{"id":35802,"date":"2016-11-14T09:08:53","date_gmt":"2016-11-14T08:08:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35802"},"modified":"2022-11-16T10:03:22","modified_gmt":"2022-11-16T09:03:22","slug":"wer-vom-freihandel-nicht-reden-will-sollte-auch-von-fluchtursachen-schweigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35802","title":{"rendered":"\u201eWer vom Freihandel nicht reden will, sollte auch von Fluchtursachen schweigen\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161114_horn.jpg\" alt=\"Florian Horn\" title=\"Florian Horn\"><\/div><p>Der Westen gibt sich gern als Moralinstanz der gesamten Welt: Freiheit und Demokratie gebe es hier und sch&uuml;tze man &uuml;berall. Vergessen werden dabei oft all die V&ouml;lkerrechts- und Menschheitsverbrechen, denen sich der Westen schuldig machte und weiterhin macht. Die unheilvollen und &uuml;berdies <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35408\">illegalen Kriege<\/a>, mit denen er die Welt seit Jahren &uuml;berzieht. Die Tatsache, dass der Reichtum des globalen Nordens Grund f&uuml;r die Armut des globalen S&uuml;dens ist. Und etwa, dass der Freihandel in seiner jetzigen Form wenig Anderes als modernen Kolonialismus darstellt, auf den das Wort von Daniela Dahn auf den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30582\">NachDenkSeiten<\/a> wunderbar trifft: &bdquo;Unser Recht ist die Scharia der Konzerne.&ldquo; Es geht um Profit, nicht Menschenleben. Fast immer, fast &uuml;berall. Welche Folgen das hat, besprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>Florian Horn<\/strong>, Projektmanager im B&uuml;ro Br&uuml;ssel der Rosa-Luxemburg-Stiftung.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9994\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-35802-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161114_Freihandel_und_Fluchtursachen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161114_Freihandel_und_Fluchtursachen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161114_Freihandel_und_Fluchtursachen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161114_Freihandel_und_Fluchtursachen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=35802-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161114_Freihandel_und_Fluchtursachen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"161114_Freihandel_und_Fluchtursachen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Horn, vor Kurzem veranstaltete die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Br&uuml;ssel die Konferenz &bdquo;<a href=\"http:\/\/de.rosalux.eu\/veranstaltungen\/eventdetail\/event\/freihandel-und-das-recht-nicht-auszuwandern\/\">Freihandel und das Recht (nicht) auszuwandern<\/a>. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich meine: Welthandel mit Flucht und Migration?<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst ist es notwendig, pr&auml;zise darin zu bleiben, wovon wir genau sprechen. Denn wenn wir von Freihandel sprechen, so bedeutet das, &uuml;ber eine bestimmte Form zu sprechen, wie internationaler Handel organisiert wird. <\/p><p>Anwar Shaikh von der New School in New York sprach diesbez&uuml;glich auf unserer Konferenz von den &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.attac.de\/fileadmin\/user_upload\/Kampagnen\/ttip\/TTIP-Mythen.pdf\">Mythen des Freihandels<\/a>&ldquo;. Also Freihandel als Ideologie, die wundersame Ergebnisse verspricht, wenn Staaten ihre M&auml;rkte komplett &ouml;ffnen. <\/p><p>Eines dieser Versprechen ist zum Beispiel, dass Freihandel zu Vollbesch&auml;ftigung in allen