{"id":36249,"date":"2016-12-13T12:22:56","date_gmt":"2016-12-13T11:22:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36249"},"modified":"2018-12-30T18:52:33","modified_gmt":"2018-12-30T17:52:33","slug":"richter-sergio-moro-die-usa-und-der-angriff-auf-die-brasilianische-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36249","title":{"rendered":"Richter S\u00e9rgio Moro, die USA und der Angriff auf die brasilianische Demokratie"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161213_f2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Brasilianische Wissenschaftler warnen die Universit&auml;t Heidelberg. &ldquo;Wir waren &uuml;berrascht, als wir erfuhren, dass Sie und Ihre renommierte Universit&auml;t Heidelberg den Bundesrichter S&eacute;rgio Fernando Moro, der von Ihnen als &ldquo;Korruptionsbek&auml;mpfer&rdquo; bezeichnet wird, f&uuml;r einen Vortrag am 9. Dezember 2016 eingeladen haben. Die von Herrn Bundesrichter S&eacute;rgio Moro gefassten Entscheidungen haben n&auml;mlich dazu beigetragen, den Sturz einer legitimen Regierung erst zu erm&ouml;glichen und auf diese Weise hat er den schlimmsten undemokratischen Interessen gedient, wie wir hier zusammenfassend darstellen: &hellip;&rdquo; So beginnt ein mehrseitiger Protest-Brief von rund 30 brasilianischen Historikern, Politologen und Juristen an Prof. Markus Pohlmann, vom Max-Weber-Institut f&uuml;r Soziologie der Universit&auml;t Heidelberg. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAuf Anfrage des Nachrichtenportals Amerika21 (<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2016\/12\/165138\/brasilien-moro-richter-heidelb\">Vortrag von Juristen aus Brasilien sorgt f&uuml;r Kritik an der&nbsp;Universit&auml;t Heidelberg<\/a>) antwortete Pohlmann, der in Brasilien als suspekt geltende Richter werde im Rahmen einer wissenschaftlichen Konferenz sprechen, auf der es sich um Korruption und Korruptionsbek&auml;mpfung drehe und unter anderem der Petrobras-Fall aus einer wissenschaftlichen Perspektive beleuchtet werde. &ldquo;Da er als Bundesrichter mit dem Fall betraut war, wollen wir ihn als Experten dazu anh&ouml;ren&rdquo;, so Pohlmann, obwohl ihm bekannt sei, &ldquo;dass die politische Seite des Vorganges sehr umstritten ist&rdquo;.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161213_f1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Die Einladung l&ouml;ste Proteste auf beiden Seiten des Atlantiks aus. Aus Mannheim erinnerte die Gewerkschaft Ver.di Pohlmann daran, dass Richter Moro mit unredlichen juristischen Methoden den mit den deutschen Gewerkschaften befreundeten Ex-Pr&auml;sidenten Luis In&aacute;cio Lula da Silva zu kriminalisieren und inhaftieren versuchte.<\/p><p>In der gef&uuml;llten Aula der Universit&auml;t fanden sich mehr als 400 Menschen zusammen, darunter zahlreiche Brasilianerinnen und Brasilianer, die aus dem s&uuml;dwestdeutschen Raum und selbst aus der Schweiz angereist waren, um gegen Moros Anwesenheit zu protestieren. Auch das von ihnen in Deutsch und Englisch abgefasste Flugblatt hinterfragte Moros Vorgehen: &ldquo;Ist dieser in Brasilien zum Medienstar aufgebaute Bundesrichter ein glaubw&uuml;rdiger Bek&auml;mpfer der Korruption? Wir sagen nein! Und viele Menschen in Brasilien mit uns&rdquo;. Doch Anh&auml;nger Moros waren ebenfalls vertreten, Spannungen blieben nicht aus. Rechtsextremisten w&uuml;rden ihn gern als n&auml;chsten Pr&auml;sidenten Brasiliens sehen, doch sollte er nicht wollen oder d&uuml;rfen, dann eine &ldquo;Milit&auml;r-Intervention&rdquo;, wie sie die Forderung nach einem neuen Milit&auml;rputsch besch&ouml;nigen.