{"id":35247,"date":"2016-09-30T14:04:03","date_gmt":"2016-09-30T12:04:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35247"},"modified":"2018-09-18T13:26:34","modified_gmt":"2018-09-18T11:26:34","slug":"kriegstreiber-in-latzhosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35247","title":{"rendered":"Kriegstreiber in Latzhosen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160930_Dominic_Johnson.jpg\" title=\"Dominic Johnson\" alt=\"Dominic Johnson\"><\/div><p>Fr&uuml;her war nicht alles besser, aber fr&uuml;her war doch sehr vieles einfacher. Linke Journalisten pl&auml;dierten f&uuml;r Abr&uuml;stung und Frieden, w&auml;hrend das reaktion&auml;re Lager gerne dem Hurra-Patriotismus fr&ouml;nte. Sicher, die Pickelhaubentr&auml;ger in den Redaktionen von WELT, BILD und FAZ sind nicht ausgestorben. Sie haben jedoch Zuwachs aus einer Ecke bekommen, die man nicht unbedingt mit Militarismus verbinden w&uuml;rde &ndash; dem linksliberalen Latzhosenmilieu der ehemals linken Tageszeitung taz. Deren &bdquo;Ressortleiter Ausland&ldquo; hei&szlig;t Dominic Johnson und Johnson ist in puncto Militarismus einer der sch&auml;rfsten Kriegstreiber der Branche. Freilich geht es ihm dabei nicht um Kriege aus &bdquo;egoistischen Gr&uuml;nden&ldquo;, sondern um die militaristische Durchsetzung universeller Menschenrechte. Ist das noch Naivit&auml;t oder schon als Naivit&auml;t getarnte Kriegstreiberei? Diejenigen, die liebend gerne Kriege aus egoistischen Gr&uuml;nden f&uuml;hren wollen, k&ouml;nnen sich jedenfalls f&uuml;r so viel Sch&uuml;tzenhilfe von links nur bedanken. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nVor wenigen Tagen wies Albrecht M&uuml;ller im Rahmen eines umfassenderen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35193\">Artikels<\/a> auf das j&uuml;ngste Schauerst&uuml;ck von Dominic Johnson hin. In seinem Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5339434\">Her mit der Flugverbotszone<\/a>&ldquo; forderte Johnson am letzten Montag die Einrichtung einer Flugverbotszone &uuml;ber Syrien, die in letzter Konsequenz der Luftwaffe der NATO-Staaten erlauben soll, russische Flugzeuge &uuml;ber Syrien abzuschie&szlig;en. So weit gehen noch nicht einmal die S&auml;belrassler von WELT, BILD und FAZ. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass man sich ernsthaft Sorgen um Johnsons Geisteszustand machen muss. Nach dem Abschuss von MH17 &uuml;ber der Ostukraine <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5037233\/\">forderte<\/a> Johnson beispielsweise allen Ernstes die Erkl&auml;rung des NATO-B&uuml;ndnisfalls. Ok, liebe taz &ndash; Meinungspluralit&auml;t ist ja ein hohes Gut. Aber irgendwo muss es doch auch einmal eine <a href=\"http:\/\/magazin.spiegel.de\/EpubDelivery\/spiegel\/pdf\/13527398\">rote Linie<\/a> geben.<\/p><p>Was treibt ausgerechnet einen taz-Journalisten dazu, mit der Feder den Einsatz des Schwertes herbeif&uuml;hren zu wollen? Um es vorwegzunehmen: Johnson ist meines Erachtens kein &bdquo;Handlanger&ldquo; der R&uuml;stungslobby oder &auml;hnliches. Er gleicht vielmehr einem naiven Anti-Faust, der stets das Gute will und stets das B&ouml;se schafft.  Johnson forderte milit&auml;rische Interventionen im Irak, in Syrien, in der Ukraine, in Somalia, Zentralafrika und fast jedem anderen Konfliktherd auf der Welt. Johnsons Lieblingssatz ist &bdquo;Die internationale Staatengemeinschaft darf das nicht hinnehmen&ldquo;, gefolgt von moralinsauren Vergleichen zu Auschwitz, Ruanda, Srebrenica und anderen grauenhaften Massenmorden. Die Botschaft: Wer wegguckt, macht sich strafbar. Nur wer was tut, hat aus der Geschichte gelernt. Ach, wenn es doch nur so einfach w&auml;re.