{"id":35145,"date":"2016-09-23T11:17:01","date_gmt":"2016-09-23T09:17:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35145"},"modified":"2018-12-30T18:54:42","modified_gmt":"2018-12-30T17:54:42","slug":"colonia-dignidad-donde-estan-wo-sind-sie-ein-erlebnisbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35145","title":{"rendered":"Colonia Dignidad: \u00bfdonde est\u00e1n \u2013 wo sind sie? \u2013 Ein Erlebnisbericht"},"content":{"rendered":"<p>Am Vorabend des 43. Jahrestags des Milit&auml;rputsches vom 11. September 1973 fuhren 50 Vertreter von chilenischen Menschenrechts-Organisationen und der &ldquo;Familienverband verschwundener und hingerichteter Gefangener Talcas, Linares&acute; und Parrals&rdquo; (Familiares de detenidos desaparecidos y ejecutados de Talca, Linares y Parral) zur Ehrung ihrer Toten nach Colonia Dignidad. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der erste Teil (&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35124\">Villa Baviera ist obsz&ouml;n!<\/a>&ldquo;) erschien gestern auf den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Nach staubiger Anfahrt aus Parral, 350 Kilometer s&uuml;dlich von Santiago de Chile gelegen, n&auml;hert sich gegen 1 Uhr mittags der Bus der Eingangspforte von &ldquo;Villa Baviera&rdquo;. Doch in einer Kurve, wenige hundert Meter vor dem Ziel, werden die <em>Familiares<\/em> von einem erstaunlichen Polizeiaufgebot der <em>Carabineros<\/em> &ndash; Motorr&auml;der, Streifenwagen und Gefangenen-Transporter &ndash;  erwartet.<\/p><p>Als Gast der Delegation war ich in Parral in den aus Santiago kommenden Bus zugestiegen und vermutete zun&auml;chst, die Polizei sei zur Begr&uuml;&szlig;ung und zum Schutz der Anreisenden vorgefahren. Immerhin wird Chile von einer ehemaligen politischen Gefangenen regiert, deren Vater, der Allende-treue Luftwaffen-General Alberto Bachelet, von Augusto Pinochets Schergen umgebracht wurde.<\/p><p>Welch&acute; naive Schlussfolgerung! <\/p><p>Als die Pforte erreicht wird, kl&auml;rt sich das grobe Missverst&auml;ndnis: die Ordnungsh&uuml;ter wollten umgekehrt das Aussteigen und Betreten des Dignidad-Wellness-Resorts durch die Familienangeh&ouml;rigen verhindern. <\/p><p>Die Schranke, die f&uuml;r Personalien-&Uuml;berpr&uuml;fung die Durchfahrt zum Freizeit-Resort blockiert, verblieb in der Waagerechten. Offenbar f&uuml;rchtete der Empfang eine St&ouml;rung des Fremdenverkehrs und funkte Polizeischutz herbei.<\/p><p>Nach resolutem Auftreten Myrna Troncosos &ndash; Sprecherin der Familienangeh&ouml;rigen und Schwester eines Verschwundenen, die der Polizei die Genehmigung von Untersuchungsrichter Mario Carroza entgegenh&auml;lt &ndash; wird der Restweg freigegeben. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/169022_ColoniaDignidad6.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/169022_ColoniaDignidad6-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><br>\n<em>&ldquo;Bei Betrachtung dieses Stroms erblickst Du die Schatten unserer Angeh&ouml;rigen und Freunde auf ihrer Wanderung durch die Erinnerungen&nbsp;unseres Volkes&rdquo;<\/em><\/p><p><strong>Das Massengrab<\/strong><\/p><p>Als einzigen ausl&auml;ndischen Journalisten bat mich Troncoso kommentarlos, in den Wagen eines Dignidad-Siedlers einzusteigen. Ich verstand schnell: als offiziell akkreditierter Korrespondent sollte die Geste Polizei und Siedlern Respekt abgewinnen.