{"id":3497,"date":"2008-10-08T09:11:23","date_gmt":"2008-10-08T07:11:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3497"},"modified":"2015-11-09T14:53:40","modified_gmt":"2015-11-09T13:53:40","slug":"regierung-unter-der-reichstagskuppel-ratlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3497","title":{"rendered":"Regierung unter der Reichstagskuppel: ratlos"},"content":{"rendered":"<p>Da sind wir mitten in einem weltweiten Finanzstrudel von historischem Ausma&szlig;, da drohen Rezessionsgefahren, da sind Menschen in Angst um ihr Erspartes und um ihre Arbeitspl&auml;tze und unsere Bundeskanzlerin bietet eine der k&uuml;rzesten und nichtssagendsten Regierungserkl&auml;rungen. Da wurde vor dem Parlament eine Banalit&auml;t nach der anderen aneinandergereiht. Da wurde so getan, als sei das Ungl&uuml;ck von Amerika &uuml;ber uns gekommen wie eine Grippeepidemie. Da wurde nicht analysiert, was bei uns falsch gelaufen ist und stattdessen viel von &bdquo;Vertrauen&ldquo; und &bdquo;sozialer Marktwirtschaft&ldquo; geschwafelt. Da wurde so getan, als k&ouml;nne man mit ein paar kleinen Ma&szlig;nahmen alles wieder in Ordnung bringen. Und da wurde vor allem die konsequente Fortsetzung des eingeschlagenen Reformkurses propagiert, gerade so als h&auml;tten nicht einige der Reformpakete, wie z.B. die Privatisierung der Rente oder die steuerliche Beg&uuml;nstigung der Verbriefung von Krediten zu Wertpapieren die Finanzspekulationen in Deutschland nicht wesentlich angeheizt. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p><em>Die Lage sei ernst wie noch nie. Vieles was selbstverst&auml;ndlich gewesen sei, werde in Frage gestellt. Es habe Missmanagement gegeben. Man brauche jetzt zun&auml;chst einmal ein kurzfristiges klassisches Krisenmanagement wie bei der Hypo Real Estate und danach eine neue Systematik f&uuml;r das Zusammenwirken aller im Finanzsektor T&auml;tigen, um eine Zukunftsperspektiven auf dem Finanzmarkt zu gestalten. <\/em><\/p><p>Was war das eigentlich f&uuml;r ein gelungenes &bdquo;klassisches Krisenmanagement&ldquo; bei der HRE, wo ein Rettungspaket schon nach einer Woche um zwanzig Milliarden nachgebessert werden musste? Was ist eigentlich gelungen an einem kurzfristigen Krisenmanagement, wenn das Ergebnis ist, dass der Steuerzahler mit dem L&ouml;wenanteil b&uuml;rgen muss?<\/p><p><em>Am Anfang sei die amerikanische Hypothekenkrise gestanden, aus einer amerikanischen Immobilienkreditkrise sei eine globale Finanzmarktkrise geworden. Das Vertrauen, die wichtigste W&auml;hrung der Finanzm&auml;rkte sei verloren gegangen, die Banken misstrauten sich. Entscheidend sei, das Vertrauen in die Funktionsf&auml;higkeit der Finanzm&auml;rkte zur&uuml;ck zu gewinnen.<\/em><\/p><p>H&auml;tte es also die Immobilienkreditkrise in den USA nicht gegeben, so w&auml;re alles in bester Ordnung? Wie konnte eine hausgemachte Hypothekenkrise &uuml;ber den Globus schwappen? Die faulen Hypothekenkredite m&ouml;gen der Ausl&ouml;ser gewesen sein, aber war es nicht das von der realen Wirtschaft abgekoppelte Casino auf den Finanzm&auml;rkten, das das Spekulationssystem zusammenbrechen lie&szlig;?<\/p><p><em>Man habe bei der HRE ein &bdquo;systemisches Risiko&ldquo; auffangen m&uuml;ssen, aus der staatlichen B&uuml;rgschaft k&ouml;nne jedoch ein Entgelt genommen. Es sei nur darum gegangen den Liquidit&auml;tsbedarf abzudecken. Die Regierung habe darauf gedrungen dass, das Management ausgewechselt werde und das sei nun geschehen.