<\/p><p>Wenn es um Syrien geht, ist Dominic Johnson schon lange der Kragen geplatzt. Bereits 2012 <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5081718\">forderte<\/a> er unter der vielsagenden &Uuml;berschrift &bdquo;Eingreifen! Jetzt!&ldquo; eine milit&auml;rische Intervention Deutschlands in Syrien. Ein Jahr sp&auml;ter bem&uuml;hte er sogar &bdquo;Fotos von KZ-Opfern&ldquo;, um in einem Artikel mit der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5059392\">Nichtstun? Oder lieber nichts tun?<\/a>&ldquo; noch einmal mit dem S&auml;bel zu rasseln und die deutsche Politik zu einem milit&auml;rischen Eingreifen in Syrien zu treiben. <\/p><p>Es ist wohl sicher wenig &uuml;berraschend, dass Johnsons Syrien-Expertise sich 1:1 auf,  nennen wir sie einmal vorsichtig &bdquo;oppositionelle&ldquo; Quellen beruft. Abw&auml;gungen oder gar differenzierte Betrachtungen sucht man bei Johnson vergebens. Die &bdquo;Widerstandsk&auml;mpfer&ldquo; sind die Guten, die Regierungsarmee, gerne auch personifiziert als &bdquo;Assad&ldquo; oder schlicht &bdquo;das Regime&ldquo;, sind die B&ouml;sen. Und wenn nicht mehr zu verheimlichen ist, dass die &bdquo;Opposition&ldquo; doch zum &uuml;bergro&szlig;en Teil aus Islamisten besteht, also einer Gruppierung, die einem linksliberalen taz-Mann eigentlich nicht so f&uuml;rchterlich nahe stehen sollte, dann ist daran nat&uuml;rlich auch das &bdquo;Nichtstun&ldquo; des Westens schuld. Was nicht passt, wird passend gemacht. So einfach kann Journalismus sein.<\/p><p>Dominic Johnson ist Fachmann f&uuml;r Afrika und &uuml;bertr&auml;gt seine Erfahrungen vom schwarzen Kontinent nur all zu gerne auf andere Konfliktherde. Dabei geht er jedoch leider meist holzschnittartig und unterkomplex vor. Die &bdquo;friedlichen Revolutionen&ldquo; des sogenannten Arabischen Fr&uuml;hlings fand er nat&uuml;rlich ganz toll. Demokratie! Menschenrechte! Wunderbar! Und wenn die Machthaber ihre Pfr&uuml;nde nicht freiwillig hergeben wollen?<\/p><p>In einem vollkommen anderen Kontext, n&auml;mlich dem B&uuml;rgerkrieg in der Ostukraine, <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5021342\">pocht Johnson darauf<\/a>, dass jeder Staat &bdquo;nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht [hat], gegen Gewaltakteure vorzugehen, die auf seinem Territorium die Verfassungsordnung bek&auml;mpfen&ldquo;. Was f&uuml;r die Ukraine in Johnsons Welt ein selbstverst&auml;ndliches Recht ist, gilt f&uuml;r Syrien nat&uuml;rlich nur eingeschr&auml;nkt. Denn &ndash; und bereits hier kommt Johnson ins Schlingern &ndash; das staatliche Recht, gegen Gewaltakteure vorzugehen, sei damit verbunden, dass der Staat selbst &bdquo;das Recht&ldquo; achtet. Nur um welches Recht geht es?<\/p><p>In einem Artikel unter der vielsagenden &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!796828\/\">Das V&ouml;lkerrecht gilt nicht<\/a>&ldquo; legt Johnson bereits 2003 in einem Kommentar zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs dar, was f&uuml;r ihn g&uuml;ltige Kriterien zur Kriegsf&uuml;hrung sind. Das V&ouml;lkerrecht geh&ouml;rt nicht dazu. <strong>&bdquo;Der Test, ob ein Krieg gerechtfertigt ist oder nicht, besteht nicht in der Einhaltung juristischer Prinzipien, sondern in der Wahrung der Menschenrechte&ldquo;<\/strong>, so Johnson. <\/p><p>Problematisch ist an dieser Definition vor allem, dass der Begriff &bdquo;Menschenrechte&ldquo; zum einen sehr vage und zum anderen ein rein europ&auml;isch-amerikanisches Konzept ist.  