{"id":36173,"date":"2016-12-08T09:11:45","date_gmt":"2016-12-08T08:11:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36173"},"modified":"2019-07-09T10:55:28","modified_gmt":"2019-07-09T08:55:28","slug":"was-obama-aus-afrika-gemacht-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36173","title":{"rendered":"Was Obama aus Afrika gemacht hat"},"content":{"rendered":"<p>Zum Ende von Barack Obamas Amtszeit m&uuml;ssen viele verschiedene Bilanzen erstellt werden. Wie gewohnt, gibt es dabei meist keinen Fokus auf Afrika. Dabei hat der erste afroamerikanische US-Pr&auml;sident die Eskalation auf dem afrikanischen Kontinent vorangetrieben wie kein anderer. Aus dem Schatten heraus hat der US-Imperialismus Afrika wieder voll im Griff. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9622\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-36173-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161208_Was_Obama_aus_Afrika_gemacht_hat_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161208_Was_Obama_aus_Afrika_gemacht_hat_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161208_Was_Obama_aus_Afrika_gemacht_hat_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161208_Was_Obama_aus_Afrika_gemacht_hat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=36173-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161208_Was_Obama_aus_Afrika_gemacht_hat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"161208_Was_Obama_aus_Afrika_gemacht_hat_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Schattenkrieg des Wei&szlig;en Hauses umfasst mittlerweile fast f&uuml;nfzig afrikanische Staaten. Geografisch betrachtet, erfasst dieses Kriegsgebiet, welches offiziell keines ist, die Gr&ouml;&szlig;e der Vereinigten Staaten, Europas, Chinas und Indiens. Laut der US-Regierung befindet man sich in Afrika nicht im Krieg.<\/p><p>Ein Teil dieser Kriege wird zum Beispiel von US-amerikanischen Drohnen gef&uuml;hrt. Abseits jeglicher &Ouml;ffentlichkeit wurde der Drohnen-Krieg auf Afrika vor wenigen Wochen massiv ausgeweitet. In Tunesien wurden sowohl unbemannte Flugzeuge als auch amerikanisches Milit&auml;rpersonal verlegt. Vorl&auml;ufiges Ziel: Spionagemissionen in Libyen, jenem Land, welches seit der NATO-Intervention im Jahr 2011 als &bdquo;failed state&ldquo; schlechthin gilt und mittlerweile von zahlreichen extremistischen Gruppierungen, unter anderem auch vom IS, heimgesucht wird. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass Libyen seit letztem August abermals vom US-Milit&auml;r bombardiert wird. In der Region um die K&uuml;stenstadt Sirte fanden in den letzten vier Monaten &uuml;ber 400 Luftangriffe statt. (<a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2016\/08\/01\/u-s-says-new-bombing-campaign-against-isis-in-libya-has-no-end-point-at-this-particular-moment\/\">The Intercept<\/a> \/ <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2016\/11\/27\/us\/politics\/obama-expands-war-with-al-qaeda-to-include-shabab-in-somalia.html?_r=1\">New York Times<\/a>)<\/p><p>Das Pentagon l&auml;sst offen, ob in naher Zukunft auch bewaffnete Drohnen in Libyen zum Einsatz kommen. Der Drohnen-Standort Tunesien ist hierbei lediglich als eine weitere strategische Erweiterung des Pentagons auf dem afrikanischen Kontinent zu betrachten. Weitere Drohnen-Basen lassen sich im Niger und in Dschibuti finden. Eine Basis in &Auml;thiopien wurde Anfang 2016 geschlossen. (<a href=\"http:\/\/www.bbc.com\/news\/world-africa-35220279\">BBC<\/a>)<\/p><p>Washingtons Rhetorik ist in diesem Kontext ein weiteres Mal bezeichnend. So hei&szlig;t es etwa seitens der US-Regierung, Tunesien k&ouml;nne als &bdquo;junge Demokratie&ldquo; eine wichtige Rolle im &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; in der Region spielen. De