{"id":3638,"date":"2008-12-07T16:03:45","date_gmt":"2008-12-07T15:03:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3638"},"modified":"2015-11-06T09:20:34","modified_gmt":"2015-11-06T08:20:34","slug":"gibt-es-irgendwann-sanktionen-gegen-die-fortgesetzte-unfaehigkeit-in-der-wirtschaftspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3638","title":{"rendered":"Gibt es irgendwann Sanktionen gegen die fortgesetzte Unf\u00e4higkeit in der Wirtschaftspolitik?"},"content":{"rendered":"<p>Leser der NachDenkSeiten k&ouml;nnten sich daran st&ouml;ren, dass wir immer wieder auf den Zusammenhang zwischen der Meinungsbildung zu einem politischen Problem und der politischen Willensbildung und Entscheidungsfindung dazu hinweisen. Es hilft aber nichts, denn die &uuml;berall herumschwirrenden Vorurteile und Legenden haben eine verheerende Wirkung auf die politischen Entscheidungen: Wir wussten auch vor zwei oder drei Jahren, dass es in der Bundesrepublik, anders als behauptet, keinen wirklichen, m&ouml;glichst alle Bereiche der Volkswirtschaft erfassenden Boom gibt. Wir wussten, dass die wirtschaftliche Belebung weit &uuml;bertrieben wurde, um die Agenda 2010-Politik als erfolgreich erscheinen zu lassen. Wir wussten, dass die Ankurbelung der Binnennachfrage dringend n&ouml;tig gewesen w&auml;re. Wir wussten, dass man sich angesichts des extremen Leistungsbilanzdefizits der USA auf den Export nicht verlassen kann, weil irgendwann es so nicht weitergehen konnte. Es ist Standardwissen, dass man die Konjunktur nicht von heute auf morgen umsteuern kann, dass konjunkturpolitische Ma&szlig;nahmen Zeit brauchen und man sie deshalb rechtzeitig in Gang setzen muss. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDas sind lauter Binsenweisheiten. Und dennoch werden sie von den bei uns verantwortlichen Personen nicht ernst genommen. Diese, an vorderster Front Bundesfinanzminister Steinbr&uuml;ck und die Bundeskanzlerin, sind voll von Vorurteilen: &bdquo;Konjunkturprogramme sind Strohfeuer&ldquo;, &bdquo;Sie bringen nur mehr Schulden&ldquo;, &bdquo;Wir sind national nicht mehr handlungsf&auml;hig&ldquo;, &bdquo;Die Maastricht-Kriterien lassen expansive Besch&auml;ftigungspolitik nicht zu&ldquo;, &bdquo;Wir sparen volkswirtschaftlich, wenn wir als Finanzminister sparen wollen&ldquo; usw. &ndash; In der &bdquo;Reforml&uuml;ge&ldquo; sind 40 Denkfehler, L&uuml;gen und Legenden der skizzierten Art beschrieben, analysiert und widerlegt. Den Bundesfinanzminister habe ich damit offensichtlich nicht erreicht. Er ist wohl &uuml;berhaupt nicht erreichbar. Steinbr&uuml;ck hat in den letzten Jahren gebetsm&uuml;hlenartig seine Aversion gegen expansive Makropolitik, sprich Konjunkturpolitik, zum Besten gegeben. Noch im September, Oktober und bis in diese Tage unterhielt er uns mit abenteuerlichen, mit dem Gestus absoluter &Uuml;berzeugtheit vorgetragenen Wortkonstruktionen gegen Konjunkturprogramme. Jetzt pl&ouml;tzlich lesen wir in einer <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,druck-594825,00.html\">Meldung vom 6. Dezember<\/a>, Steinbr&uuml;ck schlie&szlig;e ein neues Konjunkturprogramm nicht mehr aus (siehe Anlage 1). Aber wie schon in der Vergangenheit meint er, zun&auml;chst einmal das erste Quartal des n&auml;chsten Jahres verstreichen lassen zu k&ouml;nnen und dann an Ostern t&auml;tig zu werden.<br>\nDer Mann hat nicht begriffen, was los ist. Er glaubt an seine eigenen Spr&uuml;che von den &bdquo;Konjunkturprogrammen als Strohfeuer&ldquo; und wei&szlig; nicht, dass jede konjunkturpolitische oder geldpolitische Ma&szlig;nahme Entfaltungszeit braucht. Infrastrukturprogramme brauchen zus&auml;tzlich auch Planungszeit.