{"id":3567,"date":"2008-11-06T09:36:16","date_gmt":"2008-11-06T08:36:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3567"},"modified":"2015-11-08T11:36:28","modified_gmt":"2015-11-08T10:36:28","slug":"die-taeuschungsmaschinerie-der-finanzindustrie-ist-hoch-aktiv-dazu-ein-interessanter-beitrag-von-hauke-fuerstenwerth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3567","title":{"rendered":"Die T\u00e4uschungsmaschinerie der Finanzindustrie ist hoch aktiv &#8211; dazu ein interessanter Beitrag von Hauke F\u00fcrstenwerth"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;rstenwerth zeigt gleich zu Anfang, mit welcher Chuzpe die neoliberalen Vertreter in unserem Land die Verantwortung f&uuml;r die Finanzkrise wegschieben und dem Staat anh&auml;ngen. Die herrschenden Kreise versuchen, die Verantwortung f&uuml;r ihr Tun mit aller Macht auf ihre politischen Gegner abzulenken. Wir erleben das in der Praxis der deutschen Politik t&auml;glich. &ndash; Sie finden den Beitrag von Hauke F&uuml;rstenwerth in der Rubrik Andere interessante Beitr&auml;ge. Vorher noch einige Anmerkungen. Albrecht M&uuml;ller. <!--more--><\/p><ol>\n<li>Der Vizepr&auml;sident des Deutschen Bundestages Solms (FDP) &auml;u&szlig;erte sich so:\n<p><em>&bdquo;Wir haben es also mit einem Versagen der Regulierung zu tun. Regulierungsversagen ist aber Staatsversagen, nicht Marktversagen.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>Und andere ganz &auml;hnlich. Mir scheint das abgesprochen zu sein.<\/p><\/li>\n<li>Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der von den herrschenden Kreisen verantwortlich gemachte Staat genau von diesen Kreisen beherrscht wurde. Sie haben mit ihrer Ideologie das so genannte Staatsversagen m&ouml;glich und wahrscheinlich gemacht. Wolfgang Lieb hat in anderem Zusammenhang schon auf den gleichen Sachverhalt aufmerksam gemacht: Die Westdeutsche Landesbank zum Beispiel wurde im Sinne der Modernisierer umgepolt. Das daraus folgende Unheil, <a href=\"?p=3510\">wurde dem Staat zugeschrieben<\/a><\/li>\n<li>F&uuml;rstenwerth schildert, wie auch die deutsche Politik den Casinobetrieb gef&ouml;rdert hat. Siehe auch unser Beitrag vom 7. April 2008: &bdquo;Weitere harte Belege f&uuml;r die Mitwirkung des Bundesfinanzministeriums am Casinobetrieb zu unseren Lasten. <a href=\"?p=3127\">Betr.: TSI&ldquo;<\/a>  Noch heute besteht die vielf&auml;ltige F&ouml;rderung fort. F&uuml;rstenwerth nennt einige Beispiele daf&uuml;r.<\/li>\n<li>F&uuml;rstenwerth schreibt: &bdquo;So sind in den USA von 2003 bis heute allein bei Hypothekenkrediten und davon abgeleiteten Produkten f&uuml;r Provisionen und Boni zwei Billionen US-Dollar gezahlt worden.&ldquo; Begreifen Sie die Dimension? Kann das wirklich sein? &ndash; Ich habe jetzt einige Male bei Vortr&auml;gen davon berichtet, dass in den USA in den ersten neun Monaten des Jahres 2008, also mitten in der Krise, noch 70 Milliarden US-$ f&uuml;r Verg&uuml;tungen und Boni geflossen sind. Und in Gro&szlig;britannien 16,6 Mrd. Euro und auch bei der Deutschen Bank Milliarden. Die meisten Leser und Zuh&ouml;rer begreifen das nicht mehr. Die Banken sind nahezu bankrott und Zahlen Milliarden f&uuml;r Provisionen und Boni?? Da stimmt doch etwas nicht.<br>\nNichts stimmt und es hat sich nichts ge&auml;ndert.