{"id":35282,"date":"2016-10-04T13:38:14","date_gmt":"2016-10-04T11:38:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35282"},"modified":"2022-11-16T10:15:48","modified_gmt":"2022-11-16T09:15:48","slug":"vorsicht-verschwoerungstheorie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35282","title":{"rendered":"Vorsicht, Verschw\u00f6rungstheorie!"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161004_matthias_broeckers.jpg\" title=\"Mathias Br&ouml;ckers\" alt=\"Mathias Br&ouml;ckers\"><\/div><p>Im September 1996 ergab eine telefonische Umfrage unter 800 erwachsenen Amerikanern, dass 74 Prozent &ndash; also drei von vier B&uuml;rgern &ndash; glaubten, die US-Regierung sei regelm&auml;&szlig;ig in geheime und verschw&ouml;rerische Aktivit&auml;ten verstrickt. Dass diese Leute nicht alle einfach &bdquo;Verr&uuml;ckte&ldquo; oder &bdquo;Spinner&ldquo; sind, davon zeugt ein weiteres Studienergebnis. Denn &bdquo;lediglich&ldquo; 29 Prozent der Befragten glaubten an Hexerei und &bdquo;nur&ldquo; 10 Prozent waren der Meinung, Elvis Presley weile noch unter den Lebenden. Wenn nun aber drei Viertel der B&uuml;rger &ndash; und das ist eine Mehrheit, die kaum je eine Regierung hinter sich wusste &ndash; die eigene Regierung verbrecherischer und ruchloser Aktivit&auml;ten verd&auml;chtigen, dann bedeutet das, dass inzwischen ganz normale Leute glauben, was vor hundert Jahren etwa, in den 1890ern, lediglich erbitterte Linksradikale behaupteten: &bdquo;Da oben stimmt etwas ganz und gar nicht!&ldquo;. Das blinde Vertrauen in die weise und gerechte Herrschaft der Oberen erodiert, das Misstrauen der Unteren w&auml;chst und Theorien &uuml;ber finstere Machenschaften und Verschw&ouml;rungen haben Hochkonjunktur. Doch wie ticken &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; und was genau sind &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorien&ldquo;? Und ist es wirklich angebracht, Verschw&ouml;rungstheoretiker &ndash; weil ja vermeintlich irre und wirr im Kopf &ndash; stets umgehend mit Diskursverboten zu belegen und also aus &ouml;ffentlichen Debatten auszuschlie&szlig;en? Zu diesen Fragen sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit dem Autor und Publizisten <strong>Mathias Br&ouml;ckers<\/strong>, dank dessen Engagements soeben das <a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/lexikon-der-verschwoerungstheorien\/\">&bdquo;Lexikon der Verschw&ouml;rungstheorien&ldquo;<\/a> in einer Neuauflage erschien, und der, wie <a href=\"https:\/\/jensewernicke.wordpress.com\/2016\/01\/09\/vorsicht-verschwoerungstheorie\/\">zuvor<\/a> bereits Friedensforscher Daniele Ganser, darauf insistiert, dass das Stigma &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; bereits seit Jahrzehnten von den M&auml;chtigen dazu genutzt wird, um notwendige und berechtigte Kritik zum Schweigen zu bringen.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Br&ouml;ckers, Verschw&ouml;rungstheoretiker &ndash; das sind doch die Spinner und Irren, die an Aliens glauben und Unfug verbreiten. Und nun geben Sie f&uuml;r diese als Zielgruppe das &bdquo;Lexikon der Verschw&ouml;rungstheorien&ldquo; heraus &ndash; werden Sie jetzt unseri&ouml;s?<\/strong><\/p><p>Die erste Ausgabe dieses Lexikons erschien in den USA schon Ende der 90er Jahre und weil ich fast alles, was Robert Anton Wilson geschrieben hatte, sehr sch&auml;tzte, suchte ich in Deutschland einen Verlag und gab die deutsche Ausgabe heraus. <\/p><p>Wilson hatte mit seinem Kollegen Robert Shea in den 70er Jahren den gro&szlig;artigen Verschw&ouml;rungsschm&ouml;ker &bdquo;Illuminatus&ldquo; geschrieben, eine psychedelisch &uuml;berdrehte Romantrilogie &uuml;ber die m&auml;chtigen und seit Jahrtausenden im Untergrund geheim agierenden Strippenzieher der Weltgeschichte, die &bdquo;Illuminaten&ldquo;, und ihre ebenso untergr&uuml;ndigen Gegenspieler, die &bdquo;Diskordianer&ldquo;.  <\/p><p>Wilson wurde dann von vielen Lesern immer wieder darauf hingewiesen, dass nicht nur an den Realit&auml;tspartikeln, aus denen er seine fiktive Story zusammengebaut hatte, etwas dran war, sondern auch an den Zusammenh&auml;ngen. Und dass man eigentlich nicht mehr unterscheiden k&ouml;nne, was nun wahr und was falsch sei. <\/p><p>Das erfreute den anarchistischen Erkenntnistheoretiker Wilson nat&uuml;rlich ungemein, und so entschloss er sich, mehr als zwanzig Jahre sp&auml;ter mit diesem Lexikon noch eins drauf zu setzen: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Du solltest die Welt als eine Verschw&ouml;rung sehen, die von einer sehr eng verbundenen Gruppe nahezu allm&auml;chtiger Leute betrieben wird, und du solltest daran denken, dass es sich bei diesen Leuten um dich und deine Freunde handelt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Mit dieser Betriebsanleitung enth&uuml;llte er, was hinter all seinen Masken und Spiegeln, die vom Ironiker zum Philosophen, vom Witzbold zum Psychologen reichen, vom Wissenschaftler zum Poeten und vom Dokumentaristen zum Reporter, den Kern aller seiner B&uuml;cher ausmacht: die Anregung zum Selbstdenken. Also jenseits des Zauns der herrschenden Dogmen und etablierten Wahrheiten. Das wurde und wird von den Autorit&auml;ten, die sich darin wohl eingerichtet haben, grunds&auml;tzlich nicht gern gesehen und um ihre Dogmen, ihre Wahrheiten, ihren Unfug als &bdquo;normal&ldquo; zu verteidigen, m&uuml;ssen sie alle anderen als Verr&uuml;ckte, als Irre, als Ketzer bezeichnen. <\/p><p>Wer vor ein paar Jahren die Belege und Indizien daf&uuml;r angef&uuml;hrt h&auml;tte, dass die NSA s&auml;mtlichen E-Mail- und Mobilfunk-Verkehr bis zum Handy der Kanzlerin abh&ouml;rt, w&auml;re sofort als b&ouml;swilliger, antiamerikanischer &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; abgekanzelt worden. <\/p><p><strong>Es gibt also a) Verschw&ouml;rungen und das Buch listet sie b) alle auf&hellip;?<\/strong> <\/p><p>Nat&uuml;rlich gibt es Verschw&ouml;rungen, und nat&uuml;rlich listet das Buch die nicht alle auf. Wichtig ist dem Autor und auch mir als Herausgeber, die Diskurse der Macht mit all ihren Verdrehungen sichtbar zu machen. <\/p><p>Das Buch stiftet Verwirrung, aber eine heilsame, denn es zeigt, dass vermeintlich klare und wahre Offensichtlichkeiten nicht mehr so klar und wahr sind, wenn man etwas genauer hinschaut.<\/p><p><strong>Welche Funktion erf&uuml;llen &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorien&ldquo; &ndash; und wie kam es, dass das Wort &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; zum Schimpfwort verkam?<\/strong><\/p><p>Die Funktion dieser Theorien ist sehr simpel und einfach zu erkl&auml;ren. Jeder Ermittler, der anhand von Spuren und Hinweisen Hypothesen &uuml;ber m&ouml;gliche T&auml;ter aufstellt, der m&ouml;gliche Motive sowie Mittel und M&ouml;glichkeiten zur Ausf&uuml;hrung der Tat abw&auml;gt, ist ja nichts anderes als ein Verschw&ouml;rungstheoretiker. Es sei denn, alles deutet darauf hin, dass hier nur ein einzelner Mensch aus rein pers&ouml;nlichen Motiven gehandelt hat und weder andere beteiligt waren noch ihn angestiftet haben.