{"id":35640,"date":"2016-11-02T09:14:18","date_gmt":"2016-11-02T08:14:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35640"},"modified":"2024-09-27T04:16:29","modified_gmt":"2024-09-27T02:16:29","slug":"die-akte-jebsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35640","title":{"rendered":"Die Akte Jebsen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161102_jebsen.jpg\" alt=\"Ken Jebsen\" title=\"Ken Jebsen\"><\/div><p>Er sagt, was er denkt. Redet Tacheles und ist oft sogar w&uuml;tend dabei. Interviewt Christdemokraten ebenso wie Linksradikale und gelegentlich sogar Spinner. Er kritisiert bedingungslos jede Kriegstreiberei, agitiert gegen Sozialabbau und die AfD &ndash; und wird dennoch von einigen als &bdquo;Rechter&ldquo;, &bdquo;Neurechter&ldquo; oder &bdquo;rechtsoffen&ldquo; diskreditiert. Er polarisiert. Doch wer ist dieser <strong>Ken Jebsen<\/strong> eigentlich? Was treibt ihn an? Welchem Weltbild entspringt sein Engagement? Und worum geht es im soeben erschienenen Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/der-fall-ken-jebsen-oder-wie-journalismus-im-netz-seine-unabhaengigkeit-zurueckgewinnen-kann\/\">Der Fall Ken Jebsen<\/a>&ldquo;? <strong>Jens Wernicke<\/strong> hat nachgefragt. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_375\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-35640-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161102_Ken_Jebsen_Interview_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161102_Ken_Jebsen_Interview_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161102_Ken_Jebsen_Interview_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161102_Ken_Jebsen_Interview_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=35640-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161102_Ken_Jebsen_Interview_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"161102_Ken_Jebsen_Interview_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Jebsen, warum eigentlich KenFM? Braucht die Welt das?<\/strong><\/p><p>Die Welt als solche vielleicht nicht, aber unsere Zuschauer und Leser offenbar schon. Der Unterschied zwischen uns und anderen besteht vor allem darin, dass wir in unserer Community keine Kunden sehen, sondern Menschen, die auf der Suche nach Antworten sind, die ihnen helfen, die Ohnmacht, die sie gegen&uuml;ber dem System erkennen, zu &uuml;berwinden.<\/p><p>Das geht nur durch Bildung. Wer KenFM ansurft, will Wissen. Er will Zeit investieren, um sich schlau zu machen. Er will die andere Seite der Medaille sehen und hat l&auml;ngst begriffen, dass die Wahrheit komplex ist.<\/p><p>Die Art, wie wir Inhalte pr&auml;sentieren, ist deutlich frischer als bei ARD und ZDF oder FAZ und SPIEGEL. KenFM hat keine Kunden. Wir haben Fans, Menschen, die hinter uns stehen, wie man das von Bayern-M&uuml;nchen-Freunden kennt. Diese Haltung kommt nicht von ungef&auml;hr, sondern hat mit Fair-Play zu tun. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27860\">Propaganda<\/a>, wie sie andere betreiben, ist <em>nicht<\/em> Fair-Play, sondern ein klares journalistisches Foul.<\/p><p><strong>Die anderen machen Propaganda, meinen Sie?<\/strong><\/p><p>Oftmals, ja. Das Dilemma der Mainstreammedien besteht schlicht darin, dass sie noch immer nicht realisiert haben, dass mit dem Internet L&uuml;gen und das Weglassen von wesentlichen Informationen unmittelbar auffliegen. Wir haben es weniger mit L&uuml;genpresse, denn mit <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34875\">L&uuml;ckenpresse<\/a> zu tun. Und diese L&uuml;cken schlie&szlig;t das Netz.<\/p><p>Wenn der Nutzer sich dann als <a href=\"https:\/\/jensewernicke.wordpress.com\/2016\/01\/09\/vorsicht-verschwoerungstheorie\/\">Verschw&ouml;rungstheoretiker<\/a> beschimpfen lassen muss, wenn die gro&szlig;en Presse-Konzerne dann ihre Foren schlie&szlig;en, weil ihnen die Meinung der Nutzer nicht passt, hat auch der Letzte erkannt, dass diese Presse nie daran interessiert war, neutral zu informieren. Es ging ihr eher um das Verbreiten einer Meinung, die dem Establishment dient.<\/p><p>Presse hat Besitzer und vertritt private Interessen. Kein Intendant kommt auf den Chefsessel, wenn er politisch nicht embedded ist. Die Nutzer befinden sich hier allesamt in einem Lernprozess. Sie suchen sich zu Thema X die Informationen querbeet zusammen und erwarten dann von Profis eine Interpretation, die nicht plump ist und den Intellekt beleidigt. Wir bekommen daher einen extrem starken Kunden und haben es mit einem Aufschaukelungsprozess zu tun, der nicht berechenbar ist. Warum nicht? Weil wir nicht mit einer linearen Entwicklung zu tun haben, sondern die exponentielle Kurve die Entwicklung eher beschreibt. Dieser Prozess ist unumkehrbar. KenFM ist Teil und Ausdruck eines digitalen Aufwachzimmers in einer global vernetzten Welt.