{"id":35614,"date":"2016-10-31T09:09:27","date_gmt":"2016-10-31T08:09:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35614"},"modified":"2019-07-09T11:46:48","modified_gmt":"2019-07-09T09:46:48","slug":"wie-der-jemen-dank-westlicher-unterstuetzung-weiterhin-in-schutt-und-asche-gelegt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35614","title":{"rendered":"Wie der Jemen dank westlicher Unterst\u00fctzung weiterhin in Schutt und Asche gelegt wird"},"content":{"rendered":"<p>Seit &uuml;ber zwanzig Monaten findet ein Angriffskrieg auf dem Jemen statt. Unter einer von Saudi-Arabien gef&uuml;hrten Allianz wird das &auml;rmste arabische Land tagt&auml;glich bombardiert. Westliche Waffenlieferungen und ausl&auml;ndische S&ouml;ldner tragen ihren entsprechenden Beitrag dazu bei, dass unschuldige Menschen get&ouml;tet oder zur Flucht gezwungen werden. Doch in der westlichen Debatte spielt all dies keine Rolle. Kein Wunder, denn ein Diskurs findet praktisch gar nicht statt. Von <strong>Emran Feroz<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nAnfang Oktober traf ein weiterer Luftangriff der von Saudi-Arabien gef&uuml;hrten Kriegskoalition ein Geb&auml;ude in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Es war nicht irgendein Geb&auml;ude, sondern eine Beerdigungshalle. Ein Ort, an dem sich Menschen zum Trauern versammelten &ndash; und nicht damit rechneten, selbst get&ouml;tet zu werden. Doch genau dies geschah an jenem Tag. Laut eines Sprechers des jemenitischen Gesundheitsministeriums fanden mindestens 104 Menschen den Tod, w&auml;hrend &uuml;ber 550 weitere teils schwer verletzt wurden. Anderen Berichten zufolge betr&auml;gt die Anzahl der Todesopfer mittlerweile mindestens 155. Augenzeugen zufolge trafen drei Luftangriffe das Geb&auml;ude.<\/p><p>Kurz darauf leugneten saudische Milit&auml;rs, f&uuml;r den Angriff in irgendeiner Art und Weise verantwortlich gewesen zu sein. Derartige Bekundungen sind nichts Neues. Es gab sie immer wieder, etwa nachdem die Allianz, unter anderem bestehend aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Kuwait, Jordanien und Katar, Schulen, Krankenh&auml;user und Markpl&auml;tze bombardiert hatte. Auch ein am Sonntag ausgerufener, dreit&auml;giger Waffenstillstand wurde seitens der Saudis und ihrer Verb&uuml;ndeten <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/middle_east\/airstrike-killed-more-than-80-injured-hundreds-at-yemen-funeral\/2016\/10\/08\/64a31eae-8d74-11e6-8cdc-4fbb1973b506_story.html\">bereits gebrochen<\/a>.<\/p><p>Der Krieg im Jemen ist eine humanit&auml;re Katastrophe, deren Realit&auml;t von der internationalen Staatengemeinschaft nahezu vollst&auml;ndig ignoriert wird. Mittlerweile hat der Konflikt mindestens 10.000 Menschen, haupts&auml;chlich Zivilisten, das Leben gekostet. Millionen von Jemeniten befinden sich auf der Flucht und leiden unter Hunger, Armut und Kriegstraumata. Laut der UN sind Saudi-Arabien und seine Verb&uuml;ndeten f&uuml;r die Mehrzahl der Opfer verantwortlich. Zu diesen Verb&uuml;ndeten z&auml;hlen nicht nur die genannten arabischen Staaten, sondern auch die Vereinigten Staaten, Gro&szlig;britannien, Frankreich und Kanada.<\/p><p>W&auml;hrend <a href=\"http:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-security-cluster-bombs-idUSKBN0NO09J20150503\">Frankreich<\/a> seinen Verb&uuml;ndeten etwa vor allem logistisch zur Seite steht, stechen <a href=\"http:\/\/www.cbc.ca\/news\/canada\/manitoba\/canadian-rifles-may-have-fallen-into-yemen-rebel-hands-likely-via-saudi-arabia-1.3455889\">Kanada<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/middleeast\/yemen\/11859822\/Britain-fuelling-war-in-Yemen-through-arms-sales-says-charity.html\">Gro&szlig;britannien<\/a> mit Waffenlieferungen hervor. Des Weiteren arbeitet der britische Geheimdienst eng mit dem saudischen zusammen.<\/p><p>An der Spitze der Komplizenschaft stehen jedoch ein weiteres Mal die Vereinigten Staaten. Diese beteiligten sich n&auml;mlich nicht nur an all den genannten Verbrechen der genannten Staaten, sondern wirken mittlerweile aktiv im Krieg im Jemen mit. Am 12. Oktober haben amerikanische Raketen zum ersten Mal Stellungen der jemenitischen Houthi-Rebellen bombardiert. Richtig gelesen: <strong>Das Wei&szlig;e Haus befindet sich seit einigen Tagen offiziell in einem weiteren Krieg.