{"id":35494,"date":"2016-10-20T13:58:32","date_gmt":"2016-10-20T11:58:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35494"},"modified":"2018-12-30T18:54:01","modified_gmt":"2018-12-30T17:54:01","slug":"ueber-die-rolle-der-ngos-als-instrumente-des-imperiums-fall-brasilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35494","title":{"rendered":"\u00dcber die Rolle der NGO\u2019s als Instrumente des Imperiums. Fall Brasilien."},"content":{"rendered":"<p>Naomi Klein hat in ihrem Buch &bdquo;Schock-Strategie&ldquo; beschrieben, dass und wie zum Putsch von Pinochet gegen den gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten Allende die Anh&auml;nger der neoliberalen Chicagoer Schule in Chile und in den USA am Putsch mitwirkten bzw. diesen f&uuml;r den Test ihrer neoliberalen Ideologie nutzten. Da waren Professoren und Geheimdienstagenten im Spiel. Heute sind NGOs im Spiel. Der S&uuml;damerika Korrespondent <strong>F&uuml;llgraf<\/strong> beschreibt den Vorgang am Fall Brasilien und speziell am Sturz der Pr&auml;sidentin Rousseff. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9338\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-35494-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161021_NGOs_Imperium_und_Brasilien_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161021_NGOs_Imperium_und_Brasilien_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161021_NGOs_Imperium_und_Brasilien_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161021_NGOs_Imperium_und_Brasilien_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=35494-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161021_NGOs_Imperium_und_Brasilien_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"161021_NGOs_Imperium_und_Brasilien_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>NGOs, auch deutschen Ursprungs, waren in der Ukraine im Spiel, sie sind es in Syrien. Hier ist der Beitrag von Frederico F&uuml;llgraf: <\/p><p><strong>Neoliberaler Feldzug mit parlamentarischem Putsch: die Umtriebe US-finanzierter &ldquo;NGOs&rdquo; in Brasilien<\/strong><\/p><p>Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong><\/p><p>Im September, knappe vier Monate nach der illegalen Amtsenthebung von Staatspr&auml;sidentin Dilma Rousseff, war ihr illegitimer Nachfolger, Michel Temer, der Mittelpunkt zweier Episoden, die den parlamentarischen Putsch vom 31. August 2016 in sch&auml;rferem Licht erscheinen lassen.<\/p><p>Der erste Zwischenfall ereignete sich in New York, nach Temers Teilnahme an  der Vollversammlung der Vereinten Nationen. <\/p><p>Bei einem anschlie&szlig;enden Auftritt vor dem von US-Konzernen gelenkten Council of America &ndash; wo er zur&uuml;ckhaltende Anleger vom &ldquo;g&uuml;nstigen Investitionsklima&rdquo; in Brasilien nach der Entfernung der Arbeiterpartei zu &uuml;berzeugen versuchte &ndash; huschte ihm eine Freud&acute;sche Fehlleistung &uuml;ber die Lippen. Temer lie&szlig; wortw&ouml;rtlich die Katze aus dem Sack, als er sagte: &bdquo;Vor mehreren Monaten, hatten wir der Regierung [Anm: Dilma Rousseff] die Umsetzung dringender [Wirtschafts-] Ma&szlig;nahmen empfohlen, die wir in jenem