<\/p><p><strong>Aber machen Sie nicht selbst auch Propaganda &ndash; etwa gegen NATO und Krieg?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde das nicht Propaganda nennen. Ich stelle der NATO-Propaganda nur Fakten entgegen und die sprechen f&uuml;r sich. Wer hat sich denn <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23352\">ausgedehnt<\/a>? Russland nach Westen oder die NATO nach Osten?<br>\nIch komme gerade aus Moskau, wo ich mich mit Valentin Falin unterhalten habe. Er sch&uuml;ttelte speziell &uuml;ber Deutschland nach der Wiedervereinigung nur den Kopf. Hatte man sich nicht darauf verst&auml;ndigt, dass deutsche Soldaten nie wieder vor den Grenzen Russlands Stellung beziehen w&uuml;rden? Was machen sie dann aktuell im Baltikum? <\/p><p>Deutschlands Verhalten gegen&uuml;ber Russland ist sch&auml;big und nur als Kotau vor den USA zu verstehen. Wir verspielen alles, was Willy Brandt m&uuml;hsam aufgebaut hat. Es ist unfassbar&hellip;<\/p><p><strong>Weil Sie die L&uuml;ckenpresse betonen: Die Medien l&uuml;gen also <em>nicht<\/em>? Ich sage nur: &bdquo;Krieg ist Frieden!&ldquo; und &bdquo;Jeder ist an seiner Armut selbst schuld!&ldquo;&hellip;<\/strong><\/p><p>Die Medien l&uuml;gen, indem sie bewusst L&uuml;cken verheimlichen oder so tun, als g&auml;be es sie gar nicht. Stattdessen verkaufen sie in einer immer komplexer werdenden Welt die alten Schwarz-Wei&szlig;-Narrative. <\/p><p>Nur gibt es eben das Netz und niemand muss sich diese einseitige Information mehr antun. Es gibt XXL-Quellen und Sichtweisen. Das ist eine wunderbare Entwicklung f&uuml;r die Massen, aber sie bereitet den Eliten enorme Schwierigkeiten. <\/p><p>Martin Luther hatte dasselbe Problem mit der Katholischen Kirche, als die seinerzeit die Meinung dominierte. Revolutionen sind nichts anderes als schwindende Weltanschauungen. Wir erleben das aktuell mit digitaler Wucht. KenFM ist nur ein Teil davon. Nicht mehr. Nicht weniger&hellip;<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie sagen, was KenFM f&uuml;r die Zuschauer offenbar so attraktiv macht?<\/strong><\/p><p>Der Erfolg von KenFM hat mit harter Arbeit zu tun. Wir, die KenFM-Crew, sind vor allem ein Team. Das, was wir nach au&szlig;en publizieren, ist eine Teamleistung. Pfusch kommt bei uns weder inhaltlich, noch technisch in die T&uuml;te. Jeder im Team hat ein absolutes Faible f&uuml;r Perfektion. Es geht schlicht darum, alles aus seinem Leben herauszuholen, indem man auch alles gibt.<\/p><p>Der Beruf des Reporters oder des Dienstleisters und das, was man Presse nennt, ist im Grunde sehr einfach. Zuh&ouml;ren und einen Effekt nur dann zuzulassen, wenn er den Inhalt unterst&uuml;tzt. Keine Effekthascherei. Ich bereite mich auf jedes Interview wie ein Herz-Chirurg vor, und die Produktion ist dann Teil der OP. Das alles ist im Kern nicht neu, sondern wurde so auch bereits in der Vergangenheit von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%BCnter_Gaus\">G&uuml;nter Gaus<\/a> geleistet.<\/p><p>Man muss hier das Rad also nicht neu erfinden. Da drau&szlig;en laufen ziemlich interessante Leute herum, die zum Beispiel B&uuml;cher schreiben. Ich lese diese B&uuml;cher und lade die Autoren dann im Anschluss zum Interview. Die Technik sorgt f&uuml;r den entsprechenden Film-Look und k&uuml;mmert sich um den Ton. Final scheiden wir nur zwischen den Kameras um, aber nie inhaltlich. Wir fotografieren unsere G&auml;ste solide ab und verzichten auf Kamerafahrten. <\/p><p>Dass der Markt KenFM so annimmt, hat sicher auch damit zu tun, dass die Menschen sp&uuml;ren, dass wir uns f&uuml;r unsere G&auml;ste wirklich interessieren und ihnen den Raum geben, den sie ben&ouml;tigen, um ihre Botschaft mitteilen zu k&ouml;nnen. Wir haben keine festen Sendezeiten oder L&auml;ngen. Viel von unserer Arbeit geschieht aus dem Bauch. In einer Zeit, in der der Journalismus in der BRD extrem verkopft und mit Leitplanken versehen ist, sticht KenFM auch deshalb aus der Masse der Formate hervor, weil wir niemanden kopieren. Wir tun, was n&ouml;tig ist.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/jpfA-d_YeGc\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center\"><strong>G&uuml;nter Gaus im Gespr&auml;ch mit Franz Josef Strau&szlig; (1964)<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Aber wenn KenFM so erfolgreich ist und die Menschen das auch sp&uuml;ren: Warum ver&auml;ndert sich dann nichts in dieser Gesellschaft trotz all der Aufkl&auml;rung auch und gerade durch KenFM? Ich meine: Wo ist er denn, der &bdquo;gro&szlig;e Erfolg&ldquo; der alternativen Formate? Ich sehe ihn bisher nicht.