{"id":3551,"date":"2008-10-29T13:51:21","date_gmt":"2008-10-29T12:51:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3551"},"modified":"2015-11-09T09:59:08","modified_gmt":"2015-11-09T08:59:08","slug":"viele-privatisierungen-kann-man-nur-verstehen-wenn-man-fragt-wer-verdient-daran-dieser-verdacht-wird-staendig-bestaetigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3551","title":{"rendered":"Viele Privatisierungen kann man nur verstehen, wenn man fragt: Wer verdient daran? Dieser Verdacht wird st\u00e4ndig best\u00e4tigt."},"content":{"rendered":"<p>Schon im vergangenen Jahr und dann w&ouml;rtlich am 8. Mai 2008 wiesen wir immer wieder daraufhin, dass man Privatisierungen &ouml;ffentlicher Einrichtungen und Unternehmen h&auml;ufig nur dann verstehen kann, wenn man fragt, wer die Profiteure sind. (Anlagen C). Das gilt f&uuml;r viele Privatisierungen in Kommunen und L&auml;ndern. Es war und ist besonders augenf&auml;llig und emp&ouml;rend bei der Deutschen Bahn. Im Kapitel 11 des Kritischen Jahrbuchs 2007 hatten wir die verschiedenen Beitr&auml;ge dokumentiert, u. a. auch eine Rede des CDU-Abgeordneten K&ouml;nigshofen mit dem geradezu klassischen Bekenntnis, man m&uuml;sse sich nicht genieren, wenn man nicht wisse, warum die Bahn privatisiert werden soll. Wir haben damals schon vermutet, dass eine besonders innige Verbindung zwischen der Bundeskanzlerin, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Kauder und Dirk Notheis (CDU), dem bei der Investmentbank Morgan Stanley Zust&auml;ndigen, eine gro&szlig;e Rolle spielt. Vor kurzem wurde diese millionenschwere Vermutung best&auml;tigt. (Anlage A) Und jetzt auch noch, dass der gesamte Bahnvorstand einschlie&szlig;lich Mehdorns und des fr&uuml;heren Transnet-Vorsitzenden Hansen vom B&ouml;rsengang profitieren. (Anlage B) Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Wir kommen darauf zur&uuml;ck, weil auch im regionalen und lokalen Bereich Privatisierungen betrieben werden, f&uuml;r die sachlich nichts spricht, an denen aber einzelne Personen und Gruppen verdienen wollen. Seien Sie bitte so skeptisch, wie wir das beim Vorhaben B&ouml;rsengang der Deutschen Bahn von Anfang an waren. Wir sind in den F&auml;ngen der Finanzindustrie. Wir stecken tief in einer umfassenden politischen Korruption. Das gilt hier wie auch beim Umgang mit der Finanzkrise, wo die B&ouml;cke zu G&auml;rtnern gemacht werden.<\/p><p>Die Bundesregierung hat die Privatisierung der Bahn ohne sachliche Gr&uuml;nde betrieben. Die handelnden Personen Merkel, Tiefensee und Steinbr&uuml;ck haben immer so getan, als m&uuml;sse der B&ouml;rsengang stattfinden, damit die Bahn die notwendigen Investitionsmittel bekommt. Dies war sachlich immer falsch, weil der B&ouml;rsengang der Bahn gar nicht viel bringt, die Bahn an &ouml;ffentlichen Investitionshilfen um ein Mehrfaches erh&auml;lt und ohnehin keine Probleme hat, sich am Kapitalmarkt neues Kapital zu holen. Der Hinweis auf den Kapitalbedarf war immer nur ein verlogener Vorwand.<\/p><p>Wie politisch korrupt dieser Vorgang ist, erkennen Sie auch daran, dass es keinen sachlichen Grund daf&uuml;r gibt, den Vorstand eines Unternehmens zu belohnen, wenn das Unternehmen an die B&ouml;rse kommt. In der ver&ouml;ffentlichten Meinung wird dieses Argument nachgeplappert, ohne auch nur einen Gedanken auf die Logik zu verschwenden. Was soll denn daran verdienstvoll sein, wenn der Eigent&uuml;mer eines Unternehmens zum Teil wechselt? Warum soll der Vorstand bei einem solchen Vorgang belohnt werden? In der &ouml;ffentlichen Debatte taucht auch die Verkn&uuml;pfung mit dem Vorgang Vodafone\/Mannesmann auf, als Klaus Esser 60 Millionen DM bekam. Wo soll der logische Konnex bei diesem Vergleich sein? Hier bei der Bahn  wurde und wird der Aktienwert des Unternehmens ja nicht hochgetrieben, so dass die Eigent&uuml;mer einen Anlass h&auml;tten, Herrn Mehdorn und die anderen Damen und Herren besonders zu entlohnen. Einmal abgesehen davon, dass diese Entlohnung schon im Falle Mannesmann\/Vodafone\/Esser gen Himmel stank.