{"id":36509,"date":"2017-01-06T09:23:29","date_gmt":"2017-01-06T08:23:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36509"},"modified":"2017-01-06T15:07:59","modified_gmt":"2017-01-06T14:07:59","slug":"aufklaerung-als-neu-rechte-mythologie-zu-joerg-bernigs-kamenzer-rede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36509","title":{"rendered":"Aufkl\u00e4rung als neu-rechte Mythologie \u2013 Zu J\u00f6rg Bernigs Kamenzer Rede"},"content":{"rendered":"<p>Am 19. Dezember 2016 hatten wir auf die 3. Kamenzer Rede aufmerksam gemacht, gehalten von J&ouml;rg Bernig. Diese Rede h&auml;tte einer Analyse und eines Kommentars bedurft. Dazu kam ich in den Tagen vor Weihnachten nicht. Deshalb die Herausnahme des Hinweises, was einerseits zu Kritik und andererseits zu Lob durch NachDenkSeiten Leserinnen und Leser gef&uuml;hrt hatte. Ein NachDenkSeiten-Leser hat es &uuml;bernommen, die Rede von Bernig in einem Leserbrief zu kommentieren. Zugleich verlinken wir hiermit auf die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/161219-04-Endfassung-J-Bernig-3-Kamenzer-Rede.pdf\">PDF Version der Rede des Erz&auml;hlers<\/a> und Lyrikers Bernig. Damit hoffen wir dem Informationsbedarf unserer Leserinnen und Leser gerecht zu werden. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6170\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-36509-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170106_Aufklaerung_als_neu_rechte_Mythologie_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170106_Aufklaerung_als_neu_rechte_Mythologie_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170106_Aufklaerung_als_neu_rechte_Mythologie_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170106_Aufklaerung_als_neu_rechte_Mythologie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=36509-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170106_Aufklaerung_als_neu_rechte_Mythologie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170106_Aufklaerung_als_neu_rechte_Mythologie_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Leserbrief von Markus L. zur Kamenzer Rede von J&ouml;rg Bernig<\/strong><\/p><p>J&ouml;rg Bernig, ein in Sachsen lebender, aber weit &uuml;ber die Grenzen dieses Bundeslandes hinaus bekannter Erz&auml;hler und Lyriker, hat im September dieses Jahres eine Rede gehalten, die in den neu-rechten Milieus unseres Landes mit Begeisterung aufgenommen worden ist. Auf einschl&auml;gigen Blogs und Diskussionsforen wurde die PDF-Fassung des Redemanuskripts unz&auml;hlige Male verlinkt und auch der vielbewunderte (zuletzt von Springers <em>Welt<\/em>) ideologische Vordenker einer nationalen Revolution G&ouml;tz Kubitschek, hat bei mehreren Gelegenheiten die Lekt&uuml;re des Textes nachdr&uuml;cklich empfohlen.<\/p><p>Umso erstaunter war ich, am 19.12.2016 ausgerechnet in den NDS einen Hinweis auf die besagte Rede zu finden. Albrecht M&uuml;ller, der verantwortliche Herausgeber, hatte ihn in einem einf&uuml;hrenden Text zwar mit einigen Vorbehalten versehen, aber den Leserinnen und Lesern die Auseinandersetzung mit den &Uuml;berlegungen Bernigs ans Herz gelegt. <\/p><p>Bei einer oberfl&auml;chlichen Durchsicht des Redetextes finden sich in der Tat zahlreiche Motive, die man aus der Arbeit der <em>Nachdenkseiten<\/em> kennt: die (berechtigte) Klage &uuml;ber die selbstherrliche Arroganz der Regierenden, welche die Demokratie in einem Geh&auml;use technokratischer Alternativlosigkeit stillzustellen versuchen, die Kritik an der wachsenden Aush&ouml;hlung der demokratischen &Ouml;ffentlichkeit durch die manipulativen Strategien m&auml;chtiger Interessengruppen aus der Politik und der Medienindustrie, die Warnung vor den fatalen Folgen des Missbrauchs der hegemonialen Stellung Deutschlands im Verbund der europ&auml;ischen Staaten, das Bestreben, das bedrohte Projekt der Aufkl&auml;rung vor seinen politischen Totengr&auml;bern zu retten und produktiv fortzuschreiben usw..<\/p><p>So weit, so gut. Bernigs &Uuml;berlegungen zielen gleichwohl auf etwas anderes. Fernab aller Emphase, die Fackel der Aufkl&auml;rung im Sinne Lessings und Kants weiterzutragen, entwerfen sie eine Art Mythos, eine gro&szlig;e Erz&auml;hlung, deren Versatzst&uuml;cke man aus den Diskussionen in den nationalkonservativen und neu-rechten Kreisen dieser Republik nur zu gut kennt: Danach st&uuml;nden die politischen und zivilgesellschaftlichen Eliten des Landes unter der F&uuml;hrung der Bundeskanzlerin im Begriff,  das tradierte gesellschaftliche Gef&uuml;ge Deutschlands in ein &bdquo;Versuchslabor einer ethnischen Modifizierung&ldquo;  zu verwandeln (S. 10). Der Kern der fl&uuml;chtlingspolitischen Anstrengungen der Gesellschaftsingenieure bestehe in einer alles umgreifenden biopolitschen Regulierung, welche darauf ziele, &bdquo;das Volk durch eine (multikulturelle, Hinzuf&uuml;gung des Verf.) Bev&ouml;lkerung zu ersetzen&ldquo; (ebd.).  