{"id":3513,"date":"2008-10-16T14:09:34","date_gmt":"2008-10-16T12:09:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3513"},"modified":"2015-11-09T11:32:01","modified_gmt":"2015-11-09T10:32:01","slug":"medienschaffende-uebersehen-gerne-die-wirkung-von-gezielten-kampagnen-und-damit-die-wirkung-ihrer-eigenen-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3513","title":{"rendered":"Medienschaffende \u00fcbersehen gerne die Wirkung von gezielten Kampagnen und damit die Wirkung ihrer eigenen Arbeit"},"content":{"rendered":"<p>In der S&uuml;ddeutschen Zeitung erschien gestern ein <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/283\/314183\/text\/print.html\">Kommentar von Heribert Prantl<\/a>. Er enth&auml;lt wie &uuml;blich Interessantes, ist aber zugleich ein Beleg daf&uuml;r, wie wenig selbst die verbliebenen, einigerma&szlig;en kritischen Journalisten die Rolle der Medien und der Publicrelations f&uuml;r die Meinungsbildung des Publikums erkennen. Sie suchen nach quasi objektiven Gr&uuml;nden f&uuml;r die Meinung der Menschen, wo eine Analyse der abgelaufenen Propaganda den eigentlichen Schl&uuml;ssel zur Erkenntnis liefern w&uuml;rde. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Der Kommentator berichtet unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Deutsche Parteien und das Hilfspaket &ndash; Helden der Finanzkrise&ldquo;, die Deutschen bewahrten im Angesicht der Finanzkrise Ruhe &ndash; und &auml;nderten kaum ihre politischen Pr&auml;ferenzen. Die W&auml;hler r&auml;chten sich nicht einmal an der FDP, und die Linkspartei k&ouml;nne wider Erwarten von der Krise nicht profitieren. <\/p><p>Das ist, wenn man die Wahlergebnisse in Bayern und die Umfrageergebnisse betrachtet, einigerma&szlig;en richtig berichtet. Aber man braucht sich dar&uuml;ber nicht wie Heribert Prantl  zu wundern, wenn man die massive Propaganda beobachtet, die die Finanzkrise begleitet, zum Beispiel:<\/p><ul>\n<li>Steinbr&uuml;ck und Merkel werden zu Helden hochstilisiert, obwohl sie unser Land nachweisbar durch F&ouml;rderung obskurer Finanzprodukte und der T&auml;tigkeit von Heuschrecken f&uuml;r die Krise ge&ouml;ffnet haben.\n<\/li>\n<li>Auf allen Kan&auml;len sozusagen wurde weiter der Versuch gemacht, die &ouml;ffentlichen Banken als die eigentlichen S&uuml;nder und Verlierer darzustellen. Diese verf&auml;lschende Darstellung zahlt sich direkt zum Beispiel f&uuml;r die FDP aus.\n<\/li>\n<li>In Talkshows und bei vielen anderen Gelegenheiten wurde Oskar Lafontaine schon auf l&auml;ppische Weise als Mitverursacher dargestellt, weil er im Verwaltungsrat der KfW sitzt und bei der entscheidenden Sitzung einmal nicht anwesend gewesen sei.\n<\/li>\n<li>Die Bild-Zeitung zum Beispiel hat der Bundeskanzlerin attestiert, dass sie schon lange f&uuml;r eine Regulierung der Finanzm&auml;rkte gewesen sei. Und selbst ihr Vorschlag, Tietmeyer zum Vorsitzenden eines Beratungsgremiums zur Neuordnung der Finanzm&auml;rkte zu machen, wurde ihr nur als Missgriff und nicht als Absicht angerechnet.\n<\/li>\n<li>Die Verfilzung der Politik mit den Hauptmatadoren der Finanzwirtschaft, auch der amerikanischen Investmentbanken, wird in unseren Medien nicht zum Thema gemacht.\n<\/li>\n<li>In ihrer &uuml;berwiegenden Mehrheit wundern sich unsere Medien nicht dar&uuml;ber, dass die Brandstifter jetzt Feuerwehr spielen.\n<\/li>\n<li>Nahezu ausnahmslos wird die beginnende Rezession jetzt der Finanzkrise zugeordnet statt der nachl&auml;ssigen, falschen und versp&auml;teten Wirtschaftspolitik der Bundesregierung und der Hochzinspolitik der EZB. So werden die eigentlichen Verursacher des beginnenden wirtschaftlichen Niedergangs, der schon mit der Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer um drei Punkte begann und am Einbruch des Konsums schon im Sommer 2007 erkennbar war, durch die Finanzkrise, die den angelegten Abschwung verst&auml;rken wird, reingewaschen. Aber selbst diese Reinwaschung ist nur m&ouml;glich, weil die Medien die gesamte Propaganda mitgemacht haben und mitmachen. Sie haben zum Beispiel bis vor kurzem von einem Boom gesprochen und geschrieben, als schon lange erkennbar war, dass es abw&auml;rts geht. Sie haben die Missachtung der Notwendigkeit, konjunkturell gegenzusteuern, nicht angeprangert. Und sie kreiden diesen Fehler den politisch Verantwortlichen selbst jetzt im Kontext des Rettungsprogramms nicht an.\n<\/li>\n<\/ul><p>Sie brauchen auf den NachDenkSeiten nur ein bisschen zur&uuml;ckzuscrollen. Dann werden sie viele Belege f&uuml;r meine kritischen Bemerkungen finden.<\/p><p>Wenn wir in der jetzigen Situation die Rolle der Meinungsbildung &uuml;bersehen, wenn wir nicht beachten, dass aus Mist Marmelade machen kann, wer &uuml;ber die notwendigen finanziellen und publizistischen Mittel verf&uuml;gt, dann werden die notwendigen Sanktionen gegen jene ausbleiben, die f&uuml;r den gro&szlig;en Schaden verantwortlich sind, der angerichtet worden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der S&uuml;ddeutschen Zeitung erschien gestern ein <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/283\/314183\/text\/print.html\">Kommentar von Heribert Prantl<\/a>. Er enth&auml;lt wie &uuml;blich Interessantes, ist aber zugleich ein Beleg daf&uuml;r, wie wenig selbst die verbliebenen, einigerma&szlig;en kritischen Journalisten die Rolle der Medien und der Publicrelations f&uuml;r die Meinungsbildung des Publikums erkennen. 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