{"id":36261,"date":"2016-12-14T09:21:32","date_gmt":"2016-12-14T08:21:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36261"},"modified":"2022-11-16T09:54:04","modified_gmt":"2022-11-16T08:54:04","slug":"die-existenzkrise-der-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36261","title":{"rendered":"Die Existenzkrise der EU"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161214_wolf.jpg\" alt=\"Winfried Wolf\" title=\"Winfried Wolf\"><\/div><p>Nach der Entscheidung vom 23. Juni verl&auml;sst mit Gro&szlig;britannien erstmals ein Mitgliedsland die EU. Auch Linke sprachen sich in der vorausgegangenen Kampagne f&uuml;r den Austritt aus. Einige sehen im Brexit bereits den Beginn der Aufl&ouml;sung der Union, da weitere L&auml;nder diesem Beispiel folgen k&ouml;nnten. Die andauernde Krise um Griechenland offenbart exemplarisch die Schw&auml;chen des Eurosystems: Statt zu sozialer und &ouml;konomischer Konvergenz unter den Eurol&auml;ndern beizutragen, f&uuml;hrt es zur Auseinanderentwicklung von L&ouml;hnen und Produktivit&auml;t. Neben Griechenland sind auch Portugal, Spanien und selbst Italien hiervon betroffen. In einigen L&auml;ndern mehren sich daher bereits die Forderungen, nicht nur die Eurozone, sondern auch die EU zu <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2016\/11\/europaeische-linksparteien-verstaerken-ruf-nach-plan-b\/\">verlassen<\/a>. Es sei dringend an der Zeit, offensiv &bdquo;Gegen eine EU der Banken und Konzerne und f&uuml;r Solidarit&auml;t und Demokratie&ldquo; einzutreten, meint auch <strong>Winfried Wolf<\/strong>, Autor von &bdquo;<a href=\"http:\/\/mediashop.at\/buecher\/die-griechische-tragoedie-2\/\">Die griechische Trag&ouml;die. Rebellion, Kapitulation, Ausverkauf<\/a>&ldquo; und Chefredakteur von <a href=\"http:\/\/www.lunapark21.net\/\">Lunarpark21 &ndash; Zeitschrift zur Kritik der globalen &Ouml;konomie<\/a>, im Interview mit <strong>Jens Wernicke<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4337\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-36261-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161214_Die_Existenzkrise_der_EU_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161214_Die_Existenzkrise_der_EU_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161214_Die_Existenzkrise_der_EU_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161214_Die_Existenzkrise_der_EU_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=36261-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/161214_Die_Existenzkrise_der_EU_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"161214_Die_Existenzkrise_der_EU_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Wolf, Sie sind einer der herausgebenden Autoren von &bdquo;FaktenCheck: Europa&ldquo;, einer Zeitschrift, die gerade mit der zweiten Ausgabe erschien und in ganz Deutschland verteilt wird. Worum geht es dabei?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Europa&ldquo; bzw. die &bdquo;Europ&auml;ische Union&ldquo; sind ja Begriffe, die von vielen Mythen und Legenden umrankt sind. Eine dieser Legenden ist die Gleichsetzung des geographischen Begriffs mit der politischen Einheit EU, die wiederum in der Namensgebung eine &bdquo;Union&ldquo; f&uuml;r ganz Europa, also einschlie&szlig;lich Schweiz, Norwegen, Island und vor allem Ukraine, Wei&szlig;russland und Russland, behauptet. Noch ohne Ber&uuml;cksichtigung des Brexit steht die EU mit 508 Millionen Einwohnern allerdings nur f&uuml;r gut 60 Prozent der europ&auml;ischen Bev&ouml;lkerung mit 820 Millionen Einwohnern. Nach vollzogenem Brexit werden es nur noch rund 55 Prozent sein. Es handelt sich dabei &uuml;brigens um dasselbe Konstrukt, das auch mit der Staatenbundbezeichnung &bdquo;USA&ldquo; praktiziert wird. Wobei wir hier in der Regel mit der Begrifflichkeit &bdquo;US-amerikanisch&ldquo; in aller Regel noch die Anma&szlig;ung zu relativieren versuchen, dass &bdquo;Amerika&ldquo; sich ausschlie&szlig;lich auf die USA beschr&auml;nkt. <\/p><p>Ein weiterer Mythos, der mit &bdquo;Europa&ldquo; und der &bdquo;EU&ldquo; verbunden ist, bezieht sich auf die griechische G&ouml;tterwelt und die in dieser auftretenden Gestalt Europa, der