<\/p><p>Grunds&auml;tzlich sind ja Verschw&ouml;rungen das Selbstverst&auml;ndlichste der Welt: A und B verabreden sich hinter dem R&uuml;cken von C, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Am h&auml;ufigsten kommt das sicher im Liebesleben vor. Dass er oder sie m&ouml;glicherweise noch eine andere oder einen anderen hat, ist die meist gehegte Verschw&ouml;rungstheorie der Welt. Aber auch in Wirtschaft und Politik sind geheime Absprachen gang und g&auml;be. &bdquo;Wer in Washington nicht paranoid ist, spinnt&ldquo;, hat Henry Kissinger einmal gesagt &ndash; Verschw&ouml;rungen sind also ebenso allt&auml;glich, wie der Verdacht, ihnen von Indizien her auf die Spur zu kommen, mit Verschw&ouml;rungstheorien.<\/p><p>Dass aus diesem selbstverst&auml;ndlichen und neutralen Begriff nicht nur ein Schimpfwort wurde, sondern eine Art Diskurskeule, mit der jede Art unliebsamer Tatsachenbehauptungen erstickt werden kann, verdanken wir der &bdquo;Central Intelligence Agency&ldquo;, kurz CIA. Als an dem nach dem Mord an John F. Kennedy ver&ouml;ffentlichten Untersuchungsbericht der &bdquo;Warren Commission&ldquo;, der in einem 26-b&auml;ndigen Papierberg den &bdquo;Nachweis&ldquo; erbrachte, dass die Tat allein dem verwirrten Einzelt&auml;ter und &bdquo;Kommunisten&ldquo; Lee Harvey Oswald zuzuordnen sei, immer fundiertere Zweifel laut wurden, und dann der Bezirksstaatsanwalt Jim Garrisson 1966 in New Orleans ein Verfahren er&ouml;ffnete, in dem diverse CIA-Agenten aus dem Umfeld des &bdquo;Einzelt&auml;ters&ldquo; vorgeladen wurden, sah sich die CIA zum Eingreifen gezwungen. <\/p><p>Im Januar 1967 schickte daher die Abteilung f&uuml;r &bdquo;Psychologische Kriegsf&uuml;hrung&ldquo; an alle CIA-Stationen weltweit ein umfangreiches Memo, wie mit der Kritik an den Ergebnissen der Warren-Commission umzugehen sei. Die Kritiker seien &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; und allein aus kommerziellen respektive staatsfeindlichen Motiven unterwegs. Die Aufforderung der CIA-Krieger, die Kontakte zu &bdquo;befreundeten&ldquo; Medienkan&auml;len zu nutzen, war erfolgreich. Bis dahin war in den USA meistens von <em>&bdquo;assassination theories&ldquo;<\/em> die Rede, wenn es um die Zweifel an der offiziellen Einzelt&auml;ter-These ging, danach setzt sich der Begriff der <em>&bdquo;conspiracy theory&ldquo;<\/em> durch. Die Bezeichnung &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; wurde zu einer Kampfvokabel, die seit 9\/11 wieder fr&ouml;hliche Urst&auml;nde erlebt. Seitdem steht &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; auf der nach unten offenen Denunziations- und Diffamierungsskala doch nur noch knapp &uuml;ber &bdquo;Kindersch&auml;nder&ldquo;.<\/p><p><strong>Und schon sind wir mitten &hellip; &bdquo;in einer Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo;: Die Oberen, die M&auml;chtigen eines Landes, und die Geheimdienste lenken und steuern also die &ouml;ffentliche Wahrnehmung und manipulieren unseren Geist? L&auml;uft es darauf hinaus?<\/strong><\/p><p>Die &ouml;ffentliche Wahrnehmung und die sich daraus ableitende &ouml;ffentliche Meinung sind f&uuml;r jedes Herrschaftssystem ein ganz entscheidender Faktor, den keine Regierung au&szlig;er Acht lassen kann, gleich ob sie demokratisch oder diktatorisch ist. Sie kann ihre Ma&szlig;nahmen nur durchsetzen, wenn sie die &ouml;ffentliche Meinung kontrolliert. <\/p><p>Ein Krieg gegen irgendein &bdquo;B&ouml;ses&ldquo; ist nur so lange m&ouml;glich, wie die &ouml;ffentliche Meinung, dass &bdquo;wir&ldquo; die Guten sind, aufrechterhalten werden kann; tauchen zu viele Nachrichten und schreckliche Bilder &uuml;ber die Opfer auf, die nahelegen, dass dies eher kein &bdquo;gerechter&ldquo; Krieg von Gut gegen B&ouml;se ist, hat die Regierung ein Problem. Vor allem wenn sie, wie in demokratischen Systemen, &ouml;ffentliche Kritik und Zweifel nicht mit Zensur oder Gewalt unterdr&uuml;cken kann. <\/p><p>Deshalb ist die &ouml;ffentliche Meinung der zentrale Kampfplatz, auf dem die Deutungshoheit &uuml;ber die Ereignisse Tag f&uuml;r Tag verteidigt werden muss, wobei die entscheidende Rolle den Medien zuf&auml;llt. <\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie das bitte anhand eines Beispiels skizzieren, das zudem auch belegbare Fakten enth&auml;lt?