Programm mit dem Titel &acute;Eine Br&uuml;cke in die Zukunft&acute; zusammengefasst hatten. Da dies aber nicht geklappt hat, das hei&szlig;t, von der Regierung ignoriert wurde, fand der Prozess statt, der in meiner Ernennung zum Pr&auml;sidenten gipfelte&rdquo; (siehe Video &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WfvUJObeFAo\">Michel Temer on Dilma&rsquo;s Impeachment<\/a>&ldquo;). <\/p><p>Das war das erste, offene Gest&auml;ndnis, dass der tats&auml;chliche Grund f&uuml;r Rousseffs Absetzung &uuml;berhaupt kein &ldquo;Vergehen gegen die Regierungsverantwortung&ldquo; gewesen war, wie ihr vorgeworfen wurde, sondern ihr Widerstand gegen die Verabschiedung eines drakonischen Ma&szlig;nahmenpackets neoliberaler Pr&auml;gung.<br>\nDoch, zur Durchsetzung dieser Ma&szlig;nahmen, so erl&auml;uterte Temer den Wall-Street-Tycoons, sei eine Verfassungs&auml;nderung erforderlich, weil das brasilianische Grundgesetz von 1988 einen bestimmten Anteil der Steuereinnahmen als Pflichtausgaben f&uuml;r &ouml;ffentliche Bildung und Gesundheitsschutz vorschreibt. Ex-Pr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva, geistiger Mentor der Armutsbek&auml;mpfung, umschrieb einst diese Verpflichtung mit einem gefl&uuml;gelten Wort: &bdquo;Die Armen m&uuml;ssen in den Staatshaushalt passen&rdquo;.<\/p><p><strong>Den minimalen Staat &ldquo;schmackhaft&rdquo; machen<\/strong><\/p><p>Die zweite Episode fand wenige Tage nach Temers R&uuml;ckkehr aus New York statt, diesmal in Bras&iacute;lia.<\/p><p>Dort lie&szlig; der landesweit unbeliebte Regierungschef, der nach kaum zweimonatiger Amtszeit von 73 Prozent der Brasilianer abgelehnt wird, Vertreter der &ldquo;Movimento Brasil Livre &ndash; Bewegung Freies Brasilien&rdquo; (MBL) zu sich rufen. Mit ihrem &ldquo;Expertenwissen in Fragen &ouml;ffentlicher Motivation und Mobilisierung, insbesondere in sozialen Netzwerken&rdquo;, m&ouml;ge ihm die MBL bitte helfen, die &ldquo;Reformpl&auml;ne&rdquo; der Regierung der Bev&ouml;lkerungsmehrheit &ndash; so w&ouml;rtlich &ndash; &ldquo;schmackhaft&rdquo; zu machen.<\/p><p>Anschlie&szlig;end verabschiedete die korrupte und von liberalen Kr&auml;ften durchsetzte Abgeordnetenkammer mit &uuml;berw&auml;ltigender Mehrheit am 10. Oktober Temers Verfassungs&auml;nderungsantrag &ndash; genannt &ldquo;PEC 241&rdquo; -, dem Mitte Dezember auch das Oberhaus zustimmen wird. Dessen Kernst&uuml;ck ist, einerseits, die Begrenzung der Staatsausgaben mit harter Beschneidung von Bildungs- und Gesundheitsausgaben, Renten, Arbeitsrechten und, andererseits, die massenhafte Privatisierung von Eisenbahnen, See- und Flugh&auml;fen, &Ouml;l-, Gasfeldern, Autobahnen und der Stromversorgung des &ouml;ffentlichen Sektors.