heimlichen Geliebten von Zeus. Eng damit zusammenh&auml;ngend gibt es dann die vielfach vorgetragene Behauptung, die EWG, sp&auml;ter die EG und heute die EU st&uuml;nden f&uuml;r Demokratie, wobei in j&uuml;ngerer Zeit hinzugef&uuml;gt wird, dass schlie&szlig;lich die &bdquo;Wiege der Demokratie&ldquo; in Griechenland zu finden sei. Liest man die Gr&uuml;ndungstexte der EU, also die R&ouml;mischen Vertr&auml;ge aus dem Jahr 1957 als Grundlage der Europ&auml;ischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG, f&auml;llt allerdings auf, dass die Worte &bdquo;Demokratie&ldquo; oder &bdquo;demokratisch&ldquo; dort gar nicht vorkommen. Erst im Maastrichter Vertrag &ndash; inzwischen als &bdquo;Vertrag &uuml;ber die Europ&auml;ische Union&ldquo; bezeichnet &ndash; gibt es ein Bekenntnis zu den &bdquo;Grunds&auml;tzen der Freiheit, der Demokratie und der Achtung der Menschenrechte&ldquo;. <\/p><p>Was davon allerdings zu halten ist, hat die Sendung &bdquo;Die Anstalt&ldquo; in ihrer Folge &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rrJ70ixPWNY\">Grand Hotel Europa<\/a>&ldquo; wunderbar seziert. In einem <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Demokratie-ist-was-die-Eliten-darunter-verstehen-3399370.html\">Satz<\/a>: Demokratie ist, was die Eliten darunter verstehen. Da geht es dann folgelogisch prim&auml;r um Profite und kaum &uuml;berhaupt mehr um soziale Standards und Lebensabsicherung.<\/p><p><strong>Beispielsweise in Griechenland, zu welchem Sahra Wagenknecht im NachDenkSeiten-Interview bereits vor einiger Zeit <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27052\">konstatierte<\/a>: &bdquo;Von Demokratie kann in Griechenland keine Rede mehr sein.&ldquo;<\/strong><\/p><p>So ist es, Demokratie wird zunehmend nur noch als &bdquo;<a href=\"https:\/\/jensewernicke.wordpress.com\/2013\/06\/08\/demokratie-als-standortnachteil\/\">Standortnachteil<\/a>&ldquo; und Wirtschaftsbremse interpretiert und &uuml;berall dort bek&auml;mpft, wo sie die Profite der Reichen und M&auml;chtigen bedroht. <\/p><p>Und was in Griechenland geschah und noch immer geschieht, ist, davon d&uuml;rfen wir ausgehen, auch nur ein autorit&auml;r-neoliberaler Testballon, dessen Etablierung nur die Probe ist, derlei Entrechtung der arbeitenden Bev&ouml;lkerung auch andernorts in der EU zu etablieren.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"280\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/1An_o6lgRPM\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center;\"><strong>Winfried Wolf: Griechenland unterm Hammer: Scheitern des Reformismus?<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Viele behaupten aber, die Bev&ouml;lkerung in Griechenland h&auml;tte das so gewollt &ndash; und &uuml;berhaupt sei alternativlos, was dort aktuell geschieht.<\/strong><\/p><p>Beide Aussagen sind falsch. 2015 erlebte Griechenland eine Art demokratisches Desaster: Dort sagte der demos, das Volk, im Referendum vom 5. Juli, mit 61,3 Prozent &bdquo;Ochi&ldquo;, also &bdquo;Nein&ldquo; zu einem weiteren &bdquo;Memorandum&ldquo;, einem dritten Spardiktat der EU. Doch die Europ&auml;ische Union bzw. die EU-Institutionen in Br&uuml;ssel und die Bundesregierung in Berlin ignorierten diese Entscheidung souver&auml;n und zwangen der griechischen Regierung am 13. Juli 2015 eben ein solch neues, nochmals h&auml;rteres Spardiktat auf. Gegen das klare Votum der Bev&ouml;lkerung hiergegen, eine Tatsache, die gern in Vergessenheit ger&auml;t. <\/p><p>Vor diesem Hintergrund ist es im &Uuml;brigen grotesk, dass der scheidende US-Pr&auml;sident Barack Obama am 15. November in Athen eine Rede zum Thema Demokratie hielt, die er als eine Art Verm&auml;chtnis seiner Amtszeit ansieht. Er ging in der Rede nicht auf das Referendum ein und auch nicht darauf, dass die USA damals, vermittelt &uuml;ber ihren starken Einfluss auf den IWF, es in der Hand gehabt h&auml;tten, eine solche Verletzung elementarer Demokratie-Grunds&auml;tze zu verhindern.