{"id":35758,"date":"2016-11-10T09:19:43","date_gmt":"2016-11-10T08:19:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35758"},"modified":"2019-04-10T11:51:01","modified_gmt":"2019-04-10T09:51:01","slug":"putins-notruf-und-kaum-einer-hoert-hin-betrachtungen-im-schatten-des-us-wahlkampfes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35758","title":{"rendered":"Putins Notruf \u2013 und kaum einer h\u00f6rt hin. Betrachtungen im Schatten des US-Wahlkampfes"},"content":{"rendered":"<p>Waldai 2016: Un&uuml;berh&ouml;rbar deutlich, und doch im Westen unter dem Get&ouml;se des amerikanischen Wahlkampfes nahezu ungeh&ouml;rt, schickte der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin als Hauptredner der dreizehnten Waldai-Konferenz vom Ende Oktober, die inzwischen als &ouml;stliches Gegenst&uuml;ck zur M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz gesehen werden muss, einen Notruf in die Welt: Nichts habe sich seit der letzten Konferenz zum Besseren gewendet, so leitete er seine Rede ein, tats&auml;chlich, w&auml;re es ehrlicher zu sagen, nichts habe sich ge&auml;ndert. Noch &bdquo;ehrlicher&ldquo; w&auml;re es, in Fortsetzung des Putinschen Komparativs festzustellen, dass genau dieses &bdquo;nichts&ldquo;, so paradox es klingen mag, das ist, was die Lage ver&auml;ndert hat &ndash; und zwar zum Schlechteren hin. Ein kurzer R&uuml;ckblick auf die Reden, die Putin bei den Konferenzen 2014 und 2015 hielt, mag das verdeutlichen und damit den Ton der Rede von 2016 verst&auml;ndlicher werden lassen. Von <strong>Kai Ehlers<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35758#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_21\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-35758-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161110_Putins_Notruf_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161110_Putins_Notruf_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161110_Putins_Notruf_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161110_Putins_Notruf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=35758-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161110_Putins_Notruf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"161110_Putins_Notruf_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Vom Angebot zur Mahnung<\/strong><\/p><p>Die Rede vom elften Treffen  2014 stand unter der Frage &bdquo;Weltordnung: Neue Regeln oder ein Spiel ohne Regeln?&ldquo;. Die Rede  enthielt, bei aller un&uuml;berh&ouml;rbaren Kritik an der Einkreisungspolitik des Westens, die alle Reden Putins seit seinem Auftritt auf der M&uuml;nchner &bdquo;Sicherheitskonferenz&ldquo; transportieren, ein klares Angebot. Angeboten wurde von Putin die aktive Beteiligung Russlands an der Stabilisierung der internationalen Ordnung durch gezielte gegenseitige Achtung und St&auml;rkung der Souver&auml;nit&auml;t aller Nationen auf Basis des f&uuml;r alle gleicherma&szlig;en geltenden V&ouml;lkerrechtes  im Rahmen ihrer Kooperation in der UNO. In dieses Angebot war die Wahrung der eigenen russischen Interessen ausdr&uuml;cklich mit eingeschlossen: <\/p><p>&bdquo;Russland hat seine Wahl getroffen&ldquo;, erkl&auml;rte Putin damals in voller Zuwendung zu Russlands &bdquo;Partnern&ldquo;, wie er seine westlichen Gegen&uuml;ber nannte, &bdquo;unsere Priorit&auml;ten bestehen in einer weiteren