<\/strong><\/p><p>Um die Deutungshoheit zu behalten, ist eine Kontrolle der Medien unverzichtbar. Wie man eine solche erreicht &ndash; wo Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit der Presse in Demokratien doch Verfassungsrang haben &ndash; demonstrierte etwa die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Operation_Mockingbird\">&bdquo;Operation Mockingbird&ldquo;<\/a> der CIA, mit der von den 1950ern bis in die 1970er Jahre versucht wurde, Verlage und Redaktionen weltweit mit F&uuml;hrungspersonal zu best&uuml;cken, das die Agenda des Kalten Kriegs teilte. <\/p><p>Diese Unterwanderung erstreckte sich nicht nur auf die Nachrichtenmedien, sondern auch auf Wissenschaft und Kultur, wie Frances Stonor Saunders in ihrem Buch <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/3\/3630\/1.html\">&bdquo;Wer die Zeche zahlt&ldquo;<\/a> detailliert aufgezeigt hat. Welcher K&uuml;nstler, welcher Literat oder Denker gro&szlig; rauskam, hatte weniger mit der Qualit&auml;t seiner Werke, sondern mit seiner Stellung im &bdquo;Kulturkampf&ldquo; zu tun. So wurde etwa der harmlose und st&auml;ndig betrunkene Maler Jackson Pollock zum expressionistischen Gro&szlig;genie hochgejubelt, nicht wegen der Qualit&auml;t seiner gro&szlig;formatigen Klecksereien, sondern um die engagierten Maler des &bdquo;sozialistischen Realismus&ldquo; zu kontern. <\/p><p>Diese Beispiele aus der Vergangenheit sind gut dokumentiert und es w&auml;re naiv anzunehmen, dass solche Operationen seitdem nicht mehr stattfinden.  Sie sind so etwas wie die <em>softpower<\/em> im Kampf um die Deutungshoheit, aber sie dienen demselben Zweck wie die <em>hardpower<\/em> der Dienste. Wie letztere zum Einsatz kommt &ndash; in Form von Anschlag, Attentat, Putsch und <em>regime change<\/em> &ndash; hat David Talbot in seinem gerade auf Deutsch erschienen <a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/das-schachbrett-des-teufels\/\">Buch<\/a> &uuml;ber Leben und Werk von Allen Dulles dokumentiert, des &bdquo;Vaters&ldquo; der CIA. <\/p><p>W&auml;hrend sein Bruder John Foster Dulles als US-Au&szlig;enminister &uuml;berall salbungsvoll von &ldquo;Demokratie&rdquo; und &ldquo;Freiheit&rdquo; predigte, inszenierte der kleine Allen hinter der B&uuml;hne die politischen Morde, Terroranschl&auml;ge und Aufst&auml;nde, die zur Verbreitung dieser &ldquo;Werte&rdquo; erw&uuml;nscht waren &ndash; von Guatemala bis Iran,&nbsp;von Puerto Rico bis Frankreich, von Kuba bis Italien. Um damit durchzukommen &ndash; um weiter als &bdquo;die Guten&ldquo; zu gelten, bedurfte es der Medienunterst&uuml;tzung und wie Talbot zeigt, war Dulles auch hier ein Meister. <\/p><p>Bis hin zu seinem Meisterst&uuml;ck, dass er selbst die Untersuchung des Attentats auf John F. Kennedy leitete, eines Verbrechens, in das etliche seiner Mitarbeiter verstrickt waren. Was nicht nur einigen Journalisten und Autoren, sondern auch einem Staatsanwalt aufgefallen war. Und damit w&auml;ren wir wieder bei dem <a href=\"http:\/\/thewebfairy.com\/masonic\/cia_document.htm\">CIA-Memo<\/a>, mit dem ein unschuldiger Begriff &ndash; Verschw&ouml;rungstheorie &ndash; zur Waffe der psychologischen Kriegsf&uuml;hrung gemacht wird. Der <em>Boston Globe<\/em>, wahrlich kein Konspirologen-Organ, schrieb &uuml;ber Talbots Buch: &bdquo;Alle, die sich bisher &uuml;ber Verschw&ouml;rungstheorien lustig gemacht haben, d&uuml;rften ihre Meinung nach Lekt&uuml;re dieses Buchs &auml;ndern.