{"id":35035,"date":"2016-09-16T11:23:17","date_gmt":"2016-09-16T09:23:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35035"},"modified":"2016-09-16T12:12:17","modified_gmt":"2016-09-16T10:12:17","slug":"flexi-rente-flexibler-und-finanziell-attraktiver-nur-fuer-wen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35035","title":{"rendered":"Flexi-Rente: Flexibler und finanziell attraktiver \u2013 Nur f\u00fcr wen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Gro&szlig;e Koalition hat nach z&auml;hem Ringen einen Gesetzentwurf zur sogenannten Flexirente ver&ouml;ffentlicht. Das Gesetz soll im Januar 2017 in Kraft treten. Also noch <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Artikel\/2016\/09\/2016-09-14-flexirente.html\">vor den n&auml;chsten Bundestagswahlen<\/a>. Bringt das etwas? <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWer als Rentner hinzuverdient, soll mehr davon behalten d&uuml;rfen. Aktuell gilt noch eine feste Hinzuverdienst-Grenze von 5.400 Euro im Jahr f&uuml;r Altersrentner vor Erreichen der Regelaltersgrenze; diese soll auf 6300 Euro (!) erh&ouml;ht werden. Bisher wirken sich Beitragszahlungen der Arbeitgeber f&uuml;r besch&auml;ftigte Altersrentner nicht rentensteigernd aus. Das soll sich &auml;ndern.&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/flexi-rente-rentner-sollen-bald-leichter-dazuverdienen-koennen-1.3160650\">Die Flexirente soll einen verst&auml;rkten Anreiz geben, l&auml;nger zu arbeiten<\/a>. Das hierf&uuml;r versprochene &bdquo;Bonbon&ldquo; ist die Steigerung der eigenen Rentenanspr&uuml;che. Die bittere Pille, die unerw&auml;hnt bleibt und bei den Berechnungen leicht vergessen wird: die Abschl&auml;ge, die bei einer vorgezogenen Altersrente ber&uuml;cksichtigt werden, gelten nicht nur bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze (= zw. 65. und 67. Lebensjahr, je nach Geburtsjahrgang), sondern f&uuml;r die gesamte Dauer des Rentenbezugs, auch f&uuml;r eine sich eventuell daran anschlie&szlig;ende Hinterbliebenenrente.<\/p><p><strong>Es krei&szlig;te der Berg und gebar ein Maus<\/strong><\/p><p>Man darf sich schon wundern, dass in Zeiten, in denen das Problem der Altersarmut endlich erkannt und auch diskutiert wird, die Bundesregierung sich auf ein &bdquo;Luxusproblem&ldquo; konzentriert.<\/p><p>Gibt es tats&auml;chlich so viele Frauen und M&auml;nner jenseits der 63, die keinen sehnlicheren Wunsch haben, als gleitend in den Ruhestand zu kommen? Die bestehenden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Altersteilzeit\">Altersteilzeitregelungen<\/a> sprechen eine andere Sprache. Fast ausschlie&szlig;lich werden von den Arbeitnehmern die Blockmodelle gew&auml;hlt, mit einer Verk&uuml;rzung der Lebensarbeitszeit. Praktizierte Teilzeitmodelle muss man mit der Lupe suchen.<\/p><p>Im Entwurf ist viel von Selbstbestimmung und Flexibilit&auml;t die Rede, von Individualit&auml;t und von M&ouml;glichkeiten. Eine heile Welt also. F&uuml;r ArbeitnehmerInnen mit geringen Arbeitsmarktchancen, die nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten k&ouml;nnen, bietet der Entwurf keine L&ouml;sung, sagt die VdK-Pr&auml;sidentin Ulrike Mascher. Damit trifft sie den Kern: Menschen, die bis ins hohe Alter gutbezahlte Jobs aus&uuml;ben k&ouml;nnen, werden mit der Flexirente bevorteilt, w&auml;hrend man diejenigen, die aufgrund ihres k&ouml;rperlichen oder psychischen Verschlei&szlig;es z.B. eine Erwerbsminderungsrente in Anspruch nehmen m&uuml;ssen, weiter im Regen stehen l&auml;sst. Letztere m&uuml;ssen f&uuml;r ihre nicht frei gew&auml;hlte Fr&uuml;hverrentung dauerhaft empfindliche Abschl&auml;ge in Kauf nehmen. Solidarisch ist das nicht.