{"id":3530,"date":"2008-10-22T08:57:17","date_gmt":"2008-10-22T06:57:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3530"},"modified":"2015-11-09T11:02:43","modified_gmt":"2015-11-09T10:02:43","slug":"studiengebuehren-schrecken-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3530","title":{"rendered":"Studiengeb\u00fchren schrecken ab"},"content":{"rendered":"<p>Sie wollen es ja selbst nicht wahr haben, die Vertreter des Marktliberalismus. Aber sie haben mal wieder recht: Die Nachfrage nach einem Gut ist abh&auml;ngig von seinem Preis. Verteuert man den Preis einer Ware, so sinkt die Nachfrage danach. Wen wundert es daher, dass junge Leute sich durch Geb&uuml;hren vom Studium abschrecken lassen? Von Karl-Heinz Heinemann<br>\n<!--more--><br>\nIm Abiturientenjahrgang 2006 haben rund 18 000 wegen der Geb&uuml;hren kein Studium begonnen, das waren vor allem junge Frauen und Kinder aus bildungsfernen Schichten. Jahrzehntelang hatten die Gl&auml;ubigen der Marktwirtschaft gepredigt, dass auch Bildung ihren Preis haben m&uuml;sse, eben die Studiengeb&uuml;hren, und im gleichen Atemzug hatten sie behauptet, dass die nun &uuml;berhaupt keine Auswirkungen auf die Nachfrage nach Bildung h&auml;tten. Nun werden sie durch die immer noch geheim gehaltene Studie des Hochschulinformationssystems HIS eines Besseren, oder vielmehr: Schlechteren belehrt.<\/p><p>500 Euro im Semester, also 1000 Euro im Jahr &ndash; das sind 85 Euro im Monat. Vielleicht nicht viel f&uuml;r einen Durchschnittsverdiener, aber f&uuml;r einen Baf&ouml;g-Empf&auml;nger schon fast 15 Prozent seines Monatseinkommens.<\/p><p>Und es ist Psychologie im Spiel: was bekommt man f&uuml;r das Geld? Nach der Studienreform ein Studium, das mindestens 40 Arbeitsstunden in der Woche erfordert, oft aber 60 und mehr &ndash; da kann man nebenher nicht mehr ein bisschen dazu verdienen. Ein Studium mit unsicherem Ertrag. Was aus den Bachelors wird, wissen derzeit weder die Studenten noch die k&uuml;nftigen Arbeitgeber. Kein Wunder also, dass der Anteil der Studienberechtigten, zwar steigt, gleichzeitig aber immer weniger von ihnen wirklich studieren wollen. Sie ziehe eine Lehre vor.<\/p><p>Das Untersuchungsergebnis wird gegen den Willen des Auftraggebers, des Bildungsministeriums, gerade rechtzeitig bekannt, zwei Tage vor dem Bildungsgipfel der Kanzlerin mit den Ministerpr&auml;sidenten. Diese 17 Politikerinnen und Politiker k&ouml;nnten etwas lernen: ja, tats&auml;chlich, der Preis bestimmt die Nachfrage. Und wenn wir die Nachfrage nach h&ouml;herer Bildung erh&ouml;hen wollen, was wir ja unisono erkl&auml;ren, dann k&ouml;nnen wir, ganz im Sinne der Marktideologie, der wir trotz Finanzmarktkrise immer noch vertrauen,  doch nur eines tun: Hochschulbildung wieder geb&uuml;hrenfrei zug&auml;nglich zu machen. Damit ist sie ja noch immer nicht kostenlos, denn man verdient einige Lebensjahre nichts, sondern muss sich f&uuml;r den Lebensunterhalt verschulden. Wenn wir also etwa mit den skandinavischen L&auml;ndern gleichziehen wollen, was die Bildung betrifft, brauche wir einen zweiten Schritt: wir m&uuml;ssen wirksames Stipendiensystem einf&uuml;hren, ein Studiengehalt, wie etwa in D&auml;nemark. Damit privilegieren wir diejenigen, die sp&auml;ter mit besserer Bildung mehr verdienen? Unsinn. Wir sorgen daf&uuml;r, dass diese Leute sp&auml;ter mehr Steuern zahlen statt Arbeitslosengeld oder Hartz IV zu beziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie wollen es ja selbst nicht wahr haben, die Vertreter des Marktliberalismus. Aber sie haben mal wieder recht: Die Nachfrage nach einem Gut ist abh&auml;ngig von seinem Preis. Verteuert man den Preis einer Ware, so sinkt die Nachfrage danach. 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