{"id":3532,"date":"2008-10-23T08:28:15","date_gmt":"2008-10-23T06:28:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3532"},"modified":"2015-11-09T11:01:27","modified_gmt":"2015-11-09T10:01:27","slug":"steuerentlastungsvorschlaege-aus-der-cdu-versicherte-werden-fuer-dumm-verkauft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3532","title":{"rendered":"Steuerentlastungsvorschl\u00e4ge aus der CDU \u2013 Versicherte werden f\u00fcr dumm verkauft"},"content":{"rendered":"<p>Statt eines Konjunkturprogramms fallen der Union zur Belebung der Wirtschaft nur Steuer- und Abgabensenkungen ein. Besonders dreist ist der Vorschlag des CDU-Mittelstandschefs, Michael Fuchs. Er will die Erh&ouml;hung, des erst ab 2009 noch einzuf&uuml;hrenden Einheitsbeitrags f&uuml;r die gesetzlichen Krankenversicherungen statt auf 15,5 auf 15,0 Prozent begrenzen und au&szlig;erdem sollen die Beitragsbemessungsgrenzen f&uuml;r die Sozialversicherungen nicht ansteigen. &bdquo;Das br&auml;chte eine Milliarden-Entlastung&ldquo; wird er von <a href=\"http:\/\/wap.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/10\/22\/wirtschaft-ankurbeln\/union-streitet-um-steuersenkungen.html\">BILD<\/a> zitiert. Dass damit allerdings nur die Arbeitgeberseite entlastet und die Arbeitnehmer zus&auml;tzlich belastet w&uuml;rden, wird verschwiegen. Die Union will mit ihren <a href=\"http:\/\/wap.bild.de\/gallery.do?stg=1&amp;id=BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/10\/22\/wirtschaft-ankurbeln\/ktg\/ktg-union&amp;i=0&amp;aid=BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/10\/22\/wirtschaft-ankurbeln\/union-streitet-um-steuersenkungen\">&bdquo;Entlastungs-Vorschl&auml;gen&ldquo;<\/a> die Beitragszahler einmal mehr f&uuml;r dumm verkaufen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nDie noch gar nicht in Kraft getretene Erh&ouml;hung der Krankenkassenbeitr&auml;ge von durchschnittlich 14,9 auf 15,5 Prozent (die Beitrags&auml;tze liegen je nach Kasse derzeit zwischen 12 und 16 %) soll nach den Vorschl&auml;gen der CDU gesenkt werden und dies wird dann als eine Entlastung ausgegeben. <\/p><p>Doch wer w&uuml;rde eigentlich ab 2009 tats&auml;chlich entlastet, wenn der Beitrag auf 15,0 Prozent begrenzt w&uuml;rde?<\/p><p>Wie die meisten Sozialversicherungsbeitr&auml;ge wird auch der Krankenkassenbeitrag (grunds&auml;tzlich) parit&auml;tisch aus dem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt, also von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert. <\/p><p>Lassen wir einmal beiseite, dass seit Mitte 2005 im Sinne des <a href=\"?p=3172\">Mythos von der Senkung der &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo;<\/a> die Krankenkassen ihre bisherigen Beitragss&auml;tze um 0,9 % senken mussten, daf&uuml;r wurden aber von den Arbeitnehmern (alleine) ein zus&auml;tzlicher Beitrag von 0,9 % erhoben. Insofern hatte sich der Krankenversicherungsbeitrag schon damals gegen&uuml;ber der bis dato geltenden Parit&auml;t zu Lasten der Arbeitnehmer verschoben.<\/p><p>Mit der Einf&uuml;hrung des &bdquo;Gesundheitsfonds&ldquo; soll ein (f&uuml;r den Durchschnitt der Beitragszahler erh&ouml;hter) Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent erhoben werden. Der &bdquo;Gesundheitsfonds&ldquo; war ein typischer gro&szlig;koalition&auml;rer Kompromiss zwischen der Forderung der SPD nach einer B&uuml;rgerversicherung (in die alle, also auch Selbst&auml;ndige und Beamte einzahlen) und der Kopfpauschale, die die Union vorschlug, wonach jeder Versicherte, egal ob Gering- oder H&ouml;chstverdiener in absoluter H&ouml;he den gleichen Beitrag leisten sollte &ndash; der Manager also genau so viel wie der Pf&ouml;rtner.<\/p><p>Von der B&uuml;rgerversicherung blieb zwar nichts &uuml;brig, weil die Union die privaten Krankenkassen mit Zehen und Klauen verteidigte. Die CDU konnte aber von der Kopfpauschale immerhin so viel durchsetzen, dass wenn die gesetzlichen Krankenversicherungen mit den Leistungen aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen w&uuml;rden, diese dann einen pauschalen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten erheben d&uuml;rfen. Dieser Zusatzbeitrag m&uuml;sste ausschlie&szlig;lich und zus&auml;tzlich nur von den Krankenversicherten bezahlt werden. Die Arbeitgeberseite h&auml;tte damit nichts mehr zu tun.