<\/p><p><strong>&ldquo;Transparency International&rdquo; und die Putsch-Akteure<\/strong><\/p><p>Heidelberg war des Richters erster Auftritt in Deutschland. Wenige Tage zuvor hatte jedoch die in Berlin ans&auml;ssige NGO &ldquo;Transparency International&rdquo; die Preisauszeichnung der von ihm geleiteten Einsatzgruppe &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; als &ldquo;weltgr&ouml;&szlig;tes Unternehmen der Korruptionsbek&auml;mpfung des Jahres 2016&rdquo; verk&uuml;ndet. <\/p><p>Wer die Medienbegierde des Juristen kennt, hat gute Gr&uuml;nde zur Annahme, nach seiner Beweihr&auml;ucherung durch konservative US-Medien, wie das <em>Time-Magazin<\/em>, d&uuml;rfen der Transparency-Preis und der Heidelberger Vortrag als Beginn einer Propagandaschau  Moros nun auch in Deutschland  gedeutet werden. Als Auftakt dazu diente bereits die Ausgabe vom 8. November des <em>Manager-Magazins<\/em>, mit dem Werbetext <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/artikel\/korruption-in-brasilien-operation-autowaesche-a-1119189.html\">Korruption in Brasilien: &ldquo;Operation Autow&auml;sche&rdquo;<\/a> aus der Feder des Heidelberger Moro-Amphitryons Markus Pohlmann.<\/p><p>Zu Transparency sei Folgendes angemerkt: 1993 von den ehemaligen, deutschen Direktoren der Weltbank, Peter Eigen und Michael Wiehen, gegr&uuml;ndet, wird der umstrittene Korruptions-Watchdog u.a. von der Europ&auml;ischen Union, vor allem jedoch von den US-Stiftungen Open Society und National Endowment for Democracy hauptfinanziert &ndash; die erstgenannte im Besitz George Soros&acute;, die zweitgenannte als dem State Departement und den US-Geheimdiensten nahestehende, international handelnde Organisation. Beide wurden bekannt als Finanzierungsquelle und Ausbildungszentren paramilit&auml;rischer, faschistischer Verb&auml;nde der Ukraine, die das Blutbad auf dem Maidanplatz anrichteten und den Putsch gegen Pr&auml;sident Yanukovich herbeif&uuml;hrten. In Brasilien wird Transparency vertreten durch die NGO &ldquo;AMARRIBO &ndash; Koalition gegen die Korruption&rdquo;. Eine jener rechtsextremen, in gelbe Trikots der Fu&szlig;ball-Nationalmannschaft gekleideten Gruppen im Bundesstaat S&atilde;o Paulo, die seit 2014 in die Aufm&auml;rsche gegen Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff involviert sind.  <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161213_f3.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Wer ist S&eacute;rgio Moro?