facto ist allerdings die geografische Lage des Landes von Bedeutung. Alle anderen Drohnen-Basen in Afrika liegen f&uuml;r Operationen in Libyen zu weit entfernt. (<a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/national-security\/us-has-secretly-expanded-its-global-network-of-drone-bases-to-north-africa\/2016\/10\/26\/ff19633c-9b7d-11e6-9980-50913d68eacb_story.html?postshare=8011477567524369&amp;tid=ss_tw\">Washington Post<\/a>)<\/p><p><strong>Zunahme um 200 Prozent<\/strong><\/p><p>Der Drohnen-Krieg in Afrika ist nur ein Aspekt des amerikanischen Schattenkrieges auf dem Kontinent. Unter Barack Obama hat dieser Schattenkrieg einen noch nie dagewesenen H&ouml;hepunkt erreicht. Abgesehen von Drohnen-Angriffen haben Spezialmissionen von Bodentruppen, &bdquo;klassische&ldquo; Luftangriffe und der Aufbau lokaler Armeen und Milizen zugenommen &ndash; und zwar um ganze 200 Prozent laut dem amerikanischen Journalisten Nick Turse, einem der besten Kenner auf diesem Gebiet.<\/p><p>Obama macht selbst in den letzten Monaten seiner Amtszeit deutlich, dass er an dieser Strategie festhalten m&ouml;chte. Dies wurde vor Kurzem etwa durch die Ausweitung weiterer Befugnisse von Spezialkr&auml;ften des US-Milit&auml;rs deutlich. Die Begr&uuml;ndung: &bdquo;Militante K&auml;mpfer&ldquo; m&uuml;ssen weltweit &bdquo;effektiver&ldquo; gejagt werden.<br>\nKonkret geht es hier um die elit&auml;re Kommandoeinrichtung Joint Special Operations Command (JSOC). Gegenw&auml;rtig f&uuml;hrt JSOC weltweit, unter anderem auch in Afrika, zahlreiche Operationen aus. Aufgrund ihrer klandestinen Natur verlieren US-Offizielle nur ungern ein Wort &uuml;ber die Kommandoeinrichtung. Fakt ist allerdings, dass sie unter der Obama-Administration zu einem bedeutenden Instrument im Schattenkrieg geworden ist. (<a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/news\/checkpoint\/wp\/2016\/11\/25\/obama-administration-expands-elite-military-units-powers-to-hunt-foreign-fighters-globally\/?wpisrc=al_alert-COMBO-world%252Bnation\">Washington Post<\/a>)<\/p><p>Ein medial nahezu unbeachteter Faktor ist diesbez&uuml;glich vor allem die Bewaffnung lokaler Armeen, die im Laufe der letzten Jahre zahlreiche Menschenrechtsverbrechen begangen haben. Ein Beispiel hierf&uuml;r ist etwa die nigerianische Armee, die seit Jahren vom Pentagon ausgebildet und durch Geld und Waffen unterst&uuml;tzt wird. In den letzten Jahren gingen nigerianische Soldaten immer brutaler im Kampf gegen die extremistische Gruppierung Boko Haram vor, was unter anderem letztendlich dazu gef&uuml;hrt hat, dass aus der kleinen Sekte eine brutale Terrorgruppe, die eine Bedrohung f&uuml;r die gesamte Region darstellt, wurde. Einfach ausgedr&uuml;ckt: Die Brutalit&auml;t der Armee hat noch mehr Menschen in die Arme der Extremisten getrieben und die Schim&auml;re wachsen lassen.<\/p><p>&Auml;hnliches ist auch bei anderen afrikanischen Armeen der Fall. Die Menschenrechtsverbrechen der kongolesischen, kenianischen, &auml;thiopischen oder ugandischen Armee wurden in den letzten Jahren immer wieder von zahlreichen Menschenrechtsorganisationen ausf&uuml;hrlich dokumentiert. All diese Armeen werden ausgiebig von den Vereinigten Staaten unterst&uuml;tzt. Sie werden sowohl ausgebildet als auch bewaffnet und aufger&uuml;stet, um dann als verl&auml;ngerte Arme des Pentagons in der Region agieren zu k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Fallbeispiel Somalia<\/strong><\/p><p>Ein Paradebeispiel der Folgen einer solchen Politik ist Somalia &ndash; der f&uuml;hrende &bdquo;failed state&ldquo; in der Region. Das Land k&ouml;nnte ein Schauplatz aus einem dystopischen Kriegsfilm ein. In Somalia herrscht n&auml;mlich je nach Sicht des Betrachters niemand oder jeder. Von einer Regierung kann praktisch keine Rede sein. Mehrere Akteure haben das Sagen und bek&auml;mpfen sich stets gegenseitig. Dazu geh&ouml;ren etwa die offiziellen, somalischen &bdquo;Sicherheitskr&auml;fte&ldquo;, extremistische Gruppierungen wie Al-Shabab, schwer bewaffnete Milizen und zum Teil sogar Piraten.