&ldquo;<\/p><p><strong>Und am Ende glauben wir also alle an Chemtrails und dass geheime elit&auml;re Kreise in den USA 9\/11 selbst organisiert haben?<\/strong><\/p><p>Mit Chemtrails habe ich mich nicht besch&auml;ftigt. Was Ufos und Aliens betrifft, schlie&szlig;e ich sie nicht grunds&auml;tzlich aus, glaube aber nicht, dass in unseren Eliten in Wahrheit Reptilien stecken. Auch wenn es scheint, dass sie mit ihrem saurierhaften &bdquo;Alles meins!&ldquo; evolution&auml;r in der Kreidezeit steckengeblieben sind. Und insofern mental auch zu absolut unmenschlichen Taten an ihren eigenen Landsleuten f&auml;hig sind. <\/p><p>Wo es um grenzenlose Macht geht, sind &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo; unvermeidlich. Und verglichen mit den sagenhaften Budgets von nunmehr 15 Jahren <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25535\">&bdquo;Great War On Terror&ldquo;<\/a> war die &bdquo;Investition&ldquo; von 3.000 Menschenleben und drei Wolkenkratzern f&uuml;r die Dinosaurier-Gehirne ein Bombengesch&auml;ft. Insofern schlie&szlig;e ich auch aus psychologischen Gr&uuml;nden einen 9\/11-Inside-Job nicht aus. <\/p><p>&Uuml;ber die anderen Gr&uuml;nde, warum eine solche Tat definitiv nicht allein von Bin Laden und 19 Studenten mit Teppichmessern ver&uuml;bt werden konnte, habe ich drei B&uuml;cher geschrieben und behaupte nach wie vor: jeder mit einem IQ &uuml;ber Bordsteinkante, der sich zwei Stunden mit den Ungereimtheiten und L&uuml;cken des offiziellen 9\/11-Reports besch&auml;ftigt, muss erkennen, um was es sich dabei handelt: um eine unbewiesene, haltlose Verschw&ouml;rungstheorie. <\/p><p>Nachdem dieses Lexikon im Jahr 2000 erschienen war, w&uuml;nschten wir uns eine Fortsetzung von Robert Anton Wilson, in der 9\/11 nat&uuml;rlich ein gro&szlig;es Thema geworden w&auml;re, doch weil er sehr krank wurde, kam es dazu leider nicht. Ich machte mich dann im Sommer 2001 alleine ans Werk und als ich mir einige Wochen sp&auml;ter morgens gerade notiert hatte: &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorien reduzieren Komplexit&auml;t auf einen einfachen S&uuml;ndenbock und werden deshalb oft als Mittel der Propaganda benutzt&ldquo;, rief ein Freund an: &bdquo;In New York ist ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen.&ldquo; Als dann nach kurzer Zeit auf allen Kan&auml;len nur noch von Osama Bin Laden als T&auml;ter die Rede war, erinnerte ich mich an diese Notiz &ndash; und schrieb einen ersten <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/special\/wtc\/\">Kommentar<\/a> f&uuml;r Telepolis.<\/p><p>Daraus eine <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/special\/wtc\/\">62-teilige Serie<\/a> zu machen und sp&auml;ter ein Buch, war nie mein Plan. Sp&auml;testens als der Koffer von Mohammed Atta als einziges Gep&auml;ckst&uuml;ck h&auml;ngen geblieben war und zauberhafter Weise alle Beweise f&uuml;r den &bdquo;islamistischen&ldquo; Hintergrund enthielt, ging ich davon aus, dass so viel Kommissar Zufall auch die gro&szlig;en Medien stutzig machen muss. Aber das geschah nicht, auch nicht bei all den anderen himmelschreienden Ungereimtheiten und Unwahrscheinlichkeiten der offiziellen Darstellung &ndash; und es geschieht bis heute nicht. Womit wir bei &bdquo;Mockingbird 2.0&ldquo; w&auml;ren, nun ja.