{"id":36383,"date":"2016-12-21T14:17:34","date_gmt":"2016-12-21T13:17:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36383"},"modified":"2016-12-21T15:22:22","modified_gmt":"2016-12-21T14:22:22","slug":"der-fluch-des-reichtums-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36383","title":{"rendered":"Der Fluch des Reichtums"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161221_Der-Fluch-des-Reichtums_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Afrika ist ein Kontinent, der &auml;u&szlig;erst reich ist an Rohstoffen, wie Erd&ouml;l, Gold und Diamanten. Hier befinden sich auch die bedeutendsten Vorr&auml;te von Uran, Kupfer, Eisenerz, Bauxit und Coltan, das immer mehr f&uuml;r die Massenproduktion von Handys gebraucht wird. Die Frachtladungen dieser Produkte gehen haupts&auml;chlich nach Nordamerika, Europa, vermehrt auch nach China. Von <strong>Jean Feyder<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36383#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><div style=\"clear:both;\"><\/div><p><!--more--><br>\nTom Burgis Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/der-fluch-des-reichtums-ebook\/\">Fluch des Reichtums<\/a>&ldquo; zeigt, wie diese Natursch&auml;tze von multinationalen Unternehmen ausgebeutet werden, von in Steueroasen registrierten Konzernen, aber auch, zunehmend von m&auml;chtigen, chinesischen Gesellschaften, die all diese Produkte f&uuml;r den riesigen chinesischen Markt erobern und sichern wollen.<\/p><p>Die systematische Pl&uuml;nderung all dieser Reicht&uuml;mer erfolgt in Zusammenarbeit mit einflussreichen Mitgliedern afrikanischer Regierungen und deren Hinterm&auml;nnern. Sie basiert auf diskreten Komplizenschaften, auf geheimen Abmachungen, auf mafi&ouml;sen Gesch&auml;ftsverbindungen und Schmugglernetzen. Es geht um regelm&auml;&szlig;ige Bestechung, um private Bereicherung auf Kosten der Bev&ouml;lkerung, die weiterhin arm bleibt. <strong>Die an den neuen Imperien beteiligten Regierungen legen nationalen Institutionen oder Parlamenten in keiner Weise Rechenschaft &uuml;ber ihr Tun ab<\/strong>.<\/p><p>Diese Ausbeutung begann schon vor der Unabh&auml;ngigkeit der afrikanischen Staaten, als Shell bereits Erd&ouml;l aus dem Boden Nigerias pumpte. Sie hat eine lange Tradition, die in die Kolonialzeit zur&uuml;ckgeht und auf &bdquo;Helden&ldquo; wie Cecil Rhodes in S&uuml;dafrika oder K&ouml;nig Leopold II. im fr&uuml;heren Belgisch-Kongo.<\/p><p><strong>Wie vernichtend kann Freihandel sein?<\/strong> 300 000 Nigerianer verloren ihre Arbeitspl&auml;tze in der Textilindustrie durch Billigimporte aus China, die skrupellose, einheimische Million&auml;re &uuml;ber Schmuggelwege organisierten. Eine halbe Million Bauern war gezwungen, die Baumwollproduktion aufzugeben, die f&uuml;r die einst bestehenden 175 Textilfabriken bestimmt war. Heute leben in Nigeria fast zwei Drittel der Bev&ouml;lkerung von weniger als 1,25 Dollar am Tag. <strong>Kein Wunder, wenn dann arbeitslose Jugendliche sich von Terrororganisationen wie Boko Haram anziehen lassen.<\/strong> Nigeria erlebt keinen Boom, wie solide Wachstumsraten vort&auml;uschen, sondern einen Abstieg in die Armut. Im Nigerdelta in Nigeria haben sich Milizen und Verbrecherbanden organisiert und gleichzeitig schlie&szlig;t die &Ouml;lfirma Shell dubiose, dunkle Gesch&auml;ftsvereinbarungen mit der Regierung ab. Oft kommt es zu gewaltt&auml;tigen Konflikten, wenn sich die lokale Bev&ouml;lkerung gegen diese Beraubung und gegen die Umweltverschmutzung durch Erd&ouml;l zur Wehr setzt. <\/p><p>Vieles l&auml;uft &uuml;ber einflussreiche Mittelsm&auml;nner wie den Chinesen Sam Pa, Pr&auml;sident des f&uuml;r Infrastrukturarbeiten zust&auml;ndigen Unternehmens namens China International Fund und Leiter der m&auml;chtigen Queensway-Gruppe, die sowohl in Hongkong als auch in Singapur angesiedelt ist. Er half in Angola etwa bei der Gr&uuml;ndung der &bdquo;Futungo GmbH&ldquo;, die einen Machtkomplex im &Ouml;lbereich aufbaute, hinter dem sich private H&auml;ndler und Mitglieder der Regierung und der Armee verstecken.