Vervollkommnung der demokratischen Institutionen und einer offenen Wirtschaft, in einer beschleunigten inneren Entwicklung unter Ber&uuml;cksichtigung aller positiven derzeitigen Tendenzen der Welt und der Konsolidierung der Gesellschaft auf Grundlage traditioneller Werte und des Patriotismus. Auf unserer Tagesordnung steht die Integration, diese Tagesordnung ist positiv und friedlich, wir arbeiten aktiv mit unseren Kollegen in der Eurasischen Wirtschaftsunion, der Shanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit, der BRICS und anderen Partnern zusammen. Diese Tagesordnung zielt auf die Entwicklung von Beziehungen der Staaten untereinander und nicht auf Absonderung. Wir haben nicht vor, irgendwelche Bl&ouml;cke zusammenzuzimmern oder uns in einen Schlagabtausch ziehen zu lassen. Jeder Grundlage entbehren auch Behauptungen, Russland sei bestrebt, irgendein Imperium wieder zu errichten oder verletze die Souver&auml;nit&auml;t seiner Nachbarstaaten. Russland verlangt nicht nach irgendeinem besonderen, au&szlig;erordentlichen Platz in der Welt, das m&ouml;chte ich betonen. Indem wir die Interessen der anderen achten, m&ouml;chten wir einfach, dass man auch unsere Interessen ber&uuml;cksichtigt und unsere Positionen achtet.&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>In einer Rede, die er am 29. September 2015 vor der UN-Vollversammlung zum  70. Jahrestag der Organisation, hielt, bekr&auml;ftigte Putin &uuml;brigens dieses Angebot noch einmal: &bdquo;Russland glaubt an das riesige Potential der UNO, das uns helfen sollte, eine globale Konfrontation  zu vermeiden und zur Strategie der Kooperation &uuml;berzugehen. Zusammen mit anderen Staaten  werden wir konsequent  auf die St&auml;rkung  der zentralen und koordinierenden  Rolle der UNO hinarbeiten.&ldquo;<\/p><p>2015, bei der 12. Waldai-Konferenz schlug Putin einen wesentlich besorgteren Ton an. Hintergrund war die Ausweitung der Konflikte von der Ukraine auf Syrien, der anhaltende Sanktionskrieg  gegen Russland und die ausufernde D&auml;monisierung Russlands in den westlichen Medien. Unter dem Thema &bdquo;Krieg und Frieden: Mensch, Staat und die Gefahr eines gro&szlig;en Konflikts im 21. Jahrhundert&ldquo; ging Putin die aktuellen Krisen-Schaupl&auml;tze durch: Ukraine, Syrien, IS, der Sanktionskrieg. Er betonte die Legitimit&auml;t des russischen Milit&auml;reinsatzes in Syrien, die im Einklang mit der Souver&auml;nit&auml;t des Landes stehe, im Gegensatz zur illegitimen Intervention der USA und der von ihr gef&uuml;hrten Koalition. Er warnte vor einer Teilung Syriens als &bdquo;schlimmstem Szenario&ldquo; und wurde schlie&szlig;lich sehr deutlich, als er erkl&auml;rte, nach der Entwicklung von Atomwaffen k&ouml;nne es in einem globalen Konflikt keine Sieger geben. Es liege klar auf der Hand, dass ein solcher Konflikt mit einer gegenseitigen Vernichtung zu Ende gehen w&uuml;rde. &bdquo;In dem Versuch, eine Waffe mit immer h&ouml;herer Zerst&ouml;rungskraft zu entwickeln&ldquo;, so Putins Fazit zum Thema der Tagung, &bdquo;machte der Mensch einen gro&szlig; angelegten Krieg sinnlos.