<\/p><p>Hier ist im &Uuml;brigen der Vergleich mit Gro&szlig;britannien interessant. Am 23. Juni 2016 sprach sich mit 51,9 Prozent der Stimmen eine wesentlich knappere Mehrheit f&uuml;r den wesentlich weiterreichenden Schritt eines Austritts aus der EU aus. Doch seither sind sich alle relevanten Kr&auml;fte in der EU und in Gro&szlig;britannien einig: Brexit hei&szlig;t Brexit. <\/p><p>Die unterschiedliche Bewertung der zwei angef&uuml;hrten Referenda hat offensichtlich wenig mit Demokratie und viel mit wirtschaftlichem Gewicht zu tun. Etwas, das im &Uuml;brigen auch bereits Anfang der 1990er Jahre demonstriert wurde, als die D&auml;ninnen und D&auml;nen solange &uuml;ber den Maastrichter Vertrag abstimmen mussten, bis das Ergebnis im Sinne der Mainstream-EU passend war. Und was dann vor wenigen Wochen nochmals verdeutlicht wurde, als die wallonische Regionalregierung, die gewagt hatte, CETA abzulehnen, solange gegrillt wurde, bis sie sich eines Schlechteren besann.<\/p><p>Vor dem Hintergrund dieser immer deutlicher zutage tretenden antidemokratischen Entwicklungen, die best&auml;ndig von Propaganda begleitet werden, die den europ&auml;ischen Bev&ouml;lkerungen den Geist vernebeln soll, hatten ein paar Freunde und ich im Fr&uuml;hjahr 2015 die Publikation <a href=\"http:\/\/faktencheckhellas.org\/\">Faktencheck: HELLAS<\/a> ins Leben gerufen, die mit ihren f&uuml;nf Ausgaben eine addierte Auflage von immerhin 240.000 Exemplaren erreichte und mit &Uuml;bersetzungen in f&uuml;nf Sprachen erschien. Unser Folgeprojekt <a href=\"http:\/\/faktencheckhellas.org\/faktencheckeuropa\/\">FaktenCheck: EUROPA<\/a> erschien mit der ersten Ausgabe bewusst zum Jahrestag des Griechenland-Referendums, Anfang Juli 2016, und tr&auml;gt den Untertitel: &bdquo;Gegen eine EU der Banken &amp; Konzerne &ndash; f&uuml;r Solidarit&auml;t und Demokratie&ldquo;. Denn es muss etwas geschehen gegen diese EU der Konzerne, die sich mehr und mehr abzeichnet, und wir bem&uuml;hen uns hier um Aufkl&auml;rung sowie die Widerlegung von Mythen und Propaganda, die dringend notwendig erscheint. <\/p><p>Und &uuml;berhaupt ist &bdquo;die EU&ldquo; kein linkes Projekt und war das auch nie&hellip;<\/p><p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p><p>Nun, historisch&hellip; Die R&ouml;mischen Vertr&auml;ge mit dem Vorl&auml;ufer der Europ&auml;ischen Gemeinschaft f&uuml;r Kohle und Stahl stehen in einer langen Tradition deutscher Eliten-Politik. Nur wenige Wochen nach Beginn des Ersten Weltkriegs, am 7. September 1914, formulierte der AEG-Industrielle Walter Rathenau:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Unter diesen Umst&auml;nden erscheint es als der st&auml;rkste Umschwung unserer Politik, wenn wir Frankreich zu einem freiwilligen Frieden gewinnen. (&hellip;) Das Endziel w&auml;re der Zustand, der allein ein (sinnvolles) k&uuml;nftiges Gleichgewicht Europa bringen kann: Mitteleuropa geeinigt unter deutscher F&uuml;hrung &ndash; gegen England und Amerika einerseits, gegen Russland andererseits politisch und wirtschaftlich gefestigt. (&hellip;) Es ist die deutsche Aufgabe, den alteurop&auml;ischen K&ouml;rper zu verwalten und zu st&auml;rken.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und in einer Denkschrift des Ausw&auml;rtigen Amtes vom 9. September 1943 wurde formuliert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Einigung Europas (&hellip;) ist eine zwangsl&auml;ufige Entwicklung. (&hellip;) Die L&ouml;sung der europ&auml;ischen Frage kann nur auf f&ouml;derativer Basis herbeigef&uuml;hrt werden (&hellip;) Ziel ist eine europ&auml;ische Zollunion und ein freier europ&auml;ischer Markt, europ&auml;ische (&hellip;) feste W&auml;hrungsverh&auml;ltnisse mit dem sp&auml;teren Ziel einer europ&auml;ischen Wirtschaftsunion.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das hei&szlig;t: Aufgekl&auml;rte deutsche Unternehmer wollten bereits im Ersten Weltkrieg &ndash; und wohlgemerkt als Resultat des Angriffskriegs! &ndash; eine &bdquo;Union des alteurop&auml;ischen K&ouml;rpers&ldquo; unter deutscher Dominanz schaffen. Dieses Ziel wurde vom NS-Regime auch mit dem Zweiten Weltkrieg verfolgt. <\/p><p>Nat&uuml;rlich gab es gewaltige Br&uuml;che in der deutschen Geschichte; ich will hier nicht behaupten, dass sich die EU direkt aus den im Ersten und Zweiten Weltkrieg formulierten Kriegszielen ableiten lie&szlig;e. Dennoch gibt es eben diese lange Tradition von &bdquo;Europastrategien des deutschen Kapitals&ldquo; &ndash; so ja auch der Titel einer 1100-seitigen Dokumentensammlung, die Reinhard Opitz zusammengestellt hatte und der die beiden Zitate entnommen sind.