{"id":35908,"date":"2016-11-21T09:36:51","date_gmt":"2016-11-21T08:36:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35908"},"modified":"2022-11-16T10:02:31","modified_gmt":"2022-11-16T09:02:31","slug":"der-fluch-des-reichtums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35908","title":{"rendered":"Der Fluch des Reichtums"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161121_burgis.jpg\" alt=\"Tom Burgis\" title=\"Tom Burgis\"><\/div><p>In mancher Hinsicht ist Afrika der wohl reichste Kontinent der Welt: Ein Drittel der weltweiten Rohstoffvorkommen liegt hier unter der Erdoberfl&auml;che. F&uuml;r die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung bedeutet dieser Reichtum allerdings weit mehr Fluch als Segen. Denn ein kriminelles Netzwerk aus zwielichtigen H&auml;ndlern, internationalen Gro&szlig;konzernen und kapitalistischen Freibeutern hat sich den Zugang zu den Ressourcen gesichert und greift die Gewinne systematisch ab. Eine Art Neokolonialismus hat sich entwickelt, der daf&uuml;r sorgt, dass sich vor Ort kaum etwas zum Besseren entwickeln kann, dass die Eliten korrupt sind und bleiben und die allgemeine Bev&ouml;lkerung wie seit Jahrhunderten bereits konsequent unterdr&uuml;ckt und in Elend gehalten wird. Zur Situation vor Ort sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit Auslandsreporter <strong>Tom Burgis<\/strong>, dessen <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/der-fluch-des-reichtums\/\">aktuelles Buch<\/a> das Zusammenspiel von Warlords, Konzernen, Schmugglern und der Pl&uuml;nderung Afrikas thematisiert.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1840\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-35908-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161121_Der_Fluch_des_Reichtums_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161121_Der_Fluch_des_Reichtums_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161121_Der_Fluch_des_Reichtums_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161121_Der_Fluch_des_Reichtums_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=35908-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161121_Der_Fluch_des_Reichtums_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"161121_Der_Fluch_des_Reichtums_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Burgis, gerade erschien Ihr neues Buch &bdquo;Der Fluch des Reichtums&ldquo;. Was d&uuml;rfen wir uns unter diesem &bdquo;Fluch&ldquo; vorstellen? Werben Sie um Empathie mit den elendigen Reichen, die ja oft an Liebeskummer, Depressionen und anderem laborieren?<\/strong><\/p><p>Ich stelle zwar nicht in Frage, dass Depressionen und andere Beschwerden zwischen Arm und Reich nicht unterscheiden, will mit meinem Buch jedoch nicht f&uuml;r Mitleid mit den Reichen werben. <\/p><p>Tats&auml;chlich ist der Fluch etwas, was <em>Nationen<\/em> widerf&auml;hrt. Nehmen Sie zum Beispiel das &Ouml;l. Jedes Land in Afrika mit einer nennenswerten Erd&ouml;lproduktion &ndash; ebenso wie weltweit fast alle L&auml;nder &ndash; ist beherrscht von Gewalt, wird schlecht regiert und ist, ausgenommen von einer winzigen, ultrareichen F&uuml;hrungselite, bitterarm. Das ist kein Zufall. Ein &Uuml;berma&szlig; an &Ouml;l oder anderen wertvollen Mineralien, wie etwa Gold oder Diamanten, ist die Grundzutat f&uuml;r Korruption und Kleptokratie. Es bewirkt, dass das nationale Einkommen in einen einzigen Topf flie&szlig;t, der von einer kleinen Gruppe kontrolliert wird. <\/p><p>Diese kleine Gruppe verteilt das Einkommen &ndash; bekannt als Ressourcenrente, da es im Wesentlichen nicht erwirtschaftet wurde &ndash; um sich einzuschmeicheln und um sicherzustellen, dass sie an der Macht bleibt. In Ressourcenstaaten brauchen die Herrschenden nicht die Steuern der B&uuml;rger, um den Staatsapparat zu finanzieren, und sie sind daher auch nicht auf