<\/strong><\/p><p>Als Nachk&ouml;mmling eingewanderter, armer Bauern aus dem italienischen Veneto und Sohn eines Gr&uuml;ndungsmitglieds der sich &ldquo;sozialdemokratisch&rdquo; nennenden konservativen Partei PSDB in der s&uuml;dostbrasilianischen, ehemaligen Kaffeeanbau-Gegend von Maring&aacute;, erhielt S&eacute;rgio Moro seine juristische Grundausbildung an der Universit&auml;t Maring&aacute;. Mit einem Weiterbildungsprogramm f&uuml;r Rechtsanw&auml;lte an der Harvard Law School, kn&uuml;pfte er fr&uuml;hzeitig institutionelle Verbindungen zu den USA, die zehn Jahre sp&auml;ter in seiner Teilnahme als Gast des vom US-State Department gesponserten International Visitor Leadership Program (IVLP) gipfelten. <\/p><p>Diese Ausbildung f&uuml;r die Aufstellung von sog. <em>Taskforces<\/em> &ndash; Einsatzgruppen zur Bek&auml;mpfung der internationalen Wirtschaftskriminalit&auml;t in Kombination mit George Bush Juniors &ldquo;War on Terrorism&rdquo; &ndash; boten ihm folgenreiche Kontakte zum FBI, der Justiz und US-Geheimdiensten (<a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2016\/04\/03\/behind-brazils-regime-change\/\">Behind Brazil&rsquo;s &lsquo;Regime Change&rsquo;<\/a> &ndash; Consortiumnews, 3.4,.2016). Zu Beginn des neuen Milleniums qualifizierte sich Moro mit einer Promotion an der Bundesuniversit&auml;t Paran&aacute;, wo er nebenbei seit 2007 als Professor f&uuml;r Strafrecht doziert.<\/p><p>So wie tausende Jura-Absolventen, die kaum eine Aufstiegschance auf dem &uuml;berlaufenen Markt der Rechtsanwaltb&uuml;ros gehabt h&auml;tten, entschied sich Moro f&uuml;r die Bewerbung zum lukrativen, sicheren und als unanfechtbar geltenden, deshalb seit zwei Jahrhunderten von den Eliten dominierten Richterstand. <\/p><p><strong>Politisch befangen, moralisch unsolide<\/strong><\/p><p>Moros wiederholte Beschwichtigung, er sei &ldquo;parteilos&rdquo; und handle als Richter &ldquo;unparteilich&rdquo;, ist unredlich. Seine Abneigung gegen&uuml;ber der Arbeiterpartei (PT), umso mehr seine N&auml;he zur konservativen PSDB wird vielf&auml;ltig belegt. <\/p><p>Am Vorabend seines Auftritts in Heidelberg war ein peinliches Bild (siehe Foto) des als Moralprediger auftretenden Richters der Trendsetter in den sozialen Netzwerken Brasiliens. <\/p><p>Der Fotograf &uuml;berraschte Moro beim heiteren, allzu promisken Umtrunk mit Senator A&eacute;cio Neves, dem  2014 gegen Dilma Rousseff unterlegenen Pr&auml;sidentschaftskandidaten der PSDB und seitdem militanten Anf&uuml;hrer des parlamentarischen Putschs gegen die abgesetzte Pr&auml;sidentin. Schlimmere Gesellschaft k&ouml;nnte Moro sich nicht ausdenken: der Politiker ist bekannt f&uuml;r Kokainsucht, Frauenmisshandlung und in vielf&auml;ltigen Korruptionsskandalen involvierter, doch vom Justizapparat, inklusive Moros, bisher gesch&uuml;tzter Straft&auml;ter. <\/p><p>Seine N&auml;he zur putschenden PSDB lie&szlig; sich l&auml;ngst davor nicht leugnen: Moros Ehefrau und Anw&auml;ltin, Ros&acirc;ngela Wolff de Quadros Moro, war jahrelang t&auml;tig als Referentin von Fl&aacute;vio Arns, Vize-Gouverneur im Kabinett Beto Richa (PSDB), ein ebenfalls in Korruption und Geldw&auml;sche involvierter, doch strafloser Gouverneur des Bundesstaates Paran&aacute;.<\/p><p>Wer nun die Privatperson S&eacute;rgio Moro mit der Latte seines &ouml;ffentlichen Anspruchs auf Anstand und Unbestechlichkeit misst, wird entt&auml;uscht davongehen: obwohl das brasilianische Gesetz den gegenw&auml;rtigen Richtersold auf maximal doch stattliche 37.000 Reais &ndash; umgerechnet ca. 10.000 Euro &ndash; festlegt, belegten brasilianische Medien, dass sich der Medienheld der Korruptionsbek&auml;mpfung mit Pr&auml;mien- und fragw&uuml;rdigen &ldquo;Unkosten&rdquo;-Berechnungen seit 2015 mehr als das