&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] <\/p><p>In der westlichen Berichterstattung mutierte diese Passage selbstverst&auml;ndlich &ndash; so muss man es leider sagen &ndash; umgehend zur Drohung. <\/p><p><strong>2016: Bemerkenswerte Obert&ouml;ne<\/strong><\/p><p>Die aktuelle Rede vom Oktober 2016 unterscheidet sich von den zuletzt vorausgegangenen in bemerkenswerter Weise. Genau betrachtet zerf&auml;llt sie in drei Teile, von denen der erste und der letzte, so kann man es inzwischen schon sagen, im konventionellen Rahmen des gegenw&auml;rtigen Konfliktmanagements bleiben und deshalb hier nur kurz gestreift werden sollen.<\/p><p>Im ersten Teil der Rede f&uuml;hrt Putin die bisherige Kritik an der Politik des Westens zu einer offenen Anklage gegen die von den USA betriebene Politik des Regime-Change. Die USA gemeinsam mit ihren westlichen Verb&uuml;ndeten h&auml;tten die Chance einer globalen Verst&auml;ndigung, welche in den sp&auml;ten 80ern und fr&uuml;hen 90ern bestanden habe, bewusst ausgeschlagen. Im Ergebnis befinde sich das &bdquo;System der internationalen Beziehungen&ldquo; in einem &bdquo;fiebrigen Zustand&ldquo;, k&ouml;nne die globale &Ouml;konomie ihre &bdquo;Systemkrise&ldquo; nicht &uuml;berwinden. Im Schlussteil der Rede geht es Putin um aktuelle Ma&szlig;nahmen des Krisenmanegements. Er bekr&auml;ftigt die bekannte Position Russlands, &bdquo;dass Souver&auml;nit&auml;t die zentrale Idee des gesamten Systems der internationalen Beziehungen sei&ldquo;, um die herum allein Stabilit&auml;t auf nationaler und internationaler Ebene entwickelt werden k&ouml;nne. Als m&ouml;glichen Schritt in diese Richtung schl&auml;gt er die Entwicklung einer &bdquo;Art Marshall Plan&ldquo; f&uuml;r die Staaten des mittleren Ostens vor, dar&uuml;ber hinaus auch gleich den &Uuml;bergang zu Entlastungen und Aufbauhilfe f&uuml;r andere schwache Staaten, <\/p><p><strong>Mahnungen an die &bdquo;Eliten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Zwischen der konventionellen Einleitung, in der Putin die Systemkrise konstatiert, und dem pragmatischem Schlussteil des Minimalprogramms zur Stabilisierung des Mesopotamischen Raumes,  f&uuml;hrt der Hauptteil der Rede, ankn&uuml;pfend an seine Charakterisierung der globalen Lage als &bdquo;fiebrige Situation,  in eine ganz andere Dimension: <\/p><p>Die Frage stelle sich, so Putin, &bdquo;was erwartet die Welt, wenn die Dinge sich in dieser Weise fortsetzen? Was f&uuml;r eine Welt werden wir morgen haben? Haben wir Antworten auf die Fragen, wie Stabilit&auml;t, Sicherheit und ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum zu gew&auml;hrleisten sind?&ldquo;<\/p><p>Und er beantwortet diese Frage im n&auml;chsten Atemzug gleich selbst: &bdquo;Traurig zu sagen, es gibt keinen Konsens zu diesen Fragen in der heutigen Welt. Mag sein, dass Sie in Ihren Diskussionen zu einigen allgemeinen Schl&uuml;ssen gekommen sind, und ich w&auml;re nat&uuml;rlich interessiert, sie zu h&ouml;ren. Aber es ist sehr klar, dass es einen Mangel an Strategie und Ideen f&uuml;r die Zukunft gibt. Das l&auml;sst ein Klima der Unsicherheit entstehen, das direkte Folgen auf die &ouml;ffentliche Stimmung hat.&ldquo;<\/p><p>Soziologische Studien rund um die Welt zeigten, so Putin, dass die Menschen in  verschiedenen L&auml;ndern  und auf verschiedenen Kontinenten dazu tendierten, die Zukunft tr&uuml;be und &ouml;de zu sehen. Dies sei bedauerlich. Die Zukunft verlocke sie nicht, sondern &auml;ngstige sie. Zugleich s&auml;hen sie keine realen M&ouml;glichkeiten, irgendetwas zu &auml;ndern, Einfluss zu nehmen und Politik zu gestalten. Selbst in den entwickeltsten Demokratien habe die Mehrheit der B&uuml;rger keinen wirklichen Einfluss auf die politischen Prozesse und auf die Macht. Die Menschen f&uuml;hlten eine zunehmende Kluft zwischen ihren Interessen und den Vorstellungen der &bdquo;Eliten&ldquo; vom  &bdquo;einzig richtigen Weg, einem Weg, den die Eliten selbst bestimmen.