ihre Zustimmung angewiesen. <\/p><p>Im Kontrast dazu stehen Gesellschaften mit einem gro&szlig;en produzierenden Gewerbe oder einer industrialisierten Landwirtschaft: eine gro&szlig;e Anzahl von Menschen bezahlt Steuern, alle mit Anspr&uuml;chen gegen&uuml;ber denjenigen, die in ihrem Namen regieren. <\/p><p>In einem ressourcenreichen Staat verzerrt der st&auml;ndige Zufluss ausl&auml;ndischer Dollars den Kurs der Landesw&auml;hrung und macht Importwaren billiger, wodurch die heimische Produktion und die Landwirtschaft untergraben werden. Wenn man in Nigeria, im Kongo oder im Sudan geboren wird, hat man die Wahl: entweder man lehnt das herrschende System der Machtvergabe durch Patronage ab und verhungert oder man unterst&uuml;tzt es, um den Lebensunterhalt der eigenen Familie zu sichern &ndash; im Wissen darum, dass man damit ein System am Leben erh&auml;lt, das den eigenen Kindern nur Elend bringen wird. Das ist der Fluch. <\/p><p><strong>Im Vorwort zu Ihrem Buch hei&szlig;t es: &bdquo;Ich begann den roten Faden zu sehen, der ein Massaker in einem angelegenen afrikanischen Dorf mit den Freuden und Bequemlichkeiten verbindet, die wir in den reichen Teilen der Welt genie&szlig;en. Er zieht sich durch die globalisierte Wirtschaft, von Kriegsgebieten bis zu den Gipfeln von Macht und Reichtum in New York, Hongkong und London.&ldquo; Um was f&uuml;r einen &bdquo;roten Faden&ldquo; geht es hier?<\/strong><\/p><p>Es ist derselbe Faden, der einst afrikanische D&ouml;rfer, deren junge M&auml;nner entf&uuml;hrt und in die Sklaverei verkauft wurden, mit den Tabakbaronen Amerikas und den Rauchern in London verband. Die materiellen Vorz&uuml;ge unseres westlichen Lebenswandels &ndash; Mobiltelefone, Autos, Laptops und so weiter &ndash; werden mit Rohstoffen geschaffen. Gro&szlig;e Mengen dieser Materialien lagern unter afrikanischem Boden. Diese Vorr&auml;te werden oft von multinationalen Konzernen auf dem Weltmarkt vertrieben, die mit unrechtm&auml;&szlig;igen Regimen in Afrika zusammenarbeiten, etwa in &Auml;quatorialguinea, im Kongo oder in Kamerun. <\/p><p>Allerdings gibt es auch &ndash; zumindest m&uuml;ssen wir das hoffen &ndash; einen Faden der Empathie. Die Globalisierung hat uns wirtschaftlich mit den Minenarbeitern im Ostkongo und den Milizen im Nigerdelta verbunden. Sind wir aber bereit, diese Logik konsequent zu verfolgen und uns individuell und als Gesellschaft der Verantwortung zu stellen; sind wir bereit, anzuerkennen, dass unser Handeln zu dem Unheil beitr&auml;gt, das die Rohstoffindustrie ihrem Leben zuf&uuml;gt?<\/p><p><strong>Sie argumentieren also nicht, &bdquo;die Reichen&ldquo; oder rohstoffreiche L&auml;nder w&auml;ren per se verflucht. Ihr Argument ist, dass die Weltwirtschaft daf&uuml;r sorgt, dass die internationale Ausbeutung armer L&auml;nder daf&uuml;r sorgt, dass Armut und Elend dort un&uuml;berwindbar scheinen? Wodurch genau geschieht das denn?<\/strong><\/p><p>Ich bin der Ansicht, dass der Ressourcenfluch nur extrem schwer zu bew&auml;ltigen ist. Man kann sagen, dass dies bis heute eigentlich nur Norwegen gelungen ist &ndash; wobei es entscheidend war, dass das Land bereits ein relativ hohes Wohlstandsniveau und starke politische Institutionen hatte, bevor es auf &Ouml;l stie&szlig;. Die afrikanischen L&auml;nder allerdings entdeckten das &Ouml;l &ndash; oder Diamanten oder Kupfer oder Stahl &ndash; bevor sie starke Institutionen ausbilden konnten. Deswegen hat die Ressourcenrente ihre politischen Systeme auch so stark korrumpiert. <\/p><p>Not gibt es tats&auml;chlich &uuml;berall, in reichen wie in armen L&auml;ndern. Ich bef&uuml;rchte auch, dass die Armut im gegenw&auml;rtigen System des Rohstoffabbaus durch globale M&auml;rkte un&uuml;berwindbar ist. Denn: Wie konnten die wohlhabenden Nationen der Welt einst die Armut &uuml;berwinden? Indem sie sich