{"id":35430,"date":"2016-10-17T11:33:35","date_gmt":"2016-10-17T09:33:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35430"},"modified":"2018-05-28T10:31:49","modified_gmt":"2018-05-28T08:31:49","slug":"der-neue-praesident-der-philippinen-pocht-auf-unabhaengigkeit-und-will-sich-an-den-interessen-des-volkes-orientieren-ein-klarer-fall-fuer-den-naechsten-regimechange-versuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35430","title":{"rendered":"Der neue Pr\u00e4sident der Philippinen pocht auf Unabh\u00e4ngigkeit und will sich an den Interessen des Volkes orientieren. Ein klarer Fall f\u00fcr den n\u00e4chsten RegimeChange-Versuch."},"content":{"rendered":"<p><strong>Franz Segbers<\/strong>, Sozialethiker und Gastprofessor auf den Philippinen, hat f&uuml;r die NachDenkSeiten einen kurzen Bericht &uuml;ber neue Entwicklungen auf den Philippinen geschrieben. Hier ist er. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der neue Pr&auml;sident auf den Philippinen. Und die Medien sprechen nur vom Krieg gegen die Drogen.<\/strong><\/p><p>Von <strong>Franz Segbers<\/strong>.<\/p><p>Da ich regelm&auml;&szlig;ig auf den Philippinen als Gastprofessor bin, kenne ich mich mit den dortigen Verh&auml;ltnisse recht gut aus. Umso wichtiger war es f&uuml;r mich in diesem Jahr, aus erster Hand zu erfahren, was es mit dem neuen Pr&auml;sidenten Rodrigo Duterte auf sich hat. Die Medien in Deutschland sind voll von Berichten &uuml;ber die Drogenpolitik mit Meldungen wie &bdquo;Ein Land auf Menschenjagd&ldquo;, so Die Zeit vom 25.8.2016. Die FAZ: &bdquo;Auf den Philippinen hat Pr&auml;sident Duterte allen Drogenh&auml;ndlern und S&uuml;chtigen den Krieg erkl&auml;rt.&ldquo; (7.9.2016) Die TAZ in der Ausgabe vom 30.9.2016: &bdquo;Die neueste absurde Gewaltfantasie: Der Pr&auml;sident der Philippinen sagt, er wolle Drogenabh&auml;ngige ermorden, so wie Hitler Juden ermordet habe.&ldquo; Die Medien sind alarmiert.  Menschenrechtler sind zu Recht besorgt. Es gibt ohne Zweifel keine Rechtfertigung f&uuml;r Morde im Kampf gegen illegale Drogen. Doch mehr als &uuml;ber dessen Drogenkrieg ist aus den Medien &uuml;ber den neuen philippinischen Pr&auml;sidenten Duterte kaum zu erfahren. <\/p><p>Die Medien in Deutschland sind sich einig und das vermittelte Bild &uuml;ber den Pr&auml;sidenten ist klar. Doch ganz anders ist die Stimmung auf den Philippinen.  Wen auch immer ich &uuml;ber seine Meinung zum neuen Pr&auml;sidenten Duterte gefragt hatte, niemand nannte als erstes den Drogenkrieg, der die mediale Berichterstattung des Westens so pr&auml;gt. Man ist stolz in der jahrhundertelangen Geschichte des Landes, das vom spanischen Kolonialismus und US-amerikanischen Imperialismus gepr&auml;gt ist, endlich einen Pr&auml;sidenten zu haben, der nicht aus der Oberschicht kommt und mit einem klaren politischen und sozialen Programm auftritt, das alle Forderungen der progressiven und linken Bewegungen im Land aufnimmt. <\/p><p>Die Medien in Deutschland sind irritiert, dass &uuml;ber 90 Prozent der Bev&ouml;lkerung den philippinischen Pr&auml;sidenten Duterte unterst&uuml;tzt. Warum