<\/p><p>Die US-Liaison der geladenen Bewegung passte wie ein Handschuh auf den USA-Besuch des nicht gew&auml;hlten Machthabers. Doch Notabene: die MBL ist kein harmloser Pfadfinderklub, gar ein philantropisches Damenkr&auml;nzchen, sondern eine mit US-Spenden gef&ouml;rderte, in S&atilde;o Paulo angesiedelte, militante, rechtsradikale Splittergruppe, die seit 2014 &uuml;ber soziale Netzwerke zum Sturz Dilma Rousseffs und f&uuml;r einen &ldquo;minimalen Staat&rdquo; aufrief. <\/p><p>Im Juni 2013, unterwanderte die Gruppe  bereits die Massenproteste gegen die Fahrpreiserh&ouml;hungen der konservativen Landesregierung  S&atilde;o Paulos, und kupferte ihr K&uuml;rzel dem Akronym der progressiven MPL &ndash; &ldquo;Movimento Passe Livre &ndash; Bewegung f&uuml;r den Nulltarif&ldquo; ab. Das Plagiat sollte Verwirrung stiften, die Proteste umdeuten und gegen die Regierung der Arbeiterpartei umlenken.<\/p><p>Personell ist die Gruppe mit der ebenso erst seit 2013  bekannten Vereinigung &ldquo;Estudantes para a Liberdade &ndash; Studenten f&uuml;r die Freiheit&rdquo; (EPL) verbunden; ein brasilianischer Ableger von &ldquo;Students for Liberty&rdquo;. Mit Sitz in Washington D.C., wurde die radikal-neoliberale NGO vom Koch Summer Fellowship 2007 ins Leben gerufen.<\/p><p><strong>Generalangriff auf den &auml;rmlichen Sozialstaat<\/strong><\/p><p>Der Hilferuf Temers an die MBL hat seine Gr&uuml;nde, seit 2014 herrscht zwischen beiden eine Vereinbarung &uuml;ber Geben und Nehmen.<\/p><p>Der von den Medien als &bdquo;freiheitlicher Umst&uuml;rzler&ldquo; zelebrierte Kataguiri mauserte sich bald zur rechten Hand des wegen Millionen Dollar schwerer Korruption abgesetzten, und am 19. Oktober verhafteten Parlamentspr&auml;sidenten und Temer-Intimus, Eduardo Cunha. Zusammen schmiedeten sie den Amtsenthebungsantrag gegen Pr&auml;sidentin Rousseff (siehe Gruppenbild mit Cunha und Kataguiri). Daf&uuml;r wurde die Gruppierung nicht nur von machtvollen US-Stiftungen-, sondern nachweislich vom ultrakonservativen Parteienspektrum in Bras&iacute;lia, unter F&uuml;hrung von Temers und Cunhas PMDB, finanziert. Schlie&szlig;lich scheint Temer im Austausch daf&uuml;r ganze Passagen f&uuml;r sein Programm aus den noch r&uuml;deren &ldquo;Empfehlungen&rdquo; der jungen Neoliberalen abgeschrieben zu haben (<a href=\"https:\/\/www.google.cl\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0ahUKEwjn66ad07zPAhWCIZAKHSmVA1QQFggaMAA&amp;url=http%3A%2F%2Fmbl.org.br%2Fpropostas%2F&amp;usg=AFQjCNHSdEqHAS5zp0BihokEJjSD_Q1waQ&amp;sig2=hwv84AStByUqzhvCxQV5kQ&amp;bvm=bv.134495766,d.Y2I\">Propostas do MBL &ndash; Movimento Brasil Livre<\/a>). <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161020-Kataguiri-im-roten-Kreis-mit-Cunha-in-Bildmitte.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Darin fordert die MBL mit missionarischem Eifer die komplette Zerschlagung des von der Arbeiterpartei aufgebauten, eher bescheidenen Sozialstaats und die restlose Privatisierung von Betrieben der &ouml;ffentlichen Hand, darunter vor allem des halbstaatlichen &Ouml;lkonzerns Petrobras, der Wasserversorgung, Dutzenden von Energieversorgungsunternehmen, der Staatsbanken Banco do Brasil, Caixa und der Entwicklungsf&ouml;rderungsbank BNDES. Die erfolgreiche Bank wird seit Jahren von der rechtsradikalen Szene und den Monopolmedien auf d&uuml;mmliche Weise attackiert , weil sie u.a. Kuba einen milliardenschweren Euro-Kredit f&uuml;r den Bau des modernen Mariel-Hafens einr&auml;umte, womit brasilianische Unternehmen millionenfache Ums&auml;tze erzielen, damit aber der Kuba-Blockade der USA ein Dorn im Auge sind.