{"id":36493,"date":"2017-01-05T09:34:36","date_gmt":"2017-01-05T08:34:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36493"},"modified":"2018-12-27T11:30:20","modified_gmt":"2018-12-27T10:30:20","slug":"operation-konfetti-der-11-tatort-im-nsu-vs-komplex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36493","title":{"rendered":"Operation Konfetti &#8211; der 11. Tatort im NSU-VS-Komplex"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wolf Wetzel<\/strong> setzt mit diesem dritten Beitrag die Zusammenfassung seiner f&uuml;nfj&auml;hrigen Recherche zum NSU-VS-Komplex fort. Heute geht es um den 11. Tatort: Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz\/K&ouml;ln. 1998 tauchten Mitglieder der neonazistischen Kameradschaft &bdquo;Th&uuml;ringer Heimatschutz&ldquo; (THS) ab. Das wusste der Inlandsgeheimdienst (Verfassungsschutz) noch. Dann will er dreizehn Jahre lang nichts mehr gewusst haben &ndash;  auch nicht, dass sie sp&auml;ter als NSU insgesamt zehn Menschen ermordet haben (sollen). Die einen sagen achselzuckend, dass so etwas passieren kann und verweisen darauf, dass man das Gegenteil nicht beweisen k&ouml;nne. In diesem Beitrag geht es darum, das Gegenteil zu beweisen: Dem Inlandsgeheimdienst fehlte es weder an Wissen &uuml;ber, noch an Zug&auml;ngen zu den abgetauchten Neonazis. Sie machten schwere Straftaten m&ouml;glich, anstatt sie zu verhindern.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_896\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-36493-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170105_Operation_Konfetti_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170105_Operation_Konfetti_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170105_Operation_Konfetti_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170105_Operation_Konfetti_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=36493-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170105_Operation_Konfetti_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170105_Operation_Konfetti_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie dazu bitte auch Teil 1 &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35857\">Das unwahrscheinliche Ende des NSU<\/a>&ldquo; und Teil 2 &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36047\">Der Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007<\/a>&ldquo; von Wolf Wetzels Zusammenfassung<\/em><\/p><p>1998 tauchten mehrere Neonazis ab, als in einer Garage in Jena 1,4 Kilogramm Sprengstoff, Rohrbomben und neonazistisches Propagandamaterial gefunden worden war. Gleichfalls fand man in der Garage eine geheime Telefonliste, auf der die wichtigsten &bdquo;Kameraden&ldquo; verzeichnet waren. Auf diesen &bdquo;Gl&uuml;cksfall&ldquo; war der Inlandsgeheimdienst (und die Staatsschutzabteilungen der Polizei) bestens vorbereitet: Auf besagter Telefonliste befanden sich auch vier V-M&auml;nner, also Neonazis, die das vollste Vertrauen der Abgetauchten genossen und als &bdquo;Quellen&ldquo; von den Verfolgungsorganen &bdquo;gef&uuml;hrt&ldquo; wurden:<\/p><ul>\n<li><em>Tino Brandt (Deckname &rsaquo;Otto&lsaquo; bzw. &rsaquo;Oskar&lsaquo;)<\/em>. Organisatorischer