&ldquo; Ergebnis: Referenden und Wahlen br&auml;chten immer &ouml;fter &Uuml;berraschungen f&uuml;r die Autorit&auml;ten hervor. Diese Entwicklung k&ouml;nne nicht einfach als &bdquo;populistische&ldquo; Radikalisierung abgetan werden, vielmehr gehe es hier um &bdquo;gew&ouml;hnliche Menschen, normale B&uuml;rger, die ihr Vertrauen in die herrschende Klasse verlieren.&ldquo;! <\/p><p>Es stelle sich schlie&szlig;lich die Frage: &bdquo;Wer ist tats&auml;chlich die Randgruppe? Die expandierende Klasse der supranationalen Oligarchie und B&uuml;rokratie, die in der Tat oft nicht gew&auml;hlt ist und die nicht durch die Gesellschaft kontrolliert werden kann, oder die Mehrheit der B&uuml;rger, die einfache und klare Dinge wollen &ndash; Stabilit&auml;t, freie Entwicklung ihrer L&auml;nder, Aussichten f&uuml;r ihr Leben und das ihrer Kinder, Bewahrung ihrer kulturellen Identit&auml;t und, schlie&szlig;lich, Sicherheit f&uuml;r sich und ihre Lieben.&ldquo;<\/p><p>Es folgen noch Ausf&uuml;hrungen zum internationalen Terrorismus, der von einer fernen Bedrohung zu einer allt&auml;glichen geworden sei. Man solle denken, so Putin, dass nach langen Verhandlungen nun eine gemeinsame Front gegen den Terrorismus zustande gekommen sei. Aber leider zeigten die westlichen L&auml;nder  das &bdquo;unerkl&auml;rliche und ich w&uuml;rde sagen irrationale Verlangen&ldquo;, immer wieder dieselben Fehler zu machen wie zuvor schon in Afghanistan, Irak, Libyen, jetzt in Syrien, zu glauben n&auml;mlich, man k&ouml;nne Terroristen in gem&auml;&szlig;igte, die man f&uuml;r eigene Ziele benutzen k&ouml;nne, und radikale unterscheiden. <\/p><p>Aber dies, so Putin, sei ein sehr gef&auml;hrliches Spiel, und er wende sich noch einmal an die &bdquo;Spieler&ldquo;: &bdquo;Die Extremisten sind in diesem Falle schlauer, cleverer, und st&auml;rker als ihr, und wenn ihr diese Spiele mit ihnen spielt, werdet ihr immer verlieren.&ldquo;<\/p><p>Un&uuml;berh&ouml;rbar schwingt hier die Warnung vor m&ouml;glichen Unruhen und Revolten mit. Als Pr&auml;sident Russlands, das von Revolutionen mehr als jedes andere Land gesch&uuml;ttelt wurde, wei&szlig; Putin, wovon er spricht. <\/p><p><strong>Und dazu die USA: Koinzidenz des Unvereinbaren<\/strong><\/p><p>Putins mahnende Worte zur Abgehobenheit der &bdquo;Eliten&ldquo;, zum schwindenden Vertrauen der Bev&ouml;lkerungen in ihre Regierungen, zu den daraus hervorgehenden Tendenzen der Selbstorganisation kamen zu einer Zeit, in der die USA sich in einem erschreckend inhaltlosen Wahlkampf  selbst zerfleischten. <\/p><p>Lassen wir hierzu eine Stimme aus der Zahl der besten Freunde der USA zu Wort kommen, der &bdquo;Frankfurter Allgemeine Zeitung. <\/p><p>In einem Kommentar kurz vor der Wahl kam sie zu folgendem Fazit: &bdquo;Schlammschlachten um das Wei&szlig;e Haus  gab es in der langen Geschichte  der amerikanischen Demokratie auch fr&uuml;her.  Doch steht zu bef&uuml;rchten, dass die j&uuml;ngste nicht am Wahltag endet.  