<\/p><p>Um das ganze Chaos noch abzurunden, kommt die US-Armee hinzu, die in Somalia ebenfalls sehr aktiv ist, etwa durch regelm&auml;&szlig;ig stattfindende JSOC-Operationen oder Drohnen-Angriffe. Durch die j&uuml;ngst erteilten Befugnisse des Wei&szlig;en Hauses k&ouml;nnte JSOC in Somalia sogar vollst&auml;ndig unilateral handeln.<\/p><p>&Auml;hnlich verh&auml;lt es sich auch mit den Drohnen-Angriffen des Wei&szlig;en Hauses, die dank der aktuellen &bdquo;Reformen&ldquo; weiterhin stattfinden k&ouml;nnen. Diesbez&uuml;glich behauptet die US-Regierung seit Jahren &ndash; wie in allen anderen F&auml;llen &ndash; sie w&uuml;rde in Somalia lediglich &bdquo;Terroristen&ldquo;, sprich, Mitglieder von Al-Shabab liquidieren. In der Vergangenheit wurde allerdings oftmals deutlich, dass auch Zivilisten get&ouml;tet wurden. Im vergangenen M&auml;rz wurden mindestens 150 Menschen durch mehrere Drohnen-Angriffe get&ouml;tet. Laut der US-Administration wurden &bdquo;somalische Terroristen&ldquo; und &bdquo;mutma&szlig;liche Extremisten&ldquo; get&ouml;tet. Von vielen Medien wurden diese Angaben kritiklos &uuml;bernommen. De facto ist allerdings bis heute nicht klar, wer die Opfer gewesen sind. (<a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2016\/03\/08\/nobody-knows-the-identity-of-the-150-people-killed-by-u-s-in-somalia-but-most-are-certain-they-deserved-it\/\">The Intercept<\/a>)<\/p><p>Daten aus Somalia sind jedoch stets rar. Es gibt weder eine funktionierende Regierung noch eine Medienlandschaft. Auch in der westlichen Berichterstattung spielt das Land praktisch keine Rolle. F&uuml;r die US-Regierung sind diese Umst&auml;nde ideal. Sie kann in Somalia vorgehen, wie sie will und sich jeglicher Verantwortung entziehen. Selbiges gilt auch f&uuml;r Deutschland.<\/p><p>Eine Schl&uuml;sselrolle, sowohl im Drohnen-Krieg als auch in anderen Operationen in der Region, spielt Stuttgart. Seit 2008 liegt dort die Zentrale von US AFRICOM (United States Africa Command). Von Stuttgart ausgehend werden demnach alle US-Milit&auml;roperationen auf dem afrikanischen Kontinent koordiniert &ndash; und von der Bundesregierung weiterhin wie gewohnt ignoriert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Ende von Barack Obamas Amtszeit m&uuml;ssen viele verschiedene Bilanzen erstellt werden. Wie gewohnt, gibt es dabei meist keinen Fokus auf Afrika. Dabei hat der erste afroamerikanische US-Pr&auml;sident die Eskalation auf dem afrikanischen Kontinent vorangetrieben wie kein anderer. Aus dem Schatten heraus hat der US-Imperialismus Afrika wieder voll im Griff. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36173\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,171],"tags":[1223,813,2022,1564,304,1052,2021,366,640,1046,1556],"class_list":["post-36173","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-afrika","tag-drohnen","tag-failed-state","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-kriegsverbrechen","tag-libyen","tag-nigeria","tag-obama-barack","tag-somalia","tag-tunesien","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36173","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36173"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36173\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53220,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36173\/revisions\/53220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36173"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36173"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}