Die Idee, die Menschenrechte mit Waffenwalt zu einem universellen Dogma zu machen, w&uuml;rde wohl selbst den Philosophen der Aufkl&auml;rung den Schrecken ins Gesicht treiben. Abgesehen davon begibt man sich in einen sehr gef&auml;hrlichen Bereich, wenn man die Wahrung der Menschenrechte zur monokausalen Begr&uuml;ndung von Krieg und Frieden erhebt und gleichzeitig juristische Prinzipien verteufelt. Wer soll dann bitte wie &uuml;berpr&uuml;fen, ob die Menschenrechte gewahrt werden? Die Antwort ist ebenso einfach wie verschreckend: Die Medien &ndash; oder besser gesagt, die Propaganda, der die Medien aufsitzen. <\/p><p>In diesem Kontext ist Johnsons zweite <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5099310\/\">grunds&auml;tzliche Erkl&auml;rung<\/a>, nach der <strong>&bdquo;eine humanit&auml;re Intervention sich aus sich selbst legitimieren muss&ldquo;<\/strong>, eine Steilvorlage f&uuml;r jeden Kriegstreiber in Latzhosen. Sobald ein Staat die Menschenrechte seiner Bev&ouml;lkerung nicht wahrt, w&auml;re demnach ein Angriffskrieg gegen diesen Staat gerechtfertigt. <\/p><p>In Dominic Johnson lebt ein naives Kind, das immer wieder &bdquo;das gilt nicht&ldquo; schreit, wenn es auf echtes oder gef&uuml;hltes Unrecht st&ouml;&szlig;t. Sicher &ndash; jeder von uns f&uuml;hlt sich hundsmiserabel, wenn er an die Opfer von Srebrenica, Ruanda oder Aleppo denkt. Jeder von uns w&uuml;rde Morde, Kriege und Unrecht lieber heute als morgen stoppen. Wenn man dies erreichen w&uuml;rde, indem man einfach ein paar Soldaten in die Krisengebiete schickt, w&auml;re die Welt schon schnell ein besserer Ort. Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass es nicht so einfach ist. Die Geschichte lehrt uns auch, dass die gro&szlig;e Propagandisten &bdquo;humanit&auml;rer Kriege&ldquo; alles andere als altruistisch sind. <\/p><p>Kosovo, Irak, Libyen, Afghanistan und nun Syrien &ndash; die Motive f&uuml;r den Westen, in aller Welt Kriege zu f&uuml;hren, waren nie altruistisch, sondern stets egoistisch. Wie sieht es denn heute in diesen L&auml;ndern in puncto Menschenrechten aus? Haben &bdquo;wir&ldquo; im Irak wirklich erfolgreich Menschenrechte herbeigebombt? Haben &bdquo;wir&ldquo; die afghanischen Frauen befreit und im Kosovo ein zweites Auschwitz verhindert? Unfug. All dies waren nur die Z&uuml;ckerli f&uuml;r die Johnsons dieser Welt, die zugleich Opfer und T&auml;ter sind und dabei von Tag zu Tag den Boden der Realit&auml;t weiter verlieren.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/bf01df73180a4b999be0e7c65fb1b608\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160930_Dominic_Johnson.jpg\" title=\"Dominic Johnson\" alt=\"Dominic Johnson\"\/><\/div>\n<p>Fr&uuml;her war nicht alles besser, aber fr&uuml;her war doch sehr vieles einfacher. Linke Journalisten pl&auml;dierten f&uuml;r Abr&uuml;stung und Frieden, w&auml;hrend das reaktion&auml;re Lager gerne dem Hurra-Patriotismus fr&ouml;nte. Sicher, die Pickelhaubentr&auml;ger in den Redaktionen von WELT, BILD und FAZ sind nicht ausgestorben. Sie<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35247\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[183,171,11],"tags":[947,641,2464,305,1065,893,466,1553,590,1703],"class_list":["post-35247","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-arabellion","tag-irak","tag-johnson-dominic","tag-menschenrechte","tag-mh17","tag-militarisierung","tag-nato","tag-syrien","tag-taz","tag-voelkerrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35247","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35247"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35247\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35266,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35247\/revisions\/35266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35247"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35247"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35247"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}