{"id":3648,"date":"2008-12-09T12:23:47","date_gmt":"2008-12-09T11:23:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3648"},"modified":"2015-10-29T15:20:25","modified_gmt":"2015-10-29T14:20:25","slug":"clement-bei-beckmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3648","title":{"rendered":"Clement bei Beckmann"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich Sendung Beckmann mit Wolfgang Clement angetan hat, wird erneut erkannt haben, was schlechter (uninformierter) Journalismus ist. Beckmann war in keiner Hinsicht in der Lage, Clements energiepolitischer Position auch nur ein einziges sachliches Argument entgegen zu setzen. Es wurde so z.B. im Raum stehen gelassen, dass das Wahlprogramm der hessischen SPD ausschlie&szlig;lich auf erneuerbare Energien setzte. Kein Einwand etwa, dass Blockheizkraftwerke (mit Kraftw&auml;rmekoppelung) einen nahezu doppelt so hohen Wirkungsgrad wie die (von den Energiekonzernen favorisierten) Gro&szlig;kraftwerke haben. Clement durfte zwar behaupten, dass alternative Energieerzeugung &bdquo;nie&ldquo; wirtschaftlich w&uuml;rde, aber kein Wort zu den immensen (staatlichen) Kosten f&uuml;r die Kernenergie. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nDass Hermann Scheer im eingespielten Film Clement vorhielt, sich trotz mehrfacher Aufforderung nie einer energiepolitischen Debatte mit ihm gestellt zu haben, konnte Clement mit der Bemerkung abtun, dass man &uuml;ber Scheers Positionen nicht diskutieren k&ouml;nne. Denn Clements Meinung ist ja von vorneherein richtig.<\/p><p>Unwidersprochen blieb auch die von Clement in die Welt gesetzte M&auml;r vom CO 2-freien Kohlekraftwerk (das, wenn ich das richtig verstanden habe, schon 2009 gebaut werden soll). Selbst die gr&ouml;&szlig;ten technologischen Optimisten gehen nicht davon aus, dass eine technische Realisierung in nennenswertem Umfang innerhalb der n&auml;chsten 10 Jahre m&ouml;glich sein k&ouml;nnte. Kritiker gehen eher davon aus, dass die CO 2&ndash;freien Kohlekraftwerke wie die Atomkraft nur ein weiterer Versuch sind, das Zeitalter der zentralen Gro&szlig;kraftwerke &uuml;ber die Zeit zu retten.<\/p><p>Kein Einhaken Beckmanns, dass Clement einerseits ganz offensiv den Standpunkt vertrat, dass man als Aufsichtsrat offensiv die Interessen seines jeweiligen Unternehmens vertreten m&uuml;sse und andererseits den Vorhalt des Lobbyismus f&uuml;r RWE als abwegig abtun konnte, weil er ja einstimmig von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite (wohlgemerkt von RWE) in den Aufsichtsrat gew&auml;hlt worden sei.<\/p><p>Clement konnte unwidersprochen erkl&auml;ren, dass die SPD so schlechte Ergebnisse erziele, weil sie von Schr&ouml;ders (und nat&uuml;rlich seinem Kurs) abgewichen sei, ohne auch nur in einem Halbsatz begr&uuml;nden zu m&uuml;ssen, wo Steinmeier oder M&uuml;ntefering diese Linie verlassen h&auml;tten. Leider war da keine Grafik vorbereitet, wie die Wahlergebnisse der SPD mit der Ausrufung der Agenda und mit Clements Hartz-Gesetzen abgesackt sind. <\/p><p>Auch keine Frage zu den angeblichen Erfolgen der Clementschen Politik. Clement durfte sich so als der &bdquo;Retter&ldquo; Deutschlands aufspielen. Kein einziges Beispiel f&uuml;r seine zahllosen hinterlassenen Baustellen und f&uuml;r seine vielen Flops wurde genannt.<\/p><p>Warum hat Beckmann nicht nach der Haltung Clements als &bdquo;Chairman&ldquo; des Adecco-Instituts &ndash;  also als Vertreter des weltweit gr&ouml;&szlig;ten Leiharbeitgebers &ndash; zur Ausweitung der Leiharbeit und zu den gegenw&auml;rtigen Entlassungen solcher prek&auml;r besch&auml;ftigten Arbeitnehmern gefragt? <\/p><p>Kritiklos konnte Clement auch den Dreht&uuml;reffekt von der Politik in die Wirtschaft loben und voller Stolz einige seiner Aufsichtsratsmandate aufz&auml;hlen. <\/p><p>Typisch f&uuml;r Clement auch, dass er, als zu seiner Amtszeit die Arbeitslosigkeit &uuml;ber 5 Millionen anstieg, nie ernsthaft &uuml;ber ein Konjunkturprogramm nachdachte und jetzt pl&ouml;tzlich Investitionen in Infrastruktur und Bildung in H&ouml;he von 50 Milliarden von der Bundesregierung fordert.<\/p><p>Perfide fand ich geradezu, wie Clement versuchte, sich in die Reihe der gro&szlig;en nordrhein-westf&auml;lischen Sozialdemokraten einzureihen. Wie erfolgreich er in NRW war, beweist die epochale Niederlage, dies sein Adlatus Steinbr&uuml;ck nach Clements Abgang nach Berlin in diesem sozialdemokratischen Kernland einstecken musste.<\/p><p>Die ganze Sendung war ein Musterbeispiel f&uuml;r den oberfl&auml;chlichen Journalismus in solchen Talk-Shows, wo kritische Einw&auml;nde allenfalls als kurze Statements oder als Zitate eingeblendet wurden, die Kritiker sich aber gegen Clements Konterattacken nicht mehr wehren konnten und Beckmann schon gar nicht. Journalismus als Stichwortlieferant zur Selbstdarstellung von Politikern eben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich Sendung Beckmann mit Wolfgang Clement angetan hat, wird erneut erkannt haben, was schlechter (uninformierter) Journalismus ist. Beckmann war in keiner Hinsicht in der Lage, Clements energiepolitischer Position auch nur ein einziges sachliches Argument entgegen zu setzen. 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