<\/p><p><strong>In welcher Situation befindet sich die EU heute und wie bewerten Sie den innerlinken Streit, ob mit dieser EU, wie wir sie haben, eine linke Utopie jemals verwirklichbar sein wird?<\/strong><\/p><p>Ich bin mir unsicher, ob es jemals gr&ouml;&szlig;ere linke Utopien gab, die sich mit den Projekten EWG, EG und EU verbanden. Es war wohl vielmehr so, dass die Linke den Prozess der behaupteten europ&auml;ischen Einigung zur Kenntnis nahm und diesen dann weder kritisch noch euphorisch begleitete; die Marxistinnen und Marxisten sahen hierin wohl eine Art objektive Tendenz des Kapitals. Es gab ja auch ein Vierteljahrhundert lang kaum eine Debatte dar&uuml;ber, dass diese EU keinerlei demokratische Legitimation hatte. Die erste Europawahl fand 1979 statt<\/p><p>Wenn die Sozialdemokratie und die Friedrich-Ebert-Stiftung in den 1970er und 1990er Jahren in gr&ouml;&szlig;erem Ma&szlig; in der EG bzw. in der EU aktiv wurden, dann gingen damit damals bereits problematische und wenig demokratische Tendenzen einher. So ging es bei entsprechenden Interventionen in Spanien und Portugal etwa darum, gegen die starken Positionen der jeweiligen Kommunistischen Partei und der kommunistisch gepr&auml;gten Gewerkschaften, die erhebliche Verdienste im Kampf gegen das Caetano-Regime und gegen den Franco-Faschismus errungen hatten, mit viel Geld anzugehen, starke sozialdemokratische Parteien aufzubauen und f&uuml;r einen Eintritt in die EU und eine St&auml;rkung der Nato zu werben. Die derart aufgebauten sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien m&uuml;ssen heute als extrem korrupt und als machtversessen bezeichnet werden.<\/p><p>Eine wirkliche innerlinke Debatte &uuml;ber die EU entwickelte sich dann erst in den 1990er Jahren, weitgehend als Reaktion auf den Maastrichter Vertrag. In den 1990er Jahren zeigte sich auch, dass ausgerechnet die EU in Europa spalterisch auftrat: Es waren die EU im Allgemeinen und die deutsche Regierung im Besonderen, die ma&szlig;geblich dazu beitrugen, dass damals Jugoslawien in ein halbes Dutzend Einzelstaaten aufgespalten, die gesamte Region in Kriege und B&uuml;rgerkriege gest&uuml;rzt und der Lebensstandard der dort lebenden Menschen teilweise drastisch gesenkt wurde. Das war besonders tragisch, weil es mit der strikt f&ouml;deral ausgerichteten Bundesrepublik Jugoslawien immerhin ein halbes Jahrhundert lang gegl&uuml;ckt war, die Region Balkan, auf der sich zuvor mehr als 150 Jahre lang unterschiedliche Volksgruppen blutig bek&auml;mpft hatten, zu befrieden, wof&uuml;r auch mehr als sieben Millionen interethnische Mischehen Zeugnis ablegten. <\/p><p>Der H&ouml;hepunkt dieses spalterischen Vorgehens der EU auf dem Balkan war dann der v&ouml;lkerrechtswidrige <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33128\">Kosovo-Krieg<\/a>, in dem deutsche, britische, italienische, franz&ouml;sische und spanische Kampfflugzeuge &ndash; zusammen mit dem &bdquo;Marktf&uuml;hrer&ldquo; auf diesem Gebiet, den USA &ndash; &uuml;berwiegend zivile Strukturen mit Bomben belegten. Es ist bezeichnend, dass der einzige echt europ&auml;ische Konzern, den es bislang &uuml;berhaupt gibt, als Resultat dieses Krieges entstand &ndash; und dass es sich dabei mit EADS um einen R&uuml;stungskonzern handelt.<\/p><p>Es war im &Uuml;brigen der Ex-BND-Agent Erich Schmidt-Eenbohm, der im Detail darlegte, dass der deutsche Geheimdienst BND im Verbund mit den Geheimdiensten &Ouml;sterreichs und Italiens seit dem Tod von Marschall Tito im Jahr 1980 systematisch auf eine Aufspaltung Jugoslawiens hingearbeitet hatte, um dann in den 1990er Jahren schlie&szlig;lich Vollzug melden zu k&ouml;nnen.