{"id":35526,"date":"2016-10-24T09:01:28","date_gmt":"2016-10-24T07:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35526"},"modified":"2022-11-16T10:08:40","modified_gmt":"2022-11-16T09:08:40","slug":"hitlers-erben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35526","title":{"rendered":"Hitlers Erben"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160405-gaby-weber.jpg\" alt=\"Gaby Weber\" title=\"Gaby Weber\"><\/div><p>Der Mythos besagt, dass wir unseren Wiederaufbau Ludwig Erhard verdanken, dem Wirtschaftsminister Adenauers und sp&auml;teren Bundeskanzler. Doch die Realit&auml;t ist eine andere. Danach verdanken wir unser Wirtschaftswunder einem ganz anderen Mann: dem Argentinier Jorge Antonio, rechte Hand des damaligen Pr&auml;sidenten Per&oacute;n und W&auml;scher &ldquo;unseres&rdquo; Nazigoldes. Unter Erhards Regie und mit ausdr&uuml;cklicher Erlaubnis der USA wuschen er und Daimler-Benz ab 1949 im gro&szlig;en Stil das Kapital, das die deutsche Industrie w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz versteckt hatte. Im Beipack wurden Nazis im Werk Mercedes-Benz Argentina untergebracht. Das Imperium Antonios war eine &ldquo;monstr&ouml;se Organisation&rdquo;, wie sp&auml;ter Richter urteilten. Geldw&auml;sche? Ach, iwo! &ldquo;Es war f&uuml;r die Deutschen ein Geschenk des Himmels&rdquo;, gab Antonio, zufrieden mit seinem Werk, zu Protokoll. Wie dieses System von W&auml;hrungsmanipulationen, Steuerhinterziehung, Korruption und schwarzen Kassen funktionierte, besprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit der Journalistin und Tr&auml;gerin des Alternativen Medienpreises <strong>Gaby Weber<\/strong>, die soeben einen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MibJl-moB1Q&amp;feature=youtu.be\">Film zum Thema<\/a> ver&ouml;ffentlicht hat.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8396\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-35526-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161024_Hitlers_Erben_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161024_Hitlers_Erben_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161024_Hitlers_Erben_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161024_Hitlers_Erben_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=35526-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161024_Hitlers_Erben_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"161024_Hitlers_Erben_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frau Weber, &bdquo;jedes Land hat seine Mythen&ldquo;? So zumindest beginnt Ihr aktueller Film&hellip;<\/strong><\/p><p>Ja, und er beginnt mit einem Trickfilm von 90 Sekunden zu eben diesen Mythen, die sich alle V&ouml;lker zimmern, und bei denen es sich um Annahmen handelt, die wenig oder gar nichts mit der Realit&auml;t zu tun haben. <\/p><p>Einer unserer Mythen ist unser Stolz auf &bdquo;unseren Wiederaufbau&ldquo;, auf die glorreichen <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article134536346\/Heerscharen-von-Truemmerfrauen-waren-ein-Mythos.html\">Tr&uuml;mmerfrauen<\/a> und das Wirtschaftswunder. Das hei&szlig;t, aus dem Nichts auferstandene Arbeit und Leistungsf&auml;higkeit und also den sp&auml;ten Beweis unserer v&ouml;lkischen &Uuml;berlegenheit. <\/p><p>Und alles, was in diesen Glauben nicht hineinpasst &ndash; Fakten zum Beispiel &ndash; nehmen wir gar nicht erst zur Kenntnis. <\/p><p><strong>Und solche Mythen m&ouml;gen Sie nicht, weil?<\/strong><\/p><p>Diese Mythen verschleiern die Realit&auml;t, und nur wer die Realit&auml;t zur Kenntnis nimmt, kann politisch agieren. Alles andere ist Selbstbetrug, der bequem ist, aber eben in einer Luftblase stattfindet. <\/p><p>Ich sage auch bewusst &bdquo;wir&ldquo;, weil auch die kritischen Geister in Deutschland von der Nazigeldw&auml;sche nach dem Zweiten Weltkrieg objektiv profitiert haben. W&auml;re etwa der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Morgenthau-Plan\">Morgenthau-Plan<\/a> in die Praxis umgesetzt worden, h&auml;tte auch meine Generation ein ganz anderes Standing gehabt.