<\/p><p>Nun begann die Anfahrt auf einem engen, kurvenreichen und steinigen Waldweg zum eigentlichen Ziel. <\/p><p>Zur Verscheuchung meines mulmigen Gef&uuml;hls ermutigte ich ein Gepl&auml;nkel &uuml;ber den Touristenverkehr. Zu meinem Erstaunen stellt sich der Fahrer, den ich als Deutschen vermutete, als flie&szlig;end sprechender Chilene vor: Jos&eacute; Patricio Schmidt. Den Ursprung des deutschen Familiennamens kl&auml;rt ein sp&auml;teres Video-Interview. Seine Begleiterin mit indianischen Gesichtsz&uuml;gen und zust&auml;ndig f&uuml;r die Restaurant-Werbung, z&auml;hlt mir die Leckerbissen des deutschen Men&uuml;s auf, dessen sich &uuml;berwiegend Chilenen erfreuen sollen. <\/p><p>Wie in s&auml;mtlichen deutschen Zuwanderungsgebieten S&uuml;damerikas, wird auch auf &ldquo;Villa Baviera&rdquo; mit peinlichsten Klischees bajuwarische Bierseligkeit feilgeboten. Samt Schweinshaxe, Sauerkraut und Bierkr&uuml;gen auf dem Tablett t&auml;nzeln die Nachfahren der &uuml;berwiegend von Vertriebenen aus ehemaligen deutschen Ostgebieten gegr&uuml;ndeten Kolonie, in Lederhosen und Dirndlkleidern zu alpiner Jodelmusik heran und verkaufen den Einheimischen ihre Szenerie als &ldquo;typisch deutsch&rdquo;. <em>Im kommenden Monat, eine Nummer gr&ouml;&szlig;er, mit nachgeahmtem &ldquo;Oktoberfest&rdquo;<\/em>.<\/p><p>Nach etwa 12 Kilometern Waldweg durch das 160 Quadratkilometer messende Koloniegebiet erreichten wir im Feldbereich Chenco die Fosa ein 2006 von Dignidad-Siedlern an die Justizbeh&ouml;rden verratenes Riesengrab vom Ende der 1970er Jahre, in das Teile zerlegter PKWs samt ihrer zur Kolonie verschleppten Besitzer heimlich begraben wurden. <\/p><p>Doch 1978 bef&uuml;rchtete Chiles Junta-Chef Augusto Pinochet, die landesweit verstreuten Massengr&auml;ber k&ouml;nnten entdeckt werden, und beschloss mit Kodewort &ldquo;Abschaltung der Fernsehger&auml;te&rdquo; (&ldquo;Operativo Retiro de Televisores&rdquo;) die Austrocknung der Gr&auml;ber und die Exhumierung der Gefangenen-Leichen.<\/p><p>Mit kaum zu &uuml;berbietender Abscheulichkeit wurden damit in ganz Chile ann&auml;hernd 150 politische Gefangene aufs r&uuml;deste &ldquo;entsorgt&rdquo;, ihre Leichen u.a. mit Eisenbahnschienenteilen belastet, in Plastiks&auml;cke verpackt, auf Milit&auml;rflugzeuge geladen und &uuml;ber dem Pazifik abgeworfen. In einem Interview vom April 1995, suggerierte Osvaldo Romo &ndash; ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigter, inhaftierter Folterer von Pinochets Geheimpolizei DINA &ndash; in einigen F&auml;llen &ldquo;k&ouml;nnten&rdquo; Gefangene in den Vulkankrater gest&uuml;rzt worden sein, weil einzelne Leichen trotz Ballast vom Meer angeschwemmt wurden. <\/p><p>Doch wegen des bergigen und holprigen Gel&auml;ndes auf Chenco befahl, nach Absprache mit DINA-Kommandeur Manuel Contreras, Paul Sch&auml;fer seinen Wachm&auml;nnern, die verwesten Leichen in vier &Ouml;fen zu verbrennen und &ndash; zur Ausradierung jeder Spur des  Verbrechens &ndash; die Asche in den Fluss Perquilauqu&eacute;n zu streuen.<\/p><p><strong>Der &ldquo;Leichen-Entsorger&rdquo;<\/strong><\/p><p>Im Sommer 2013 erfuhr ich vom Umzug eines dieser Wachm&auml;nner in die 170 Kilometer s&uuml;dlicher gelegene Stadt Los &Aacute;ngeles. Die blo&szlig;e Erw&auml;hnung seines Namens &ndash; Willy Malessa &ndash; sorgt f&uuml;r Entsetzen unter eingeweihten Chilenen.