<\/p><p>Wir denken auch nicht dar&uuml;ber nach, wieso eigentlich der Vorstand eines &ouml;ffentlichen Unternehmens den Teilverkauf des Unternehmens betreibt. Wieso eigentlich? Was haben wir Eigent&uuml;mer davon?<br>\nWir finden es auch nicht komisch, dass der Aufsichtsrat eines zu 100% in &ouml;ffentlicher Hand befindlichen Unternehmens mehrheitlich in den H&auml;nden von privaten Managern ist und damit der politischen Korruption Tor und T&uuml;r ge&ouml;ffnet wird. Wieso erlauben wir eigentlich dem Aufsichtsratsvorsitzenden Werner M&uuml;ller die Forcierung des B&ouml;rsengangs? Wieso darf er die besonderen Boni f&uuml;r den Vorstand anl&auml;sslich eines solchen B&ouml;rsengangs aushandeln? Das ist Selbstbedienung der herrschenden Kreise und doch alles ein absurdes Theater. Und dieses absurde Theater erkl&auml;rt sich vor allem so: Obwohl wir Eigent&uuml;mer eines solchen Unternehmens wie der Bahn sind und dies mehrheitlich bei der Deutschen Post immer noch sind, erlauben die von uns gew&auml;hlten Personen in der Regierung, die den Eigent&uuml;mer in den Unternehmen vertreten sollten, privaten Personen die Regentschaft &uuml;ber das &ouml;ffentliche Eigentum. So wird zum Beispiel auch die Postbank, die sich im Eigentum der Deutschen Post befindet, von den dort handelnden privaten Personen an die Deutsche Bank verscherbelt. <\/p><p>Das Fazit: In dieser politischen Konstellation &ndash; das hei&szlig;t angesichts der Besetzung unser Staatsspitze und Regierung mit den dort befindlichen Leuten &ndash; bedeutet &ouml;ffentliches Eigentum nichts, gar nichts an Fortschritt.<br>\nIm Lichte dieses Fazit sollte man auch jede Lust auf Verstaatlichung verlieren. Wenn zum Beispiel Teile der deutschen Banken verstaatlicht w&uuml;rden und von der Gruppe Merkel\/Steinbr&uuml;ck gef&uuml;hrt w&uuml;rden, dann w&uuml;rden sie weiter in privater Hand sein. Verstaatlichung wird erst dann einen Sinn machen, wenn wir diese politische F&uuml;hrung los sind.<\/p><p>Das mag deprimierend klingen. Es ist nur als Ern&uuml;chterung gemeint.<\/p><p><strong>Anlage A<br>\nKopf des Tages<br>\nDirk Notheis lenkt die Bahn an die B&ouml;rse<\/strong><br>\nvon Sven Clausen<br>\n<a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/koepfe\/whoiswho\/:Kopf_des_Tages_Dirk_Notheis_lenkt_die_Bahn_an_die_B%F6rse\/405493.html?mode=print\">Aus der FTD vom 26.08.2008<\/a><\/p><p><strong>Anlage B<\/strong><\/p><p>Die Transnet-Tantieme <br>\nEin Bonus f&uuml;r den Bahnvorstand stiftet Unruhe in der Bahngewerkschaft: Ex-Transnet-Chef Hansen profitiert &ndash; und sein Nachfolger nickte das ab.<\/p><p>Hansen, 56, erntet dieser Tage mal wieder den Zorn seiner Kollegen von einst. Es ist nicht nur der Wechsel Hansens von der Gewerkschaftsspitze ins Management eben jenes Unternehmens, mit dem er als Gewerkschafter eigentlich h&auml;tte hart k&auml;mpfen m&uuml;ssen. Inzwischen geht es auch noch um gro&szlig;z&uuml;gige Boni, die der komplette Bahnvorstand einheimsen soll, wenn das Unternehmen an die B&ouml;rse geht.<\/p><p>Gerade im Fall Hansens ist das heikel. Schon als Gewerkschafter war er gl&uuml;hender Anh&auml;nger des Bahn-B&ouml;rsenganges, intern galt er als wichtigster Mitstreiter von Vorstandschef Hartmut Mehdorn. <\/p><p>Dass er nun als Bahnvorstand eine Tantieme f&uuml;r einen B&ouml;rsengang erh&auml;lt, den er nicht als Personalvorstand, sondern als Gewerkschafter vorbereitet hat, erscheint vielen als der blanke Hohn.<\/p><p>Nun aber k&ouml;nnte auch Hansen-Nachfolger Lothar Krau&szlig;, 52, in den Strudel geraten. Krau&szlig;, schon zu Hansens Zeiten die Nummer zwei bei Transnet, trug bei seiner Ernennung den Makel, der alten Garde anzugeh&ouml;ren. Durch die Boni aber ger&auml;t auch er in Bedr&auml;ngnis. Ein vierk&ouml;pfiger Personalausschuss des Aufsichtsrats hatte die Gratifikationen f&uuml;r den Bahnvorstand im Juni beschlossen. Einer von den vieren: Lothar Krau&szlig;.