<\/li>\n<li>Kleine Unterschiede in der Sichtweise von Hauke F&uuml;rstenwerth und mir zum Beispiel zu den angeblichen Verm&ouml;gen und ihrer Relation zum Bruttoinlandsprodukt tun der positiven Einsch&auml;tzung seines folgenden Beitrags keinen Abbruch:<\/li>\n<\/ol><p><strong>Hauke F&uuml;rstenwerth<\/strong><br>\nAutor von &bdquo;Geld arbeitet nicht&ldquo;<\/p><p>In Anbetracht der immer deutlich werdenden Krise der Realwirtschaft und den sich daraus ergebenden Herausforderungen tritt die Diskussion der Ursachen f&uuml;r die Finanzkrise zunehmend in den Hintergrund. Einfach gestrickte Erkl&auml;rungen setzen sich partei&uuml;bergreifend auch in den Meinung machenden Medien fest. Von Merz (CDU) &uuml;ber Steinbr&uuml;ck (SPD), Glos (CSU), Geissler (CDU) und Solms (FDP) bis hin zu Lafontaine (LINKE) wird akzeptiert, dass die Niedrigzinspolitik der amerikanischen Zentralbank eine wesentliche Ursache ist. Auch wird &auml;hnlich breit akzeptiert, dass die F&ouml;rderma&szlig;nahmen der US-Regierung zur F&ouml;rderung von Wohneigentum f&uuml;r Niedrigverdiener eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Finanzkrise gespielt haben. Als dritte Ursache wird auf ein Regulierungs- und Kontrolldefizit verwiesen, welches aber nur im internationalen Rahmen behoben werden k&ouml;nne. Politisch wird diese Argumentationskette dann als Staatsversagen zusammengefasst: &ldquo;Gerade die US-amerikanische Regierung hat mit ihrer H&auml;user-f&uuml;r-Jedermann-Politik einen weiteren Fehler begangen, indem sie massiv dirigistisch in die Marktprozesse eingriff. Flankiert wurde dieses doppelte Versagen der Politik von einer zu expansiven Geldpolitik. &hellip; Wir haben es also mit einem Versagen der Regulierung zu tun. Regulierungsversagen ist aber Staatsversagen, nicht Marktversagen.&rdquo; so Hermann Otto Solms (FDP) am 3. November in der FAZ. Damit wird die Diskussion auf eine ideologische Ebene verlagert, auf der es nicht mehr um Sachprobleme und Hinterfragen von Ursachen geht.<\/p><p>Der mainstream der deutschen Wirtschaftswissenschaften gew&auml;hrt diesem Erkl&auml;rungsmuster argumentative Unterst&uuml;tzung. Prof. Juergen B. Donges, emeritierter Wirtschaftswissenschaftler der Uni K&ouml;ln und Botschafter der INSM, schreibt in einem Beitrag f&uuml;r den K&ouml;lner Stadtanzeiger am 5. November:<\/p><p>Staatsversagen ist die Keimzelle f&uuml;r die Finanzmarktkrise und zwar in dreifacher Hinsicht<\/p><ol>\n<li>Die FED hat M&auml;rkte mit billigem Geld versorgt<\/li>\n<li>Die US Regierung hat die Bezieher niedriger Einkommen zu Eigenheimbesitzern machen wollen und dazu deren Kredite mit einer Staatsgarantie versehen.<\/li>\n<li>Die Aufsichtbeh&ouml;rden haben bei Verbriefungen von Krediten nicht genau hingeschaut<\/li>\n<\/ol><p>Keines dieser drei Argumente h&auml;lt einer kritischen &Uuml;berpr&uuml;fung stand:<\/p><p><strong>Niedrigzins<\/strong><br>\nIn den angebotsorientierten Modellen der Wirtschaftswissenschaften f&uuml;hrt niedriger Zins zu mehr Investitionen und erh&ouml;htem Konsum. Dieses Model kann auf die Kreditvergabe allerdings nicht angewendet werden. Die Kreditvergabe h&auml;ngt von der Kreditw&uuml;rdigkeit des Kreditnehmers ab, nicht von der H&ouml;he der Kreditzinsen. Kredite werden nicht vergeben, weil der Zinssatz niedrig ist, sondern weil der Kreditnehmer gen&uuml;gend Sicherheiten bietet, den Kredit zur&uuml;ck zu zahlen.