{"id":3540,"date":"2008-10-26T17:25:52","date_gmt":"2008-10-26T15:25:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3540"},"modified":"2015-11-09T10:13:44","modified_gmt":"2015-11-09T09:13:44","slug":"studiengebuehren-schrecken-ab-fuer-manchen-ueberraschend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3540","title":{"rendered":"Studiengeb\u00fchren schrecken ab \u2013 f\u00fcr manchen \u00fcberraschend?"},"content":{"rendered":"<p>Wer auch immer die Ergebnisse der HIS-Studie kurz vor dem &rsaquo;Bildungsgipfel&lsaquo; lancierte &ndash; das Timing war perfekt. Das zentrale Diskussionsthema &ndash; <a href=\"?p=3530\">die Nachdenkseiten berichteten<\/a> &ndash; war die Aussage, dass Studiengeb&uuml;hren im Jahr 2006 bis zu 18.000 Menschen vom Studium abgehalten h&auml;tten. Wohlgemerkt: Zu diesem Zeitpunkt hatten erst zwei L&auml;nder (NRW und Niedersachsen) Studiengeb&uuml;hren eingef&uuml;hrt. Hierbei seien Frauen und Kinder aus sogenannten &rsaquo;bildungsfernen Schichten&lsaquo; besonders betroffen. Nichts davon ist &uuml;berraschend, dennoch schreien einige in bew&auml;hrter Manier: &rsaquo;Haltet den Dieb&lsaquo;. Ein R&uuml;ckblick von Klemens Himpele.<br>\n<!--more--><br>\nDie taz hat sie also, die omin&ouml;se HIS-Studie. Und sie &uuml;berschreibt ihren Beitrag mit: &raquo;Schavan will es nicht wahrhaben&laquo;. Das ist interessant, d&uuml;rfte die taz doch die einzige Zeitung in Deutschland sein, die ein eigenes Studiengeb&uuml;hrenmodell hat. 2004 stellte Christian F&uuml;ller das &bdquo;taz Studiengeb&uuml;hrenmodell&ldquo; vor, das im Kern vorsieht, dass die Studierenden die Geb&uuml;hren selbst einheben sollen. Erwiderungen auf  F&uuml;ller sind beim Aktionsb&uuml;ndnis gegen Studiengeb&uuml;hren <a href=\"http:\/\/www.abs-bund.de\/aktuelles\/0379\/\">dokumentiert<\/a>. Ich selbst schrieb damals: &raquo;Die soziale Auswirkung von Studiengeb&uuml;hren macht sich nicht daran fest, wer das Geld einzieht, sondern daran, dass es eingezogen wird.&laquo; Nun sollte man die taz nicht wichtiger nehmen als sie ist. Da sie allerdings stark ins Gr&uuml;ne Milieu wirkt, sollte man sie eben auch nicht untersch&auml;tzen. Daher bleibt festzuhalten: Nicht nur Schavan will nicht wahrhaben, das Studiengeb&uuml;hren abschrecken. Auch die taz will das nicht. Mir jedenfalls ist keine Distanzierung der Redaktion zu diesem Modell bekannt. Und wenn den Hamburger Gr&uuml;nen nun der &rsaquo;Chancentod des Jahres&lsaquo; verliehen wird &ndash; eben weil auch die Gr&uuml;nen Studiengeb&uuml;hren in Hamburg mittragen &ndash; dann schreibt die taz: &raquo;Hirntote Studentenverb&auml;nde&laquo;. Dass im &Uuml;brigen die S&uuml;ddeutsche Zeitung bei der Kampagne f&uuml;r Studiengeb&uuml;hren keinen Deut besser war sei hier nur der Vollst&auml;ndigkeit halber erw&auml;hnt.<\/p><p>Wie sieht es mit den anderen Emp&ouml;rten der Republik aus? Die SPD beispielsweise f&auml;hrt eine erfreulich klare Linie gegen Studiengeb&uuml;hren. In den Jahren, als es drauf ankam, sah das nicht immer so aus. Das Aktionsb&uuml;ndnis gegen Studiengeb&uuml;hren wurde nicht umsonst 1999 gegr&uuml;ndet &ndash; weil die damalige rot-gr&uuml;ne Regierung es an der konsequenten Umsetzung ihres Wahlversprechens mangeln lie&szlig;, Studiengeb&uuml;hren bundesweit zu verbieten. Der Grund schon damals: Opposition in den eigenen Reihen. So sprach sich beispielsweise der damalige nieders&auml;chsische Wissenschaftsminister Oppermann f&uuml;r Studiengeb&uuml;hren aus. Und in zahlreichen Bundesl&auml;ndern hantierte die SPD mit Studienkonten und Langzeitgeb&uuml;hren herum &ndash; in NRW beispielsweise unter dem Ministerpr&auml;sidenten Clement und dem Finanzminister Steinbr&uuml;ck &ndash; und verspielte damit ihre Glaubw&uuml;rdigkeit. Sozialvertr&auml;glichkeit und soziale Gerechtigkeit? Oppermann dazu in der Welt: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article587917\/Studiengebuehren_schliessen_eine_Gerechtigkeitsluecke.html\">&raquo;Ich glaube sogar, dass mein Konzept f&uuml;r Studiengeb&uuml;hren eine Gerechtigkeitsl&uuml;cke schlie&szlig;t, die es derzeit gibt.&laquo;<\/a>. Oppermann hat in der SPD weiter Karriere gemacht und ist heute Erster Parlamentarischer Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der SPD-Bundestagsfraktion. &Auml;hnlich unklare Haltungen legten auch die Gr&uuml;nen an den Tag. Sie trugen bspw. die Studienkonten in NRW mit.