Doppelte, n&auml;mlich umgerechnet 21.000 Euro auszahlen l&auml;sst (<a href=\"http:\/\/odia.ig.com.br\/noticia\/brasil\/2015-08-22\/salario-do-juiz-sergio-moro-em-abril-passou-de-r-77-mil.html\">Sal&aacute;rio do juiz S&eacute;rgio Moro em abril passou de R$ 77 mil<\/a>  &ndash; O Dia, 22.08.2015). Dass sich ausgerechnet der selbsternannte R&auml;cher der gepl&uuml;nderten Staatsfinanzen einen Dreck schert um die Fortschreibung der Auspl&uuml;nderung, ist ein Skandal. Mit 400.000 Besch&auml;ftigten verschlingt der obendrein ineffiziente Justizapparat im Vergleich mit Deutschland den vierfachen Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Die von Dilma Rousseff abgelehnte, doch vom Obersten Gerichtshof noch w&auml;hrend ihres Amtsenthebungsverfahrens vom Parlament abgen&ouml;tigte, mehr als 35-prozentige Gehaltserh&ouml;hung f&uuml;r Richter und Staatsanw&auml;lte kostet den gebeutelten Staatshaushalt allein 2016 zus&auml;tzliche 7 Milliarden Euro.<\/p><p>Schlie&szlig;lich stellen sich Millionen Brasilianer die Frage, wie S&eacute;rgio Moro seine Umarmung, Vereinnahmung und Vermarktung durch die konservativen Medien &ndash; allen voran die Gruppe Globo, im Besitz von Brasiliens reichster Familie Marinho, die die Fernsehmassen zum Putsch gegen Pr&auml;sidentin Rousseff antrieb &ndash; mit seinem Gewissen, insbesondere mit dem Primat der richterlichen Unabh&auml;ngigkeit und Zur&uuml;ckhaltung vereinbart. Noch scheint die Eitelkeit des &ldquo;Strebers&rdquo; keine Grenzen zu kennen, doch k&ouml;nnte sie ihm bald zum Verh&auml;ngnis werden.<\/p><p><strong>Der Fall &ldquo;Banestado&rdquo;: Mega-Verfahren &uuml;ber 124 Milliarden US-Dollar eingestellt<\/strong><\/p><p>Moros erster gro&szlig;er Fall war der Banestado-Skandal.<\/p><p>Entgegen der von den Medien kolportierten Behauptung ist nicht Petrobras, sondern nach fundierter Meinung von Fachexperten die <strong>Causa Banestado der gr&ouml;&szlig;te Korruptionsfall Brasiliens aller Zeiten<\/strong>.<\/p><p>Banestado hie&szlig; die Landesbank des Bundestaates Paran&aacute;, deren Filialen in der Grenzstadt Foz do Igua&ccedil;u und in New York zwischen 1996 und 2003 von einer Schar brasilianischer Politiker und Unternehmen f&uuml;r Devisenflucht und Geldw&auml;sche im Wert schwindelerregender 125 Milliarden US-Dollar benutzt wurden. <\/p><p>Es war <em>der Skandal<\/em> der Regierung Fernando Henrique Cardoso (1994-2002) und seiner Partei PSDB; die gleiche, die den Putsch gegen Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff anf&uuml;hrte. Als angehender Provinzmagistrat mit Sitz im s&uuml;dostbrasilianischen Curitiba, war Banestado Richter S&eacute;rgio Moros erster bedeutender Fall &ndash; doch alles endete im Nichts.<\/p><p>Wieso es dazu kam, schilderten vor wenigen Monaten der Chefermittler, Staatsanwalt Celso Tr&ecirc;s, und Bundespolizei-Kommissar Jos&eacute; Castilho einem brasilianischen Nachrichtenportal.<\/p><p>Castilho gelang es, die tausendfachen, illegalen Geldbewegungen nachzusp&uuml;ren, die Namen der Geheimkonten-Inhaber zu dokumentieren und den Devisenschmuggler Alberto Youssef &ndash; den Richter Moro elf Jahre sp&auml;ter als Kronzeugen gegen die Arbeiterpartei (PT) im Fall Petrobras benutzt &ndash; zu verhaften. Doch als der Polizist in New York neuen Hinweisen auf der Spur ist, wird er zwischen 2002 und 2003 &uuml;berraschend nach Brasilien zur&uuml;ckgerufen, von der Mission entbunden, versetzt und seitdem kaltgestelllt.