<\/strong><\/p><p>Ich kann da immer nur an Dutschke erinnern. Es n&uuml;tzt nichts, wenn der Einzelne Antworten gibt, solange die gesellschaftliche Bewusstlosigkeit nicht &uuml;berwunden ist. Das ist ein Prozess, der erst durch die Digitalisierung richtig Druck bekommen hat. <\/p><p>Dennoch w&auml;re es absurd zu glauben, dass wir &uuml;bermorgen eine vollkommen faire Welt h&auml;tten. Die gro&szlig;en Besitzer der Welt, die Chefs in den Multikonzernen und Eigner hinter diesen, werden alles tun, um ihre Macht zu verteidigen. Sie werden alle Register ziehen, wie sie das &uuml;ber Jahrzehnte zum Beispiel in Mittelamerika gemacht haben. Und auch die CIA ist nicht weniger m&auml;chtig als in den 60iger Jahren. Im Gegenteil. Die Massen m&uuml;ssen sich global vernetzen, global solidarisch zeigen, wenn es hart auf hart kommt. Und das wird es.<\/p><p><strong>Was ist Ihrer Einsch&auml;tzung nach das Hauptproblem des &bdquo;normalen Journalismus&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Das Hauptproblem war immer, unbequeme Wahrheiten &uuml;berhaupt publiziert zu bekommen. Orwell hatte recht, Journalismus ist, etwas zu ver&ouml;ffentlichen, von dem jemand anderes nicht m&ouml;chte, dass es ver&ouml;ffentlich wird. Alles andere ist PR.<\/p><p>Allein die CIA besch&auml;ftigt <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/amerika\/27000-PRBerater-polieren-Image-der-USA\/story\/20404513\">27.000 PR-Berater<\/a>. Was machen diese Leute? Sie manipulieren zum Beispiel &uuml;ber sogenannte Alpha-Journalisten die &ouml;ffentliche Meinung. Sie steuern die Themen, &uuml;ber die wir uns unterhalten. Sie lassen alles, was gewissen Kreisen nicht in den Kram passt, verschwinden. Sie rei&szlig;en aus dem Kontext und machen so Informationen unbrauchbar. Sie arbeiten in der Wissenschaft und erstellen Gutachten und Gegengutachten. Das Ausma&szlig; der Manipulation ist immens und allgegenw&auml;rtig.<\/p><p>Jeder, der die industriell hergestellte Massenmeinung nicht teilt, Zweifel s&auml;t und diesen publiziert, bekommt daher sofort Probleme, wenn er dabei auch noch echte Reichweite erzielt. Dann wird er mit dem Ziel verleumdet, ihn sozial zu isolieren.<\/p><p>KenFM hat das alles hinter sich und gelernt, diese Form des Meinungsterrors an sich abprallen zu lassen. Das Portal versteht sich als Verlag. Wir publizieren Fakten und Meinungen vor allem zu Geopolitik und Themen, die mit Geopolitik zu tun haben. Das Publikum ist m&uuml;ndig genug, um KenFM als <em>eine<\/em>, nicht aber als <em>einzige<\/em> Quelle zu erkennen.<\/p><p>Uns geht es vor allem darum, dass der Nutzer Presse nicht nur als Unterhaltung versteht, sondern als Angebot, sich permanent weiterzubilden und wirklich demokratisch handeln zu k&ouml;nnen. Die Menschen wollen mehr wissen, als den meisten Pressevertretern lieb ist.<\/p><p>Schlaue B&uuml;rger aber kann man nicht mit simplen Feindbildern und Narrativen abspeisen. Ein weniger oberfl&auml;chlicher Journalismus kostet dann aber deutlich mehr Zeit und Geld. Der Mainstream-Online-Journalismus hat hier viel Druck aufgebaut. Schnell geht vor genau und die Werbegelder greifen die gro&szlig;en Suchmaschinen und Sozialen Netzwerke ab.<\/p><p><strong>Erkl&auml;ren Sie so auch die Vertrauenskrise der Medien?<\/strong><\/p><p>Ja. Die Menschen rei&szlig;en heute scharenweise ins Internet aus. Hier finden sie binnen Minuten XXL-Informationen aus aller Welt zu jedem Thema. Die Aufgabe des Journalisten heute ist also weniger das Beschaffen von Informationen, denn ihre Interpretation. Plumpe Narrative funktionieren heute nicht mehr, wie auch Videospiele heute komplexer sind als PacMan.<\/p><p>Dass die Mainstreammedien diesen simplen Umstand nicht verstehen wollen, hat meines Erachtens zwei Gr&uuml;nde. Erstens sitzen viele Journalisten etablierter Medien noch immer auf einem verdammt hohen Ross. Und zweitens sind viele der Kollegen extrem faul. Meine Quelle ist vor allem die Stra&szlig;e, nicht nur Google. Und wenn ich ein Buch lese, um einen Gast entsprechend interviewen zu k&ouml;nnen, lese ich wirklich jede Seite und nicht nur quer. Ob das Zeit kostet? Sicher. Aber ich will diesen Beruf ja aus&uuml;ben. Das geschieht aus &Uuml;berzeugung, nicht, weil ich eine Wette verloren habe.<\/p><p><strong>Wie kam es zu den Kampagnen gegen Sie als Person und KenFM als Format? Ist an mancher &bdquo;Kritik&ldquo; nicht zumindest zum Teil etwas dran?<\/strong><\/p><p>KenFM hatte immer Gegen. Schon als Radiosendung haben unser Programm und ich als Moderator polarisiert. Das geht bei meiner Stakkato-Sprache los und endet bei meiner Meinung, die nur selten mit Mainstream-Positionen kompatibel ist.<\/p><p>Schon zu Zeiten beim RBB legte man mir immer wieder nahe, es weniger provozierend anzugehen. Nur provozierte <em>mich<\/em> eben die Realit&auml;t. Angriffskriege zum Beispiel, an denen sich die NATO oder die Bundeswehr beteiligt, sind f&uuml;r mich eine unfassbare Provokation. Menschenrechte mit F&uuml;&szlig;en zu treten, der Ausverkauf des Sozialstaates, Sonderrechte f&uuml;r Banken und Gro&szlig;konzerne &ndash; das alles konnte ich nicht ertragen und sendete daher entsprechende Kommentare.