{"id":35210,"date":"2016-09-28T16:09:48","date_gmt":"2016-09-28T14:09:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35210"},"modified":"2016-09-28T19:10:04","modified_gmt":"2016-09-28T17:10:04","slug":"interview-mit-james-galbraith","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35210","title":{"rendered":"Interview mit James Galbraith"},"content":{"rendered":"<p><strong>James Galbraith<\/strong>, ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler. Auf dem IPB Weltkongress &bdquo;Disarm! For a Climate of Peace &ndash; Creating an Action Agenda&ldquo; vom 30. September bis 3. Oktober an der TU Berlin wird er zu &bdquo;The Price of War and Peace&ldquo; referieren. Galbraith ist Vorsitzender der &Ouml;konomen f&uuml;r Frieden und Sicherheit (Economists for Peace and Secrurity).<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ihr neuestes Buch hei&szlig;t &ldquo;Rethinking Growth&ldquo; (Wachstum &uuml;berdenken). Was k&ouml;nnen wir als Laien von der Wirtschaftskrise lernen?<\/strong><\/p><p>Mein neuestes Buch hei&szlig;t &ldquo;Welcome to the Poisoned Chalice: The Destruction of Greece and the Future of Europe&ldquo; (Willkommen zum vergifteten Kelch: Die Zerst&ouml;rung Griechenlands und die Zukunft Europas), Yale University Press, 2016. Es ist ein Bericht &uuml;ber meine f&uuml;nfmonatige enge Zusammenarbeit mit der griechischen Regierung bez&uuml;glich ihrer Bem&uuml;hungen im Jahr 2015, einen akzeptablen wirtschaftlichen Deal von ihren Gl&auml;ubigern zu erhalten.<\/p><p>Die j&uuml;ngste Ver&ouml;ffentlichung in deutscher Sprache ist &bdquo;Wachstum neu denken: Was die Wirtschaft aus den Krisen lernen muss&ldquo;, basierend auf meinem 2014 erschienenen Buch &ldquo;The End of Normal&ldquo; (Das Ende von Normal). Dieses Argument spricht f&uuml;r sich selbst, glaube ich, und ist zug&auml;nglich auch f&uuml;r Laien.<\/p><p><strong>Was bedeutet &bdquo;normal&ldquo; und was kommt danach?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r diese Frage gibt es so eine lange Antwort, dass ich ihr ein ganzes Buch gewidmet habe. Was ich meinte war, dass die &uuml;blichen Praktiken von &Ouml;konomen und Statistikern, die daraus bestehen, aus der Vergangenheit die Zukunft zu extrapolieren, in die Irre f&uuml;hren, wenn sich die grundlegenden Bedingungen &auml;ndern. Und ich bin der Meinung, dass man wichtige Ver&auml;nderungen identifizieren kann; sie f&uuml;hren zur&uuml;ck bis in die Mitte der 1970er Jahre in fast der ganzen Welt und schlie&szlig;en sich an die 2000er Jahre in den Vereinigten Staaten an.<\/p><p><strong>Sind die wirtschaftlichen Eliten (noch) vertrauensw&uuml;rdig?<\/strong><\/p><p>Warum &bdquo;noch&ldquo;? Es liegt in der Natur einer wirtschaftlichen Elite, besorgt zu sein, und zwar in erster Linie, besorgt um die Akkumulierung von Reichtum. Wissenschaftliche, technische, k&uuml;nstlerische und religi&ouml;se Eliten haben Standards, dazu geh&ouml;rt auch Vertrauensw&uuml;rdigkeit. Wirtschaftseliten nicht. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der Wirtschaftseliten als vertrauensw&uuml;rdig angesehen wurden, und mir ist auch kein Grund ersichtlich, warum sie heute vertrauensw&uuml;rdig seien sollten.<\/p><p><strong>Wie kann ein alternatives und nachhaltiges Wirtschaftssystem durchgesetzt und etabliert werden?<\/strong><\/p><p>Durch eine demokratische Regierung. Es kann sein, dass es nicht funktioniert. Aber es ist der einzige Weg.<\/p><p><strong>Was sind die Hindernisse f&uuml;r die Errichtung eines solchen nachhaltigen Wirtschaftssystems? Und was m&uuml;ssen wir ver&auml;ndern?<\/strong><\/p><p>Das erste, was sich &auml;ndern muss, sind die autokratischen, reaktion&auml;ren und dysfunktionalen Ideen, die derzeit die Diskussionen in der Wirtschaftspolitik dominieren. Die zweite Sache, die wir &auml;ndern m&uuml;ssen, sind die Institutionen, die derzeit daran arbeiten, konstruktive &Auml;nderung zu verhindern.<\/p><p><strong>&ldquo;Das Milit&auml;r ist nutzlos&rdquo;, sagen viele, aber die Gewinnraten des milit&auml;risch-industriellen Komplexes sind fast so hoch wie die Gewinne von Spekulanten. Ist das ein Widerspruch?<\/strong><\/p><p>Nein. Der Goldbergbau ist nutzlos, aber profitabel. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r viele andere Aktivit&auml;ten. Bezeichnend f&uuml;r das moderne Milit&auml;r ist: Es ist nicht nur weitgehend nutzlos, es ist auch sehr destruktiv.<\/p><p><strong>Aber profitabel. Was muss getan werden, um die Milit&auml;rausgaben zu reduzieren? Oder besser: Was muss getan werden, um die &bdquo;demokratischen&ldquo; Regierungen zu &uuml;berzeugen, die Milit&auml;rausgaben zu reduzieren?<\/strong><\/p><p>Eine starke Volksbewegung, die nationale Ressourcen in produktiver Weise nutzt, w&auml;re ein Anfang. Und beachten Sie, da Milit&auml;rausgaben im historischen Vergleich in vielen europ&auml;ischen L&auml;ndern und Japan nicht gerade sehr hoch sind, sollte der Vorsto&szlig; sein, dem Druck zur Erh&ouml;hung der Militarisierung in diesen L&auml;ndern zu widerstehen. Und vor allem: die Atomwaffenabschaffung.<\/p><p><strong>Jean Jaur&egrave;s, der gro&szlig;e franz&ouml;sische Sozialist, der infolge des Ersten Weltkriegs get&ouml;tet wurde, erkl&auml;rte, dass der Kapitalismus den Krieg tr&auml;gt wie eine Wolke den Regen. Also, m&uuml;ssen wir den Kapitalismus &uuml;berwinden, wenn wir den Militarismus &uuml;berwinden m&ouml;chten? Oder gibt es andere (wirtschaftliche) M&ouml;glichkeiten, Frieden zu f&ouml;rdern?<\/strong><\/p><p>Jean Jaur&egrave;s wurde bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges get&ouml;tet, und zwar am 31. Juli 1914. Der Krieg brach einen Tag danach aus. Adam Smith stimmte, nebenbei bemerkt, mit seiner Position &uuml;berein, als er schrieb, dass &bdquo;die kaprizi&ouml;sen Ambitionen der K&ouml;nige und Minister w&auml;hrend des gegenw&auml;rtigen und vergangenen Jahrhunderts nicht fataler f&uuml;r die Ruhe Europas waren, als die unversch&auml;mte Eifersucht der H&auml;ndler und Hersteller.&ldquo;<\/p><p><strong>Was sind die Alternativen?<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nIm Gegensatz zu dem, was allgemein gesagt wird, gibt es viele Alternativen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>James Galbraith<\/strong>, ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler. Auf dem IPB Weltkongress &bdquo;Disarm! For a Climate of Peace &ndash; Creating an Action Agenda&ldquo; vom 30. 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