Kopf der neonazistischen Kameradschaft &rsaquo;Th&uuml;ringer Heimatschutz&lsaquo;. V-Mann des th&uuml;ringischen Verfassungsschutzes von 1995 bis 2001. &bdquo;Th&uuml;ringer Heimatsch&uuml;tzer erz&auml;hlen (gegen&uuml;ber der Zeitung, d.V.), wie Brandt sie ermuntert habe, <em>&rsaquo;im Untergrund kleine Zellen zu bilden&lsaquo;<\/em>. Er habe das Motto &rsaquo;eine Idee sucht Handelnde&lsaquo; ausgegeben. <em>&rsaquo;Taten statt Worte&lsaquo;<\/em> habe er gefordert.&laquo; (stuttgarter-nachrichten.de vom 17.7.2014)<\/li>\n<li><em>Thomas Starke (VP 562)<\/em>. Einer der f&uuml;hrenden K&ouml;pfe der s&auml;chsischen &rsaquo;Blood &amp; Honour&lsaquo;-Sektion, V-Mann des LKA Berlin von 2000 bis 2011.<\/li>\n<li><em>Thomas Richter (Deckname &rsaquo;Corelli&lsaquo;)<\/em>, einflussreicher Neonaziaktivist aus Sachsen-Anhalt, V-Mann des Bundesamtes f&uuml;r Verfassungsschutz von 1994 &ndash; 2014. &raquo;Thomas R. engagierte sich (&hellip;) bei dem rechten Fanzine <em>&rsaquo;Der Wei&szlig;e Wolf&lsaquo;<\/em> in dessen Ausgabe Nummer 18 im Jahr 2002 ein interessantes Vorwort erschienen ist. Fett gedruckt, ohne n&auml;here Erl&auml;uterung, hei&szlig;t es da: <em>&rsaquo;Vielen Dank an den NSU&lsaquo;<\/em>. Es ist die erste bekannte Erw&auml;hnung des NSU in der &Ouml;ffentlichkeit, neun Jahre bevor die einzigartige Mordserie aufgedeckt wird.&laquo; (Spiegel-online vom 18.9.2012)<\/li>\n<li><em>Kai Dalek<\/em>, einer der F&uuml;hrungsk&ouml;pfe der 1984 vom damaligen Neonazi-F&uuml;hrer Michael K&uuml;hnen gegr&uuml;ndeten <em>&gt;Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front&lsaquo;<\/em> (GdNF). Er geh&ouml;rte zu den Gr&uuml;ndern des neofaschistischen <em>&rsaquo;Thule-Netzwerkes&lsaquo;<\/em>. Laut offiziellen Angaben wurde dieser Neonazi vom LfV Bayern von 1994 bis 1998 als V-Mann gef&uuml;hrt.<\/li>\n<\/ul><p>Sie versorgten den Inlandgeheimdienst mit wichtigen Informationen und beteiligten sich engagiert am Aufbau eines neonazistischen Untergrundes:<\/p><ul>\n<li>Besorgung von 1.4 Kilo Sprengstoff (VP 562)<\/li>\n<li>Das Gew&auml;hren von Unterschlupf f&uuml;r die Abgetauchten (V-Mann Corelli und VP 562)<\/li>\n<li>Beschaffung von Blanko-Reisep&auml;ssen und Geld (V-Mann Otto)<\/li>\n<li>Aufbau eines neonazistischen Infosystems namens Thule-Netzwerk. (V-Mann Dalek)<\/li>\n<\/ul><p>Es ist also keine &Uuml;bertreibung, wenn man sagen kann: Der Geheimdienst war mit zahlreichen V-Leuten am neonazistischen Untergrund beteiligt &ndash; von Anfang an.<br>\nOder anders gesagt: Wenn man die offizielle Version vom &sbquo;Terror-Trio&rsquo; zur Grundlage nimmt, dann hatte der Geheimdienst mehr &bdquo;Quellen&ldquo; im neonazistischen Untergrund als der NSU Mitglieder.<\/p><p><strong>Die Selbstaufkl&auml;rung des NSU<\/strong><\/p><p>2011 nimmt der NSU nach bis heute aufrechterhaltener Version seine &bdquo;Selbstaufl&ouml;sung&ldquo; und &bdquo;Selbstvermarktung&ldquo; in die eigene Hand. Uwe Mundlos und Uwe B&ouml;hnhardt begehen in einem Campingwagen in Eisenach-Stregda &bdquo;einvernehmlichen Selbstmord&ldquo;. Das &bdquo;letzte lebende&ldquo; Mitglied des NSU, Beate Zsch&auml;pe, verschickt an mehrere Adressen Videos, in denen der NSU mehrere Morde als rassistische Taten begr&uuml;&szlig;t.