L&auml;ndern f&uuml;hrt. Stattdessen haben wir es mit einer hohen Zahl von Arbeitslosen sowie wachsender Ungleichheit weltweit zu tun &ndash; und zwar sowohl zwischen als auch innerhalb einzelner Staaten. <\/p><p>Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Menschen versuchen, dieser Ungleichheit zu entkommen und dorthin zu gehen, wo es Jobs gibt. Handelspolitik und Migrationspolitik sind daher untrennbar miteinander verbunden. <\/p><p>Und, auch das ist wichtig: Aus Sicht der Arbeitgeber ist Migrationspolitik ein System zur Versorgung mit Arbeitskr&auml;ften.<\/p><p><strong>Welche konkreten Probleme verursachen sogenannte &bdquo;Freihandelsabkommen&ldquo;, die man den B&uuml;rgern ja &uuml;blicherweise mit dem Versprechen, sie steigerten den Wohlstand aller Beteiligten, verkauft?<\/strong><\/p><p>Wie gesagt, die Versprechen des Freihandels basieren auf, vorsichtig gesagt, &auml;u&szlig;erst fragw&uuml;rdigen Pr&auml;missen. Zum Beispiel, dass Freihandel zu Vollbesch&auml;ftigung sowie zu ausgeglichenem Handel zwischen Staaten f&uuml;hre. Der enorme Handels&uuml;berschuss von Deutschland im Handel mit den anderen Mitgliedsstaaten der Europ&auml;ischen Union zeigt aber genau das Gegenteil. <\/p><p>Ein weiteres Beispiel: Seit dem Beginn des Freihandelsabkommens zwischen den USA und Mexiko, kurz NAFTA, hat sich die Handelsbilanz zwischen beiden L&auml;ndern dramatisch auseinanderentwickelt, entgegen den Versprechen des Freihandels, und &uuml;brigens zugunsten Mexikos. Davon haben die meisten Menschen in Mexiko jedoch gar nichts, denn die Armutsquote in Mexiko ist seit Beginn des Abkommens unver&auml;ndert hoch. <\/p><p>Und das zeigt eben auch zweitens, dass das Wohlstandsversprechen des Freihandels nur wenig &uuml;ber die Verteilung des Wohlstandes in einem Land aussagt, zum Beispiel in Mexiko oder in Deutschland. Freihandel steigert also nicht per se den Wohlstand aller Beteiligten, sondern erzeugt wenige Gewinner und viele Verlierer. <\/p><p>Dass sich die Versprechen des Freihandels trotzdem so hartn&auml;ckig halten, ist ein gro&szlig;es Problem, denn mit den tats&auml;chlichen Folgen des Freihandels hat dieses Versprechen nichts zu tun. <\/p><p><strong>Das hei&szlig;t, die Art und Weise, wie die globalen Handelsbeziehungen organisiert sind, sorgt f&uuml;r Armut und Elend am anderen Ende der Welt und damit auch zu Flucht und Armutsmigration? Inwiefern genau?<\/strong><\/p><p>Auch hier lohnt sich der Blick nach Nordamerika: Seit dem Abschluss von NAFTA hat sich die Zahl der in den USA arbeitenden Menschen aus Mexiko vervielfacht. Sch&auml;tzungsweise 12 Millionen Mexikanerinnen und Mexikaner leben und arbeiten heute in den USA, das sind knapp 10 Prozent der Bev&ouml;lkerung Mexikos. In Mexiko hat die &Ouml;ffnung der M&auml;rkte durch NAFTA zu drastischen Einbr&uuml;chen in der Landwirtschaft gef&uuml;hrt, dort werden jetzt beispielsweise massenweise Mais und Schweinefleisch aus den USA importiert. Dadurch haben hunderttausende mexikanische Farmer ihre Lebensgrundlage verloren. Viele von ihnen arbeiten inzwischen in den Vereinigten Staaten, oft f&uuml;r genau jene Unternehmen, die mit ihren Exporten zuvor die lokalen M&auml;rkte in Mexiko zerst&ouml;rt haben. <\/p><p>Gleichzeitig hat die Verlagerung von Montagefabriken in die Grenzregion von Mexiko auch zahlreiche Jobs in den USA vernichtet. NAFTA hat also nicht nur Menschen aus Mexiko vertrieben, sondern auch Menschen innerhalb der USA, wo ehemalige Industrieregionen wie Detroit nun brachliegen.