industrialisierten! Volkswirtschaften, die haupts&auml;chlich von Rohstoffexporten abh&auml;ngen, werden jedoch an der Industrialisierung gehindert: Durch die Verzerrungen im Wechselkurses verbilligen sich die Importe und die lokale Industrie wird untergraben. Die Regierungen geben lieber Geld f&uuml;rs Milit&auml;r als f&uuml;r das Gesundheits- oder Bildungssystem aus. <\/p><p>Damit setzt sich der Ressourcenfluch fort. Nur aufgrund der Industrialisierung konnte sich in Europa, Nordamerika und zuletzt in Teilen Asiens eine Mittelschicht etablieren. Die Mittelschicht verlangte politische Mitspracherechte, und moderne, liberale Demokratien konnten sich entwickeln. Ich sage nicht, dass dies der einzige Weg zu einem repr&auml;sentativen Herrschaftssystem ist, aber er ist bei weitem der sicherste. Ressourcenverfluchte Nationen haben diese Entwicklungsm&ouml;glichkeit nicht.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie diese Mechanismen bitte anhand eines konkreten Beispiels illustrieren? <\/strong><\/p><p>Beispiele gibt es im Buch etliche: Guinea, Niger, Nigeria, &Auml;quatorialguinea, Kongo, Angola, Simbabwe, S&uuml;dsudan &ndash; sogar S&uuml;dafrika zur Zeit der Apartheid. Sehen Sie sich Kapitel drei an, <em>Brutst&auml;tten der Armut<\/em>. Die Geschichte von Mangal, dem Meisterschmuggler, zeigt, was passiert, wenn der Ressourcenfluch eine Volkswirtschaft ausgeh&ouml;hlt hat. Es entsteht ein Vakuum, in dem sich mafi&ouml;se Strukturen etablieren k&ouml;nnen. <\/p><p>Mangal ist ein aus &auml;rmlichen Verh&auml;ltnissen im Grenzgebiet von Niger und Nigeria stammender Gesch&auml;ftsmann, der sich mit dem Schmuggel von chinesischen Textilien nach Nigeria ein regelrechtes Handelsimperium aufgebaut hat. Sein Aufstieg begann in den neunziger Jahren, als chinesische Fabriken mit dem Kopieren westafrikanischer Stoffmuster begannen, um sie auf dem afrikanischen Markt zu verkaufen. <\/p><p>Der Handel mit der kopierten Ware ist in Nigeria streng verboten, also konnten die Stoffe nur auf illegalen Wegen ins Land gelangen. Das gelang schlie&szlig;lich mit der Hilfe von Mittelsm&auml;nnern wie Mangal, der zwischen Herstellern und Vertriebspartnern agierte und eine Schattenwirtschaft verwaltete, die die Grenzbeh&ouml;rden ebenso wie politische Verb&uuml;ndete einschlie&szlig;t. <\/p><p>So gewannen die Chinesen in Zusammenarbeit mit nigerianischen Verk&auml;ufern allm&auml;hlich die Kontrolle &uuml;ber den Markt und Mangal verdiente ein milliardenschweres Verm&ouml;gen. Heute reicht sein Netzwerk aus Vorratslagern und H&auml;ndlern &uuml;ber Dubai, wo ein Gro&szlig;teil der geheimen Afrikagesch&auml;fte abgewickelt wird, bis nach Indien und China. <\/p><p>Der Aufstieg Mangals steht in enger Verbindung mit dem Niedergang der Textilindustrie in Nigeria: Mitte der achtziger Jahre hatte Nigeria 175 Textilfabriken. Seitdem mussten bis auf etwa 25 alle schlie&szlig;en. Und viele von denen, die bis heute &uuml;berlebt haben, arbeiten jetzt mit stark verringerter Kapazit&auml;t. Von den 350.000 Arbeitern, die die Industrie zu ihrer besten Zeit besch&auml;ftigte, was sie zum mit Abstand wichtigsten verarbeitenden Sektor der Wirtschaft Nigerias machte, mussten inzwischen bis auf 25.000 alle gehen. Der Markt besteht heute zu 85 Prozent aus Importen, obwohl der Import von Textilien eigentlich illegal ist. <\/p><p>Wie konnte das passieren? Durch das starke &Uuml;bergewicht der Rohstoffindustrie in Nigeria werden Wirtschaftszweige, die nicht mit der F&ouml;rderung von &Ouml;l oder Erdgas in Verbindung stehen, systematisch vernachl&auml;ssigt. Und obwohl Minen und &Ouml;lfelder gewaltige Summen von Kapital verschlingen, schaffen sie verglichen mit der Landwirtschaft oder anderen Wirtschaftszweigen nur eine verschwindend geringe Zahl von Arbeitspl&auml;tzen &ndash; von den ungleich h&ouml;heren &ouml;kologischen Folgesch&auml;den ganz zu schweigen. <\/p><p>Durch das Aussterben des produzierenden Gewerbes entsteht ein h&ouml;herer Bedarf an Importwaren &ndash; ein Bedarf, der durch den Schmuggel gedeckt wird. Gleichzeitig verk&uuml;mmern staatliche Institutionen, die sich eigentlich um das Allgemeinwohl sorgen sollten, denn Petro-Staaten sind in der Regel auf Patronage aufgebaut. Nur daher k&ouml;nnen Leute wie Mangal solchen Erfolg haben.