&uuml;ber hinaus br&uuml;chig. <\/p><p>Die Rezepte der Vergangenheit helfen nicht immer, aber die Lehren aus der Entspannungspolitik bleiben richtig: Auch &uuml;ber tiefe Gr&auml;ben muss man versuchen, Br&uuml;cken zu bauen. Wir d&uuml;rfen Sicherheit in Europa nicht auf Dauer gegeneinander organisieren. Sicherheit ist kein Nullsummenspiel. Wir d&uuml;rfen auch nicht aufh&ouml;ren, nach M&ouml;glichkeiten und Feldern kooperativer Sicherheit zu suchen. Deshalb brauchen wir konkrete Sicherheitsinitiativen. <\/p><p>Niemand sollte sich Illusionen machen &uuml;ber die Schwierigkeiten und &uuml;ber das, was jetzt m&ouml;glich ist &ndash; gerade heute, in einer Welt aus den Fugen, inmitten all der Konflikte, in der Ostukraine, in Syrien und in Libyen, in Zeiten, wo wir auch vor einer erneuten Eskalation und weiteren R&uuml;ckschl&auml;gen nicht gefeit sind. <\/p><p>Aber gerade deshalb werbe ich f&uuml;r einen Neustart der R&uuml;stungskontrolle als bew&auml;hrtes Mittel f&uuml;r Transparenz, Risikovermeidung und Vertrauensbildung. <\/p><p>Im Umgang mit Russland setzt der Westen, seit dem Harmel-Bericht von 1967, auf die Doppelstrategie von Deterrence und D&eacute;tente. Auf dem Warschauer Gipfel hat sich die NATO zu dieser Doppelstrategie bekannt. Wir haben die notwendige milit&auml;rische R&uuml;ckversicherung beschlossen, und wir haben zugleich unsere politische Verantwortung f&uuml;r kooperative Sicherheit in Europa bekr&auml;ftigt. <\/p><p><strong>Abschreckung ist konkret, und f&uuml;r alle sichtbar. Aber auch das Angebot zur Kooperation muss konkret sein!<\/strong><\/p><p>Nur: Abschreckung ist konkret, und f&uuml;r alle sichtbar. Aber auch das Angebot zur Kooperation muss konkret sein! Sonst geht das Gleichgewicht verloren, entstehen Fehlperzeptionen, und einer Eskalationsspirale bleibt wenig entgegenzusetzen. <\/p><p>Die bestehenden Regime f&uuml;r R&uuml;stungskontrolle und Abr&uuml;stung zerfallen seit Jahren. Der KSE-Vertrag, der nach 1990 zehntausende Panzer und schwere Waffen in Europa vernichten half, wird seit Jahren von Russland nicht mehr umgesetzt. Verifikationsmechanismen des Wiener Dokuments laufen ins Leere, Russland verweigert sich einer notwendigen Modernisierung. Auch der Vertrag &uuml;ber den Offenen Himmel wird eingeschr&auml;nkt. Mit der Annexion der Krim ist das Budapester Memorandum als Sicherheitsgarantie f&uuml;r die Ukraine Makulatur. &Uuml;ber Jahrzehnte m&uuml;hsam aufgebautes Vertrauen ist dahin. <\/p><p>Zugleich h&ouml;ren wir von Russland Forderungen nach einer neuen Debatte &uuml;ber konventionelle R&uuml;stungskontrolle in Europa. H&ouml;chste Zeit, Russland beim Wort zu nehmen! Ein Neustart der konventionellen R&uuml;stungskontrolle muss aus meiner Sicht f&uuml;nf Bereiche abdecken. Wir brauchen Vereinbarungen, die <\/p><ul>\n<li>regionale Obergrenzen, Mindestabst&auml;nde und Transparenzma&szlig;nahmen definieren (insbesondere in milit&auml;risch sensiblen Regionen, zum Beispiel im Baltikum),<\/li>\n<li>neuen milit&auml;rischen F&auml;higkeiten und Strategien Rechnung tragen (Wir reden heute weniger von klassischen, schweren Armeen als von kleineren, mobilen Einheiten, also sollten wir zum Beispiel Transportf&auml;higkeit mitbeachten),<\/li>\n<li>neue Waffensysteme einbeziehen (zum Beispiel Drohnen),<\/li>\n<li>echte Verifikation erlauben: rasch einsetzbar, flexibel und in Krisenzeiten unabh&auml;ngig (zum Beispiel durch die OSZE),<\/li>\n<li>auch in Gebieten anwendbar sind, deren territorialer Status umstritten ist.<\/li>\n<\/ul><p>Das sind komplexe und schwierige Fragen. Dazu wollen wir einen strukturierten Dialog, mit allen Partnern, die f&uuml;r die Sicherheit unseres Kontinents Verantwortung tragen. Ein wichtiges Dialogforum daf&uuml;r ist die OSZE, deren Vorsitz Deutschland in diesem Jahr innehat.<\/p><p><strong>Uns muss das Interesse einen, jede weitere Drehung der Eskalationsspirale zu vermeiden.