<\/p><p>Das gilt nat&uuml;rlich auch f&uuml;r die Handelspolitik zwischen der EU und Afrika. Auch dort wurden durch Markt&ouml;ffnung afrikanische Bauern in den Ruin getrieben. Gerade dr&uuml;ckt die EU die sogenannten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen, kurz EPA, mit verschiedenen Regionen Afrikas durch. Dadurch werden den dortigen Regierungen M&ouml;glichkeiten zur Steuerung der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung genommen und Versuche eigener regionaler wirtschaftlicher Integration untergraben. Somit wird weiter Perspektivlosigkeit f&uuml;r Menschen geschaffen. <\/p><p>Boniface Mabanza wies auf unserer Konferenz darauf hin, dass der Schaden, den diese Handelspolitik in Afrika anrichtet, enorm ist. Verglichen damit sei die Zahl der Menschen, die sich auf den Weg nach Europa machten, sehr gering.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/juVPcPANy6Y?rel=0&amp;showinfo=0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center\"><strong>Rosa-Luxemburg-Stiftung: &bdquo;Freihandel verursacht Flucht&ldquo;<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Gilt also, was Daniela Dahn unl&auml;ngst <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30582\">sagte<\/a>: &bdquo;Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch von Fluchtursachen schweigen&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Unbedingt. Durch NAFTA wurde die mexikanische Wirtschaft stark in die Wertsch&ouml;pfungsketten US-amerikanischer Unternehmen integriert. Entsprechend hart wurde die mexikanische Wirtschaft deshalb von der dortigen Krise des Jahres 2008 getroffen. Tausende Arbeiterinnen in den Produktionsst&auml;tten der mexikanischen Grenzregion verloren ihre Jobs. Und sehr viele von ihnen gingen daraufhin nach Norden &uuml;ber die Grenze, um einen neuen Job zu finden, und wurden somit zugleich illegalisiert und kriminalisiert. Denn nat&uuml;rlich erh&auml;lt nur ein Teil von ihnen ein Arbeitsvisum f&uuml;r die USA. Wer also von Freihandel nicht reden will, sollte auch von Fluchtursachen schweigen. <\/p><p><strong>Was halten Sie diesbez&uuml;glich von aktuellen Medienkampagnen, die Proteste gegen TTIP pauschal <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/49\/49455\/1.html\">in die rechte Ecke stellen<\/a> oder das Insistieren auf die Notwendigkeit, &uuml;ber Fluchtursachen zu diskutieren, als reaktion&auml;r verdammen? <\/strong><\/p><p>Das halte ich f&uuml;r gro&szlig;en Unsinn. Die Proteste gegen TTIP sind ja auch als Teil einer langen Folge von Protesten gegen die neoliberale Handelspolitik seit Ende der 70er Jahre zu verstehen, zum Beispiel gegen das Multilaterale Investitionsschutzabkommen, kurz MAI, in den 90ern. Es w&auml;re absurd, das Engagement f&uuml;r eine gerechtere Handelspolitik so vieler Menschen weltweit, ob in Seattle oder Genua, als &bdquo;rechts&ldquo; zu verunglimpfen. <\/p><p>Auch wegen dieses Protests ist es der Welthandelsorganisation schlie&szlig;lich nicht gelungen, ihre marktradikale Agenda umzusetzen. Und TTIP und TiSA, und durch die Hintert&uuml;r auch CETA, sind ja genau der Versuch, durch bilaterale oder regionale Mega-Handelsabkommen vieles von dem nun dennoch durchzusetzen, und zwar an der Welthandelsorganisation vorbei, was bisher zum Gl&uuml;ck verhindert werden konnte. <\/p><p>Wenn TTIP durchk&auml;me, so w&uuml;rde das nat&uuml;rlich auch andere L&auml;nder unter Zugzwang setzten, all das zu akzeptieren, was in TTIP steht, ob Investitionsgerichtsh&ouml;fe oder Einmischung durch transnationale Unternehmen in Umweltschutz- und Arbeitsrechtspolitik usw. Insofern betrifft TTIP auch den Globalen S&uuml;den.