<\/p><p>Im Osten des Kongos hat der Coltanhandel zur Finanzierung lokaler Milizen und ausl&auml;ndischer Armeen beigetragen, die seit zwei Jahrzehnten dieses Gebiet terrorisieren und zu einem Schauplatz unz&auml;hliger lokaler Kriege verwandelt haben. Nur ein kleiner Anteil der Milliarden Dollar, die die Bergbauindustrie im Kongo an Eink&uuml;nften generiert, flie&szlig;t in den mageren Haushalt dieses Landes.<\/p><p><strong>Dennoch gibt es auch Lichtblicke:<\/strong> Wenn zum Beispiel in Guinea der neu gew&auml;hlte Pr&auml;sident Alpha Cond&eacute; Vertr&auml;ge im Eisenerzbereich, die seine Vorg&auml;nger, brutalste Diktatoren, mit korrupten rivalisierenden Potentaten und Bergbaugesellschaften abgeschlossen hatten, &uuml;berpr&uuml;fen und zum Teil auffliegen l&auml;sst. Wenn Niger, eines der &auml;rmsten L&auml;nder Afrikas, im Erd&ouml;lsektor Gesch&auml;ftsverbindungen mit China aufnimmt und so seine Wirtschaftsbeziehungen diversifizieren und die einseitige Abh&auml;ngigkeit von Frankreich abschw&auml;chen kann. Wenn in den letzten Jahren zwei Drittel der afrikanischen Ausgaben f&uuml;r Infrastruktur durch China finanziert und zum gro&szlig;en Teil auch von China gebaut werden. Und wenn beispielsweise in Angola zwischen 2002 und 2012 j&auml;hrlich 15 Milliarden Petrodollar in Vertr&auml;ge f&uuml;r den Bau von Stra&szlig;en, Wohnungen, Eisenbahnlinien und Br&uuml;cken investiert wurden.<\/p><p>Auch auf S&uuml;dafrika, Ghana, Simbabwe und die Weltbank wirft der Autor Tom Burgis sein eindringliches Scheinwerferlicht. Als Auslandsreporter f&uuml;r die <em>Financial Times<\/em> reiste er im Verlauf mehrerer Jahre in all diese L&auml;nder und kennt die dortigen Verh&auml;ltnisse aus eigener Erfahrung. Er trat vor Ort sowohl mit einer Reihe von Hauptakteuren wie mit kritischen Beobachtern in Kontakt und konnte sich so ein koh&auml;rentes Bild &uuml;ber meist versteckte Gesch&auml;ftsverbindungen machen, wie auch &uuml;ber die sozialen Missst&auml;nde. Der &bdquo;Fluch des Reichtums&ldquo; ist ein vielseitiges und gut recherchiertes Buch, das jedem an Afrika, Entwicklungspolitik und internationalen Beziehungen interessiertem Leser nur zu empfehlen ist.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Jean Feyder<\/strong> ist luxemburgischer Diplomat und war St&auml;ndiger Vertreter Luxemburgs bei der WTO in Genf, zuvor Direktor f&uuml;r Entwicklungszusammenarbeit beim Au&szlig;enministerium in Luxemburg. Seit 2006 ist er bei der WTO au&szlig;erdem Vorsitzender des Komitees f&uuml;r die am wenigsten entwickelten L&auml;nder der Welt (Least Developed Countries, LDC), einer Gruppe von 50 L&auml;ndern, die h&auml;ufig auch als Vierte Welt bezeichnet wird.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161221_Der-Fluch-des-Reichtums_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Afrika ist ein Kontinent, der &auml;u&szlig;erst reich ist an Rohstoffen, wie Erd&ouml;l, Gold und Diamanten. Hier befinden sich auch die bedeutendsten Vorr&auml;te von Uran, Kupfer, Eisenerz, Bauxit und Coltan, das immer mehr f&uuml;r die Massenproduktion von Handys gebraucht wird. 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