<\/p><p>In einem Artikel in der <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/6ruquc\">financial times<\/a> hat Prof. Sebastian Dullien aufgezeigt, dass es auch keine Korrelation zwischen der H&ouml;he von Zinss&auml;tzen und Spekulationsblasen gibt. <em>&ldquo;&Auml;u&szlig;erst unplausibel ist die Begr&uuml;ndung, dass gerade die niedrigen Zinsen die Banken zu einer riskanten Hypothekenvergabe bewegt haben. &Auml;hnliches gilt auch f&uuml;r die Erkl&auml;rung von Aktien- und Immobilienblasen: Betrachtet man die gro&szlig;en Blasen der vergangenen 100 Jahre, so bleibt von dem vermeintlichen Zusammenhang zwischen niedrigen Realzinsen und Blasen an den Verm&ouml;gensm&auml;rkten wenig &uuml;brig.&rdquo;<\/em><\/p><p>Nicht niedrige Zinsen, sondern mangelhafte und fehlende Pr&uuml;fung der Kreditw&uuml;rdigkeit sind eine wesentliche Ursache f&uuml;r die eingetretenen hohen Ausfallraten von Krediten.<\/p><p><strong>H&auml;user-f&uuml;r-Jedermann-Politik<\/strong><br>\nDie US-Regierung unter Jimmy Carter hat 1977 mit dem &ldquo;Community Reinvestment Act&rdquo; (CRA) ein Gesetz beschlossen, mit dem Hypotheken f&uuml;r Bezieher niedriger Einkommen staatlich abgesichert werden sollten. Allein die Tatsache, dass der CRA &uuml;ber drei Jahrzehnte keine Probleme bereitet hat, l&auml;sst Zweifel an der Behauptung aufkommen, er sei f&uuml;r die Kreditkrise verantwortlich. Der CRA schreibt eine Pr&uuml;fung der Kreditw&uuml;rdigkeit zwingend vor. In Anh&ouml;rungen des US-Repr&auml;sentantenhauses im Februar 2008 wurde ermittelt, dass lediglich 20% der in den USA vergebenen subprime Hypotheken unter den CRA fallen, 80% sind davon unabh&auml;ngig vergeben worden. Bei den unter CRA vergebenen Krediten hat es zudem eine <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/3svnjh\">geringere Ausfallrate gegeben als bei den frei vergebenen<\/a>. Zwischen dem Eigenheimf&ouml;rderprogramm der US-Regierung und der Finanzkrise gibt es also keinen Zusammenhang. Auch die Bank f&uuml;r internationalen Zahlungsausgleich (BIS) kommt zu dem Ergebnis, dass der CRA keine Ursache f&uuml;r die Finanzkrise ist: BIS Working Papers No 259, Sept. 2008, The housing meltdown: Why did it happen in the United States? <em>&ldquo;Contrary to some media commentary, there is no evidence that the Community Reinvestment Act was responsible for encouraging the subprime lending boom and subsequent housing bust.&rdquo;<\/em><\/p><p><strong>Mangelnde Kontrolle der Kreditverbriefungen<\/strong><br>\nEs gibt nach wie vor keine Kontrolle von Kreditverbriefungen, Credit Default Swaps und &auml;hnlichen Finanzprodukten. Das geschieht nicht aus Nachl&auml;ssigkeit, es ist gewollt. So hat die US-Regierung 2000 mit dem <em>Commodities Futures Modernization Act<\/em> diese Finanzprodukte von jeglicher staatlicher Kontrolle freigestellt. Weder die B&ouml;rsenaufsicht, noch die FED oder staatliche Institutionen k&ouml;nnen in den USA Einfluss nehmen auf das Gesch&auml;ft mit strukturierten Finanzprodukten.<\/p><p>Die deutsche Bundesregierung hat die Deregulierung der Finanzwirtschaft ebenfalls aktiv betrieben und auf Kontrollmechanismen weitgehend verzichtet. Im August 2005 hat die Bundesregierung die im Rahmen der Agenda 2010 getroffenen Ma&szlig;nahmen f&uuml;r die Finanzindustrie auf der Homepage des Finanzministeriums zusammengefasst: <em>Das Ziel fest im Blick: Konsequente Schritte in eine erfolgreiche Zukunft f&uuml;r den <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/6nzylu\">Finanzmarkt Deutschland in Europa.