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/YHa6NflkW3Y\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Film: Manufacturing Consent &ndash; Noam Chomsky and the Media<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Ihr Buch enth&auml;lt auch ein Interview mit Robert Anton Wilson, in dem er unter anderem die Strategien des FBI gegen die Friedensbewegung zu Zeiten des Vietnamkrieges skizziert. Er spricht da &uuml;ber regelrechte &bdquo;psychologische Kriegsf&uuml;hrung&ldquo;, die mittels Einschleusen von Agenten in die Bewegung und die Kommunikation, dass man Agenten in derselben habe, dazu f&uuml;hren sollte, dass jeder jeden verd&auml;chtigt und sich die Bewegung zersetzt. Arbeiten unsere Eliten respektive Geheimdienste so: Sie &bdquo;verschw&ouml;ren&ldquo; sich gegen Friedensbewegte, Systemkritiker und andere?<\/strong><\/p><p>Was Wilson da beschreibt, war das Programm <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/COINTELPRO\">&bdquo;Cointelpro&ldquo;<\/a>, mit dem das FBI damals die Bewegung gegen den Vietnamkrieg unterwanderte. Die geriet au&szlig;er Kontrolle, lie&szlig; sich nicht mehr von au&szlig;en steuern und sollte so intern zerr&uuml;ttet werden. <\/p><p>Umgekehrt f&ouml;rderten Geheimdienste immer auch bestimmte radikale Gruppen und brachten sie durch <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Agent_Provocateur\">agentes provocateurs<\/a><\/em> zu gewaltt&auml;tigen Anschl&auml;gen, wenn solche ihrer politischen Agenda n&uuml;tzlich waren. Von den ersten Waffen und Sprengstoffen, die bei radikalen Westberliner Studentengruppen landeten, aus denen dann die &bdquo;Bewegung 2. Juni&ldquo; und die &bdquo;RAF&ldquo; mutierten, bis zu den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28942\">Morden des NSU<\/a> wimmelt es ja auch im deutschen &bdquo;Terrorismus&ldquo; nicht zuf&auml;llig von V-M&auml;nnern. <\/p><p>Und wenn man sich die angesichts von NATO-Aufr&uuml;stung, Atomwaffen-&bdquo;Modernisierung&ldquo; und Kriegsgefahren <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28643\">nicht vorhandene deutsche Friedensbewegung<\/a> anschaut, kann durchaus der Verdacht kommen, dass auch in linken und pazifistischen Gruppen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33624\">Akteure<\/a> am Werk sind, denen es nicht um Frieden, sondern eher um das Nicht-Zustandekommen einer breiten Bewegung gegen den Krieg und den R&uuml;stungswahn geht.<\/p><p><strong>Von welchen Kreisen reden wir hier und welcher Methoden bedienen sie sich?<\/strong><\/p><p>Wir reden von Machtpolitik, die in demokratischen Systemen nicht offen, sondern verdeckt ausgef&uuml;hrt werden muss. Wir reden von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Full-spectrum_dominance\">&bdquo;Full-spectrum dominance&ldquo;<\/a>, der US-amerikanischen Milit&auml;rdoktrin globaler Vorherrschaft, der sich die Vasallen des Imperiums unterzuordnen haben. Und dass daf&uuml;r &ndash; nat&uuml;rlich nur &bdquo;notfalls&ldquo; und &bdquo;zu unserer eigenen Sicherheit&ldquo; &ndash; Mittel angewandt werden, die jedem Gesetz und jeder Moral zuwiderlaufen.<\/p><p><strong>Was kann und sollte eine aufgekl&auml;rte Zivilgesellschaft, die f&uuml;r eine bessere, gerechtere Welt streitet, angesichts dieser Tatsachen wissen und tun? Was raten Sie?<\/strong><\/p><p>Selbst denken. Und mit Robert Anton Wilson: &bdquo;Lasst die Lasagne fliegen!