<\/p><p><strong>Also, das Vorhaben des US-Finanzministers Henry Morgenthau, Nachkriegsdeutschland in einen Agrarstaat umzuwandeln, um langfristig zu verhindern, dass Deutschland je wieder einen Angriffskrieg f&uuml;hren k&ouml;nne&hellip;<\/strong><\/p><p>Genau. Stattdessen wurde die Bundesrepublik, wie es der von mir interviewte Historiker Karl Heinz Roth ausdr&uuml;ckt, &bdquo;Juniorpartner der USA im Kalten Krieg&ldquo;. Und diesem Partner erlaubte man dann logischerweise auch Geldw&auml;sche, wo dies n&uuml;tzlich erschien.<\/p><p><strong>Was genau stimmt denn am Mythos, &bdquo;wir Deutschen&ldquo; h&auml;tten &bdquo;unser Wirtschaftswunder&ldquo; erarbeitet, nicht?<\/strong><\/p><p>An jedem Mythos ist ein K&ouml;rnchen Wahrheit und ein Haufen frei erfundener Fabeln. So auch hier. Denn nat&uuml;rlich wurde nach Gr&uuml;ndung der BRD Mehrwert durch Arbeit geschaffen. Doch woher kam das Kapital, woher kamen die Rohstoffe, woher die Auftr&auml;ge und vor allem, woher kamen die Kredite? <\/p><p>Das, was wir unter dem &bdquo;Marshallplan&ldquo; verstehen, war nicht ausschlaggebend f&uuml;r das sogenannte Wirtschaftswunder und betraf im &Uuml;brigen auch die anderen europ&auml;ischen L&auml;nder. Entscheidend war das Wieder-Fl&uuml;ssigmachen des in neutralen L&auml;ndern, vor allem der Schweiz, gebunkerten Kapitals. <\/p><p><strong>Wie funktionierte dieses &bdquo;Fl&uuml;ssigmachen&ldquo; genau?<\/strong><\/p><p>Die Details werden in dem Film erkl&auml;rt und, wie immer, mit zahlreichen Dokumenten belegt. Ich habe ja das Archiv der &bdquo;Untersuchungskommission Jorge Antonio&ldquo; gefunden, in einem Verlies einer privatisierten Bank. Das Imperium von Mercedes-Benz war beschlagnahmt worden, samt aller Unterlagen und der Buchf&uuml;hrung &uuml;ber schwarze Kassen, doppelte Buchf&uuml;hrung und die W&auml;hrungsmanipulationen. <\/p><p>Die Beschlagnahmung geschah ab 1955, als der argentinische Pr&auml;sident von den Milit&auml;rs aus dem Amt geputscht worden war, und sie stand in den Zeitungen. Es war eine Riesen-Geschichte. Doch die USA haben dieses gigantische Geldunternehmen, das das Recht der Siegerm&auml;chte massiv verletzte, niemals &ouml;ffentlich angeklagt. <\/p><p>Im viel gefeierten Eizenstat-Bericht, also dem Bericht des fr&uuml;heren US-Unterstaatssekret&auml;rs Stuart Eizenstat &uuml;ber Nazigeldw&auml;sche, geht es einerseits um die bekannte Rolle der schweizer Banken, die Eizenstat ja dann auch zu einer Entsch&auml;digungszahlung zwingen konnte, und andererseits um kleine olle Kamellen, kein Wort von der riesigen argentinischen Geldw&auml;sche-Industrie. <\/p><p>Dabei habe ich in US-Archiven zahlreiches Material der OSS und der Army &uuml;ber deren Bef&uuml;rchtungen gefunden, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine Situation wiederholen k&ouml;nnte, die es nach dem Ersten Weltkrieg bereits gegeben hatte: n&auml;mlich eine Allianz zwischen rechtsradikalen politischen Verb&auml;nden und der deutschen Gro&szlig;industrie. <\/p><p>Daher unterschied der Geheimdienst OSS zwischen dem &bdquo;normalen&ldquo; Wunsch der Industrie, ihre &bdquo;Reserven&ldquo; wieder fl&uuml;ssig zu machen, und dem Raubgold des Nazis-Staates. Eine v&ouml;llig abwegige Unterscheidung, denn die Industrie war w&auml;hrend des Nationalsozialismus eng verwoben mit dem Nazi-Regime und hat daher riesige Profite einfahren k&ouml;nnen, &uuml;ber die Besch&auml;ftigung von Zwangsarbeitern, die Einverleibung von Betrieben und Rohstoffen in den besetzten L&auml;ndern und die Aufr&uuml;stung der Wehrmacht. Einen Unterschied zwischen diesen und jenen Interessen oder diesem oder jenem Geld gab es da nicht.