{"id":3541,"date":"2008-10-27T08:45:15","date_gmt":"2008-10-27T07:45:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3541"},"modified":"2015-11-09T10:11:56","modified_gmt":"2015-11-09T09:11:56","slug":"professor-un-sinn-manager-als-die-neuen-juden-wenn-ideologie-blind-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3541","title":{"rendered":"Professor (Un-)Sinn: Manager als die neuen Juden \u2013 wenn Ideologie blind macht"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266\/Doc~E49FE2D00F5A044FB934787660148B1F0~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&ldquo;Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.&rdquo;<\/a><br>\nFrankfurter Allgemeine Zeitung, Hans-Werner Sinn zitierend am 26. Oktober 2008.<br>\nAnmerkungen von Roberto De Lapuente<br>\n<!--more--><br>\n<em>Zum Gesagten sei angemerkt:<\/em> Freilich zieht man nun einen ganzen Berufsstand in den Dreck, macht ihn f&uuml;r Ausw&uuml;chse verantwortlich, an denen eben dieser Berufsstand mitgewirkt hat. Man darf sich aber nicht davon blenden lassen, dass auch Unternehmer und &uuml;ber allem die Politik ihren gro&szlig;en Teil dazu beitrugen &ndash; soweit k&ouml;nnte man Sinn noch folgen. Aber ihm geht es ja gerade nicht darum, die Bankergilde ihrer Alleinverantwortung zu entheben, um gleichzeitig auch andere Schuldige heranzuziehen &ndash; f&uuml;r ihn ist ein Abstraktum schuld und die Manager sind die bemitleidenswerten Opfer. Und um ihrem derzeitigem Status auch gerecht zu werden, kann man diese nurmehr mit den verfolgten und ermordeten Juden des Dritten Reiches gleichsetzen &ndash; nur dieser geschichtliche Vergleich macht laut Sinn das &ldquo;Leid&rdquo; der heutigen Banker fassbar.<\/p><p>Als seinerzeit aus verschiedenen Richtungen die Anklage laut wurde, dass das Hartz-Konzept aus den Arbeitslosen Verfolgte und offensichtlich Missliebige mache, dass man damit die betroffenen Menschen in eine Position hineindr&auml;nge, die man durchaus mit der Position der Juden aus antisemitischeren Tagen dieses Landes gleichsetzen k&ouml;nne, da erhoben die inoffiziellen Institutionen der politischen Korrektheit sofort ihre m&auml;chtige Stimme. So etwas d&uuml;rfe man nicht verk&uuml;nden, so ein Vergleich sei unhaltbar, beleidigend, w&uuml;rde die eigene, aktuelle Position der Arbeitslosen in dieser Gesellschaft nur grob verf&auml;lschen, w&uuml;rde sie zu Opfern machen, die sie offensichtlich, in einer kultivierten Zeit wie der unseren, nicht sind &ndash; gar nicht sein k&ouml;nnen, denn wir leben ja in einem Sozialstaat! Dar&uuml;ber hinaus rieche dies nach Volksverhetzung! Da liefen alle Berufsbetroffenen der verschiedenen Parteien auf und meinten, dass es eine krasse Form der Geschichtsklitterung sei, verfolgte Juden mit verfolgungsbetreuten Erwerbslosen in einen Topf zu werfen. Und wir erinnern uns: Selbst eine Bezeichnung wie <em>&ldquo;Montagsdemonstrationen&rdquo;<\/em>, die von Gegnern des Hartz-Konzeptes nach ostdeutschen Beispiel so benannt wurden, sollten laut Aussage besonders korrekter Politiker, diesen Namen aus Respekt vor der &ldquo;friedlichen Revolution&rdquo; nicht mehr tragen d&uuml;rfen.<\/p><p>Sind beide Vergleiche haltbar? Dies scheint schwer zu beantworten, denn Geschichte wiederholt sich nicht &ndash; und wenn es doch danach aussieht, dann wiederholt sie sich als Farce, sagt man, sagte Marx (in <em>&ldquo;Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte&rdquo;<\/em>). Aber man darf Geschichte heranziehen, darf in ihr &Auml;hnlichkeiten mit der Gegenwart suchen und finden, sich an ihr bereichern oder an ihr &ndash; allzu oft leider &ndash; verzweifeln. Jedenfalls ist der Vergleich mit den Erwerbslosen eher zutreffend, als jener Sinn&rsquo;sche Vergleich, der die Manager zu verfolgten Opfern macht. Bei den Erwerbslosen handelt es sich um eine beinahe rechtlose Bev&ouml;lkerungsgruppe, die &ouml;ffentlich diffamiert und ver&auml;chtlich gemacht wird, w&auml;hrend die Bankerschaft noch nicht einmal mit ihrem Privatverm&ouml;gen f&uuml;r ihre Gier herangezogen wird, stattdessen ein Milliardenpaket gew&auml;hrt bekommt, dieses fast ohne staatliche Auflagen. Die Banker fielen nun vom hohen Ross &ndash; <em>nicht mal das ist gewiss<\/em> -, w&auml;hrend die Erwerbslosen schon vorher im Dreck lagen. So besehen ist das mediale Verbalflatulieren des Sinn eine unertr&auml;gliche Verdummung und Zurechtstutzung, eine Form des Mundtotmachens derer, die die Ackerm&auml;nner kritisieren, ja sogar bestraft sehen wollen.<\/p><p>Man darf gespannt sein, wann die Sauberm&auml;nner und -frauen, die Verfechter politischer Korrektheit auflaufen, um die Ausf&uuml;hrungen Sinns als Frechheit und Beleidigung an den Opfern des Holocausts zu entlarven. Ob sie aber &uuml;berhaupt auflaufen werden?<\/p><p>Geschrieben von Roberto J. De Lapuente: <a href=\"http:\/\/ad-sinistram.blogspot.com\/2008\/10\/de-dicto_26.html\">ad sinistram &ndash; ein oppositioneller Blog<\/a> <\/p><p>Siehe auch die Originalquelle des Sinn-Zitats: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/Finanzen-Finanzkrise;art130,2645622\">Tagesspiegel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266\/Doc~E49FE2D00F5A044FB934787660148B1F0~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&ldquo;Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.&rdquo;<\/a><br \/> Frankfurter Allgemeine Zeitung, Hans-Werner Sinn zitierend am 26. 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