<\/em><\/p><p>Ein neues verschleierndes Tarnwort scheint erfunden worden zu sein: &bdquo;systemisches Risiko&ldquo;. Was steckt dahinter? Will man damit verschleiern, dass das ganze System zusammengebrochen w&auml;re, wenn das &bdquo;systemische Risiko&ldquo; nicht aufgefangen worden w&auml;re? Will man mit dieser besch&ouml;nigenden Formulierung verhindern, dass die &bdquo;System&ldquo;-Frage gestellt wird, d.h. wom&ouml;glich das System eines von der Realwirtschaft abgekoppelten Finanzkapitalismus in Frage gestellt wird? Darf man erwarten, dass die B&uuml;rgschaft nicht in Anspruch genommen wird und welche Entgeltregelung wurde f&uuml;r eine Inanspruchnahme der B&uuml;rgschaft getroffen? Ist man &uuml;berhaupt sicher, dass der Liquidit&auml;tsbedarf abgedeckt ist? Was ist das f&uuml;r ein Erfolg, dass jetzt allm&auml;hlich das Management der HRE ausgewechselt wird? (Mit vermutlich opulenter Abfindung.)<\/p><p><em>K&uuml;nftig gehe es nun darum Manager rechtlich in Haftung zu nehmen, das vorhandene Instrumentarium sei nicht genutzt worden. <\/em><\/p><p>Warum hat das vorhandene Instrumentarium versagt? Was soll konkret geschehen, um Haftungsanspr&uuml;che zu schaffen?<\/p><p>Die EU sei &uuml;bereingekommen, dass die EZB Liquidit&auml;t in ausreichendem Ma&szlig;e schaffe.<\/p><p>Das ist nun das Mindeste, was man erwarten kann. Wozu w&auml;re eine Zentralbank denn sonst da?<\/p><p><em>Man m&uuml;sse die  Bilanzierungsregeln an amerikanische Standards angleichen, sonst gebe es keinen fairen Wettbewerb zwischen Europa und den USA. <\/em><\/p><p>Man will also tats&auml;chlich den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und die Regeln des Handelsgesetzbuches, das den vorsichtigen Kaufmann unterstellt, den amerikanischen Bilanzmethoden angleichen, wo die Unternehmen Aktien, Anleihen und andere Finanzpapiere in ihrem Handelsbestand nach Zeitwerten bilanzieren. Das hei&szlig;t, man w&auml;hlt weniger Sicherheit und Stabilit&auml;t sondern f&ouml;rdert Geldanlagen, bei denen die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2008\/41\/Marktbewertung?page=1\">Rendite im Vordergrund steht<\/a>. Man muss ernsthaft bezweifeln, ob die Kanzlerin versteht, was sie da fordert.<\/p><p><em>Nationale Aktionen m&uuml;ssten mit europ&auml;ischen Aktionen verzahnt werden. Es gehe nicht, dass wie in Irland nur unabgestimmt ausschlie&szlig;lich nationale Banken abgesichert w&uuml;rden und es gehe aus deutscher Sicht auch nicht, dass man in Europa 27 Staaten unter einen Schirm spanne und in einen Fonds einzahle. <\/em><\/p><p>Man m&uuml;sse zwar gemeinsam Vorgehen, aber jeder f&uuml;r sich &bdquo;systemische Risiken&ldquo; absichern, um wieder Verl&auml;sslichkeit in Europa herstellen, und man m&uuml;sse die Spielr&auml;ume f&uuml;r Absicherungen voll ausnutzen.<\/p><p>Es gilt f&uuml;r Kanzlerin wohl das Prinzip: Jeder f&uuml;r sich und Gott f&uuml;r Alle. Die Regierungskl&auml;rung zeigt die v&ouml;llige konzeptionelle Ratlosigkeit, wie die Europ&auml;ische Union das Problem gemeinsam angehen k&ouml;nnte. Wie soll so eine &bdquo;Verzahnung&ldquo; innerhalb der EU-L&auml;nder mit v&ouml;llig unterschiedlichen Interessen- und Problemlagen gelingen? Was geschieht, wenn Island oder Irland den Staatsbankrott ausrufen m&uuml;ssen, weil sie durch ihre nationalen Rettungsaktionen &uuml;berfordert sind? Warum sollen die Iren die Risiken der &bdquo;Depfa&ldquo;, also das schwarze Loch der Hypo Real Estate alleine tragen, eine Bank die nur nach Irland ausgelagert wurde, um von dort (steuererleichert) unkontrollierter spekulieren zu k&ouml;nnen? <\/p><p>Warum sollen der deutsche Steuerzahler oder gar die Arbeitnehmer eines aufgekauften deutschen Betriebs f&uuml;r die Risiken gerade stehen, die durch geplatzte Kredite angels&auml;chsischer Heuschrecken auftreten? <\/p><p><em>Alle Ma&szlig;nahmen dienten dem Funktionieren unserer Wirtschaft und damit den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern.  