<\/a><\/em> Aus dem umfangreichen Deregulierungspaket sind zwei Gesetzesinitiativen von besonderer Bedeutung, welche die Bundesregierung wie folgt beschreibt:<\/p><p><em><strong>Verbriefungsmarkt\/Asset Backed Securities&#8232;<\/strong> Die Bundesregierung hat es Kreditinstituten erleichtert, Kreditforderungen zu verbriefen: Es wurden Verbriefungszweckgesellschaften, die von Kreditinstituten Kreditforderungen &uuml;bernehmen und verbriefen, gewerbesteuerrechtlich hinsichtlich der Behandlung von Dauerschulden den Banken gleichgestellt. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen sind mit dem Gesetz zur F&ouml;rderung von Kleinunternehmern und zur Verbesserung der Unternehmensfinanzierung im August 2003 r&uuml;ckwirkend zum 1. Januar 2003 in Kraft getreten.<\/em><\/p><p><em><strong>Mittelstandsfinanzierung, &ldquo;True Sale Initiative&rdquo;&#8232;<\/strong> Die Bundesregierung hat die &ldquo;True Sale Initiative&rdquo; der KfW und 13 weiterer Kreditinstitute intensiv begleitet, um durch die Erm&ouml;glichung echter Forderungsverk&auml;ufe die Eigenkapitalbasis zu verbessern und den Kreditinstituten vor dem Hintergrund von Basel II zus&auml;tzlichen Spielraum zu geben, ausreichend Kredite auf dem Markt zur Verf&uuml;gung zu stellen.<\/em><\/p><p>Mit diesen Gesetzen wurde die Risikobegrenzung bei der Kreditvergabe f&uuml;r das Geldgewerbe de facto aufgegeben. Kredite und strukturierte Finanzprodukte m&uuml;ssen seither nicht mehr mit Eigenkapital unterlegt sein, sie werden in Zweckgesellschaften ausgelagert und nicht mehr in den Bilanzen der Banken ausgewiesen. Zus&auml;tzlich wurden die Zweckgesellschaften von der Gewerbesteuer befreit. FDP und Union haben diese von SPD und Gr&uuml;ne eingereichten Gesetze nachweislich der Plenarprotokolle des Bundestages ausdr&uuml;cklich begr&uuml;&szlig;t.<\/p><p><strong>Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass weder die Niedrigzinspolitik der FED noch die Eigenheimf&ouml;rderung der US-Regierung die Finanzkrise hervorgerufen haben. Die fehlende Kontrolle der Finanzwirtschaft ist politisch gewollt. Das alles hat mit Regulierungsversagen und Staats- oder Marktversagen nichts zu tun. Es ist Politikversagen.<\/strong><\/p><p>Die Politik hat den tief greifenden Wandel in der Finanzwirtschaft aktiv beschleunigt. Aber offenkundig hat in der Politik niemand begriffen, was man in den vergangenen Jahren mit der gezielten Deregulierung der Finanzwirtschaft angerichtet hat. Man hat nicht begriffen, dass man ein Casino geschaffen hat, welches mit Marktwirtschaft nichts mehr gemein hat. Man hat, wie Nouriel Roubini es in der <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/5jzvag\">financial times<\/a> formuliert, ein Schattenbankensystem angelegt &ndash; ein <em>&ldquo;System, zu dem Broker-Dealer geh&ouml;ren, Hedge-Fonds, Beteiligungsgesellschaften, au&szlig;erbilanzielle Zweckgesellschaften und Conduits, Geldmarktfonds und Unternehmen, die ohne Banklizenz Hypothekenkredite vergeben.&rdquo;<\/em><\/p><p>In diesem Segment der Finanzwirtschaft geht es nicht mehr um die klassische Finanzierung der Realwirtschaft. Unter der Bezeichnung &ldquo;Investmentbanking&rdquo; oder &ldquo;asset management&rdquo; (Verm&ouml;gensverwaltung) geht es um die Verwaltung von gehortetem Verm&ouml;gen. Sigrid Skarpelis-Sperk (SPD) hat bei der Er&ouml;rterung der Kreditverbriefung 2003 im Bundestag formuliert: <em>&ldquo;Ein wichtiger und hilfreicher Schritt in diesem Prozess ist die Disintermediation: Ein Teil des Bankgesch&auml;fts ist nicht mehr Kreditgesch&auml;ft, sondern Investmentbanking; ein Teil der Zinsgewinne wird Provision.