<\/p><p>Indessen: Der Mittelstand jubelt &uuml;ber diesen Gesetzentwurf. Tats&auml;chlich enth&auml;lt der Gesetzentwurf auch ein Bonbon f&uuml;r die Arbeitgeber: Beitr&auml;ge zur Arbeitslosenversicherung m&uuml;ssen f&uuml;r besch&auml;ftigte Rentner k&uuml;nftig nicht mehr gezahlt werden. Das ist ein fatales Fehlsignal, das junge ArbeitnehmerInnen in einer Konkurrenzsituation bestimmt zu sp&uuml;ren bekommen. Schlie&szlig;lich sind ja die Lohnnebenkosten ein beliebtes Argument von Arbeitgebern.<\/p><p>Das von den Arbeitsagenturen betriebene Modell der &bdquo;Zwangsverrentung&ldquo; (= erzwungene Rentenantragstellung ab dem fr&uuml;hestm&ouml;glichen Rentenbeginn mit vollen Abschl&auml;gen bis zu 10,8 %) von Leistungsbeziehern nach dem SGB II (Sozialgesetzbuch II -Grundsicherung f&uuml;r Arbeitssuchende), wird in diesem Gesetzesentwurf ein wenig abgemildert. K&uuml;nftig sollen nur noch die Leistungsbezieher zur Rentenantragstellung gezwungen werden, denen dauerhaft eine Rentenh&ouml;he unterhalb des Grundsicherungsniveaus droht.<br>\nDas h&ouml;rt sich vern&uuml;nftig an. Im Umkehrschluss bedeutet das aber: Ist eine Rente knapp oberhalb des Grundsicherungsniveaus zu erwarten, darf die Arbeitsagentur die entsprechenden Leistungsbezieher weiter zur Rentenantragstellung mit Abschl&auml;gen &bdquo;zwingen&ldquo;. Eine Mogelpackung.<\/p><p>Alle Protagonisten (Gewerkschaften, VdK, SoVD, die Linke,&hellip;.), die viele brauchbare Vorschl&auml;ge zur Sicherung des Lebensstandards im Alter und zur St&auml;rkung der ersten S&auml;ule, der gesetzlichen Rentenversicherung, ver&ouml;ffentlicht haben, m&uuml;ssen diesen Entwurf als einen Affront empfinden. Erwerbsminderungsrentner und Rentenbezieher in der Grundsicherung sowieso. Als sei es die wichtigste und vordringlichste Aufgabe, Rentnerinnen und Rentner von einer l&auml;ngeren Besch&auml;ftigungsdauer zu &uuml;berzeugen. Das ist Realit&auml;tsverweigerung.<\/p><p>Liebe Abgeordnete, aus deren Mitte dieser Entwurf in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht werden soll: Am besten legen Sie dieses Papier zur Seite und machen sich an die Arbeit, um die wirklichen Probleme der Alterssicherung zu l&ouml;sen. Hilfestellung erhalten Sie bei Menschen und deren Organisationen, die etwas von der Materie verstehen und die genau das auf dem Schirm haben, was Sie verdr&auml;ngen oder aussitzen wollen: Die drohende Altersarmut einer Vielzahl von insbesondere Rentnerinnen, aber in zunehmendem Ma&szlig;e auch von Rentnern.<br>\nF&uuml;r den Fall, dass die Informationen noch nicht zu Ihnen durchgesickert sein sollten, weil Sie noch damit besch&auml;ftigt sind, die Verlautbarungen der Arbeitgeberverb&auml;nde zu studieren, hier ein paar einschl&auml;gige Hinweise &ndash; ohne Anspruch auf Vollst&auml;ndigkeit-, exklusiv f&uuml;r Sie und unsere Leserinnen und Leser:<\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/rente-muss-reichen.de\/\">DGB: Die Rente muss f&uuml;r ein gutes Leben reichen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.sovd.de\/index.php?id=kampagne_altersarmut\">Sozialverband Deutschland<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.vdk.de\/deutschland\/pages\/presse\/vdk-zeitung\/71657\/vdk_im_einsatz_fuer_eine_gerechtere_rente\">VdK im Einsatz f&uuml;r eine gerechtere Rente<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.seniorenaufstand.de\/\">Seniorenaufstand: Solidarische Rente jetzt<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gro&szlig;e Koalition hat nach z&auml;hem Ringen einen Gesetzentwurf zur sogenannten Flexirente ver&ouml;ffentlicht. 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