<\/p><p>Das Gleiche passierte Staatsanwalt Tr&ecirc;s. Er hatte das Bankgeheimnis tausender Kontoinhaber aufgehoben und war Hauptankl&auml;ger im Fall Banestado. Als er mit Castilho auf die Namen der Mediengruppen Globo, Abril, RBS und Correio Braziliense gesto&szlig;en war, &ldquo;standen wir pl&ouml;tzlich vor einer Wand&rdquo;, gesteht er.<\/p><p>Auch Tr&ecirc;s wurde versetzt, rettete aber, wie Castilho, eine komplette Kopie der Prozess- Akten, in die er gern Journalisten einblicken l&auml;sst. &ldquo;Es konnte niemals Recht gesprochen werden, weil hochgestellte Beamte der Cardoso-Regierung involviert waren. Au&szlig;erdem wurde ein Teil des schmutzigen Geldes f&uuml;r die Wiederwahl Cardosos benutzt und die Ermittlungen von der Zentralbank, der Regierung und der Polizei regelrecht behindert&rdquo;, f&uuml;gt der Staatsanwalt mutig hinzu.<\/p><p>Richter Moro lie&szlig; das &ldquo;Fu&szlig;volk&rdquo; wegen des Verbrechens verhaften, doch die Hauptschuldigen blieben bedeckt. Wegen &ldquo;mangelnden Beweisen&rdquo; stellte der Richter das Verfahren 2007 ein. <\/p><p>Aus Protest gegen die Straflosigkeit der Elite ging Polizeikommissar Castilho zum Fernsehen und schwang die Akten vor laufender Kamera. Das war das Ende seiner Karriere. <\/p><p>Der Fall Banestado bescherte Moro mehrere Dienstaufsichts-Beschwerden, die erst im Jahr 2013 vom Obersten Gerichtshof verhandelt wurden. OG-Richter Celso Mello r&uuml;gte Moros Hang zum autorit&auml;ren Auftritt und der Verwechslung des Richteramts mit dem des Ankl&auml;gers.<\/p><p><strong>Moros Verbindungen zu den USA<\/strong><\/p><p>Seit M&auml;rz 2004 ist bekannt, dass die brasilianische Bundespolizei vom US-amerikanischen FBI finanziert wurde und sie deshalb unterwandern und steuern durfte. Die konspirativen Machenschaften gegen das Gastland Brasilien best&auml;tigte der aus Portugal stammende und vier Jahre lang an der US-Botschaft in Bras&iacute;lia akkreditierte Ex-FBI-Agent, Carlos Alberto Costa, in einem brisanten Interview mit dem brasilianischen Wochenmagazin <em>Carta Capital<\/em> (&ldquo;A hora da aut&oacute;psia&rdquo;, 24.03.2004).<\/p><p>Ende der 1990er Jahre, w&auml;hrend der Administration F. H. Cardoso, hatten die USA Brasilien zur Unterzeichnung eines polizeilichen Kooperationsabkommens &uuml;berredet, das das FBI mit weitreichender &Uuml;berschreitung seiner Kompetenzen f&uuml;r Spionage gegen die brasilianische Regierung, der Ausbildung und finanziellen Kontrolle ihrer Bundespolizei und der Rekrutierung von Journalisten nutzte. <\/p><p>Die wichtigste Mission Costas bestand jedoch im Aufbau brasilianischer <em>Taskforces<\/em>, Einsatzgruppen nach FBI-Vorbild, wie sie ab 2014 spektakul&auml;r im &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; von Richter Moro auftreten. &ldquo;Die brasilianische Bundespolizei geh&ouml;rt uns. Wer die Rechnungen zahlt, befiehlt &ndash; Punkt!&rdquo;, verspottete Costa die Unterwanderung und finanzielle Aushaltung der &ldquo;Pol&iacute;cia Federal&rdquo; mit zig Millionen US-Dollar-&Uuml;berweisungen auf Privatkonten einzelner Polizeikommissare. <strong>Doch nicht nur das FBI, &ldquo;auch andere Organe des US-counter-intelligence&rdquo; h&auml;tten die brasilianische Bundespolizei &ldquo;gekauft&rdquo;, versicherte der Agent<\/strong>.