<\/p><p>Doch der als &ldquo;freiheitlich&rdquo; beschriebene Generalangriff der MBL, der neoliberalen Plattformen und Scheininstitute besteht aus zwei Komponenten: eine wirtschaftspolitische und eine ideologische, die die radikale Umgestaltung des gesellschaftlichen &Uuml;berbaus zum Ziel hat.<\/p><p>So wird seit 2014 eine virulente Hexenjagd auf alles, was das Klischee &ldquo;links&rdquo; bedient, entfacht. Im Chor mit den konservativem Medien und einer skandalumwobenen, parteiischen Justiz hatte die Kampagne insbesondere zum Ziel,  die Arbeiterpartei zu demontieren und ihren weltweit gesch&auml;tzten F&uuml;hrer, Luis In&aacute;cio Lula da Silva, mit absurden Vorw&uuml;rfen zu kriminalisieren und seine Kandidatur f&uuml;r die geplanten Pr&auml;sidenschaftswahlen von 2018 mit einem Scheintribunal zu verhindern. Doch Lula scheint es wie dem Brotteig zu gehen: je mehr er geknetet und geschlagen wird, umsomehr gedeiht seine Popularit&auml;t. Nach Meinungsumfragen den Instituts Vox Populi, von Mitte Oktober, liegt der Ehrenvorsitzende der Arbeiterpartei mit 34 Prozent in der W&auml;hlergunst als bevorzugter Kandidat f&uuml;r die erst 2018 stattfindenden Pr&auml;sidentschaftswahlen vorn.<\/p><p>Dem Volkschulabsolventen und Metallarbeiter Lula ist unter anderem der umfassendste Ausbau des &ouml;ffentlichen, kostenlosen Bildungssystems zu verdanken. W&auml;hrend seiner achtj&auml;hrigen Amtsperiode wurden 18 neue staatliche Universit&auml;ten und technische Ausbildungsst&auml;tten er&ouml;ffnet, ein Quotensystem zur F&ouml;rderung armer und afrobrasilianischer Studenten eingef&uuml;hrt und die Rekordzahl von mehr als 1,5 Millionen :Studienpl&auml;tzen geschaffen. <\/p><p>Temers Regime l&auml;uft Sturm gegen diese Errungenschaften, der Bildung sollen in den n&auml;chsten Jahren Investitionen in H&ouml;he von zig Milliarden Euro gestrichen werden.<\/p><p>In Parallelhandlung, kommandiert sein Erziehungsminister Mendon&ccedil;a Filho eine Kampagne f&uuml;r die &ldquo;parteilose Schule&rdquo;. Gemeint ist der angebliche ideologische Einfluss der Arbeiterpartei auf Lehrinhalte. Eine Unterstellung, die ebenfalls den &rdquo;Empfehlungen&rdquo; entliehen wurde; selbstverst&auml;ndlich ohne peinliche Quellenangabe. So  strich Mendon&ccedil;a im September die Lehrf&auml;cher Philosophie und Soziologie aus dem Lehrplan und ersetzte sie durch &ldquo;Staatsb&uuml;rgerliche Grunderziehung&rdquo;; eine Sprachsch&ouml;pfung der Milit&auml;rdiktatur, die das Land zwischen 1964 und 1985 durch Staatsterror beherrschte. <\/p><p>Mit der wirtschaftspolitischen Flurbereinigung soll nach Wunsch der neoliberalen Katechisten schlechthin alles &ldquo;entb&uuml;rokratisiert&rdquo; und privatisiert werden, was des staatlichen &ldquo;Interventionismus&rdquo; verd&auml;chtig ist und der Gefr&auml;&szlig;igkeit des Marktes im Wege steht: &ouml;ffentliche Bildung und Gesundheitsversorgung, Rentensystem, Kredite staatlicher Banken, &ouml;ffentliche Verkehrsmittel und selbst Strafanstalten. Jahrzehnte alte Arbeitsrechte sollen den G&ouml;ttern des &ldquo;freien Marktes&rdquo; geopfert werden, Arbeiter sollen &ldquo;in freier Entscheidung&rdquo; bilaterale Verhandlungen mit dem Arbeitgeber &ldquo;zu Lasten gesetzlicher Vorschriften&rdquo; bevorzugen. Deutlicher und absurder geht es nicht. H&ouml;hepunkt des liberalen Kesseltreibens ist der Vorschlag, die &uuml;berlastete, vor allem ineffiziente und teure Justiz durch &ldquo;private Ermittler&rdquo; zu erg&auml;nzen &ndash; ein haneb&uuml;chener Vorsto&szlig; zur restlosen Ausschaltung des Rechtsstaats und republikanischer Sicherheiten.