<\/p><p>Jetzt ist ein wirklich gro&szlig;es Investitionsprogramm in die Infrastruktur und auch in personalpolitische Aufbauma&szlig;nahmen dringend erforderlich. Dies kostet auch nicht mehr Geld, als uns allen abverlangt wird, wenn die Arbeitslosigkeit explodiert und die Betriebe reihenweise vor dem Aus stehen.<\/p><p>Rechtzeitig zu handeln h&auml;tte &uuml;brigens bedeutet, im Jahr 2006 die Zeichen der Zeit zu erkennen und damals mit expansiven, die Binnennachfrage ankurbelnden Ma&szlig;nahmen den erkennbar abbrechenden Aufschwung zu st&uuml;tzen. Weil die Verantwortlichen exportfixiert sind und weil sie falsche Vorstellungen von der Dimension haben, den ein wirklicher Aufschwung erreichen muss, haben sie die Stagnation der Binnennachfrage und des Konsums einfach ignoriert. Und sie haben die Gefahren von au&szlig;en, die wachsende Verschuldung der USA und die Leistungsbilanzdefizite unserer europ&auml;ischen Partner nicht gesehen und nicht sehen wollen. Sie haben nicht nur vers&auml;umt, die Binnennachfrage anzukurbeln, sie haben sogar prozyklisch die Mehrwertsteuer um drei Punkte erh&ouml;ht und die &ouml;ffentlichen Haushalte zu beschr&auml;nken versucht.<\/p><p>Die europ&auml;ische Zentralbank hat bis in den Sommer des Jahres 2008 hinein die falsche Zinspolitik betrieben.<\/p><p><strong>Leitzinssenkungen seit 1999:<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/081207.jpg\" alt=\"Leitzinssenkungen seit 1999\" title=\"\"><\/p><p>Quelle: SpiegelOnline vom 5.12.2008<\/p><p>Sie hat &ndash; wie die Abbildung zeigt &ndash; Ende 2005 beginnend in Trippelschritten bis hinein ins Jahr 2007 den Leitzins verdoppelt und dann schon mitten in der Krise im Sommer 2008 noch einmal mit einer Zinserh&ouml;hung nachgelegt.<\/p><p>Die Europ&auml;ische Zentralbank wird von der ver&ouml;ffentlichten Meinung in Deutschland, also von den Hauptmedien und den politischen Meinungsf&uuml;hrern, nicht kritisiert. Sie wird also auch in Zukunft so weitermachen k&ouml;nnen. Sanktionen bleiben aus, obwohl die f&uuml;r viele Menschen sehr bitteren Folgen Sanktionen m&ouml;glich machen m&uuml;ssten.<br>\nEs ist auch h&ouml;chst fraglich, ob Steinbr&uuml;ck mit Sanktionen rechnen muss. Gestern kam die Nachricht, dass ihn eine obskur erscheinende, offensichtlich f&uuml;r Public- Relations-Zwecke geschaffene Vereinigung zum Mann des Jahres erkl&auml;rt hat. Seine PR funktioniert. Das erh&ouml;ht die Gefahr f&uuml;r uns. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r Angela Merkel. Ihr vorurteils-beladenes Umgehen mit der konjunkturpolitischen Problematik schadet ihr allenfalls deshalb ein bisschen, weil einige europ&auml;ische Partner eigene Wege gehen. (Wenn Sie &uuml;brigens den Geist erfassen wollen, der die wirtschaftspolitische Orientierung unserer Bundeskanzlerin pr&auml;gt, dann sollten Sie ihre <a href=\"http:\/\/www.stuttgart08.cdu.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/081201-rede-merkel-stbericht.pdf\">Rede auf dem Stuttgarter Parteitag der CDU [PDF &ndash; 68 KB]<\/a> nachlesen. Die Bundeskanzlerin hat die Dimension der Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz von Millionen Menschen offenbar nicht erfasst. Sie verweist auf die schw&auml;bische Hausfrau, die begriffen habe, dass man auf Dauer nicht &uuml;ber seine Verh&auml;ltnisse leben k&ouml;nne. &ndash; Das ist ja sch&ouml;n und gut. Aber erstens haben Millionen Menschen auch pers&ouml;nlich nicht &uuml;ber ihre Verh&auml;ltnisse gelebt. Und diese Feststellung hat zudem nichts mit unserer Rolle in der jetzt sichtbaren Krise zu tun. Deutschland hat am allerwenigsten &uuml;ber seine Verh&auml;ltnisse gelebt, im Gegenteil. Wir haben unter unseren Verh&auml;ltnissen gelebt, die Masseneinkommen, die L&ouml;hne, sind zu gering gestiegen. Unsere Volkswirtschaft hat damit unseren Partnervolkswirtschaften Probleme bereitet. Sie konnten mit der Wettbewerbsf&auml;higkeit der deutschen Volkswirtschaft nicht mithalten. In einer gemeinsamen Welt ist das nicht nur ihr Problem, sondern auch unseres. Diese Verantwortung unserer eigenen Wirtschaftspolitik f&uuml;r die Krise wird von unseren Verantwortlichen nicht gesehen; andernfalls k&ouml;nnten sie nicht so populistisch daherreden.