<\/p><p>Malessa war es, der 1978 im Auftrag Erwin Feges &ndash; dem Chef von Sch&auml;fers Sicherheitsdienst &ndash; die makabere Leichenausgrabung, -verbrennung und -ein&auml;scherung am Perquilauqu&eacute;n durchgef&uuml;hrt hatte. Die mit pyschopathischer Menschenverachtung durchgef&uuml;hrte Spurenbeseitigung wurde im M&auml;rz 2004 vom Kolonie-Fl&uuml;chtling Jos&eacute; Efra&iacute;n Vetter Veuhof dem Fernsehsender Chilevisi&oacute;n geschildert und nachtr&auml;glich vor Richter Zepeda bezeugt. &ldquo;Auf Befehl Paul Sch&auml;fers vergrub Willy Malessa 15 Wagen verschwundener H&auml;ftlinge mit einem Bagger vom Typ K-235&hellip; Eine ganze Woche lang war er allein in einem entlegenen Tal damit besch&auml;ftigt. Malessa und Fege d&uuml;rften wissen, wo sich die Verschwundenen befinden&rdquo;, warnte Veuhof vor 12 Jahren. <\/p><p>Auf der Suche nach Malessas Werkstatt-Adresse ergab sich an einem Samstagnachmittag eine Zufallsbegegnung mit dem Dignidad-Wachmann, der sofort ein Gespr&auml;ch mit mir &uuml;ber das Verbrechen scharf ablehnte. <\/p><p>Im Bericht der chilenischen Kommission f&uuml;r Wahrheit und Wiedervers&ouml;hnung, vom Februar 1991, &uuml;ber Menschenrechtsverletzungen der Pinochet-Diktatur werden mindestens 34 verschwundene politische Gefangene auf dem Gebiet von Colonia Dignidad genannt. Ferner gestanden angeklagte Vorstandsmitglieder gegen&uuml;ber Richter Zepeda die Hinrichtung von mindestens 22 Gefangenen aus den umliegenden Kreisst&auml;dten Parral und Linares, denen acht weitere, aus den Folterzentren Cuatro &Aacute;lamos und Villa Grimaldi herangeschleppte Gefangene zugerechnet werden. <\/p><p>Gerhard M&uuml;cke, ein anderer Wachmann, gestand im Juli 2005, Zeuge vom Antransport von 20 bis 30 Gefangenen und von Sch&uuml;ssen gewesen zu sein. Das Eingest&auml;ndnis erfolgte allerdings, nachdem M&uuml;cke zwei Monate zuvor behauptet hatte, von Umtrieben chilenischer Milit&auml;rs und der Folterung politischer Gefangener auf dem Siedlungsgel&auml;nde nichts gewusst zu haben.<\/p><p>&ldquo;Ich weiss nix!&rdquo;, war auch die Antwort eines befragten Werkstatt-Meisters der Siedlung im Dokumentarfilm &ldquo;Deutsche Seelen &ndash; Leben nach der Colonia Dignidad&rdquo; (2009), von Matthias Zuber, Martin Farkas und Britta Buchholz. Mit S&auml;tzen wie &ldquo;Warum sollte ich das wissen?&rdquo;, &ldquo;Schwamm dr&uuml;ber!&rdquo; und &ldquo;Vergangenheit begraben!&rdquo;, wich der deutsche Siedler den bohrenden Fragen dar&uuml;ber aus, ob er politische H&auml;ftlinge auf dem Gel&auml;nde gesehen habe. Mit fl&uuml;chtenden Blicken gab er schlie&szlig;lich zu, einen mit Augenbinde eingekerkerten, chilenischen Gefangenen &ldquo;betreut&rdquo; zu haben. Der H&auml;ftling verschwand. Doch davon wusste er wieder nichts. &ldquo;Es ist besser, nicht viel zu wissen&rdquo;, war sein Res&uuml;mee.