<\/p><p>Als ich vierst&uuml;ndige Sendungen zu FIAT-Money, Uran-Munition, PTBS und dem 11. September machte, wurde das Menschen au&szlig;erhalb des ARD-Senders zu viel. Sie brauchten eine Intrige und inszenierten eine Verleumdung. Wer in Deutschland mit dem Vorwurf des Antisemitismus beworfen wird, hat ein <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25805\">ernstes Problem<\/a>. Dass ich diese b&ouml;sartige Unterstellung &uuml;berleben und wieder auf die Beine kommen konnte, ist schlicht dem Umstand geschuldet, dass ich nicht auf die Massenmedien angewiesen war, um mich zu verteidigen. Diese lie&szlig;en mich n&auml;mlich nie zu Wort kommen, sondern stets nur die Verleumder. Das war eine Art Schauprozess wie bei Kafka. Da ich als Person &uuml;ber 20 Jahre einen Ruf aufgebaut hatte, wussten meine H&ouml;rer, dass man mich vors&auml;tzlich mit Dreck bewarf, um mich los zu werden. Die NATO-Presse, wie ich sie nenne, hat in meinem Fall eine digitales Vietnam erlebt und scheiterte beim Versuch der Demontage meiner Person.<\/p><p>Der Fall KenFM wurde dann zur Schweinebucht f&uuml;r den RBB in Berlin. Denn der Beitrag, den ich nach dieser Kampagne ins Netz stellte, trug den Titel &bdquo;Zionistischer Rassismus&ldquo; und besch&auml;ftigte sich ausgerechnet mit den rassistischen Seiten des Zionismus, wie wir ihn zum Beispiel in Gaza erleben. <\/p><p>Warum ausgerechnet dieses Thema? Ganz einfach, in der Sendung KenFM gab es eine Rubrik, die &uuml;ber 545 Wochen &uuml;ber den Sender ging: &bdquo;R&uuml;ckblicken&ldquo;. Darin wurde jede Woche gegen latenten Rassismus angesendet. Einen Rassismus, den ich auch aus pers&ouml;nlicher Erfahrung kenne, weswegen ich auch einen K&uuml;nstlernahmen und nicht meinen eigenen, einen iranischen, verwende. Um das Anliegen, die Folgen des Rassismus, zu verdeutlichen, zu forcieren, wurde jede Woche auf den Holocaust als das brutalste Verbrechen der Menschheit eingegangen.<\/p><p>Dazu wurden O-T&ouml;ne von Holocaust-&Uuml;berlebenden eingespielt. Im Anschluss wurde tagesaktuelle Politik diskutiert. Zum Beispiel, wenn mal wieder ein Fl&uuml;chtlingsheim angesteckt wurde. Dieses Format lief 10 Jahre! Jede verdammte Woche. Ausgerechnet mir Antisemitismus und das Leugnen des Holocaust zu unterstellen, ist daher in etwa so dreist, wie wenn man von Martin Luther King behaupten w&uuml;rde, er w&auml;re Fan des Ku-Klux-Klans.<\/p><p>In 10 Jahren R&uuml;ckblicken hat sich die j&uuml;dische Community in Berlin kein einziges Mal bei mir oder meinem Haussender gemeldet. Ich hatte diverse j&uuml;dische K&uuml;nstler in der Sendung und war Coach eines aufstrebenden j&uuml;dischen Komikers. Diese Menschen wussten, dass das, was ein Herr Broder mir anzuh&auml;ngen versuchte, vollkommen frei erfunden war. Nur standen sie mir bei? Erhoben sie die Stimme? Fielen sie dem Hetzer der Springer-Presse ins Wort? Nein. Sie duckten sich ebenso weg wie die meisten Deutschen zwischen 33 und 45. Das war f&uuml;r mich ein derart sch&auml;biges und feiges Verhalten, dass mich kalte Wut packte. Im Beitrag &bdquo;Zionistischer Rassismus&ldquo; ging es daher auch um Doppelstandards der ultra-rechten israelischen Regierung und ihrer Lobby-Vertreter. <\/p><p>Der Text besteht aus kritischen Zitaten der bekanntesten j&uuml;dischen Intellektuellen und Journalisten. Die Liste reicht von Noam Chomsky &uuml;ber Shlomo Sand, St&eacute;phane Hessel, Norman Finkelstein, Gideon Levy bis hin zu John Mearsheimer und vielen mehr.<\/p><p>Ich habe ihre zentralen Kritikpunkte gegen&uuml;ber dem israelischen Besatzungsregime nur zusammengefasst. Also zitiert. Wer <em>damit<\/em> Probleme hat, der hat mit <em>freier<\/em> Presse Probleme und aus dem Dritten Reich nichts gelernt. Das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung l&auml;sst zu, mich zu verleumden, aber es l&auml;sst eben auch zu, den Verleumdern und denen, die wider besseres Wissen unt&auml;tig zugesehen haben, den Spiegel vorzuhalten.<\/p><p>Okay, heute w&uuml;rde ich einen solchen Text nicht mehr schreiben und einsprechen. Kritik an Israel findet bei KenFM durch Gastautoren statt. Evelyn Hecht-Galinski etwa, deren Vater das Motto hatte: &bdquo;Ich habe Auschwitz nicht &uuml;berlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen&ldquo;, ver&ouml;ffentlicht bei uns.