In seiner kategorischen Unbedingtheit und hypermoralischen Legitimation, die jede Kritik von vornherein als rassistisch und fremdenfeindlich denunziere, trage dieses Projekt totalit&auml;re Z&uuml;ge, die an die extremistischen Gesellschaftsexperimente der ersten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts gemahnten. Angetrieben werde dieses Projekt durch eine in den herrschenden Schichten des Landes weit verbreitete &bdquo;autoaggressive&ldquo; Verachtung des eigenen Volkes und all jener kulturellen &Uuml;berlieferungen, die &bdquo;als deutsch abgelehnt&ldquo; werden (ebd.; vgl. S.16). Mit der Masseneinwanderung von Menschen aus den islamisch gepr&auml;gten Kulturen Nordafrikas und Arabiens stehe letztlich die Identit&auml;t des deutschen Volkes auf dem Spiel. Im Gegensatz zu anderen monotheistischen Weltreligionen habe der Islam keine kritische Brechung durch den Prozess der Aufkl&auml;rung erfahren (vgl. S.12). Nicht nur erhebe er in seinen politischen Ausbildungen den &bdquo;Anspruch auf Weltherrschaft&ldquo; (ebd.) &ndash; die in ihm gedeihenden Wertvorstellungen, Lebensstile und Habitusformen seien mit dem kulturellen Selbstverst&auml;ndnis des deutschen Volkes letztlich unvereinbar. Am Horizont des politischen Umbauprojekts stehe ein (bereits von dem neokonservativen Kulturtheoretiker Samuel Huntington beschworener) &bdquo;Kampf der Kulturen&ldquo;, dessen ersten Manifestationen wir in den Vorkommnissen der  K&ouml;lner Silvesternacht im Jahr 2015 begegnet seien und der bestenfalls in einer (unbefriedigenden) Bildung von Parallelgesellschaften stillgestellt werden k&ouml;nne. In dieser Situation stelle sich unserer Gesellschaft die &bdquo;Identit&auml;tsfrage&ldquo; (S. 13): F&uuml;r Bernig besteht sie in der notwendigen Entscheidung zwischen &bdquo;Bundesrepublik&ldquo; und &bdquo;Deutschland&ldquo;, multikultureller &bdquo;Bev&ouml;lkerung&ldquo; und kulturell homogenem &bdquo;Volk&ldquo; (S. 13ff.) Letztere Option sei &uuml;brigens das Identit&auml;tsangebot, das die Ostdeutschen dem wiedervereinigten Deutschland unterbreitet h&auml;tten. Es anzunehmen, h&auml;lt Bernig vor dem Hintergrund der ver&auml;nderten geopolitischen Stellung Deutschlands, seiner ihm in den letzten 20 Jahren zugewachsenen weltpolitischen &bdquo;Verantwortung&ldquo; und im Interesse guter Beziehung zu den Staaten Mittel- und Osteuropas f&uuml;r unabdingbar.<\/p><p>Auch wenn man das alles schon einmal geh&ouml;rt zu haben glaubt (u.a. aus den M&uuml;ndern der Herren Gauland und H&ouml;cke), wird es durch die sublimierte Fassung aus der Feder eines Vertreters des intellektuellen Establishments nicht besser. Problematisch erscheint nicht nur die absurde Annahme, die politischen Eliten planten aus Verachtung des eigenen Volkes  einen  gro&szlig; angelegten Bev&ouml;lkerungsaustausch oder die bornierte Vorstellung geschlossener &bdquo;Kulturkreise&ldquo;, die keine Ver&auml;nderung kennten und das Verhalten derer, die in ihnen aufgewachsen sind, f&uuml;r alle Zeiten determinierten. Gravierender ist das Schweigen &uuml;ber den wahren Konflikt unserer Tage, &uuml;ber den die NDS t&auml;glich informieren: Dieser besteht nicht in der Alternative zwischen &bdquo;Bev&ouml;lkerung&ldquo; oder Volk&ldquo;, sondern in der Frage, ob es gelingt, der neoliberalen Zerst&ouml;rung unserer nat&uuml;rlichen, sozialen und kulturellen Lebengrundlagen das Projekt einer freien, demokratischen, gerechten und solidarischen Gesellschaft entgegen zu stellen. Ein solches Projekt ist (ganz im Sinne des Kantischen &bdquo;&ouml;ffentlichen Vernunftgebrauchs&rdquo;, dessen Implikationen Bernig in seiner Rede einfach unterschl&auml;gt) universalistisch  angelegt. Es begreift die &bdquo;Verdammten dieser Erde&ldquo;, die vor den Verheerungen des globalen Kapitalismus fliehen, ausdr&uuml;cklich mit ein. Herr Bernig wird hoffentlich nicht traurig sein, wenn ich sein (angeblich ostdeutsches) &bdquo;Identit&auml;tsangebot&ldquo; zur&uuml;ckweise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19. Dezember 2016 hatten wir auf die 3. Kamenzer Rede aufmerksam gemacht, gehalten von J&ouml;rg Bernig. Diese Rede h&auml;tte einer Analyse und eines Kommentars bedurft. Dazu kam ich in den Tagen vor Weihnachten nicht. Deshalb die Herausnahme des Hinweises, was einerseits zu Kritik und andererseits zu Lob durch NachDenkSeiten Leserinnen und Leser gef&uuml;hrt hatte.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36509\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,159,125],"tags":[1055,835,633,340],"class_list":["post-36509","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-rechte-gefahr","tag-fluechtlinge","tag-nationalismus","tag-politikerverdrossenheit","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36509"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36509\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36522,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36509\/revisions\/36522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}