<\/p><p><strong>Sechs Tage sp&auml;ter<\/strong><\/p><p>&bdquo;K&ouml;ln, Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz, 10. November 2011. Frau N., Sachbearbeiterin, gewissenhaft, fragt sicherheitshalber noch einmal nach.<\/p><blockquote><p>&ldquo;Was soll hier vernichtet werden?&rdquo;<br>\n&ldquo;Sechs Akten&rdquo;, sagt der Referatsleiter M.<br>\n&ldquo;Sind das denn V-Mann-Akten, oder sind das Werbungsakten?&rdquo;<br>\n&ldquo;Es sind V-Mann-Akten.&rdquo;<br>\n&ldquo;Die werden doch nicht vernichtet. Wieso sollen die vernichtet werden?&rdquo;<br>\n&ldquo;Tun Sie das, was ich sage.&rdquo;<br>\n&ldquo;Nein, das tue ich nicht. Geben Sie mir das schriftlich.&rdquo;<br>\nReferatsleiter M. schickt eine E-Mail.<\/p><\/blockquote><p>Einen Tag sp&auml;ter, zwischen zehn und elf Uhr, schiebt Frau N., gewissenhaft und zusammen mit einem Kollegen, sechs Akten in den Schlund des gewaltigen Rei&szlig;wolfs im Keller des Bundesamts. Sechs Akten, auf die der Referatsleiter stie&szlig;, als er hektisch nach drei Namen suchte: Zsch&auml;pe, Mundlos, B&ouml;hnhardt. (&hellip;) Drei Namen, die den Verfassungssch&uuml;tzern seit einer Woche Sorgen machen, seit Maskierte eine Bank in Eisenach &uuml;berfielen und ein Haus in Zwickau explodierte. Namen, die schon bald mit einer Mordserie verbunden, zu Synonymen einer Staatsaff&auml;re werden.&laquo; (Stern vom 26.11.2014)<\/p><p>Als dieser Vorgang an die &Ouml;ffentlichkeit gelangt, lieferte der Referatsleiter folgende gewissenhaft-penible Erkl&auml;rung ab: Es habe sich um die <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/investigativ\/vernichtung-von-nsu-unterlagen-loeschen-von-v-mann-akten-war-reine--routine--3870390.html\">fristgerechte L&ouml;schung von veralteten Unterlagen gehandelt<\/a>. Reine Routine: Aus Kapazit&auml;tsmangel werden Akten, die als &uuml;beraltert erachtet werden, vernichtet. Ein ordentlicher, Platz schaffender Mann, ein W&auml;chter des Datenschutzgesetzes. Nur keine Aufregung.<br>\nKomplement&auml;r wird noch eine andere, extrem geistreiche Variante in die Welt gesetzt: Die vernichteten V-Mann-Akten h&auml;tten nichts mit dem NSU oder seinem Umfeld zu tun.<\/p><p><strong>Operation Rennsteig<\/strong><\/p><p>Zwischen 1996 und 2003 hatten Polizei, BfV und BND genau das getan, woran es dreizehn Jahre gemangelt haben soll: Zuspiel und Zusammenarbeit.<br>\nGemeinsam rekrutierten sie Neonazis in Th&uuml;ringen. Das Ziel war klar: der &bdquo;Th&uuml;ringer Heimatschutz&ldquo; (THS), die gr&ouml;&szlig;te neonazistische Kameradschaft in Th&uuml;ringen, mit bis zu 150 Mitgliedern. Der Erfolg dieser &bdquo;Operation&ldquo; konnte sich sehen lassen. Ein bis zwei Dutzend Neonazis wurden als V-Leute angeworben. Sie bekamen Decknamen aus der T-Serie: <em>Tulpe, Treppe, Tusche, Tinte, Tacho, Tarif<\/em> usw..<br>\nEs waren genau diese Akten, die man hat verschwinden lassen. Denn sie hatten keinerlei Bezug zum NSU-Komplex. Verstanden?<br>\nDenn was sollen V-Leute, die man im THS anwirbt, mit denen zu tun haben, die aus dem THS hervorgegangen sind? Eine geradezu hochschwangere Verschw&ouml;rungstheorie.