<\/p><p>&Auml;hnlich offenbarte sich auch Kurt Schnellenkamp vor der Kamera. <\/p><p>Das ehemalige Mitglied der Waffen-SS, weitgereister Waffenh&auml;ndler im Auftrag Sch&auml;fers und dessen engster Mitarbeiter, agierte als eine Art &ldquo;Wirtschaftsminister&rdquo; der deutschen Enklave. Mit dem Blick des lauernden Fuchses und inszenierter Zuf&auml;lligkeit &ndash; &ldquo;ja, da war so was&hellip;&rdquo; &ndash; gab er zu, hinter einem Vorhang das Verh&ouml;r eines in der Nacht herangeschleppten Chilenen beobachtet zu haben, ohne daran pers&ouml;nlich beteiligt gewesen zu sein. <\/p><p>Mit 21 weiteren Hierarchen und Wachm&auml;nnern der Siedlung wurde Schnellenkamp 2006 wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch zu f&uuml;nf Jahren Haft verurteilt, doch im Rahmen einer Kronzeugen-Abmachung von Richter Zepeda bald wieder auf freien Fu&szlig; gesetzt. Ebenso &ldquo;Leichen-Entsorger&rdquo; Malessa, der seit seinem Freispruch mit gespenstig temperiertem Zynismus spottete, schlie&szlig;lich &ldquo;ist es nicht verboten, Autos zu begraben!&rdquo;.<\/p><p>Im Austausch f&uuml;r Strafma&szlig;-Linderungen oder Freispruch verrieten Siedlungs-Direktoren und Wachm&auml;nner das geheime Bunkersystem, ferner das beachtliche Waffenarsenal samt Waffenschmiede, die systematisch angewendeten Psychopharmaka, das Lauschsystem mit geheimen Mikrophonen, Kameras und Trittsensoren im Wald. Schlie&szlig;lich auch das Massengrab mit Autowracks und den &Uuml;berresten von mindestens sechs Verschwundenen. <\/p><p>Allerdings soll Schnellenkamp sich unter Siedlern damit gebr&uuml;stet haben, das entscheidende Waffenlager befinde sich weiterhin an sicherem Ort unter der Erde. Nur zuf&auml;llig erfuhr Zepeda, dass Schnellenkamp und M&uuml;cke auch ma&szlig;geblich an der Entf&uuml;hrung, der barbarischen Folterung und dem Verschwinden des chilenischen Medizin-Studenten Alvaro Modesto Vallejos Villagr&aacute;n beteiligt waren.<\/p><p>Und dann Schnellenkamps Credo: &ldquo;Trotz allem, meinen Eid auf Paul Sch&auml;fer werde ich niemals widerrufen!&rdquo;.<\/p><p>Malessas Spott und Schnellenkamps Gel&uuml;bde lesen sich wie Wiederholungen des reuelosen Adolf Eichmann in Hannah Arendts Reportage &raquo;Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht &uuml;ber die Banalit&auml;t des B&ouml;sen.&laquo; <\/p><p>&raquo;Reue ist etwas f&uuml;r kleine Kinder&laquo;, sagte Eichmann einst in einem Verh&ouml;r. Mit seinem Verweis auf die Befehle seiner Vorgesetzten, die er gedanken- und widerspruchslos ausf&uuml;hrte, versuchte er seine Rolle zu verharmlosen. Mit vergleichbarer Banalisierung ihrer Verbrechen wiederholten in Chile die Dignidad-Killer die Geschichte.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/169022_ColoniaDignidad2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/169022_ColoniaDignidad2-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><strong>Die black box und die Unf&auml;higkeit zu trauern<\/strong><\/p><p>In den Darstellungen &uuml;ber Colonia Dignidad gehen oft die Unterschiede zwischen den Verbrechen gegen die internen Sektenmitglieder und die nach au&szlig;en gerichtete kriminelle Vereinigung unter, wie die aktive Beteiligung am Vernichtungs-Feldzug gegen Oppositionelle der Pinochet-Diktatur, Waffenhandel und Spionage.<\/p><p>Herman Schwember, von der chilenischen Regierung f&uuml;r die Betreuung der gesch&auml;digten Sektenmitglieder beauftragter Wissenschaftler und Buchautor (siehe &ldquo;Delirios e Indignidad &ndash; El Est&eacute;ril Mundo de Paul Sch&auml;fer&rdquo; \/\/ &ldquo;Wahn und Unw&uuml;rde &ndash; Die sterile Welt des Paul Sch&auml;fer&rdquo; &ndash; Santiago, 2009), warnte kurz vor seinem 2008 erfolgten Tod: &ldquo;Die Preisgabe der schrecklichen Kolonie-Geheimnisse war selektiv. Richter Zepeda erfuhr nur, was die Sektenmitglieder ihm erz&auml;hlen wollten, und nicht, was sie tats&auml;chlich wissen. Damit stehen die Ermittlungen vor einer black box!