<\/p><p><strong>Sie sind damals also &uuml;ber das Ziel hinausgeschossen? <\/strong><\/p><p>Ich habe das Richtige getan, dabei aber unn&ouml;tig provoziert &ndash; weil ich unglaublich w&uuml;tend war. Man kann nat&uuml;rlich immer jedes Wort auf die Goldwaage legen, das Haar in der Suppe suchen, nur das ist nichts anderes, als die bew&auml;hrte Methode, vom eigentlichen Inhalt, der Botschaft abzulenken. Israel wendet hier einen ganz simplen Trick an. Es ist T&auml;ter, stilisiert sich aber als Opfer. Nur, wer ist denn die Besatzungsmacht? Die Israelis oder die Pal&auml;stinenser? <\/p><p>Inzwischen habe ich aber bereits seit Jahren nichts mehr &uuml;ber diesen Zwergstaat in Middle-East publiziert. Warum auch. Ein Land, das &uuml;ber 50 UN-Resolutionen missachtet hat, kann ich als Mahner oder Moralapostel nicht mehr ernst nehmen. <\/p><p>Leid tun mir vor allem die eingeschlossenen Zivilisten in Gaza. W&auml;ren dort nicht Pal&auml;stinenser, sondern Juden eingesperrt, w&uuml;rde die ganze Welt zu Recht von Ghetto sprechen und Attacken gegen die Besatzungsmacht als legitim erachten. Da es aber &bdquo;nur&ldquo; Araber sind, werden die Ureinwohner Pal&auml;stinas eben wie Menschen zweiter Klasse behandelt: Israel kann sie t&ouml;ten, wann immer es das m&ouml;chte. Konsequenzen erwachsen hieraus nicht.<\/p><p>Der &uuml;berzeugte Zionist Benny Morris hat das Handeln seines Landes einmal mit einer verharmlosenden Metapher beschrieben, die da lautet: &bdquo;Wenn man ein Omelett machen will, kommt man nicht umhin, Eier zu zerschlagen.&ldquo; Pal&auml;stinenser sind also Eier f&uuml;r ihn!<\/p><p>Das ist Rassismus in seiner widerlichsten Form und schadet dem gesamten Judentum, dass der politische Zionismus zu instrumentalisieren versucht. <em>Dieses<\/em> Problem m&uuml;ssen die Juden der Welt selber l&ouml;sen. Tun sie das nicht, wird der Staat Israel meiner Einsch&auml;tzung nach eines Tages untergehen, wie auch die DDR dies tat. <\/p><p>Was die Frage aufwirft, ob es f&uuml;r diesen Stasi-Staat ein &bdquo;Existenzrecht&ldquo; gab. Nat&uuml;rlich nicht. Und gibt es nun f&uuml;r ein rassistisches Besatzungsregime ein Existenzrecht? Nat&uuml;rlich ebenso wenig. Das festzustellen, hei&szlig;t gleichwohl nicht, Israel als solches abzulehnen oder anderes. Es hei&szlig;t nur, darauf zu insistieren, dass ein rassistisches Staatswesen nicht aufrechterhalten werden darf.<\/p><p><strong>Sie vergleichen Israel allen Ernstes mit der DDR? Und, damit ich das richtig verstehe: Sie sprechen dem Ihrer Meinung nach rassistischen Staat Israel eine Ewigkeitsgarantie ab, nicht aber einem egalit&auml;ren israelischen Staat?<\/strong><\/p><p>Exakt. Israel hat sich, wie die DDR, zu einem extrem dogmatischen Staat entwickelt. Auch die DDR wollte alles tun, um nie wieder zu einem Unterdr&uuml;ckerstaat zu werden und setzte dazu auf die Stasi. Kritik am System hatte ernste Folgen. Andersdenkende wurden sehr schnell zu Staatsfeinden. Dieser Weg erstickte die DDR von innen.<\/p><p>Das erleben wir seit geraumer Zeit in Israel. Sprechen Sie zum Beispiel mit Moshe Zuckermann, der hat diese Entwicklung in diversen B&uuml;chern beschrieben. Wer dem Hardcore Zionisten nicht blind folgt, bekommt richtig Probleme. Ein Journalist wie Levy kann nur noch mit Personenschutz aus dem Haus. Auch als Friedensaktivist, der Land gegen Frieden tauschen m&ouml;chte, oder besser geraubtes Land zur&uuml;ckgeben, muss man sich warm anziehen. <\/p><p>Dieses Israel implodiert. Immer mehr Juden verlassen diesen zionistischen Gottesstaat und ziehen zum Beispiel nach Berlin. Wenn der Staat Israel seinen kranken Nationalismus aufgibt, hat er eine Chance. H&auml;lt er daran fest, wird er den Weg von S&uuml;dafrika gehen. Regime-Change von innen. Was ist daran schlecht? <\/p><p><strong>Ihnen wird aber auch <a href=\"http:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/otto-brenner-stiftung\/aktuelles\/querfront-karriere-eines-politisch-publizistischen-netzwerks.html\">vorgeworfen<\/a>, dass Sie &bdquo;mit allen&ldquo; und also auch &bdquo;mit Rechten&ldquo; reden und daher &bdquo;offen&ldquo; f&uuml;r auch das B&ouml;se w&auml;ren. Dass sie &bdquo;Querfront&ldquo; betrieben etc. Und einige Ihrer Kritiker weisen zudem darauf hin, dass Ihr Weltbild, letztlich folge noch jeder Krieg einer Art Drehbuch, vielleicht etwas sehr einfach ist und Sie zudem auch bez&uuml;glich <a href=\"http:\/\/aluhut-fuer-ken.com\/resources\/Zu%20den%20ideologischen%20Grundlagen%20des%20Querfront-Projektes%20Friedenswinter.pdf\">Judentum und Zionismus<\/a> ab und an einmal so unsauber argumentiert haben, dass dies Kritik geradezu notwendig macht. Machen Sie immer alles richtig? Oder k&ouml;nnen Sie nachvollziehen, dass manches, was Sie sagen, anderen auch zu pauschal oder teilweise gef&auml;hrlich erscheint?