<\/p><p>Am selben Tag, an dem die Union ihre &bdquo;Entlastungs-Vorschl&auml;ge&ldquo; ank&uuml;ndigte, meldete gleichfalls Bild, dass die gesetzlichen Krankenkassen mit dem Start des Gesundheitsfonds einen Zusatzbeitrag von bis zu 4,30 Euro pro Monat erheben m&uuml;ssen, weil der Einheitsbeitrag von 15,5 % nicht ausreichen wird, um die Kosten zu decken.<\/p><p>W&uuml;rde also der Einheitsbeitrag jetzt zus&auml;tzlich noch von 15,5 auf 15,0% begrenzt, so kann sich jeder an f&uuml;nf Fingern abz&auml;hlen, dass die monatliche Zusatzpauschale noch h&ouml;her als 4,30 Euro liegen m&uuml;sste. <\/p><p>Der &bdquo;Entlastungs-Vorschlag&ldquo; der CDU w&uuml;rde also ausschlie&szlig;lich die Arbeitgeberseite von der geplanten Erh&ouml;hung entlasten, die Arbeitnehmer aber zus&auml;tzlich belasten. Bei einem Pauschalbetrag f&uuml;r den Zusatzbeitrag von (absolut) 4,30 Euro im Monat, w&auml;ren nat&uuml;rlich Niedrigverdiener prozentual an ihrem Einkommen bemessen h&ouml;her belastet als Besserverdiener. <\/p><p>Rechnen wir also einmal nach: (der Einfachheit lassen wir die Mehrbelastung der Arbeitnehmer aus der &bdquo;Reform&ldquo; von 2005 au&szlig;en vor)<\/p><p>Nehmen wir an, ein Arbeitnehmer verdient als Bruttolohn 2.000 Euro. Von dem Beitragssatz von k&uuml;nftig 15,5 % bezahlt er 7,75 %, das sind monatlich 155 Euro. Gleichzeitig m&uuml;sste er auch den jetzt schon geplanten Zusatzbeitrag von 4,30 Euro an seine Kasse abf&uuml;hren. Er bezahlt also 159,30 Euro. <\/p><p>W&uuml;rde der Beitragssatz nach den Unions-Vorschl&auml;gen auf 15,0 % gesenkt, dann w&uuml;rde der Arbeitnehmer 7,5 %, also monatlich 150 Euro an die Krankenkasse bezahlen. Hinzu kommen auch hier noch 4,30 Euro. Der Arbeitnehmer w&uuml;rde dann 154,30 Euro bezahlen und h&auml;tte somit 5 Euro gespart. <\/p><p>Wenn die Kassen aber 0,5%, in unserem Fall also 10 Euro, weniger bek&auml;men, w&uuml;rde noch weniger Geld in den Gesundheitsfonds flie&szlig;en und sie m&uuml;ssten den Zusatzbeitrag sicherlich deutlich &uuml;ber die 4,30 Euro erh&ouml;hen.<br>\nF&uuml;r den Arbeitnehmer bliebe dann im besten Fall Null-Komma-Nix.<br>\nF&uuml;r ein Nullsummenspiel f&uuml;r die Krankenkassen bezahlt der Arbeitgeber 7,5 %, der Arbeitnehmer bezahlt 7,5 % + 4,30 Euro + das durch die Begrenzung entstehende weitere Defizit bei den Kallen als Zusatzbeitrag.<br>\nIm Ergebnis w&auml;re also die Arbeitgeberseite entlastet und die Arbeitnehmerseite w&uuml;rde eher zus&auml;tzlich belastet.<\/p><p>Das gleiche gilt f&uuml;r den Unions-Vorschlag zur Beibehaltung der bisherigen Beitragsbemessungsgrenzen. Auch damit fl&ouml;sse weniger Geld in den Gesundheitsfonds und die Kassen w&auml;ren gezwungen den Zusatzbeitrag f&uuml;r ihre Versicherten gleichfalls zu erh&ouml;hen.<\/p><p>Wie sagte doch der Chef des CDU\/CSU-Arbeitnehmerfl&uuml;gels, Gerald Wei&szlig; der Bild:<br>\n&bdquo;Nach den Banken sind jetzt auch die kleinen Leute dran. Wir brauchen Entlastung wie einen &acute;Paukenschlag` zum 1. Januar 2009.&ldquo;<br>\nWenn die Vorschl&auml;ge der Union umgesetzt w&uuml;rden, dann w&auml;ren die Arbeitnehmer, statt vom Paukenschlag eher vom Donnerschlag ber&uuml;hrt, wenn sie ihre monatliche Abrechnung f&uuml;r die Krankenkassenbeitr&auml;ge zu Gesicht bekommen.<\/p><p>Wieder einmal sollen die Versicherten f&uuml;r dumm verkauft werden.<br>\nUnd wie Wirtschaftsminister Glos mit solchen Vorschl&auml;gen die Wirtschaft ankurbeln will, wenn die Arbeitnehmer nach deren Umsetzung nicht &bdquo;mehr netto&ldquo;, sondern eher weniger in der Tasche h&auml;tten, bleibt sein Geheimnis.<br>\nAber die Nachfrageseite hat diesen Wirtschaftsminister noch nie interessiert, ihm geht es immer nur um die Entlastung der Arbeitgeberseite.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Statt eines Konjunkturprogramms fallen der Union zur Belebung der Wirtschaft nur Steuer- und Abgabensenkungen ein. Besonders dreist ist der Vorschlag des CDU-Mittelstandschefs, Michael Fuchs. 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