<\/p><p>In seinem Buch &bdquo;Der Schattenkrieger &ndash; Klaus Kinkel und der BND&ldquo; stellt Schmidt-Eenboom fest:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In Rom gab es bereits 1981 ernsthafte Konsultationen zwischen Deutschland, &Ouml;sterreich und Italien &uuml;ber die Frage, wer welche Aufgabe beim Zerfall des Tito-Staates nach dem Tod des Marschalls am 5. Mai 1980 &uuml;bernehmen sollte. Selbst auf der politischen B&uuml;hne Deutschlands waren bald darauf die ersten Versuche zu verzeichnen, einen kroatischen Nationalstaat zu f&ouml;rdern. Als Mate Mestrovic, der Sohn des ber&uuml;hmten Bildhauers und CIA-Agenten Ivan Mestrovic, 1982 nach Bonn kam, empfing ihn der Bundespr&auml;sident pers&ouml;nlich. Richard von Weizs&auml;cker versicherte ihm, dass er die Forderung nach einem unabh&auml;ngigen Kroatien unterst&uuml;tze. Als die jugoslawische Spionageabwehr davon erfuhr (&hellip;), war sie einigerma&szlig;en erstaunt, weil die offizielle Politik Bonns zu diesem Zeitpunkt noch f&uuml;r den Erhalt Gesamtjugoslawiens als Stabilit&auml;tsfaktor in S&uuml;dosteuropa eintrat.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>So sehr die Aufspaltung Jugoslawiens eine Scheidewende und der Kosovo-Krieg einen Tabubruch darstellten, so gab es damals in der EU doch gleichwohl nur erste Risse, die auf eine kommende, umfassende Krise hindeuteten. Nochmals zwei Jahrzehnte sp&auml;ter erleben wir jedoch eine tiefe &ouml;konomische, soziale und politische Krise dieser EU, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schlie&szlig;lich zu einem Aufbrechen der Eurozone, zu einem Ende des Euro als Einheitsw&auml;hrung f&uuml;r eine gro&szlig;e Zahl von EU-Mitgliedsl&auml;ndern und m&ouml;glicherweise sogar zu einer Aufl&ouml;sung der EU f&uuml;hren wird. <\/p><p><strong>Zum Thema EU gibt es eine rege linke Debatte. Die Positionen, soweit ich sie nachzuvollziehen vermag, sind &bdquo;Wer gegen die EU ist, ist v&ouml;lkisch und nationalistisch; wir m&uuml;ssen f&uuml;r eine soziale EU streiten&ldquo; auf der einen und &bdquo;Mit dieser EU ist nichts Soziales mehr zu realisieren, wer diese M&auml;r weiter kolportiert, macht sich mit der Macht der Banken und Konzerne und den diese sch&uuml;tzenden Legenden nur gemein&ldquo; auf der anderen Seite. Oskar Lafontaine hat diesbez&uuml;glich schon vor L&auml;ngerem ein &bdquo;Ende des Euro&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/oskar-lafontaine-fordert-ende-des-euro-a-1043084.html\">gefordert<\/a>. Wie bewerten Sie diesen Disput?<\/strong><\/p><p>Wir sollten die Themen Euro und EU voneinander trennen.<\/p><p>Eine Debatte &uuml;ber die EU als Ganzes mit der Forderung, aus dieser auszutreten, fand bislang hierzulande kaum statt. Das britische Ja zum Brexit hat jetzt auch diese Debatte auf die Tagesordnung gesetzt. Dabei entschied das Thema EU in der Ukraine &uuml;ber Krieg und Frieden. Es war dort die 2013\/14 von Br&uuml;ssel und Berlin ultimativ vorgetragene Forderung, das Land solle in die EU eintreten und gleichzeitig die privilegierten Beziehungen zu Russland aufgeben, die zur Spaltung des Landes und zu den bekannten kriegerischen Auseinandersetzungen gef&uuml;hrt hatten. <\/p><p>Das Brexit-Ja in Gro&szlig;britannien wiederum kann noch enorme Turbulenzen bewirken. In Schottland wurde damit die Forderung nach Abspaltung vom United Kingdom erneut auf die Tagesordnung gesetzt. In B&auml;lde k&ouml;nnte sich auch die Forderung nach einer Einheit Irlands stellen. Immerhin gestatteten die EG\/EU, dass es mit Gro&szlig;britannien einen Mitgliedsstaat gibt, der sich mit Nordirland faktisch eine innereurop&auml;ische Halbkolonie h&auml;lt. <\/p><p>&Uuml;brigens wurden in den R&ouml;mischen Vertr&auml;gen in einem &bdquo;Annex IV&ldquo; mehr als ein halbes hundert &bdquo;&Uuml;berseegebiete&ldquo; aufgef&uuml;hrt, f&uuml;r die der EWG-Vertrag ganz oder in Teilen G&uuml;ltigkeit haben sollte. Es handelte sich dabei &uuml;berwiegend um Kolonien und Halbkolonien der EWG-Mitgliedstaaten &ndash; zum Beispiel Belgisch-Kongo oder Franz&ouml;sisch-&Auml;quatorial-Afrika oder das zu den Niederlanden gerechnete Neu Guinea. Es waren dann nicht hehre europ&auml;ische Prinzipien, die zur Entkolonialisierung gef&uuml;hrt hatten, sondern der antikoloniale Kampf der betreffenden V&ouml;lker.