<br>\nKlar haben die USA &uuml;ber ihre Verh&auml;ltnisse gelebt. Aber was nutzt die Beschreibung dieses Faktum uns in der jetzigen Situation? Es nutzt allenfalls Frau Merkel, weil sie f&uuml;r diese destruktive Analyse auch noch Applaus bekommt und Sanktionen vermeidet.<\/p><p>Zur&uuml;ck zum rechtzeitigen Handeln: Wenn wir im Rahmen des nationalstaatlich durchaus m&ouml;glichen zum Beispiel schon im Jahr 2006 gehandelt h&auml;tten, dann w&auml;ren wir sehr viel besser auf das vorbereitet gewesen, was die Finanzkrise zus&auml;tzlich an Bedrohung bringt.<br>\nAls ich heute von dem Vorschlag der Ministerin Schavan h&ouml;rte, ein gro&szlig;es Programm zur Sanierung der Schulen aufzulegen, und dann auch M&uuml;ntefering dieses Programm mit dem Hinweis darauf unterst&uuml;tzte, die Klassenr&auml;ume w&uuml;rden sinnvollerweise nicht von den Eltern, sondern von Handwerkern gestrichen und daf&uuml;r sei ein Konjunkturprogramm ganz gut, habe ich mich alter Texte erinnert. Ich zitiere in Anlage 2 ein Zehn-Punkte-Programm zur konjunkturpolitischen Kurskorrektur, das ich f&uuml;r mein im M&auml;rz 2006 erschienenes Buch &bdquo;Machtwahn&ldquo; im Jahr 2005 formuliert hatte. Es ist ein fiktives &bdquo;Kanzleramtspapier&ldquo;. Ich hatte mich in die Lage versetzt, Zuarbeiter des noch amtierenden Bundeskanzlers zu sein.<br>\nDort wird unter &bdquo;drittens&ldquo; ein gro&szlig;es, &ouml;ffentliches Investitionsprogramm einschlie&szlig;lich der Renovierung von Schulen und Universit&auml;ten vorgeschlagen, w&ouml;rtlich: &bdquo;Es macht auch keinen Sinn, die Schulen und Universit&auml;ten verrotten und Eltern die Klassenr&auml;ume streichen zu lassen, daf&uuml;r gibt es Handwerker.&ldquo;<\/p><p>Dass unsere politisch Verantwortlichen &auml;u&szlig;erst selten und allenfalls mit schrecklich langer zeitlicher Verz&ouml;gerung schlau werden, wird zu einem gro&szlig;en Problem f&uuml;r unser Land, f&uuml;r unsere Wirtschaft und f&uuml;r unsere Gesellschaft. Und dass sie f&uuml;r ihre Vers&auml;umnisse nicht b&uuml;&szlig;en m&uuml;ssen, versch&auml;rft das Problem. Sie bleiben uns n&auml;mlich erhalten, wenn wir uns nicht effizienter wehren, und dann werden sie uns immer wieder in Probleme bringen.<\/p><p>Wie schlimm es um den Zustand der ver&ouml;ffentlichten Meinung steht, k&ouml;nnen Sie beispielhaft an einem Spiegel Online-Artikel vom 5. Dezember studieren. Er ist als Anlage 3 erw&auml;hnt und verlinkt. (Wenn es die Zeit erlaubt, folgt in einem der n&auml;chsten Beitr&auml;ge ein Kommentar zu diesem Spiegel Online-Artikel.) <\/p><p><strong>Anlage 1:<\/strong><\/p><p>06. Dezember 2008, 15:15&nbsp;Uhr<br>\n<strong>DESOLATE WIRTSCHAFTSLAGE: Steinbr&uuml;ck schlie&szlig;t neues Konjunkturprogramm nicht mehr aus<\/strong><br>\nDas Paket ist verabschiedet, der Hickhack geht weiter: Aus Union und SPD kommen erneut Forderungen nach weitergehenden Konjunkturma&szlig;nahmen. Selbst Finanzminister Steinbr&uuml;ck zeigt sich nach Informationen des SPIEGEL inzwischen offen f&uuml;r neue Ma&szlig;nahmen.