<\/p><p>In den folgenden Jahren verst&auml;rkten die USA ihren Druck auf die Regierung Lula, nun auch die Staatsanwaltschaft und den Justizapparat dem <em>Taskforce-Modell<\/em> von FBI und CIA anzupassen und der &ldquo;War on Terror&rdquo;-Strategie der Bush-Junior-Administration  beizutreten. Als die Offensive auf die tauben Ohren von Lulas Au&szlig;enminister Celso Amorim stie&szlig;, machte sich das State Department daran, Staatsanwaltschaft und Justiz mit der Rekrutierung junger Juristen zu unterwandern. <\/p><p>Seit M&auml;rz 2016 ist dank Wikileaks bekannt (<a href=\"https:\/\/wikileaks.org\/plusd\/cables\/09BRASILIA1282_a.html\">Cable: 09BRASILIA1282_a &ndash; WikiLeaks<\/a>), dass das State Department entsprechende &ldquo;Ausbildungskurse&rdquo; in den USA, auch in Brasilien abhielt. Einer ihrer f&uuml;hrenden Zuh&ouml;rer seit 2009 ist Richter S&eacute;rgio Moro, der die zweite Etappe der Taskforce-Formatierung der brasilianischen Staatsanwaltschaft und Justiz nach US-Vorbild im &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; exemplarisch personifiziert. <\/p><p><strong>Der Angriff auf den Rechtsstaat<\/strong><\/p><p>In ihrem Brief an Prof. Pohlmann, Moros Amphitryon an der Uni Heidelberg, warnen die brasilianischen Juristen, darunter der an der Ruhr Universit&auml;t Bochum promovierte, letzte Justizminister Rousseffs und amtierende Oberbundesanwalt, Dr. Eug&ecirc;nio Arag&atilde;o: &ldquo;Wir weisen darauf hin, dass die Ermittlungen und Strafverfahren von &ldquo;Unternehmen Waschanlage&ldquo; nachweislich von vielerlei Missbrauch, zahllosen Rechtswidrigkeiten und einer enormen politischen Befangenheit des Herrn Richters S&eacute;rgio Moro gegen die brasilianischen Regierungen der vergangenen 13 Jahre, doch allesamt zugunsten des rechten politischen Lagers gekennzeichnet sind&rdquo;. <\/p><p>Zu den aus Platzgr&uuml;nden von den Unterzeichnern nicht aufgelisteten Amtsmissbr&auml;uchen und Rechtswidrigkeiten Moros geh&ouml;ren jene vom FBI und US-Geheimdiensten &uuml;bernommenen spektakul&auml;ren Festnahmen von Angeklagten, deren mediale Ausstellung in Handschellen wegen angeblicher &ldquo;Fluchtgefahr&rdquo;, die &ldquo;Zeugen-Vorbereitung&rdquo; (FBI-Jargon) &ndash; man lese &ldquo;Weichmachung&rdquo; &ndash; mit monatelanger Vorbeugehaft, die Androhung hoher Haftstrafen und Erpressung von Kronzeugen zum Verrat, die systematische Zuspielung von Prozessvorg&auml;ngen, vor allem Mutma&szlig;ungen, an konservative Medien, mit dem Ziel der politischen Massierung der &Ouml;ffentlichkeit, und schlie&szlig;lich unvertretbare Haftstrafen, wie die skandalumrankte Verurteilung des Vizeadmirals und Atomprogramm-Chefs Othon Pinheiro zu 40 Jahren Haft in einer eher bescheidenen Schmiergeld-Aff&auml;re, die den seit Jahren vom NSA ausspionierten brasilianischen Kernenergie-Konzern Eletronuclear zum Erlahmen brachte.<\/p><p>&ldquo;Richter S&eacute;rgio Moro verfolgt offenbar nur ein Ziel&rdquo;, so der Brief an Prof. Pohlmann, &ldquo;den Ex-Pr&auml;sidenten Luis In&aacute;cio Lula da Silva zu verhaften. Im M&auml;rz 2016 verf&uuml;gte er seine illegale Zwangsvorf&uuml;hrung. Die Sache wird derzeit vom Menschenrechtsausschuss des International Covenant on Civil and Political Rights, ICCPR (internationaler Pakt &uuml;ber b&uuml;rgerliche und politische Rechte), untersucht&rdquo;.