{"id":34992,"date":"2016-09-14T13:56:53","date_gmt":"2016-09-14T11:56:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34992"},"modified":"2019-07-09T11:00:18","modified_gmt":"2019-07-09T09:00:18","slug":"ein-land-das-es-nicht-mehr-gibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34992","title":{"rendered":"Ein Land, das es nicht mehr gibt"},"content":{"rendered":"<p>In ihrem neuen Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.rotpunktverlag.ch\/cgi-bin\/germinal_shop.exe\/VOLL?prolitnummer=5000689&amp;titel_nummer=5000689&amp;titel_id=5000689&amp;caller=rotpunkt\">Syrien zwischen Licht und Schatten<\/a>&ldquo; zeichnet die Nahostjournalistin Karin Leukefeld jenes Bild vom B&uuml;rgerkriegsland, das den meisten Menschen im Westen weithin unbekannt ist. Dies hat vor allem mit der Tatsache zu tun, dass die Autorin &auml;u&szlig;erst interessante und sehr verschiedene Personen, die die Umbr&uuml;che im Land seit jeher miterlebt haben, zu Wort kommen l&auml;sst. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nLesen Sie dazu auch das NachDenkSeiten-Interview &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34568\">Die Verantwortung des Westens f&uuml;r das Elend im Mittleren Osten<\/a>&ldquo; mit Karin Leukefeld<\/p><p>Der Krieg in Syrien scheint kein Ende zu nehmen. Nach den Hunderttausenden von Toten, den unz&auml;hligen Verletzten und Gefl&uuml;chteten hat man jenes Syrien, welches es vor all der Zerst&ouml;rung gab, schon l&auml;ngst vergessen. Dabei ist es nicht nur aus politischen und historischen Gr&uuml;nden wichtig, genau dieses Syrien zu kennen, sondern auch aus menschlichen. Als langj&auml;hrige Nahostjournalistin ist Karin Leukefeld mit den zahlreichen Facetten Syriens vertraut. In ihrem neuesten Buch werden diese Facetten haupts&auml;chlich von vielen verschiedenen Syrern verk&ouml;rpert.<\/p><p>Viele dieser Menschen &ndash; teils wandelnde Geschichtsb&uuml;cher, die sowohl den Osmanen als auch den Briten und Franzosen ausgeliefert waren &ndash; vermissen vor allem jenes Syrien, das es nicht mehr gibt. Ein Land, in dem Christen, Muslime und andere Konfessionen friedfertig miteinander lebten und trotz eines repressiven Machtapparats gewisse Freiheiten genie&szlig;en konnten.<\/p><p>Leukefeld behandelt in diesem Kontext nicht nur die gegenw&auml;rtige Situation, sondern auch historische Ereignisse aus dem 20. Jahrhundert. Ohne diese Fakten l&auml;sst sich Gegenw&auml;rtiges n&auml;mlich kaum verstehen. Die politische Situation in Syrien l&auml;sst sich nicht erkl&auml;ren, ohne die desastr&ouml;se Rolle der Briten und der Franzosen &ndash; Stichwort: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33364\">Sykes-Picot-Abkommen<\/a>  &ndash; in Betracht zu ziehen. Selbiges gilt auch f&uuml;r die einstige Herrschaft des Osmanischen Reiches in der Region. Die Skepsis, die viele Syrer heute der T&uuml;rkei gegen&uuml;ber aufbringen, hat hiermit n&auml;mlich einen direkten Zusammenhang.  <\/p><p>Eine weiterer Akteur, der oftmals in der Hintergrund ger&auml;t, ist Israel. Umso weniger verwunderlich ist es, dass die weiterhin bestehende Besatzung der syrischen Golanh&ouml;hen seitens der israelischen Armee totalem Desinteresse ausgesetzt ist. Leukefeld widmet sich der Thematik ausf&uuml;hrlich, indem sie klar und faktenreich deutlich macht, was f&uuml;r ein Unrecht damals geschehen ist und was f&uuml;r eine Narbe es im Bewusstsein vieler Syrer darstellt.<\/p><p>Im Laufe der Lekt&uuml;re gewinnt man stellenweise jedoch auch den Eindruck, dass die Autorin dem arabischen Nationalismus ein St&uuml;ck zu sehr huldigt. Dabei war jener Panarabismus, der unter Gamal Abdel Nasser seinen H&ouml;hepunkt erlebte, ein Teil des Problems. Durch die autorit&auml;re Politik der arabischen F&uuml;hrer, die keine Kritik um sich dulden konnten, wurde gro&szlig;teils erst jener unheilbringende, religi&ouml;se Extremismus ges&auml;t.<\/p><p>Denn obwohl dieser Extremismus weiterhin w&uuml;tet, muss auch Folgendes klargestellt werden: Weder der sogenannte &bdquo;Islamische Staat&ldquo; (IS) noch irgendeine andere extremistische Gruppierung hat mittlerweile mehr Syrer get&ouml;tet als der Machtapparat Bashar al Assads. Es ist richtig, dass Assad anfangs nur ein repr&auml;sentativer Teil jenes Systems gewesen ist, was sein Vater, Hafiz al Assad, jahrzehntelang aufgebaut hat. Mittlerweile ist dies allerdings nicht mehr der Fall. Syriens Pr&auml;sident ist kein Zuschauer, sondern ein T&auml;ter.<\/p><p>Selbiges ist auch auf internationaler Ebene der Fall. Es w&auml;re t&ouml;richt, die Rolle der USA, der T&uuml;rkei sowie der Golfstaaten in Syrien nicht zu hinterfragen. Dies ist allerdings auch im Falle Russlands und des Irans der Fall. Souver&auml;n ist die syrische Regierung schon lange nicht mehr. Ob sie es denn je war, ist eine Frage.<\/p><p>Als Korrespondentin f&uuml;r die &bdquo;Junge Welt&ldquo; oder f&uuml;r das &bdquo;Neue Deutschland&ldquo; hatte Karin Leukefeld teils den Ruf, zu freundlich und unkritisch mit Assad und seiner Regierung umzugehen. Diese Annahme trifft in weiten Teilen ihres neuen Buches allerdings nicht zu. Leukefeld zeichnet ein weitgehend differenziertes Bild von Syrien, was in diesen Tagen besonders erfrischend ist &ndash; und leider weiterhin zu selten Aufmerksamkeit genie&szlig;t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihrem neuen Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.rotpunktverlag.ch\/cgi-bin\/germinal_shop.exe\/VOLL?prolitnummer=5000689&amp;titel_nummer=5000689&amp;titel_id=5000689&amp;caller=rotpunkt\">Syrien zwischen Licht und Schatten<\/a>&ldquo; zeichnet die Nahostjournalistin Karin Leukefeld jenes Bild vom B&uuml;rgerkriegsland, das den meisten Menschen im Westen weithin unbekannt ist. 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