<\/p><p><strong>Einer muss dran glauben<\/strong><\/p><p>Die Akten waren verbrannt, der erste und zweite Schachzug auch. Nun kam der dritte Spielzug dran. Man machte aus einer streng hierarchischen und weisungsergebenen Einrichtung eine Ansammlung von eigensinnigen und eigenwilligen Mitarbeitern, von denen einer die ganze Beh&ouml;rde in Verruf gebracht hat.<\/p><p>Es oblag dem damaligen Vize-Pr&auml;sidenten des BfV, Klaus-Dieter Fritsche, diesen Ball ins Spiel zu bringen, in seiner Erkl&auml;rung vom 18.12.2012 vor dem PUA in Berlin:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Hiervon getrennt zu sehen ist der Sachverhalt der au&szlig;erordentlichen Aktenvernichtung im BfV noch nach Bekanntwerden des NSU, &uuml;ber den ich erstmalig am 27.06.2012 Kenntnis erlangt habe und der mich fassungslos gemacht hat.<br>\nIch habe den damaligen Pr&auml;sidenten des Bundesamtes unmittelbar aufgefordert, den Sachverhalt umfassend zu erheben und habe mir gleichzeitig disziplinarrechtliche Ma&szlig;nahmen vorbehalten. (&hellip;) Ich m&ouml;chte seinem heutigen Abschlussbericht in diesem Ausschuss nicht vorgreifen. Aber das offensichtlich bewusste, individuelle Fehlverhalten eines Referatsleiters hat dazu gef&uuml;hrt, eine ganze Beh&ouml;rde in Verruf zu bringen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Puhh, der Vizechef des Inlandsgeheimdienstes schien wirklich au&szlig;er sich gewesen zu sein. Und dann noch diese Drohung: das wird Folgen haben &hellip; Man durfte auf Einiges gefasst sein.<\/p><p><strong>Zur&uuml;ck auf Los<\/strong><\/p><p>Am 24. Oktober 2014 wurde der Referatsleiter Lothar Lingen von BKA-Beamte befragt. Dort gab er Folgendes zu Protokoll: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die blo&szlig;e Bezifferung der seinerzeit in Th&uuml;ringen vom BfV gef&uuml;hrten Quellen mit acht, neun oder zehn F&auml;llen h&auml;tte zu der Frage gef&uuml;hrt, aus welchem Grunde die Verfassungsschutzbeh&ouml;rden &uuml;ber die terroristischen Aktivit&auml;ten der Drei eigentlich nicht informiert worden sind. Die nackten Zahlen sprachen ja daf&uuml;r, dass wir wussten, was da l&auml;uft, was aber nicht der Fall war. Und da habe ich mir gedacht, wenn der quantitative Aspekt also die Anzahl unser Quellen im Bereich des &sbquo;Th&uuml;ringer Heimatschutz&rsquo; und Th&uuml;ringen nicht bekannt wird, dass dann die Frage, warum das BfV von nichts gewusst hat, vielleicht gar nicht auftaucht.&rdquo; (Spiegel.de vom 10.11.2016)<\/p><\/blockquote><p><strong>Na und?<\/strong><\/p><p>Die Beamte nahmen seine Aussage zu Protokoll, hefteten sie ab &ndash; und machten nichts. Polizeibeamte, die aus dem Effeff wissen, dass sie eine Straftat zur Anzeige bringen m&uuml;ssen, wenn sie von ihr Kenntnis erhalten bzw. der Verdacht einer strafbaren Handlung vorliegt.<\/p><p>Was die BKA-Beamten unterlassen hatten, unternahmen die Familie eines NSU-Opfers und ihre Anw&auml;lte. Sie reichten eine Strafanzeige gegen Lothar Lingen ein, wegen des Verdachts der Strafvereitelung, Urkundenunterdr&uuml;ckung und des Verwahrungsbruches.