<\/p><p><strong>Die Umtriebe der neoliberalen US-Denkfabriken<\/strong><\/p><p>Wie in Kairo, Tripolis und Kiew, und befeuert vom in vorangegangenen NDS-Berichten erw&auml;hnten Ermittlungsrichter Sergio Moro &ndash; dessen verbogenes Rechtsverst&auml;ndnis die &ldquo;Stimme der Stra&szlig;en&rdquo; als unverzichtbares Erfolgsrezept f&uuml;r Korruptionsermittlungen missdeutet -, erfolgte ab 2014 der Aufruf zum Sturz von Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff &uuml;ber soziale Netzwerke im Internet. <\/p><p>Neben unbekannten Organisationen wie &ldquo;Vem pra Rua &ndash; Komm&acute; auf die Stra&szlig;e&rdquo; und &rdquo;Revoltados Online &ndash; Rebellen Online&rdquo; war dies die Geburtsstunde der &ldquo;Bewegung Freies Brasilien (MBL)&rdquo;. <\/p><p>Zusammengerechnet kommt der rechtsradikale Mob auf kaum eine Hundertschaft halbgebildeter, doch von US-Stiftungen straff indoktrinierter Mitl&auml;ufer, zu deren Kultlekt&uuml;ren die Schriften Friedrich Hayeks, Milton Friedmans und Ludwig van Mises &ndash; die P&auml;pste des Neoliberalismus &ndash; z&auml;hlen, doch auch Gene Sharps &ldquo;From Dictatorship to Democracy&rdquo;.<\/p><p>Des &ouml;fteren als CIA-B&uuml;ttel verschrien, doch von konservativen Medien als Koryph&auml;e des sogenannten &ldquo;gewaltfreien Widerstands&rdquo; gefeiert, entwickelte der zwielichtige US-Amerikaner Gefechtstaktiken f&uuml;r den <em>Regimechange<\/em>, die sich perfekt in die Pentagon-Theorie der sogenannten &ldquo;hybriden Kriegsf&uuml;hrung&rdquo; einf&uuml;gen.<\/p><p>Sein in Etappen serviertes Gemisch subversiver Aktionen passt beim parlamentarischen Putsch gegen Dilma Rousseff wie die Faust aufs Auge: von selektiven Korruptions-Anschuldigungen, &uuml;ber Nachrichtenf&auml;lschung, Diffamierung &ouml;ffentlicher Personen, R&auml;delsf&uuml;hrung, Provokationen, Feindbestimmung, Bashing, Bullying, bis hin zu Protestm&auml;rschen, bediente sich die militante, neoliberale Szene ausnahmelos des gesamten Repertoirs; im &uuml;brigen auch die vom State Department und dem FBI innerhalb der brasilianischen Bundespolizei &ndash; <em>Policia Federal<\/em> &ndash; und der Staatsanwaltschaft aufgestellten, und von Richter Moro kommandierten <em>Einsatzkommandos<\/em> (&ldquo;Taskforces&rdquo;) des &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; zur angeblichen Bek&auml;mpfung der Korruption.<\/p><p>Wie bereits in fr&uuml;heren NDS-Ausgaben berichtet, r&uuml;hmte sich das FBI seit Anfang des neuen Milleniums, die Bundespolizei unterwandert und finanziert zu haben. Doch wer finanziert die Umtriebe der militanten neoliberalen Szene?