In Amerika tobt ein neuer, ein politischer B&uuml;rgerkrieg, in dem nicht nur schwarze B&uuml;rger gegen wei&szlig;e Polizisten und die Demokraten gegen die Republikaner k&auml;mpfen, sondern auch die Angeh&ouml;rigen einer sich um den amerikanischen Traum betrogen f&uuml;hlenden Unter- und Mittelschicht gegen das politische und &ouml;konomische `Establishment&acute;. Dieses ist auch selbst gespalten. In ihm tritt der Isolationismus gegen den Interventionismus an und der &Uuml;berrest des amerikanischen Missionsglaubens gegen &sbquo;America First&ldquo;. (&hellip;) Die F&uuml;hrungsmacht des demokratischen Westens (&hellip;) droht in einer Zeit an sich selbst zu scheitern, in der sie in der Weltpolitik als ein den Werten der liberalen Demokratie verpflichteter Stabilit&auml;tsanker und global agierender Ordnungsfaktor gebraucht w&uuml;rde wie selten zuvor.&ldquo; &lsquo;&hellip;[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>&bdquo;Der russische Pr&auml;sident&ldquo;, hei&szlig;t es dann zu Begr&uuml;ndung der aus dem Zustand der USA resultierenden Gefahr, &bdquo;betreibt eine aggressive, remilitarisierte Au&szlig;enpolitik unter Missachtung internationaler Regeln und Prinzipien, um sein Regime  zu sichern und um von den Missst&auml;nden im Inland abzulenken. Er nutzt f&uuml;r seine Zwecke nun auch das Machtvakuum und das Chaos, das Washington  nach dem Abzug aus dem Irak im Nahen Osten  hinterlie&szlig;.&ldquo; Auch China wolle Supermacht werden. Die T&uuml;rkei drohe  zu einer islamistischen Pr&auml;sidialdiktatur zu werden.  Die EU stecke in der schlimmsten Krise ihrer Geschichte. Kurz: &bdquo;Die freie Welt wird von L&auml;hmung und Spaltung und Zerfall geplagt und nicht nur in Moskau, sondern auch in den westlichen V&ouml;lkern  finden manche, das geschehe ihr recht.&ldquo;<\/p><p><strong>F&uuml;hrungswechsel?<\/strong><\/p><p>Was, fragt man sich, hat dies alles zu bedeuten? Was kann aus dem Zusammentreffen dieser von Putin in Waldai beschworenen und von den USA in ihrem irren Wahlkampf vorgef&uuml;hrten gro&szlig;en Leere bei den &bdquo;Eliten&ldquo; und der wachsenden Unzufriedenheit der &bdquo;Menschen&ldquo;  entstehen? Ist das amerikanische Zeitalter mit einem Donald Trump als zuk&uuml;nftigem Pr&auml;sidenten nun an ihren Tiefpunkt gelangt? Wird Russland neue globale F&uuml;hrungsmacht, die zusammen mit Europa ein eurasisches Zeitalter er&ouml;ffnet? Steht China vor der T&uuml;r? Oder gar die T&uuml;rkei als Wiedergeburt osmanischer Gr&ouml;&szlig;e? <\/p><p>Mitnichten. Spekulationen dieser Art verbieten sich. Sicher ist allein, dass die Grundfragen der gegenw&auml;rtigen &Uuml;bergangsepoche die herrschenden politischen M&auml;chte an eine Grenze f&uuml;hren, die zu &uuml;berschreiten, nicht nur neue Formen der Politik erfordert, sondern auch neue Orientierungen n&ouml;tig macht, &uuml;ber die heute in keinem der herrschenden L&auml;nder, genauer bei keiner ihrer &bdquo;Eliten&ldquo; eine Vorstellung besteht. <\/p><p>Deutlich tritt die Frage zutage, auf die es bisher keine Antwort gibt: Wie will, wie kann die Menscheit leben in einer Welt, die durch profitorientierte Automation und bei gleichzeitigem Wachstum der Weltbev&ouml;lkerung immer mehr Menschen hervorbringt, die als &bdquo;&Uuml;berfl&uuml;ssige&ldquo; an den Rand der Gesellschaften gedr&auml;ngt werden?