Keiner m&uuml;sse um seine Spareinlagen bangen. Es gehe darum wieder Vertrauen in die Wirtschaft- und Gesellschaftsordnung herzustellen. Die soziale Marktwirtschaft sei das Beste Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das es gebe. <\/em><\/p><p>Die Krise bedeute eine Chance, die internationale Dimension der sozialen Marktwirtschaft zu erkennen verstehen zu lernen und den Anspruch zu erheben sie global zu gestalten, schon der G 8-Gipfel sei Teil einer langfristigen Strategie f&uuml;r die Gestaltung der soziale Marktwirtschaft  in ihrer internationalen Dimension gewesen.<\/p><p>Offenbar sp&uuml;rt die Kanzlerin doch, dass die &bdquo;systemische Krise&ldquo; zu einer Systemkrise ausarten k&ouml;nnte, deshalb wohl so v&ouml;llig unvermittelt das hohe Lied auf die soziale Marktwirtschaft. <\/p><p>Ob ihr wohl die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger die Gleichsetzung des (derzeitigen) Funktionierens der Wirtschaft mit dem Wohl der Allgemeinheit noch abnehmen werden? Wie sollen die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger wieder Vertrauen in eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gewinnen, wo gerade die derzeitige Krise jedermann zeigt, dass die Gewinne privatisiert und die Verluste auf der Allgemeinheit abgeladen werden?<\/p><p>Was hat dieser Mechanismus mit sozialer Marktwirtschaft zu tun?<\/p><p>Es ist geradezu paradox, wenn die die Kanzlerin pl&ouml;tzlich von der &bdquo;internationalen Dimension&ldquo; der sozialen Marktwirtschaft palavert, wo doch von Kohl &uuml;ber Schr&ouml;der bis zur Gro&szlig;en Koalition alles getan wurde, um die deutsche  (&bdquo;rheinische&ldquo;) Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung der angels&auml;chsischen anzupassen. Wurden nicht angels&auml;chsische Marktgl&auml;ubigkeit, Ellbogenmentalit&auml;t und Selbstverantwortung als Vorbild gepredigt und Deregulierung, Privatisierung und Abbau des solidarischen Wohlfahrtsstaats politisch umgesetzt.<\/p><p>Wo ist Deutschland international oder auch nur auf der europ&auml;ischen Ebene &ndash; wo die Bundesregierungen ja einen direkten Einfluss hatten &ndash; jemals f&uuml;r ein sozialeres Europa eingetreten? War es nicht vielmehr so, dass sowohl im Hinblick auf die europ&auml;ischen Vertragswerke, als auch faktisch durch  Lohn- und Sozialabbau bei uns etwa die Franzosen, die Italiener oder die Spanier zum Erhalt ihrer Wettbewerbsf&auml;higkeit geradezu gezwungen wurden, unsere liberalen &bdquo;Strukturreformen&ldquo; auch dort durchzusetzen?<\/p><p>Mehr an Heuchelei geht eigentlich nicht.<\/p><p><em>Wir k&ouml;nnten nicht national handeln, es gehe nun in Europa um<\/em><\/p><ul>\n<li>eine Verbesserungen des Liquidit&auml;tsmanagements,<\/li>\n<li>die Behandlung au&szlig;erbilanzieller Risiken,<\/li>\n<li>eine andere Bewertung illiquider Verm&ouml;gensgegenst&auml;nden,<\/li>\n<li>bessere Transparenzregeln,<\/li>\n<li>den Umgang mit  Ratingagenturen.<\/li>\n<li>Das Finanzsystem selbst m&uuml;sse die richtigen Anreize setzen, statt dass reguliert w&uuml;rde.<\/li>\n<li>Statt  einseitiger Fixierung auf kurzfristige Strategien etwa bei der Verg&uuml;tung der Manager, m&uuml;sse der langfristige Unternehmenserfolg stehen.