<\/p><p>Entgegen der Annahme, wie einst in der Ukraine, sei George Soros&acute; auch in Brasilien am Werk, verh&auml;lt sich sein Stiftungsgeflecht eher bedeckt. Oder ganz im Gegenteil: ausgerechnet &ldquo;P&uacute;blica&rdquo;, einer von Soros&acute; Open-Society-Stiftung finanzierten, progressiven, brasilianischen Reportage-Agentur, ist ein Teil der Enth&uuml;llungen &uuml;ber die Hinterm&auml;nner der neoliberalen &ldquo;NGOs&rdquo; zu verdanken. <\/p><p>Soros&acute; Vereinnahmung der US-Medien und seine Umarmung des unabh&auml;ngigen, investigativen Journalismus sind seit Jahren Gegenstand harscher Kritik an den Geldempf&auml;ngern progressiver Medien, deren F&ouml;rderung der Megaspekulant und Multimilliard&auml;r mit der politischen Unterwanderung ehemaliger Ostblockl&auml;nder, gar mit der Finanzierung des faschistischen Kiewer Umsturzes von 2014 &ldquo;auszugleichen&rdquo; wei&szlig;, und mal f&uuml;r und mal gegen Machenschaften der CIA f&uuml;r Publizit&auml;t sorgt. Soros wird als widerspr&uuml;chlicher Einzelg&auml;nger, doch bisher nicht als Mitspieler der neoliberalen Szene in Brasilien erw&auml;hnt.<\/p><p>Als erwiesene Hinterm&auml;nner der rechtsextremen Umtriebe in Brasilien tummeln sich ein gutes Dutzend neoliberaler, inl&auml;ndischer Institute und Plattformen &ndash;  so das &ldquo;Instituto Liberal&rdquo; und das &ldquo;Forum da Liberdade&rdquo; &ndash;  im B&uuml;ndnis mit US-amerikanischen Sponsoren, angef&uuml;hrt von der Charles G. Koch Charitable Foundation.<\/p><p>W&auml;hrend das Stiftungsgeflecht der Gebr&uuml;der Koch (siehe <a href=\"https:\/\/www.google.cl\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0ahUKEwjP04u-xr3PAhXMl5AKHT4mAm8QtwIIGjAA&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3D2N8y2SVerW8&amp;usg=AFQjCNFzgCBFctpuPYaL_RmTp8ng8Ong7g&amp;sig2=ZuXfmhwATPme4szaWMyBgA&amp;bvm=bv.134495766,d.Y2I\">Dokfilm Koch Brothers EXPOSED: 2014 (ft. Bernie Sanders)<\/a> hinter den Kulissen die Finanzierungsf&auml;den zieht, tritt auch in Brasilien das von ihr gesponsorte &ldquo;Atlas Network&rdquo; des weltweit aktiven, in den USA ans&auml;ssigen argentinischen Agenten Alejandro Chafuen in Szene (siehe Foto Chafuens mit MBL-Sprechern auf Anti-Rosseff-Aufm&auml;rschen).<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161020-Chafuen-links-im-Bild-mit-Fabio-Ostermann-%20MBL-auf-Anti-Rouseff-Aufmarsch-in-SPaulo-2015.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>&ldquo;Atlas&rdquo; erh&auml;lt hunderttausendfache Dollarbetr&auml;ge von der &ldquo;Koch Charitable Foundation&rdquo;, dem libert&auml;ren &rdquo;Cato-Institut&rdquo; und der &ldquo;John Templeton Foundation&rdquo; und leitet Teilbetr&auml;ge weiter an &ldquo;Estudantes para a Liberdade &ndash; Studenten f&uuml;r die Freiheit&rdquo; bzw. an die MBL.<\/p><p>Zum Schutz der Anonymit&auml;t der einschl&auml;gigen US-Spender gr&uuml;ndeten die Kochs und ihre Partnerstiftungen 1999 zwei &ldquo;philanthropische Spender-Fonds&rdquo;: &ldquo;Donors Trust&rdquo; und &ldquo;Donors Capital Management&rdquo;.