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/919\/315807\/text\/print.html\">SZ<\/a><\/p><p><strong>Streit um Bonuszahlungen bei Bahn-B&ouml;rsengang<\/strong><br>\nF&uuml;r satte Boni beim Bahn-B&ouml;rsengang f&uuml;r den Vorstand hegt Verkehrminister Tiefensee kein Verst&auml;ndnis und verlangte den Verzicht. Bahn-Aufsichtsratschef M&uuml;ller verteidigt die Anspr&uuml;che von Bahn-Chef Mehdorn und seinen Kollegen: Es gebe gutes Geld f&uuml;r gute Arbeit. [&hellip;]<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/bahn680.html\">tagesschau.de<\/a><\/p><p><strong>Anlagen C &ndash; eine Auswahl bisheriger Beitr&auml;ge in der NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die Privatisierung der Bahn kann man nur verstehen, wenn man fragt: wer verdient daran?<br>\nDatum: <a href=\"?p=3208\">8. Mai 2008 um 17:16 Uhr<\/a><\/p><p><strong>12.Mai 2007 Rede in Pforzheim:<\/strong><br>\n&bdquo;Sie k&ouml;nnen zum Beispiel viele Privatisierungen &ouml;ffentlicher Einrichtungen und Unternehmen gar nicht mehr verstehen, wenn Sie nicht fragen: Wer verdient daran?<br>\nDie n&auml;chste massive Verletzung Ihres hier zitierten Grundsatzes geschieht demn&auml;chst: mit dem B&ouml;rsengang der Deutschen Bahn. Das wird &ndash; geht man nach dem vorliegenden Gesetzentwurf &ndash; eine gigantische Umverteilung von der Nation weg und hin zu einigen gro&szlig;en Interessen, auch ausl&auml;ndischen Interessen. Umverteilung ist noch ein harmloser Begriff. Tats&auml;chlich findet eine Art von Fledderei statt. Was &uuml;ber Jahrzehnte aufgebaut und vom Steuerzahler gro&szlig;enteils bezahlt worden ist, wird jetzt in Umkehrung Ihrer Forderung &bdquo;gro&szlig;z&uuml;gig zur Verf&uuml;gung gestellt&ldquo; &ndash; nicht der Gemeinschaft, sondern von der Gemeinschaft f&uuml;r einzelne &ndash; f&uuml;r Hedgefonds, Pensionsfonds, etc..&ldquo;<br>\n<a href=\"?p=2517\">Beitrag: 30. Juli 2007<\/a><\/p><p><strong>BILD macht Reklame f&uuml;r Bahnprivatisierung. Wie schon f&uuml;r die Privatisierung der Rente im Dienste der Allianz AG.<\/strong><br>\nDatum: 10. September 2007<br>\nDamals schon mit <a href=\"?p=2631\">Hinweis auf Notheis und seine Verflechtung mit der CDU F&uuml;hrung<\/a>..<\/p><p><strong><a href=\"?page_id=2931\">Hinweis im Vorwort zum Kritischen Jahrbuch<\/a> &ndash; dort ausf&uuml;hrlich in Kapitel 11, Seite 163 bis 178:<\/strong><br>\nSie werden nach Lekt&uuml;re unseres Jahrbuches deutlicher erkennen, dass man die zur Zeit betriebene Privatisierung von Stadtwerken, Schulen und anderen Einrichtungen der Daseinsvorsorge und auch der Deutschen Bahn nur verstehen kann, wenn man danach fragt, wer daran verdient,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon im vergangenen Jahr und dann w&ouml;rtlich am 8. Mai 2008 wiesen wir immer wieder daraufhin, dass man Privatisierungen &ouml;ffentlicher Einrichtungen und Unternehmen h&auml;ufig nur dann verstehen kann, wenn man fragt, wer die Profiteure sind. (Anlagen C). Das gilt f&uuml;r viele Privatisierungen in Kommunen und L&auml;ndern. Es war und ist besonders augenf&auml;llig und emp&ouml;rend bei<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3551\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[127,28,73],"tags":[268,596,315,622,1068],"class_list":["post-3551","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-privatisierung","category-verkehrspolitik","tag-deutsche-bahn","tag-mehdorn-hartmut","tag-merkel-angela","tag-morgan-stanley","tag-notheis-dirk"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3551","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3551"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28335,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3551\/revisions\/28335"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}