{"id":355,"date":"2004-08-25T12:04:19","date_gmt":"2004-08-25T11:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=355"},"modified":"2016-03-26T15:49:56","modified_gmt":"2016-03-26T14:49:56","slug":"wie-viel-ungleichheit-schafft-arbeitsplatze-bei-der-zahl-der-wohlhabenden-ist-deutschland-europameister-gleichzeitig-nimmt-der-anteil-der-armen-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=355","title":{"rendered":"Wie viel Ungleichheit schafft Arbeitspl\u00e4tze? Bei der Zahl der Wohlhabenden ist Deutschland Europameister gleichzeitig nimmt der Anteil der Armen zu."},"content":{"rendered":"<p>Nach einer aktuellen Analyse des &bdquo;Datamonitors&ldquo; hat die Zahl der Wohlhabenden in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Deutschland wird als der attraktivste Markt Europas f&uuml;r Verm&ouml;gensverwalter und Privatbanken eingestuft. Der neue &bdquo;Datenreport 2004&ldquo; weist aus, dass die Armut in Deutschland zunimmt. Wirtschaftsminister Clement brachte in die Debatte um &bdquo;Soziale Gerechtigkeit&ldquo; &bdquo;entweder fortdauernde Arbeitslosigkeit&hellip;oder mehr gesellschaftliche Ungleichheit&ldquo; als Alternative ein. Wie viel Ungleichheit ist also noch n&ouml;tig um die Arbeitslosigkeit zu senken?<br>\n<!--more--><br>\nIn der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 23. August 2004 wird &uuml;ber eine Studie des britischen Geldberatungsunternehmens &bdquo;Datamonitor&ldquo; berichtet. Danach stieg der Wert des Geldverm&ouml;gens &ndash; betrachtet werden dabei nur Bargeld, Spareinlagen, Aktien oder Fondsanteile &ndash; zwischen 1997 und 2002 j&auml;hrlich um gut 10 Prozent. Es wird erwartet, dass das Verm&ouml;gen der Deutschen, die mindestens 50.000 Euro liquide Mittel besitzen weiter deutlich ansteigen wird und 2007 die Schwelle von 1.600 Milliarden Euro &uuml;berschreiten wird. Das w&auml;ren 350 Milliarden Euro mehr als 2002.<br>\n2007 sollen danach rund 8,6 Millionen Deutsche &ndash; also etwas weniger als 10 Prozent der Gesamtbev&ouml;lkerung &ndash; &uuml;ber ein Finanzverm&ouml;gen zwischen 50.000 bis 300.000 Euro verf&uuml;gen. 840.000 Personen besitzen ein Barverm&ouml;gen von mindestens 300.000 Euro. Bei dieser Kategorie wird ein &uuml;berdurchschnittliches Wachstum von 9 Prozent pro Jahr erwartet. Allein das von diesen Personen gehaltene Geldverm&ouml;gen d&uuml;rfte nach dieser Analyse von 550 Milliarden auf 740 Milliarden Euro ansteigen. Damit belege Deutschland in Europa den absoluten Spitzenplatz.<br>\nDas gelte auch f&uuml;r diejenigen Deutschen, die 3 Millionen und mehr an liquiden Mitteln besitzen. Ihre Zahl werde bis 2007 auf 28.000 steigen und am schnellsten von allen Gruppen unter den Wohlhabenden steigen.<br>\nDeutschland gilt als der attraktivste Markt Europas f&uuml;r Verm&ouml;gensverwalter und Privatbanken. <\/p><p>Die st&auml;ndigen Miesmacher des Standorts Deutschland m&uuml;ssten sich freuen: Endlich haben wir wieder einen Markt, auf dem wir Spitzenreiter sind. <\/p><p>Am selben Tag, an dem diese Meldung in der S&uuml;ddeutschen stand, stellten das Wissenschaftszentrum Berlin f&uuml;r Sozialforschung (WZB) in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt, dem Deutschen Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) und der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung in Berlin den &bdquo;Datenreport 2004&ldquo; vor. (Die Verfasser geh&ouml;ren also gewiss nicht zu den &bdquo;&uuml;blichen Verd&auml;chtigen&ldquo; wie etwa die Wohlfahrtsverb&auml;nde oder der Kinderschutzbund, von denen man es ja gewohnt ist, dass sie &uuml;ber die Armut in Deutschland klagen.)<br>\nDas Fazit des &bdquo;Datenreports 2004&ldquo; titelt die Frankfurter Rundschau vom 24. August 2004 wie folgt:<br>\n&bdquo;Armut und soziale Schieflage wachsen. Sozialforscher stellen steigende (Armuts-)Quoten schon vor Hartz-Reform fest&ldquo;. &bdquo;Alle Indikatoren weisen f&uuml;r 2002 eine Zunahme der Armut gegen&uuml;ber dem Vorjahr aus&ldquo; wird der Report zitiert. Es sei &bdquo;bemerkenswert, wie viele Indizien auf eine Trendumkehr der Lebensqualit&auml;t in Deutschland hinweisen&ldquo; erkl&auml;rte einer der Autoren Heinz-Herbert Noll vom Zentrum f&uuml;r Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA).<br>\nDie Armutsquote &ndash; also der Anteil derjenigen, die weniger als die H&auml;lfte des Durchschnittseinkommens aller Deutschen hat &ndash; stieg von 9,2 Prozent im Jahre 2000 auf 12,0 Prozent im Jahr 2003, im Osten Deutschlands gar von 8,2 auf 15,5 Prozent. Das &auml;rmste F&uuml;nftel der Deutschen hat nur 9,3% des gesamten Einkommens, ein Jahr zuvor waren des noch 9,7 Prozent. Im K&ouml;lner-Stadt-Anzeiger vom 24.8. ist nachzulesen, dass fast jeder siebte Bundesb&uuml;rger im Jahre 2002 mit weniger als rund 660 Euro im Monat auskommen muss.<br>\n11 Prozent der Haushalte im Osten sind von &Uuml;berschuldung bedroht.<br>\nDie Autoren weisen darauf hin, dass die eingeleiteten &bdquo;Reformen&ldquo; an den sozialen Sicherungssystemen &bdquo;die ungleichheitsreduzierende Wirkung&ldquo; staatlicher Sozialleistungen weiter vermindern wird. <\/p><p>Zwei Studien &ndash; zur gleichen Zeit ver&ouml;ffentlicht &ndash; belegen, dass die Ungleichheit in Deutschland deutlich zunimmt. Ein wichtiger Stabilisator unserer Gesellschaft und ein Grundwert der sozialen Marktwirtschaft, n&auml;mlich der &bdquo;soziale Ausgleich&ldquo; br&ouml;ckelt. <\/p><p>Statt durch Hartz den Mangel an Arbeit zu verwalten und die Mehrheit der Arbeitslosen, die jetzt schon zu den Armen geh&ouml;ren, noch &auml;rmer zu machen, signalisiert die zunehmende Einkommensspaltung einen wirklich &bdquo;notwendigen&ldquo; Reformbedarf f&uuml;r den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Es w&auml;re dazu noch ein Leichtes beispielsweise &uuml;ber eine andere Reform der Steuerpolitik wieder mehr Verteilungsgerechtigkeit herzustellen.<br>\nWarum wird aber von fast allen im Bundestag vertretenen Parteien gar noch die Senkung des Spitzensteuersatzes geradezu zum Rettungsanker f&uuml;r ein Wachstum der Wirtschaft und damit (vielleicht) f&uuml;r mehr Arbeit hochgejubelt? Der Grund mag wohl darin zu suchen sein, dass im Sinne der Anpassung unseres bisherigen Verst&auml;ndnisses vom Sozialstaat an das individualistische anglo-amerikanische Gesellschaftsmodell in der gesellschaftlichen Ungleichheit geradezu eine katalytische Wirkung f&uuml;r &bdquo;individuelle als auch f&uuml;r gesellschaftliche Entfaltungsm&ouml;glichkeiten&ldquo; gesehen wird. So hat das jedenfalls Wolfgang Clement in Anlehnung an New Labour in einer Rede vor dem &bdquo;Forum Grundwerte: Gerechtigkeit&ldquo; am 26. April 2000 in Berlin gesehen. In seinem Beitrag zur Debatte um eine Neubestimmung des Grundwertes der Sozialen Gerechtigkeit ging er sogar soweit, dass er &bdquo;entweder fortdauernde Arbeitslosigkeit &hellip;oder mehr gesellschaftliche Ungleichheit&ldquo; als Alternative in den Raum stellte. In dieser Logik h&auml;tten wir um so weniger Arbeitslosigkeit je ungleicher unsere Gesellschaft wird. <\/p><p>Steckt etwa diese Logik der Umverteilung von unten nach oben hinter den Hartz-Gesetzen? <\/p><p>Es w&auml;re die Logik der erzkonservativen &bdquo;Pferde&auml;pfel-Spatzen&ldquo;- Theorie. Sie besagt: Wenn sich die Spatzen von den Pferde&auml;pfel ern&auml;hren k&ouml;nnen sollen, muss man die Pferde reichlich mit Hafer f&uuml;ttern. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wz-berlin.de\/aktuell\/pdf\/datenreport.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.wz-berlin.de\/aktuell\/pdf\/datenreport.pdf\">Datenreports 2004 &raquo;<\/a> <em>(Link nicht mehr erreichbar  24.03.2006)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer aktuellen Analyse des &bdquo;Datamonitors&ldquo; hat die Zahl der Wohlhabenden in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Deutschland wird als der attraktivste Markt Europas f&uuml;r Verm&ouml;gensverwalter und Privatbanken eingestuft. Der neue &bdquo;Datenreport 2004&ldquo; weist aus, dass die Armut in Deutschland zunimmt. Wirtschaftsminister Clement brachte in die Debatte um &bdquo;Soziale Gerechtigkeit&ldquo; &bdquo;entweder fortdauernde Arbeitslosigkeit&hellip;oder<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=355\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,140,132],"tags":[661,279,278,291],"class_list":["post-355","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-clement-wolfgang","tag-spitzensteuersatz","tag-steuersenkungen","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/355","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=355"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/355\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32528,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/355\/revisions\/32528"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=355"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=355"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}