<\/p><p>V&ouml;llig &uuml;bersehen in der grunds&auml;tzlichen Debatte EU Ja oder Nein wird, dass diese Frage f&uuml;r ein europ&auml;isches Land j&uuml;ngst existentielle Bedeutung erhielt: f&uuml;r Island. Dieser Inselstaat stand vor einem Jahrzehnt an der Schwelle zu einem EU-Beitritt. Dann geriet Island in eine hausgemachte Finanzkrise. Das Land konnte die Krise in nur vier bis f&uuml;nf Jahren &uuml;berwinden &ndash; mit Ma&szlig;nahmen wie einer drastischen Abwertung der W&auml;hrung und der Verstaatlichung des Bankensektors. Als EU-Mitgliedsland oder gar Eurozonenland h&auml;tte Island deutlich weniger Chancen gehabt, die Krise zu bew&auml;ltigen. <\/p><p>Dies wird deutlich, wenn man die beiden Inselstaaten Island und Zypern miteinander vergleicht: Zwei weitgehend gleich gro&szlig;e Inselrepubliken, beide gerieten in eine hausgemachte Finanzkrise. Island konnte sich, wie beschrieben, aus eigener Kraft aus dieser Krise befreien. Im EU-Land Zypern, zugleich Mitglied der Eurozone, kam es nach Ausbruch der Krise zu massiven Interventionen seitens der EU und der Troika. Das Land wurde zu einem Sparprogramm gezwungen, &auml;hnlich den Memoranden, die Griechenland auferlegt wurden. Das Ergebnis ist eine st&auml;ndig steigende Arbeitslosenquote &ndash; von 2010 auf 2015 etwa von 6,3 auf 16 Prozent &ndash; eine Verdopplung der &ouml;ffentlichen Schulden und deutliche Einschnitte beim Lebensstandard der Bev&ouml;lkerung.<\/p><p>Wie dies von Leuten wie Flassbeck, Lafontaine oder Wagenknecht immer wieder richtig betont wird, spielt der Euro f&uuml;r die Eurozonen-Peripherie-L&auml;nder eine die Krisentendenzen versch&auml;rfende Rolle. Das ist inzwischen so deutlich, dass auch Linke, die am Euro festhalten wollen, das einr&auml;umen. Der Parteichef der LINKEN, Bernd Riexinger, sagte j&uuml;ngst:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir haben einen Konsens, dass der Euro als W&auml;hrungssystem in der bestehenden Form die Schwachen schw&auml;cht und die Starken st&auml;rkt.&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>An sich ist das ja eine klare Ansage, die klare Kante erfordern sollte. Doch Riexinger argumentiert im Anschluss: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Forderung nach einem Austritt aus dem Euro spaltet &uuml;berall, in den europ&auml;ischen Linksparteien und in den Gewerkschaften.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Tats&auml;chlich k&ouml;nnen wir Riexingers wesentliche Aussage, wonach mit dem Euro &bdquo;die Schwachen schw&auml;cher und die Starken st&auml;rker&ldquo; werden, auf drei Ebenen konkretisieren: hinsichtlich der sozialen, der &ouml;konomischen und der politischen Realit&auml;t.<\/p><p><em>Soziale Realit&auml;t:<\/em> Wir haben inzwischen in allen Peripheriestaaten der Eurozone &ndash; und dazu z&auml;hle ich Frankreich, Spanien, Portugal, Irland, Italien, Zypern und Griechenland &ndash; eine deutlich &uuml;berproportionale Arbeitslosenquote. Vor allem haben wir dort eine skandal&ouml;s hohe Jugendarbeitslosigkeit, die bei 35 bis 50 Prozent liegt. In all diesen L&auml;ndern kam es zu einem Reallohnabbau.<\/p><p><em>&Ouml;konomische Realit&auml;t:<\/em> Alle Eurozonen-Peripheriel&auml;nder erleben seit Einf&uuml;hrung des Euro eine beschleunigte Deindustrialisierung und einen rasanten Verlust ihrer Wettbewerbsf&auml;higkeit. So wurde zum Beispiel in Italien die Autoproduktion seit Einf&uuml;hrung des Euro von j&auml;hrlich 2 Millionen Kraftfahrzeugen auf weniger als 750.000 im Jahr 2016 reduziert. W&auml;hrend Fiat die Kfz-Fertigung im Euroland Italien herunterf&auml;hrt, erh&ouml;ht es diese in Polen &ndash; nicht Eurozone &ndash; und bei der Fiat-Tochter Chrysler in den USA. Weniger prominent, aber ebenfalls eindrucksvoll: Seit 2004 wurde in Italien die Fertigung von K&uuml;hlschr&auml;nken von 30 Millionen auf weniger als 10 Millionen geschrumpft. <\/p><p><em>Politische Realit&auml;t:<\/em> Parallel mit der Einf&uuml;hrung der Einheitsw&auml;hrung wurde die Eurogroup als Treffen der Finanzminister der Eurozone eingef&uuml;hrt. Eine Eurogroup ist als EU-Institution nirgendwo in den EU-Vertr&auml;gen vorgesehen und schon gar nicht demokratisch legitimiert. Doch die Eurogroup agiert inzwischen wie ein geheim tagendes Politb&uuml;ro der EU. Die von der EU und dem IWF installierte Troika wiederum agiert im Auftrag