<br>\nBis Ostern nicht &ndash; aber was danach kommt, ist offen: Finanzminister Peer Steinbr&uuml;ck (SPD) hat nach Informationen des SPIEGEL erstmals seine Bereitschaft erkennen lassen, das Konjunkturpaket der Bundesregierung nachzubessern. Seinen Amtskollegen k&uuml;ndigte er Anfang vergangener Woche beim Finanzministertreffen der EU-Staaten in Br&uuml;ssel an, die Bundesregierung werde sich die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland im ersten Quartal n&auml;chsten Jahres genau anschauen. Sollten weitere konjunkturstimulierende Ma&szlig;nahmen n&ouml;tig sein, werde sie handeln. Ein weiteres Konjunkturpaket ist damit fr&uuml;hestens f&uuml;r Ostern zu erwarten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,druck-594825,00.html\">SPIEGEL<\/a><\/p><p><strong>Anlage 2:<\/strong><br>\nAuszug aus &bdquo;Machtwahn&ldquo; Seite 27ff<br>\n<strong>Ein fiktives Kanzleramtspapier: So h&auml;tte es sein k&ouml;nnen<\/strong><\/p><p><em>&raquo;Kanzleramtspapier &ndash; revidierte Fassung&laquo; vom 19.9.2005 f&uuml;r den amtierenden Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der und die anstehenden Koalitionsverhandlungen<\/em><\/p><p>Herrn Bundeskanzler<br>\nBetrifft: 10-Punkte-Programm zur Kurskorrektur.<\/p><p>Die von Ihrem Vorg&auml;nger Helmut Kohl und von Ihnen betriebene Reformpolitik hat leider die erwartete wirtschaftliche Belebung und Konsolidierung der Finanzen nicht gebracht. Wir raten zu der schon fr&uuml;her vorgeschlagenen und diskutierten Kurskorrektur. Deutschland sollte praktizieren, was einige wenige Experten im eigenen Land und eine gro&szlig;e Zahl von Experten au&szlig;erhalb unseres Landes empfehlen und was andere L&auml;nder vorgemacht haben: Wir sollten uns auf die &Uuml;berwindung der wirtschaftlichen Rezession konzentrieren, wir sollten dabei alle Denkverbote zur Seite schieben und endlich undogmatisch und pragmatisch alle Instrumente der Wirtschaftspolitik einsetzen. Das hei&szlig;t: Wir sollten zum einen weiter die Wettbewerbsf&auml;higkeit unserer Unternehmen und damit auch unserer Volkswirtschaft zu verbessern suchen, zum anderen aber sollten wir zugleich endlich auch die Binnennachfrage anschieben.<\/p><p>Die &Uuml;berwindung der Rezession verlangt<\/p><p><strong>als erstes<\/strong> vor allem eine Verbesserung der Stimmung und des Vertrauens der Arbeitnehmer und der Unternehmer, der Familien und der Konsumenten in Gegenwart und Zukunft.<\/p><p><strong>Zweitens<\/strong> sollten die Tarifpartner auch von den beiden Koalitionspartnern und der k&uuml;nftigen Regierung ermuntert werden, die realen L&ouml;hne wieder &ndash; jedenfalls im Rahmen des Anstiegs der Produktivit&auml;t &ndash; steigen zu lassen, damit die Menschen wieder Geld und Mut zum Konsumieren haben und der Einzelhandel und das sonstige auf den Binnenmarkt konzentrierte Gewerbe wieder Zuversicht gewinnen und investieren.<\/p><p><strong>Drittens<\/strong> sollten wir ein gro&szlig;es &ouml;ffentliches Investitionsprogramm auflegen. Es gibt schlie&szlig;lich viel Sinnvolles zu tun in unserem Land: Die Kanalisation vieler Gemeinden ist nicht in Ordnung, wir brauchen neue Verkehrswege, allein tausend Br&uuml;cken, die &uuml;ber Bahnlinien f&uuml;hren, sind marode und sanierungsbed&uuml;rftig. Es macht auch keinen Sinn, die Schulen und Universit&auml;ten verrotten und Eltern Klassenr&auml;ume streichen zu lassen, daf&uuml;r gibt es Handwerker.<\/p><p>Dann w&auml;re <strong>viertens<\/strong> zu pr&uuml;fen, ob eine zeitlich begrenzte Investitionszulage und\/oder h&ouml;here degressive Abschreibungen den Aufschwung beschleunigen k&ouml;nnten.<\/p><p><strong>F&uuml;nftens<\/strong> sollte man offen sein f&uuml;r eine vor&uuml;bergehende Arbeitszeitverk&uuml;rzung und<\/p><p><strong>sechstens<\/strong> ein Programm zur Stabilisierung gesicherter Arbeitsverh&auml;ltnisse auflegen. Das ist wichtig f&uuml;r die finanzielle Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme und kommt den neuen Akzenten in der Familienpolitik entgegen. Junge Paare mit ungesicherten, prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen haben mit Recht keine Lust auf mehrere Kinder.<\/p><p><strong>Siebtens<\/strong> sollte die Bundesregierung bei den Gemeinden darauf dr&auml;ngen und die finanziellen Mittel bereitstellen, damit das Betreuungsangebot f&uuml;r Kleinkinder innerhalb kurzer Frist erh&ouml;ht und verbessert werden kann.