<\/p><p><strong>Gibt es konkrete Profiteure dieses Systems? Wessen Interessen organisieren sich hier und wie geschieht das genau?<\/strong><\/p><p>Mit diesem Buch wollte ich zeigen, dass der Ressourcenfluch nicht nur eine Macke unseres Wirtschaftssystems ist, sondern ein ausgekl&uuml;geltes System der Pl&uuml;nderung, dessen Profiteure benannt werden k&ouml;nnen. Daher der Titel des Buches &bdquo;Looting Machine&ldquo;, zu Deutsch: Pl&uuml;nderungsmaschinerie. Ich habe einige der Unternehmen und Individuen benannt, die vom dreckigen Gesch&auml;ft mit Afrikas Ressourcen profitieren, darunter sind etwa Royal Dutch Shell oder Tycoons wie der israelische Milliard&auml;r Dan Gertler. <\/p><p>Die Ausbeutung Afrikas hat eine lange Geschichte, die sich bis in die Gegenwart fortsetzt: Viele der multinationalen Konzerne, die heute das Gesch&auml;ft mit Afrikas &Ouml;l kontrollieren, haben sich schon w&auml;hrend der Kolonialzeit im gro&szlig;en Stil bereichert. Oft waren sie lediglich der privatwirtschaftliche Arm der Kolonialm&auml;chte bzw. der Gro&szlig;m&auml;chte w&auml;hrend des Kalten Krieges. Manchmal werden sie erwischt &ndash; Shell etwa verstie&szlig; gegen die Antikorruptionsgesetze der USA &ndash; aber alles in allem ist uns der Nachschub an Rohstoffen wohl zu wichtig, um diese Unternehmen ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen. <\/p><p>Komplizen dieser Entwicklungen sind wir aber letztlich alle &ndash; jeder, der ein Mobiltelefon benutzt, ein Auto f&auml;hrt oder seiner Angebeteten einen Antrag mit einem Diamantenring macht. Denn die gesamte Weltwirtschaft ist auf der st&auml;ndigen Verf&uuml;gbarkeit von Rohstoffen aufgebaut &ndash; aus Afrika und aus anderen Regionen. Prinzipien, die wir sonst anwenden &ndash; das Eigentumsrecht zum Beispiel oder grunds&auml;tzliche ethische Handelsstandards &ndash; werden &uuml;ber Bord geworfen, wenn es ums &Ouml;l, den Bergbau oder anderes geht.<\/p><p><strong>Nun w&uuml;rden die meisten Volkswirte, die ich kenne, argumentieren: Nein, wenn &bdquo;wir&ldquo; &bdquo;da&ldquo; Arbeit schaffen, steigt der Wohlstand vor Ort. In dieser Lesart ist es sogar &bdquo;gro&szlig;z&uuml;gig&ldquo;, westliche Firmen im globalen S&uuml;den Hungerl&ouml;hne bezahlen zu lassen &ndash; denn, so die Behauptung, das ist immer noch mehr, als vor Ort ohne westliches Zutun zustande k&auml;me. Was halten Sie von diesem Argument &ndash; bez&uuml;glich der Ausbeutung von Rohstoffen, aber auch allgemein, also bez&uuml;glich der Ausbeutung etwa von Arbeitskraft?<\/strong><\/p><p>Dieses Argument ist in mancher Hinsicht tats&auml;chlich valid. Wenn westliche Elektronikproduzenten damit aufh&ouml;rten, Metalle aus dem Ostkongo zu kaufen, um neuen Bestimmungen der USA gegen konflikttr&auml;chtige Rohstoffe nachzukommen, w&uuml;rden viele Minenarbeiter vor Ort auf der Stelle ihren Lebensunterhalt verlieren. Das ist ein Teil der Falle. Die Ressourcenindustrie ist die Hauptursache der schlimmsten Probleme vieler afrikanischer Staaten und gleichzeitig ihre wichtigste, manchmal sogar einzige Einkommensquelle. <\/p><p><strong>Und meinen Sie, ich als Einzelner k&ouml;nnte hiergegen nun etwas tun? Meinen Sie, mittels &bdquo;individueller Kaufentscheidungen&ldquo;, die uns viele gr&uuml;ne Ideologen gern glauben machen wollen, k&ouml;nnen wir der Weltwirtschaft Gerechtigkeit abringen &ndash; oder was w&auml;re Ihr Vorschlag? Was tun?