ist dies so? Das hat seinen Grund. Und der wird in den Medien verschwiegen. Ich bin immer wieder Menschen begegnet, die stolz auf ihren Pr&auml;sidenten sind. Und das zu Recht. Dutertes Wahlkampfmotto lautete &bdquo;Ver&auml;nderung kommt&ldquo;. Er nennt sich einen &bdquo;sozialistischen Pr&auml;sidenten&ldquo;. Nach  einhundert Tagen Pr&auml;sidentschaft  zeichnen sich bereits tiefgreifende Ver&auml;nderungen ab. F&uuml;r die Durchf&uuml;hrung aller wesentlichen Teile seines Reformprogramms hat er wichtige Vertreter der sozialen Bewegungen ernannt.  <\/p><p>So ist einer der Landarbeiteraktivisten zum Verantwortlichen f&uuml;r eine durchgreifende Landreform ernannt worden, welche die Eliten bislang immer verhindert haben. Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft KMU wird mit der Durchsetzung einer Reform des neoliberalen Arbeitsrechts betraut. Leiharbeit soll massiv zur&uuml;ckgefahren werden, Geh&auml;lter f&uuml;r Polizisten, Lehrer und Soldaten verdoppelt sowie der Mindestlohn kr&auml;ftig angehoben werden. Eine Umweltaktivistin wurde zur Vorsitzenden der Umweltabteilung ernannt.  Sie hat als erste Ma&szlig;nahme angek&uuml;ndigt, die Lizenzen der multinationalen Bergbaukonzerne, die gegen Umweltauflagen versto&szlig;en, aufzuheben. <\/p><p>Seit fast 30 Jahren k&auml;mpfen die National Democratic Front (NDF), ein Zusammenschluss progressiver Organisationen aus dem Bereich Landwirtschaft, Gewerkschaften, Indigene sowie linker Parteien und Organisationen, zu denen auch bewaffnete Widerstandsgruppen geh&ouml;ren, um einen Friedensvertrag mit der Regierung. Bislang vergebens. Denn den bisherigen von den USA abh&auml;ngigen Pr&auml;sidenten lag daran, die NDF lieber als Terrorbewegung bek&auml;mpfen zu k&ouml;nnen. Anders der jetzige Pr&auml;sident. Er konnte innerhalb nur weniger Wochen eine Feuerpause erreichen und in einer zweiten Verhandlungsrunde am 10. 10.2016 politische und soziale  Reformen vereinbaren. Die Waffen schweigen. Im letzten Jahr konnte ich ein Evakuierungslager von 4000 Indigenen besuchen, die vor den Milit&auml;rs geflohen waren. Sie hatten sich geweigert, Bergbaukonzernen ihr Land zu &uuml;berlassen: Deshalb wurden sie mit einem Massaker bedroht.  Jetzt konnten sie nach der Vereinbarung der Feuerpause alle wieder in ihre D&ouml;rfer zur&uuml;ckkehren. <\/p><p>Auch geostrategisch l&ouml;st der Pr&auml;sident sich aus der Abh&auml;ngigkeit von den USA, die jahrzehntelang die Philippinen als Kolonialmacht in Abh&auml;ngigkeit gehalten haben und es immer noch tun. Duterte will eine unabh&auml;ngige Au&szlig;enpolitik betreiben. Er hat die USA wegen ihrer Einmischung  in innere Angelegenheiten seines Landes kritisiert und angedroht, den Vertrag &uuml;ber milit&auml;rische Zusammenarbeit mit den USA auszusetzen und US-amerikanische Streitkr&auml;fte des Landes zu verweisen. Gleichzeitig  hat Pr&auml;sident Duterte angek&uuml;ndigt, freundschaftliche Beziehungen mit China, Russland und Vietnam aufzubauen. Das schlie&szlig;t auch bilaterale Gespr&auml;che und mehr diplomatische Bem&uuml;hungen mit China &uuml;ber Streitfragen im S&uuml;dchinesischen Meer ein. Dutertes Absicht ist, die Philippinen endlich aus einer postkolonialen Abh&auml;ngigkeit von den USA herauszuf&uuml;hren. Dazu passt, dass er die j&uuml;ngsten gemeinsamen Milit&auml;rman&ouml;ver der philippinischen Streitkr&auml;fte mit den US-amerikanischen Streitkr&auml;ften die letzten nannte.  <\/p><p>Der UN-Beauftragte Philip Alston hatte im Jahr 2007 in einem Bericht &uuml;ber Menschenrechtsverletzungen die Verwicklung des Milit&auml;rs in politische Morde belegt. Der Regierung Arroyo wurde 2006 vorgeworfen, &uuml;ber 800 politisch motivierte Morde nicht aufgekl&auml;rt zu haben. Auch unter der Vorg&auml;ngerregierung gab es zahlreiche politische Morde, besonders gegen Journalisten, Umweltsch&uuml;tzer oder Kirchenleute. Doch diese Morde auch von Gegnern neoliberaler Reformen haben die westlichen Medien nie sonderlich interessiert. Doch jetzt, wo ein Pr&auml;sident linke und progressive Forderungen zum Regierungsprogramm erhebt und den Einfluss der  USA zur&uuml;ckdr&auml;ngen will, prangern die Medien die Morde im Drogenkrieg an.  <\/p><p>Die USA sind aufgeschreckt. Sie bef&uuml;rchten, ihren bisher so verl&auml;sslichen Alliierten zu verlieren. In einer Rede vor der Filipino-Community in Vietnam sagte Duterte: &bdquo;Die CIA plant mich zu t&ouml;ten!&rdquo; Dies sagte er bei der Ank&uuml;ndigung, dass die Philippinen nicht mehr an den US-Patrouillen in den umstrittenen Gebieten im S&uuml;dchinesischen Meer teilnehmen werden. Die Liste der von der CIA initiierten oder gar durchgef&uuml;hrten blutigen Regime-Wechsel ist lang. Da kommt es medial nur recht, angesichts des unerbittlich gef&uuml;hrten Drogenkrieges das &bdquo;linke&ldquo; Reformprogramm ins Dunkel verschwinden zu lassen.  Die Gesellschaft ist bis in die h&ouml;chsten Kreise hinein in Drogengesch&auml;fte und Korruption verwickelt. Und Duterte ist angetreten, dem ein Ende zu machen. Erste Erfolge zeichnen sich im Kampf gegen die Drogen ab. &Uuml;ber 700.000 Drogenabh&auml;ngige sind eingeliefert worden, hunderte Politiker und Drogenbosse inhaftiert und der Drogenhandel auf den Stra&szlig;en ging um 90 Prozent zur&uuml;ck. <\/p><p>Duterte hat in wenigen Wochen die Stimmung im Land ver&auml;ndert. Es herrscht Aufbruchsstimmung f&uuml;r soziale und politische Reformen. Nach jahrhundertelangen Erfahrungen mit Kolonialismus, Imperialismus und der jetzigen Globalisierung gibt Duterte den Menschen ihre W&uuml;rde zur&uuml;ck. Dabei kann er sich der kritischen Kooperation der sozialen Bewegungen und der Kirchen sicher sein.  <\/p><p>Dennoch, Duterte h&auml;tte es verdient, auch international kritische Unterst&uuml;tzung f&uuml;r sein politisches Reformprogramm zu finden. <\/p><p>Professor Dr. Franz Segbers, regelm&auml;&szlig;iger Gastdozent auf den Philippinen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Franz Segbers<\/strong>, Sozialethiker und Gastprofessor auf den Philippinen, hat f&uuml;r die NachDenkSeiten einen kurzen Bericht &uuml;ber neue Entwicklungen auf den Philippinen geschrieben. 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