<\/p><p>Zur Notwendigkeit der Bek&auml;mpfung von Fluchtursachen wird heute ja viel gesprochen und im Prinzip fu&szlig;t auch die ganze Entwicklungszusammenarbeit auf dieser Idee. Die Frage ist aber Wie? Daher war unser Anliegen, diese Konferenz zu machen, um auch Stimmen aus dem Globalen S&uuml;den anzuh&ouml;ren, zum Beispiel aus Mexiko, Argentinien und Mali. Und unseren G&auml;sten war es sehr wichtig, &uuml;ber Fluchtursachen zu sprechen. Aminata Traor&eacute; aus Mali sagte sehr deutlich, dass viele afrikanische L&auml;nder, die bereits durch die Strukturreformen der 80er Jahre weitestgehend deindustrialisiert wurden, durch die Freihandelsabkommen mit der EU nun auf eine Katastrophe zusteuern w&uuml;rden. <\/p><p>Insofern gilt, dass die &Ouml;ffnung der M&auml;rkte und die Schaffung von Fl&uuml;chtlingen, dass beides eben zwei Seiten einer Medaille sind. <\/p><p><strong>Was t&auml;te Ihrer Meinung nach und nach Auffassung der Konferenzteilnehmer not, um zum einen den Welthandel gerechter zu machen und zum anderen Fluchtursachen zu beseitigen?<\/strong><\/p><p>David Bacon, Fotojournalist und langj&auml;hriger Gewerkschaftsaktivist aus den Vereinigten Staaten, berichtete auf unserer Konferenz &uuml;ber die Forderung von mexikanischen Gewerkschaftsaktivisten nach einem &bdquo;Recht, nicht migrieren zu m&uuml;ssen&ldquo;, was ja auch Teil des Titels unserer Konferenz war. <\/p><p>Dabei geht es um die Forderung, dass der internationale Handel so gestaltet werden muss, dass er nicht die Lebensgrundlagen von Menschen im Globalen S&uuml;den zerst&ouml;rt und sie so in die Migration zwingt. Daf&uuml;r gibt es bereits konkrete Vorschl&auml;ge, wie etwa das &bdquo;alternative Handelsmandat&ldquo;, aber auch den &bdquo;Handelsvertrag der V&ouml;lker&ldquo;, der von der Bolivarianischen Allianz f&uuml;r Amerika angesto&szlig;en wurde.  <\/p><p>Zudem ist Solidarit&auml;t zwischen den Arbeiterinnen und Arbeitern aus Nord und S&uuml;d wichtig. Denn das Wirtschaftssystem in den entwickelten Industrienationen ist ja auf diese billigen Arbeitskr&auml;fte angewiesen, auf Feldarbeiter aus Afrika und Mexiko, Zentralamerika und so weiter. Diesen Arbeitskr&auml;ften werden aber nur niedrige L&ouml;hne gezahlt, kaum h&ouml;her als in Mexiko, Zentralamerika oder Afrika. Das betrifft tausende Arbeiterinnen und Arbeiter aus Afrika, welche in S&uuml;deuropa die Tomaten pfl&uuml;cken, die wir t&auml;glich im Supermarkt kaufen. <\/p><p>David Bacon nennt das eine imperialistische Arbeitsmarktpolitik, die kapitalistischen Eliten sprechen lieber von gesteuerter Migration, die &uuml;brigens auch in Handelsabkommen eine Rolle spielt. Um das zu beseitigen, m&uuml;ssen nat&uuml;rlich die Rechte migrantischer Arbeitskr&auml;fte gest&auml;rkt werden. Wie das beispielsweise die Landarbeitergewerkschaft SOC\/SAT in Andalusien macht, die sich f&uuml;r die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern in den Gew&auml;chsh&auml;usern im S&uuml;den Spaniens einsetzt.  <\/p><p>Es braucht also <em>beides<\/em>, wie es die mexikanischen Gewerkschaftsaktivisten ausdr&uuml;cken, von denen wir hier noch viel lernen k&ouml;nnen: &bdquo;Wir brauchen unsere Rechte als Arbeiter und Migranten und ebenso das Recht auf eine wirtschaftliche Entwicklung, die Migration zu einem freiwilligen Akt macht.&ldquo;<\/p><p><strong>Die Ursachen f&uuml;r Flucht &hellip; m&uuml;ssen also auch, wenn nicht vor allem im globalen Norden beseitigt werden? Wie genau?