{"id":3501,"date":"2008-10-09T09:20:14","date_gmt":"2008-10-09T07:20:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3501"},"modified":"2015-11-09T14:49:22","modified_gmt":"2015-11-09T13:49:22","slug":"wendehaelse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3501","title":{"rendered":"Wendeh\u00e4lse"},"content":{"rendered":"<p>Wie wurden doch noch vor kurzer Zeit die positiven Auswirkungen der Liberalisierung der Finanzm&auml;rkte in h&ouml;chsten T&ouml;nen gelobt. Jede Kritik wurde als Versto&szlig; gegen die &bdquo;herrschende Lehre&ldquo; gegei&szlig;elt. <\/p><p>Wenn man dagegen die gestrigen &Auml;u&szlig;erung von Kanzlerin Angela Merkel, des 1. Parlamentarischen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers der CDU\/CSU Bundestagsfraktion, Norbert R&ouml;ttgen, oder des haushaltspolitischen Sprechers der CDU\/CSU- Bundestagsfraktion, Steffen Kampeter, h&ouml;rte, gilt offenbar der Satz: Was st&ouml;rt mich mein Geschw&auml;tz von gestern.<\/p><p>Lesen Sie einmal selbst das Loblied auf die freien Kapitalm&auml;rkte, das die CDU\/CSU noch im Mai 2002 als Minderheitsvotum zum Bericht der Enquete-Kommission &bdquo;Globalisierung der Weltwirtschaft &ndash; Herausforderung und Antworten&ldquo; abgegeben hat.<br>\n<!--more--><\/p><p>&bdquo;&hellip;Die Mehrheit steht der Globalisierung der Finanzm&auml;rkte ablehnend gegen&uuml;ber. Schlimmer jedoch ist, dass die Mehrheit diese Skepsis an den Anfang ihrer &Uuml;berlegungen stellt und daher bei allen weiteren Betrachtungen systematisch empirische Entwicklungen und Theorien ausblendet, die nicht in diese Kritik passen. So setzt sie sich bereits mit der sonst allgemein anerkannten &Uuml;berzeugung der &bdquo;herrschenden Lehre&ldquo; nicht einmal ernsthaft auseinander, wonach weitgehend freie Kapitalm&auml;rkte nicht nur notwendige Voraussetzung funktionierender internationaler G&uuml;term&auml;rkte sind, sondern auch aus sich heraus dazu beitragen, den Wohlstand in der Welt zu mehren (&bdquo;das zentrale Argument f&uuml;r einen freien internationalen Kapitalverkehr ist sein Beitrag f&uuml;r das Wirtschaftswachs&shy;tum&ldquo; (Deutsche Bundesbank 2001d: 21). Sie erweckt stattdessen den Eindruck, die positiven Wirkungen globaler Finanzm&auml;rkte k&ouml;nnten nur unter sehr speziellen, in der Realit&auml;t nicht gegebenen Voraussetzungen eintreten. <\/p><p>An vielen weiteren Stellen werden Stil und Inhalt des Mehrheitsberichts den Anspr&uuml;chen, die an eine ausgewogene Darstellung und wissenschaftliche Auseinandersetzung zu stellen sind, nicht gerecht. Dies betrifft vor allem die Teile, die sich mit dem Problem hoher Realzinsen, dem Entstehen und den Folgen von Finanzkrisen sowie dem europ&auml;ischen Finanzmarkt und der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion besch&auml;ftigen. Ein Bem&uuml;hen um Konsens in der Arbeitsgruppe war bei der Mehrheit nicht festzustellen. Dies f&uuml;hrte dazu, dass die Meinung der Minderheit im Kommissionsbericht fast an keiner Stelle sichtbar wird. Im Folgenden k&ouml;nnen nur die wichtigsten Themen angesprochen werden.<\/p><ol type=\"a\">\n<li><strong>liberalisierte Finanzm&auml;rkte<\/strong><br>\nDie Mehrheitsmeinung geht davon aus, dass die Globalisierung der Finanzm&auml;rkte f&uuml;r eine Vielzahl von Fehlentwicklungen und Krisen der Weltwirtschaft verantwortlich zu machen und deshalb einzuschr&auml;nken und zu kontrollieren sei. Deregulierung und Liberalisierung der Finanzm&auml;rkte gelten als gef&auml;hrlich und als Ursache von Finanzkrisen. \n<p>Die CDU\/CSU-Gruppe betont dagegen die durchweg positiven Auswirkungen der Liberalisierung der Finanzm&auml;rkte. Sie bewirkt z.B., dass<\/p>\n<ul>\n<li>Kapital seiner produktivsten Verwendung zugef&uuml;hrt werden und damit eine wachstumssteigernde Wirkung entfalten kann.<\/li>\n<li>kapitalsuchende Marktteilnehmer nicht nur auf ihre nationalen M&auml;rkte beschr&auml;nkt bleiben bzw. verzerrte Preise zu zahlen haben.