der Eurogroup u.a. in den Peripherie-L&auml;ndern. Sie verordnete dort Radikalkuren, die in Widerspruch zu den Grunds&auml;tzen der EU stehen. So nennt die EU als offizielle Ziele eine allgemeine &bdquo;Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeitskr&auml;fte&ldquo; und die &bdquo;Verringerung des Abstands zwischen den einzelnen Gebieten&ldquo;. Die Ma&szlig;nahmen der Eurogroup und der Troika haben die entgegengesetzte Intention und Wirkung. <\/p><p>Meine <em>Bilanz<\/em> lautet: Das Projekt EWG war von Anfang kein demokratisches oder allgemein fortschrittliches Vorhaben. In den 60 Jahren, in denen dieses Projekt vorangetrieben wurde, kam es zu keiner Demokratisierung. Seit mindestens 15 Jahren und weitgehend seit Einf&uuml;hrung des Euro kommt es in der EU, wie beschrieben, zu Verschlechterungen hinsichtlich der &ouml;konomischen Lage bei rund einem Drittel der EU-Mitgliedsl&auml;nder und zu einer Verschlechterung der sozialen Lage bei rund der H&auml;lfte der in der EU lebenden Menschen. Insbesondere gibt es in der gesamten EU einen allgemeinen Demokratieabbau. Es ist die EU selbst, die spaltet. Ich sehe keine Chance f&uuml;r eine demokratische Revitalisierung der EU.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"283\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/LFNGN3HTJGk\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center;\"><strong>Harald Schumann: &ldquo;Macht ohne Kontrolle &ndash; die Troika&rdquo;<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Wenn die EU, wie wir sie kennen, aber zunehmend zur Gei&szlig;el der Finanzeliten wird und deren Wirken mit bisherigen Praxen kaum aufzuhalten ist &ndash; nun, was tun wir dann als Demokraten und Basisbewegte, welche Art Widerstand organisieren wir?<\/strong><\/p><p>Notwendig sind Aufkl&auml;rung und Gegenformation. Erforderlich ist eine offene Debatte &uuml;ber die EU und ein Ende mit der Tabuisierung einer linken EU-Kritik. Die Behauptung, eine solche Kritik spalte oder man arbeite damit den Rechten in die H&auml;nde, ist falsch. Das verkrampfte Festhalten an der M&ouml;glichkeit einer &bdquo;Demokratisierung der EU&ldquo; tr&auml;gt vielmehr zur St&auml;rkung der rechten und faschistischen Positionen bei. Auf diese Weise bleibt die Kritik von EU und Euro das Monopol der Rechten. <\/p><p>Das hei&szlig;t nat&uuml;rlich auch, dass die Entwicklung eines linken Gegenmodells zur bestehenden kapitalistischen Gesellschaft mit ihren Nationalstaaten und supranationalen Bl&ouml;cken wie NAFTA und EU erforderlich ist. Ein solches Gegenmodell einer solidarischen, nichtkapitalistischen Gesellschaft kann sich jedoch nur aus den konkreten K&auml;mpfen heraus entwickeln. <\/p><p>Diese K&auml;mpfe sind aktuell defensiver Art: CETA und TTIP bek&auml;mpfen. Dem Aufstieg der Rechten und Faschisten begegnen. Sich f&uuml;r eine solidarische Praxis gegen&uuml;ber den Gefl&uuml;chteten engagieren. Sich gegen die kapitalistischen, zerst&ouml;rerischen Gro&szlig;projekte wie Airportausbau, Stuttgart 21, Braunkohleabbau und atomares Endlager zur Wehr setzen.<\/p><p>Vor allem aber gilt es, alle unsere Kr&auml;fte darauf zu konzentrieren, dass die Kriegsgefahr gebannt, die R&uuml;stungsexporte eingestellt und die Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr beendet werden. F&uuml;r das Letztere gibt es klare Mehrheiten in der Bev&ouml;lkerung. Dieses Thema muss auch als Lackmus-Test f&uuml;r jede Art linker Abl&ouml;sung der gegenw&auml;rtigen Regierung, also f&uuml;r Rot-Rot-Gr&uuml;n, gelten.<\/p><p><strong>Gibt es etwas, das jeder Einzelne von uns tun kann, um den Eliten bei ihrem Schalten und Walten ggf. ein wenig &bdquo;Sand im Getriebe&ldquo; zu sein?