<\/p><p>Die Unterzeichner erinnern daran, dass Moro abgeh&ouml;rte Telefongespr&auml;che zwischen Ex-Pr&auml;sident Lula und Pr&auml;sidentin Rousseff wenige Stunden vor Lulas Ernennung, im M&auml;rz 2016, zum Kabinettschef Rousseffs illegal ver&ouml;ffentlichte und damit deutliche politische Zwecke verfolgte. &ldquo;Die kriminelle, weil rechtlich untersagte Weitergabe der Abh&ouml;rprotokolle und deren Ausstrahlung durch die Mediengruppe Globo lassen keinen Zweifel an der Parteilichkeit des Bundesrichters&rdquo;, geben die Brasilianer der Universit&auml;t Heidelberg zu bedenken.<\/p><p>Und sie warnen: &ldquo;Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Pohlmann, viele andere Einzelheiten w&uuml;rden nicht in diesen Brief passen, aber jeder von uns w&auml;re bereit, Sie mit Dokumenten zu erhellen. Die prominenteste Leistung des Richters S&eacute;rgio Moro war sein entscheidender Beitrag zum parlamentarischen Putsch, der im August 2016 im Sturz von Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff gipfelte. Im B&uuml;ndnis mit einschl&auml;gigen Medienzaren Brasiliens, der Justiz und der Bundesstaatsanwaltschaft, hat S&eacute;rgio Moro es fertiggebracht, die brasilianische Demokratie zu besiegen. Sie schafften es, in Brasilien ein Klima der politischen Intoleranz und des Faschismus zu installieren. Sie selbst, Prof. Pohlmann, sowie alle von uns, die diesen Brief unterzeichnen, wissen, wie die Justiz f&uuml;r den geeigneten Schein der Legalit&auml;t und der Verfolgung politischer Gegner umfunktioniert und missbraucht werden kann&rdquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161213_f2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Brasilianische Wissenschaftler warnen die Universit&auml;t Heidelberg. &ldquo;Wir waren &uuml;berrascht, als wir erfuhren, dass Sie und Ihre renommierte Universit&auml;t Heidelberg den Bundesrichter S&eacute;rgio Fernando Moro, der von Ihnen als &ldquo;Korruptionsbek&auml;mpfer&rdquo; bezeichnet wird, f&uuml;r einen Vortrag am 9. Dezember 2016 eingeladen haben. Die von Herrn Bundesrichter<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36249\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20,127],"tags":[1613,901,1978,2056,2497,663,1943,1419,650],"class_list":["post-36249","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-brasilien","tag-geheimdienste","tag-geldwaesche","tag-lula-da-silva-luiz-inacio","tag-moro-sergio","tag-putsch","tag-rousseff-dilma","tag-soros-george","tag-transparency-international"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36249","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36249"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36249\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48154,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36249\/revisions\/48154"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36249"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36249"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36249"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}