<\/strong><\/p><p>Das Thema ist f&uuml;r mich durch. Israel und seine Lobbyabteilung verwischen bewusst und permanent die Grenzen zwischen Judentum und Zionismus, um jede Kritik an diesem Besatzungsregime mit der Antisemitismuskeule niederzukn&uuml;ppeln. Ist das mein Problem? &Uuml;berhaupt nicht. <\/p><p>Dieser Staat ist inzwischen so sexy wie die DDR kurz vor Mauerfall. Seit 1948 ist es diesem Land nicht m&ouml;glich, ein normales Verh&auml;ltnis zu seinen Nachbarn aufzubauen, und wer immer das ausspricht, wird extrem billig attackiert. Der Traum vom gelobten Land hat sich zu einem Albtraum entwickelt, der massiv an eine v&ouml;llig verkorkste Ehe erinnert. Muss nun aber die ganze Welt permanent in diese Ehekrise involviert werden? Nein. Wir alle haben auch Beziehungen, nur, wenn die mal nicht so laufen, wie sie sollen, w&uuml;rden wir nie auf die Idee kommen, die Schuld rund um die Uhr einzig bei unserem Partner zu suchen.<\/p><p><strong>Jetzt haben Sie meine Frage nicht beantwortet. Zum zweiten Mal. Die eine lautete: Ist an mancher &bdquo;Kritik&ldquo; nicht zumindest zum Teil etwas dran? Und die andere nun gerade: Machen Sie immer alles richtig? Oder k&ouml;nnen Sie nachvollziehen, dass manches, was Sie sagen, anderen auch zu pauschal oder teilweise gef&auml;hrlich erscheint?<\/strong><\/p><p>An jeder Kritik ist immer auch etwas dran. Nur lasse ich mir nicht Vorsatz unterstellen. Wir alle machen Fehler oder dr&uuml;cken uns mitunter missverst&auml;ndlich aus. Es macht aber einen erheblichen Unterschied, ob man bewusst mit Unsch&auml;rfen spielt, um f&uuml;r Radikale anschlussf&auml;hig zu sein, oder aber, unfreiwillig eine Fl&auml;che bietet.<\/p><p>Wie sagte Gerhard Schr&ouml;der mal treffend. &bdquo;Wenn man das Richtige sagt, ist man nie sicher vor falschem Beifall.&ldquo; Das k&ouml;nnen sie doch aktuell bei Sahra Wagenknecht beobachten. Wenn die von Obergrenzen bei der Aufnahme von Fl&uuml;chtlingen spricht, wird ihr Anschlussf&auml;higkeit zur AfD unterstellt. Nur von wem? <\/p><p>Bei ihr wie bei mir geht es ganz bewusst darum, Menschen politisch zu Schmuddelkindern zu machen. Nur bin ich nicht auf die ver&ouml;ffentlichte Meinung angewiesen, um gew&auml;hlt zu werden. Daher bekomme ich richtig auf die M&uuml;tze. Jede Unterstellung passt, wenn sie dazu beitr&auml;gt, die Reichweite von KenFM zumindest noch zu bremsen. Klappt aber alles nicht mehr. Das Vertrauen in die Massenmedien ist dahin&hellip;<\/p><p><strong>Sehen Sie hinter diesen ganzen Kampagnen, die wirklich virulent zurzeit sind und alles andere als &bdquo;nur Sie&ldquo; betreffen, sehen Sie hinter diesen Kampagnen auch konkrete Akteure und Interessen am Werk? Worum geht es diesen Ihrer Meinung nach &ndash; und warum funktioniert diese Methode offenbar so gut? Kommen Menschen autorit&auml;tsgl&auml;ubig zur Welt, ist das Bed&uuml;rfnis, das Richtige zu tun, und damit verbunden auch die Angst vor &bdquo;dem Falschen&ldquo; so unsagbar gro&szlig;, dass viele sich lieber abwenden, als sich wirklich eine eigene Meinung zu bilden?<\/strong><\/p><p>Die Welt war schon immer komplex. Hier die &Uuml;bersicht zu behalten, war daher immer auch mit Arbeit verbunden. Wer diese Arbeit nicht leisten will, schlie&szlig;t sich gern einer Sekte an. Die attraktivste Sekte ist aktuell die derer, die auf alles einschlagen, was nicht dem pers&ouml;nlichen Weltbild entspricht.<\/p><p>Vor allem die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33624\">Anti-Deutschen<\/a> sind hier sehr aktiv.<\/p><p><strong>Ist ihr Bezug zum Mittleren Osten wom&ouml;glich ein sehr pers&ouml;nlicher, sodass Sie Leid und Elend dort mehr betreffen und betroffen machen als andere?<\/strong><\/p><p>Nein, ich werde nur st&auml;ndig mit dem Nahen Osten bel&auml;stigt, w&auml;hrend China, Indien oder S&uuml;damerika im Vergleich gar nicht vorkommen. &Auml;ndert das und ich h&ouml;re sofort auf, bockig zu sein. Diese Middle-East-Fixierung nervt. Es geht dort um &Ouml;l. Jeder wei&szlig; das, also h&ouml;rt auf, uns anzuschmieren.<\/p><p><strong>Und sehen Sie, wie manche Ihrer Aussagen vermuten lassen, in den USA und andernorts wirklich eine &bdquo;j&uuml;dische Verschw&ouml;rung&ldquo; am Werk? Und ob nun ja oder nein: Was um alles in der Welt sollte eine solche Erkenntnis von Wert sein, dass etwa &bdquo;Katholiken in Irland&ldquo; besonders wichtige Posten innehaben; f&uuml;hrt derlei zu irgendeinem konkreten, emanzipatorischen Erkenntnisgewinn?<\/strong><\/p><p>Nein. Ich habe Derartiges nie behauptet, da es absurd ist. Ich habe auch nie gesagt, dass Kawasaki den Plan hat, Ikea zu &uuml;bernehmen. Nat&uuml;rlich kann man das jetzt auf XXL-Kan&auml;len &uuml;ber 5 Jahre behaupten, nur trifft mich das nicht. Ich sehe diese Kan&auml;le nicht, und die, die ich interviewe, kennen diese Verunsicherungstaktik aus dem FF. Das macht mich f&uuml;r sie noch attraktiver, da wir den Shit-Storm vollkommen unbeschadet &uuml;berstanden haben. Mehr noch: Er hat uns enorm geholfen.