<\/strong><\/p><p>Ich glaube, dass jeder Einzelne in seinem Umfeld konkrete Bet&auml;tigungsfelder finden wird f&uuml;r ein soziales und solidarisches Engagement, wie ich es eben skizzierte. <\/p><p>Oft er&ouml;ffnen sich auch erstaunliche, neue M&ouml;glichkeiten. Als wir Ende 2015 im Rahmen einer Bilanz, die die Griechenland-Solidarit&auml;tskomitees zogen, das Projekt vorstellten, die Zeitung <em>FaktenCheck: HELLAS<\/em> in ein mehr allgemeines Projekt <em>FaktenCheck: EUROPA<\/em> zu &uuml;berf&uuml;hren, da meldeten sich Leute aus Wuppertal. Sie schlugen vor, f&uuml;r ihre Stadt dann eine eigene erg&auml;nzende Zeitung zu machen, in der gewisserma&szlig;en das neoliberale Modell der EU-Politik f&uuml;r die Verh&auml;ltnisse in Wuppertal das Hauptthema ist. <\/p><p>Gesagt, getan. Seit Mitte November gibt es <em>FaktenCheck: WUPPERTAL<\/em>. In Wuppertal wird seit dem 15. November eine 12-seitige Zeitung verteilt, diese besteht als &bdquo;Buch 1&ldquo; aus der vierseitigen <em>FaktenCheck: WUPPERTAL<\/em> und als &bdquo;Buch 2&ldquo; aus der 8-seitigen <a href=\"http:\/\/faktencheckhellas.org\/faktencheckeuropa-ausgabe-2-online\/\"><em>FaktenCheck: EUROPA<\/em> Nummer 2<\/a>. Die &ndash; aus meiner Sicht ganz ausgezeichneten! &ndash; Texte in FaktenCheck:WUPPERTAL entstanden vor Ort &ndash; in einer neuen B&uuml;ndnisstruktur, in der die meisten relevanten linken Kr&auml;fte in Wuppertal zusammenfanden. Wir als &bdquo;Zentralredaktion&ldquo; konnten wesentliche Hilfe daf&uuml;r leisten, dass dieses lokale Projekt auch konkret umgesetzt werden konnte &ndash; unter anderem, indem wir die Gestaltung und den Druck von <em>FaktenCheck: WUPPERTAL<\/em> organisierten.<\/p><p>Die Wuppertaler und wir sind der Meinung: Solch eine Publikation als Kombi von <em>FaktenCheck: Europa<\/em> und lokaler erg&auml;nzender, aber autonomer Publikation sollte Schule machen. Und wir ermuntern dazu, im Fr&uuml;hjahr 2017, wenn Nummer 3 von <em>FaktenCheck: EUROPA<\/em> erscheint, in mehreren St&auml;dten solche lokale Zeitungen ins Leben zu rufen und weitere &bdquo;Huckepack&ldquo;-Publikationen mit <em>FaktenCheck: EUROPA<\/em> ins Leben zu rufen.<\/p><p>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Winfried Wolf<\/strong>, Jahrgang 1949, ist Diplompolitologe und Dr. phil. Er war von 1994 bis 2002 Bundestagsabgeordneter f&uuml;r die PDS und ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac. Er verfasste eine gr&ouml;&szlig;ere Zahl von B&uuml;chern zu Weltwirtschaft und Globalisierung sowie zu den Themen Auto, Verkehr und Bahn. Seine j&uuml;ngste Ver&ouml;ffentlichung ist &bdquo;<a href=\"http:\/\/mediashop.at\/buecher\/die-griechische-tragoedie-2\/\">Die griechische Trag&ouml;die. Rebellion, Kapitulation, Ausverkauf<\/a>&ldquo;. Er ist Chefredakteur von <a href=\"http:\/\/www.lunapark21.net\/\">Lunapark21 &ndash; Zeitschrift zur Kritik der globalen &Ouml;konomie<\/a>. <\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/48b18795f1814eda823d9d8f66ae9744\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161214_wolf.jpg\" alt=\"Winfried Wolf\" title=\"Winfried Wolf\"\/><\/div>\n<p>Nach der Entscheidung vom 23. Juni verl&auml;sst mit Gro&szlig;britannien erstmals ein Mitgliedsland die EU. Auch Linke sprachen sich in der vorausgegangenen Kampagne f&uuml;r den Austritt aus. Einige sehen im Brexit bereits den Beginn der Aufl&ouml;sung der Union, da weitere L&auml;nder diesem Beispiel<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36261\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,22,180,209,156],"tags":[423,530,1843,1913,1555,1426,1348,2023,462,432,891,1267,479,1473,1204,564,654,260,2479,1346],"class_list":["post-36261","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-europaische-union","category-europaeische-vertraege","category-interviews","category-schulden-sparen","tag-austeritaetspolitik","tag-buergerentscheid","tag-brexit","tag-ceta","tag-griechenland","tag-hegemonie","tag-island","tag-jugendarbeitslosigkeit","tag-jugoslawien","tag-kosovo","tag-maastrichter-vertrag","tag-portugal","tag-reservearmee","tag-riexinger-bernd","tag-schottland","tag-spanien","tag-troika","tag-ukraine","tag-wolf-winfried","tag-zypern"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36261","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36261"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36261\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90423,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36261\/revisions\/90423"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36261"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36261"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}