<\/li>\n<li>Die Finanzaufsicht m&uuml;sse ihren Aufgaben gerecht werden k&ouml;nnen. Man brauche eine vorausschauende Aufsicht und deswegen m&uuml;sse man ihre Strukturen &uuml;berpr&uuml;fen. Das Zusammenspiel zwischen Bundesbank und Finanzaufsicht m&uuml;sse besser gestaltet werden. Schnelle Reaktionen m&uuml;ssten m&ouml;glich werden.\n<\/li>\n<\/ul><p>Insgesamt sei eine neue Architektur n&ouml;tig, in der sich solche Fehler verbieten.<\/p><p>Die Krise biete eine Chance besser zu verstehen, dass &bdquo;auf der einen Seite Freiheit und auf der anderen Seite Ordnung keine Gegens&auml;tze&ldquo; seien. Wir wollen die &bdquo;menschliche Marktwirtschaft&ldquo;.<\/p><p>Der Verzicht auf nationales Handeln l&auml;sst B&ouml;ses bef&uuml;rchten. Es ist in den letzten Jahren immer so gewesen, dass das Verschieben auf die europ&auml;ische Ebene entweder das Abschieben auf die lange Bank bedeutete oder aber die Verweigerung einer politischen Debatte im eigenen Land verbunden mit der Erwartung, dass sich die Regierung sich danach hinter den (liberalen) Regelungen der EU verstecken konnte. Warum sollte der Bundestag per Gesetz nicht die nationalen Transparenzregeln verbessern k&ouml;nnen? Warum sollten Bilanzverschleierungen nicht national untersagt werden k&ouml;nnen? <\/p><p>&bdquo;Verdienen&ldquo; nicht die deutschen Manager in Europa am meisten? Das besch&ouml;nigende Gerede von der &bdquo;neuen Architektur&ldquo;, in der die &bdquo;richtigen Anreize&ldquo; gesetzt w&uuml;rden, verdeckt nur, dass man nicht bereit ist, aus dem katastrophalen Marktversagen Konsequenzen zu ziehen. <\/p><p>Was haben die letzten Bundesregierungen dazu beigetragen, um eine menschlichere Marktwirtschaft zu schaffen? Wo hat die Gro&szlig;e Koalition und vor allem wo haben die CDU und die FDP &bdquo;Ordnungspolitik&ldquo; jemals anders interpretiert, als die Marktordnung zu liberalisieren und zu deregulieren? Marktfreiheit war doch das oberste Ziel dieser &bdquo;Ordnung&ldquo;.<\/p><p><em>Langfristige Auswirkungen der Finanzmarktkrise seien nicht abzusehen und  auch die Auswirkungen auf die Wirtschaft nicht. Deutschland sei stark, es habe sich in den letzten Jahren sehr gut aufgestellt und sei ger&uuml;stet f&uuml;r den globalen Wettbewerb. Das wird uns helfen die Folgen der Finanzmarktkrise zu meistern. &bdquo;Der Reformkurs der Bundesregierung war und ist dabei unabdingbar und er macht sich bezahlt.&ldquo; Dieser Kurs umfasse  Haushaltskonsolidierung, Senkung der Lohnzusatzkosten, Reaktionen auf die demografischen Ver&auml;nderungen unsere Gesellschaft, z.B. die Rente mit 67,  die konsequenten Investitionen in Bildung und Innovation oder j&uuml;ngst die Ergebnisse des Koalitionsausschusses. Man m&uuml;sse nur den Reformkurs konsequent fortsetzen, es w&auml;re das allerfalscheste Signal jetzt von diesem abzuweichen. Ziel sei es Vertrauen zur&uuml;ckzugeben und  Vertrauen zu st&auml;rken. Vertrauen sei die W&auml;hrung in der gezahlt werde.<\/em><\/p><p>Es ist geradezu ignorant und l&auml;sst Schlimmes bef&uuml;rchten, wenn die derzeitige Krise zum Anlass genommen wird, ein Lobeslied auf den &bdquo;Reformkurs&ldquo; zu singen.<br>\nWie k&ouml;nnen Haushaltskonsolidierung und Milliardenb&uuml;rgschaften anders zusammenpassen, als mit weiteren Ausgabenk&uuml;rzungen &ndash; nat&uuml;rlich vor allem im Sozialbereich?