<\/p><p>Aber, ja. Es gibt immens wichtige und gef&auml;hrliche Lobbygruppen auf diesem Planeten, die oft im Verborgenen agieren. Keine von ihnen ist dabei aber so &uuml;berm&auml;chtig, dass sie <em>alle<\/em> Geschicke auf diesem Globus vollkommen unter Kontrolle hat. Bis auf die Zugv&ouml;gel nat&uuml;rlich. Die kontrollieren die Deutsche Bahn.<\/p><p><strong>Auch nicht israelische oder US-Lobbygruppen?<\/strong><\/p><p>Nun, die mischen m&auml;chtig mit im globalen Spiel um Einfluss und Macht &ndash; aber nein, noch hat sich die Demokratie nicht vollst&auml;ndig verabschiedet. Sie arbeiten aber daran.  <\/p><p><strong>Kann, darf oder muss Journalismus wom&ouml;glich gelegentlich populistisch und vereinfachend sein, wenn es darum geht, Kriege zu verhindern und der immensen Macht der Eliten, die Massen zu manipulieren, etwas entgegenzusetzen? Was genau macht &bdquo;guten Journalismus&ldquo; dieser Tage f&uuml;r Sie aus?<\/strong><\/p><p>Was ist denn eigentlich Populismus? Politik an sich ist mehr oder weniger populistisch, um komplexe Inhalte &uuml;berhaupt auf Wahlplakate oder in Wahlprogramme zu bekommen. Dass wir beim gr&ouml;&szlig;ten Niedriglohnsektor Europas nicht die Linkspartei als st&auml;rkste Partei sehen, ja, aktuell sogar die AfD richtig abr&auml;umt, hat mit mangelndem linken Populismus zu tun.<\/p><p>Populismus kann auch bedeuten, f&uuml;r die eigene politische &Uuml;berzeugung so zu werben, dass die Botschaft zu einem Impact am Markt f&uuml;hrt. Was Marketing angeht, ist die Linke, genau wie die alte Friedensbewegung, leider in den 1970ern h&auml;ngen geblieben. Man bereitet sich auf die Kugelkopfschreibmaschine vor, w&auml;hrend der Rest die Cloud-Technologie nutzt. Tragisch.<\/p><p><strong>Dass die Friedensbewegung im globalen Informationskrieg an der Heimatfront tendenziell eher unterliegt, hat also mit deren eigener Unf&auml;higkeit zu tun, nichts mit den Unsummen, die f&uuml;r Propaganda und Hetze ausgegeben werden, nichts mit dem neoliberalen Umbau seit inzwischen mehreren Jahrzehnten? Man ist in Ihren Augen also &hellip; einfach zu bl&ouml;d?<\/strong><\/p><p>Beides geh&ouml;rt doch zusammen. Sicher gibt der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30286\">Neoliberalismus<\/a> Unsummen f&uuml;r Propaganda aus, nur haben die Intellektuellen der Friedensbewegung den Vorsprung der Neoliberalen bisher offenbar noch nicht mal im Ansatz verstanden. Die &Ouml;konomie ist doch nur das Werkzeug f&uuml;r sie. <\/p><p>Die Ideologie ist, den Menschen bis in die letzte Zelle hinein zu kommerzialisieren. Das soll der dann aber auch noch selber machen. Rainer Mausfeld ist hier ein echter Lichtblick. Er hat unter anderem auf die Methode der Selbstvermarktung hingewiesen. Wir alle sind insofern mehr oder weniger das Opfer von Fehlidentit&auml;ten, falschen Vorstellungen von uns und der Welt.<\/p><p><strong>Nun ist soeben bei fifty-fifty das Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/der-fall-ken-jebsen-oder-wie-journalismus-im-netz-seine-unabhaengigkeit-zurueckgewinnen-kann\/\">Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabh&auml;ngigkeit zur&uuml;ckgewinnen kann<\/a>&ldquo; erschienen. Bestsellerautor Mathias Br&ouml;ckers hat Sie interviewt und pr&auml;sentiert im Buch sehr pers&ouml;nliche, vor allem aber politische Einblicke in Ihr Denken, Ihr Schaffen und auch in die Verleumdungskampagnen, die man seit Jahren gegen Sie f&auml;hrt. Wie kam es zu dem Buch? Und wie haben Sie die Arbeit mit Br&ouml;ckers erlebt?<\/strong> <\/p><p>Br&ouml;ckers und ich kennen uns seit rund 5 Jahren. Ich interviewte ihn seinerzeit zu seinem dritten 9\/11-Buch. Daraus wurde eine 4-Stunden-KenFM-Spezial-Sendung, die ma&szlig;geblich dazu beitrug, meine Karriere in der ARD zu beenden.<\/p><p>Als Br&ouml;ckers mich fragte, ob ich nicht Lust h&auml;tte, ein Buch &uuml;ber die Geschichte von KenFM zu schreiben, erwiderte ich nur: &bdquo;Wann denn genau?&ldquo;, denn mein Terminkalender ist ziemlich voll. Also trafen wir uns zwischen zwei Interviewreisen in einem Hotel. Hier setzten wir uns drei Tage in ein Zimmer und ich setzte mich seinen Fragen aus. Das Ergebnis ist dieses Buch. Mal sehen, ob Menschen sich f&uuml;r den &bdquo;Fall Ken Jebsen&ldquo; interessieren. Ich kann das nicht einsch&auml;tzen.<\/p><p><strong>Gibt es da etwas Pers&ouml;nliches, das Ihnen als Antrieb dient? Ich meine: Die meisten Ihrer Zuschauer d&uuml;rften nicht einmal wissen, dass Ken Jebsen nur ein K&uuml;nstlername ist. Und kaum jemandem d&uuml;rfte bekannt sein, dass Sie aus dem Iran stammen&hellip;<\/strong><\/p><p>Spielt das alles eine Rolle? Ich nehme mein Leben nicht pers&ouml;nlich. Das alles ist ein Spiel, eine Metapher, die sich nur dann dekodieren l&auml;sst, wenn man losl&auml;sst. Ich habe vor langer Zeit losgelassen und versuche seitdem, nur noch so zu leben, als w&auml;re morgen Feierabend. Ich habe keinen Masterplan. Der Masterplan hat mich.