<\/p><p><strong>Die Staatsanwaltschaft K&ouml;ln<\/strong><\/p><p>Die damit befasste Staatsanwaltschaft pr&uuml;fte und pr&uuml;fte und kam Ende November 2016 zu folgendem Schluss: Sie wird keine Ermittlungen aufnehmen. Wo k&auml;men wir da auch hin?<\/p><p>Immerhin wollte und durfte die Staatsanwaltschaft ihre Bereitschaft zur Nicht-Bereitschaft begr&uuml;nden. Sie hat Kafka-Format.<br>\nZum einen h&auml;tten die Akten doch &bdquo;weitgehend&ldquo; bzw. &bdquo;gro&szlig;teils&ldquo; rekonstruiert werden k&ouml;nnen. Was wieder da ist, kann nicht verschwunden sein.<\/p><p>Dieser Freispruch setzt Ma&szlig;st&auml;be. Stellen Sie sich vor, Sie &uuml;berfallen eine Bank, eine gro&szlig;e Bank und sie haben Erfolg. Sie erbeuten sehr viel Geld und fl&uuml;chten unerkannt. Erst einmal. Denn ein paar Tage sp&auml;ter kommt man ihnen doch auf die Spur. Man verhaftet Sie und stellt fast die gesamte Beute sicher. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und ermittelt und kommt zu dem Schluss, dass es nichts zu ermitteln g&auml;be. Schlie&szlig;lich w&auml;re doch wieder so gut wie alles an seinem Platz.<\/p><p><strong>Alles paletti<\/strong><\/p><p>Apropos, es sei gar nichts passiert, die vernichteten V-Mann-Akten seien doch &bdquo;weitgehend&ldquo; wiederhergestellt worden. Zu den beseitigten V-Mann-Akten geh&ouml;rte auch jene des V-Mannes &bdquo;Tarif&ldquo;.<\/p><p>Der PUA in Berlin befragte am 25. November 2016 den ranghohen Mitarbeiter des BfV mit dem Decknamen Gerd Egevist. Unter anderem wurde er nach dem rekonstruierten Aktenbestand zum V-Mann &bdquo;Tarif&ldquo; gefragt.<br>\nZur Verbl&uuml;ffung der Parlamentarier gab er den Noch-Bestand mit <em>&bdquo;zehn bis zwanzig Prozent&ldquo;<\/em> an.<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;An dieser Stelle griff ein Mitarbeiter der Bundesregierung ein: Es seien tats&auml;chlich mehr als zwanzig Prozent.&ldquo;<\/em> (hib 693\/2016)<\/p><\/blockquote><p>Dass jemand die Farce dieses Einwurfes begriffen hat, ist in besagtem Protokoll des PUA nicht vermerkt.<\/p><p><strong>Und die Moral der Geschichte<\/strong><\/p><p>Der Beamte wurde ins Bundesverwaltungsamt &sbquo;versetzt&rsquo;, <em>&bdquo;wo er unter anderem Personenvorschl&auml;ge f&uuml;r Auszeichnungen durch den Bundespr&auml;sidenten erarbeitet&ldquo;<\/em>. (FR vom 5.10.2016)<br>\nEine ausgezeichnete Bestrafung, die ihre abschreckende Wirkung nicht verfehlen wird.<\/p><p>Ende 2014 wurde eine klitzekleine Nachricht ver&ouml;ffentlicht, die man auch &uuml;berlesen durfte: Das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz\/BfV wird mehr Geld und mehr Mitarbeiter bekommen. Zu den ca. 2.800 &rsaquo;Mitarbeitern&lsaquo; sollen bald 100 weitere hinzukommen. Au&szlig;erdem werden dieser Beh&ouml;rde als &raquo;Sachmittel&laquo; weitere 13,44 Millionen Euro bewilligt, womit der Etat f&uuml;r diese Beh&ouml;rde im Jahr 2015 bei fast 231 Millionen Euro liegt.<\/p><p>Das Totalversagen wird also ausgebaut. Der Inlandsgeheimdienst BfV bekommt seine Pr&auml;mie f&uuml;r Aktenvernichtungen und Falschaussagen, f&uuml;r Ermittlungssabotage und Irref&uuml;hrung, f&uuml;r die Beihilfe beim Aufbau und beim Nichtauffinden des NSU.