<\/strong> Nur interessiert dies scheinbar kaum jemanden. W&auml;re dem nicht so, w&auml;re die Berichterstattung wohl kaum derartig <a href=\"http:\/\/www.vox.com\/world\/2016\/10\/14\/13269580\/us-bombing-yemen-houthis\">m&auml;&szlig;ig ausgefallen<\/a>.<\/p><p><em>Anmerkung: Mittels ihrer Drohnen f&uuml;hren die USA schon seit Jahren einen Schattenkrieg im Jemen. Dieser wurde allerdings erst recht ignoriert und wird in diesen Tagen parallel zu den anderen Kriegshandlungen weitergef&uuml;hrt. Im Jahr 2014 t&ouml;teten US-Drohnen im Jemen mehr Zivilisten als die Bomben von Al-Qaida im Land.<\/em><\/p><p>Zu &uuml;berrascht sollte man allerdings auch nicht sein. Die indirekte Kriegsbeteiligung der USA am Krieg im Jemen findet n&auml;mlich seit Beginn des Konflikts im Schatten der Welt&ouml;ffentlichkeit statt. Beobachter hoben in diesem Kontext immer wieder hervor, dass das Wei&szlig;e Haus dem Grauen im Jemen ein Ende setzen k&ouml;nnte &ndash; und zwar nur, indem es seine Waffenverk&auml;ufe an die absolutistische Monarchie stoppt. Bereits im August best&auml;tigte die US-Regierung, dass weitere Waffen im Wert von 1,15 Milliarden Dollar an Saudi-Arabien verkauft werden sollen. Seit Beginn des Konflikts im Jemen hat Riad US-amerikanische Waffen im Wert von 20 Milliarden Dollar <a href=\"http:\/\/www.dsca.mil\/major-arms-sales\/kingdom-saudi-arabia-m1a2s-saudi-abrams-main-battle-tanks-and-m88ala2-heavy\">eingekauft<\/a>.<\/p><p>W&auml;hrend f&uuml;hrende westliche Analysten den Krieg im Jemen weiterhin als konfessionellen Konflikt zwischen schiitischen und sunnitischen Muslimen herunterbrechen wollen, werden weiterhin zahlreiche Fakten und Realit&auml;ten &uuml;bersehen. Abgesehen davon, dass Sunniten und Schiiten im Land sehr eng miteinander verwurzelt sind und stets harmonisch zusammen lebten, muss beachtet werden, dass hier vor allem ein Krieg der Ungleichheit stattfindet. <strong>Der Jemen ist das &auml;rmste Land des Nahen Ostens und wird von den Reichsten der Region lediglich aus machtpolitischen Interessen in Schutt und Asche gebombt.<\/strong><\/p><p>Es sind Perversit&auml;ten, &uuml;ber die nur wenig berichtet wird und das kapitalistische Kriegsmodell unserer Zeit sehr stark deutlich machen. Da gibt es etwa saudische Piloten, die f&uuml;r jeden &bdquo;Treffer&ldquo; mit Luxusw&auml;gen <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/middleeast\/saudiarabia\/11558419\/Saudi-prince-criticised-for-offering-Bentleys-to-pilots-bombing-Yemen.html\">belohnt werden<\/a> oder kolumbianische S&ouml;ldner, die <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2015\/11\/26\/world\/middleeast\/emirates-secretly-sends-colombian-mercenaries-to-fight-in-yemen.html\">im Auftrag der reichen Golfaraber morden<\/a>.<\/p><p>Die Folgen dieser Katastrophe werden sehr bald auch f&uuml;r den Westen sichtbar sein. Zehntausende von Jemeniten befinden sich mittlerweile auf der Flucht. 51.000 von ihnen haben Zuflucht im Oman gefunden, rund weitere 39.000 in Saudi-Arabien. Hinzu kommen weitere 88.000 Jemeniten, die in Dschibuti, Somalia, Sudan und &Auml;thiopien leben. Dass eine derartig gro&szlig;e Anzahl von jemenitischen Gefl&uuml;chteten in den &auml;rmsten und konfliktreichsten Staaten Afrikas lebt, scheint an Europa vorbeigegangen zu sein. Doch eines sollte klar sein: Sollten die vom Krieg gepeinigten Jemeniten auch nur irgendeine Route nach Europa finden, darf man sich in Br&uuml;ssel und auch in Berlin &ndash; immerhin beliefert auch die Bundesregierung Saudi-Arabien seit Jahren mit Waffen &ndash; nicht wundern. Denn es gilt immer noch: Wer Waffen s&auml;t, <a href=\"http:\/\/data.unhcr.org\/yemen\/regional.php\">erntet Fl&uuml;chtlinge<\/a>.<\/p><p><em>Anmerkung Jens Berger: Wer sich f&uuml;r die Hintergr&uuml;nde und aktuellen Entwicklungen im Jemen interessiert, dem sei an dieser Stelle die &bdquo;Presseschau&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/dklose\">Yemen War Mosaic<\/a> empfohlen, die Dietrich Klose auf Freitag.de betreibt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit &uuml;ber zwanzig Monaten findet ein Angriffskrieg auf dem Jemen statt. Unter einer von Saudi-Arabien gef&uuml;hrten Allianz wird das &auml;rmste arabische Land tagt&auml;glich bombardiert. Westliche Waffenlieferungen und ausl&auml;ndische S&ouml;ldner tragen ihren entsprechenden Beitrag dazu bei, dass unschuldige Menschen get&ouml;tet oder zur Flucht gezwungen werden. Doch in der westlichen Debatte spielt all dies keine Rolle. 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