<\/p><p>In meiner Zeit als ABS-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer 2002-2004 bekam ich auf zahllosen Podien immer dasselbe zu h&ouml;ren: Studiengeb&uuml;hren seien kein Problem, solange sie sozialvertr&auml;glich seien. Meine Entgegnung, dass es sozialvertr&auml;gliche Studiengeb&uuml;hren nicht geben kann, wurde mit Achselzucken zur Kenntnis genommen oder man musste sich als &raquo;Totalverweigerer&laquo; oder Besitzstandswahrer denunzieren lassen. SPD und Gr&uuml;ne fanden es ferner falsch, dass man auch ihre Art von Studiengeb&uuml;hren &ndash; Studienkonten etwa &ndash; angriff und beriefen sich darauf, das kleinere &Uuml;bel zu sein. Jetzt &uuml;berrascht zu sein, dass Studiengeb&uuml;hren insbesondere Frauen und Kinder aus so genannten Bildungsfernen Schichten abschreckt, ist l&auml;cherlich. Nat&uuml;rlich hatten die GegnerInnen auch schon vor 10 Jahren mit empirischen Ergebnissen aus anderen L&auml;ndern belegt, dass es diese Probleme gibt. In Deutschland wurde aber so getan, als k&ouml;nnten diese Probleme mit den richtigen Kreditmodellen gel&ouml;st werden. Dass Konservative f&uuml;r Studiengeb&uuml;hren sind &ndash; geschenkt. H&auml;tten Sozialdemokraten und Gr&uuml;ne samt publizistischem Anhang etwa der taz schon Anfang des Jahrtausends standgehalten, dann h&auml;tte es die jetzige Debatte evtl. nicht geben m&uuml;ssen. Im &uuml;brigen kommt sie reichlich sp&auml;t: HIS hatte bereits 2006 in einer Studie festgestellt, dass bereits im Jahr 2005 &ndash; die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren war zu diesem Zeitpunkt noch in keinem Bundesland vollzogen, sondern lediglich angek&uuml;ndigt &ndash; 25 % derjenigen, die ihre Studienoption nicht einl&ouml;sen, als Grund hierf&uuml;r die drohenden Studiengeb&uuml;hren angegeben haben.<\/p><p><strong>Der Kampf geht weiter<\/strong><\/p><p>Die Einf&uuml;hrung der Studiengeb&uuml;hren ist ins Stocken geraten. Zwar gibt es in Hamburg die erste Landesregierung mit Gr&uuml;ner Beteiligung, die Studiengeb&uuml;hren mittr&auml;gt. In Hessen allerdings sind die Geb&uuml;hren von rot-rot-gr&uuml;n abgeschafft worden. Auch in &Ouml;sterreich sind die Studiengeb&uuml;hren ab dem kommenden Semester f&uuml;r die allermeisten Studierenden Geschichte. Durch die HIS-Studie sind die Probleme der Studiengeb&uuml;hren zudem wieder st&auml;rker in der Debatte. Zu glauben, dass Studiengeb&uuml;hren damit langfristig &uuml;berall in Deutschland abgeschafft bzw. nicht eingef&uuml;hrt werden, ist allerdings naiv. Das CHE r&uuml;stet schon zum Gegenschlag: Im aktuellen CHE-Newsletter schreibt Frank Ziegele zum Hochschulzugang und der Selektivit&auml;t: &bdquo;Wer das Studieren permanent schlechtredet erzeugt die Zugangsbarrieren selbst.&ldquo; Grund an den Problemen sind also nicht die Studiengeb&uuml;hren, sondern Institutionen wie das ABS oder die Nachdenkseiten, die die Probleme benennen. Man biegt sich die Wahrheit also weiterhin zurecht um Studiengeb&uuml;hren zu rechtfertigen.<\/p><p>Das Aktionsb&uuml;ndnis gegen Studiengeb&uuml;hren wird im April kommenden Jahres zehn Jahre alt. Zu diesem Anlass wird ein Buch erscheinen, dass die Debatte um Studiengeb&uuml;hren in den vergangenen Jahren noch einmal beleuchtet. Derzeit l&auml;uft die Subskriptionsfrist, d.h. das Buch kann zu einem g&uuml;nstigeren Preis bestellt werden. Wer Interesse hat findet <a href=\"http:\/\/www.bdwi.de\/show\/1771984.html\">hier weitere Informationen<\/a>.<\/p><p>Klemens Himpele ist Mitglied im erweiterten Bundesvorstand des BdWi. Er war Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Aktionsb&uuml;ndnisses gegen Studiengeb&uuml;hren und Bildungspolitikreferent im AStA der Uni K&ouml;ln. Heute lebt und arbeitet er in Wien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer auch immer die Ergebnisse der HIS-Studie kurz vor dem &rsaquo;Bildungsgipfel&lsaquo; lancierte &ndash; das Timing war perfekt. Das zentrale Diskussionsthema &ndash; <a href=\"?p=3530\">die Nachdenkseiten berichteten<\/a> &ndash; war die Aussage, dass Studiengeb&uuml;hren im Jahr 2006 bis zu 18.000 Menschen vom Studium abgehalten h&auml;tten. Wohlgemerkt: Zu diesem Zeitpunkt hatten erst zwei L&auml;nder (NRW und Niedersachsen) Studiengeb&uuml;hren eingef&uuml;hrt.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3540\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[206,17,11],"tags":[231,860,408,234],"class_list":["post-3540","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chancengerechtigkeit","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-strategien-der-meinungsmache","tag-che","tag-oppermann-thomas","tag-soziale-herkunft","tag-studiengebuehren"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3540","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3540"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3540\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28342,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3540\/revisions\/28342"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3540"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}