<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst d&uuml;rfen nat&uuml;rlich keine obsz&ouml;nen Handelsvertr&auml;ge mit weniger entwickelten L&auml;ndern geschlossen werden, denn diese L&auml;nder m&uuml;ssen ein Recht auf eigene wirtschaftliche Entwicklung haben. Auch die heutigen starken L&auml;nder haben ihre St&auml;rke ja dadurch erreicht, dass sie ihre eigene Wirtschaft durch gezielte Ma&szlig;nahmen aufgebaut haben. Das gilt f&uuml;r England, Deutschland, die USA &ndash; ebenso aber auch f&uuml;r S&uuml;dkorea und China.<\/p><p>Zweitens muss die neoliberale Freihandelsagenda grundlegend hinterfragt werden, auch f&uuml;r den Handel zwischen den L&auml;ndern des Nordens. Es gibt Studien, die zeigen, dass zum Beispiel durch TTIP sowohl Arbeitspl&auml;tze in den Vereinigten Staaten als auch in der EU vernichtet w&uuml;rden. Handelspolitik darf nicht allein den Gro&szlig;konzernen dienen. Daher braucht es in Handelsvertr&auml;gen verbindliche Klauseln zum Schutz von Umweltstandards, Arbeitnehmerrechten usf.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus gibt es nat&uuml;rlich auch berechtigte Forderungen, der enormen Umverteilung von Arm nach Reich, die solche Handelspolitik ausl&ouml;st, entgegenzusteuern. Wenn im S&uuml;den ganze Regionen zugrunde gehen, weil die Arbeitskr&auml;fte nach Norden auswandern, woher soll dann das Geld f&uuml;r die notwendige &ouml;ffentliche Infrastruktur kommen? Von R&uuml;ck&uuml;berweisungen werden ja keine Schulen oder Krankenh&auml;user gebaut. Das Problem sehen wir &uuml;brigens auch in Teilen S&uuml;deuropas.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Florian Horn<\/strong> ist Projektmanager im B&uuml;ro Br&uuml;ssel der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind europ&auml;ische Handels-, Wirtschafts- und Migrationspolitik.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Reader: Manuel P&eacute;rez-Rocha&#8203;: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.rosalux.eu\/fileadmin\/user_upload\/ttip-beware-june2015.pdf\">TTIP: Why the World Should Beware<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\"><strong>eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/strong><\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/aa911889ebdd470989fc4a517d9d4b62\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161114_horn.jpg\" alt=\"Florian Horn\" title=\"Florian Horn\"\/><\/div>\n<p>Der Westen gibt sich gern als Moralinstanz der gesamten Welt: Freiheit und Demokratie gebe es hier und sch&uuml;tze man &uuml;berall. Vergessen werden dabei oft all die V&ouml;lkerrechts- und Menschheitsverbrechen, denen sich der Westen schuldig machte und weiterhin macht. Die unheilvollen und &uuml;berdies<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35802\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,37,209,123,132,30],"tags":[1223,1913,1585,1055,895,499,233,1570,1221,288,479,894,687,1556,291,510,601],"class_list":["post-35802","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-globalisierung","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-afrika","tag-ceta","tag-dahn-daniela","tag-fluechtlinge","tag-freihandel","tag-handelsbilanz","tag-marktliberalismus","tag-mexiko","tag-perspektivlosigkeit","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-reservearmee","tag-ttip","tag-ungleichheit","tag-usa","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-vollbeschaeftigung","tag-wto"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35802"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35802\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90432,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35802\/revisions\/90432"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}