&ldquo;<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Mathias Br&ouml;ckers<\/strong>, Jahrgang 1954, ist freier Journalist, der unter anderem f&uuml;r die taz und Telepolis schreibt. Er geh&ouml;rte zur Gr&uuml;ndergeneration der taz und war dort bis 1991 Kultur- und Wissenschaftsredakteur. Danach war er f&uuml;r &ldquo;Die Zeit&rdquo; und &ldquo;Die Woche&rdquo; als Kolumnist sowie als Rundfunkautor t&auml;tig und fungierte als Mitglied der Sachbuch-Jury der S&uuml;ddeutschen Zeitung. Neben Radiosendungen, Kabarettprogrammen und Beitr&auml;gen f&uuml;r Anthologien ver&ouml;ffentlichte Mathias Br&ouml;ckers zahlreiche B&uuml;cher. Seine Werke <a href=\"https:\/\/www.broeckers.com\/hanfbuch.htm\">&ldquo;Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf&rdquo;<\/a> (1993) und <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/mathias-broeckers-verschwoerungen-verschwoerungstheorien.730.de.html?dram:article_id=101876\">&ldquo;Verschw&ouml;rungen, Verschw&ouml;rungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.&rdquo;<\/a> (2002) wurden internationale Bestseller. Zuletzt schrieb er (mit Sven Boettcher) <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-ganze-wahrheit-ueber-alles\/\">&bdquo;Die ganze Wahrheit &uuml;ber alles &ndash; Wie wir unsere Zukunft doch noch retten k&ouml;nnen&ldquo;<\/a> (2016). Er bloggt auf <a href=\"http:\/\/www.broeckers.com\/\">broeckers.com<\/a>. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel: Mathias Br&ouml;ckers: &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/45\/45945\/1.html\">Terror und Tabu<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Interview mit Daniele Ganser: &bdquo;<a href=\"https:\/\/jensewernicke.wordpress.com\/2016\/01\/09\/vorsicht-verschwoerungstheorie\/\">Vorsicht, Verschw&ouml;rungstheorie!<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28643\">Die Querfrontkampagne gegen die Friedensbewegung<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33624\">Pseudo-linke Neocons &ndash; die Antideutschen und die Linke<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34608\">Die Austreibung der Kritik aus der Politik<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34504\">Die Links-Rechts-Demagogie<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30286\">Die neoliberale Indoktrination<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/e0eb4820f55c4d27bbd85c3475e799b2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161004_matthias_broeckers.jpg\" title=\"Mathias Br&ouml;ckers\" alt=\"Mathias Br&ouml;ckers\"\/><\/div>\n<p>Im September 1996 ergab eine telefonische Umfrage unter 800 erwachsenen Amerikanern, dass 74 Prozent &ndash; also drei von vier B&uuml;rgern &ndash; glaubten, die US-Regierung sei regelm&auml;&szlig;ig in geheime und verschw&ouml;rerische Aktivit&auml;ten verstrickt. Dass diese Leute nicht alle einfach &bdquo;Verr&uuml;ckte&ldquo; oder &bdquo;Spinner&ldquo; sind,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35282\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,209,11],"tags":[1194,1106,1987,1997,1120,901,1426,1647,1415,3030,682],"class_list":["post-35282","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","category-strategien-der-meinungsmache","tag-1194","tag-bin-laden-osama","tag-broeckers-mathias","tag-dulles-allen","tag-friedensbewegung","tag-geheimdienste","tag-hegemonie","tag-kennedy-john-f","tag-pressefreiheit","tag-talbot-david","tag-verschwoerungstheorie"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35282"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35282\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90444,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35282\/revisions\/90444"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}