<\/strong><\/p><p>Kann ein solches Unterfangen Erfolg haben &ndash; in diesen Zeiten einer erodierenden Weltordnung und mit Blick auf Russland? Ich gebe zu: Das ist nicht gewiss. Aber deshalb den Versuch zu unterlassen, w&auml;re wenig verantwortungsvoll. Ja, Russland hat grundlegende Friedensprinzipien gebrochen. Ja, diese Prinzipien &ndash; territoriale Unversehrtheit, freie B&uuml;ndniswahl, Akzeptanz des V&ouml;lkerrechts &ndash; sind f&uuml;r uns nicht verhandelbar. Doch zugleich muss uns das Interesse einen, jede weitere Drehung der Eskalationsspirale zu vermeiden. Wir teilen die Sicht, dass unsere Welt gef&auml;hrlicher geworden ist: islamistischer Terrorismus, erbitterte Konflikte im Mittleren Osten, zerfallende staatliche Ordnungen, die Fl&uuml;chtlingskrise gef&auml;hrden uns alle. Unsere sicherheitspolitische Leistungsf&auml;higkeit &ndash; im Westen wie in Russland &ndash; ist auf&lsquo;s &Auml;u&szlig;erste angespannt. Keiner gewinnt, alle verlieren, wenn wir uns in einem neuen R&uuml;stungswettlauf gegeneinander ersch&ouml;pften. <\/p><p>Mit einem Neustart der R&uuml;stungskontrolle k&ouml;nnen wir ein konkretes Kooperationsangebot machen, und zwar an alle, die f&uuml;r Europas Sicherheit Verantwortung tragen wollen. Es ist an der Zeit, das Unm&ouml;gliche zu versuchen &hellip; <\/p><p><em>(c) Project Syndicate<\/em> <\/p><p><strong><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34945#h02\">Hinweis Nr.2 vom 12.9.2016<\/a><\/strong><\/p><p><strong>&bdquo;CETA ist ein global vorbildliches Freihandelsabkommen&ldquo;<\/strong><\/p><p>In seinem Kommentar pl&auml;diert Bundesau&szlig;enminister Frank-Walter Steinmeier f&uuml;r das geplante CETA-Abkommen mit Kanada. Der SPD-Politiker sieht darin eine M&ouml;glichkeit die Globalisierung aktiv mitzugestalten.<\/p><p>Nach dem Ergebnis der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, nach dem Votum der Briten f&uuml;r den Brexit, nach der Nominierung von Donald Trump fragen wir halb ungl&auml;ubig, halb entsetzt: &bdquo;Wie konnte das passieren?&ldquo; Die Antwort kann sicher nicht &uuml;berall gleich ausfallen. Aber eins haben all diese Entwicklungen gemein: Dass es immer mehr Menschen gibt, denen die wachsende Un&uuml;bersichtlichkeit der Verh&auml;ltnisse zu anstrengend ist und die sich nicht zurechtfinden in einer komplexen und vernetzten Welt. Das ist keine Entschuldigung! Aber es hilft uns zu verstehen, warum sie auf Populisten vertrauen, die ihnen einfache Antworten vorgaukeln, ganz nach dem Motto: Abschottung ist die beste L&ouml;sung.<\/p><p>Aber durch einfache Antworten wird die Welt nicht weniger kompliziert. In Wirklichkeit sind die ganz einfachen Antworten in der Regel keine, die tragen. Im Gegenteil! Politisch f&uuml;hren sie uns in Nationalismus und Ausl&auml;nderfeindlichkeit. Wirtschaftlich f&uuml;hren sie uns hin zu Protektionismus. Beide Wege f&uuml;hren gleicherma&szlig;en in die Irre &ndash; gerade f&uuml;r unser Land, das wie wenige andere wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich mit der Welt vernetzt ist. Sie zu w&auml;hlen, ist verantwortungslos. Stattdessen m&uuml;ssen wir uns auf den vielleicht steinigeren, aber erfolgversprechenderen Weg machen: Die Freiheit und Offenheit zu verteidigen, und daf&uuml;r immer wieder auszuhandeln, wie wir k&uuml;nftig zusammen leben und die Globalisierung gerecht und nachhaltig gestalten wollen.<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/bremen-politik-wirtschaft_artikel,-Gastkommentar-CETA-ist-ein-global-vorbildliches-Freihandelsabkommen-_arid,1453618.html\">Weser Kurier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzthin sa&szlig; ich mit einigen Freunden zusammen, die &auml;hnlich kritisch sehen, was um uns herum abl&auml;uft. Aber ihr Vertrauen in Frank-Walter Steinmeier war beachtlich hoch. Anders als meines. Ich glaube nicht, dass der deutsche Au&szlig;enminister f&uuml;r uns arbeitet. Aber: bilden Sie sich selbst ein Urteil. Beobachten Sie Taten und Worte. 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