&rdquo;<\/em> Das Ziel der Banken sind nicht Zinsgewinne und R&uuml;ckzahlung der Kredite, sondern Provisionen. Doch was Frau Skarpelis-Sperk &uuml;bersehen hat, ist, dass die Provisionen zus&auml;tzlich zu den Zinsen anfallen, nicht an Stelle von. Die Realwirtschaft wird degeneriert zu einer Quelle von Provisionen und Boni. Diese Aktivit&auml;ten haben die Finanzkrise verursacht. Schuld sind nicht die H&auml;uslebauer in den USA, auch nicht der niedrige Zinssatz der amerikanischen Zentralbank oder die staatlichen Programme zur F&ouml;rderung von Wohneigentum f&uuml;r Geringverdiener. <\/p><p>Die Kreditmaschine wurde getrieben durch Hypothekenmakler und Banken, welche nur auf Provisionen aus waren. Das gilt auch f&uuml;r Unternehmenskredite, mit denen gem&auml;&szlig; einer aktuellen Studie der <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/5oypln%20\">Bank of England<\/a> weit h&ouml;here Verluste zu verzeichnen sind als mit Hypotheken. Roubini weist in diesem Zusammenhang zu Recht hin auf die problematischen Gesch&auml;fte der &ldquo;Heuschrecken&rdquo;, deren Tun in Deutschland von allen Steuern befreit ist: <em>&ldquo;Die Private-Equity-Blase f&uuml;hrte zu Leveraged Buyouts (LBOs) im Wert von &uuml;ber 1.000 Mrd. $, die nie h&auml;tten stattfinden d&uuml;rfen. Da diese Kredite zum Teil besonders lockere Konditionen f&uuml;r den Fall von Zahlungsproblemen haben, wird der Run etwas gebremst; Schuldner k&ouml;nnen Zinszahlungen aufschieben und weitere Schulden anh&auml;ufen. Doch das verschiebt die Refinanzierungskrise nur und macht den sp&auml;teren Bankrott umso h&auml;sslicher.&rdquo;<\/em> Die Banken haben die Kredite zu &ldquo;strukturierten Produkten&rdquo; verpackt, durch Ratingagenturen mit Bestnoten versehen lassen und weitervermittelt. So sind die &ldquo;Kredite&rdquo; dann in den B&uuml;chern von anderen Banken (bei uns IKB, HRE, Landesbanken) gelandet, die diese Kunstprodukte unter Einsatz hoher Kredithebel gekauft haben, ohne zu wissen und bewerten zu k&ouml;nnen, was sie da eigentlich kaufen. Wegen der Unm&ouml;glichkeit, diese Produkte zu bewerten, k&ouml;nnen weder die Landesbanken, noch die IKB, noch die HRE zum Entsetzen von Politik und &Ouml;ffentlichkeit ihre Verbindlichkeiten genau angeben. Erleichtert wurde diese Praxis in Deutschland wie vorstehend beschrieben durch die politisch gewollte Auslagerung des Finanzm&uuml;lls in Zweckgesellschaften in Steueroasen. Mit den Rettungspaketen der Regierungen werden die Wettscheine nun mit Steuergeldern aufgekauft. Damit werden die Gl&uuml;cksspieler belohnt, nicht aber an ihrer T&auml;tigkeit gehindert. Einige Banken sch&uuml;tten die zu ihrer Rettung aufgewandten Staatsgelder in Milliardenh&ouml;he komplett als Boni an ihre <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/5k7syo\">Investmentmanager aus<\/a> oder nutzen die Staatsgelder zur <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/65qcnl\">Zahlung von Dividenden<\/a> oder wie auch die Commerzbank <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/6ndywo\">zum Erwerb anderer Banken<\/a>.<\/p><p>In der Finanzwirtschaft werden riesige Verm&ouml;gen verwaltet. Sie betragen ein Vielfaches des Weltbruttoinlandsprodukt. Die politischen Weichenstellungen in der Verteilung des Wohlstandes weg von den Lohnabh&auml;ngigen hin zu den Kapitalbesitzern sorgen daf&uuml;r, dass diese nicht in der Realwirtschaft eingesetzten Verm&ouml;gen weiter steigen und der Finanzwirtschaft damit ein steigender Strom von Provisionen garantiert wird. Mit der Verwaltung dieser riesigen Geldmengen wird im Gegensatz zu T&auml;tigkeiten in der