<\/p><p><strong>Was, meinen Sie, k&ouml;nnen wir der aktuell st&auml;ndigen Kriegspropaganda entgegensetzen? Wie erobern wir als B&uuml;rger und Zivilgesellschaft &bdquo;unsere&ldquo; Medien und Demokratie zur&uuml;ck?<\/strong><\/p><p>Es geht darum, die Angst vor der Angst zu &uuml;berwinden. Wir m&uuml;ssen Strategien des Siegens lernen. Das geht besser, wenn man sich zu Teams zusammenschlie&szlig;t und konkrete Projekte angeht.<\/p><p>Seit dem 1. Oktober gibt es bei KenFM das Projekt &bdquo;Die Macher&ldquo;. Wir wissen, dass Menschen ab Werk Macher sind. Wenn wir das aktuell etwas verlernt habe, m&uuml;ssen wir es eben wieder lernen.<\/p><p>Wir werden Macher vorstellen, um &uuml;ber diesen Hebel noch Unentschlossenen Mut zu machen. Nichts ist alternativlos. &bdquo;Check your Head&ldquo;, w&uuml;rden die Beastie Boys sagen, ich sage: &bdquo;Die Segel setzt man nicht mit Worten.&ldquo;<\/p><p><strong>Wie weiter mit KenFM? Wie erobern wir &bdquo;unsere&ldquo; Demokratie und Medien zur&uuml;ck?<\/strong><\/p><p>KenFM wird jeden Tag gr&ouml;&szlig;er und entwickelt permanent neue Formate. Da ich die weder alle machen kann noch will, kommen neue Gesichter auf den Kanal. Das alles wird in naher Zukunft in diversen Sprachen angeboten. KenFM entwickelt sich zu einem Think-Tank mit angeschlossener Presseabteilung, die vor allem den Aktivismus f&ouml;rdert. &bdquo;Mehr Demokratie wagen!&ldquo; ist unser Motto dabei.<\/p><p>Vier Jahre nach Gr&uuml;ndung haben wir bereits den doppelten Marktanteil von arte. Unsere Klicks wachsen jeden Monat um einen sechsstelligen Betrag. Wir erreichen immer mehr die Mitte der Gesellschaft und haben unser Programm daher auch dahingehend erweitert, dass wir inzwischen immer h&auml;ufiger auch wissenschaftliche Vortr&auml;ge filmen und ins Netz stellen. Das kommt extrem gut an. Bildung l&auml;uft.<\/p><p>Und es ist f&uuml;r mich auch und vor allem eine Form von demokratischer Presse. Wir stellen ohne Zwangsgeb&uuml;hren ein immer breiteres Angebot an Informationen bereit und tun das, was der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk immer str&auml;flicher vernachl&auml;ssigt. KenFM erf&uuml;llt einen Bildungsauftrag und tut dies auf Basis freiwilliger Spenden. F&uuml;r mich ist dieses Gesch&auml;ftsmodell ein Ausdruck gelebter Demokratie von unten.<\/p><p>Diese Entwicklung mit anzuschieben, macht das ganze Team stolz. Wir verstehen uns als Vollblutdemokraten, die sich auf ein Credo einigen konnten: Nie wieder Krieg!<\/p><p><strong>Noch ein letztes Wort?<\/strong><\/p><p>Free your Mind and your Ass will follow.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Ken Jebsen<\/strong>, Jahrgang 1966, ist Radio- und TV-Journalist. Sein Vater stammt aus Teheran, seine Mutter ist geb&uuml;rtige Hamburgerin. Seit 2011 arbeitet er als freischaffender Reporter. Er betreibt das freifinanzierte Videoportal <a href=\"https:\/\/kenfm.de\">KenFM<\/a> &ndash; eine der erfolgreichsten Nachrichtenplattformen im Internet. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.assoziation-daemmerung.de\/2016\/06\/hoch-die-antinationale-solidaritaet\/\">Hoch die &raquo;antinationale&laquo; Solidarita&#776;t? &raquo;Postantideutsche&laquo; wenden den Internationalismus gegen Klassenbewusstsein und Antiimperialismus<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/10f5fa3318a64790bfe654d670b75395\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161102_jebsen.jpg\" alt=\"Ken Jebsen\" title=\"Ken Jebsen\"\/><\/div>\n<p>Er sagt, was er denkt. Redet Tacheles und ist oft sogar w&uuml;tend dabei. Interviewt Christdemokraten ebenso wie Linksradikale und gelegentlich sogar Spinner. Er kritisiert bedingungslos jede Kriegstreiberei, agitiert gegen Sozialabbau und die AfD &ndash; und wird dennoch von einigen als &bdquo;Rechter&ldquo;, &bdquo;Neurechter&ldquo;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35640\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,169,107,35,209,41,11],"tags":[1987,341,1672,1120,1557,1238,1919,1865,466,1554,1191,826,259,1113,1281],"class_list":["post-35640","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antisemitismus","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-interviews","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-broeckers-mathias","tag-broder-henryk-m","tag-embedded-journalism","tag-friedensbewegung","tag-israel","tag-jebsen-ken","tag-lueckenpresse","tag-meinungsfreiheit","tag-nato","tag-orwell-2-0","tag-populismus","tag-rassismus","tag-russland","tag-soziale-medien","tag-zionismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35640"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":122033,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35640\/revisions\/122033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}