<\/p><p>Geh&ouml;rte zum Reformkurs etwa nicht, dass Eichel und Steinbr&uuml;ck mit aller Kraft auf die  Deregulierung der Finanzm&auml;rkte hingearbeitet haben? Mit dem Finanzmarktf&ouml;rderungsgesetz wurden die Anforderungen f&uuml;r den b&ouml;rslichen Handel gelockert und die Anlagem&ouml;glichkeiten von Fonds erweitert und es wurde der Handel mit Derivaten auch im Immobiliengesch&auml;ft erlaubt. Die Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen an Kapitalgesellschaften wurden von der Besteuerung befreit und damit spekulierende Finanzinvestoren nach Deutschland eingeladen. <\/p><p>Die Bundesregierung f&ouml;rderte die Verbriefung von Krediten zu Wertpapieren durch steuerliche Verg&uuml;nstigungen. Dadurch wurden doch die &bdquo;au&szlig;erbilanziellen Risiken&ldquo; der Banken erheblich  erleichtert. <\/p><p>Es wurde der Weg f&uuml;r die Hedg-Fonds frei gemacht, f&uuml;r spekulative Fonds also, die doch erst das Rennen auf Renditeerwartungen von 25 Prozent und mehr hochtrieben und die Banken in das Investmentgesch&auml;ft lockten. <\/p><p>Die Gro&szlig;e Koalition hat doch in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, &bdquo;innovative&ldquo; Finanzprodukte und alternative Vertriebswege ausdr&uuml;cklich zu f&ouml;rdern, die Verbriefung von Krediten zu Wertpapieren, die Anlagem&ouml;glichkeiten f&uuml;r &ouml;ffentlich-private Partnerschaften (PPP) sollten doch erheblich erweitert werden.<br>\nOder: Geh&ouml;rte zum Reformkurs nicht auch, dass die gesetzliche Rente ruiniert und durch die private Altersvorsorge dem Finanzmarkt Mittel in Milliardenh&ouml;he f&uuml;r zus&auml;tzliche Finanzspekulationen zugeschoben wurden? <\/p><p>Es g&auml;be sehr viel Raum, um durch die R&uuml;cknahme von Gesetzen und Ma&szlig;nahmen, die zur derzeitigen Finanzmarktkrise beigetragen haben, die &bdquo;richtigen Anreize&ldquo; zu setzen. Kein einziges Wort hat die Kanzlerin dar&uuml;ber verloren. Die Bundesregierung tut immer noch so, als w&uuml;rde die Krise geradezu wie eine Grippe ausgeschwitzt werden k&ouml;nnen, und danach k&ouml;nnte man mit ein paar kleineren Korrekturen weiter machen wie bisher. Die Gro&szlig;e Koalition ist unf&auml;hig oder bewusst nicht bereit zu erkennen, dass sie auch selbst den Casino-Kapitalismus nach Kr&auml;ften gef&ouml;rdert hat und betrachtet die Krise immer noch als einen aus Amerika eingeschleppten Bazillus, den man durch eine Erh&ouml;hung der Reformdosis bek&auml;mpfen k&ouml;nne. Wie die Bundesregierung mit einem blo&szlig;en &bdquo;Weiter-So&ldquo; Vertrauen bei den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zur&uuml;ckgewinnen will, ist ihr Geheimnis. Wenn aber Vertrauen, die W&auml;hrung ist, in der gezahlt wird, braucht die Bundesregierung sich nicht zu wundern, wenn ihr die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler nach diesem T&auml;uschungsman&ouml;ver noch mehr Vertrauen entziehen und es Union und SPD bei der n&auml;chsten Wahl heimzahlen.<\/p><p>Quelle 1: <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/nn_774\/Content\/DE\/AudioVideo\/2008\/Audio\/2008-10-07-merkel-regerkl-finanzmarktkrise\/2008-10-07-merkel-regerkl-finanzmarkt.html\">Audio<\/a> <\/p><p>Quelle 2: <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Regierungserklaerung\/2008\/2008-10-07-regerkl-bk-finanzmarkt.html\">Stenografische Mitschrift<\/a><\/p><p>Hinweis: Dieser Text lag bei Abfassung des Beitrags noch nicht vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sind wir mitten in einem weltweiten Finanzstrudel von historischem Ausma&szlig;, da drohen Rezessionsgefahren, da sind Menschen in Angst um ihr Erspartes und um ihre Arbeitspl&auml;tze und unsere Bundeskanzlerin bietet eine der k&uuml;rzesten und nichtssagendsten Regierungserkl&auml;rungen. 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