<\/p><p>Elke Steven, Dr. phil., arbeitet als Soziologin beim Komitee f&uuml;r Grundrechte und Demokratie, und kommt zu folgendem Schluss:<br>\n<em>&bdquo;Im Juli 2015 hat der Bundestag das &bdquo;Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich des Verfassungsschutzes&ldquo;<\/em> beschlossen. Die Verwobenheit der Verfassungsschutz&auml;mter in den &bdquo;Nationalsozialistischen Untergrund&ldquo; (NSU) und das Versagen in der Aufdeckung der Mordtaten h&auml;tten zur Aufl&ouml;sung dieses demokratisch unkontrollierbaren Geheimdienstes f&uuml;hren m&uuml;ssen. Stattdessen werden neue, weitreichende Rechte geschaffen.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Das Begehen von Straftaten durch Staatsdiener und ihre V-Leute wird erstmals gesetzlich legitimiert und ihre Strafverfolgung eingeschr&auml;nkt. Schwerer kann man den Rechtsstaat kaum besch&auml;digen.&ldquo; (M&uuml;ller-Heidelberg: Beamtete Straft&auml;ter &ndash; T&auml;ter vom Dienst).&ldquo; (Der Staat ist der Verfassungsfeind, NachDenkSeiten vom 15.6.2016)<\/p><\/blockquote><p><strong>Wolf Wetzel<\/strong> &ndash; <em>Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund &ndash; wo h&ouml;rt der Staat auf?<\/em> Unrast Verlag 2015\/3. Auflage<\/p><p>In diesem Beitrag sind nur die V-Leute erw&auml;hnt, die sich auf der &bdquo;Garagenliste&ldquo; 1998 befanden. Sie sind nur die Spitze des Eisberges. &Uuml;ber 40 namentlich bekannte V-Leute waren im Nahbereich des NSU-Netzwerkes aktiv: <a href=\"https:\/\/wolfwetzel.wordpress.com\/2016\/04\/08\/v-manner-als-staatsanteil-im-nsu-netzwerk\/\">V-M&auml;nner als Staatsanteil im NSU-Netzwerk<\/a>.<\/p><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/ausschuesse18\/ua\/3untersuchungsausschuss#url=L3ByZXNzZS9oaWIvMjAxNjExLy0vNDgxOTgw&amp;mod=mod441614\">Fehlende Akten erneut Thema<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Wolf Wetzel<\/strong> setzt mit diesem dritten Beitrag die Zusammenfassung seiner f&uuml;nfj&auml;hrigen Recherche zum NSU-VS-Komplex fort. Heute geht es um den 11. Tatort: Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz\/K&ouml;ln. 1998 tauchten Mitglieder der neonazistischen Kameradschaft &bdquo;Th&uuml;ringer Heimatschutz&ldquo; (THS) ab. Das wusste der Inlandsgeheimdienst (Verfassungsschutz) noch. Dann will er dreizehn Jahre lang nichts mehr gewusst haben &ndash; auch nicht, dass<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36493\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,125,166],"tags":[2034,901,955,1266],"class_list":["post-36493","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-rechte-gefahr","category-terrorismus","tag-aktenvernichtung","tag-geheimdienste","tag-neonazismus","tag-nsu"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36493","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36493"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36493\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48022,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36493\/revisions\/48022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36493"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36493"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36493"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}