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/MibJl-moB1Q?rel=0&amp;showinfo=0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center;\"><strong>Gaby Weber: &bdquo;Ein Geschenk des Himmels: Wie Daimler-Benz Nazigeld waschen durfte&ldquo;<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Was war der Ursprung des Geldes, das da wieder &bdquo;fl&uuml;ssig&ldquo; gemacht werden sollte? Und von welchen Summen reden wir hier genau?<\/strong><\/p><p>Es gibt mehrere Sch&auml;tzungen, und es ist &auml;u&szlig;erst schwierig, diese mit heutigen Zahlen zu vergleichen. Jorge Antonio sprach selbst von 100 Millionen Dollar der damaligen Kaufkraft. Aber Fakt ist, dass er &uuml;ber ein wahres Imperium verf&uuml;gte. <\/p><p>Also, wenn man das vergleichen will, dann entspr&auml;che das einem Machtzentrum von Deutscher Bank, Daimler, VW und BMW zusammen. Sein Imperium entstand innerhalb k&uuml;rzester Zeit aus dem Nichts, und er und Daimler konnten keine einzige Bank&uuml;berweisung vorlegen, die diese Kapitalstr&ouml;me nach Argentinien erkl&auml;rt. <\/p><p>Am Ende besa&szlig;en Antonio und Daimler Dutzende Aktiengesellschaften, die im Bergbau, im Agrobusiness, in der Waffenindustrie und nat&uuml;rlich in der KFZ-Branche eine f&uuml;hrende Rolle in Lateinamerika einnahmen. <\/p><p>Sie erbauten eine riesige Industrie in deutschem Besitz und unter deutscher Kontrolle. Und sie brachten f&uuml;hrende Nazis in wichtigen Positionen im Ausland unter und betrieben durch all dieses Tun eine massive Reinw&auml;sche von Opfer- und Raubgold, dank derer sich die deutsche Industrie wieder zu erholen und sogar zu wachsen begann. <\/p><p><strong>Was ist der Unterschied zwischen &bdquo;Opfergold&ldquo; und &bdquo;Raubgold&ldquo;? Und sprechen wir ausschlie&szlig;lich von diesen Kategorien von Geld?<\/strong><\/p><p>Man muss das unterscheiden, allerdings geht es mir in dem Film vor allem um das Raubgold sowie um die Profite, die die Industrie mit Hilfe des NS-Staates einfahren konnte, etwa durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Das Opfergold, also die Einnahmen der SS und aus der Judenverm&ouml;gensabgabe, flossen in die Staatskasse und finanzierten den Krieg. M&ouml;glicherweise haben da einzelne Nazis etwas abgezwackt, aber das sind f&uuml;r meine Fragestellung zu vernachl&auml;ssigende Gr&ouml;&szlig;en.<\/p><p>Raubgold hingegen meint die Beute, die die Wehrmacht sich einverleibte, als sie die Zentralbanken der besetzten L&auml;nder ausr&auml;umte und diese L&auml;nder zu &bdquo;Zwangskrediten&ldquo; zwang &ndash; so etwa Griechenland. Opfergold und Raubgold stehen im Verh&auml;ltnis Eins zu Zehn. <\/p><p><strong>Und die Nutznie&szlig;er hiervon waren welche Kreise genau?<\/strong><\/p><p>Es war die gesamte Industrie, nicht nur Daimler. Daimler war insofern in Argentinien federf&uuml;hrend, weil die anderen Firmen wie Siemens, Krupp und Hochtief schon vor dem Krieg in Argentinien Direktinvestitionen besa&szlig;en, die 1945 dann als &bdquo;Feindeigentum&ldquo; beschlagnahmt wurden. Es musste also ein &bdquo;unbelastetes&ldquo; Unternehmen her, und das kam aus Untert&uuml;rkheim.<\/p><p><strong>In den Papieren, die Sie im Film pr&auml;sentieren, ist auch von &bdquo;neuer deutscher St&auml;rke&ldquo; die Rede, die man anstrebte. Und von der Unterst&uuml;tzung einer &bdquo;Nazi-Partei, die in den Untergrund ging&ldquo;. Von einem &bdquo;Nach-Niederlage-Plan&ldquo; der deutschen Faschisten. Harter Tobak. Gibt es Belege hierf&uuml;r?<\/strong><\/p><p>Das sind Dokumente aus dem US-Bundesarchiv. Im &Uuml;brigen hat mir auch Daimler Zugang zu seinem Archiv gew&auml;hrt, ich habe also die Unterlagen aus verschiedenen L&auml;ndern zusammengetragen, aber entscheidend waren die beschlagnahmten und von mir wieder aufgesp&uuml;rten Dokumente der &bdquo;Untersuchungskommission Jorge Antonio&ldquo;. Dort lagen die Beweise und Zeugenaussagen.