&rdquo;. &Uuml;ber die circa 140 auf Dignidad verbliebenen Siedler sagte Schwember: &ldquo;Wenn man sieht, was alles geschehen ist, und wie es geschehen ist, kann es nicht sein, dass sie nichts gewusst haben. Wenn sie nicht rekonstruieren, was tats&auml;chlich passiert ist, werden sie keine Fortschritte machen&rdquo;.<\/p><p>Schwembers Warnungen werden von zwei erschwerenden Ermittlungsbehinderungen erg&auml;nzt. <\/p><p>Zum einen wollen die Menschenrechts-Organisationen weder die Freispr&uuml;che Zepedas f&uuml;r die Dignidad-T&auml;ter noch die Entscheidung des Richters akzeptieren, jene 40.000 vom Siedlungs-Theologen Gerd Seewald insgeheim angelegten Karteikarten, mit Personaldaten von Freunden und Feinden, unter Verschluss zu halten. <\/p><p>Die Karteikarten best&auml;tigen u.a. Hinweise von Zeugenaussagen auf mindestens neun weitere Massengr&auml;ber, in denen 100 vermisste Opfer vermutet werden. Mehr noch: als Hauptgrund f&uuml;r den Verschluss wird die Auflistung einer breiten Schar von bisher unbehelligten Politikern, Wirtschaftskapit&auml;nen und Diplomaten als Dignidad-F&ouml;rderer und Drahtzieher genannt. <\/p><p>Zum anderen hat das Ausw&auml;rtige Amt mit dem Bescheid vom April 2016 l&auml;ngst nicht alle Enth&uuml;llungsakten freigegeben &ndash; ganz zu schweigen vom seit den 1970er Jahren nachweislich in die Waffengesch&auml;fte der Terrorsekte involvierten und in deren Menschenrechts-Verbrechen eingeweihten Bundesnachrichtendienst (BND).<\/p><p>Was Schwember die erforderliche &ldquo;Rekonstruktion&rdquo; nennt, umschrieben in den 1970er Jahren die Frankfurter Psychoanalytiker Alexander und Margarete Mitscherlich in einem Schl&uuml;sseltext f&uuml;r die &bdquo;Bew&auml;ltigung&rdquo; der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik mit &bdquo;Die Unf&auml;higkeit zu trauern&rdquo;. N&auml;mlich die Gefahr, dass an die Stelle von Trauerarbeit gem&auml;&szlig; Freuds Formel &bdquo;Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten&rdquo;, eine Verleugnung der Vergangenheit treten k&ouml;nne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Vorabend des 43. Jahrestags des Milit&auml;rputsches vom 11. September 1973 fuhren 50 Vertreter von chilenischen Menschenrechts-Organisationen und der &ldquo;Familienverband verschwundener und hingerichteter Gefangener Talcas, Linares&acute; und Parrals&rdquo; (Familiares de detenidos desaparecidos y ejecutados de Talca, Linares y Parral) zur Ehrung ihrer Toten nach Colonia Dignidad. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20],"tags":[669,1966,927,901,1967,305,1963,545],"class_list":["post-35145","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","tag-chile","tag-colonia-dignidad","tag-folter","tag-geheimdienste","tag-hinrichtungen","tag-menschenrechte","tag-pinochet-augusto","tag-sexueller-missbrauch"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35145"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35145\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48157,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35145\/revisions\/48157"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}