<\/li>\n<li>&bdquo;privates Kapital mittlerweile f&uuml;r eine zunehmende Zahl von Entwicklungs- und Schwellenl&auml;ndern zur dominierenden Finanzierungsquelle geworden (ist)&ldquo; (Deutsche Bundesbank 2001d: 17)<\/li>\n<li>Investitionsrisiken auf verschiedene Marktteilnehmer verteilt werden k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>gesamtwirtschaftliches Angebot und Nachfrage zu niedrigen Preisen einen Ausgleich finden und die Auswahlm&ouml;glichkeiten der Marktteilnehmer reichhaltiger werden.<\/li>\n<li>kurzfristige Schwankungen des Sozialproduktes durch Kapitalimporte bzw. -exporte ausgeglichen werden k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>die Effizienz nationaler Finanzsysteme erh&ouml;ht wird.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Finanzkrisen<\/strong>\n<p>Die Mehrheit ist der Meinung, Ausgangspunkt der Finanz&shy;krisen sei ein &uuml;berh&ouml;htes Kapitalangebot. Besonders attraktiv erscheinende L&auml;nder seien &bdquo;&uuml;berschwemmt&ldquo; worden. Die Welle sei dann zur&uuml;ckgeschwappt, wenn sich eine zu geringe Absorptionsf&auml;higkeit des nationalen Marktes gezeigt habe. <\/p>\n<p>Die CDU\/CSU-Gruppe widerspricht dieser einfachen Argumentation. Nachfrageaspekte bleiben dabei unber&uuml;cksichtigt&hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/gremien\/welt\/glob_end\/11_1_7.html\">Deutscher Bundestag, Minderheitsvotum der CDU\/CSU 11.1.7<\/a><\/p>\n<p>Siehe dazu im Rahmen der Debatte um die Regierungserkl&auml;rung vom 7.10.08: <\/p>\n<p>Norbert R&ouml;ttgen:&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.norbert-roettgen.de\/content\/view\/340\/1\/\">Sozialismus und liberale Marktgl&auml;ubigkeit sind pass&eacute;<\/a>&ldquo;<\/p>\n<p>oder: Steffen Kampeter:<br>\n&bdquo;Wir er&shy;fahren, dass weitere Banken durch die Vertrauenskrise in eine schwierige Situation getrieben werden. Deswegen ist die Frage berechtigt, ob wir mit dem Einzelfallma&shy;nagement weitermachen k&ouml;nnen. Ich verstehe die &Auml;u&szlig;e&shy;rungen des Bundesfinanzministers dahin gehend, dass wir uns k&uuml;nftig in Bezug auf strategische Fragen besser wappnen m&uuml;ssen. Deswegen ist eine &Uuml;bereinkunft mit den Akteuren des Finanzmarktes wichtig. Wir m&uuml;ssen systemische Krisen mit einem umfassenderen System beantworten (&hellip;)<\/p>\n<p>Wir als Christlich Demokratische Union und wir als Christlich-Soziale Union sind der Auffassung, dass jetzt die Stunde der Politik ist. <a href=\"http:\/\/www.cducsu.de\/Titel__Rede_Kuenftig_in_Bezug_auf_strategische_Fragen_besser_wappnen\/TabID__1\/SubTabID__2\/InhaltTypID__2\/InhaltID__10939\/Inhalte.aspx\">Wir wollen diese Krise bew&auml;l&shy;tigen<\/a>.&ldquo;<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wurden doch noch vor kurzer Zeit die positiven Auswirkungen der Liberalisierung der Finanzm&auml;rkte in h&ouml;chsten T&ouml;nen gelobt. Jede Kritik wurde als Versto&szlig; gegen die &bdquo;herrschende Lehre&ldquo; gegei&szlig;elt. <\/p>\n<p>Wenn man dagegen die gestrigen &Auml;u&szlig;erung von Kanzlerin Angela Merkel, des 1. Parlamentarischen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers der CDU\/CSU Bundestagsfraktion, Norbert R&ouml;ttgen, oder des haushaltspolitischen Sprechers der CDU\/CSU- Bundestagsfraktion, Steffen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3501\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[50,135],"tags":[283,233,315,726],"class_list":["post-3501","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzkrise","category-finanzpolitik","tag-finanzmaerkte","tag-marktliberalismus","tag-merkel-angela","tag-roettgen-norbert"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3501","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3501"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3501\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28541,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3501\/revisions\/28541"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}