<\/p><p>Und, ja: Die deutschen Faschisten hatten einen sehr dezidierten &bdquo;Nach-Niederlage-Plan&ldquo;, wie sie mithilfe der deutschen Industrie wieder zu Macht und Einfluss gelangen wollten.<\/p><p><strong>Welche Rolle hatte Ludwig Erhard bei alldem inne?<\/strong><\/p><p>Erhard war &ndash; entgegen dem Mythos &ndash; schon w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges ein wichtiger Vertreter der nationalsozialistischen Expansionspolitik. Er war von Anfang an bei der Nazigeldw&auml;sche dabei und reiste auch nach Argentinien. <\/p><p>Jorge Antonio hat mir im Interview klar gesagt, dass er, bevor er das gro&szlig;e Geldw&auml;scheunternehmen anging, auf Nummer Sicher gehen wollte, und zusammen mit Erhard und dem Daimler-Chef Haspel beim US-Hochkommissar McCloy gewesen war, der dann sagte: Machen Sie mal, Sie haben meinen Segen! <\/p><p>Also, wenn sich die US-Beh&ouml;rden heute so darstellen, dass sie immer nach Nazigold gesucht haben, dann ist das blanker Unsinn. Das fand alles unter ihren Augen statt, und als das Imperium 1955 beschlagnahmt wurde und sich in Luft aufzul&ouml;sen drohte, da waren es wieder die USA, die Daimlers Investitionen in Argentinien retteten. Kein Wort davon haben sie jemals &ouml;ffentlich gemacht.<\/p><p><strong>Und wieso haben die USA sich so verhalten? Ich meine: Die Siegerm&auml;chte hatten doch hohe Reparationsanspr&uuml;che nach dem Krieg?<\/strong><\/p><p>Das ging dann alles im Kalten Krieg unter, der ja sp&auml;testens 1947 begonnen hatte. Und Reparationen sind ja bis heute nicht gezahlt. Was die Entsch&auml;digungen angeht, empfehle ich sehr das in B&auml;lde <a href=\"http:\/\/metropol-verlag.de\/vorschau\/\">erscheinende<\/a> Buch &bdquo;Schuld und Schulden: Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa&ldquo; von Karl Heinz Roth, der das genau aufdr&ouml;selt. <\/p><p>Roth sch&auml;tzt, dass die Deutschen, also &bdquo;wir Deutschen&ldquo;, nach 1945 an Entsch&auml;digungen &ndash; also Renten etc. &ndash; &uuml;ber 300 Milliarden Euro an die <em>T&auml;ter<\/em> der NS-Verbrechen gezahlt haben und an ihre <em>Opfer<\/em> zwischen 50 und 60 Milliarden.<\/p><p>Und auch von den geringen Entsch&auml;digungszahlungen wie etwa jenen aus dem sogenannten Wiedergutmachungsabkommen sind die H&auml;lfte der Gelder vertragswidrig im Kalten Krieg verwendet worden, n&auml;mlich zum Freikauf von Juden aus der Sowjetunion. Daran hatte die CIA gro&szlig;es Interesse. <\/p><p><strong>Mittels des Kontrollratsgesetzes Nummer 5 vom 30. Oktober 1945 wurde aber doch die Beschlagnahmung alles deutschen Geldes verf&uuml;gt.<\/strong><\/p><p>Aber eben in der Bundesrepublik nicht durchgesetzt. Die Westalliierten hatten zwar im Rahmen ihrer &bdquo;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Operation_Safehaven_(1944%E2%80%9348)\">Operation Safehaven<\/a>&ldquo; die Konten der deutschen Firmen in der Schweiz aufgesp&uuml;rt &ndash; ich habe diese Listen &ndash;, aber die Operation schlief von selbst ein, weil man die Deutschen wieder als Juniorpartner brauchte und ein Juniorpartner nat&uuml;rlich Geld haben muss. <\/p><p>Und wenn das schmutziges Geld ist, ist das in dieser Logik auch egal. Ich sagte das Antonio, dass das schmutziges Geld war. Er antwortete sehr knapp, dass ihm das egal war, er wollte eine Lastwagenfabrik und hat sie bekommen. <\/p><p><strong>Warum ist all das bis heute nicht oder nur in Ans&auml;tzen bekannt?<\/strong><\/p><p>Weil wir alle so gerne an diese Mythen glauben: die Deutschen als die flei&szlig;igen Wiederaufbauer, die Amis als Anti-Faschisten aus tiefstem Herzen, die Israelis als die Nazi-Sucher und die Argentinier mit ihren als &bdquo;Experten&ldquo; eingewanderten Nazis, die ihnen vor allem beim Aufbau ihrer nationalen Industrie geholfen haben. <\/p><p>Alles sehr h&uuml;bsch, aber eben falsch. Journalisten k&ouml;nnten hier die Fakten auf den Tisch legen, aber die Suche nach Dokumenten ist m&uuml;hsam und ist von den Redaktionen oft gar nicht gew&uuml;nscht. Wir wollen doch die &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/wir-sind-die-guten\/\">Guten<\/a>&ldquo; sein und die Schreiber wollen das auch.