<\/strong><\/p><p>Ich denke, dass wir zun&auml;chst vor der eigenen T&uuml;r kehren sollten. Westliche F&uuml;hrer belehren die Afrikaner permanent, wenn es um Korruption geht. Es ist nat&uuml;rlich richtig, dass viele afrikanische Herrschaftseliten abgrundtief korrupt sind. Allerdings ist die Korruption farbenblind und transnational. Und ein gro&szlig;er Anteil des Bestechungssystems, das ich im Buch beschreibe, w&auml;re nicht denkbar ohne eine Industrie zur Vertuschung globaler Finanzstr&ouml;me, deren Hauptakteure in London, der Schweiz und in zunehmendem Ma&szlig; auch in den USA sitzen. <\/p><p>Es ist die Bereitwilligkeit westlicher Staaten, den Fluss von Geldern in dunklen Kan&auml;len zu erleichtern und die Geldw&auml;sche durch Immobiliengesch&auml;fte, auf dem Kunstmarkt und in anderen Bereichen zu akzeptieren, die es afrikanischen Kleptokraten erst erm&ouml;glicht, Ihre Macht zu behaupten. <\/p><p><strong>Noch ein letztes Wort?<\/strong><\/p><p>Abschlie&szlig;end will ich betonen, dass ich im Verlauf der Jahre, w&auml;hrend derer ich an diesem Buch gearbeitet habe, viele unglaublich mutige Menschen getroffen habe &ndash; zumeist Afrikaner, manchmal auch Au&szlig;enseiter &ndash; die sich gegen diese systematische Pl&uuml;nderung zur Wehr setzen. <\/p><p>Sie d&uuml;rfen hier nicht namentlich genannt werden, weil das ihr Leben in Gefahr bringen w&uuml;rde. Ich hoffe allerdings, dass ihr Mut uns dazu bringt, mehr auf die Warenstr&ouml;me zu achten, die unsere materiellen Vorz&uuml;ge in der ersten Welt erm&ouml;glichen. <\/p><p>Wie Burroughs einmal sagte: Was wir ben&ouml;tigen, ist &bdquo;ein eingefrorener Moment, in dem jeder sieht, was sich am Ende jeder Gabel befindet.&ldquo;<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Tom Burgis<\/strong> ist als Auslandsreporter f&uuml;r die Financial Times t&auml;tig, zuletzt in Johannesburg und Lagos. Aktuell lebt er in London, wo er ein Team f&uuml;r investigativen Journalismus leitet. Unter anderem Preistr&auml;ger des renommierten Jerwood Awards im Januar 2013, ist er heute ein gefragter Kommentator bei der BBC, CNBC und weiteren internationalen Fernseh- und Radiosendern. Unerschrocken, eloquent und mutig, liefert Tom Burgis hier sein Erstlingswerk und stellt sich an die Spitze einer neuen Generation junger investigativer Journalisten.<\/em><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/1cb6b77108b6499d893e5cfd30682cbd\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161121_burgis.jpg\" alt=\"Tom Burgis\" title=\"Tom Burgis\"\/><\/div>\n<p>In mancher Hinsicht ist Afrika der wohl reichste Kontinent der Welt: Ein Drittel der weltweiten Rohstoffvorkommen liegt hier unter der Erdoberfl&auml;che. F&uuml;r die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung bedeutet dieser Reichtum allerdings weit mehr Fluch als Segen. Denn ein kriminelles Netzwerk aus zwielichtigen H&auml;ndlern,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35908\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,37,209,127,178,132],"tags":[1223,1334,877,1032,499,1792,291],"class_list":["post-35908","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-globalisierung","category-interviews","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-ressourcen","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-afrika","tag-erdoel","tag-erdgas","tag-gold","tag-handelsbilanz","tag-kolonialismus","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35908","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35908"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35908\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90431,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35908\/revisions\/90431"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35908"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35908"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}