<\/p><p><strong>Achtens<\/strong> sollte die Bundesregierung in jedem Fall darauf verzichten, die Mehrwertsteuer zu erh&ouml;hen. Denn das w&auml;re ein Schock f&uuml;r den angestrebten Aufschwung der Binnenkonjunktur.<\/p><p><strong>Neuntens<\/strong> sollte die neue Bundesregierung darauf dr&auml;ngen, dass die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) eine expansive Geldpolitik verfolgt und in der jetzigen sensiblen Lage den Zins nicht erh&ouml;ht.<\/p><p><strong>Zehntens<\/strong> ist es wichtig, in Br&uuml;ssel klarzumachen: Die Bundesregierung muss in der jetzigen Situation geplant und massiv Geld ausgeben, um die Konjunktur anzukurbeln und damit dann auf mittlere Sicht einen wirklichen Sparerfolg zu erzielen. Die bisher &uuml;bliche Methode ist absurd: Die Euro-L&auml;nder werden durch das Maastricht-Kriterium zur Versch&auml;rfung ihrer Krisen gezwungen. Am Ende haben sie nach aller Erfahrung mehr Schulden als vorher. Wir gehen diesen Weg nicht mehr weiter mit. Wir brauchen mindestens zwei, eher drei Jahre Ruhe an der Maastricht-Front, um vor&uuml;bergehend mehr Schulden machen zu k&ouml;nnen und am Ende weniger zu haben. Weder Europa noch Deutschland haben etwas davon, wenn hierzulande immer und immer wieder zu sparen versucht wird und mit dem Sparversuch dann der Sparerfolg zunichte gemacht wird. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass man eine Krise versch&auml;rft, wenn man in einer Krisensituation zu sparen versucht.<\/p><p>Die neue Koalition sollte in ihrer Politik und beim Umgang mit den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern immer bedenken: Es geht darum, den Menschen wieder Mut zu machen und ihnen Sicherheit zu vermitteln, statt ihnen &raquo;Blut und Schwei&szlig; und Tr&auml;nen&laquo; oder &raquo;Heulen und Z&auml;hneklappern&laquo; anzudrohen, wie vom hessischen Ministerpr&auml;sidenten Roland Koch zu h&ouml;ren war. Die Politik ist nicht dazu da, die Menschen zu verunsichern, die Politik ist dazu da, f&uuml;r eine hoffnungsvolle Zukunft der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zu sorgen. Deshalb ist der erste Punkt so entscheidend: Eine gute Konjunkturpolitik ist zur H&auml;lfte Psychologie.&laquo;<\/p><p><strong>Anlage 3:<\/strong><\/p><p>05. Dezember 2008<br>\n<strong>ZINSSENKUNGEN VERPUFFT: Kreditmangel dr&uuml;ckt Wirtschaft in tiefe Rezession<\/strong><br>\nDie Wirtschaft in der Schockstarre: Die Notenbank schraubt den Leitzins tiefer und tiefer, aber die Unternehmen haben nichts davon. Immer mehr Konzerne klagen &uuml;ber Probleme, an Kredite zu kommen. Deutschland droht die tiefste Rezession seit 1949.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,594731,00.html\">SPIEGEL<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leser der NachDenkSeiten k&ouml;nnten sich daran st&ouml;ren, dass wir immer wieder auf den Zusammenhang zwischen der Meinungsbildung zu einem politischen Problem und der politischen Willensbildung und Entscheidungsfindung dazu hinweisen. Es hilft aber nichts, denn die &uuml;berall herumschwirrenden Vorurteile und Legenden haben eine verheerende Wirkung auf die politischen Entscheidungen: Wir wussten auch vor zwei oder drei<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3638\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,30],"tags":[290,380,299,315,253,449,402],"class_list":["post-3638","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-binnennachfrage","tag-export","tag-konjunkturprogramme","tag-merkel-angela","tag-steinbrueck-peer","tag-umsatzsteuer","tag-wachstum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3638"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28263,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3638\/revisions\/28263"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}