{"id":365,"date":"2004-09-30T12:31:56","date_gmt":"2004-09-30T11:31:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=365"},"modified":"2016-03-24T12:13:57","modified_gmt":"2016-03-24T11:13:57","slug":"ein-rekorddefizit-jagt-das-andere-und-keiner-spricht-uber-eine-kursanderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=365","title":{"rendered":"Ein Rekorddefizit jagt das andere und keiner spricht \u00fcber eine Kurs\u00e4nderung"},"content":{"rendered":"<p>Statt der urspr&uuml;nglich im Haushalt vorgesehenen Neuverschuldung von 29 Milliarden Euro muss Finanzminister Eichel wohl in diesem Jahr mit einem Defizit von &uuml;ber 43 Milliarden Euro rechnen. Weil die Steuereinnahmen hinter den Sch&auml;tzungen zur&uuml;ck bleiben, weil Steuern gesenkt werden, weil die Konjunktur nicht anspringt. Ein Defizit folgt dem anderen, doch die Antwort ist seit zwanzig Jahren immer die gleiche: Noch mehr sparen. Das Ergebnis war immer das gleiche: Noch mehr Schulden. Wann endlich wird man begreifen, dass in einer Phase konjunktureller Stagnation Sparen nicht zu einem Sparerfolg f&uuml;hrt?<br>\n<!--more--><br>\nDie Gew&ouml;hnungseffekt scheint zu einem der wichtigsten Vermittlungsinstrumente der gegenw&auml;rtigen Allparteienkoalition zu werden. So hofft man bei SPD, CDU, FDP und Gr&uuml;nen darauf, dass sich die Menschen an die Hartz-Reformen gew&ouml;hnen und genauso hofft man darauf, dass die Leute einsehen, dass der Staat immer mehr sparen muss, weil die Haushaltsl&ouml;cher eben immer gr&ouml;&szlig;er werden.<br>\nDas Vermittlungsinstrument zeigt Wirkung: Es f&auml;llt einem intellektuell zunehmend schwerer, gegen diesen Gew&ouml;hnungseffekt anzuk&auml;mpfen, denn man kann seine Kritik eigentlich nur st&auml;ndig wiederholen und man hat Sorge, dass man sich damit dem intellektuellen Niveau der Kritisierten ann&auml;hert.<br>\nSo ist das auch bei der Sparpolitik. Die NachDenkSeiten haben zum wiederholten Male darauf hingewiesen, dass eine Sparabsicht in der Haushaltspolitik eben noch lange nicht zu einem Sparerfolg f&uuml;hren muss.<br>\n(Wie oft wir auf diesen Denkfehler schon hingewiesen haben, k&ouml;nnen Sie selbst nachpr&uuml;fen, wenn Sie in unserer Suchrubrik einfach einmal die Begriffe &bdquo;sparen&ldquo; oder &bdquo;Haushalt&ldquo; eintippen.) Weil zu bef&uuml;rchten ist, dass auf die Schlagzeilen &uuml;ber das neue Rekorddefizit reflexartig nur wieder die &uuml;blichen, angeblich allein selig machenden Sparvorschl&auml;ge in die Debatte eingef&uuml;hrt werden d&uuml;rften, wollen wir vorbeugend einmal mehr darauf hinweisen, dass ein Denkfehler ein Denkfehler bleibt, auch wenn man ihn gebetsm&uuml;hlenhaft wiederholt.<\/p><p>Es ist eben falsch gedacht, wenn man die Erfahrung, die jeder Privatmann oder jedes einzelne Unternehmen macht, auf den Staat oder auf die gesamte Volkswirtschaft &uuml;bertr&auml;gt. Nat&uuml;rlich kann der einzelne Privathaushalt oder ein Unternehmen sparen, wenn weniger Geld ausgegeben wird. Wenn der Staat aber immer weniger Geld ausgibt &ndash; also wenn er das Geld der Arbeitslosen oder der Rentner oder &ndash; etwa &uuml;ber die Privatisierung der sozialen Kosten &ndash; das Einkommen der Normalverdiener schm&auml;lert -, dann kaufen die Leute weniger, dann sp&uuml;rt das der Handel und nach dem Handel die zuliefernde Industrie. Die Wirtschaft bekommt dann weniger Auftr&auml;ge und muss vielleicht sogar Leute entlassen und schon gar nicht wird sie ermuntert durch neue Investitionen neue Kapazit&auml;ten zu schaffen.<br>\nDas schw&auml;cht die Konjunktur und das senkt als Folge die staatlichen Steuereinnahmen.<br>\nWenn der Staat also bei &ndash; unbestreitbar &ndash; schwachem privaten Konsum und deshalb schwacher Konjunktur zus&auml;tzlich spart, dann schw&auml;cht er die Konjunktur zus&auml;tzlich und deshalb wird auch die bestgemeinte Sparabsicht nicht zu einem Sparerfolg. Weil n&auml;mlich &ndash; wie wir das aktuell wieder nachlesen k&ouml;nnen &ndash; die Umsatzsteuern &bdquo;hinter den Erwartungen zur&uuml;ckbleiben&ldquo;, weil die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit einen &bdquo;Mehrbedarf&ldquo; hat usw. usf.<br>\nNachdem seit zwanzig Jahren die Haushaltskonsolidierung quasi zum obersten Politikziel ausgegeben wurde und nachdem der &bdquo;eiserne Hans&ldquo; seit 1998 eine Sparabsicht nach der anderen angek&uuml;ndigt hat und danach immer neue Defizite verk&uuml;nden musste, sollte man meinen, dass irgendwann einer in der Politik und in den Medien einmal auf die Idee kommen k&ouml;nnte, dass dieser Teufelskreis durchbrochen werden muss. Es h&auml;tte doch irgendjemand auf das Beispiel Frankreich schauen k&ouml;nnen oder mal fragen k&ouml;nnen, wie eigentlich der US-Pr&auml;sident Clinton einen von den &bdquo;Sparern&ldquo; Reagan und Bush sen. total verschuldeten Haushalt saniert hat.<\/p><p>St&uuml;nde Hans Eichel heute nicht besser da, wenn er die Milliarden, die er entgegen seinen urspr&uuml;nglichen Haushaltsans&auml;tzen nachtr&auml;glich an zus&auml;tzlichen Haushaltsdefiziten hinnehmen musste, schon ins Jahr 1998 vorgezogen und in einem vern&uuml;nftigen Investitionsprogramm angelegt h&auml;tte? <\/p><p>Aber nein, in Deutschland gibt es gegen die vorherrschenden Denkfehler absolute Denkverbote.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Statt der urspr&uuml;nglich im Haushalt vorgesehenen Neuverschuldung von 29 Milliarden Euro muss Finanzminister Eichel wohl in diesem Jahr mit einem Defizit von &uuml;ber 43 Milliarden Euro rechnen. 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