{"id":3569,"date":"2008-11-06T09:15:22","date_gmt":"2008-11-06T08:15:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3569"},"modified":"2015-11-08T11:42:08","modified_gmt":"2015-11-08T10:42:08","slug":"wie-die-hessischen-abtruennigen-zu-rettern-der-spd-erklaert-werden-ein-leserbrief-zu-einem-leitartikel-der-mainstreampresse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3569","title":{"rendered":"Wie die hessischen Abtr\u00fcnnigen zu Rettern der SPD erkl\u00e4rt werden. Ein Leserbrief zu einem Leitartikel der Mainstreampresse"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Das hessische Debakel st&auml;rkt die SPD im Bundestagswahlkampf. Auf der Pressekonferenz war eine tiefe innere Zerissenheit sp&uuml;rbar. Doch dass der Entschluss so sp&auml;t verk&uuml;ndet wurde, ist weder unmoralisch, noch charakterlos. Im Gegenteil.&ldquo; So beginnt der Leitartikel von Franz Sommerfeld im <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1218660781020.shtml\">K&ouml;lner Stadt-Anzeiger<\/a>. Joke Frerichs hat dazu einen Leserbrief geschrieben.<br>\n<!--more--><br>\nSehr geehrter Herr Sommerfeld,<\/p><p>Ihr Artikel hinterl&auml;sst doch einen faden Beigeschmack. Er speist sich aus Mutma&szlig;ungen, kleinen Ungenauigkeiten und verbl&uuml;fft durch Ihre F&auml;higkeit zur Empathie.<\/p><p>Der Reihe nach: Den vier Abtr&uuml;nnigen k&ouml;nnen Sie &ldquo;die tiefe innere Zerissenheit anmerken, die sie seit Monaten sp&uuml;ren&rdquo;. Sie wollen uns also weismachen, dass diese Vier Monate brauchten, um festzustellen, dass sie ein B&uuml;ndnis mit den Linken nicht verantworten k&ouml;nnen? Nach all den Parteitagen; Regionalkonferenzen; Fraktionssitzungen; Probeabstimmungen; Einzelgespr&auml;chen?<\/p><p>Dann Ihre Unterstellung, Frau Ypsilanti habe den rechten Parteifl&uuml;gel &ldquo;und damit eine ganze Parteistr&ouml;mung aus(ge)bremst&rdquo;. Der Parteitag vom Wochenende hatte ihren Kurs mit &uuml;ber 98 % der Stimmen gebilligt. Wo war denn da der angeblich ausgebremste rechte Parteifl&uuml;gel?<\/p><p>Dann die infame Unterstellung, Frau Ypsilanti habe &ldquo;um die Macht gespielt und dieses Spiel verloren&rdquo;. &nbsp;Es fehlt nur noch der Hinweis, sie sei &ldquo;machtgeil&rdquo;; &rdquo; von der Macht besessen&rdquo; usw. Von der &ldquo;Versuchung der Macht&rdquo; sprechen Sie immerhin. M&auml;nner kommen nat&uuml;rlich nie in diese Versuchung. Sie treiben immer nur edle Motive um. Wie diesen Brandstifter Koch, der jetzt wieder den Biedermann spielen kann. <\/p><p>Dann Ihre Beweihr&auml;ucherung des schwarz-gr&uuml;nen Modells in Hamburg. Das was dort als staatspolitische Leistung gilt, nennt man in Hessen Wahlbetrug. So sind sie halt, unsere Mainstream-Medien: wenn es nur die richtigen, sprich &ldquo;Die Linken&rdquo; &nbsp;trifft. (Heute muss ich ausnahmsweise die SZ ausnehmen; Heribert Prantl hat sich immerhin zum Polit-Neurotiker J&uuml;rgen Walter eindeutig ge&auml;u&szlig;ert &ndash; auch einer von denen, die nur von edlen Motiven getrieben waren: von der Sorge um Arbeitspl&auml;tze und um die Zukunft der SPD &ndash; keineswegs jedoch von Rachegel&uuml;sten geleitet).<\/p><p>Und dann noch die ach so &ldquo;besonnene Reaktion&rdquo; von Franz M&uuml;nterfering &ldquo;auf die Abweichler&rdquo;. Die hessische SPD will er &ldquo;geschlossen in den Wahlkampf f&uuml;hren&rdquo; und von einem ehrlichen Umgang der SPD mit den W&auml;hlern schwafelt er. Etwa so, wie 2005, als er vor der Wahl gegen die &ldquo;Rente mit 67&rdquo; polemisierte, um sie kurz danach ohne Diskussion in der Partei zu verordnen?<\/p><p>Nein, Herr Sommerfeld. Ihr Beitrag ist schw&uuml;lstig bis diffus. Er will Vielen gerecht werden und wird am Ende Niemandem gerecht. Diese Art Journalismus verdummt mehr als er aufkl&auml;rt. Die Richtung stimmt nicht und die Details sind z.T. verr&auml;terisch. Z.B. dort, wo sie Ralf Stegner ein &ldquo;kaderartiges Parteiverst&auml;ndnis&rdquo; unterjubeln. Der Mann hat doch nur kritisiert, dass es ihm unverst&auml;ndlich ist, wieso Leute nach so vielen, unendlich m&uuml;hsamen Prozeduren, exakt 24 Stunden vor einer Entscheidung ihr Gewissen entdecken. Das aber genau verstehen viele nicht. Selbst der so besonnene Herr M&uuml;ntefering nicht. <\/p><p>Und sowieso: Wieso soll das &uuml;berhaupt eine Gewissensentscheidung gewesen sein. Es ging doch nicht um Krieg oder Frieden; auch nicht um Gentechnik oder Abtreibung. Und wenn es eine Gewissensentscheidung war: Haben nur die Vier ein Gewissen? Haben sich nicht auch andere in diesem monatelang sich hinziehenden Prozess &ldquo;zerrissen&rdquo;. Warum wird den einen Moral zugebilligt, w&auml;hrend andern angeblich nur ihr Machtspiel spielen? Lebt denn die Demokratie nicht von der F&auml;higkeit, Mehrheiten zu bilden? <\/p><p>Es ging doch tats&auml;chlich nur um die Entscheidung, ob man sich von einer demokratisch gew&auml;hlten Partei tolerieren l&auml;sst &ndash; &nbsp;in Berlin und davor in etlichen anderen ostdeutschen Bundesl&auml;ndern gibt und gab es sogar Koalitionen &ndash; und wie wir sehen, ist daran die Demokratie nicht zerbrochen. Das aber genau k&ouml;nnte passieren, wenn Ereignisse, wie jetzt in Hessen, k&uuml;nftig zur Regel werden. Dann wird sich n&auml;mlich jeder fragen, wozu er &uuml;berhaupt noch zur Wahl gehen soll. Sollen doch gleich die Medien bestimmen, wer regieren darf und wer nicht. So weit sind wir ja von diesen Zust&auml;nden gar nicht mehr entfernt! &nbsp;<\/p><p>MfG<br>\nJoke Frerichs<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Das hessische Debakel st&auml;rkt die SPD im Bundestagswahlkampf. Auf der Pressekonferenz war eine tiefe innere Zerissenheit sp&uuml;rbar. Doch dass der Entschluss so sp&auml;t verk&uuml;ndet wurde, ist weder unmoralisch, noch charakterlos. Im Gegenteil.&ldquo; So beginnt der Leitartikel von Franz Sommerfeld im <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1218660781020.shtml\">K&ouml;lner Stadt-Anzeiger<\/a>. 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