<\/p><p>Angesichts dieser Lage ist Putins Stimme zurzeit die vern&uuml;nftigste, wenn er zur Einhaltung des geltenden Rahmens internationaler Beziehungen und zu &bdquo;wahrer F&uuml;hrungskraft&ldquo; aufruft, die darin bestehe, konkrete Wege der Friedenssicherung aufzuzeigen. Was eine von Trump angef&uuml;hrte US-Regierung bringt, wird sich bald  zeigen.<\/p><p>Eine nachhaltige L&ouml;sung liegt allerdings auch in Putins Notruf nicht. Blo&szlig;es Krisenmanagement muss letztlich in Stagnation enden, solange die Perspektiven nicht &uuml;ber die &bdquo;Sicherung des Wachstums&ldquo; hinausweisen &ndash; denn das heute herrschende Verst&auml;ndnis von Wachstum ist ja gerade die Ursache der Konflikte.<\/p><p>Bleibt also nur die Hoffnung, dass die von  Putin genannten weltweiten Impulse aus den unruhig werdenden Bev&ouml;lkerungen, selbst die Dinge in die Hand nehmen zu wollen, die &bdquo;Eliten&ldquo; zwingen neue Wege zu gehen &ndash; oder selber zu gehen. Ob das auch seine eigene Perspektive ist, lie&szlig; Putin in seiner Rede offen. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>] <strong>Kai Ehlers<\/strong> ist Journalist, Publizist und Schriftsteller. Sein Spezialgebiet ist die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des post-sowjetischen Raumes. Viele seiner Artikel sind auf der Seite <a href=\"http:\/\/www.kai-ehlers.de\">Kai-Ehlers.de<\/a> nachzulesen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Siehe dazu auch: Kai Ehlers, &ldquo;Wladimir Putins Botschaft an den Westen &ndash; ein Zeitfenster f&uuml;r Alternativen&ldquo;, nachzulesen u.a. auf <a href=\"http:\/\/www.kai-ehlers.de\">kai-ehlers.de<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] sputniknews &ndash; <a href=\"https:\/\/de.sputniknews.com\/politik\/20151022305127363-garantierte-gegenseitige-vernichtung\/\">Putin: In globalem Konflikt unter Einsatz von Atomwaffen gibt es keine Sieger<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Diesdes und die folgenden drei Zitate aus &bdquo;Selbstm&ouml;rderische Suoermacht&ldquo;, Kommentar in der FAZ vom 5.11.2016<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Waldai 2016: Un&uuml;berh&ouml;rbar deutlich, und doch im Westen unter dem Get&ouml;se des amerikanischen Wahlkampfes nahezu ungeh&ouml;rt, schickte der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin als Hauptredner der dreizehnten Waldai-Konferenz vom Ende Oktober, die inzwischen als &ouml;stliches Gegenst&uuml;ck zur M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz gesehen werden muss, einen Notruf in die Welt: Nichts habe sich seit der letzten Konferenz zum Besseren<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35758\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,170,166,161],"tags":[374,633,915,1418,259,1553,260,639,1989,1019],"class_list":["post-35758","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-terrorismus","category-wertedebatte","tag-eliten","tag-politikerverdrossenheit","tag-putin-wladimir","tag-regime-change","tag-russland","tag-syrien","tag-ukraine","tag-uno","tag-waldai-konferenz","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35758","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35758"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35758\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50853,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35758\/revisions\/50853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}