<\/p><p>&ldquo;Donors Trust&rdquo; ist herausragender Spender f&uuml;r Chafuens &ldquo;Atlas Network&rdquo; und die f&uuml;nf Koch-Stiftungen sind die gro&szlig;z&uuml;gigsten Sponsoren beider Fonds, die seit Beginn des neuen Milleniums Jahr f&uuml;r Jahr &uuml;ber 500 Millionen US-Dollar an 1.000 rechsextreme Gruppierungen rund um die Welt verteilten &ndash; ein beachtlicher Teil davon an neoliberale und faschistoide Organisationen in Lateinamerika, so der US-Journalist Andy Kroll (&ldquo;Exposed: The Dark-Money ATM of the Conservative Movement&rdquo;, Mother Jones, 5.2.2013). Nach Auskunft  der ebenfalls nordamerikanischen Journalistin, Catherine Osborn (&ldquo;In Brazil, a youth movement wants the economy to open up&rdquo; &ndash; Public Radio International, 17.03.2016), wird Kataguiris MBL mit &ldquo;zigtausenden Dollars&rdquo; von den John Templeton- und Koch-Stiftungen geheim finanziert.<\/p><p>Als deutsche Finanzierungsquelle wird oft die Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP genannt, die nach Auskunft von &ldquo;Estudantes pela Liberdade&rdquo; Geldzuwendungen nicht in bar, sondern gern indirekt als Reise- und Veranstaltungskosten der jungen Putschisten &uuml;bernimmt.<\/p><p>Doch sollte nicht &uuml;bersehen werden: Ursprung und Dachorganisation des weltvernetzten neoliberalen Spuks ist die von Friedrich Hayek &ndash; Papst der sogenannten &ldquo;&Ouml;sterreichischen Schule&rdquo; und ehemaliger Berater der Diktatur Pinochet in Chile &ndash; gegr&uuml;ndete Mont P&egrave;lerin Society.<\/p><p>In seinem Buch &ldquo;Die offenen Feinde und ihre Gesellschaft&rdquo; (2004), warnte der schweizerische Sozialwissenschaftler und Hayek-Forscher, Bernhard Walpen,  bereits vor mehr als einem Jahrzehnt vor den Folgen von Hayeks Doktrin. Er schrieb: &ldquo;&Uuml;ber die Pr&auml;senz in den &acute;Kasematten&acute; der Zivilgesellschaft (Gramsci), den Betrieben und Konzernen, aber auch in den Parteien und Regierungen, erleben die Demokratien weltweit die Wiederbelebung eines doktrin&auml;ren Kriegszuges zur Duchsetzung neoliberaler Heilslehre und Hegemonie&rdquo;.<\/p><p>Wie krankhaft und menschenfeindlich das neoliberale Credo in seinem Wesen ist, veranschaulicht der von Abscheu kaum zu &uuml;berbietende Satz Hayeks aus dem Jahr 1981, &uuml;ber die blutige Pinochet-Diktatur: &ldquo;Eine freie Gesellschaft ben&ouml;tigt eine bestimmte Moral, die sich letztlich auf die Erhaltung des Lebens beschr&auml;nkt: nicht auf die Erhaltung allen Lebens, denn es k&ouml;nnte notwendig werden, das eine oder andere individuelle Leben zu opfern zugunsten der Rettung einer gr&ouml;&szlig;eren Anzahl anderen Lebens. <em>Die einzig g&uuml;ltigen Ma&szlig;st&auml;be f&uuml;r die &sbquo;Kalkulation des Lebens&rsquo; k&ouml;nnen daher nur sein: das Privateigentum und der Vertrag.<\/em>&rdquo;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naomi Klein hat in ihrem Buch &bdquo;Schock-Strategie&ldquo; beschrieben, dass und wie zum Putsch von Pinochet gegen den gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten Allende die Anh&auml;nger der neoliberalen Chicagoer Schule in Chile und in den USA am Putsch mitwirkten bzw. diesen f&uuml;r den Test ihrer neoliberalen Ideologie nutzten. Da waren Professoren und Geheimdienstagenten im Spiel. 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