Realwirtschaft kein Mehrwert geschaffen, es wird lediglich Verm&ouml;gen zwischen den Beteiligten umverteilt. Details hierzu sind in &ldquo;Geld arbeitet nicht&rdquo; ausf&uuml;hrlich dargelegt. Die eingesetzten Instrumente werden als &ldquo;Finanzinnovationen&rdquo; deklariert, im Interbankengesch&auml;ft &ldquo;strukturierte Finanzprodukte&rdquo; wie ABS, CDO, CDS, f&uuml;r Kleinanleger Dinge wie Zertifikate, Optionen, und Derivate. Gleich wie man diese Produkte benennt, es sind nichts als banale Wetten. Das Gesch&auml;ft der Banken ist nicht prim&auml;r Teilnahme an der Wette &ndash; auch das geschieht &ndash; sondern Vermittlung der Wette, verdient wird an den Provisionen f&uuml;r die Buchmachert&auml;tigkeit. So sind in den USA von 2003 bis heute allein bei Hypothekenkrediten und davon abgeleiteten Produkten f&uuml;r Provisionen und Boni zwei Billionen US-Dollar gezahlt worden.<\/p><p>Die tagesaktuellen Probleme der Realwirtschaft dr&auml;ngen die Suche nach den Ursachen der Finanzkrise in den Hintergrund. Die Finanzkrise wird dar&uuml;ber hinaus zur willkommenen M&ouml;glichkeit zur Vertuschung wirtschaftspolitischer Fehlentscheidungen herangezogen. Auch deshalb ist es notwendig, die &ouml;ffentliche Diskussion wieder auf den Kern der Finanzkrise zu lenken. Ideologische Auseinandersetzungen, wie sie derzeit die Medien beherrschen, tragen nur zum Erhalt des status quo bei, er&ouml;ffnen aber keine L&ouml;sungsperspektiven.<\/p><p>An den Strukturen der Finanzwirtschaft muss angesetzt werden, um zuk&uuml;nftigen Schaden f&uuml;r Wirtschaft und Gesellschaft abzuwenden. Die Finanzwirtschaft muss marktwirtschaftlichen Regeln unterworfen werden, die sich in der Realwirtschaft bew&auml;hrt haben. Gl&uuml;cksspiele und Wetten m&uuml;ssen als solche behandelt werden, auch wenn sie &ldquo;Finanzinnovation&rdquo; genannt werden. Hierbei k&ouml;nnen nationale Regeln sehr effektiv sein. Spanien hat seinen Banken verboten, strukturierte Finanzprodukte in Zweckgesellschaften auszulagern und damit vor Verlusten aus diesen Gesch&auml;ften bewahrt. Der Verweis auf internationale Regelungen darf nicht Entschuldigung sein f&uuml;r fehlende nationale Regelungen. Deutsche Sparer und Steuerzahler k&ouml;nnen und m&uuml;ssen gesch&uuml;tzt werden durch deutsche Gesetze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;rstenwerth zeigt gleich zu Anfang, mit welcher Chuzpe die neoliberalen Vertreter in unserem Land die Verantwortung f&uuml;r die Finanzkrise wegschieben und dem Staat anh&auml;ngen. Die herrschenden Kreise versuchen, die Verantwortung f&uuml;r ihr Tun mit aller Macht auf ihre politischen Gegner abzulenken. Wir erleben das in der Praxis der deutschen Politik t&auml;glich. &ndash; Sie finden den<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3567\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,11],"tags":[284,225,222,1246,228,473,264],"class_list":["post-3567","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-strategien-der-meinungsmache","tag-deregulierung","tag-hre","tag-ikb","tag-immobilienblase","tag-manager-boni","tag-ratingagenturen","tag-solms-hermann-otto"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3567","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3567"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3567\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28312,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3567\/revisions\/28312"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}