<\/p><p><strong>Der Hitlerfaschismus ist in Deutschland also &hellip; nach wie vor alles andere als aufgearbeitet?<\/strong><\/p><p>Eigentlich sind diese zw&ouml;lf Jahre extrem intensiv aufgearbeitet. Es gibt kaum einen Zeitraum, &uuml;ber den so viel geschrieben wurde. Auch die Filmindustrie war ja immer eine dankbare Abnehmerin. <\/p><p>Aber es fehlt eine kritische Betrachtung und das Erschlie&szlig;en neuer Archive, zum Beispiel von Archiven der Industrie, auch die von US-Unternehmen wie der US-Erd&ouml;lindustrie. Mich hat Daimler einen Teil davon einsehen lassen, aber ich bezweifle, dass es eine komplette Einsicht war.<\/p><p><strong>Welche Konsequenzen haben Ihre Recherchen nun?<\/strong><\/p><p>Juristisch gar keine. Roth und der langj&auml;hrige Daimler-Betriebsrat Tom Adler meinen aber, dass &ndash; nachdem uns die Welt nach den Naziverbrechen nochmal eine zweite Chance gegeben hat &ndash; wir auch den anderen eine zweite Chance geben sollten, Griechenland zum Beispiel, und dass hier noch Zahlungen ausstehen. <\/p><p>Das letzte Wort in dem Film hat aber ein argentinischer Betriebsrat von Mercedes-Benz, der darauf hinweist, dass Argentinien und die L&auml;nder der s&uuml;dlichen Halbkugel diese zweite Chance, die Deutschland erhielt, <em>nicht<\/em> bekommen: Das Problem mit der Auslandsschuld ist nicht gel&ouml;st und wird sich in naher Zukunft noch versch&auml;rfen. Die internationalen Organisationen haben es immer noch nicht geschafft, ein Abkommen zu schaffen, wie ein Land aus einem Staatsbankrott herauskommt. Klar, die internationale Finanzwelt will das verhindern, denn diese Verhinderung verspricht ihr satte Profite &ndash; die mit Hunger bezahlt werden.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Gaby Weber<\/strong>, 1954 in Stuttgart geboren, Magister und Promotion an der FU Berlin, ist seit 1978 hauptberufliche Journalistin, arbeitete zuerst f&uuml;r den stern und ab 1981 f&uuml;r die ARD. Seit 1985 ist sie freiberuflich als S&uuml;damerika-Korrespondentin t&auml;tig. Ihre Homepage ist <a href=\"http:\/\/www.gabyweber.com\">gabyweber.com<\/a>.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/5e7b2dcea65a4e6ea7d8b26d70dbf67a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160405-gaby-weber.jpg\" alt=\"Gaby Weber\" title=\"Gaby Weber\"\/><\/div>\n<p>Der Mythos besagt, dass wir unseren Wiederaufbau Ludwig Erhard verdanken, dem Wirtschaftsminister Adenauers und sp&auml;teren Bundeskanzler. Doch die Realit&auml;t ist eine andere. Danach verdanken wir unser Wirtschaftswunder einem ganz anderen Mann: dem Argentinier Jorge Antonio, rechte Hand des damaligen Pr&auml;sidenten Per&oacute;n und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35526\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,134,209,20],"tags":[965,1502,646,1978,1268,416,1366,1977,1626,1979],"class_list":["post-35526","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-finanzen-und-waehrung","category-interviews","category-landerberichte","tag-argentinien","tag-daimlermercedes","tag-erhard-ludwig","tag-geldwaesche","tag-kalter-krieg","tag-nationalsozialismus","tag-reparationen","tag-transatlantische-partnerschaft","tag-weber-gaby","tag-wirtschaftswunder"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35526","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35526"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35526\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90438,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35526\/revisions\/90438"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35526"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35526"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35526"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}